Bundesliga 2004/2005, 16. Spieltag, Samstag, 04.12.04 im neuen Mönchengladbacher Borussen-Park bei ca. 6 Grad C

Hamburger SV - Hannover 96 0:2 (0:1)

Wenn ich nur die Chancen des Spiels beschreiben würde, wäre ich heute wohl noch schneller durch als wenn ich ein paar Begleitumstände beschreibe. Nach so einem Spiel macht es allerdings wirklich gar keinen Spaß, überhaupt irgendwas zu schreiben. 

Ich besprach mit meinem Kumpel Kuno auch schon vor dem Spiel, daß wir beide irgendwie ein schlechtes Gefühl hatten. Wobei ich nicht wirklich festmachen konnte, woran  mein Gefühl lag. Kuno meinte zumindest, daß sein schlechtes Gefühl daher rühre, daß Boulahrouz und Barbarez fehlen würden.

Schon zur Mitte der ersten Halbzeit mußte ich einsehen, daß Kuno zumindest mit seiner Einschätzung bezüglich Barbarez Fehlen Recht hatte. Ob es nun an ihm lag oder nicht; jedenfalls ging in der Offensive beim HSV spielerisch überhaupt nix. 

Ich habe es ja wieder geschafft, zu spät im Stadion anzukommen. Da Kuno noch arbeiten mußte und ich erst spät vom Einkaufen wieder kam, waren wir schließlich erst 6 Minuten nach Anpfiff im Stadion. Hat aber diesmal kein Glück gebracht....

Es war bis dahin nichts passiert. Und das sollte auch so bleiben. Bis dann Hannover das erste Tor schoß. Das Tor fiel allerdings nicht nach Dauerdruck der Hannoveraner, sondern bei einem Angriff, als die Abwehr rechts zunächst ziemlich unsortiert stand, weil Schlicke auf die Außenposition von Benjamin wechselte. Der Ball wurde dann auf die linke Abwehrseite in den Strafraum gespielt, wo überhaupt kein HSV-Verteidiger war und der Hannoveraner Cherundolo den Ball einschießen konnte.

Danach waren die HSVer aus Hannover etwas stärker und konnten sich Spielvorteile erarbeiten. Sie spielten aber bezeichnenderweise schon in der ersten Halbzeit auf Zeit.

Ich kann mich nur an eine gute Hamburger Chance in der ersten Halbzeit erinnern. Der Ball kam von links und wurde Richtung Tor bugsiert. Kurz vorm Tor versuchte Taka den Ball noch ins Tor zu drehen, doch er traf den Pfosten und der Ball kullerte dann vor der Linie entlang.

Das war es auch aus der enttäuschenden 1. Halbzeit. Doch leider sollte die zweite genau nach dem gleichen Schema ablaufen. Hannover wollte gar nicht mehr tun als nötig und der HSV aus Hamburg fand nie richtig ins Spiel.

Wir hatten zwar 2 – 3 ordentliche Chancen.... Nee, das ist nicht richtig. Die paar Chancen, die wir hatten, waren nicht nur ordentlich – die waren allesamt hochprozentig. Doch leider fällt meinem Schwachgeist jetzt nur die letzte davon ein. Da war das Kind durch einen zwischenzeitlichen Konter der Hannoveraner zum 0:2 allerdings schon ganz tief in den Brunnen gefallen. Bei der Chance des HSV in der 86. Oder 87. Minute frage ich mich jetzt noch, wie man diesen Ball nicht im Tor unterbringen konnte. Zuerst hatte van Buyten, der sich immer wieder nach vorn einschaltete, den Ball 5 m vor dem Tor und brachte ihn nicht darin unter und dann kam der Ball zu Jarolim, der gleiches vollbrachte. Heftige Szene.

Heute war ausnahmsweise auch unser früherer ständiger Sitzplatzkollege Schleppi wieder im Stadion. Der meinte bei dieser Szene sehr treffend, daß es wohl auch besser war, daß wir nicht mehr getroffen haben, denn dann hätten wir die letzten 3 – 5 Minuten wieder nur gebangt und uns unnützen Hoffnungen hingegeben. Da mag er wirklich Recht gehabt haben.

Was mir heute aber richtig auf den Senkel ging, war die Stimmung im Stadion. Das man auf Dauer so ein Spiel nicht toll finden kann, ist mir verständlich. Aber wie man so schnell schon in der ersten Halbzeit das Pfeifen anfangen kann, ist mir ein echtes Rätsel. Schleppi beschrieb das bei seinem ersten Stadionbesuch in diesem Jahr ironisch mit den Worten, daß das publikum ja immernoch „erfrischend kritisch“ sei. Diese Aussage kann ich leider nur teilen. In Hamburg wachsen die Bäume in den Gedanken der Fans offenbar immer viel zu schnell in den Himmel. Wobei ich da jetzt nicht so sehr die Nordtribünenzuschauer meine. Da konnte ich einfach nicht hören, ob da auch so viel gemault wurde. Aber um uns herum war es wirklich grausam. Wäre ich nicht friedfertig, könnte ich den Leuten da reihenweise auf die Fresse hauen. Man kann doch nicht erwarten, daß immer alles nur geil laufen. Über jeden Fehler wird dann gezertert. Aber nicht nur über Fehler; auch z.B. darüber, daß Klikngbeil nun mal fast immer zurückspielt. Das nervt mich ja durchaus auch, aber nicht nur bei schlechten Spielen. Über sowas meckere ich, wenn es gut läuft. Wenn aber offenbar in der ganzen Mannschaft nichts läuft, muß ich meine Wut dann nicht auch noch an den schwächsten auslassen. Wie arm. Einige sollten sich mal an die Rübe fassen und fragen, wie schnell man abheben kann. Sorry, aber das mußte mal raus.

Ich bin jedenfalls über die letzten Wochen HSV-mäßig so glücklich, daß ich mich heute gar nicht richtig ärgern konnte. Ich wünschte mir nur, daß wir in Bochum wieder an die vorherigen guten Leistungen anschließen können und nicht mit zwei Niederlagen in die Winterpause gehen. Das wäre psychologisch wirklich scheiße; zumal die Rückrunde dann mit einem Spiel beim FC Bayern nicht sehr leicht eröffnet wird. Schaun mer mal:

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: bekam so gut wie nix aufs Tor. Und bei den Gegentoren kann ich ihm keinen Vorwurf machen: Note 3

Benjamin: durfte heute rechts in der Abwehrkette ran. Und leider zeigte er, daß er offfenbar doch nicht so dicht am Stammteam dran ist, wie es hier und da behauptet wird. Er war ein ziemlicher Schwachpunkt, der mir vor allem in der Ballbehandlung ein ums andere Mal missfiel: Note 5

Klingbeil: Ich müßte die Szene zum 0:1 mal im TV sehen, um beurteilen zu können, ob das seine Schuld war. Zumindest stand der Mann auf seiner Seite total frei und konnte einschieben. Ansonsten spielte er sein übliches Spiel. Defensiv ließ er nicht viel anbrennen und offensiv findet er kaum statt: Note 4

Schlicke: Er fiel mir in der Innenverteidigung nicht sonderlich auf: Note 3

Van Buyten: Er war nach einigem Überlegen der einzige Spieler, der mir heute gefiel. Er gewann defensiv viele Zweikämpfe und war einer der wenigen (wenn nicht der Einzige), der sich immer wieder aufrappelte und das Spiel nach vorne trieb. So wünsche ich mir einen Kapitän: Note 2

Wicky: War defensiv nicht sehr geprüft und brachte offensiv nichts zu Wege: Note 4-

Beinlich: Konnte sich leider auch nicht in der Vordergrund spielen sondern wirkte nur wie ein Mitläufer im schlechten Haufen. Von ihm hätte ich mir mehr Initiative erhofft: Note 4

Jarolim: Er rannte fiel und bemühte sich, aber es klappte heute nur sehr wenig. Kaum einmal konnte er sich im Dribbling durchsetzen: Note 4

Moreira: Ich fand ihn ja schon die letzten Wochen nicht so gut wie ihn viele andere sahen, aber heute fand ich ihn dann richtig schlecht. Naja, richtig schlecht ist vielleicht falsch, aber für eine Mannschaft im Vorwärtsgang hat er als Spielmacher wirklich nichts gezeigt. Ich kann mich an kein einziges Anspiel in die Spitze erinnern. Das ist einfach zu wenig: Note 5

Takahara: Muß wohl, wie Mpenza, auch mitgespielt haben. Allein man sah ihn nie: Note 4

Mpenza: Da kann ich auch nichts anderes sagen als bei Taka: Note 4

Mahdavikia: Er hat sich zumindest bemüht, wenngleich auch er nichts gemacht hat: Note 4

Romeo: Wurde mit Mehdi zusammen eingewechselte. Konnte sich ansatzlos genauso verstecken wie sein Vorgänger Takahara: Note 4

Rahn: Kam auch noch etwas später....

Schiri: Er hatte so seine Probleme mit der Vorteilsregel, aber sicherlich keine Schuld an der Niederlage des HSV: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 

Hamburger SV:  Pieckenhagen - Benjamin, Schlicke, van Buyten, Klingbeil - Wicky - Jarolim, Beinlich - Moreira - Mpenza, Takahara - Trainer: Doll

Hannover 96:  Enke - Cherundolo, Mertesacker, Zuraw, Tarnat - Lala, de Guzman - Krupnikovic - Schröter, Stendel, Christiansen - Trainer: Lienen

Tore:   0:1 Cherundolo (19., Rechtsschuss, Vorarbeit Krupnikovic), 0:2 Stendel (59., Linksschuss, Lala)

Eingewechselt:   62. Mahdavikia für Moreira, 62. Romeo für Takahara, 71. Rahn für Klingbeil - 64. Stajner für Christiansen, 79. Idrissou für Schröter, 86. Dabrowski für Krupnikovic

Schiedsrichter:  Kinhöfer 

Zuschauer:  50454

Gelbe Karten:  Wicky, Schlicke - Enke
 

Spielbericht
HSV-Trainer Thomas Doll musste nach dem 3:1-Erfolg in Gladbach auf zwei gesperrte Schlüsselspieler verzichten: Abwehrakteur Boulahrouz war Gelb-Rot-, Barbarez Gelb-gesperrt. Dafür rückte Benjamin auf die Außenposition der Viererkette, Schlicke verschob sich nach innen und bildete mit Kapitän van Buyten die Innenverteidigung. Im Sturm kehrte Mpenza nach Verletzung zurück, um die Barbarez-Position zu übernehmen.

96-Coach Ewald Lienen konnte nach dem torlosen Unentschieden gegen Stuttgart wieder auf seine Wunschelf zurückgreifen. Nach überstandenen Knieproblemen stand Tarnat wieder in der Anfangsformation, für seinen Vertreter Dabrowski blieb zunächst nur ein Platz auf der Ersatzbank.

Den Zuschauern in der AOL-Arena bot sich in der Anfangsphase ein verteiltes Spiel. Der HSV war zwar um Spielkontrolle bemüht, die Hannoveraner standen aber gewohnt sicher in der Defensive und ließen in der Gefahrenzone keine Aktionen der Hausherren zu. Beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld, kein Meter wurde dem Gegner überlassen, so dass die Torhüter weitestgehend beschäftigungslos blieben. Lediglich Cherundolo wagte in den Anfangsminuten einmal einen Torschuss, verzog aber (6.).

Wenig tat sich an beiden Strafräumen, umso überraschender dann die Führung für die Gäste. Eine Flanke von Tarnat konnte van Buyten noch aus der Gefahrenzone köpfen. Reaktionsschnell und technisch perfekt nutzte Krupnikovic den Kopfball allerdings als Vorlage, passte direkt zu Cherundolo, der freistehend sofort abzog. Der knallharte Schuss aus rund elf Metern war zwar nicht platziert, konnte von Pieckenhagen aber nur noch ins obere Toreck abgefälscht werden und schlug zum 0:1 ein (19.).

Mit der Führung im Rücken agierten die 96er in der Folge noch sicherer. Angriffe des HSV wurden spätestens am Sechzehner gestoppt, das eigene Aufbauspiel mit schnellen Kurzpässen forciert. Den Hanseaten fiel hingegen wenig ein, um das Tor von Enke in Bedrängnis zu bringen. Aus dem Spiel heraus konnte der HSV sich kaum einmal durchsetzen, und auch bei Standardsituationen blieb Hannovers Defensive um den kopfballstarken Mertesacker meist Herr der Lage. 

Erst als die 22 Akteure mit den Gedanken schon in der Kabine waren, kam die Doll-Elf doch noch zu einer Großchance. Eine Beinlich-Ecke erwischte Klingbeil per Kopf, traf allerdings nur einen Verteidiger. Das abprallende Leder sprang zu Takahara, der Japaner traf aus der Drehung aber nur den Pfosten (44.).

Ohne personelle Änderungen setzten beide Mannschaften in der zweiten Hälfte die Begegnung fort. Den besseren Start erwischten die zurückliegenden Hausherren. Eine Beinlich-Ecke verpasste Enke, der freistehende Klingbeil traf die Kugel aber nicht richtig. Den anschließenden Schuss von van Buyten aus kurzer Distanz parierte Torhüter Enke (48.). Hamburg setzte nach, drängte auf den Ausgleich. Torchancen blieben allerdings aus. Effektiver präsentierten sich die Gäste: Mit dem ersten Konter in der zweiten Hälfte erhöhte 96 auf 2:0 (59.). Lala war blitzschnell auf der rechten Seite durchgebrochen und bediente den mitgelaufenen Stendel in der Mitte. Der Ex-Hamburger nahm das Leder mit der linken Innenseite direkt, Pieckenhagen blieb keine Zeit, auf den Schuss zu reagieren.

Mit dem Treffer gelang Hannover bereits früh eine Vorentscheidung. Doll brachte zwar mit Romeo und Mahdavikia zwei neue Offensivkräfte, doch den Aktionen fehlte häufig der letzte Zug zum Tor. Zwar rannten die Hanseaten ein ums andere Mal gegen das 96-Bollwerk an, durchdachte Kombinationen und gute Chancen waren aber nur selten zu sehen. Die Niedersachsen beschränkten sich weitestgehend auf die Verteidigung des Vorsprungs, konsequent ausgespielte Konter waren Mangelware. Einen dieser Konter hätte Idrissou aber beinahe zum 3:0 genutzt: Stajner legte das Leder per Sohle auf Idrissou ab, den Schuss des Kameruners aus etwa 20 Metern parierte Pieckenhagen mit einer Hand. Das Leder sprang noch an den Pfosten und dann aus dem Tor heraus (81.).

Der HSV kämpfte bis in die Schlussminuten, agierte aber insgesamt glücklos. Symbolträchtig die Chance von van Buyten, der in der 88. Minute am Elfmeterpunkt das Leder freistehend nicht unter Kontrolle brachte und so auch diese Möglichkeit verstreichen ließ.

Hannover 96 gewann vor allem aufgrund einer konzentrierten Defensivleistung verdient in der AOL-Arena. Die Niedersachsen blieben damit bereits zum fünften Mal in Folge ungeschlagen. Der HSV musste nach zuletzt drei Siegen hingegen einen Rückschlag hinnehmen und bleibt im Mittelfeld der Tabelle hängen.

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 

88 Riesenchance für van Buyten: Am Elfmeterpunkt steht der Belgier völlig frei, bringt das Leder aber nicht unter Kontrolle. Auch Jarolim vergibt den Nachschuss. 

86 Vom Einsatz her kann man dem HSV keinen Vorwurf machen, die Hanseaten versuchen es bis in die letzten Minuten. Hannover steht aber einfach zu sicher in der Abwehr. 

81 Ein schöner 96-Konter: Stajner bedient Idrissou per Sohle, der Kameruner zieht aus 20 Metern ab. Den Flatterball lenkt Pieckenhagen mit einer Hand an den Pfosten. 

77 Die Hamburger haben sich noch nicht aufgegeben. Angetrieben duch Kapitän van Buyten rennen die Hanseaten ein ums andere Mal gegen das Hannoveraner Bollwerk an. 

71 Mahdavikia zieht aus spitzem Winkel ab, Enke kann aber zur Ecke klären. 

65 Ein Freistoß von van Buyten wird leicht abgefälscht, rauscht aber über den Kasten von Enke. 

59
 96 erhöht! Mit dem ersten Konter erzielt Hannover das 0:2 durch Stendel. Lala war auf rechts frei durchgebrochen und hatte mit einem Querpass Stendel bedient. Aus kurzer Distanz hatte Pieckenhagen keine Abwehrchance. 

56 Der HSV setzt nach und bringt Hannover mit viel Engagement in Bedrängnis. Sofort ist auch die Kulisse da und unterstützt das Team, bisher kam aber noch nichts Zählbares zustande. 

48 Sofort die Chance zum Ausgleich: Nach einer Ecke trifft zunächst Klingbeil den Ball nicht richtig. Den Abpraller bringt van Buyten aufs Tor, aber Enke pariert und greift sich anschließend das Leder. 

47 Ohne personelle Änderungen gehen beide Mannschaften in den zweiten Durchgang. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

  Halbzeitpause 

  Abpfiff 1. Halbzeit 

44 Pech für das Heimteam! Nach Ecke von Beinlich köpft Klingbeil einen Verteidiger an. Den Abpaller nimmt Takahara aus der Drehung direkt, trifft aber aus kurzer Distanz nur den Pfosten. Beste Szene der HSV-Offensive. 

35 In Tornähe kommt der HSV nicht, Klingbeil versucht es wenigstens einmal aus der Distanz. Doch aus knapp 30 Metern geht der Schuss weit vorbei. 

32 Hannover steht sehr sicher: Engmaschig präsentiert sich die Defensive, sicher auch das Kurzpassspiel im Aufbau. Die Hamburger kamen noch zu keiner Torchance. 

25
 Auch am nächsten Wochenende muss Thomas Doll auf einen Leistungsträger verzichten: Raphael Wicky kassiert für ein hartes Einsteigen im Mittelfeld seine fünfte Gelbe Karte. 

19
 Urplötzlich das 0:1! Eine Flanke köpft van Buyten heraus, aber genau auf Krupnikovic, der direkt Cherundolo auf der rechten Seite bedient. Der US-Amerikaner zieht sofort ab, Pieckenhagen kann das Leder nur noch ins Toreck abfälschen. 

15 Der HSV findet bisher noch keine Lücken im Defensivverbund der 96er. Bis etwa 20 Meter vor dem Tor können die Hausherren durchaus gefällig kombinieren, doch spätestens dann werden die Angriffe gestoppt. 

11 Selten kommen die Teams in Tornähe, die Abwehrreihen dominieren deutlich das Geschehen. 

6 Den ersten Torschuss gibts Hannovers Cherundolo ab, verfehlt aber den Kasten von Pieckenhagen deutlich. Beide Mannschaften agieren sehr engagiert und neutralisieren sich meist im Mittelfeld. 

1 Schiedsrichter Kinhöfer hat die Partie in der AOL-Arena angepfiffen. Der HSV mit Benjamin und Mpenza für die gesperrten Boulahrouz und Barbarez. 96-Coach Lienen mit seiner Wunschelf: Tarnat ist wieder fit und ersetzt Dabrowski. 

Anpfiff 


 
 
dpa: Hannover 96 obenauf - Doll entzaubert

Von Michael Rossmann, dpa

Hamburg (dpa) - Von der Witztruppe zur Spitzenmannschaft: Hannover 96 hat sich mit Taktik, Tempo und tollen Toren auf Platz vier vorgearbeitet. «Alle Welt hat gelacht über Hannover, und jetzt ist es andersherum», sagte Jung-Nationalspieler Per Mertesacker nach dem 2:0 (1:0) beim Hamburger SV. 

Mit dem Sieg im Nord-Derby entzauberte das Überraschungsteam der Hinrunde zugleich den vermeintlich gewandelten HSV, der unter dem neuen Trainer Thomas Doll die zweite Niederlage kassierte und dabei Symptome aus der Toppmöller-Ära zeigte.

Die Hannoveraner staunen selbst, wie gut es läuft. «Die Leistung ist langsam unheimlich», gestand Manager Ilja Kaenzig nach den Toren von Steve Cherundolo (19.) und Daniel Stendel (58.). Auf die Frage nach einer neuen Zielsetzung des Vereins antwortete er mehrdeutig: «Das ist eine Saison, in der vieles möglich ist. Wenn du so spielst, kannst du gegen jeden gewinnen.» Das Wort «UEFA-Cup- Platz» umging er jedoch wie alle anderen Hannoveraner.

Vor rund zwei Monaten war diese Entwicklung wirklich nicht zu erwarten. «Wir waren die Lachnummer, als wir auf dem letzten Platz standen», meinte Mertesacker: «Und dann haben wir die ganze Bundesliga aufgemischt.» Seitdem hat 96 von elf Pflichtspielen nur die Partie bei Bayern München verloren und 23 Punkte geholt.

Mit den agilen Altin Lala und Julian de Guzman für die Defensive und dem wieder zu großer Form auflaufenden Regisseur Nebojsa Krupnikovic besitzt das Team ein außergewöhnliches Mittelfeld. «Man hat schon fast keine Worte mehr, wie super und aggressiv die spielen», lobte Trainer Ewald Lienen besonders seine beiden wichtigen Abräumer, die auch technisch hervorragend spielen und am flotten Kombinations-Fußball erheblichen Anteil haben.

Wie selbstbewusst die Hannoveraner inzwischen sind, demonstriert gerade der erst 20-jährige Mertesacker. Auf dem Platz die Ruhe selbst und Organisator der besten Abwehr der Liga, tritt das 96-Eigengewächs abseits zunehmend kecker auf. «Wir hatten mehr erwartet von Hamburg», sagte er grinsend, «aber wir nehmen es natürlich gerne an.»

In der Tat enttäuschte der HSV, der nach dem Trainerwechsel im Aufwind war, aber nun einen empfindlichen Rückschlag erlebte. Doll gab unumwunden zu: «Das war verdient, das haben alle gesehen.» Kleinlaut sagte der Trainer der Hamburger: «Wir müssen uns jetzt sammeln. Wir haben gemerkt, dass wir weiter hart arbeiten müssen.»

Gegen Hannover bot der HSV vor allem in der ersten Halbzeit eine schwache Vorstellung. Von der Euphorie, die das Team nach der Entlassung von Toppmöller zunächst gezeigt hatte, war in Ansätzen höchstens in der zweiten Halbzeit etwas zu erkennen. «Das lag in erster Linie an uns, aber auch am starken Gegner», kommentierte Doll.

Vor allem der zuletzt starke Sergej Barbarez, wie Verteidiger Khalid Boulahrouz gesperrt, fehlte den Hamburgern im Angriff. «Da kam keiner und wollte den Ball haben», stellte Daniel van Buyten ernüchtert fest: «Wir haben nicht so gespielt wie in den letzten Wochen.» Dennoch war er wie Stefan Beinlich der Meinung: «Wir haben allgemein schlecht gespielt, da muss man die Ausrede nicht bei den Ausfällen suchen.»


 
 
sport1: 
Hannover stoppt Hamburger Höhenflug

Mit dem Selbstbewusstsein des Derbysiegers wirkte Nationalspieler Per Mertesacker noch größer, als er ohnehin ist. "Wir sind stolz auf das Erreichte. Wir standen auf dem letzten Platz und alle haben über uns gelacht. Jetzt mischen wir die Liga auf", sagte der 1,97-m-Mann nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg von Hannover 96 beim Hamburger SV.
Mit dem Sieg festigten die Niedersachsen einen Uefa-Cup-Rang und erstickten die Ambitionen auf das internationale Geschäft beim zuvor dreimal in Serie siegreichen Gegner im Keim.

Streckenweise brillant
In den vergangenen zehn Spielen strichen die Niedersachsen nun 23 Punkte ein. Auch in Hamburg zeigten sie streckenweise wieder brillanten Fußball und schoben sich bis auf Rang vier des Klassements vor.
"Wenn wir auf diesem Platz in die Winterpause gehen könnten, wäre dies das schönste Weihnachtsgeschenk für die Mannschaft und auch psychologisch ganz wichtig", erklärte 96-Manager Ilja Kaenzig, sträubte sich aber dagegen, das Erreichen des Uefa-Pokals als Saisonziel zu formulieren.

Abstiegskampf? Lächerlich!
Dass der Abstieg kein Thema mehr sein kann, musste aber auch der Schweizer eingestehen: "Davon zu reden, wäre wohl lächerlich."
In Hamburg spielten die Hannoveraner aus einer glänzend geordneten Defensive heraus nach vorn und kamen vor 50.454 Zuschauern durch Tore von Steve Cherundolo (19.) und Daniel Stendel (59.) zum Sieg.

Lienen voller Lob
"Das war eines unserer besten Spiele", lobte Trainer Ewald Lienen: "Wir standen sehr kompakt und haben leidenschaftlich verteidigt."
Besonders die beiden Mittelfeld-Abräumer Julian de Guzman und Altin Lala verdienten sich Bestnoten. "Für die Leistung der Beiden gibt es fast keine Worte mehr", befand Lienen.

Kaenzig will mit Mittelfeld-Trio verlängern
Auch aufgrund derartig starker Auftritte dürfte auf Kaenzig in der Winterpause jede Menge Arbeit zukommen. In Lala, de Guzman und Spielmacher Nebojsa Krupnikovic könnte das Herzstück der Mannschaft Hannover am Saisonende ablösefrei verlassen.
Der Manager arbeitet jedoch bereits mit Hochdruck an neuen Verträgen für das Mittelfeld-Trio. Wenn möglich soll im Winter Vollzug gemeldet werden.

Hamburg auf dem Boden der Tatsachen
Die Hamburger sind nach dem Höhenflug der vergangenen Wochen hingegen wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. "Wir haben gesehen, dass wir weiter hart arbeiten müssen und nur von Spiel zu Spiel denken dürfen. Wir müssen uns jetzt sammeln, aber die Niederlage wird uns nicht umhauen", sagte HSV-Trainer Thomas Doll.
"Im Umfeld wurde schon wieder vom internationalen Geschäft geredet. Gegen Hannover hat man gesehen, wie schwierig es ist, den Uefa-Cup zu erreichen", ergänzte der ehemalige Profi.

HSV ideenlos
Von solchen Ansprüchen waren die Hanseaten am Samstag tatsächlich weit entfernt und verabschiedeten ihre Fans mit einer schwachen Leistung ins neue Jahr.
Die gesperrten Sergej Barbarez und Khalid Boulahrouz fehlten dem ideenlosen und manchmal ungeordneten Team an allen Ecken und Enden.
 

Daten: Per wird immer besser

Heimschwach 
Der HSV kassierte bereits die vierte Heimniederlage - eine mehr als in der gesamten letzten Saison. Zudem blieben die Hamburger erstmals unter dem neuen Coach ohne eigenen Treffer.

Doll kein Heimspezialist 
Im vierten Heimspiel unter Doll kassierte der HSV die zweite Niederlage, auswärts sind die Hanseaten unter dem neuen Coach noch ungeschlagen.

Starke Hinrunde
Hannover feierte den achten Saisonsieg und hat damit bereits jetzt das beste Hinrundergebnis der Vereinsgeschichte aus der Saison 64/65 eingestellt. Und ein Spiel steht ja noch aus?

Lieblingsreise 
Hannover gelang der fünften Auswärtssieg in Hamburg - bei keinem anderen Verein feierte Hannover so viele Erfolge wie beim Nordrivalen.

Per wird immer besser
Einmal mehr war Nationalspieler Per Mertesacker der überragende Spieler auf dem Platz. Am langen Innenverteidiger prallten die HSV-Angriffe förmlich ab und Hannover blieb zum siebten Mal in dieser Saison ohne Gegentor. Dabei bestätigte er seinen Ruf als zweikampfstärkster Spieler in der Bundesliga und gewann 80 Prozent seiner Duelle - in der AOL-Arena war er damit der beste Zweikämpfer auf dem Feld.

Amerikanischer Torjäger
Aus dem Amerikaner Steven Cherundolo wird immer mehr ein Torjäger. In Hamburg erzielte der rechte Verteidiger schon seinen zweiten Saisontreffer - in seinen ersten beiden Spielzeiten in der Bundesliga versuchte sich Cherundolo vergebens und blieb ohne Torerfolg. Auch in seinem eigentlichen Metier in der Abwehr machte er einen hervorragenden Job und war nach Per Mertesacker mit 71 Prozent gewonnenen Duellen der zweikampfstärkste Niedersachse.

HSV nur optisch überlegen
19:7 Torschüsse, 7:2 Ecken und 59 Prozent Ballbesitz standen für den HSV zu Buche - aber was nützt das? Den Abwehrwall konnten die Hanseaten nicht überwinden und durften über die Effizient der 96er nur staunen: Für ihre beiden Treffer benötigten die Niedersachsen nur sieben Torschüsse - so agiert eine Spitzenmannschaft..

Schwacher Mpenza
Ohne Sergej Barbarez fehlte der Hamburger Offensive ganz eindeutig der Esprit. Vor allem Emile Mpenza, der erstmals nach seiner Verletzung in der Startelf stand enttäuschte. Nur einen Torschuss gab er in den 90 Minuten ab. Zudem war er mit 31 Prozent gewonnenen Duellen der zweikampfschwächste Spieler bei den Hamburgern - Gott sei dank steht Barbarez in Bochum wieder zur Verfügung.

Stendel effektiv
Die Hannoveraner Effizienz hatte einen Namen: Daniel Stendel. Der ehemalige HSV-Spieler rächte sich an seinem Ex-Verein mit seinem fünften Saisontreffer und stellte damit einen persönlichen Saisonrekord auf. Für diesen Treffer benötigte er nur einen Torschuss.