Bundesliga 2004/2005, 11. Spieltag, Samstag, 30.10.04 im Bremer Weserstadion

SV Werder Bremen - Hamburger SV 1:1 (0:1)

Na, das war ja schon mal ganz nett. Ich war vor dem Spiel unentschlossen. Auf der einen Seite das sehr gute gefühl der letzten beiden Spiele. 

Auf der anderen Seite mußten wir heute doch beim amtierenden Deutschen Meister antreten. Und die Werderaner hatten zuletzt auch noch einen sehr guten Lauf.

Das Spiel gestaltete sich aber offen und sehr positiv für den HSV. Zumindest waren wir von Beginn an nicht hoffnunngslos unterlegen und konnten den Bremern einen regen Schlagabtausch anbieten. Die Bremer hatten zwar trotz einer sehr guten Leistung der Defensivabteilung des HSV mehr Chancen als wir, aber wir hatten das große Glück, daß wir mit einem der ersten richtig guten Angriffe dann auch gleich das Führungstor erzielen konnten. 

Dabei hatten die Bremer hinten einen schlechten Pass gespielt, den sich Mpenza außerhalb des Strafraumes vor den Bremer Verteidigern und auch dem herausstürmenden Torhüter angeln konnten. Zwar war er dann am Torwart vorbei, aber zu weit nach außen gedrängt und auch direkt von einem Verteidiger verfolgt als das er hätte direkt verwandeln können. In dieser Sekunde schwanden meine Hoffnungen schon wieder. Doch dann flankte Mpenza nach innen und dort stand (wie ich jetzt weiß, aber im Spiel nicht erkannt hatte) Jarolim und nickte den Ball ins Tor von den heranlaufenden Bremer Vertediigern und dem Torwart. Sehr geil. Auch immer schön, dieses Gefühl in fremden Stadien, sich mit wildfremden Menschen in den Armen zu liegen.

Wir konnten das Ergebnis so in die Halbzeit bringen. Bremen war zwar feldüberlegen, aber ich habe nach unserer Führung nur sehr selten gezittert, daß wir nun ein Gegentor bekämen. In der 2. Halbzeit ging das auch noch lange Zeit sehr gut. Ich fand nicht, daß Bremen viele tolle Chancen hatte. Unses Verteidigung zeigte sich um den herausragend starken Van Buyten sehr sicher und ließ nicht viel zu.

Als dann aber die Bremer aber so ca. 15 Minuten vor Schluss doch den Ausgleich erzielten (übrigens lt. SMS eines Freundes nach einem Handspiel) brachen beim HSV allerdings doch so etwas alle Dämme. In der Folge hatte Bremen dann wirklich etliche Chancen und hätte das Spiel wirklich auch gut für sich entscheiden können. Das wir dann nicht mehr so offensiv agieren, ist wohl verständlich. Ich hatte allerdings sehr lange gehofft, daß wir vielleicht doch noch mal einen entscheidenden Konter setzen könnten. Darüber habe ich mich dann doch auch etwas geärgert, daß eigentlich gar keine vernünftige Konterchance mehr hatten.

So müssen wir auf der einen Seite wohl glücklich und zufrieden sein, daß es wenigstens ein punkt geblieben ist, aber auf der anderen Seite ist man eben doch ein bißchen unzufrieden, wenn man so lange führt und dann doch noch den Ausgleich kassiert.

Ich glaube aber, daß das Unentschieden objektiv ein ganz reelles Ergebnis war für beide Mannschaften. Für den HSV natürlich der weitaus höher zu wertende Erfolg als für Werder. 

Na, dann hoffen wir mal, daß es so gut weiter geht unter Thomas Doll, der auch heute nach dem Spiel wieder so lange gefeiert wurde, bis er ca. 10 Minuten nach Spielende doch noch mal in die Kurve gelaufen kam zu den Fans, um mit Ihnen zu feiern. Thomas Doll und seine offenbar sehr menschliche Art imponiert mir übrigens sehr.

Meine Spielerwertung:

Pickenhagen: hat wirklich einige sehr gute Bälle gehalten. Gefiel mir ausgezeichnet: Note 2+

Boulahrouz: fegte wieder sehr gekonnt in der Innenverteidigung dazwischen: Note 2

Van Buyten: War für mich der beste und auffälligste Mann auf dem Platz: Note 1

Schlicke: Gute Leistung des Mannes in der rechten Verteidigung. Wobei er vielleicht manchmal darunter leidet, daß ihm jemand fehlt, der ihm so richtig auf seiner Seite hilfr. Auf der linken Seite ist das derzeit mit Klingbeil und Beinlich günstiger gelöst: Note 3

Klingbeil: wieder ein solider Abwehrpart. Traut sich für mein Gefühl auch langsam etwas mehr zu. Note 3

Wicky: fiel mir wieder nur sehr wenig auf, aber auch er trug zur guten Defensive bei: Note 3

Jarolim: Ich sah ihn heute eigentlich gar nicht und wollte ihm auch gerade ein 4 geben. Aber dann fiel mir wieder ein, wer unser Tor geschossen hat: Note 3

Beinlich: fiel mir heute in vielen Szenen positiv auf. Er gewinnt langsam alte Stärke zurück: Note 3

Barbarez: hatte heute nur sehr weniger lichte Momente. Note 4

Takahara: Auch er fiel mir heute praktisch gar nicht auf: Note 4

Mpenza: Er hat das Tor sehr schön vorbereitet, konnte sich ansonsten aber auch nicht entscheidend in Szene setzen: Note 3

Schiri Merk: war mir viel zu kleinlich. Er hat eigentlich bei jedem Faller auch Freistoss gegeben. Wie macht er das denn bei den vielen internationalen Spielen, die er pfeift? Note 4-

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 

Werder Bremen:  Reinke - Davala, Ismaël, Baumann, Stalteri - D. Jensen, Schulz, F. Ernst - Micoud - Klose, Klasnic - Trainer: Schaaf

Hamburger SV:  Pieckenhagen - Schlicke, Boulahrouz, van Buyten, Klingbeil - Jarolim, Wicky, Beinlich - Barbarez - Mpenza, Takahara - Trainer: Doll

Tore:   0:1 Jarolim (22., Kopfball, Vorarbeit Mpenza), 1:1 Schulz (74., Rechtsschuss, Klasnic)

Eingewechselt:   60. Valdez für D. Jensen, 72. Pasanen für Davala - 61. Benjamin für Takahara, 72. Mahdavikia für Jarolim, 81. Rahn für Beinlich

Schiedsrichter:  Merk, Dr. 

Zuschauer:  43000 (ausverkauft)

Gelbe Karten:  Klasnic - Boulahrouz, Schlicke, Beinlich, Barbarez, Wicky
 

Spielbericht
Nach dem 2:1-Erfolg in Stuttgart musste Bremens Trainer Thomas Schaaf auf Rotsünder Magnin verzichten. Für den Schweizer kam Jensen zum Zuge. Auf der anderen Seite hatte HSV-Trainer Thomas Doll keinen Anlass, seine Startformation zu verändern und schickte die Elf aufs Feld, die gegen Freiburg mit 4:0 die Oberhand behalten hatte.

Nach gleichverteiltem Spiel in der Anfangsphase bekam Werder nach einer knappen Viertelstunde immer mehr Oberwasser. Die anfänglich noch hohe Fehlerquote im Pass-Spiel wurde deutlich reduziert - mit der Folge, dass die Heimelf immer häufiger am und im HSV-Strafraum auftauchte. Klasnic (12.) und Davala (15.) hatten die ersten nennenswerten Chancen für den Meister.

Der HSV setzte auf Konter über den schnellen Mpenza. Und gleich der erste - allerdings initiiert von einer verunglückten Kopfballrückgabe von Micoud am Mittelkreis - sollte Erfolg haben: Nach dem Fauxpas des Franzosen kommt Mpenza vor dem etwas voreilig herausstürmenden Reinke auf der linken Seite an den Ball. Der Belgier überläuft den Keeper, umdribbelt Stalteri und flankt gefühlvoll auf Jarolim, der aus elf Metern ins leere Tor köpft (22.). 

Werder zeigte sich zunächst wenig geschockt, hatte durch Klose bald danach den Ausgleich auf dem Fuß (26.), verlor aber dann minutenlang den Faden. Auch weil es der insgesamt gut sortierte HSV immer wieder klug verstand, mit technisch ansehnlichem Kombinationsspiel und großer Ballsicherheit im Mittelfeld den Druck von der eigenen Abwehr wegzunehmen.

Klasnics Pfostentreffer in der 37. Minute war dann die zweite Ausgleichschance für die Schaaf-Elf, die sich zwar als das Spiel bestimmende Team des ersten Durchgangs präsentierte, trotz aller Feldüberlegenheit aber noch nicht so richtig zu ihrem Spiel fand.

Die Offensivbemühungen der Bremer hielten auch nach dem Wechsel an, allerdings ließen sie nach wie vor gegen die bombensicher wirkende HSV-Defensive an Durchschlagskraft vermissen. Hamburg seinerseits wirkte bei seinen vereinzelten Kontern stets gefährlich, auch wenn sich daraus keine Chancen entwickelten.

Nach einer Stunde wechselte Bremens Coach Thomas Schaaf mit Valdez den dritten Stürmer ein - Kollege Thomas Doll reagierte prompt, und stärkte mit Benjamin für Takahara die Defensive. Die agierte nach wie vor brillant, ließ kaum viel versprechende Angriffe der zu unpräzise spielenden Werderaner zu.

Meistens versuchte es der Meister, entgegen seiner sonstigen Spielkultur, mit hoch in den Strafraum geschlagenen Bällen. Tormöglichkeiten blieben gegen die starken van Buyten & Co., die nahezu alles wegräumten, so lange Fehlanzeige. Erst Micoud hatte nach Klasnics Kopfballablage den Ausgleich auf dem Fuß (71.).

Der fiel nach demselben Muster: Klasnic von rechts hoch in den Strafraum, wo Schulz den Ball glücklich mit dem Oberschenkel annahm und aus drei Metern mit rechts unter die Latte setzte (74.).

Die vorher doch etwas ereignislos dahinplätschernde Partie nahm nun Fahrt auf, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, freilich mit eindeutigen Vorteilen für Werder, das die Entscheidung nun erzwingen wollte. Valdez vergab diese aus sechs Metern, als er seinen Kopfball direkt auf Pieckenhagen platzierte (83.). Die Nummer eins des HSV verhinderte auch gegen Ernsts 16-Meter-Schuss (85.). Und Kloses Kopfball kurz vor dem Schlusspfiff das 2:1 (88.).

Das zwar über die gesamte Spieldauer überlegene Bremen wurde durch ein Kontertor des HSV Mitte des ersten Durchgangs geschockt. Erst in den letzten 20 Minuten fand der Meister zumindest phasenweise gegen die kompakt stehende Abwehr der Gäste zu seinem Spiel und erzielte den hochverdienten Ausgleich, der für den HSV dank Pieckenhagen auch am Ende Bestand hatte. 
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
88 Ein Eckball von Micoud segelt an den Elfer. Gegen Kloses Kopfball reagiert Pieckenhagen mit einem Reflex und bewahrt sein Team vor dem Rückstand. 
 
85 Ecke von Micoud, Ernst kommt aus 16 Metern zum Schuss - Pieckenhagen rettet zur erneuten Ecke. 
 
83 Ismael flankt aus halbrechter Position an den Fünfer, wo sich Valdez freigestohlen hat. Der Angreifer köpft aus sechs Metern, platziert das Leder aber genau auf Pieckenhagen. 
 
76 Die Partie nimmt nun an Fahrt auf. Klasnic am Strafraum quer auf Klose, der einen Schritt zu spät kommt. 
 
73
 Klasnic flankt von rechts hoch in den Strafraum. Dort nimmt Schulz den Ball etwas glücklich mit dem Oberschenkel an und setzt diesen dann aus drei Metern hoch unter die Latte. 
 
71 Davala schlägt das Leder hoch in den Strafraum. Klasnic gewinnt das Kopfballduell gegen Schlickeund legt zurück. Micoud rauscht heran, jagt den Ball aber aus elf Metern in die Wolken. 
 
62 Drei Hamburger gegen zwei Bremer, doch Beinlichs Pass auf Mpenza kommt nicht im rechtem Moment. Der Angriff verpufft. 
 
60 Bremens Coach Schaaf bringt seinen "Edel-Joker": Valdez kommt für Jensen. Auf der anderen Seite wechselt Doll Benjamin für Takahara ein. 
 
57 Beinlich mit gefährlichem Rückpass. Klose sprintet heran, doch Pieckenhagen passt auf und klärt vor dem Bremer ins Seitenaus. 
 
53 Klasnic ist ein beliebter Anspielpartner. Diesmal kombiniert er mit Ernst, der mit links aus 16 Metern einen halben Meter rechts vorbeischießt. 
 
49 Schönes Zusammenspiel zwischen Mpenza und Jarolim, der vom Belgier rechts hinaus geschickt wird. Der Tscheche flankt flach in die Mitte, Mpenza ist zwei Schritte zu langsam. 
 
46 Das Bremer Sturmduo im Zusammenspiel. Klose auf Klasnic, doch der hat aus 17 Metern sein Visier nicht richtig eingestellt. 
 
46 Keine Wechsel auf beiden Seiten: Valdez muss sich wohl noch etwas gedulden ... 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
43 Es ist durchaus ansehnlich, wie sich der HSV auf höchstem technischen Niveau im Mittelfeld gekonnt den Ball zuspielt und damit immer wieder den Druck von der eigenen Abwehr wegzunehmen versteht. 
 
37 Klingbeil misslingt eine Kopfballabwehr. Klasnic rauscht heran und setzt den Ball aus 16 Metern mit links flach an den rechten Pfosten. 
 
35 Der Meister tut sich sehr schwer. Hamburg steht sehr kompakt und macht diszipliniert die Räume zu und befreit sich immer weider geschickt aus der Umklammerung. 
 
30 Bremen drückt, kombiniert sich in den Strafraum von Hamburg. Klose setzt sich gegen den ersten Abwehrspieler durch, wird aber dann von van Buyten gebremst. 
 
29 Freistoß Klasnic - abgefälscht von der Mauer fliegt der Ball weit links am Tor vorbei. 
 
26 Klasnics Schuss aus 18 Metern wird abgeblockt und kommt glücklich zu Klose. Der steht allein vor Pieckenhagen, zögert aber zu lange mit dem Abschluss, so dass die Großchance am Ende verpufft. 
 
22
 Micoud mit versuchter Kopfballrückgabe im Mittelfeld. Mpenza ersprintet sich den Ball vor dem herausgelaufenen Reinke, umdribbelt Stalteri und flankt gefühlvoll auf Jarolim, der den Ball aus 11 Metern ins verlassene Tor köpft. 
 
19 Jensen sieht rechts den freistehenden Micoud. Dessen Flanke erreicht Klasnic, der aus drei Metern aber dem Ball nicht die gewünschte Richtung geben kann. Allerdings ohnehin Abseits ... 
 
15 Werder mit immer mehr Oberwasser. Kloses Scharfschuss aus 16 Metern wird zur Ecke geblockt. Die erwischt Davala mit dem Rücken - die Kugel fliegt einen halben Meter am linken Pfosten vorbei. 
 
12 KLose legt auf Klasnic ab. Der Kroate trifft aus 17 Metern Entfernung den Ball nicht voll - Pieckenhagen ohne Mühe. 
 
9 Hohe Fehlerquote bei beiden Teams, je näher es gen gegnerischen Strafraum geht. Beide Abwehrreihen agieren bislang mit hoher Konzentration. 
 
5 Mpenza wird auf die Reise geschickt, ist aber auf der rechten allein auf weiter Flur und verliert den Ball. 
 
1 44 Sekunden gespielt - Klasnic tanzt Klingbeil aus und schiebt den Ball aus 13 Metern halblinker Position aufs lange Eck. Drei Meter vorbei. 
 
Anpfiff 


 
 
dpa: HSV bleibt mit Trainer Doll ungeschlagen: 1:1 in Bremen

Von Britta Körber, dpa

Bremen (dpa) - Auch der deutsche Meister kann den Hamburger SV mit Trainer Thomas Doll nicht stoppen. Im 81. Nordderby der Fußball-Bundesliga reichte es für Werder Bremen vor 42 100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion nur zu einem 1:1 (0:1) gegen den Nachbarn.

David Jarolim brachte die Hamburger per Kopf in Führung (22. Minute), Christian Schulz glich für die überlegenen Bremer in der 74. Minute aus. Damit bleibt der HSV seit der Amtsübernahme von Doll in drei Spielen ungeschlagen. Werder verpasste mit dem Remis die Chance, sich auf Platz zwei hinter Spitzenreiter Wolfsburg zu verbessern, und zeigte eine durchwachsene Generalprobe vor dem Champions-League-Heimspiel gegen den RSC Anderlecht.

Die Bremer erkämpften sich ein geradezu Schwindel erregendes Übergewicht an Chancen (20:2 Schüsse aufs Tor), das eigentlich für zwei Siege hätte reichen müssen. «Das war ein Spiel auf ein Tor, wir haben es aber nicht geschafft, das Siegtor zu erzielen», klagte Trainer Thomas Schaaf. Doch dem kompakt agierenden HSV stand diesmal auch das Glück zur Seite. Allein Ivan Klasnic vergab fünf Möglichkeiten, in der 37. Minute traf er nur den Pfosten. «Wir haben gut gekämpft, aber nicht gut gespielt», befand Werder-Abwehrspieler Valerien Ismael.

Der nach den Siegen in Dortmund (2:0) und gegen den SC Freiburg (4:0) mit breiter Brust zum Doublegewinner gereiste HSV überzeugte mit einer konzentrierten Abwehrleistung. Sowohl Daniel van Buyten als auch der zweikampfstarke Khalid Boularouhz und der defensive Mittelfeldspieler Raphael Wicky räumten vorm eigenen Gehäuse kompromisslos auf. Was der Viererkette durchging, wurde eine Beute des sicheren Schlussmanns Martin Pieckenhagen. «Er hat überagend gehalten», lobte Trainer Doll seinen Torhüter, um anschließend dem ganzen Team Anerkennung zu zollen. «Ich muss den Hut ziehen vor der Mannschaft. Läuferisch und kämpferisch hat sie Hervorragendes gezeigt.»

Werder setzte auf bedingungslose Offensive und wurde bestraft. Ausgerechnet Spiellenker Johan Micoud leistete sich mit einem Rückpass per Kopf einen folgenschweren Fehler, den der pfeilschnelle Daniel Mpenza zu einem Konter par excellence nutzte. Am herausstürzenden Werder-Torhüter Andreas Reinke vorbei servierte er dem im Strafraum lauernden Jarolim den Ball auf den Kopf. Der Tscheche ließ sich die Chance zu seinem zweiten Saisontreffer nicht entgehen. «Das war ein Missverständnis, den haben wir selber reingemacht», meinte Schaaf bedauernd.

Der Werder-Trainer setzte nach dem Seitenwechsel mit der Einwechslung von Nelson Valdez als drittem Stürmer neben Klasnic und Miroslav Klose alles auf eine Karte. Das pausenlose Anrennen, dem allerdings Überraschungsmomente und Präzision fehlten, wurde belohnt, als Schulz sich gegen den gerade eingewechselten HSV-Mittelfeldspieler Mehdi Mahdavikia durchsetzte und aus Nahdistanz zum 1:1 einschoss. «Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie nachlegen kann», sagte Schaaf. Danach hatten die Bremer nahezu im Minutentakt Torchancen, doch Torwart Pieckenhagen rettete dem HSV das Remis.


 
 
sport1: "Hamburger Symbiose" punktet

Als HSV-Coach Thomas Doll nach dem Spiel bei Werder Bremen vor die wartenden Journalisten trat, da hatte er noch immer dieses Glänzen in den Augen. Das 1:1 seiner Mannschaft hatte den Neu-Trainer regelrecht verzückt.

"Was meine Jungs heute geleistet haben, auch nach all dem was in den vergangenen Wochen psychologisch auf sie eingeprasselt ist, das war schon à la bonheur", schwärmte Doll. Damit waren seine Superlative noch nicht aufgebraucht. "Ich muss vor meiner Mannschaft den Hut ziehen. Das war sensationell."

50 Prozent Chancenverwertung
Dabei hatte der HSV bei dem schwer erkämpften Remis im Nord-Derby einen neuerlichen Negativrekord aufgestellt: 2:20 Torschüsse - das gab es für den HSV seit mehr als zehn Jahren nicht. Dass 50 Prozent der eigenen Versuche, in der 22. Minute durch David Jarolim, den Weg ins gegnerische Tor fanden, spricht für hohe Effektivität. "Wir haben uns das Glück eben hart erarbeitet", sagte Doll.
Hamburgs Glück paarte sich mit viel Geschick und Können. Denn die Innenverteidigung mit Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz kam einem Bollwerk gleich und zwang die Bremer, den Erfolsgsweg vornehmlich mit hohen Bällen in den Strafraum oder Fernschüssen zu suchen. 

Pieckenhagen orakelt
Allein Christian Schulz fand die Lücke und verwertete in der 74. Minute eine Flanke von Ivan Klasnic, allerdings unter Mithilfe seines rechten Armes - die Proteste der Hamburger hielten sich jedoch in Grenzen. Die drückenden Bremer Angriffe in der Schlussviertelstunde überstanden die Hamburger mit dem bereits erwähnten Glück und Geschick.
"Man muss realistisch sein, das Unentschieden geht auf jeden Fall in Ordnung", gab Doll hinterher zu Protokoll. Wohingegen Keeper Martin Pieckenhagen, einer der ruhenden Pole in der Schlussphase, es mit dem Realismus nicht ganz so eng sehen wollte.

Symbiose zwischen Mannschaft und Trainer
"Wir werden bis zum Saisonende kein Spiel mehr verlieren", orakelte der Torwart und erzählte von einem versiegelten Kuvert, in dem seine Saisonprognose für den HSV niedergeschrieben sein sein soll. "Am Ende werden wir das Kuvert öffnen und dann vergleichen", scherzte "Piecke".
Bis dahin wird sich zeigen, ob die augenscheinlich vorhandene Symbiose zwischen Mannschaft und Trainer weitere Erfolge mit sich gebracht haben wird. Das Geben und Nehmen setzt sich fort: Nach getaner Arbeit dürfen sich die Spieler nun erst einmal über einen freien Tag freuen.

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft"
Bei Werder dagegen kam zwar keine Freude auf, dennoch zeigten sich die Protagonisten nicht unzufrieden. "Ich bin stolz auf diese Mannschaft, sie hat alles aus sich herausgeholt", lobte Trainer Thomas Schaaf. 
Und mit Blick auf die Champions-League-Aufgabe gegen den RSC Anderlecht sagte Sport-Manager Klaus Allofs: "Wenn wir die Leistung vom HSV-Spiel wiederholen können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir auch gewinnen."
 

Daten: Mit Doll weiter ungeschlagen

Doll wie Magath:
Thomas Doll holte sieben Punkte aus den ersten drei Spielen. So gut startete als HSV-Trainer zuletzt Felix Magath. 
Der jetzige Bayern-Coach übernahm die Hanseaten in der Saison 95/96 ebenfalls am 9. Spieltag auf einem Abstiegsplatz und führte den HSV noch in den Uefa-Pokal

Remis-Premiere I 
Werder teilte erstmals in dieser Saison die Punkte. Das zuvor letzte Unentschieden der Bremer gab es vor einem halben Jahr in Bochum (0:0).

Premiere II 
Der HSV teilte sich zum ersten Mal in dieser Saison die Punkte. Das letzte Remis der Hamburger gab es am 33. Spieltag der Vorsaison beim 0:0 in Freiburg. Nun klappte es beim Meister.

Kleine Serie
Der Meister verpasste den dritten Sieg in Folge. Dennoch: Werder bleibt erstmals in dieser Saison drei Spiele in Folge ungeschlagen. 

Glücklicher Punkt für die HSV-Minimalisten
Der Meister setzte den HSV unter Dauerdruck: 58 Prozent Ballbesitz und 20:3 Torschüsse standen am Ende des Spiels für den Doublegewinner zu Buche. Trotzdem reichte es nach dem Treffer von Christian Schulz nur zu einem 1:1. Gescheitert waren die Bremer am robusten Abwehrwall der Hamburger, der nur einmal patzte. Offensiv hielten sich die Hanseaten vornehm zurück und gaben nur drei Torschüsse ab. Seit Bestehen der Datenbank waren es nie weniger. 

Klasnics Rache
Der gebürtige Hamburger war gegen den HSV, der ihn in jungen Jahren verschmähte, heiß und wurde zum auffälligsten Spieler auf dem Platz. Kein Spieler gab im Nordderby mehr Torschüsse ab als der Kroate (6) und bereitete so viel vor (ebenfalls 6). Mit einem Tor wurde Klasnic gegen die Hanseaten nicht belohnt. Immerhin leistete er beim Ausgleichstreffer von Christian Schulz die Vorarbeit und half somit mit, dass Werder nicht komplett leer ausging.

Fels in der Brandung
Der holländische Neuzugang Khalid Boulahrouz entwickelt sich beim HSV immer mehr zum absoluten Volltreffer. Seit er unter dem neuen Trainer Doll in der Innenverteidigung spielen darf blüht der 22-Jährige auf und räumt vor dem eigenen Tor ab. Zwar konnte er den ersten Gegentreffer in der Ägide von Trainer Doll nicht verhindern, war aber dennoch mit 74 Prozent gewonnenen Duellen bester Hamburger Zweikämpfer. Als Innenverteidiger gewann er in den letzten drei Partien 65 Prozent seiner Zweikämpfe - ein starker Wert.

Mpenza blüht auf
Noch ein Spieler blüht unter dem neuen Trainer beim HSV richtig auf: Angreifer Emile Mpenza. Der schillernde Belgier besticht durch Schnelligkeit und Einsatzwillen. Zudem war er in den letzten drei Partien an fünf HSV-Treffern direkt beteiligt. Insgesamt sammelte er nun sieben Scorer-Punkte - nur Barbarez war bei den Hanseaten bislang an genauso vielen Treffern beteiligt.