Bundesliga 2004/2005, 19. Spieltag, Samstag, 29.01.05 bei 0 - 2 Grad C in der Hamburger AOL Arena

Hamburger SV - FSV Mainz 05 2:1 (1:1)

Nun ist das erste Heimspiel der Rückrunde vorbei. Es war nicht berauschend, aber es hatte sehr druckvolle Phasen des HSV, die allerdings nicht sehr gut genutzt wurden. Trotzdem hat es am Ende, auch wenn ich schon gar nicht mehr so recht dran geglaubt hatte, noch zu einem Sieg gereicht. Weil wir mal eine Geschichte geschrieben wurde, wie sie auch nur im Fußball passieren kann. Benny Lauth wurde nach seinem erneuten Fußbruch und damit verbundener langer Verletzung erstmals wieder eingewechselt und machte – wie auch schon bei seinem einzigen Einsatz zuvor im HSV-Trikot – wieder das Siegtor. Es ist schon unglaublich. Oder vielleicht ist das auch gar nicht so unfaßbar, sondern einfach die Energie, die er von den ganzen Fans bekommen hat.

Das Spiel ging für den HSV eigentlich sehr gut los. Man spielte den Gegner ca. 20 – 25 Minuten ziemlich gut an die Wand, möchte ich fast sagen. Aber es kam nichts zählbares heraus. Nicht einmal so richtig 100 %ige Chancen, denn es wurde meist nur sehr gut bis zum Strafraum gespielt, aber es kam kein richtiger Abschluß zustande. 

Mainz dagegen hatte fast gar keine Szenen. Nur bei Freistößen waren sie gefährlich. Das dann aber gleich in unglaublicher Weise. Sie hatten drei Freistöße aus über 20 m und die wären alle 3 fast reingegangen. Da wurde das Spiel des HSV dann auch bedeutend schlechter. 

Trotzdem konnte dann noch der Führungstreffer erzielt werden. Wenn die Szene auch nicht so gefährlich war wie einige andere des HSV, so konnte diese zum Tor führen. Weil ein Schuß von Barbarez herrlich abgefälscht wurde und somit direkt über den Torhüter hinweg seinen Weg ins Tor fand. Schön.

Nur leider war die Freude nur von sehr kurzer Dauer, weil Reinhardt bei einer Flanke der Mainzer irgendwie einen seeligen Nachmittagsschlaf zu halten schien. Der Ball war ewig in der Luft und konnte schließlich von Auer reingeköpft werden. Unglaublich dämliches Gegentor.

So ging es dann auch etwas unbefriedigend in die Pause, in der der blasse Moreira (was für ein Wortspiel – har har har...) gegen den Farbtupfer Takahara (jetzt übertreffe ich mich aber wirklich....) gewechselt wurde.

In der 2. Halbzeit zeigten die Mainzer noch weniger Angriffsbemühungen oder der HSV war noch drückender – wie auch immer. Jedenfalls kann ich mich kaum noch an Mainzer Angriffe erinnern. Der HSV hingegen spielte eigentlich ganz gefällig und vor allem sehr druckvoll. Die Mainzer waren teilweise total eingeschnürt. Aber es kam irgendwie nix rum dabei für den HSV. Es waren nicht mal sehr viele Chancen dabei, bei denen man sagen konnte „da wäre der Ball aber fast drin gewesen“. Es war gefällig, aber uneffektiv. 

Das einzige, was einen aufbaute war, daß Mainz eben kaum etwas tat und es noch eine ganze Zeit war. Dann schlug wieder Benny Lauths Stunde. Nach etwas über 70 Minuten wurde Benny-Bomber nach monatelanger Verletzung zum zweiten Mal in ein HSV-Spiel eingewechselt. Und wieder schaffte er „das Wunder“, in den verbleibenden ca. 15 Minuten das Siegtor für den HSV zu erzielen. Schon unglaublich. Er schoß und der Torwart flog dabei irgendwie etwas seltsam durch die Luft. Eigentlich schien er genau vom Ball wegzufliegen. Naja, ist ja auch egal. Jedenfalls, haben wir das Spiel gewonnen und das ist doch ein schönes Ergebnis für das erste Heimspiel der Rückrunde. Da viele Mannschaften aus dem ersten Tabellendrittel verloren haben, habe ich mich auf jeden Fall bei dem Gedanken ertappt, daß es ja ein guter Spieltag war für unseren Kampf um einen UEFA-Cup-Platz. 

Nun spielen wir in Nürnberg und danach 2 Heimspiele hintereinander gegen Stuttgart und Kaiserslautern. Vielleicht schafft man es, jetzt eine Serie zu starten. Dann könnte man tatsächlich wieder etwas die Hoffnung auf einen internationalen Wettbewerb steigen lassen.

Vielleicht sollte ich jetzt noch etwas um einen der vielleicht größten Skandale der Bundesliga-Geschichte um den Schiri Hoyzer schreiben, der Spiele absichtlich falsch entschieden hat, und so u.a. dafür gesorgt hat, daß der HSV im Pokal gegen Paderborn ausgeschieden ist. Das ist schon eine unglaubliche Geschichte, die man gar nicht recht glauben kann. Ich befürchte auch, daß das noch weitere Kreise ziehen wird und kann nur hoffen, daß es sich hier um einen Einzelfall handelt, der offengelegt wurde.

Ich bin aber zumindest glücklich, ddaß ich heute im Stadion keine dümmlichen Gesänge gehört habe. Allerdings gab es eine Choreographie, die sich auf die Geschehnisse bezog. Zu sehen war ein Fußballtipp mit den Feldern für Heimsieg, Unentschieden und Auswärtssieg, bei dem die 1 durchkreuzt war. Nun muß ich sagen, daß ich das im Stadion erst so verstanden habe, als wäre die 1 = Heimsieg nicht möglich (durch Schiri-Beschiss) und deshalb durchgekreuzt. Aber wo ich jetzt so drüber nachdenke, könnte es ja auch durchaus einfach so gemeint gewesen sein, daß wir Fans auf Heimsieg „tippen“. Naja, jedenfalls eine Anspielung auf den Wettskandal.

Meine Spielerbewertung: 

Pieckenhagen: ich weiß nicht, ob er vielleicht beim Gegentor hätte rauskommen können, aber er wirklich einige sehr gute Bälle gehalten; u.a. die drei gefährlichen Freistöße in der 1. Halbzeit und in der zweiten Halbzeit noch einen abgefälschten Heber: Note 2

Schlicke: durfte heute (für mich überraschend) wieder auf der rechten Abwehrseite anstatt Breckos ran. Er hat seine Sache aber sehr gut gemacht. Note 3+

Reinhardt: Die Innenverteidigung wurde praktisch gar nicht gefordert. Als er aber einmal hätte zur Stelle sein müssen, hat er offenbar total gepennt: Note 5

Van Buyten: Auch er wurde kaum gefordert, aber er machte dabei eben auch keine Fehler: Note 3

Klingbeil: Er war heute für mich wirklich einer der besten Spieler des HSV. Defensiv ist er ja bisher fast immer eine Bank gewesen, aber heute war sein Offensivverhalten total verändert. Offenbar ist die Kritik an seinen mangelnden Offensivqualität nicht an ihm vorbeigegangen. Er hat auch offensiv gut gespielt und schaltete sich immer wieder ein. Wenn er so weiter macht, ist er nicht mehr wegzudenken: Note 1-

Wicky: spielte einen hervorragenden Staubsauger vor der Abwehr. Er gefiel mir ganz hervorragend: Note 2+

Beinlich: Ich merke, daß meine Noten irgendwie viel positiver werden als ich das Spiel empfunden habe. Jedenfalls gefiel mir auch Beinlich sehr gut. Er war super-ballsicher und verteilte die Murmel häufig: Note 2

Mahdavikia: durfte heute nach langer Zeit erstmals wieder von Beginn an spielen, da Jarolim gelbgesperrt zusehen mußte. Und Mehdi machte seine Sache in meinen Augen sehr gut. Er war eine Belebung für das Spiel. Leider hat er ein paar Mal in aussichtsreicher Position jeweils das falsche gemacht, aber insgesamt würde ich ihn in dieser Form gern wieder auf dem Feld sehen: Note 3

Moreira: er macht zwar keine großen Fehler, aber für mich ist das weitestgehend „brotlose Kunst“, war er den Fans präsentiert.; Note 4

Barbarez: wieder der auffälligste Mann auf dem Feld und (insbesondere in der 1. Halbzeit) an fast allen gefährlichen Szenen beteiligt: Note 2

Mpenza: heute empfand ich ihn fast als Schatten seiner selbst. Das war für mich viel zu wenig. Irgendwie war er gar nicht richtig im Spiel drin. Note 4

Takahara: wurde nach der Pause für Moreira eingewechselt. Kämpfte wie immer, war aber nicht wirklich auffällig: Note 3

Schiri Wack: Die Mannschaften taten ihm den Gefallen und spielten wirklich sehr fair. Er hatte kaum eine brenzlige Situation zu entscheiden: Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker:  Hamburger SV -  FSV Mainz 05  2:1 (1:1) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Pieckenhagen - Schlicke, B. Reinhardt, van Buyten, Klingbeil - Mahdavikia, Wicky, Beinlich - Moreira - Barbarez, Mpenza - Trainer: Doll

FSV Mainz 05:  Wache - Abel, M. Friedrich, Noveski, Rose - F. Gerber, Balitsch, Babatz, da Silva - Auer, Teinert - Trainer: Klopp

Tore:   1:0 Barbarez (31., Linksschuss, Vorarbeit Mpenza), 1:1 Auer (40., Kopfball, da Silva), 2:1 Lauth (78., Rechtsschuss, Takahara)

Eingewechselt:   46. Takahara für Moreira, 63. Benjamin für Schlicke, 74. Lauth für B. Reinhardt - 59. N. Weiland für Balitsch, 71. Kramny für F. Gerber, 78. D. Weiland für da Silva

Schiedsrichter:  Wack, Dr. 

Zuschauer:  43000

Gelbe Karten:  Mpenza, Lauth - Rose

Spielbericht
Nach der 0:3-Niederlage bei Bayern München in der Vorwoche stellte HSV-Trainer Thomas Doll sein Team gleich auf vier Positionen um: In der Abwehr kam Schlicke für Brecko ins Team, im Mittelfeld ersetzte Beinlich den verletzten Trochowski und Moreira den Gelb-gesperrten Jarolim. Im Angriff übernahm Mahdavikia den Platz in der Startelf von Takahara. 

Jürgen Klopp auf Seiten des FSV Mainz 05 veränderte seine Startformation gegenüber der 2:3-Niederlage gegen Stuttgart am vergangenen Spieltag auf zwei Positionen. In der Abwehr kam Abel für Nikolic in die Startformation, im Sturm ersetzte Teinert Casey.

Die Hamburger erwischten den besseren Start und schnürten Mainz sofort in deren Hälfte ein. Erste Chancen konnten jedoch weder Barbarez noch Mpenza nutzen. Der Druck des HSV war allerdings so stark, dass der Führungstreffer nur eine Frage der Zeit schien.

Nach gut 20 Minuten kam der FSV Mainz jedoch besser ins Spiel und brachte Pieckenhagen im Hamburger Tor durch Freistöße von Babatz und da Silva mächtig ins Schwitzen. 

Der HSV schlug in Bedrängnis zurück. In der 32. Minute nahm Mpenza einen langen Ball von Moreira auf und legte vor dem Strafraum ab für Barbarez. Der zog mit dem linken Fuß ab. Noveski versuchte noch zu retten, fälschte den Ball jedoch so unglücklich ab, dass er über Torhüter Wache hinweg als Bogenlampe ins Tor flog.

Allerdings versäumten es die Hamburger in der Folgezeit nachzulegen. Mainz 05 kam vor der Pause wieder auf. Bezeichnenderweise führte ein Freistoß zum Ausgleich. Die gesamte HSV-Abwehr wartete auf einen Direktschuss von Babatz, doch da Silva entschied sich für das Abspiel. Er fand Auer völlig frei vor dem Tor. Der köpfte am erstaunten Pieckenhagen vorbei zum 1:1 ein (40.).

Der HSV zog sofort wieder das Tempo an und kam durch Mpenza und Wicky noch vor der Pause zu zwei guten Chancen, die jedoch vergeben wurden.

Die Doll-Elf startete auch besser in die zweite Hälfte, doch große Torchancen wollten sich nicht einstellen. Die Mainzer standen tief gestaffelt und verteidigten geschickt. Für die Offensive des HSV war kaum ein Durchkommen. Ein Barbarez-Kopfball in der 51. Minute nach Beinlich-Freistoß blieb lange die gefährlichste Szene der zweiten Hälfte.

Es dauerte bis zur 72. Minute ehe wieder ein Raunen durch die AOL-Arena ging. Mahdavikia hatte auf der rechten Seite die gesamte Mainzer Deckung überlaufen und in die Mitte geflankt. Doch da konnte Mpenza die Kopfball-Chance nicht nutzen.

Diese Chance leitete allerdings die Schlussoffensive des HSV ein, was Trainer Thomas Doll noch durch die Einwechslung des lange verletzten Lauth (75.) unterstrich, der nur fünf Minuten brauchte um sich für seinen Einsatz zu bedanken. Takahara legte an der Strafraumgrenze auf für den HSV-Stürmer. Lauth zog sofort ab und erwischte FSV-Keeper Wache mit einem 17-Meter-Schuss auf dem falschen Fuß.

Jetzt konnten sich die Hamburger zurückfallen lassen und auf Konter hoffen, während die Klopp-Elf versuchte, das Blatt noch zu wenden. Doch sowohl Teinert mit einen abgefälschten Distanzschuss (82.) als auch Kramny nach einer Ecke (83.) scheiterten, so dass der HSV die drei Punkte nach Hause fahren konnte.

Die Hanseaten wahren mit diesem Sieg den Anschluss an die lukrativen Europapokal-Plätze, während der FSV Mainz 05 nach der fünften Niederlage in Folge droht zum unteren Ende der Tabelle durchgereicht zu werden.
 

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 
 
84 Auf Umwegen kommt ein Mainzer Eckball zu Kramny. Der wird zwar von Benjamin bedrängt, kommt aber trotzdem zum Schuß. Nur knapp geht der Ball neben das HSV-Tor. 
 
83 Teinert schiesst aus 20 Metern van Buyten an. Der Ball wird zur tückischen Bogenlampe, doch Pieckenhagen reagiert glänzend und klärt zur Ecke. 
 
80
 Traumhafter Einstand von Lauth. Takahara legt an der Strafraumgrenze auf. Der gerade eingewechselte Lauth zieht sofort ab, erwischt Keeper Wache auf dem falschen Fuß und erzielt den Führungstreffer. 
 
72 Mahdavikia lässt auf der rechten Seite alles stehen und flankt auf Mpenza. Der setzt seinen Kopfball allerdings neben das Mainzer Tor. 
 
67 Der HSV findet kaum ein Mittel, um die Gäste in Verlegenheit zu bringen. Van Buyten versucht es mit einem Schuss aus der Distanz, verzieht aber deutlich. 
 
64 Die Mainzer Abwehr klärt zu kurz und Barbarez hämmert den Ball sofort Richtung Tor. Er verfehlt sein Ziel jedoch deutlich. 
 
61 Klingbeil setzt sich auf der linken Seite durch und flankt vor das Mainzer Tor, doch der Reihe nach verpassen Takahara, Mpenza und Barbarez den Ball. 
 
51 Wieder hat der HSV den besseren Start. Barbarez kommt nach einem Beinlich-Freistoß zum Kopfball, verfehlt das Tor aber knapp. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
45 Wicky kommt nach einem Beinlich-Freistoß frei zum Schuss, scheitert jedoch gleich zwei Mal am glänzend reagierenden Wache. 
 
44 Barbarez mit einem traumhaften Anspiel auf Mpenza. Der lässt seinen Gegenspieler stehen, setzt den Schuss aus sieben Metern jedoch neben den Mainzer Kasten. 
 
40
 Die HSV-Abwehr erwartet wohl einen direkten Freistoß, doch da Silva hebt den Ball auf den Kiopf von Auer, der völlig frei, aus spitzem Winkel den erstaunten Pieckenhagen überwindet. 
 
32
 Mpenza nimmt einen langen Pass von Moreira an und legt auf für Barbarez. Der zieht aus 18 Metern ab. Noveski versucht zu klären, doch er fälscht den Ball so unglücklich ab, dass er über Wache hinweg ins Tor fliegt. 
 
30 Abel erobert den Ball in der Nähe des HSV-Strafraums. Er flankt zum zweiten Pfosten, wo Teinert den Ball volley nimmt, das Leder jedoch aus acht Metern hoch über das Tor befördert. 
 
28 Wieder die Freistoß-Chance für Mainz. Diesmal versucht es wieder Babatz von der linken Seite. Pieckenhagen hat mit dem harten Schuss zwar Probleme, kann aber schließlich klären. 
 
27 Moreira findet mit einer Flanke Mpenza. Der steigt zum Kopfball hoch und versucht einen Heber über Wache, doch der Ball wird etwas zu lang und streicht über das Mainzer Tor. 
 
24 Der nächste Freistoß für Mainz bringt wieder Gefahr. Diesmal versucht es Da Silva aus fast 30 Metern mit einem angeschnittenen Ball, der Pieckenhagen alles abverlangt. 
 
22 Die erste Chance für Mainz - und was für eine. Babatz hämmert einen Freistoß Richtung HSV-Tor, doch Keeper Pieckenhagen bietet sein ganzes Können auf und faustet den Ball aus dem Torwinkel. 
 
17 Klingbeil flankt auf Moreira, der den Ball direkt nimmt und das Mainzer Tor aus 14 Metern nur knapp verfehlt. 
 
12 Mahdavikia tanzt auf der rechten Seite Rose aus und zieht sofort ab. Doch Wache kann den Ball gerade noch abwehren. 
 
8 Moreira setzt Barbarez in Szene, der versucht Wache mit einem Heber zu überlisten. Doch der Mainzer Torwart lässt sich nicht foppen und pflückt den Ball herunter. 
 
7 Der HSV ist gleich hellwach. Barbarez setzt Mahdavikia per Steilpass ein, doch der erreicht den Ball nicht mehr gnz. FSV-Keeper Wache kann klären. a
 
Anpfiff 


 
 
dpa: HSV verlängert Mainzer Negativserie

Von Franko Koitzsch, dpa

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat Aufsteiger FSV Mainz 05 wohl endgültig in die Gefahrenzone gestürzt und ein traumhaftes Comeback von Stürmer Benjamin Lauth gefeiert.

Mit 2:1 (1:1) besiegten die Norddeutschen den Bundesliga-Neuling bei dessen Premiere in der AOL-Arena und fügten ihm damit bereits die fünfte Niederlage in Serie zu. Auswärts ist die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp gar schon seit sechs Partien ohne Punktgewinn. «Wir haben im Moment Probleme, aber nicht mehr als andere Vereine», meinte Klopp.

Sergej Barbarez (31.) hatte die Platzherren vor 44 730 Zuschauern in Führung gebracht, ehe Benjamin Auer für den Ausgleich (40.) sorgte. Den umjubelten Siegtreffer erzielte ausgerechnet Lauth, der bei seinem ersten Einsatz nach fünfmonatiger Zwangspause zum 2:1 (80.) traf. «Ich hatte den Ball auf dem rechten Fuß - und als Stürmer zieht man einfach ab», sagte der Blondschopf bescheiden. Der HSV hat mit seinem neunten Saisonsieg wieder Anschluss an jene Mannschaften geschafft, die sich um einen UEFA-Cup-Platz streiten. Trainer Doll befand, «es war ein glücklicher Sieg, aber nicht unverdient».

Die im Vergleich zur Vorwoche auf vier Positionen umformierten Gastgeber schienen zunächst Dolls Parole umsetzen zu wollen. «Mit aller Macht gewinnen», hatte der Coach vor dem Anpfiff gefordert. Doch der Angriffswirbel vor allem über Mehdi Mahdavikia auf der rechten Seite war nach 20 Minuten verebbt. Danach verschafften sich die bis dahin blassen Gäste Respekt mit drei akkurat getretenen Freistößen, die HSV-Torwart Martin Pieckenhagen souverän parierte.

Bei seinem achten Saisontor zur Führung profitierte Barbarez vom Ungeschick des Mainzer Abwehrspielers Nikolce Noveski, der den scharf getretenen Ball unglücklich per Bogenlampe über seinen konsternierten Schlussmann Dimo Wache ins Tor beförderte. Von dem Rückstand ließen sich die Rheinhessen aber nicht beeindrucken und antworteten mit dem Ausgleich durch Auer, der per Kopf einen Freistoß von da Silva vollendete. Die Hamburger Abwehr machte dabei keinen guten Eindruck.

Unzufrieden mit der Offensivleistung seines Teams, beorderte Doll erst Naohiro Takahara und dann Lauth aufs Feld. Der 23 Jahre alte Neuzugang von 1860 München, den zwei Fußbrüche aus der Bahn geworfen hatten, sorgte wie bei seinem ersten Kurzeinsatz vor fünf Monaten kurz nach seiner Hereinnahme für den Sieg. Damals reichten dem Nationalspieler 17 Minuten, um das 4:3 gegen Nürnberg zu schießen. Diesmal durfte er 16 Minuten ran und machte den «Dreier» perfekt. «Toll für den Jungen», so Doll, bremste aber die Euphorie. «Er braucht noch einige Kurzeinsätze, bis er von Anfang an spielen kann.»

Zu Beginn der Partie hatte Doll per Video-Einspielung die Fans zur Solidarität mit dem Schiedsrichter aufgerufen. «Geht fair mit dem Schiedsrichter um», forderte der Coach. Daran hielten sich die Fans. FIFA-Referee Franz-Xaver Wack (Biberbach) leitete die Partie sicher.

Klopp hatte seinem Team schon vor dem Spiel einen Freibrief gegeben. «Wir orientieren uns an der Art und Weise, wie wir Fußball spielen und nicht am nackten Ergebnis. Wir werden Resultate nicht in den Mittelpunkt stellen», lautete die Maxime des Trainers. Daran, so der Trainer, werde sich auch künftig nichts ändern.


 
 
sport1:"Für Benny wie ein Märchen"

Als Trainer Thomas Doll Benjamin Lauth zum Warmlaufen schickte, begannen die HSV Fans zu jubeln.
In der 74. Minute war es dann soweit. Lauth wurde eingewechselt und sofort mit Sprechhören gefeiert.
Nur sechs Minuten später war das Traum-Comeback perfekt: Der 24-Jährige erzielte mit einem seiner ersten Ballkontakte den 2:1-Siegtreffer gegen den Aufsteiger aus Mainz.
"Dabei habe ich die Kugel gar nicht richtig getroffen", freute sich Lauth
 
"Für Benny wie ein Märchen"
"Einfach sensationell", hatte Doll das Comeback nach dem Spiel beurteilt, "nur wer mal so schwer verletzt war, weiß, was man da durch machen muss. Es ist einfach toll für den Jungen."
Und weiter meinte der HSV-Coach: "Für Benny Lauth ist das alles wie ein Märchen."

Siegtreffer schon gegen Nürnberg
Sowohl den 44.730 Zuschauern in der AOL-Arena wie auch Lauth selber muss die Situation wie ein Deja-vu vorgekommen sein.
Bei seinem letzten und ersten Spiel für den HSV am 28. August 2004 erzielte er ebenfalls bei einem Kurzeinsatz den 4:3-Siegtreffer gegen den 1. FC Nürnberg. 
Es war das Debüt des Neuzugangs nach seinem Mittelfußbruch im April. Doch in der Woche danach vertrat sich Lauth erneut den Mittelfuß und musste operiert werden.

Zwei Tore für den HSV in 35 Minuten
"Das passiert jetzt schon zum zweiten Mal. Und damals waren die drei Punkte auch ganz wichtig", erinnerte sich Lauth direkt nach dem Spiel.
Ganze 35 Minuten spielte der Stürmer bisher für den HSV, erzielte zwei Tore und verhalf seiner Mannschaft damit zu sechs Punkten.
Der HSV liegt nun auf Rang neun, hat aber auf den Tabellenfünften Hannover nur drei Punkte Rückstand.

HSV mit starkem Beginn
Der HSV startete ganz stark und dominierte die Mainzer von Beginn an. Schließlich war es dem erneut überzeugenden Sergej Barbarez vorbehalten, den HSV mit einem abgefälschten Schuss (32.) in Führung zu bringen. 
Es war das fünfte Tor in den letzten fünf Spielen für den Mittelfeldspieler. Barbarez beendete mit dem Treffer eine stärkere Phase der Mainzer, in denen sie besonders nach Standard-Situationen für Gefahr sorgten.

Auer mit erstem Auswärtstor
Es war dann auch ein Freistoß von Antonio da Silva, der den Ausgleich vorbereitete. Auer (40.) köpfte gegen den zu zögerlichen Bastian Reinhardt ein. Für Auer war es der erste Treffer in einem fremden Stadion in Deutschlands höchster Spielklasse. Für die Mainzer reichte es aber trotzdem nicht zum Punktgewinn.
"Für uns ist die Rückrunde jetzt erst richtig losgegangen. Es war sicherlich ein glücklicher Sieg, aber nicht unverdient. Die Mannschaft hat sehr gut kombiniert und schnell den Ball laufen lassen", sagte Doll. 

Wache wieder mit Patzer
Ganz und gar nicht positiv wird der Mainzer Torwart Dimo Wache das Spiel in Erinnerung halten. Nach seinem Fehler gegen Stuttgart in der vergangenen Woche sah der frühere Mainzer Erfolgsgarant auch bei Lauths Treffer äußerst unglücklich aus.
"Beim Gegentor war Dimo Wache die Sicht verdeckt und der Ball hat geflattert", nahm Trainer Jürgen Klopp den Torwart in Schutz.
  
Mainz wird durchgereicht
Trotzdem kann der Torwart fast schon symbolisch für die Entwicklung des selbst ernannten "Karnevalsvereins" gesehen werden. Die letzten fünf Spiele wurden verloren, auswärts setzte es seit sechs Partien Schlappen. Mainz steht auf Rang 14 und der Abstand zu den Abstiegsrängen wird immer geringer. 
"In der zweiten Halbzeit haben wir kämpferisch großartig gespielt, aber fußballerisch etwas zu wenig gezeigt", sagte Klopp.
Nächste Woche kommt Hertha BSC an den Bruchweg. Wenn dann nicht wieder einmal etwas Zählbares herausspringt, gehen die Mainzer schweren Zeiten entgegen.

Daten: Rekordpleitenserie unter Klopp 

Rekordpleitenserie unter Klopp
Die Mainzer Talfahrt setzt sich auch nach der Winterpause fort: Die Elf von Jürgen Klopp kassierte die fünfte Niederlage in Folge - solch eine Negativserie gab nie zuvor unter Jürgen Klopp.

Flut von Stürmer-Gegentoren
Mainz kassierte die Stürmergegentore Nr. 20 und 21 - Ligahöchstwert.

Erneut geglücktes Lauth-Comeback
In seinem zweiten Spiel für den HSV schoss Benjamin Lauth mit seinem zweiten Torschuss im HSV-Dress sein zweites Tor.

Mahdavikia meldete sich zurück 
Erstmals seit dem vierten Spieltag und damit zum ersten Mal unter Doll stand Mehdi Mahdavikia in der Anfangsformation des HSV.

Überlegenheit spät belohnt 
Der HSV gab fast doppelt so viele Torschüsse ab wie Mainz (20:11), hatte 62 Prozent der Ballkontakte, gewann 55 Prozent der Zweikämpfe, musste dennoch bis zur 80. Minute warten, ehe der eingewechselte Lauth den Siegtreffer markierte. 

Fixpunkt Barbarez 
Wo stünde der HSV bloß ohne Sergej Barbarez? Erneut war es der Bosnier, der die Hamburger in Führung brachte und fast an jeder gefährlichen Szene beteiligt war. An der Hälfte der 20 HSV-Torschüsse war Barbarez direkt beteiligt, der alleine öfter zum Abschluss kam (siebenmal) als die anderen Angreifer Mpenza, Lauth und Takahara zusammen. 
Auch kämpferisch war der Bosnier ein Vorbild, führte die meisten Duelle beim HSV (35) und gewann davon zudem starke 65 Prozent.

Gerber war abgemeldet
Als ehemaliger St. Paulianer war Fabian Gerber sicherlich besonders motiviert gegen den HSV, doch der Mainzer Top-Vorbereiter war in der AOL-Arena abgemeldet. Gerber war zweikampfschwächster Mainzer und an keinem Torschuss beteiligt - die Folge war seine vorzeitige Auswechslung.

Klingbeil stark verbessert
Am letzten Wochenende musste Rene Klingbeil viel Kritik einstecken, doch gegen Mainz zeigte sich der Youngster gut erholt. In der Defensive stand er sicher, gewann starke 77 Prozent der Zweikämpfe und auch die oft bemängelte Zurückhaltung in der Vorwärtsbewegung schien er sich zu Herzen zu nehmen: Klingbeil schlug die meisten Flanken beim HSV (6).