Bundesliga 2004/2005, 12. Spieltag, Samstag, 07.11.04 in der Hamburger AOL Arena bei klarem Wetter um 9 Grad C

Hamburger SV - FC Schalke 04 1:2 (0:0)

Das erste und einzige, was mir dann eben nochmal ein Lächeln ins Gesicht trieb, war der Gedanke, daß das Ergebnis ja nun doch leider zu  meinem nicht ganz so tollen Wochenende paßt....

Das Spiel war insgesamt sehr bescheiden. In der 2. Halbzeit gab es zumindest streckenweise ordentlichen Fußball. Über die erste Halbzeit lohnt es sich gar nicht, irgendein Wort zu verschwenden!

Oh, doch, eine Szene für uns aus der ersten Halbzeit fällt mir dann doch noch ein: Mpenza wurde da m.E. klar gefoult. Sicher war ich  mir nur nicht, ob es im Strafraum war oder davor. Naja, diese Frage mußte sich der Schiri ja nicht stellen, weil er vorsichtshalber mal gar nicht gepfiffen hat...

Das war aber wirklich das einzige, was mir noch einfällt. Die erste Halbzeit war einfach grottig.

In der 2. Halbzeit ging es für den HSV natürlich umso besser los, denn man konnte früh den Führungstreffer zum 1:0 erzielen. Jarolim hatte den Ball schön zu Beinlich nach links in den Strafraum gespielt und der konnte aus kurzer Entfernung Torhüter Rost überwinden sehr schön.

Danach gab es eigentlich lange Zeit nur wenig zu zittern. Der HSV konnte sich sogar noch einige Torchancen erspielen, von denen Barbarez wohl die beste hatte, als er direkt vorm Torwart zu einem Kopfball kam. Allerdings war er eben so dicht vorm Keeper, daß er den Ball nicht mehr groß plazieren konnte. So konnte Rost den Ball durch einen Reflex leider halten.

Tja, und dann schaffte Schalke, für mich wie aus heiterem Himmel, das 1:1. Hanke war es, der irgendwie vollkommen frei stand im Strafraum und angespielt wurde. Aus kurzer Entfernung konnte er den Ausgleich machen.

Und es dauerte wieder nicht sehr lange, bis die Schalker dann leider auch noch den Führungs- und damit auch Siegtreffer erzielen konnten. Shit. Lincoln war es, der weit mit dem Ball lief und kurz vorm 16er dann schließlich ziemlich trocken (und auch nicht übermäßig hart) ins lange Eck schoß.

Und dann kam leider in den verbleibenden Minuten auch kein riesiges Aufbäumen der HSV mehr zustande. Schade. Man hätte dieses Spiel wirklich nicht verlieren müssen. Da die erste Halbzeit von beiden allerdings absolut grottig war und wir nun auch nicht gerade hochüberlegen waren, hätte ich ein Unentschieden noch ganz o.k. gefunden. Aber eine Niederlage finde ich dann doch etwas ungerecht.

Wie gesagt, es paßte irgendwie zu meinem Wochenende....
 

Meine Spielerbewertung: 

Pieckenhagen: Beim 2. Gegentor habe ich mich gefragt, ob er den nicht hätte haben können. Aber das müßte ich dann erst nochmal im TV sehen. Ansonsten hatte er nicht viel zu tun und konnte sich kaum auszeichnen: Note 4

Boulahrouz: Einen katastrophalen Fehlpass und ansonsten sehr viele gewonnen Defensivzweikämpfe habe ich gesehen. Zusammen mit Van Buyten für mich die besten Männer heute: Note 2

Van Buyten: In der ersten Halbzeit war er mir noch besser aufgefallen als in er der zweiten. Aber trotzdem sehr gut in der Defensive: Note 2-

Schlicke: Spielte einen soliden Part, ohne besonders aufzufallen. Aber auch nicht negativ: Note 3

Klingbeil: auch er spielte defensiv sehr solide. Aber da er nun das 4. Spiel gemacht hat, wird er irgendwann mal probieren müssen, sich nicht nur auf Rück- und Querpässe zu beschränken!: Note 4+

Wicky: in seinr Zeit in der Viererkette hat er mir wesentlich besser gefallen. Jetzt finde ich ihn fast immer total unauffällig und nicht mehr so stark: Note 4

Beinlich: auch ihm kann ich heute nicht mehr als einen soliden Part bescheinigen. Aber immerhin hat er ja das Tor geschossen: Note 3-

Jarolim: war recht emsig, aber in der 1. Halbzeit ging bei ihm gar nichts. In der 2. Halbzeit besser (u.a. mit der Vorlage zum Tor): Note 4

Barbarez: auch im gelang heute nicht viel, auch wenn es kein schlechtes Spiel war. Note 4

Mpenza: konnte sich kaum in Szene setzen: Note 4

Takahara: lief zwar wie immer viel, aber er durfte nur in der ganz  schlechten 1. Halbzeit ran: Note 4

Mahdavikia: spielte in der zweiten Hälfte und zeigte zumindest mal wieder etwas mehr und besseren Einsatz als bei seinen letzten Einwechslungen.

Schiri: fiel kaum auf der Mann. Höchstens, weil er zum einen pedantisch und zum anderen anderen aber selten gelbe Karten gab, wo ich welche gegeben hätte: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 
Hamburger SV:  Pieckenhagen (3) - Schlicke (4,5), Boulahrouz (2,5), van Buyten (3), Klingbeil (4) - Wicky (4) - Jarolim (3,5), Beinlich (3) - Barbarez (3,5) - Takahara (4,5), Mpenza (3) - Trainer: Doll

FC Schalke 04:  F. Rost (3) - Oude Kamphuis (4), Waldoch (3), Bordon (2,5), Kobiashvili (3,5) - Poulsen (3,5), Hamit Altintop (4) - Lincoln (1,5) - Asamoah (3,5), Ailton (5), Sand (2,5) - Trainer: Rangnick

Tore:   1:0 Beinlich (47., Linksschuss, Vorarbeit Jarolim), 1:1 Hanke (79., Linksschuss, Lincoln), 1:2 Lincoln (81., Rechtsschuss)

Eingewechselt:   46. Mahdavikia (4) für Takahara, 82. Romeo für Beinlich, 84. V. Hleb für Jarolim - 56. Varela (3) für Hamit Altintop, 66. Hanke für Ailton

Chancenverhältnis:  4:4

Eckenverhältnis:  1:5

Schiedsrichter:  Trautmann  (Florstadt), Note 4 - übersah Kobiashvilis Foul an Mpenza, das allerdings Zentimeter vor der Strafraumgrenze geschah (29.) und entschied fälschlicherweise auf Abseits beim Konter über Mpenza und van Buyten (60.)

Zuschauer:  53487

Gelbe Karten:  Klingbeil, Beinlich - Oude Kamphuis

Spielnote:  2,5

Spieler des Spiels: Lincoln
Zwei Geniestreiche von ihm drehten das Spiel: seine Vorlage zu Hankes Ausgleichstor und sein sehenswertes Solo zum 1:2.

Analyse
HSV-Trainer Thomas Doll vertraute seinem zuletzt erfolgreichen Personal und schickte die Elf auf das Feld, die beim Nord-Derby in Bremen ein 1:1 erreichte. 

Nur eine Änderung nahm Schalke-Coach Ralf Rangnick nach dem 1:0-Erfolg im UEFA-Cup bei den Hearts of Midlothian vor: Kobiashvili ersetzte den angeschlagenen Pander. Krstajic stand auf Grund seiner Adduktorenprobleme nicht im Kader.

Der Hamburger SV war von Beginn an die aktivere Mannschaft und erspielte sich leichte Feldvorteile. Schalke stand dichtgestaffelt in der eigenen Hälfte und versuchte zunächst über Konter zum Erfolg zu kommen. Die Hanseaten spielten in der Anfangsphase bis zum Strafraum sehr gefällig, der finale Pass kam aber nicht an. Die Partie plätscherte in der Folge ohne große Aufreger vor sich hin. Beide Teams bauten ihre Angriffe behutsam auf, fanden die Lücke im Abwehrverbund des Gegners aber nicht und hatten auch zu viele Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung. Nach einer halben Stunde dann der erste Aufreger, als Mpenza nach einer Aktion von Kobiashvili im Strafraum zu Fall kam, die Pfeife von Schiedsrichter Trautmann aber stumm blieb. Im Gegenzug kam dann Schalke erstmals gefährlich vor das Tor, doch Asamoah kam nach einem Rückpass von Sand von der Torauslinie einen Schritt zu spät. Eine Schusschance von Lincoln nach einem zu kurz abgewehrten Ball von Boulahrouz war in der 32. Minute schon die letzte nennenswerte Aktion in Hälfte eins, in der sich beide Teams weitestgehend neutralisierten und die kompakten Abwehrreihen dominierten.

Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag! Der eingewechselte Mahdavikia bediente Schlicke auf der rechten Außenbahn, der passte in die Mitte auf Jarolim. Der Tscheche spielte den links im Strafraum besser postierten Beinlich an, der Rost mit einem Schuss ins lange Eck keine Chance ließ. Schalke in der Folge um den Ausgleich bemüht, doch die Angriffe der "Königsblauen" blieben ohne zündende Ideen. Oft wurde Asamoah gesucht, doch der deutsche Nationalspieler wurde von Klingbeil hartnäckig bekämpft und kam nicht zur Entfaltung. Die Offensivaktionen der Schalker verpufften wirkungslos, gefährlicher war weiter der HSV. Erst köpfte Mpenza nach Vorlage von Barbarez über Rost, aber auch am Schalker Gehäuse vorbei (64.), dann setzte Boulahrouz einen Kopfball knapp über die Latte (66.). 20 Minuten vor dem Ende verhinderte S04-Keeper Rost mit einem tollen Reflex eine Vorentscheidung, als er einen Barbarez-Kopfball nach Mpenza-Flanke entschärfte. Das Auslassen der Chancen sollte sich rächen. Mit einem Doppelschlag drehte Schalke die Partie. Erst traf der eingewechselte Hanke nach Vorarbeit von Lincoln (79.), dann schloss der Brasilianer einen Lauf über das halbe Feld nach einem Fehlpass von Schlicke mit einem platzierten Schuss ins rechte untere Eck ab (81.). 

Die Serie von Ralf Rangnick stand auf der Kippe, doch eine Doppelschlag in der Schlussphase sorgte für den sechsten Sieg in Folge des neuen Schalker Trainers. Die "Königsblauen" bleiben nach diesem Erfolg auf Rang zwei, sind aber jetzt punktgleich mit Tabellenführer Wolfsburg. Für HSV-Coach Thomas Doll bedeutet das 1:2 die erste Niederlage im vierten Spiel unter seiner Regie, die Hanseaten sind damit wieder im Abstiegskampf angekommen.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 

87 Fehler von Wicky, Hanke erhält den Ball, doch der Schuss des Schalker Stürmers geht links am Tor vorbei. 

81
 Nach einem Fehlpass von Schlicke schnappt sich Lincoln den Ball, spurtet über das halbe Feld. Sand kreuzt dem Brasilianer den Weg geschickt frei, der nutzt dies mit einem platzierten Schuss ins rechte untere Eck. 

79
 Lincoln flankt in den Strafraum, wo van Buyten nicht nahe genug bei Hanke steht. Der Youngster nimmt den Ball geschickt an und lässt Pieckenhagen mit einem Schuss ins rechte Ecke keine Abwehrchance. 

74 Flanke Jarolim von rechts, Barbarez ist in der Mitte schneller als Gegenspieler Oude Kamphuis, köpft aber links am Tor vorbei. 

70 Pieckenhagen taucht nach einem Lincoln-Schuss ab und hält sicher. Im Gegenzug rettet nach einer Mpenza-Flanke Rost im S04-Tor gegen einen Barbarez-Kopfball in höchster Not. 

67 Der Ball fliegt in den HSV-Strafraum, Hanke spitzelt ihn hoch Richtung Tor. Pieckenhagen verliert kurz das Gleichgewicht, kann den Ball aber noch vor der Torlinie halten. 

66 Freistoßflanke von Beinlich von links, Boulahrouz köpft knapp über die Latte. 

64 Nach einem weiten Einwurf gewinnt Barbarez das Kopfballduell gegen Waldoch. Mpenza köpft über den herausstürmenden Rost aber auch am Tor vorbei. 

63 Varela probiert es mit einem Distanzschuss, der Ball geht aber weit am HSV-Tor vorbei. 

56 Nach einem Doppelpass mit Mpenza zieht Mahdavikia ab, sein Schuss geht aber weit am Tor vorbei. 

49 Nach einem Fehler von Boulahrouz kommt Sand an den Ball. Der spielt auf Asamoah, bekommt das Leder wieder, doch sein Schuss ist zu schwach. 

47
 Mahdavikia bedient Schlicke, der passt in die Mitte auf Jarolim. Der Tscheche spielt links im Strafraum den besser postierten Beinlich an, der Rost mit einem Schuss ins lange Eck keine Chance lässt. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

  Halbzeitpause 

  Abpfiff 1. Halbzeit 

41 Barbarez flankt, Poulsen wehrt unglücklich Richtung eigens Tor ab. S04-Keeper Rost kann per Faustabwehr im letzten Moment vor Beinlich klären. 

32 Boulahrouz wehrt zu kurz ab, Lincoln kommt so zu einer Schusschance. Der Ball geht aber links am Tor vorbei. Im Gegenzug fliegt eine Klingbeil-Flanke durch den Fünfmeterraum an Freund und Feind vorbei. 

30 Der erste Aufreger in der AOL-Arena! Erst wird Mpenza im Strafraum zu Fall gebracht, Schiri Trautmann pfeift nicht. Im Gegenzug kommt Asamoah nach einem Sand-Rückpass gegen drei HSV-Akteure zu spät. 

27 Takahara nimmt einen zu kurz abgewehrten Ball volley, drischt das Leder aber weit über das S04-Tor. 

19 Freistoßflanke von der rechten Außenbahn, Bordon steigt hoch, köpft aber knapp über die Latte des HSV-Gehäuses. 

17 Nach einer Freistoßflanke von der rechten Außenbahn kommt Takahara mit dem Kopf an den Ball, doch das Leder geht links am S04-Gehäuse vorbei. 

8 Der Hamburger SV ist in der Anfangsphase die aktivere Mannschaft, spielt bis zum Strafraum auch sehr gefällig - der finale Pass kommt aber noch nicht an. 

1 Die Partie in der fast ausverkauften AOL-Arena läuft. Der HSV mit gewohntem Personal, Schalke mit einer Änderung gegenüber dem 1:0 gegen Heart of Midlothian im UEFA-Cup: Kobiashvili ersetzt den angeschlagenen Pander. 

Anpfiff 


 
 
dpa: Schalke in Meisterlaune - Neue Erfahrung für Doll

Von Franko Koitzsch, dpa

Hamburg (dpa) - «Professor» Ralf Rangnick und Zauberer Lincoln sind das Traum-Duo des FC Schalke 04. Was der Trainer an Ideen, Motivation und Führungsqualitäten einbringt, beflügelt den Mittelfeldspieler zu brillanter Fußball-Kunst. 

Seriensieger Schalke ist spätestens seit dem 2:1 beim Hamburger SV zum ernsthaften Meisterschaftsaspiranten in der Bundesliga aufgestiegen. Die Königsblauen, die mit sechs Bundesliga-Siegen am Stück einen neuen Vereinsrekord aufgestellt haben, können mit einem Erfolg über Hertha BSC die punktgleichen Wolfsburger von der Tabellenspitze verdrängen.

Seit Rangnick am 29. September das Kommando bei Schalke übernommen hat, geht es nur noch in eine Richtung: vorwärts und das mit Vollgas. Die Nonstop-Turbo-Fahrt begann auf Platz 15 und hat offenbar mit dem derzeitigen zweiten Rang noch kein Ende gefunden. Dagegen scheint der belebende Effekt des Trainerwechsels beim Hamburger SV verpufft. «Wir sind bitterböse auf den Boden zurückgeholt worden. Dieses Spiel hätten wir nie und nimmer verlieren dürfen», stöhnte Thomas Doll, der in seiner vierten Partie als verantwortlicher Coach die erste Niederlage hinnehmen musste: «Das muss man erst mal sacken lassen.»

Geht es um das Thema Meisterschaft, halten sich die Schalker mit Prognosen zurück. Lediglich Ebbe Sand traut sich auszusprechen, was seine Teamkameraden denken: «Wenn man wie wir nach einem Drittel da oben steht, dann darf man von der Meisterschaft träumen.» Zwar fährt der als Torfabrik verpflichtet Ailton seine Produktion auf Sparflamme, doch dafür erweist sich Spiellenker Lincoln immer häufiger als Vollstrecker. Sein Siegtor in der 81. Minute war bereits sein vierter Bundesliga-Treffer. In UEFA-Cup und DFB-Pokal war er jeweils einmal erfolgreich.

Unter Ex-Trainer Jupp Heynckes war der 25-jährige Brasilianer nur Mitläufer, unter Rangnick ist er die Führungsfigur. Er verteilt die Bälle, gibt das Tempo vor, spielt den «tödlichen Pass» und erzielt in nahezu jedem Spiel ein Tor. «Ich spiele wie der Trainer es will: ein bisschen hinten und schnell nach vorn», erklärte der Ex-Lauterer sein Rezept. «In der Bundesliga gibt es nur wenige Spieler wie ihn, die nach vorn und hinten so stark sind», schwärmte Rangnick. Auch Ailton ist des Lobes voll. «Er ist ein Superspieler mit sehr gutem Auge», schmeichelte ein Brasilianer dem anderen. Manager Rudi Assauer drückte sein Entzücken auf seine Art aus. «Du kleines Arschloch», rief der Zigarrenmann dem Spiellenker zu und herzte ihn.

Beim HSV soll die Niederlage kein Stimmungstief nach sich ziehen. «Wir brauchen uns nicht zu schämen», meinte Torwart Martin Pieckenhagen. Trotz der respektablen Bilanz von sieben Punkten aus vier Spielen sind die Hamburger wieder näher an die Abstiegszone gerückt. «Wir sind auf dem absolut richtigen Weg», behauptete Doll dennoch: «Wir haben alles selbst in der Hand, um bis zur Winterpause nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.»


 
 
sport1: Mit Lincoln zum Meistertitel?

Der kleine Brasilianer ist Rudi Assauers größter Coup der Saison: Lincoln kam vor der Saison ablösefrei von Kaiserslautern, doch seine Topform wäre mittlerweile eine Millioneninvestition wert.
Dank seiner Gala beim Hamburger SV schob sich Schalke 04 auf den zweiten Tabellenplatz vor und liegt nur noch ein Tor hinter dem punktgleichen Spitzenreiter VfL Wolfsburg.
"Der Erfolg liegt nicht nur an mir, sondern an der ganzen Mannschaft", wiegelte Lincoln ab. Doch der Spielmacher, endlich auf seiner Lieblingsposition eingesetzt, war der entscheidende Mann.

Lincoln - der Spiel entscheidende Unterschied
Zudem war das 2:1 der sechste Bundesliga-Sieg der "Königsblauen" in Folge - Vereinsrekord - und der erste Erfolg bei den Hanseaten seit zwölf Jahren.
Zuerst bereitete der 25-Jährige in der 79. Minute das 1:1 durch den kurz zuvor für einen enttäuschenden Ailton eingewechselten Mike Hanke vor und machte zwei Minuten später mit seinem vierten Saisontor selbst den Siegtreffer.

Rangnick stolz auf seinen Star
"Er ist mir schon im Pokalspiel gegen Kaiserslautern aufgefallen, als ich noch auf der Tribüne saß", gab Trainer Ralf Rangnick zu. Seit dem Trainerwechsel auf Schalke blüht Lincoln förmlich auf, war in den sechs Spielen an sieben Toren beteiligt.
"Er hat mich durch seine Laufstärke beeindruckt. Er lebt Fußball. In der Bundesliga gibt es nur wenige Spieler wie ihn. Ich bin froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben", lobte der Coach seinen neuen Star. 

Neue Tugenden in königsblau
Unter der Regie Rangnicks drehte Schalke zum ersten Mal einen Rückstand um. "Wir haben eine gute Mannschaft, die nicht nur Spiele gewinnen kann, wenn sie in Führung liegt ", so der "Professor".
Der Trainer erkannte auch: "Wenn man das schwere Uefa-Cup-Spiel vom Donnerstag bedenkt, ist dieser Kraftakt der letzten 30 Minuten viel höher zu bewerten." Woran liegt das? "Wir haben Spaß am Fußball", sagte Hanke knapp und brachte die Euphorie in Schalke aber auf den Punkt.
"Die Moral der Truppe stimmt", fand S04-Manager Assauer. "Sie hat in der letzten halben Stunde einen HSV in die Knie gezwungen, der bis dahin sehr gut stand. Sie hat verdientermaßen gewonnen. Denn sie wollte." 

Frustrierte Hanseaten
Auf Seiten des HSV machte sich nach der herben Niederlage Frust breit. "Das ist eine Riesenenttäuschung", haderte Stefan Beinlich nach der Partie, der in der 47. Minute den HSV in Front schoss. "Wir haben innerhalb von einer Minute zwei Fehler gemacht, die gleich zu Toren geführt haben."
Schlussmann Martin Pieckenhagen fügte an: "Das ist ärgerlich, da wir das Spiel gut im Griff hatten. Wenn es normal läuft, gewinnen wir." Denn bis zum Ausgleich war Hamburg besser, dominierte die Partie und führte dank einer starken kämpferischen Leistung hoch verdient.
Auch Thomas Doll, der als Cheftrainer des HSV seine erste Niederlage im fünften Spiel hinnehmen musste, zeigte sich ebenfalls verbittert: "Es ist unglücklich gelaufen. Das haben wir nicht verdient." Der Coach bemängelte, das 2:0 verpasst zu haben: "Die Möglichkeiten dazu waren da. So ein Spiel darf man nicht mehr aus der Hand geben."

Trotz Rückschlag kein Rückschritt
Von Rückschritt ist beim HSV verständlicherweise keine Rede. "Die Mannschaft hat heute alles gegeben. Mit ein bisschen Glück machen wir das 2:0 und da wäre alles entschieden gewesen", attestierte Beinlich.
Auch Pieckenhagen denkt weiter positiv: "Es gibt eben bessere und schlechtere Tage. Und heute war einer der schlechteren. Aber wir schauen nach vorne."

Auf dem Weg zur Meisterschaft
Und auf Schalke redet man wieder deutlich über die Saisonziele. Laut Assauer will der Klub "im Uefa-Cup und im DFB-Pokal überwintern und in der Liga am Ende unter den ersten Fünf sein."
Stürmer Mike Hanke hat allerdings ein viel größeres Ziel in dieser Saison: "Ich will Deutscher Meister werden. Ganz klar." Sollte Schalke diese Form halten, dann wird Hankes Traum bald Wirklichkeit.

Daten:  Distanzschütze Lincoln

Historisch gut
Schalke gewann die letzten sechs Bundesligaspiele - damit wurde ein neuer Vereinsrekord aufgestellt. 

Trainerwechsel mit Wirkung
Ralf Rangnick gewann seine ersten sechs Bundesligaspiele mit Schalke - bei einer Amtsübernahme innerhalb einer Saison schaffte dies zuvor nur Willi Entemann 86/87 mit dem VfB Stuttgart. 

Rückschlag
Im vierten Spiel unter Thomas Doll kassierte der HSV die erste Niederlage und verspielte erstmals seit über dreieinhalb Jahren zu Hause einen 1:0-Führung (damals hieß der Trainer noch Frank Pagelsdorf - 1:2 gegen Hertha am 28.1.01). 

Keine Heimbastion mehr 
Der HSV kassierte bereits jetzt genauso viele Heimniederlagen wie in der gesamten letzten Saison (drei).

Der HSV verpasste die Entscheidung 
Lange Zeit sah der HSV wie der sichere Sieger aus. Nach der frühen Führung nach dem Seitenwechsel standen die Hamburger sehr kompakt in der Defensive und konterten gefährlich. Doch Emile Mpenza und Sergej Barbarez verpassten frei vor Frank Rost für die Vorentscheidung zu sorgen. So war es zunächst der eingewechselte Mike Hanke der ein Zuspiel von Lincoln verwertete, ehe der Brasilianer nur zwei Minuten später einen kapitalen Fehlpass von Schlicke zum Siegtreffer nutzte. Insgesamt hatten die Königsblauen in der Schlussphase mehr zu zusetzten als der HSV (12:5 Torschüsse in den letzten 30 Minuten) und kamen glücklichen, aber nicht ganz unverdienten Erfolg.

Lincoln zauberte
Überragender Akteur bei den Königsblauen war ihre Spielgestalter Lincoln. Der Brasilianer war an zehn der 19 Schalker-Torschüsse direkt beteiligt und so war es fast folgerichtig, dass der Ex-Pfälzer den Ausgleich vorbereitete und den Siegtreffer, wie schon unter der Woche im Uefa Cup, mit einem platzierten Distanzschuss selbst markierte. Es war bereits das vierte Weitschusstor des Brasilianers in dieser Saison, damit ist er der gefährlichste Distanzschütze der Liga.

Mpenza gewann das Stürmerduell 
Enorm viel Presserummel musste Mpenza vor dem erstmaligen Spiel gegen seinen Ex-Verein über sich ergehen lassen. Zwar endete diese Partie mit einer unglücklichen Niederlage, doch das persönliche Duell gegen seinen Nachfolger Ailton gewann der Belgier um Längen. Während der Brasilianer bis zu seiner Auswechslung an keinem Torschuss beteiligt war und nur 25 Prozent der Zweikämpfe gewann, bereitete Mpenza beim HSV die meisten Torschüsse vor (vier), leider verpasste es Barbarez nach einer Flanke des Belgiers für die Entscheidung zu sorgen. Mpenza war immer in Bewegung und gewann gegen seine Ex-Kollegen starke 57 Prozent der Duelle. Die Krönung seiner guten Leistung blieb jedoch aus, als er seinen einzigen Torschuss in der 64. Minute per Kopf über das Gehäuse setzte. 

Van Buyten nahm Asamoah aus dem Spiel
Der in den letzten Spielen bärenstark aufspielende Nationalstürmer Gerald Asamoah sah in Hamburg so gut wie keinen Stich. Hauptgrund war HSV-Kapitän Daniel van Buyten, der den bulligen S04-Angreifer den Zahn zog und neun der zehn direkten Duelle gewann. Insgesamt war der Belgier erneut zweikampfstärkster Hanseat (76 Prozent gewonnen), beim Ausgleich sah allerdings auch van Buyten nicht so gut aus.

Jarolim blüht unter Doll auf
David Jarolim war zwar schon unter Klaus Toppmöller gesetzt, doch richtig zur Entfaltung kommt der junge Tscheche erst jetzt unter Thomas Doll. Mit einem feinen Pass auf Stefan Beinlich bereitete Jarolim den Führungstreffer vor, es war seine erste Torvorlage in dieser Saison. In vier Spielen unter Doll war der 25-Jährige, der gegen Schalke der meistgefoulte Spieler war, damit an drei Toren beteiligt, unter Klaus Toppmöller sammelte er keinen einzigen