Bundesliga 2004/2005, 6. Spieltag, Sonntag, 26.09.04 in der Hamburger AOL Arena bei schönem Spätsommer oder, naja, Frühherbst-Wetter.

Hamburger SV - Hertha BSC Berlin 2:1 (1:1)

Jetzt ist das Spiel schon zwei Tage her und da verblasst die Erinnerung ja schon wieder leicht...
 
Vor dem Spiel hatte ich eigentlich mal ungewöhnlich viel Zeit, denn ich bin ganz allein gefahren, da meine 2 Mitfahrer keine Zeit hatten.
 
Eigentlich wollte ich eine Freundin aus Hamburg abholen und mitnehmen, aber die fuhr dann direkt mit einem anderen Freund zum Stadion.
 
Während ich also zeitig dort war, kamen die anderen beiden verspätet, sodaß ich dann doch wieder mein Problem hatte.... Denn ich hatte deren Karten.
 
So war ich also im Stadion und konnte doch nicht an meinen Platz, weil ich am Eingang auf die beiden anderen warten mußte... Tolle Wurst.
Und dort durfte ich dann auch das 1:0 für den HSV erleben. Immerhin war es so ein Jubel, daß direkt klar war, daß der HSV ein Tor geschossen hatte.
 
Und da einer der Freunde Hertha-Anhänger (oder eher Sympathisant) war, war es zumindest eine Freude für mich, seine Frage am Eingang, ob der Jubel eben ein HSV-Tor war, mit "ja" beantworten zu können.
 
Ich hatte mich dann per Handy unterrichten lassen, wie das Tor gefallen war. Auch mal was neues für mich. 
 
Aber immerhin sehe ich sowas inzwischen etwas gelassener. Da hätte ich früher sicherlich ausflippen können.
 
Nach ca. 5 Minuten war ich dann wohl auch auf meinem Platz. Ich sah gleich einen angreifenden HSV. Und als nächstes dann ein Tor der Hertha. Beim Ausgleich lief der Jung-Herthaner Müller ziemlich allein auf unseren Torwart zu, der wirklich keine Chance hatte. Vorausgegangen war ein Fehler von Boulahrouz, der den Ball an Marcelinho verloren hatte. Das habe ich jedoch erst im TV gesehen. Im Stadion ist mir der Ballverlust mit direkt anschließendem Gegentor gar nicht so als Boulahrouz' Fehler aufgefallen.
 
Trotzdem hat mir der Neue in seinem ersten Heimspiel sehr gut gefallen.
 
Der Rest der ersten Halbzeit hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Zwar hatte auch Hertha Chancen, aber beim HSV gefiel mir, daß endlich auch mal das Bemühen sichtbar war. 
 
Die zweite Halbzeit war dann aber leider wieder um Klassen schlechter. Glücklicherweise aber von beiden Mannschaften, sodaß ich nicht ständig Angst hatte, daß Hertha nun den Siegtreffer schießt. Die Hertha war eher nicht übermäßig auf ein Siegtor aus, würde ich sagen. Allerdings sah es auch beim HSV wieder nicht so dolle aus. 
 
Irgendwann wollte Toppi dann noch einmal ein Signal für den Angriff setzen. Er wechselte Barbarez und Schlicke aus und brachte dafür Kucukovic und Moreira.
 
Bei diesem Wechsel habe ich mich allerdings mal wieder richtig über uns geärgert. Leider wurde Barbarez nämlich ausgepfiffen als er vom Feld ging.
 
Ganz abgesehen davon, daß ich ihn in der 1. Halbzeit sehr kämpferisch und bemüht fand und er erst in der 2. Halbzeit nachließ, ist es auch einfach unwürdig, wenn man einen Spieler der eigenen Mannschaft auspfeift bei seiner Auswechslung. Sowas sollte man einfach nicht tun. Egal, ob man den Spieler mag oder nicht. Mir ist bewußt, daß Barbarez die Fans spaltet.
Aber Pfiffe gegen einen Spieler, gehen auch an den anderen nicht einfach so vorüber. 
 
Wir konnten dann glücklicherweise noch das entscheidende Tor zum 2:1 erzielen. Das fiel zwar etwas überraschend, aber es war superwichtig für den HSV. Es hätte doch durchaus sein können, daß Toppmöller auch bei einem Unentschieden entlassen worden wäre.
 
Auch das haben sich sicherlich eine ganze Reihe von Fans gewünscht. Ich habe aber grundsätzlich Hoffnung, daß Toppmöller bei uns nochmal etwas aufbauen kann. Er hatte bisher bei jeder seiner Stationen Erfolge. Das kann doch nicht nur Zufall gewesen sein. 
 
Das Spiel wurde super-pünktlich abgepfiffen und endete mit 2:1 für den HSV. Wenigstens konnte man endlich mal Willen und Kampf in der Mannschaft sehen. Man darf wohl leider davon ausgehen, daß das nächste Auswärtsspiel, daß ausgrechnet bei den sehr starken Leverkuseners stattfindet, verloren wird. Danach wird es vermutlich wieder ein Sieg-Ultimatum für Toppmöller gegen. Aber dann werden die Gegner auch etwas einfacher.
 
Ich hoffe mal, daß sich die Lage langsam etwas entspannt. Vielleicht schaffen wir ja doch mal eine Auswärtsüberraschung und erreichen zumindest einen Punkt.
 
Meine Spielerbewertung:
 
Pieckenhagen: Am Gegentor schuldlos und ansonsten hat er einige sehr gute Schüsse entschärft: Note 2
 
Van Buyten: Wenn er auch hier und da mal einen Klops in seinem Spiel hat, so geht er zumindest vom Einsatz her voran. Und als das Spiel unbedingt gewonnen werden mußte, ging er auch immer weiter mit nach vorne: Note 3
 
Reinhardt: fiel mir diesmal sogar durch einige technische Feinheiten auf. Hat mir in der Defensive gut gefallen: Note 3
 
Schlicke: Er wirkt teilweise unsicher, aber mir fielen zumindest keine groben Fehler auf. Allerdings auch keine Lichtblicke; habe ihn kaum wahrgenommen im Spiel: Note 4
 
Wicky: war heute kaum zu sehen: Note 4
 
Boulahrouz: Ich glaube, der könnte mein neuer Lieblingsspieler werden. Lauffreudig, kämpferisch und dabei auch offenbar noch mit guter Technik ausgestattet. Obwohl er nicht auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung spielen durfte, sondern erneut im defensiven Mittelfeld ran mußte. Schade, daß er dabei das Gegentor maßgeblich mit verschuldet hat. Ansonsten hätte ich ihm wohl die beste Note der HSVer gegeben: Note 2-
 
Rahn: konnte sich nur sehr wenig in Szene setzen. Hat aber immerhin beide Tore vorbereitet. Beim ersten per Ecke und zum zweiten die direkte Vorlage: Note 3+
 
Jarolim: Es passiert ja eher selten, aber ich habe Jaro beim Spiel überhaupt nicht richtig wahrgenommen auf dem Feld: Note 4
 
Barbarez: in der ersten Halbzeit noch sehr bemüht und auch mit Defensivarbeit, fiel er in der 2. Halbzeit doch ziemlich ab: Note 4
 
Mpenza: war bemüht, aber leider nicht sehr effektiv: Note 4
 
Takahara: durfte nach langer Zeit mal wieder in der Startelf ran. Und das auf der ausdrücklich gewünschten Position des Mittelstürmers (und nicht, wie so oft früher, auf Außen). Dabei machte er zwei Tore. Mehr kann man wohl nicht erwarten: Note 1
 
Schiri Fandel: konnte in einer sehr fairen Partie nicht viel falsch machen: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 
Hamburger SV:  Pieckenhagen (2) - Schlicke (4), van Buyten (2,5), B. Reinhardt (3), Wicky (4) - Boulahrouz (4) - Jarolim (4,5), Barbarez (3,5), Rahn (3,5) - Mpenza (4), Takahara (1,5) - Trainer: Toppmöller

Hertha BSC:  Fiedler (2,5) - O. Schröder (5), van Burik (3,5), Simunic (3) - Hartmann (4), N. Kovac (3), Fathi (4,5) - Chr. Müller (3), Marcelinho (3), Gilberto (4) - Bobic (4) - Trainer: Götz

Tore:   1:0 Takahara (3., Kopfball, Vorarbeit van Buyten), 1:1 Chr. Müller (11., Rechtsschuss, Marcelinho), 2:1 Takahara (80., Rechtsschuss, Rahn)

Eingewechselt:   76. Kucukovic für Schlicke, 76. Moreira für Barbarez - 72. Wichniarek für Bobic, 81. Neuendorf für Fathi, 85. Salihovic für Chr. Müller

Chancenverhältnis:  6:5

Eckenverhältnis:  8:5

Schiedsrichter:  Fandel  (Kyllburg), Note 2,5 - lag in den entscheidenden Szenen richtig, lediglich kleinere Fehler.

Zuschauer:  43169

Gelbe Karten:  Jarolim, Boulahrouz, Wicky - Simunic, N. Kovac, Neuendorf, Marcelinho

Spielnote:  2,5

Spieler des Spiels:  

 
Takahara, Naohiro
Ein tolles Comeback des Japaners: Er schoss zwei Tore, war sehr beweglich, häufig anspielbar und behauptete den Ball.

Analyse
Drei Umstellungen nahm HSV-Coach Klaus Toppmöller gegenüber dem 1:2 in Kaiserslautern vor: Jarolim, Rahn und Takahara spielten für Beinlich, Moreira und Benjamin. Gleich fünf Änderungen nahm Herthas Trainer Falko Götz nach dem Aus im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig (2:3) vor: Van Burik, Nico Kovac, Hartmann, Gilberto und Bobic standen in der Startelf, Rehmer (für die Liga noch gesperrt), Dardai, Neuendorf, Rafael (Gelb-Rot-Sperre) und Wichniarek mussten weichen.

Ohne große Abtastphase gingen beide Teams in der AOL-Arena zu Werke. Gleich mit dem ersten Eckball gelang den Hanseaten dann die frühe Führung nach drei Minuten: Rahn trat von links, im Strafraum übersprang van Buyten Simunic und Bobic. Takahara stand am zweiten Pfosten völlig frei und köpfte zum 1:0 für den HSV ein.

Berlin zeigte sich durch den Rückstand aber keineswegs geschockt. Die Hauptstädter hielten dagegen und attackierten die Hamburger bereits in deren eigenen Hälfte. Lohn der Bemühungen war der Ausgleich nach elf Minuten. Marcelinho erkämpfte sich den Ball gegen Boulahrouz und passte auf Müller. Der Youngster überwand HSV-Keeper Pieckenhagen mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze.

Auch in der Folgezeit suchten beide Teams den Weg Richtung gegnerisches Tor, so dass sich zwar keine hochklassige, aber eine tempo- und abwechslungsreiche Begegnung entwickelte. Spielerisch blieb vieles Stückwerk, jedoch machten Einsatz und Leidenschaft auf beiden Seiten diesen Mangel wieder wett.

Hamburg konnte sich ein optisches Übergewicht erkämpfen, blieb im Angriff aber ohne Durchschlagskraft, da der finale Pass auf die beiden Angreifer Mpenza und Takahara noch zu ungenau war. Auch Berlin konnte sich nicht entscheidend durchsetzen, da der einzigen Spitze Bobic meistens die Unterstützung fehlte.

Ohne personelle Änderungen ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Beide Teams benötigten im zweiten Abschnitt etliche Zeit, um wieder in die Partie zu finden. Die ersten Minuten waren von viel Leerlauf geprägt, lediglich der Einsatz stimmte weiterhin.

Der HSV spielte engagiert, doch gegen die aufmerksame Berliner Deckung fanden die Hanseaten einfach kein Mittel. Mangels Ideen und Kreativität im Mittelfeld konnten die Berliner die Angriffe der Toppmöller-Elf relativ einfach ausrechnen und so immer wieder abwehren. Insgesamt machten die Herthaner bei ihren Vorstößen den reiferen Eindruck, wirkten im Angriff aber zu unentschlossen.

Der HSV kämpfte trotz der fehlenden Spielkultur unermüdlich weiter. Trainer Klaus Toppmöller erhöhte eine Viertelstunde vor Spielende das Risiko und brachte mit Moreira und Kucukovic zwei zusätzliche Offensivkräfte. Und zehn Minuten vor Schluss wurde der Einsatz der Hanseaten belohnt. Moreira ließ an der linken Außenbahn zwei Gegenspieler aussteigen und passte auf Rahn. Dieser schlug eine genaue Hereingabe, im Strafraum war Takahara mit dem rechten Bein vor Fiedler am Ball und drückte das Leder über die Linie.

In der Schlussphase versuchte Hertha BSC nochmals, dem Spiel eine Wende zu geben. Doch der Hamburger SV brachte den Sieg mit viel Einsatz über die Zeit.

Der Hamburger SV fuhr einen schwer erkämpften 2:1 (1:1)-Sieg über Hertha BSC ein. Mann des Tages bei den Hanseaten war der zweifache Torschütze Takahara. Nach temporeicher erster Halbzeit verflachte die Partie im zweiten Abschnitt, der HSV verdiente sich den Erfolg aber durch nimmermüden Einsatz.
 

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 
 
80
 2:1 für den HSV. Moreira setzt sich an der linken Außenbahn gegen zwei Berliner durch und passt auf Rahn. Dieser schlägt eine genaue Hereingabe, Takahara ist mit dem rechten Bein zur Stelle und drückt den Ball über die Linie. 
 
73 Nun wieder der HSV. Takahara zieht von der Strafraumgrenze vehement ab, Fiedler reagiert blitzschnell und kann den Ball abwehren, beim Nachsetzen ist Jarolim im Abseits. 
 
70 Ecke durch Müller, den zu kurz abgewehrten Ball nimmt Marcelinho direkt ab, sein Schuss wird von der Hamburger Abwehr abgeblockt. 
 
67 Die Möglichkeit zur Führung für Hertha. Marcelinho bringt Bobic ins Spiel, der plötzlich freie Bahn hat. Pieckenhagen klärt dessen Schuss aber zur Ecke. 
 
66 Fresitoß-Flanke durch Rahn, van Buyten köpft, zielt aber zu hoch. 
 
60 Rahn prüft Fiedler mit einem Distanzschuss. Der Berliner Keeper faustet den Ball nach vorne weg, seine Vorderleute können die Situation letztendlich bereinigen. 
 
59 Möglichkeit für Berlin durch Bobic, aber Reinhardt kann den Schussversuch des Mittelstürmers abblocken. 
 
55 Konter der Hamburger über Takahara. Kovac klärt die Flanke des Japaners zur Ecke, die nichts einbringt. 
 
53 Erstmals die Herthaner. Flanke von Hartmann auf Bobic, doch Reinhardt klärt zur Ecke. 
 
50 Der HSV probiert's zu Beginn des zweiten Abschnitts mit Flanken auf Mpenza, doch Simunic lässt sich nicht überwinden. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
45 Flanke von Wicky, Mpenza segelt vorbei, doch der überraschte Jarolim bringt den Ball nicht unter Kontrolle. 
 
35 Nach einer Hereingabe durch Jarolim kommt Takahara zum Kopfball, doch Fiedler ist auf dem Posten. 
 
34 Rahn kann sich den Ball erkämpfen und schickt Takahara steil. Doch erneut kommt der Japaner einen Schritt zu spät. 
 
30 Nun zwei Mal die Hertha: Eine Schröder-Flanke will Bobic per Kopf auf Müller ablegen, die Hamburger können im letzten Moment klären. Wenig später dribbelt sich Marcelinho frei, sein Schuss wird aber eine Beute von Pieckenhagen. 
 
26 Erneut der HSV. Barbarez erkämpft sich den Ball und flankt auf Takahara. Der Torschütze kommt aber einen Schritt zu spät. 
 
21 Schlicke mit einer Flanke von der rechten Seite. Der Ball wird länger und länger, senkt sich gefährlich auf das Hertha-Tor. Keeper Fiedler kann im Zurücklaufen den Ball gerade noch wegfausten. 
 
11
 Der Ausgleich! Boulahrouz verliert einen Zweikampf gegen Marcelinho. Der Brasilianer passt auf Müller. Der junge Berliner lässt Pieckenhagen mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze keine Abwehrmöglichkeit. 
 
3
 Frühe Führung für den HSV! Eckball durch Rahn, van Buyten überspringt Simunic und Bobic. Am zweiten Pfosten ist Takahara völlig frei. Der Japaner braucht den Ball aus kurzer Distanz nur noch über die Linie zu köpfen. 
 
Anpfiff