Bundesliga 2004/2005, 20. Spieltag, Samstag, 05.02.05 im Nürnberger Frankenstadion

1. FC Nürnberg - Hamburger SV 1:3 (0:1)

Von dem Spiel habe ich wirklich nur die kurze Zusammenfassung in der Sportschau gesehen, da ich am Samstag arbeiten war. 

Aber ein sehr geiler Tag insgesamt mit einem schönen Sieg des HSV. 

Sehr geil, daß ausgerechnet Taka getroffen hat. Und schon wieder Benny Lauth - unglaublich.

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 1. FC Nürnberg -  Hamburger SV  1:3 (0:1) 

Allgemeine Informationen
1. FC Nürnberg:  Klewer - A. Wolf, Hajto, Nikl, L. Müller - Wagefeld, Lagerblom - Banovic - Mintal - Schroth, Daun - Trainer: Wolf

Hamburger SV:  Pieckenhagen - Schlicke, Boulahrouz, van Buyten, Klingbeil - Wicky - Mahdavikia, Beinlich - Jarolim - Barbarez, Takahara - Trainer: Doll

Tore:   0:1 Takahara (30., Linksschuss, Vorarbeit Barbarez), 0:2 Takahara (53., Rechtsschuss, Wicky), 1:2 Vittek (82., Rechtsschuss, Mintal), 1:3 Lauth (90+1., Linksschuss, Mpenza)

Eingewechselt:   22. Vittek für Schroth, 57. Kießling für Banovic, 61. Ketelaer für Daun - 57. Benjamin für Wicky, 77. Mpenza für Takahara, 83. Lauth für Mahdavikia

Schiedsrichter:  Kinhöfer 

Zuschauer:  22269

Gelbe Karten:  Wagefeld - Klingbeil
 

Spielbericht
FCN-Coach Wolfgang Wolf wollte nach drei vergeblichen Versuchen wieder einen Heimsieg einfahren. Das siegreiche Team vom 4:2-Erfolg in Stuttgart musste er allerdings notgedrungen verändern, da sich Cantaluppi und Sven Müller jeweils die fünfte Gelbe Karte einhandelten und Kapitän Larsen kurzfristig erkrankte. Für den Schweizer Cantaluppi rückte Hajto in die Abwehrkette. Die beiden Ex-Bremer Lagerblom und Banovic kamen im Mittelfeld zum Einsatz, für den Finnen war es der erste im Club-Dress von Beginn an. 

HSV-Trainer Thomas Doll nahm ebenfalls drei Änderungen an der in der Vorwoche mit 2:1 gegen Mainz erfolgreichen Mannschaft vor. Der Niederländer Boulahrouz kehrte nach überstandener Schulterverletzung ins Abwehrzentrum zurück, Reinhardt blieb dafür draußen. Nach Gelb-Sperre übernahm Jarolim wieder den Part des zentralen offensiven Mittelfeldmannes, für seinen Vertreter Moreira blieb nur ein Platz auf der Bank. In der Spitze gab Doll dem Japaner Takahara den Vorzug vor Mpenza.

Bei Sonnenschein im Frankenstadion deuteten beide Mannschaften zu Beginn an, dass sie gewinnen wollten. Der Club spielte locker nach vorn und auch die Gäste aus dem Norden versteckten sich nicht. Beiden Mannschaften fehlte allerdings der letzte Zug zum Tor. So ergaben sich allenfalls kleinere Möglichkeiten. Die gefährlichste Aktion verzeichnete noch Banovic, der einen Freistoß aus 25 Metern knapp am rechten oberen Eck vorbei schlenzte (19.).

Kurz darauf musste Club-Stürmer Schroth verletzungsbedingt ausscheiden, während der HSV immer mehr die Spielkontrolle übernahm. Nürnberg initiierte Mitte der ersten Hälfte kaum mehr eigene Angriffe, die Gäste nutzten die sich bietenden Räume und gingen folgerichtig in Führung. Barbarez suchte Takahara mit einem weiten Flankenwechsel. Unbedrängt von Gegenspieler Wolf konnte der Japaner den Ball zehn Meter vor Klewer mit der Brust annehmen und direkt per Linksschuss ins kurze Eck verwandeln. Der Schäfer-Vertreter im Club-Gehäuse blieb chancenlos (31.).

Der Club wurde durch den Rückstand wieder etwas aktiver, HSV-Torhüter Pieckenhagen musste aber bis zur Halbzeit nie wirklich eingreifen. Zu ungenau waren die Offensivbemühungen der Franken. Da sich der HSV auch zumeist auf Spielkontrolle beschränkte, blieb die Partie bis zur Pause ereignisarm. Lediglich ein Freistoßknaller von Wagefeld (43.) sorgte noch kurzzeitig für Aufregung, der Schuss aus 22 Metern strich aber am Torwarteck vorbei.

Ohne personelle Änderungen schickten beide Trainer ihre Mannschaften nach der Pause wieder aufs Feld. Und auch spielerisch bot sich den gut 22.000 Zuschauern wenig Neues. Die Gäste präsentierten sich überlegen, konnten sich in Tornähe allerdings zunächst ebenso wenig durchsetzen wie die Hausherren auf der Gegenseite.

So war es auch ein langer Ball, der das 0:2 einleitete. Wicky schlug einen Freistoß aus der eigenen Hälfte auf den startenden Takahara. Der Stürmer setzte sich gegen Hajto durch und behielt im Anschluss frei vor Klewer die Nerven. Mit dem rechten Außenrist schob der Japaner das Leder zum 0:2 ein (53.).

Kaum hatten sich die Gemüter im Stadion beruhigt, hätte der HSV-Angreifer fast zum dritten Mal zugeschlagen. Sein Flugkopfball aus kurzer Entfernung strich jedoch denkbar knapp am rechten Pfosten vorbei (56.). Von den Hausherren kam allerdings nicht das große Aufbäumen. Das Bemühen war zwar durchaus zu erkennen, aber vielfach scheiterten die Angriffe bereits im Mittelfeld. Und wenn man sich doch einmal bis zum Tor durchspielte, dann geriet auch der Abschluss zu ungefährlich, wie bei Kießlings Kopfball in der 68. Minute, den Pieckenhagen sicher halten konnte.

So dauerte es bis zur 82. Minute, bis der Anschlusstreffer des Club eine heiße Schlussphase einläutete. Nachdem Schiedsrichter Kinhöfer van Buyten wegen einer blutenden Wunde zur Behandlung nach außen geschickt hatte, sorgte ein weiter Einwurf von Hajto im HSV-Strafraum für Verwirrung, die Vittek schließlich zum 1:2 nutzte (82.). Das Tor brachte Bewegung in die Partie, plötzlich drückten die Franken auf das Gäste-Tor. Nach einer verunglückten Barbarez-Abwehr musste der eingewechselte Lauth sogar auf der Linie retten (87.). Weil die Nürnberger weit aufrückten, boten sich den Hansestädtern über die schnellen Mpenza und Lauth gute Kontermöglichkeiten. Nachdem der Belgier zunächst frei vor Klewer gescheitert war (90.), legte er nur kurz später mustergültig quer und bediente seinen Sturmkollegen Lauth. Der 23-Jährige traf sicher und erzielte so in seinem dritten Saisonspiel sein drittes Tor zur Entscheidung im Frankenstadion (91.). Schon im Hinspiel hatte der von Verletzungen geplagte Angreifer mit seinem Treffer für die Entscheidung gesorgt.

Der HSV fährt nicht unverdient drei Punkte in der Fremde ein. Takaharas Doppelpack stellte die Weichen für einen Sieg, der nach Vitteks Anschlusstreffer allerdings am seidenen Faden hing. Die Norddeutschen rücken durch den Sieg bis auf einen Punkt an die internationalen Plätze heran. Der Club hingegen darf sich noch nicht in Sicherheit wähnen.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
90
 Die Entscheidung: Konter der Hamburger über Mpenza, der mustergültig Lauth bedient. Wie schon im Hinspiel setzt der Ex-Löwe den Schlusspunkt und verwandelt sicher zum 1:3. 
 
90 Mpenza geht allein aufs Club-Tor zu, Keeper Klewer kann aber per Fußabwehr parieren. 
 
87 Nach einem Kopfball seines Mannschaftskollegen Barbarez muss Lauth auf der Linie retten. Im Strafraum der Hamburger brennt es jetzt zeitweise lichterloh. 
 
87 Jetzt ist wieder Leben in der Partie. Nürnberg wirft alles nach vorn, der HSV setzt auf Konter über die eingewechselten Mpenza und Lauth. 
 
82
 Der Anschluss: Als van Buyten grad außen behandelt wird, sorgt Hajtos weiter Einwurf für Verwirrung. Schließlich ist Vittek frei vorm Tor und erzielt das 1:2. Der Auftakt zur Schlusspffensive? 
 
79 Der HSV ist jetzt etwas sorglos. Wieder zieht Ketelaer ab, Pieckenhagen reißt aber rechtzeitig die Fäuste hoch und hat im zweiten Versuch die Kugel sicher. 
 
77 Vielleicht kommt der Club über Standardsituationen zurück ins Spiel. Der 18-Meter-Freistoß von Ketelaer streicht aber über die Latte. 
 
74 Ob sich das Spiel noch dreht? Es sieht nicht danach aus. Der Club entwickelt keinen Druck und der HSV spielt die Zeit locker runter. 
 
68 Das hätte der Anschluss sein können: Kießling steigt am kurzen Pfosten frei hoch, sein Kopfball gerät aber zu unplatziert, so dass Pieckenhagen leicht parieren kann. 
 
62 FCN-Coach Wolf versucht, dem Spiel mit frischen Kräften noch eine Wendung zu geben. Kießling und Ketelaer sind inzwischen im Spiel, die unauffälligen Banovic und Daun mussten weichen. 
 
56 Fast das 0:3, aber Takaharas Flugkopfball geht knapp am Club-Tor vorbei. 
 
53
 Das schnelle 0:2! Nach einem langen Ball von Wicky ist es erneut Takahara, der sich im Zweikampf mit Hajto behauptet und den Ball sicher mit rechts an Klewer vorbei einschiebt. 
 
46 Ohne weitere Wechsel geht es in den zweiten Durchgang. Die Franken waren schon sehr früh wieder auf dem Rasen, sie scheinen sich etwas vorgenommen zu haben! 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
43 Mal wieder ein Highlight: Wagefeld hält bei einem 22-Meter-Freistoß voll drauf, verfehlt das Torwarteck aber knapp. Ansonsten tut sich vor den Toren nicht viel. 
 
33 Mintal mal mit einem Torschuss. Das Leder geht aus 20 Metern aber am Kasten vorbei. 
 
31
 Das hat sich der HSV verdient: Eine weite Flanke von Barbarez kann Takahara mit der Brust annehmen und direkt per Linkssschuss im Tor der Hausherren versenken. Wolf griff nicht ein, Klewer war ohne Chance. 
 
29 Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Club-Stürmer Schroth erspielt sich der HSV immer mehr ein Übergewicht. 
 
24 Nach einer Beinlich-Ecke kommt Wicky im Fallen zum Kopfball, ein Nürnberger Verteidiger kann die Kugel aber noch von der Linie schlagen. 
 
19 Einen Freistoß aus 25 Metern zirkelt Banovic direkt aufs rechte Eck, verpasst das Tor aber knapp. 
 
15 Beide Mannschaften spielen in der Anfangsphase zwar locker nach vorn, zwingende Chancen arbeitet sich aber kein Team heraus. 
 
10 Nach einem Eckball köpft Nikl aus kurzer Distanz über das Gäste-Tor. 
 
7 Erstmals Mintal: Eine Flanke bringt der Slowake aber nur mit dem Rücken Richtung Tor, keine Gefahr. Im Hinspiel erzielte Nürnbergs Nummer elf noch drei Treffer - der Club verlor trotzdem 3:4. 
 
3 Wagefeld mit einem ersten Torschuss, seine Direktabnahme aus 20 Metern stellt Pieckenhagen aber vor keinerlei Probleme. 
 
1 Im Frankenstadion rollt der Ball. Der Club will mal wieder einen Heimsieg einfahren, der HSV mit einem "Dreier" den Anschluss nach oben herstellen. 
 
Anpfiff 


 
 
dpa: Takahara schießt die Kritik weg

Von Gerd Münster, dpa

Nürnberg (dpa) - Drei Torschüsse, zwei Volltreffer - Naohiro Takahara hat seine Mission erfüllt und den Hamburger SV auf UEFA-Cup-Kurs geschossen. 

«Das ist mein schönster Tag beim HSV. Ich könnte vor Freude tanzen, denn mit diesem wichtigen Sieg sind wir unserem Ziel näher gekommen», sagte der überglückliche Japaner nach dem überzeugenden 3:1 (1:0) der Hanseaten beim 1. FC Nürnberg. «Taka hat Wochen und Monate für die Mannschaft gekämpft und sich deshalb diesen Erfolg unglaublich verdient. Das zweite Tor war die Krönung seiner Leistung», lobte Trainer Trainer Thomas Doll den 25-Jährigen, dankte aber auch der ganzen Mannschaft für die beachtliche Vorstellung: «Das war läuferisch und spielerisch absolute Klasse.»

Der viel gescholtene Takahara mit einem «Doppelpack» (31./52. Minute) zum 2:0 und Benjamin Lauth (90.+1.) zum 3:1 als Vollstrecker, Sergej Barbarez und Stefan Beinlich als kreative Spielgestalter sowie Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz als Abwehrchefs - mit sechs brillanten Kräften baute Doll seine eindrucksvolle Auswärtsbilanz auf 16 Punkte aus sieben Spielen aus, doch der HSV-Coach will noch mehr. «Die Euphorie ist jetzt groß, aber wir treten nicht auf die Bremse», kündigte Doll an, «wir sind auf dem Weg nach oben, und den wollen wir weiter gehen.» Für den «Club», seit fast zwölf Jahren ohne Sieg gegen den HSV, geht es wieder abwärts. «Ich freue mich auf die Partie bei Hertha, weil sie auswärts ist», stellte Trainer Wolfgang Wolf nach vier Heimspielen ohne Sieg ironisch fest, «aber irgendwann werden wir auch wieder zu Hause gewinnen. Das verspreche ich.»

Ohne die gesperrten Mario Cantaluppi und Sven Müller sowie den kurzfristig erkrankten Kapitän Tommy Larsen hatte Nürnberg gegen die in allen Mannschaftsteilen deutlich überlegenen, glänzend geordneten und routinierten Hamburger «absolut keine Chance», wie Wolf treffend analysierte. Ballverluste und zielloser Spielaufbau waren die Folge. Beim 0:1 ließ Andreas Wolf Takahara frei zum Schuss kommen, dem 0:2 ging ein Stellungsfehler von Tomasz Hajto voraus.

Den Kampfgeist des Gegners spürte der HSV erst nach dem Anschlusstor durch Robert Vittek (82.). Er war nach 20 Minuten für Markus Schroth gekommen, der wegen einer Adduktorenverletzung früh vom Feld musste und wohl länger ausfällt. Hamburg überstand die brenzlige Phase mit etwas Glück und dank Lauth, der vier Minuten nach seiner Einwechslung (83.) per Kopf auf der eigenen Torlinie Nürnbergs Ausgleich und womöglich noch Schlimmeres verhinderte. Als er auch noch das 3:1 erzielte, schloss Doll den lange verletzten Ex-Münchner endgültig ins Herz: «Das ist immer noch ein Märchen. Beieindruckend, wie er sich zurückkämpft», schärmte Doll über Lauth, der in drei Einsätzen als «Joker» drei Tore schoss.

Die größte Freude hatte Hamburgs Trainer aber an Takahara, der trotz «der Sturm-Granaten, die bei uns auf der Bank sitzen» Geduld bewiesen und an sich geglaubt habe: «Endlich ist bei ihm der Knoten geplatzt.» Der Nationalspieler hatte am Donnerstag erfahren, dass er den Vorzug vor dem formschwachen Emile Mpenza erhält. Dolls Auftrag, Tore zu machen, erledigte bravourös. «Das war eine gute Antwort auf die Kritik», berichtete der lange als Fehleinkauf abgestempelte Japaner. «Ich bin sportlich sehr zufrieden, denke nicht an Abschied und möchte gerne länger in Hamburg bleiben.» Zunächst ging es aber in die Heimat zum Länderspiel gegen Nordkorea.


 
 
sport1:Sechs-Personen-Stück in Franken

Normalerweise gehören zu einer Fußball-Aufführung 22 Akteure, das Schiedsrichtergespann, zwei Trainer und eine handvoll zweite Besetzungen für jedes Ensemble.
Die Partie, die in Nürnberg zwischen dem Club und dem Hamburger SV gespielt wurde, ließe sich leicht auf sechs Personen beschränken - die anderen waren nur dabei, weil das Drehbuch es vorschreibt - Statisten eben.

Hauptrolle: Naohiro Takahara
Den Oscar für die Hauptrolle ging an einen Japaner: Traumhaft, wie Naohiro Takahara immer wieder von Sergej Barbarez eingesetzt wurde. Das Resultat: zweiter Doppelpack des HSV-Stürmers in drei Jahren Bundesliga. Insgesamt hat er bis zum 20. Spieltag fünf Mal getroffen in dieser Saison. Für die selbe Anzahl von Toren hatte der Mann aus Fernost zuvor zwei Spielzeiten benötigt.
Artig die Dankesrede des 25-Jährigen: "Ich könnte vor Freude tanzen. Das ist mein schönster Tag beim HSV". 
Und Thomas Doll, der bei der Frage Takahara oder Lauth richtig entschieden hatte, lobt: "Ich freue mich besonders für Takahara, das zweite Tor war die Krönung für seine Top-Leistung", so der Übungsleiter.

Oscar für Regie: Sergej Barbarez
Seinen dritten Frühling erlebt zurzeit Barbarez. Und wenn er mal nicht Regie führte, versuchte er selbst in Richtung Nürnberger Tor zu marschieren. Wie schnell der 33-Jährige immer noch ist, zeigt die Tatsache, dass drei Mal die Fahne in die Höhe ging, als dem Ex-Dortmunder der Ball in den Lauf gespielt wurde.
Und drei mal lagen die Assistenten falsch - eine "reife" Leistung, wenn man bedenkt, dass Spielleiter Thorsten Kinhöfer nur drei Mal auf Abseits entschieden hat. Insgesamt aber eine gute Leistung des Unparteiischen, der mit einer leicht zu leitenden Partie wenig Mühe hatte. Möge er mit der Besetzung der Assistentenposten in Zukunft etwas mehr Glück haben.

Beste Nebenrolle: Benjamin Lauth
Der Oscar für die beste Nebenrolle geht an Benjamin Lauth. Zum dritten Mal wurde der Ex-"Löwe" eingewechselt, zum dritten Mal traf er. Addiert man seine Spielzeit in dieser Saison zusammen, hat Lauth einen "lupenreinen Hattrick" erziehlt - drei Tore in einer Halbzeit. 
Immerhin hat er 2004/05 gerade mal 45 Minuten gespielt. Und als ob das Tor nicht genug wäre: Sekunden vor seinem Treffer hatte der 23-Jährige, der erst in der 83. Minute eingewechselt worden war, noch für den bereits geschlagenen Martin Pieckenhagen auf der Linie geklärt.

Ebenfalls nominiert: Marcel Ketelaer
Nominiert für die beste Nebenrolle war auch Marcel Ketelaer. Der ehemalige Hamburger in Diensten des 1. FC Nürnberg war stärkster Spieler seines Teams. Mit ihm kam Leben ins Spiel und Nürnberg war drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen.
Die Heimschwäche der Clubberer ist in dieser Spielzeit nicht zu übersehen. Kein Wunder, dass man angesichts von vier erfolgreichen Vorstellungen in der Fremde lieber auswärts auftritt.

Goldene Zitrone: Wolfgang Wolf
Die "Goldene Zitrone" gewinnt Wolfgang Wolf. Zugegeben, dem Nürnberger Coach fehlten sechs Akteure wegen Verletzungen und Gelb-Sperren, aber warum er beim 0:2 eine halbe Stunde vor Schluss einen Offensiv-Mann (Stefan Kießling) für einen anderen (Markus Daun) brachte, bleibt ebenso Wolfs Geheimnis wie die späte Einwechslung seines besten Akteurs: Ketelaer.
"Ich kann die Niederlage verschmerzen, weil wir absolut keine Chance hatten", analysiert Wolf und verspricht eine ganz andere Vorstellung fürs nächste Spiel: "Ich freue mich auf das Spiel in Berlin, weil es auswärts ist. Irgendwann werden wir aber auch wieder zu Hause gewinnen. Das verspreche ich."
Heute fehlte einfach "die spielerische Klasse", kritisiert der Übungsleiter sein Ensemble.

Unauffällig, aber gut: Daniel van Buyten
Und dass zu einem guten Drehbuch auch Akteure gehören, die nicht im Mittelpunkt stehen, beweist die unauffälige aber effektive Vorstellung von Daniel van Buyten in seiner Rolle als Abwehrchef.
Kaum wurde die zentrale Figur in der Hamburger Defensive wegen einer Platzwunde am Spielfeldrand behandelt, wurde aus dem norddeutschen Abwehr-Bollwerk eine Schwimm-Oper. Nürnberg erzielte das 1:2 und setzte zu einer furiosen Schluss-Offensive an - ohne Erfolg.

HSV auf Europa-Tournee?
Auch wenn die Vorstellung des HSV keineswegs für "standing ovations" sorgte, so sind den Hanseaten nur noch einen Punkt von Auftritten auf europäischen Bühnen entfernt. Das Wort UEFA-Pokal wollte aber keiner der Verantwortlichen in den Mund nehmen.
Dem Club bleibt das Provinztheater und die Erkenntnis, dass man mit zehn Statisten nicht fürs große Fußball-Theater taugt, andererseits die Besetzung aber gut genug ist, um nicht durch die Arenen der Zweiten Liga tingeln zu müssen.
 

Daten: Warten auf einen Sieg gegen den HSV

Neue Auswärtsstärke
Der HSV feierte in nur sieben Auswärtsspielen unter Doll genauso viele Auswärtssiege wie in den vergangenen beiden Spielzeiten zusammen (fünf).

Lieblingsgegner 
Der HSV gewann zum fünften Mal in Folge gegen Nürnberg und ist seit fast zwölf Jahren gegen die Franken ungeschlagen.

Weiter im Aufwind
Der HSV gewann zwei Drittel der Spiele (acht von zwölf) unter Thomas Doll und gehört damit zu den drei erfolgreichsten Mannschaften seit Ende Oktober 2004.

Heimschwach
Der Club verlor erstmals in dieser Saison zwei Heimspiele hintereinander. Insgesamt gewann Nürnberg nur zwei von zehn Auftritten im Frankenstadion. Auswärts gab es dagegen bereits vier Siege.

Saisonrekord für die Katz
Die Franken versuchten ihr Glück permanent, doch lediglich ein Versuch landete im HSV-Gehäuse. Insgesamt gab Nürnberg gegen den HSV 25 Torschüsse ab und damit so viele wie in dieser Saison noch nicht zuvor. Genützt hat es allerdings nichts und das nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit. Dem HSV hingegen reichten neun Torschüsse für ihre drei Tore.

Lauths Traum geht weiter
In Sachen Effektivität zeigte sich der lange verletzten Benjamin Lauth erneut von seiner besten Seite. Der Angreifer kam zum dritten Mal in dieser Saison zu einem Kurzeinsatz und erzielte dabei sein drittes Saisontor. Für seine Treffer benötigte Lauth lediglich 40 Minuten und alle drei Torschüsse, die er für den HSV bisher abgab, landeten bislang im gegnerischen Netz. Überdies freute er sich über sein 25. Bundesligator.

Fels van Buyten
Er ist einfach der Chef beim HSV: Kapitän Daniel van Buyten wurde diesem Anspruch auch gegen Nürnberg wieder gerecht. Der Belgier räumte hinten in gewohnter Manier auf und gewann 70 Prozent seiner Zweikämpfe gegen die Clubberer ? damit war er einmal mehr der zweikampfstärkste Hamburger auf dem Platz. Kein Wunder, dass die Nürnberger ihren Treffer genau in dem Moment erzielten, als der Hüne aus der Innenverteidigung am Spielfeldrand verletzt behandelt wurde.

Goldene Entscheidung
Vor dem Spiel stand Trainer Doll vor der Qual der Wahl: Wen sollte er in der Spitze neben Sergej Barbarez nominieren? Die beiden Kandidaten überboten sich in der bisherigen Saison nicht gerade an Torgefährlichkeit. Sowohl Emile Mpenza und auch Naohiro Takahara hatten an den ersten 19. Spieltagen erst drei Mal getroffen. Doll entschied sich für den Japaner und lag goldrichtig. Takahara verwertete gleich seine ersten beiden Torschüsse und brachte den HSV so auf die Siegesstraße. Insgesamt hat der Mann aus Fernost nun schon fünf Tore auf dem Konto ? damit traf er in dieser Saison schon genauso oft wie in seinen ersten beiden Spielzeiten zuvor.