Bundesliga 2003/2004, 31. Spieltag, Samstag, 01.05.04 im Bremer Weserstadion bei bestimmt ca. 20 Grad C und Sonnenschein.

SV Werder Bremen - Hamburger SV 6:0 (3:0)

Nun fällt es mir wirklich mal recht schwer, etwas über das Spiel zu schreiben. Ich habe nämlich über weite Teile des Spiels irgendwie in der Gegen umhergeschaut.

Ich bin ja nun „glücklicherweise“ ohne jegliche Erwartung nach Bremen gefahren. Genauer gesagt mit der Erwartung einer doch recht sicheren Niederlage. O.k., daß es so heftig wird, hätte ich dann doch nicht erwartet.

Es ging auch direkt schon so los, daß man gleich sehen konnte, was uns heute erwartet. Bereits nach dem ersten Ballkontakt nach dem Anstoss verloren wir den Ball an den Gegner, um die erste Chance zuzulassen. Schon hier hielt Starke, der heute spielen durfte, den Ball eher schlecht. Das sollte er dann allerdings noch mehrmals bestätigen.

Werder drückte also von Beginn an.  Und das 1:0 liess nicht lange auf sich warten. Nach einer Ecke köpfte Barbarez den Ball Richtung eigenes Tor.  Benjamnin spang am Pfosten nicht hoch und Starke kam erstmals richtig zu spät. So lagen wir 1:0 zurück – tolles Tor....

Das 2:0 fiel nach einem Freistoss durch Ismael. Dazu muß man sagen, daß ich in einem Fussball-Manager-Spiel mitspiele. Dort habe ich auch 4 Werderaner (Klasnic, Ailton, Micoud und eben Ismael), von denen ich heute aus Prinzip zumindest 3 draußen gelassen habe. Und das, obwohl ich sicher war, daß sie gute Noten gegen den HSV erzielen würde. Aber Ismael war der einzige, den ich doch aufgestellt hatte. Und so dachte ich beim Freistoss, daß er für seine Note den Ball ja gern aufs Tor bringen könnte, aber bitte nicht trefffen. Naja, ein Treffer hätte es auch wirklich nicht werden müssen. Aber da Starke scheinbar einen Vollschlaf hielt, konnte der Ball in der Mitte des Tores einschlagen.
(Habe jetzt im Nachhinein übrigens festgestellt, daß ich doch so ehrenhaft war, gar keinen meiner Bremer Spieler aufzustellen an diesem Spieltag. Und die haben wirklich Top-Noten bekommen....)

Das 3:0 besorgte Klasnic, der ganz peinlich mitten im 16er überhaupt nicht attackiert wurde und somit locker ins lange Eck einschieben konnte.

Irgendwann hatten wir in dieser ersten Halbzeit sogar unsere einzige richtige Torchance, an die ich mich erinnern kann. Barbarez schoss den Ball an die Latte.

Zur 2. Halbzeit schaltete Werder dann einen Gang zurück und das Spiel wurde immer langweiliger. Trotzdem schoss Werder noch die Tore 4, 5 und 6. Dabei sah zumindest einmal Starke wieder unglaublich schlecht aus (ich glaube beim 5. Oder 6. Treffer). Außerdem war darunter noch ein Elfer.

Naja, da interessierte mich das Spiel ohnehin schon lange nicht mehr.

Einzig interessant fand ich noch die Reaktionen unter uns HSV-Fans. 

Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, daß es gerade in Bremen sarkastische Aktionen von uns Fans geben würde. Aber es gab sie doch. Es fing glaube ich damit an, daß wir in der 2. Halbzeit die Welle im Stadion mitmachten. Also nicht mit ausgestreckten Mittelfingern sondern richtig. Ich habe es zwar nicht getan, aber das lag eigentlich nur daran, daß es in Bremen war und bei denen hatte ich nun doch keine Lust auf sowas.
Aber es wurde später sogar noch „So ein Tag, so wunderschön wie heute...“ etc. gesungen. Hätte ich wirklich nicht erwartet in Bremen.

Aber verstehen kann ich es grundsätzlich. Ich bin ja z.B. schon nicht mal mehr richtig böse. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert. Ich wäre vielleicht auch früher gegangen, wenn wir nicht mit einem Werder-Anhänger da gewesen wären. Nun ja, zumindest war es angenehm warm und wir standen ganz ordentlich. Nur die Sitzplätze hätten nicht unbedingt festgeschraubt sein müssen, denn ich hätte mich zum Klönen gern ein bißchen hingesetzt.

Meine Spielerbewertung:

Starke: Mindestens an 3 Toren sah ich ihn schuldig und einige andere Dinger hat er auch nicht festgehalten. Was soll ich da sagen? : Note 6

Nee, mir fällt auf, daß ich keine Lust auf Einzelnoten habe. Sagen wir es anders. Sie bewegten sich alle zwischen 5 und 6. Einzig Wicky und zeitweise Benjamin gefielen mir teilweise zumindest durch ihr Engagement.

Der Schiri war eher kleinlich gegen uns, aber das war nie entscheidend.

Nach dem Spiel kamen die HSV-Spieler tatsächlich noch in Richtung unserer Kurve, um sich dann natürlich Schmähungen und Stinkefinger abzuholen. Aber das hatten sie sich nun auch wirklich verdient.

Außerdem fällt mir noch ein, daß wir ungewöhnlich aufgestellt waren. Sowohl Holler als auch Romeo mußten draußen bleiben. Dafür spielten wir mit 3er-Kette Ujfalusi, Hoogma, Reinhardt und davor halblinks und halbrechts Wicky und Fukal. Sehr erfolgreich war es gerade nicht.

So, nun ist auch das schöne Wetter wieder vorbei und es regnet heftig. Paß stimmungsmäßig ja auch besser. Wobei ich zu meiner Schande gestehen muß, daß ich nicht mal schlechte Laune habe. So weit isses schon.

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1: 

Bremen mit Fußball-Gala Richtung Titel 

Es war kein Unterschied in den Gesichtszügen Thomas Schaafs zu erkennen. Der Trainer des SV Werder Bremen blickte nach dem 6:0-Kantersieg seiner Mannschaft gegen den HSV ebenso entspannt drein, wie er es schon vor Spielbeginn und während der gesamten vergangenen Woche getan hatte. 
Von Nervosität und Verunsicherung angesichts der Verbalattacken aus München keine Spur. Stattdessen lebte der Coach genau das vor, was seine Mannschaft auf dem Rasen umsetzte.

Klasnic nach drei Sekunden ins Tor
Mit spielerischer Leichtigkeit und begeisternder Freude am eigenen Spiel fegten die Bremer den desolaten Nordrivalen vom Platz. Bereits nach drei Sekunden erzielten die Bremer durch Klasnics Weitschuss einen Treffer, der allerdings von Schiedsrichter Fröhlich nicht hinter der Linie gesehen wurde.
Doch die Bremer wirbelten weiter und sorgten bereits zur Halbzeit mit drei Toren (Eigentor Barbarez/17., Ismael/22. und Klasnic 22.) für die Vorentscheidung. Hamburg fügte sich und ließ nach der Pause die selbe Anzahl von Treffern zu (Ailton/48., Valdez/80. und Skripnik/84.). 

Für Allofs nur Geplänkel
Wasser auf die Mühlen jener Verschwörungstheoretiker, die den Hamburgern nordische Nachbarschaftshilfe unterstellten. Auch aus München kamen in Person von Uli Hoeneß Andeutungen in diese Richtung. Für Sportmanager Klaus Allofs nicht mehr als Geplänkel. "Irgendwelche Absprachen zwischen Werder und dem HSV zu vermuten wäre lächerlich. Wer die Rivalität zwischen den beiden Vereinen kennt der weiß, dass es da nichts zu verschenken gibt."
Trainer Thomas Schaaf wollte sich zu den Vorwürfen des Bayern-Managers gar nicht erst äußern. Lediglich ein lakonisches "Dazu muss ich nichts sagen" war dem Coach zu entlocken.

Erinnerungen an 1993
Dennoch: Während Hamburgs katastrophale Leistung angesichts der konstanten Auswärtsschwäche schon als normal angesehen werden kann, fühlten sich Skeptiker an eine Partie Werder gegen HSV vor elf Jahren erinnert.
Damals befanden sich Werder und die Bayern ebenfalls im Titel-Fernduell. Die Bremer gewannen einen Spieltag vor Schluss zu Hause gegen die Hamburger mit 5:0 und überholten die Bayern dank des besseren Torverhältnisses. Eine Woche später gewannen die Bremer die Meisterschaft.

Toppmöller schützt Starke
Und auch 1993 spielte der Hamburger Torhüter eine tragische Rolle. Sein Name damals: Nils Bahr. Dieses Mal hieß der Bedauernswerte, der an zwei Gegentreffern die Schuld trug, Tom Starke. Warum Trainer Klaus Toppmöller die Leihgabe von Bayer Leverkusen ausgerechnet vor dem Spiel beim Tabellenführer zu seinem Bundesliga-Debüt in der Startelf verhalf, bleibt wohl sein Geheimnis.
Immerhin nahm der Coach seinen Torwart ausdrücklich in Schutz, wohl auch um von seinem eigenen taktischen Missgeschick abzulenken. "Unserem Torwart gebe ich keine Schuld, er hat gut trainiert und ist ein junger Mann, der war noch unser Bester heute."

Der Traum rückt näher
Auch der Vielgescholtene wollte gar keine Diskussionen über etwaige Ungereimtheiten aufkommen lassen. "Ich habe heute mein erstes Bundesligaspiel von Beginn an gemacht und war hoch motiviert. Von Schiebung kann man da sicher nicht sprechen. Wie es jetzt in mir aussieht, kann sich ja sowieso jeder denken", sagte Starke geknickt.
Während in Hamburg nun der UI-Cup-Platz wieder in Gefahr geraten ist, ist in Bremen der Traum vom Titelgewinn wieder ein Stück nähergerückt. Nächste Woche geht es zu den Bayern, wo mit einem Sieg die Meisterschaft vorzeitig gesichert werden könnte. (Das Restprogramm der Fußball-Bundesliga).

Allofs' gesundes Selbstbewusstsein
So sieht das auch Klaus Allofs. "Wir wollen den Titel so schnell wie möglich unter Dach und Fach bringen, und die nächste Möglichkeit dazu bietet sich in München. Wir sind jetzt seit 22 Bundesligaspielen ungeschlagen und wollen das 23. folgen lassen."
Und ergänzend sagt der Sportmanager. "Wir werden dort so auftreten, wie wir die gesamte Saison aufgetreten sind: Nicht überheblich, aber selbstbewusst." So wird sich auch Thomas Schaaf im Laufe der Woche wieder mit entspannten Gesichtszügen in der Öffentlichkeit zeigen. Nach den 90 Minuten in München wird die Lockerheit vielleicht sogar zügelloser Freude weichen...
 
 

Daten: Historischer Sieg über HSV

Bayern auf Distanz gehalten
Nach zuvor zwei torlosen Spielen in Folge gegen Hannover und Bochum gelang Werder gegen den HSV ein wichtiger Sieg in Richtung Meisterschaft. Bremen hält Bayern auf Distanz. Zugleich war es für Werder der höchste Saisonsieg und der höchste Erfolg unter Trainer Thomas Schaaf.

Klatsche für den HSV
Die Hamburger kassierten in Bremen die höchste Saisonniederlage. Der Dino verlor in der Liga nur dreimal noch höher.

Werder mischt 2004 Beton an
Werder blieb 2004 zum zehnten Mal in der Rückrunde ohne Gegentor - einsame Ligaspitze - und feierte den höchsten Bremer Sieg aller Zeiten gegen den HSV.

"Ausrutscher" bei den Löwen
Die Hamburger verloren sechs der letzten sieben Auswärtsspiele. Nur beim Chaos-Klub 1860 gab es in diesem Zeitraum einen Sieg.

Schwache Hamburger
Das Torschussverhältnis lautete am Ende der Partie 20:6 für Werder. Der HSV gab erstmals unter Toppmöller nur sechs Torschüsse ab. Auch nur zwei Torschüsse im Strafraum des Gegners sind der niedrigste Wert unter Toppmöller.

Aktiver Klasnic
Der Kroate Ivan Klasnic war gegen den HSV der zweikampfstärkste Stürmer der Partie, konnte sehr gute 65 Prozent seiner Duelle für sich entscheiden und gab von allen Spielern der Partie die meisten Torschüsse ab (vier).

Micoud mit Biss
Johan Micoud ließ den nötigen Biss nicht vermissen. Der Spielmacher bestritt auf Seiten der Bremer die meisten Zweikämpfe und gewann davon ordentliche 52 Prozent.

Hleb fand nicht statt
Hamburgs einzige Spitze Vyacheslav Hleb war an keinem Torschuss seiner Mannschaft beteiligt - Null Torschüsse abgegeben und null Torschüsse vorbereitet.

Benjamin völlig indiskutabel
Collin Benjamin bot eine ganz schwache Vorstellung und war bis zu seiner Auswechselung der zweikampfschwächste Spieler der Partie. Der Namibier konnte nur schwache 31 Prozent seiner Duelle für sich entscheiden.


 
kicker: 
Werder Bremen:  Reinke - Stalteri, Ismaël, Krstajic, Schulz - Baumann - Lagerblom, Borowski - Micoud - Ailton, Klasnic - Trainer: Schaaf

Hamburger SV:  Starke - Reinhardt, Hoogma, Ujfalusi - Fukal, Schlicke, Wicky - Mahdavikia, Barbarez, Benjamin - V. Hleb - Trainer: Toppmöller

Tore:   1:0 Barbarez (17., Eigentor, Kopfball), 2:0 Ismaël (22., direkter Freistoß, Rechtsschuss), 3:0 Klasnic (40., Linksschuss, Vorarbeit Borowski), 4:0 Ailton (48., Linksschuss, Lagerblom), 5:0 Valdez (81., Rechtsschuss, Ismaël), 6:0 Skripnik (85., Handelfmeter, Linksschuss)

Eingewechselt:   62. Valdez für Klasnic, 72. Skripnik für Lagerblom, 80. Charisteas für Ailton - 60. Cardoso für Benjamin, 61. Romeo für V. Hleb

Schiedsrichter:  Fröhlich 

Zuschauer:  42500 (ausverkauft)

Gelbe Karten:  Ailton - Wicky, Reinhardt, Romeo
 

Spielbericht
Bremens Trainer Thomas Schaaf musste nach dem torlosen Remis in Bochum auf Lisztes (Kreuzbandriss) und Ernst (Gelb-Sperre) verzichten. Für das Duo liefen Lagerblom und Ismael (nach Gelb-Sperre) in der Anfangsformation auf, Kapitän Baumann rückte so wieder aus der Viererkette vor ins Mittelfeld. Auf Seiten der Hamburger nahm Coach Klaus Toppmöller nach dem jüngsten 4:2 über Köln folgende Wechsel vor: Hoogma (nach Gelb-Sperre), Benjamin und Hleb ersetzten Romeo, Jarolim (Gelb-Sperre) und Rahn (Muskelfaserriss). Außerdem gab U-21-Nationaltorhüter Starke sein Debüt in der Startelf zwischen den Pfosten für Wächter.

Nach vier Unentschieden in den letzten fünf Partien waren die Bremer gefordert, im Fernduell mit den Bayern aus München mal wieder dreifach zu punkten. Aber auch der Gegner im Nordderby aus Hamburg brauchte jeden Zähler, um sich einen Platz im UI-Cup zu sichern.

Bremen machte von Beginn an Druck und zeigte durch energisches, mitunter hartes Zweikampfverhalten, wer der Herr im Hause war. Doch der enorme Aufwand, den Werder in der Anfangsphase betrieb, verpuffte in der Offensive, weil die Aktionen hektisch und ungeordnet wirkten. Zudem machte der HSV, im taktischen Konzept mit nur einer echten Spitze, dem Ukrainer Hleb, hinten geschickt die Räume eng. Zwei Dreierketten unmittelbar vor dem Strafraum machten den Werderanern das Leben schwer.

Dennoch wurde der Tabellenführer für sein engagiertes Vorgehen belohnt – und zwar vom Gegner. Nach einer Micoud-Ecke von der linken Seite versuchte Barbarez, das Leder per Kopf zu klären. Jedoch rutschte dem Bosnier der Ball über den Scheitel und schlug im kurzen Eck ein (17.). Keeper Starke war zu überrascht, um noch entscheidend eingreifen zu können.

Kurze Zeit später hätte der Torhüter zupacken müssen, spekulierte aber falsch. In der 22. Minute stand Ismael bereit zu einem direkten Freistoß aus 22 Metern halblinker Position. Der Franzose sah, dass Starke das Torwarteck anbot und versenkte das Leder wenig platziert zum 2:0 etwas rechts der Tormitte.

Im Anschluss glichen sich die Spielanteile ein wenig aus. Doch auch wenn die Hamburger Bemühungen zeitweise gut anzusehen waren, in der Bremer Hälfte waren die „Rothosen“ ein Muster an Harmlosigkeit ohne Zug zum Tor. Einzige Ausnahme: Barbarez‘ Schlenzer aus 24 Metern an die Latte (27.).

Die Schaaf-Elf dagegen war immer dann gefährlich, wenn das Mittelfeld schnell überbrückt wurde und so die Zustimmungsprobleme in der HSV-Defensive aufgedeckt wurden. Kurz vor der Pause sorgte so Micouds öffnender Pass in die rechte Strafraumhälfte auf Borowski für viel Freiraum. Borowski legte geschickt zurück auf Klasnic, der Kroate schlenzte sicher aus zwölf Metern halbrechter Position mit links ins linke Eck (40.).

Nach dem Wechsel ging es ähnlich weiter. Bremen sprühte vor Spielfreude und legte nach. Micoud blieb in der Vorwärtsbewegung an Wicky hängen. Lagerblom schnappte sich das Leder, ging Richtung Strafraum und legte kurz davor nach rechts auf Ailton. Der blieb eiskalt und netzte mit links unter die Latte ein (48.).

Die Hamburger fielen nun förmlich auseinander, konnten nur noch auf die Bremer Kombinationen reagieren. Eigene gezielte Aktionen waren fast nicht zu sehen. Erst als nach knapp einer Stunde Spielzeit die Werderaner einen Gang zurückschalteten, sah der HSV ein wenig mehr Land.

So verstrich die restliche Spielzeit. Werder schonte nun die Kräfte, tat nicht mehr als nötig und war dennoch weiterhin das bessere Team. Die Hamburger hatten sich derweil aufgegeben, trabten mehr oder weniger lustlos über den Rasen und ließen die Köpfe hängen.

Neuen Schwung brachten gegen Ende der Partie Werders Einwechselspieler, die, hochmotiviert, leichtes Spiel hatten. So erhöhte zunächst Valdez aus sehr spitzem Winkel auf 5:0 (81.), Keeper Starke sah erneut nicht gut aus. In der 85. Minute verursachte Reinhardt einen Handelfmeter nach einem Stellungsfehler gegen Charisteas. Der Ukrainer Skripnik, der Ende dieser Saison aufhören wird, nahm sein Abschiedsgeschenk dankend an und versenkte sicher mit links ins linke Eck.

In einer einseitigen Partie gewinnt Bremen auch in dieser Höhe verdient und konnte die Tordifferenz ausbauen. Nun kommt es bei weiterhin sechs Punkten Vorsprung auf den FC Bayern nächste Woche zum Showdown in München. Hamburg ließ einfach alles vermissen und lieferte eine enttäuschende Leistung ab. 
 

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 
 
85
 Reinhardt begeht im Strafraum nach einem Stellungsfehler gegen Charisteas ein Handspiel. Skripnik verwandelt den daraus resultierenden Elfmeter mit links ins linke Eck. 
 
81
 Valdez nimmt im Strafraum einen langen Ball an und geht Richtung rechte Grundlinie, Ujfalusi steht unbeteiligt daneben. Von dort vernascht er Starke aus spitzem Winkel. Das Leder trudelt ins Tor, Starke schaut erneut nicht gut aus. 
 
74 Ismael prüft bei einem Klärungsversuch seinen eigenen Keeper. Doch Reinke hatte aufgepasst und war rechtzeitig ins rechte untere Eck abgetaucht. 
 
62 Cardoso schlenzt einen Freistoß aus 20 Metern zentraler Position über die Mauer. Das Leder geht einen Meter am linken Pfosten vorbei. 
 
58 Klasnic nimmt am linken Strafraumeck den Ball an und wird nicht konsequent angegriffen. So kann der Kroate nach innen ziehen und mir rechts aus 19 Meter abziehen. Starke hält sicher. 
 
48
 Micoud bleibt in der Vorwärtsbewegung an Wicky hängen. Lagerblom schnappt sich den Ball, geht bis an die Strafraumgrenze und legt nach links auf den ungedeckten Ailton. Der bleibt eiskalt und schiebt den Ball mit links unter die Latte. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeit 
 
45 Stalteri zieht von der rechten Seite nach innen und zieht aus 20 Metern halbrechter Position mit links ab. Das Leder streicht um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbei. 
 
40
 Micoud schickt Borowski mit einem Heber in den rechten Strafraum. Dort nimmt Borowski das Leder an und spielt zurück in den Rücken der Abwehr zu Klasnic. Der schlenzt sicher aus 12 Metern halbrechter Position mit links ins linke Eck. 
 
27 Schlicke setzt sich im Mittelfeld durch und setzt Barbarez in Szene. Der sieht, dass Reinke zu weit vor seinem Tor steht und schlenzt aus 24 Metern aufs linke Eck. Das Leder klatscht gegen die Latte. 
 
22
 Doppelschlag! Ismael versenkt einen direkten Freistoß aus 22 Metern halblinker Position relativ unplatziert etwas rechts der Tormitte. Keeper Starke hatte falsch spekuliert und das Torwarteck angeboten. 
 
17
 Micoud bringt eine Ecke von links herein an den kurzen Pfosten. Dort versucht Barbarez zu klären, das Leder rutscht ihm jedoch über den Scheitel und schlägt im kurzen Eck ein. Starke ist zu überrascht, um noch an den Ball zu kommen. 
 
16 Weiter sind die Torleute arbeitslos im Weserstadion. Eine Kombination über Borowski und Klasnic im rechten Strafraum fängt in letzter Sekunde Hoogma ab. 
 
12 Bremen ist überlegen, kommt jedoch gegen tief gestaffelt stehende Hamburger nicht vor das gegnerische Gehäuse. 
 
1 Klasnic probiert es unmittelbar nach dem Anstoß mit einem Kunstschuss über die gesamte HSV-Elf. Keeper Starke hat jedoch aufgepasst. 
 
1 Beim HSV gibt es zwei Debüts. Keeper Starke und Hleb (beide erstmals von Beginn an) laufen für Wächter und Romeo auf. Außerdem: Hoogma und Benjamin für Rahn und Jarolim. 
 
1 Herzlich Willkommen zum kicker Live-Ticker. Bremen muss auf Lisztes (Kreuzbandriss) und Ernst (Gelb-Sperre) verzichten, Lagerblom und Ismael (nach Gelb-Sperre) kommen neu ins Team. 
 
Anpfiff 


 
dpa: Werder mit 6:0-Kantersieg auf Meisterkurs

Von Hans-Joachim Zwingmann, dpa

Bremen (dpa) - Der SV Werder Bremen hat seine kleine Schwächeperiode überwunden und die vierte deutsche Meisterschaft fest im Visier. Nach zwei Nullnummern machte der Bundesliga-Tabellenführer mit einem grandiosen 6:0 (3:0)-Sieg gegen den Hamburger SV einen Riesenschritt Richtung Titelgewinn.

Drei Runden vor Saisonende und eine Woche vor dem Schlagerspiel beim Titelverteidiger FC Bayern München hat das Team von Trainer Thomas Schaaf bei sechs Punkten Vorsprung vor den Bayern die Meisterschale dicht vor Augen. Auch die Tordifferenz (plus 12) spricht eindeutig für die Norddeutschen.

Die 43 000 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion feierten das Werder-Team bereits überschwänglich als neuen Meister. Die Bremer bauten ihre imponierende Erfolgsserie auf 22 Punktspiele ohne Niederlage aus. Die Hamburger erwiesen sich im 80. Nord-Derby als dankbarer Aufbaugegner und ermöglichten mit einer katastrophalen Leistung den Kantersieg. Ausgerechnet HSV-Torjäger Sergej Barbarez (17.) leitete per Kopfball ins eigene Tor das Debakel ein. Danach beteiligten sich Valerien Ismael (21.), Ivan Klasnic (39.), Torjäger Ailton (46.) mit seinem 26. Saisontreffer, Nelson Valdez (80.) und Viktor Skripnik (84./Handelfmeter) am munteren Toreschießen.

«Das war eine starke Leistung. Die Mannschaft ist bemerkenswert aufgetreten», lobte Schaaf sein Team, das ihm einen Tag nach dem 43. Geburtstag ein schönes Geschenk bescherte. Sein Kollege Klaus Toppmöller war dagegen nach der «desaströsen» Leistung des HSV geknickt: «Ich muss mich bei allen entschuldigen. Wir sind komplett eingebrochen.» Werder-Manager Klaus Allofs wies Vorwürfe zurück, der HSV habe mit seinem laschen Auftritt norddeutsche Schützenhilfe betreiben wollen. «Wer die Rivalität der beiden Vereine kennt, weiß, dass das nicht stimmt.»

Der höchste Saisonsieg stärkt im Endspurt das ohnehin große Bremer Selbstbewusstsein. Die Werder-Profis setzten die Vorgabe ihres Trainers von der ersten Minute an konsequent um. Gegen das aggressive Spiel fanden die harmlosen Hamburger kein Gegenmittel. Der Werder-Coach musste zwar die Stammspieler Ümit Davala, Fabian Ernst (beide gesperrt) und Krisztian Lisztes (Kreuzbandriss) ersetzen. Doch Ismael, Pekka Lagerblom und Tim Borowski fügten sich in der Abwehr und im Mittelfeld nahtlos in das Bremer Kombinationsspiel ein.

Toppmöller hatte dagegen mit seinen Personal-Entscheidungen kein Glück. Bernardo Romeo, Bernd Hollerbach, Rodolfo Cardoso und Stefan Beinlich saßen auf der Bank. Im Tor erhielt überraschend U-21-Nationalspieler Tom Starke den Vorzug vor Stefan Wächter. Die fehlende Spielpraxis des neuen Torwarts machte sich jedoch negativ bemerkbar. Vor allem beim Ismael-Freistoß zum 2:0 sah der junge Keeper «alt» aus. Seine Vorderleute ließen ihn allerdings 90 Minuten lang schmählich im Stich.

Barbarez' Lattenschuss (26.) war die einzige Offensiv-Ausbeute der auswärtsschwachen Hamburger. Bremens Publikumsliebling Ailton beendete nach drei erfolglosen Partien seine Torflaute. Dennoch wechselte Schaaf den Brasilianer zum vierten Mal in Serie aus.