Bundesliga 2003/2004, 23. Spieltag, Samstag, 13.03.04 in der Hamburger AOL Arena bei 12 Grad C

Hamburger SV - Hertha BSC Berlin 2:0 (1:0)

Tolle Wurst! Nun darf ich wieder eine Woche lang vom UEFA-Cup träumen, um dann in der nächsten Woche nach der nächsten Auswärtsniederlage wieder betrübt zu sein.

Vorm Spiel hatte ich wirklich Angst, was heute passieren würde. Hertha hatte die letzten beiden Auswärtsspiele gewonnen und ist allgemein in der Rückrunde wiedererstarkt. Und wenn wir verlieren würden, müßten wir wohl leider auch nochmal auf die Abstiegsränge achten.

Jedenfalls sagte ich vorm Spiel zu meinen Sitzplatznachbarn, daß ich lieber dem Nicht-Erreichen des UEFA-Cups nachtrauere als noch gegen den Abstieg kämpfen zu müssen.

Der HSV legte aggressiv und gefällig los, aber es kamen zunächst wenige hochkarätige Chancen dabei heraus. Die erste richtig gute war dann eigentlich auch gleich eine 100 %ige. In der Berliner Abwehr spielte jemand leichtsinnig Mehdi den Ball vor die Füße. Der bediente den freistehenden Romeo, der allerdings etwas nach außen abkam im 16er und dir Blödheit beging, den Ball dann direkt aus der Drehung auf das Tor zu schießen. Es war schon aus der Bewegung und den Kenntnissen Romeos Schusskünste zu erkennen, daß es niemals ein Tor werden würde. Der Keeper hielt den Ball locker. Da hätte Romeo auf jeden Fall genug Zeit gehabt, den Ball unter Kontrolle zu bringen  und auf den Torwart zuzugehen.

Die nächste Chance, über deren Verwertung ich mich sehr geärgert habe, leitete Wicky toll ein. Er setzte sich rechts an der Grundlinie durch und lief auf eben dieser bis zum Tor. Sowas muß in meinen Augen ein Tor werden. Da können sich doch die Stürmer perfekt positionieren und die Abwehr hat irre Probleme, weil alle Angreifer in ihrem Rücken bleiben können. Unsere Stürmer standen aber so bescheuert, daß der einzige, der bereit stand und den Ball dann bekam, schon neben dem rechten Pfosten stand und den Ball dort dann ins Aus beförderte. Ich habe mich darüber vielleicht auch nur so geärgert, weil ich selbst im Fußball gerade solche Szenen total liebe.

Dann sollte tatsächlich mal wieder ein Standard bei uns für ein Tor gut sein. Wir bekamen in ca. 20 – 25 m auf halbrechts einen Freistoß, den natürlich Rahn schießen würde. Barbarez legte vor, Mehdi stoppte den Ball und Rahn schoss den Ball links an der Mauer vorbei rechts halbhoch ins Tor. Schönes Tor von Rahn, wobei ich mich schon frage, wie schlecht da die Mauer stand, wenn man den Ball halbhoch links an der Mauer vorbeischießt und er dann rechts einschlägt...?

Das Spiel ging dann so zur Pause. Die zweite Halbzeit sollte uns zwar spielerisch nicht sonderlich erbauen, aber es war mal wieder richtig was los im AOL Arena

Zunächst war es so, daß es eine Rangelei nach einem Freistoß gegen Hollerbach gab. In dieser Rangelei tatschte van Burik Hollerbach an und der ließ sich m.E. hinfallen. Ergebnis war dann, daß van Burik zuerst Rot bekam und dann bekam Hollerbach gelb. Mein Kumpel sagte vorher, daß es doch eigentlich für beide Rot geben müßte (wohl mehr aus der Angst heraus, daß nur Holler Rot bekäme). Ich hätte auch gelb für beide o.k. gefunden, denn es sah für mich wirklich nur nach einem Hinfaller von Holler aus. 

Nun waren die Berliner nur noch zu zehnt und forderten nach dem nächsten Foul von Holler auch heftig gelb-rot für ihn.

Dann gab es auch noch eine Szene, in der die Berliner stark einen Elfer forderten. Das habe ich allerdings nicht erkennen können. Aber sie lamentierten da schon sehr heftig.

Dann kam es noch dicker für Hertha. Romeo wurde schön in Richtung Strafraum steil geschickt (was man eigentilch nicht mit ihm machen kann), aber er war wirklich dabei, in den Strafraum reinzulaufen, als ihn Friedrich umrannte. Friedrich sah dafür die berechtigte rote Karte. 

Nun waren die Herthaner also nur noch zu neunt und nun bemerkte man endlich auch mal etwas von der numerischen Überlegenheit. In den Minuten dazwischen hatte man nämlich gar nichts davon bemerkt, daß wir in Überzahl waren. 

Jetzt fiel dann auch das 2:0, als sich Kling schön links durchsetzte, ebenfalls fast auf der grundlinie zum Tor ging und den am langen Pfosten lauernden Romeo anspielte.

Nun bemühte sich der HSV allerdings nicht mehr groß, dem Gegner noch weitere Tore einzuschenken. Man versuchte, das Spiel nach Hause zu bringen und das gelang auch. Man muß allerdings eingestehen, daß die Hertha sich bis zum Schluß nicht aufgab und immernoch versuchte, ein bißchen nach vorne zu spielen, was ja bei 9 Spielern nicht mehr ganz so leicht ist. 
 
Der Schiri pfiff recht früh ab in Anbetracht von 2 roten Karten und zig Auswechslungen, aber da brannte ja auch nichts mehr an. Ein tolles Spiel war es nun nicht gerade, aber Hertha hatte auch in Vollbesetzung fast nie eine richtige Torchance. Ich denke, da darf man von einem verdienten Sieg sprechen.
 
Bemerkenswert ist noch, daß die Spieler nach dem Abpfiff zwar richtig Nordtribüne gingen, aber die Welle "verweigerten". zumindest drehten sich einige Spieler direkt wieder um, sodaß es für die paar Spieler, die dort bereits standen, auch keinen Sinn mehr machte. Das gab dann nochmal teilweise Pfiffe aus der Nord.
Ich finde das Verhalten (das wohl als Reaktion auf unser Fanverhalten in Rostock nach dem Spiel zu werten ist) zwar nicht toll, aber schließlich dürfen auch die Spieler ihre Meinung zu unserem Verhalten äußern.
 
Nur wird das nachher beim HSV-Lumpenball, der im Curio-Haus stattfinden wird und zu dem auch die Spieler kommen sollen, bestimmt wieder etwas Unmut geben. Ich kann mich über sowas aber nicht aufregen. Ich würde es bestenfalls den Spielern versuchen zu erklären, aber dazu wird es ja nicht kommen, weil die Jungs vermutlich nur sehr kurz da sein werden. Zu mehr hätte ich als Spieler wirklich auch keine Lust, denn man wird ja meist dann doch eher mal bepöbelt. Entspannt feiern könnte ich als Spieler unter lauter HSV-Fans jedenfalls auch nicht... 
 
Meine Spielerbewertung:
 
Wächter: ließ einen Ball anfangs abklatschen und hatte danach nicht mehr viel zu tun. Nachdem es in der 1. Halbzeit einen Zusammenprall mit Hollerbach gab, mußte Wächter in der 2. Halbzeit dann doch ausgewechselt werden: Note 3-
 
Starke: wurde eingewechselt. Einmal mußte er richtig aufpassen und konnte einen Chance der Hertaner an die Latte klären: Note 3
 
Hoogma: hinten brannte heute nicht viel an. Die Herthaner hatten kaum eine Chance. Note 3
 
Ujfalusi: leider wirkte er auf mich wieder wie ein Unsicherheitsfaktor in der Abwehr. Ihm versprangen mehrere Bälle und er klärte teilweise unbeholfen. Wenn nächste Woche Reinhardt nicht mehr gesperrt ist, würde ich vermutlich den lieber wieder spielen sehen. ABer das wird kaum passieren: Note 4
 
Hollerbach: gewohnt bissig und sorgte immerhin für eine rote KArte beim Gegner. Wurde später verletzt ausgewechselt: Note 3-
 
Wicky: spielte rechts wieder defensiv gut und brachte sich auch ab und zu im Spiel nach vorne ein: Note 3
 
Benjamin: war heute eher unauffällig und hatte einige (in meinen AUgen) zu leichtsinnige Dribblings/Abspiele in der Abwehr dabei: Note 4
 
Jarolim: Heute war er nicht so auffällig wie sonst immer. Ich habe ihn kaum gesehen: Note 4
 
Rahn: schoss zwar ein schönes Tor, aber insgesamt war mir das viel zu wenig. Ich kann mich nicht mal an eine richtige Flanke von der linken Seite erinnern: Note 4+
 
Mahdavikia: einige Soli gelangen ihm, aber insgesamt war er nicht sehr auffällig: Note 3-
 
Barbarez: spielte heute wieder etwas offensiver als zuletzt. Hatte dabei aber keine eigene Torchance: Note 4
 
Romeo: Der gefiel mir heute zumindest durch seine Einsatzfreude wieder sehr gut. Wenn er auch das Fußballspielen nie lernen wird, so möchte ich doch sehen, daß er zumindest läuft und ein wenig fightet. Und heute nannte ich ihn im Spaß (weil er viel lief) wirklich schon mal Kampfsau. Dann noch ein Tor, das ist gut: Note 2
 
Schiri: Den Schiri kann ich heute nur schwer beurteilen. ich will zwar nicht von Vorsatz sprechen, aber ingesamt war er wohl mehr auf unserer Seite. Zumindest wäre ich als Hertha-Fan vermutlich recht sauer nach 2 roten Karten und einem vermeintlichen Elfer.... Note 4-

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

Hertha wittert Verschwörung

Die Hertha steckt weiter tief im Abstiegssumpf und fühlt sich von bösen Mächten verfolgt.
Beim 0:2 (0:1) in Hamburg verloren die Berliner nicht nur zum elften Mal in dieser Saison ein Spiel, sondern auch die Abwehrspieler Dick van Burik und Arne Friedrich durch Platzverweis.
Und genau an diesen beiden Roten Karten, verhängt von Schiedsrichter-Youngster Markus Schmidt (30), entzündete sich der Zorn der Hertha-Gewaltigen.
"Wir fühlen uns benachteiligt, aber nicht nur heute", sagte Manager Dieter Hoeneß. "Die Sache bekommt eine gewisse Tendenz. Da können wir nicht weiter zusehen."

Entscheidung gegen van Burik überzogen
Aber der Reihe nach: Der HSV führte nach einem schönen Freistoß-Tor von Christian Rahn verdient mit 1:0 (34.), als es keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff im Mittelfeld zu einer Auseinandersetzung zwischen Hamburgs Bernd Hollerbach und Berlins Dick van Burik kam.
Hollerbach provozierte, van Burik schubste, Hollerbach fiel um, und Schmidt zeigte Rot (55.). Hollerbach sah nur Gelb. Die Entscheidung gegen den Berliner Abwehrspieler war definitiv überzogen.
Hoeneß: "Hollerbach spielt den sterbenden Schwan, und der Schiedsrichter fällt drauf rein. Unglaublich." Hertha-Trainer Hans Meyer sah in dieser Szene den Knackpunkt des Spiels, wähnte er seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel doch auf dem besten Weg zum Ausgleich.
"Jeder hat gesehen, dass wir richtig motiviert aus der Kabine kamen. Der Wille der Mannschaft ist strikt unterbunden wurden."

Hertha wird Elfmeter verweigert
Keine zehn Minuten nach van Buriks Ausschluss lief HSV-Stürmer Bernardo Romeo allein aufs Hertha-Tor zu. Kurz vor dem Strafraum kreuzte Arne Friedrich seinen Weg und rammte den kleinen Argentinier zu Boden. Schmidt zeigte wieder Rot (65.). Eine vertretbare Entscheidung.
"Mit Sicherheit keine Rote Karte", sagte Hoeneß. Außerdem wollte der Hertha-Manager ein elfmeterreifes Foul von Collin Benjamin an Pal Dardai gesehen haben. Da lag er völlig richtig.

HSV nutzt die Räume
Nach Friedrichs Platzverweis war die Partie im Prinzip entschieden. Die Hamburger brauchten einige Minuten, um sich in den neuen Freiräumen zurecht zu finden. Dann aber kombinierten Rahn und der eingewechselte Stephan Kling prächtig. 
Kling bediente Romeo, der mit seinem zehnten Saisontor das 2:0 erzielte und alle Zweifel über den siebten Saison-Heimsieg des HSV zerstreute.
Vor den Platzverweisen war die Hertha zu schwach, um den HSV ernsthaft in Verlegenheit zu bringen, nach den Roten Karten chancenlos.

HSV träumt wieder
HSV-Trainer Klaus Toppmöller war zufrieden: "Ein sehr wichtiger und hochverdienter Sieg. Bei einer Niederlage wären wir unten rein gerutscht. Jetzt können wir wieder einen kleinen Blick nach oben riskieren."
An der Diskussion um Referee Schmidt wollte sich "Toppi" nicht beteiligen: "Der Schiedsrichter hat regelgerecht gepfiffen."

Starkes Starke-Debüt
Zufrieden konnte Toppmöller in der Tat sein. Wie gewohnt präsentierte sich seine Mannschaft im eigenen Stadion engagiert und kampfstark. Spielerisch ließen die "Rothosen" trotz des Mitwirkens von Sergej Barbarez, dessen Einsatz nach einer Zahnwurzelbehandlung unter der Woche bis zuletzt fraglich war, zwar zu wünschen übrig, doch aufgrund des vorbildlichen Einsatzwillens und der großen Laufbereitschaft war der Sieg verdient.
Neben des Dreiers konnten sich die Hamburger auch über ein gelungenes Bundesliga-Debüt freuen. Keeper Tom Starke ersetzte in der 52. Minute den angeschlagenen Stefan Wächter, der sich bei einem Zusammenprall mit Hollerbach verletzt hatte - und verhinderte mit zwei tollen Paraden ein Gegentor.
 

Daten:
Starke stark - Bobic harmlos
 
Heimbastion
Unter Klaus Toppmöller blieb der HSV zu Hause auch im achten Heimspiel weiter ungeschlagen.

Es wird langsam knapp
Hertha bleibt Tabellenvorletzter - das heimschwächste Team der Liga empfängt am nächsten Spieltag die Bayern...

Romeo schloss zu Keegan auf
Im 61. Spiel für den HSV erzielte Bernardo Romeo sein 32. Tor, damit zog der kleine Argentinier mit Volksheld Kevin Keegan gleich, der dafür allerdings 90 Partien benötigte.

Rekordhalter van Burik
Hertha BSC kassierte erstmals in der Vereinshistorie 2 Platzverweise in einem Spiel. Für van Burik war es bereits der vierte Platzverweis im Hertha-Trikot - negativer Vereinsrekord. Für Friedrich war es der erste Platzverweis.

Hertha vom Platzverweis gestoppt
Nachdem Hertha BSC die erste Hälfte komplett verschlief (10:4 Torschüsse für den HSV), kamen die Berliner sehr druckvoll aus der Pause und gaben zweite Spielabschnitt elf Torschüsse ab. Ausgerechnet in ihre Drangperiode musste Hertha jedoch den umstrittenen Platzverweis von van Burik hinnehmen.

Rahn mit Saisonrekord
Christian Rahn erzielte sein viertes Saisontor und stellte damit einen persönlichen Saisonrekord auf. Den Treffer hatte sich "Rahner" redlich verdient. Kein Hamburger war an mehr Torschüssen beteiligt als der Nationalspieler (5), der vor allem durch seine Standards für viel Gefahr sorgte.

Bobic blieb blass
Gegen seinen Lieblingsgegner HSV (zuvor 13 Tore in 15 Spielen) blieb Nationalstürmer Fredi Bobic diesmal ohne Wirkung. Lediglich einen Torschuss gab Bobic in der AOL-Arena ab, war zudem zweikampfschwächster Berliner (nur 35 Prozent gewonnen) und hatte die höchste Fehlpassquote bei den Hauptstädtern (41Prozent). Die Folge: Auswechslung in der 69. Minute. 

Starkes Debüt von Starke
Lange musste Tom Starke warten, bis er endlich sein Können in der Bundesliga zeigen durfte. Dies gelang ihm gegen Hertha BSC sehr eindruckvoll. In der 52. Minute kam 22-Jährige für den verletzten Wächter aufs Feld und bewahrte die Hanseaten in seinem ersten Bundesligaspiel durch tolle Paraden vor einem Gegentor (vier Torschüsse abgewehrt).


 
kicker: 
Hamburger SV:  Wächter - Wicky, Hoogma, Ujfalusi, Hollerbach - Benjamin, Jarolim - Mahdavikia, Rahn - Barbarez - Romeo - Trainer: Toppmöller

Hertha BSC:  Fiedler - van Burik, Rehmer - Dardai - Simunic - A. Friedrich, Fathi - Reina, Neuendorf, Marcelinho - Bobic - Trainer: Meyer

Tore:   1:0 Rahn (33., indirekter Freistoß, Linksschuss), 2:0 Romeo (71., Rechtsschuss, Vorarbeit Kling)

Eingewechselt:   52. Starke für Wächter, 68. Kling für Hollerbach, 83. Takahara für Romeo - 69. Madlung für Bobic, 73. Rafael für Neuendorf, 82. Pinto für Marcelinho

Schiedsrichter:  Schmidt 

Zuschauer:  44181

Rote Karten:  van Burik (55., Tätlichkeit), A. Friedrich (65., Notbremse)

Gelbe Karten:  Benjamin, Hollerbach - Neuendorf, Simunic, Rehmer
 

Spielbericht
Nach der 0:3-Pleite bei Hansa Rostock entschied sich HSV-Trainer Klaus Toppmöller für die Vierer-Abwehr-Kette. Hollerbach rückte für den gesperrten Reinhardt (5. Gelbe) ins Team. Jarolim kehrte ebenso wie Barbarez, der eine Gelbsperre abgesessen hatte, in die Mannschaft zurück. Beinlich und Kling mussten weichen.

Herthas Coach Hans Meyer stellte auf eine defensivere Taktik um: Ludwig, der in der Vorwoche beim 1:1 gegen Bochum noch als Stürmer auflief, wurde durch Abwehrstratege Rehmer ersetzt.

Hamburgs Trainer Toppmöller forderte von seinen Profis nach der Rostock-Klatsche „mehr Herzblut“, ein Sieg war also Pflicht. Dementsprechend versuchten seine Schützlinge, Taten folgen zu lassen. In der Anfangsphase waren die Hamburger die Ton angebende Mannschaft, mit Kominationsspiel über die Flügel sollte die Hertha-Abwehrreihe überwunden werden. Die stand allerdings sehr kompakt und machte der Hamburger Offensivabteilung das Leben schwer. Der HSV setzte zwar Akzente durch Hoogma (7.), Mahdavikia (9.) oder Hollerbach (14.), aber Zwingendes spielten sie nicht heraus. Die Berliner auf der anderen Seite konzentrierten sich auf die Defensivarbeit. Das Angriffsspiel war von Fehlpässen geprägt, es fehlten die Anspielstationen. Bobic hing als einzige Spitze in der Luft, die Mittelfeldspieler fanden keine Bindung zum Stürmer.

Der HSV zeigte sich geduldig und lauerte auf Fehler der Berliner. Ein solcher passierte Rehmer in der 26. Minute, als er völlig unbedrängt zu Mahadavikia passte, der zu Romeo weitergab. Der Argentinier konnte die Großchance nicht verwerten.

Der finale Pass kam zu selten an, was auch an Spielgestalter Barbarez lag, der sich kaum in Szene setzen konnte. Außerdem mangelte es den Hanseaten an der nötigen Durchschlagskraft. Dies wollte Rahn in der 33. Minute ändern und nahm sich, wie sein Trainer vor dem Spiel befohlen hatte, ein Herz: Aus 25 Metern hielt der Linksaußen bei einem Freistoß voll drauf. Der Gewaltschuss ging an der Mauer vorbei und schlug im rechten, unteren Toreck ein.

Die Hauptstädter zeigten sich wenig geschockt, doch besser wurde ihr Spiel nicht. In der Offensive blieben die Aktionen meist unvollendet, die Herthaner zeigten nur Stückwerk. Erst kurz vor der Pause hatten die Berliner eine tolle Möglichkeit, als Marcelinho sich über rechts durchsetzte und Dardai bediente, doch der Ungar zielte daneben (44.).

Nach dem Wechsel begannen die Gäste von der Spree engagiert. Sie bauten Druck auf und zeigten den Willen, den Spieß noch umzudrehen. Die Berliner arbeiteten sich eine gute Chance in der 52. Minute heraus, doch Wächter kam noch vor Bobic an den Ball, und Reina verfehlte im Nachschuss das leere Tor. Kurz danach musste Wächter seinen Posten im Tor räumen, da er nach einem Zusammenprall Probleme mit den Augen hatte. Starke ersetzte den Keeper.

Die Emotionen stiegen hoch, die Partie wurde umkämpfter. Die Hektik gipfelte in einer Rangelei zwischen Hollerbach und van Burik. Der Holländer schubste den Hamburger mit einer Hand weg, wobei Hollerbach auf dem Rücken landete. Schiedsrichter Schmidt zeigte dem Übeltäter Rot. Das wirkte für die Berliner eher befreiend, anstatt einschränkend. So spielten die Hauptstädter noch aggressiver nach vorne, nur in der letzten Instanz blieben sie meist am HSV-Abwehr-Bollwerk hängen.

In der 65. Minute stand erneut Schiedrichter Schmidt im Mittelpunkt. Romeo bekam den Ball, und Friedrich ging in den Zweikampf mit dem Argentinier, wobei Letztgenannter fiel. Der Berliner kassierte in Folge dessen den Roten Karton, da er letzter Mann war. Anschließend waren die Berliner desillusioniert, sie fühlten sich benachteiligt. Zudem musste die Meyer-Elf zu neunt hinten Mann gegen Mann spielen. Der HSV nutzte dies clever aus: Der eingewechselte Kling spielte mit Rahn Doppelpass und überlistete somit die Hertha-Abwehrreihe. Kurz vor Fiedler passte der Youngster quer zum freistehenden Romeo, der nur noch einzuschieben brauchte.

Die Toppmöller-Elf zog sich zurück und schaltete einen Gang zurück. Auf Berliner Seite war die Hoffung verloren, die elf HSV-Spieler waren zu übermächtig. So endete die Partie ohne weitere Höhepunkte 2:0.

Die Hamburger haben sich nach dem Rostock-Spiel rehabilitiert. Sie präsentierten sich mannschaftlich geschlossener und gewannen souverän. Die Berliner zeigten nach einer schwachen ersten Hälfte den Willen, aber sie wurden durch zwei Rote Karten gestoppt. Damit bleibt die „alte Dame“ auf Rang 17.

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
90 Eine Ecke von Pinto erreicht Madlung. Dessen Kopfball aus sieben Metern, kann Starke im letzten Moment an die Unterlatte lenken. Von da springt der Ball aus dem Tor. 
 
71
 Das 2:0! Kling und Rahn spielen die Berliner mit einem Doppelpass geschickt aus. Der Eingewechselte passt kurz vor Fiedler quer zum freistehenden Romeo, der das Leder nur einzuschieben braucht. 
 
65
 Die Berliner nur noch zu neunt. Romeo bekommt den Ball, Friedrich geht in den Zweikampf, wobei der Argentinier zu Boden geht. Schiedsrichter Schmidt entscheidet auf Rot, da Friedrich der letzte Mann war. 
 
65 Marcelinho versucht es aus der zweiten Reihe. Es bleibt aber eher bei einem Schüsschen. 
 
55
 Nach einem Foul von Hollerbach an van Burik schubst der Holländer den Hamburger mit einer Hand weg. Hollerbach fällt dabei auf den Rücken. Schiedsrichter Schmidt zeigt Hollerbach Gelb und van Burik Rot. 
 
52 Bei einem Berliner Angriff spitzelt Bobic vor Wächter den Ball, doch der HSV-Keeper kann noch abwehren. Reina bekommt die Kugel und schießt aus der Bedrängnis. Das Leder fliegt am Tor vorbei. 
 
48 Neuendorf spielt von der Eckfahne zu Fathi, der an der Torauslinie entlang dribbelt und vor den Fünfmeterraum passt, doch da findet er keinen Mitspieler. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
44 Beste Chance für Berlin bis dahin. Marcelinho setzt sich über rechts durch und passt nach innen zum freistehenden Dardai. Der Unger nimmt das Leder aus zehn Metern direkt, zielt aber über das Tor. 
 
33
 1:0 für den HSV! Einen indirekten Freistoß aus 25 Metern legt Mahdavika für Rahn auf. Der Linksaußen hält voll drauf, der Ball fliegt an der Mauer vorbei und ins rechte untere Toreck. Fiedler kommt nicht mehr an den Gewaltschuss dran. 
 
26 Rehmer spielt einen katastrophalen Fehlpass. Mahdavikia schnappt sich die Kugel, passt zu Romeo, der ein bisschen zu überhastet aus zehn Metern schießt. Fiedler pariert. 
 
20 Wieder der HSV. Wicky flankt zu Romeo, der sich von Rehmer stehlen konnte. Der Kopfball aus acht Metern ist zu ungenau. 
 
18 Marcelinho tritt einen Freistoß aus gut 25 Metern, Wächter hat den Ball erst im Nachfassen. Im direkten Gegenzug bedient Barbarez Mahdavikia, der im Berliner Strafraum drei Herthaner stehen lässt, aber zu unplatziert schießt. 
 
14 Hollerbach versucht es mit einem Schuss aus der zweiten Reihe. Das Leder fliegt über die Latte. 
 
9 Barbarez spielt den Ball zu Mahdavikia, der an der Strafraumgrenze dribbelt und aus der Drehung schießt. Wieder geht der Ball vorbei, aber nur knapp. 
 
7 Die erste Möglichkeit für den HSV. Bei einem Freistoß schraubt sich Hoogma am höchsten. Der Kopfball aus acht Metern fliegt über den Kasten von Hertha-Keeper Fiedler. 
 
Anpfiff 


 
dpa: Hertha fühlt sich von Schiedsrichtern verfolgt

Von Volker Gundrum, dpa

Hamburg/Berlin (dpa) - Hertha BSC sieht Rot, will aber den Schaden schnell begrenzen: Nach zwei Platzverweisen gegen Kapitän Dick von Burik und Nationalspieler Arne Friedrich bei der 0:2 (0:1)- Niederlage in Hamburg fühlen sich die stark abstiegsgefährdeten Berliner von den Schiedsrichtern verfolgt.

«In der Rückrunde sind uns bereits zwei reguläre Tore aberkannt worden und nun das. Langsam bekommt die Sache eine gewisse Tendenz. Es reicht», schimpfte Dieter Hoeneß. Einen Tag nach den Turbulenzen in der AOL-Arena versuchte der Manager, die Emotionen zu dämpfen: «Wir werden den Abstieg nicht vermeiden, wenn wir wochenlang über den Schiedsrichter diskutieren.»

Die Hertha-Spieler sprachen nach der elften Saison-Niederlage beim Hamburger SV von «Betrug». Und auch Trainer Hans Meyer war nicht gut auf Markus Schmidt aus Stuttgart und dessen Assistenten zu sprechen: «Wir haben schon wieder Benachteiligungen hinnehmen müssen.» Mit 23 Punkten nach 24 Spieltagen weiter Vorletzter - die Situation wird zehn Spiele vor Saisonschluss für den Hauptstadtclub immer dramatischer. Im Heimspiel gegen Rekordmeister Bayern München am Samstag werden die Sünder van Burik (55./Tätlichkeit) und Friedrich (65./Notbremse) auf jeden Fall fehlen.

Auch nach intensivem TV-Studium blieb Hoeneß dabei: «Ich halte beide Roten Karten für nicht angebracht. Die Entscheidungen hatten spielentscheidenden Charakter.» Hertha fordert zumindest ein geringes Strafmaß. «Das ist keine Verschwörungs-Theorie, sondern wir wollen das Thema sensibilisieren», meinte der Manager.

Trainer Hans Meyer wollte seinem Kapitän van Burik keine Vorwürfe machen: «Er ist richtig provoziert worden.» Als Hamburgs «Eisenfuß» Bernd Hollerbach nach einer Rangelei im Mittelfeld von Hertha- Abwehrchef van Burik geschubst wurde und theatralisch zu Boden fiel, zückte der erst 30 Jahre alten Schiedsrichter Schmidt in seinem siebten Bundesliga-Einsatz dem Niederländer nach Beratung mit seinem Assistenten die Rote Karte, Hollerbach kam mit Gelb davon.

«Ich hätte kein Rot gezogen. So schlimm hat mich von Burik nicht getroffen», nahm Hollerbach seinen Widersacher in Schutz. «Ich habe den Stoß als Tätlichkeit gewertet», begründete Schmidt seine Entscheidung. «Hollerbach und der Linienrichter haben das Spiel entschieden», wiederholte Meyer, machte aber auch seine Abwehr mitverantwortlich für die zweite «Rote» gegen Friedrich. «Wir haben hinten schlecht gestanden und bringen Arne in eine schwierige Situation.»

Torschütze Romeo (72.), der nach nur 62 Spielen für den HSV schon genau so viele Treffer wie Kevin Keegan (32) erzielt hat, stürmte auf den Strafraum zu, als ihn Verteidiger Friedrich rempelte. Es war bereits die sechste Rote Karte der Saison für Hertha - Bundesliga- Spitze. Mit 68 Verwarnungen liegen die Berliner auch in der Gelbe- Karten- Statistik ganz vorne. Nationalspieler Christian Rahn (33.) hatte die Gastgeber vor 44 181 Zuschauern auf den Weg zum siebten Heimsieg gebracht. «Wir schielen wieder mit einem Auge nach oben», sagte Trainer Klaus Toppmöller.

Bis zum zweiten Platzverweis war Hertha gegen den nach der Verletzung von Stefan Wächter (52.) mit Bundesliga-Debütant Tom Starke im Tor spielenden HSV dem Ausgleich nahe gewesen. «Wir haben in Unterzahl den Kampf angenommen», meinte Hoeneß, der daraus folgerte: «Die Moral ist in Ordnung. Wir packen es.»