Bundesliga 2004/2005, 22. Spieltag, Samstag, 19.02.05 in der Hamburger AOL Arena

Hamburger SV - 1. FC Kaiserslautern 2:1 (1:1)

War was das denn heute ? Erstmal ging es sehr seltsam los, denn die Lauterer trumpften im Stile einer Heimmannschaft auf und begannen sehr konzentriert und entschlossen. Sie setzten uns sehr früh und geschickt unter Druck und verhinderten damit bei uns einen vernünftigen Spielaufbau. Hinzu kam, daß Barbarez und Beinlich entweder gut gedeckt wurden oder keinen guten Tag hatten. Jedenfalls lief über beide fast nix, obwohl sie sonst DIE Spielmacher beim HSV sind.

Leider wollte das Spiel des HSV zunächst auch nicht besser werden. Es sprangen zwar hier und da ein paar kleine Chancen heraus (von denen Jarolim nach tollem Dribbling im Strafraum die beste hatte), aber letztendlich war Lautern überzeugender und hatte auch die wesentlich besseren Chancen.

Man kann wirklich nur von Glück sprechen, daß uns trotzdem der Führungstreffer (im wahrsten Sinne des Wortes: ) “geglückt” ist. Danach sah es nämlich eigentlich nicht aus. Doch nach einem Freistoß von Beinlich (nach vorbildlichem Einsatz von Klingbeil) gelang uns der Führungstreffer durch einen Kopfball von Naohiro Takahara.

Danach hatten wir in einigen Szenen wirklich wieder Glück, als man es kaum noch glauben konnte, was die Lauterer so alles NICHT im Tor unterbringen. Man hätte sich wirklich nicht beschweren dürfen, wenn wir da den Ausgleich gefangen hätten.

Dann ist uns aber tatsächlich sogar auch noch das 2:0 gelungen. Nach einem schönen, abgefälschten Schuss von Daniel Van Buyten landete der Ball am Pfosten. Von dort prallte er allerdings zurück ins Feld und konnte von Almami Moreira im Tor untergebracht werden. Sehr schön! Allerdings muß ich doch zugeben, daß ich mich fast gar nicht so freuen konnte wie üblich, weil wir doch irgendwie nicht so gut im Spiel waren wie üblich. Dem objektiven Zuschauer dürften die Lauterer auch etwas Leid getan haben, denn ein 2:0-Rückstand, der auch in die Pause gebracht wurde, war sicherlich eher unverdient.

In der 2. Halbzeit wurde das Spiel des HSV dann Stück für Stück besser und Lautern hatte nun keine großchen Chancen mehr. Leider machte Paule Beinlich dann aber einen ganz dämlichen Anfängerfehler, indem er einen Ball anstatt nach Außen oder ins Aus zu klären, schön in die Mitte köpfte, wo sich ein Lauterer direkt mit dem Schuss zum Anschlußtreffer zum 1:2 bedankte.

Nun war also doch wieder Zittern angesagt. 

Ich muß sagen, daß sich das Zittern einigermaßen in Grenzen hielt, da Kaiserslautern nicht mehr an die tolle Anfangsphase des Spiels anknüpfen konnte. Ich kann mich jetzt auch nicht mehr an richtig gute Chancen oder Szenen der Lauterer erinnern. Und Pieckenhagen wurde m.E. auch nicht mehr zu Glanzparaden gezwungen. Trotzdem fürchtet man sich als leidgeplagter HSV-Fan ja immer sehr vor späten Gegentreffern.

Aber der fiel diesmal ja nicht mehr und so konnten wir das Spiel dann schließlich einigermaßen glücklich mit 2:1 gewinnen. Auch ein 3:1 wäre noch drin gewesen. “Natürlich” durch Benny-Bomber Lauth. Der wurde meiner Meinung nach erst viel zu spät in der 76. Minute eingewechselt und hatte dann noch ein 100 %ige Chance. Nachdem er den gegnerischen Abwehrspieler zunächst geil vernascht hat, lief er allein auf den herauslaufenden Torwart zu und schoß diesen leider an. Das er überhaupt dort hingekommen war, was toll und das hätte auch nicht jeder geschafft. Da er dann so weit war, hätte er den Ball allerdings auch versenken müssen.

Ein klein wenig betrübt bin ich höchstens ob der Tatsache, daß leider die anderen Mannschaften im 1. Tabellendrittel heute auch alle gewonnen haben. Aber morgen kann zumindest noch etwas für uns getan werden. Die nächsten Spiele sind auch wieder sehr wichtig, denn es warten nun auswärts Berlin und danach zu Hause die Leverkusener. Beide Mannschaften mischen auch im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz mit.

Meine Spielerbewertung:

Pieckenhagen: Sah beim Gegentor schuldlos aus und hatte in der 1. Halbzeit einige gute Szenen. In der 2. Halbzeit kaum geprüft: Note 3

Klingbeil: Nach vorne ging heute leider wieder gar nichts, aber nach hinten war er gewohnt aufmerksam und sicher: Note 3

Schlicke: War defensiv nicht sehr gefordert und brachte sich im Vorwärtsgang für meinen Geschmack viel zu schlecht ein: Note 4

Boulahrouz: Ich mag ihn wirklich gern, aber heute hatte er einen wirklich schlechten Tag. In der 1. Halbzeit hatte er schon mal Glück, daß einer seiner Aussetzer nicht zum Gegentor führte. Auch ansonsten heute super ballunsicher und mit Querschlägern und anderen Missgeschicken. Note 5

Van Buyten: “Dan the Van” war auch heute wieder ganz große Klasse. Für mich der beste Hamburger auf dem Platz. Räumte defensiv wieder sehr gut ab und schaltet sich dann auch noch immer wieder toll in die Offensive ein. Toll!. Note 2+

Wicky: wirkte heute sehr “fahrig” auf mich. Er gewann längst nicht so viele Zweikämpfe wie sonst und konnte sich auch offensiv nicht ordentlich einschalten: Note 4

Beinlich: Auch er war heute deutlich schlechter als sonst. Eine schöne Torvorlage für uns und leider auch eine für den Gegner: Note 4+

Jarolim: Mahdavikia mußte zurück auf die Bank; Moreira spielte hinter den Spitzen und Jarolim rückte somit auf seine alte Position nach rechts. Es dauerte eine ganze Zeit, bis er richtig ins Spiel fand. Zeigte aber eine ordentliche Leistung: Note 3

Moreira: Auch wenn er es heute geschafft hat, ein Tor zu schießen. Er setzt mir viel zu wenig Akzente und liegt nach jedem Zweikampf am Boden. Für mich ist das zu wenig. Ich würde mir wünschen, daß Barbarez seine Position einnimmt und Benny Lauth demnächst beginnt. Note 4

Barbarez: ganz lange Zeit total blass in diesem Spiel. In der 2. Halbzeit konnte er dann zumindest einige Male den Ball in vorderster Front erobern und somit Chancen einleiten: Note 4+

Takahara: Heute fiel mir sein Laufen für die Mannschaft gar nicht so sehr auf wie sonst, aber heute hat er sich ja auch selbst mal belohnt mit einem Treffer. Schön: Note 3

Schiri: Den jungen Mann kannte ich gar nicht und habe seinen Namen auch direkt wieder vergessen.... Er leitete ganz ordentlich. Ich glaube, es gab aber auch nicht viele spielentscheidende Szenen, in denen er viel falsch hätte machen können. Note 3

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: Hamburger SV -  1. FC Kaiserslautern  2:1 (2:0) 
 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Pieckenhagen - Schlicke, Boulahrouz, van Buyten, Klingbeil - Wicky - Jarolim, Beinlich - Moreira - Barbarez, Takahara - Trainer: Doll

1. FC Kaiserslautern:  T. Ernst - Lembi, Hertzsch, Wenzel, Blank - Sforza, Engelhardt - Riedl, Seitz - Halil Altintop, Amanatidis - Trainer: Jara

Tore:   1:0 Takahara (29., Kopfball, Vorarbeit Beinlich), 2:0 Moreira (40., Rechtsschuss, van Buyten), 2:1 Halil Altintop (52., Rechtsschuss)

Eingewechselt:   75. Lauth für Moreira, 84. Benjamin für Jarolim, 89. B. Reinhardt für Takahara - 60. Jancker für Amanatidis, 72. Kosowski für Sforza, 82. Teber für Seitz

Schiedsrichter:  Brych, Dr. 

Zuschauer:  50916

Gelbe Karten:  Jarolim, Beinlich - Seitz, Lembi

Spielbericht
HSV-Trainer Thomas Doll veränderte seine Anfangsformation im Vergleich zum 2:1-Heimerfolg gegen Stuttgart in der Vorwoche auf zwei Positionen. Im Mittelfeld kamen Wicky und Moreira für Benjamin und Mahdavikia in die Mannschaft. 

Ein Wechsel in der Startelf beim sieben Mal in Folge ungeschlagenen FCK nach dem 2:1-Sieg gegen Schlusslicht Rostock: Für Grammozis brachte Lauterns Coach Kurt Jara Riedl.

Die Pfälzer erwischten den besseren Start, verpassten es aber, die guten Torgelegenheiten von Seitz, Amanatidis und Halil Altintop zu nutzen. Nach gut zehn Minuten kamen die Hanseaten besser in die Partie und übernahmen die Initiative. Jarolim hatte die erste Chance für die Doll-Schützlinge, doch Kaiserslautern blieb bei Kontern gefährlich. Nach knapp einer halben Stunde nutzte Takahara die erste hochkarätige Möglichkeit für Hamburg gleich zur Führung. Der Japaner verwandelte eine Freistoßhereingabe von Beinlich von der linken Seite wuchtig zur Führung (29.). Die Pfälzer antworteten mit wütenden Angriffen, vergaben jedoch auch die besten Gelegenheiten. Hinzu kam auch Pech, denn Halil Altintops Schuss aus kurzer Distanz prallte von der Unterkante der Latte wieder zurück ins Feld. Mehr Glück hatten die Hanseaten. Ein leicht abgefälschter Distanzschuss von van Buyten prallte vom linken Pfosten vor die Füße von Moreira, der nur noch abstauben musste. Nach einer gutklassigen ersten Hälfte war die HSV-Führung um zumindest einen Treffer zu hoch. Zwar hatten die Hamburger mehr Spielanteile, doch besaßen die Pfälzer wesentlich mehr klare Einschusschancen, die jedoch allesamt vergeben wurden. 

Umgekehrtes Bild im Vergleich zur ersten Hälfte in der Anfangsphase des zweiten Abschnitts. Die Hanseaten kamen wacher aus der Pause, aber vergaben gute Chancen zur Vorentscheidung durch Takahara und van Buyten. Und diesmal waren es die Pfälzer, die die schlechte Chancenverwertung ihrer Gegner bestraften. Beinlich wehrte in der Folge einer Standardsituation zu kurz ab und Halil Altintop bedankte sich mit einem satten Schuss ins linke Eck zum Anschlusstreffer (52.). Die bis dahin abwechslungsreiche Partie verflachte danach ein wenig. Statt spielerischen Glanzpunkten nahmen nun Einsatz und Härte zu. Die Hamburger hatten weiterhin mehr Spielanteile, konnten jedoch gegen die nun aggressivere Deckung des FCK kaum mehr Gelegenheiten herausarbeiten. Ebenso die Pfälzer: Gegen die im Vergleich zur ersten Hälfte deutlich sicherer stehende Abwehr der Hanseaten kamen die Pfälzer kaum mehr zu Schussmöglichkeiten. So gelang es den Norddeutschen den knappen Vorsprung souverän zu verwalten. 

Der Hamburger SV beendet die sieben Spiele währende Serie ohne Niederlage der Lauterer. War die Pausenführung für die Hanseaten noch etwas schmeichelhaft, da der FCK ein Chancenplus zu verzeichnen hatte, war der Erfolg des HSV am Ende verdient. Denn in der zweiten Hälfte erzeugten die Pfälzer nach dem Anschlusstreffer kaum einmal Gefahr. 
 

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 
 
88 Lauth setzt sich gegen Wenzel durch und zieht allein Richtung Tor, doch Ernst rettet in höchster Not. Nach der anschließenden Ecke schießt Beinlich nur knapp über das Tor. 
 
82 Engelhardt verzieht aus circa 18 Metern mit dem schwächeren rechten Fuß deutlich. 
 
74 Aus halbrechter Position kommt Jarolim zum Schuss. Doch Ernst, dem das Leder beinahe durch die Arme gerutscht wäre, hält mit Glück und Geschick. 
 
66 Die Partie hat an Spielkultur verloren, dafür geht es in der AOL-Arena nun etwas rustikaler zur Sache. 
 
52
 Verdienter Anschluss für den FCK! Beinlich köpft den Ball aus dem Fünfmeterraum genau vor die Füße von Halil Altintop, der sofort abzieht und perfekt in die linke Ecke trifft. 
 
50 Nach einer Ecke von Beinlich kann Riedl einen Kopfball von van Buyten gerade noch vor der Torlinie abwehren. 
 
47 Takahara nimmt eine Kopfballvorlage von Barbarez geschickt an und zieht aus zentraler Position vor dem FCK-Strafraum sofort ab. Sein Schuss streicht nur knapp ab am rechten Pfosten vorbei. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
42 Kurz nach seinem Treffer ist Moreira auch vor dem eigenen Tor präsent. Der Portugiese kratzt einen Kopfball von Lembi von der Linie. 
 
40
 Die Hanseaten erhöhen! Ein leicht abgefälschter Distanzschuss von van Buyten prallt vom linken Innenpfosten zurück. Moreira reagiert am schnellsten und vollendet mit rechts ins leere Gehäuse. 
 
38 Pech für Barbarez: Der Bosnier läuft Hertzsch davon, doch allein vor Ernst verspringt dem Routinier der Ball. 
 
34 Gleich zwei Riesenchancen für Lautern: Erst trifft Halil Altintop nach einer Ecke nur die Unterkante der Latte. Kurze Zeit später verzieht Blank aus kurzer Distanz ganz knapp. 
 
33 Glanztat von Pieckenhagen: Nach Freistoß von der linken Seite von Seitz zwingt Amanatidis den HSV-Keeper per Kopf zu einer Parade. 
 
29
 Führung für den HSV!! Beinlich tritt einen Freistoß von der linken Seite Nahe der Torauslinie scharf Richtung kurzen Pfosten. Dort kann sich Takahara lösen und mit einem wuchtigen Kopfball sehenswert einnetzen. 
 
26 Heber über die tief stehende FCK-Abwehr, doch Jarolim kommt circa sieben Meter allein vor Ernst einen Schritt zu spät. 
 
20 Konter der Lauterer: Halil Altintop passt mit dem Außenrist in die Mitte. Klingbeil ist schneller als Amanatidis und bugisert das Leder nicht ungefährlich knapp über das eigene Gehäuse. 
 
17 Jarolim kann sich im Strafraum des FCK durchsetzen und zieht mit links ab. Doch Keeper Ernst hat aufgepasst und entschärft gekonnt. 
 
13 Der HSV hat die erste Drangperiode der Pfälzer überstanden und ist nun um konstruktiven Spielaufbau bemüht. Der FCK agiert bislang clever und lauert auf Konter. 
 
5 Amanatidis lässt am Strafraumrand wunderbar mit der Brust für Halil Altintop abtropfen. Der Deutsch-Türke zieht sofort ab und verfehlt das linke Toreck nur um wenige Zentimeter. 
 
3 Seitz kommt in halblinker Position im Strafraum an den Ball, zieht ab und verfehlt nur knapp. Kurz darauf köpft Amanatidis nach einer Ecke nur knapp über das Tor. 
 
1 Zwei Änderungen bei den Hanseaten im Vergleich zum Erfolg gegen Stuttgart. Wicky und Moreira spielen für Benjamin und Mahdavikia. Auch Lautern mit einem Wechsel: Riedl steht für Grammozis in der Startelf. 
 
Anpfiff 


 
 
dpa: HSV mit viertem Sieg in Serie - 2:1 gegen FCK

Von Christian Kunz, dpa

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat seinen Siegeszug in der Fußball-Bundesliga fortgesetzt und den Höhenflug des 1. FC Kaiserslautern gestoppt. 

Die Mannschaft von Trainer Thomas Doll landete vor 50 916 Zuschauern in der AOL-Arena in Hamburg mit dem 2:1 (2:0) gegen die Pfälzer ihren vierten Sieg in Serie. Damit stehen die Norddeutschen zumindest für einen Tag und zum ersten Mal in dieser Saison auf dem erträumten UEFA-Cup-Platz. Naohiro Takahara (28. Minute) und Almami Moreira (40.) waren die Torschützen für den HSV, der nur phasenweise überzeugen konnte. Für die selbstbewusst auftretenden Pfälzer, die zum ersten Mal nach sieben Spielen ohne Niederlage wieder verloren, traf Halil Altintop (52.).

«Ein absolutes Kompliment an beide Mannschaften. Das macht Spaß, so Fußball zu sehen», sagte Kaiserslauterns Trainer Kurt Jara nach der Niederlage an seiner alten Wirkungsstätte. Sein Gegenüber Thomas Doll, der unter Jara noch die Amateure des HSV trainiert hatte, lobte den disziplinierten Auftritt seines Teams. «Man muss Geduld haben und darf nicht auf Teufel heraus stürmen», meinte Doll.

Im 82. Bundesliga-Duell der beiden Vereine, keine andere Paarung gab es in der Liga häufiger, waren die Gäste zunächst besser. Kaiserslautern präsentierte sich als beste Rückrunden-Mannschaft sehr forsch und hatte durch einen Kopfball von Ioannis Amanatidis (4.) und einen 18-Meter-Schuss von Altintop (5.) gleich zwei gute Chancen. Nach dem starken Beginn ließen die Angriffsbemühungen der Jara-Truppe nach. Erst nach dem 0:1 war der FCK wieder druckvoller: Amanatidis (33.) und Altintop (33.) mit einem satten Lattenschuss verpassten den Ausgleich. «Wir haben die Chancen nicht genutzt, sonst ein hervorragendes Spiel gemacht», sagte Jara.

Der HSV konnte dagegen nicht an die gute Leistung vom 2:1-Sieg über den VfB Stuttgart in der Vorwoche anknüpfen. Die Mannschaft von Doll, der vor 15 Jahren gegen die «Roten Teufel» sein Bundesliga- Debüt gegeben hatte, leistete sich zunächst viele Abspielfehler und fand nur langsam zu ihrem Spiel. Der Schweizer Raphael Wicky, nach überstandenen Zahnproblemen wieder dabei, brachte die notwendige Ruhe in das Aufbauspiel der Hanseaten.

In der Defensive waren die Norddeutschen bei einigen Ecken und Freistößen der Gäste unsicher. «Bei Standardsituation haben wir Probleme gehabt», erklärte Doll. Im Angriff war seine Elf dagegen sehr abgeklärt. Einen Freistoß von Stefan Beinlich (28.), der fast alle Standardsituationen der Hamburger ausführte, köpfte Takahara gegen die in dieser Szene schläfrig wirkende FCK-Hintermannschaft zum 1:0 ein. Auch beim 2:0 waren die Hamburger wacher. Nach einem Pfostenschuss von Daniel van Buyten staubte der für Mehdi Mahdavikia gekommene Almami Moreira mit seiner ersten guten Aktion ab (40.).

Auch nach dem Seitenwechsel hatten die Pfälzer den besseren Start und wurden für ihr Engagement endlich belohnt. Nach einer schlechten Kopfball-Abwehr von Beinlich traf Altintop aus 16 Metern zum verdienten 1:2. Danach plätscherte das Spiel lange vor sich hin. Hamburg beschränkte sich darauf, das Ergebnis zu verwalten, Kaiserslautern, bei dem der eingewechselte Carsten Jancker für Belebung sorgte, konnte sich nicht mehr zwingend in Szene setzen. Auch die spannende Schlussphase brachten die Hanseaten unbeschadet über die Zeit.


 
 
sport1: Der HSV und die "Doll-Tabelle"

Hamburg - Tabellenführung! Jedenfalls am Samstagabend, und egal auch, dass Schalke am Sonntag noch die Chance zum 
Überhol-Manöver hatte - die Anhänger des Hamburger SV genießen das Glück des Augenblicks und rechnen am liebsten nur noch nach der "Doll-Tabelle". 
Darin werden nur die Spiele gewertet, nachdem Trainer Thomas Doll am 19. Oktober das Team auf Platz 18 vom glücklosen Klaus Toppmöller als Schlusslicht übernommen hat. 
Am Tag des 2:1 (2:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern war der HSV mit 31 Punkten aus 14 Partien der Primus in dieser Spezialwertung.

Weiter nach vorne
Doch auch im "richtigen Leben" haben sich die Norddeutschen nun nach vorne gearbeitet und als ernsthafter Anwärter auf die Uefa-Cup-Plätze angemeldet. 
Auch wenn Doll davon weiterhin nichts wissen will: "Ich bin in meinem Leben immer gut damit gefahren, nur auf das nächste Spiel zu gucken und keine Hochrechnungen anzustellen." 

Euphorie schwer zu stoppen
Dennoch wird der Ex-Nationalspieler die beginnende Euphorie nur schwer stoppen können. Vier Punkte nur noch beträgt der Rückstand auf Platz drei, und vier Siege in Folge feierte der HSV schließlich zuletzt vor fünf Jahren - da stand am Ende die Champions-League-Teilnahme.
Führungsspieler Sergej Barbarez meldete nach dem glücklichen Erfolg über die Pfälzer denn auch schon einmal internationale Ambitionen an: "Ich habe immer gesagt, dass wir in den Europacup wollen."

"Gute Teams haben Glück"
So, wie es im Augenblick läuft, scheint das keine Illusion mehr. Die Hamburger haben nämlich zur Zeit neben dem gewonnenen Selbstvertrauen und spielerischen Können auch Fortuna auf ihrer Seite. 
"In der Hinrunde hätten wir dieses Spiel noch verloren", sagte Kapitän Daniel van Buyten. "Jetzt hatten wir auch Glück, aber so ist das eben - gute Teams haben Glück."

Altintop trifft nur die Latte
Tatsächlich halfen eine Woche nach dem nicht gegebenen Elfmeter im Spiel gegen den VfB Stuttgart im Duell mit dem FCK die Latte nach einem Schuss von Halil Altintop (33.), die schwache Chancenauswertung der Gäste und vor dem 1:0 durch Naohiro Takahara (29.) ein zweifelhafter Freistoß. 
Sie haben sich schwer getan, aber letztlich stand eben wieder ein "Dreier". 

FCK-Höhenflug gestoppt
Kaiserslauterns Höhenflug ist damit nach zehn Spielen ohne Niederlage gestoppt, der Angriff der zuvor besten Rückrundenmannschaft auf die Spitzengruppe ist ins Stocken geraten. 
Dennoch war Trainer Kurt Jara nicht unzufrieden: "Wir haben zu viele Chancen ausgelassen, ansonsten haben wir ein hervorragendes Spiel gemacht. Das hätte ich meiner Mannschaft so gar nicht zugetraut", meinte der Österreicher: `Wir müssen jetzt das Positive mitnehmen, wir haben gesehen, wozu wir in der Lage sind."

Jancker für Amanatidis
Schon in den ersten fünf Minuten hatte seine Mannschaft drei hervorragende Einschussgelegenheiten. Doch nur beim 1:2 durch Halil Altintop (52.) fand der Ball den Weg ins Hamburger Tor. 
Klare Ausgleichchancen gab es danach aber nicht mehr und den Mut zum letzten Risiko brachte Jara nicht auf. Sonst hätte er nicht nach einer Stunde den starken Ioannis Amanatidis gegen Carsten Jancker ausgetauscht, sondern einen Defensivspieler für den Stürmer aus der Partie genommen. Große Probleme hatten die Gastgeber danach nicht mehr.

Schwere Aufgaben warten auf den HSV
Doll hatte dagegen wieder alles richtig gemacht. Nach starken Trainingsleistungen brachte er erstmals in der Rückrunde Almani Moreira auf der Spielmacher-Position, und der kleine Portugiese dankte es mit seiner besten Leistung im HSV-Trikot und dem Tor zum 2:0 (40.). 
"Ich bin jetzt ein sehr glücklicher Mensch", sagte der von Standard Lüttich ausgeliehene Mittelfeldspieler, über dessen endgültige Verpflichtung der HSV bis April entscheiden muss. 
"Aber wichtig ist, dass ich nächste Woche auch wieder spiele und die Mannschaft weiter gewinnt." Hertha BSC Berlin und Bayer Leverkusen sind die nächsten Aufgaben für Hamburg. Danach werden die HSV-Fans noch genauer wissen, wo ihre Mannschaft steht - nicht nur in der "Doll-Tabelle".

Daten: Glücklicher HSV-Sieg:
 
Kurs Champions League
Der HSV hat die letzten vier Spiele gewonnen - das schaffte der HSV zuletzt in der Saison 99/00. Am Ende der Spielzeit wurde der HSV damals Dritter. 

Standardergebnis
Der HSV gewann alle drei Heimspiele nach der Winterpause mit 2:1. 

Höhenflug gestoppt 
Der FCK kassierte die erste Niederlage seit Mitte November. Damit endete eine Serie von sieben ungeschlagenen Spielen.

Freistoßspezialisten 
Zum zehnten Mal war der HSV nach einem Freistoßsituation erfolgreich - Ligahöchstwert.

Glückliche Hamburger
Mit dem zweiten Torschuss erzielte der HSV die 1:0-Führung. Da waren allerdings schon 29. Minuten gespielt und die Pfälzer hatten schon sieben mal geschossen (darunter ein Lattentreffer). Trotz der deutlich höheren Spielanteile (61 Prozent) ein glücklicher Erfolg des HSV 

Bärenstarker Belgier
Schon seit Wochen präsentiert sich Daniel van Buyten in überragender Form und der Hüne aus Belgien war auch gegen den FCK wieder bester HSVer. Die Pfälzer Angreifer prallten regelmäßig am Kapitän ab, so verlor Halil Altintop alle zehn Zweikämpfe gegen den 1,96-Mann. Erzielte van Buyten letzten Spieltag noch den Siegtreffer gegen Stuttgart, sorgte diesmal sein Pfostenschuss zur Entscheidung durch Moreira - auch in Offensive ist der torgefährliche Belgier momentan kaum zu ersetzen.
  
Nutzlose Wechsel
Mit den eingewechselten Jancker, Kosowski und Teber wollte Trainer Jara die Niederlage verhindern, was völlig daneben ging - keiner der drei war an einem Torschuss beteiligt.

Lauths Fehlschüsse 
In seinem fünften Spiel für den HSV gab Lauth seine Torschüsse vier und fünf ab - erstmals nicht vom Erfolg gekrönt.