Bundesliga 2004/2005, 23. Spieltag, Samstag, 26.02.05 im Berliner Olympiastadion

Hertha BSC Berlin - Hamburger SV 4:1 (3:0)

So ein Gefühl hatte ich meiner einer Niederlage glaube ich fast noch nie. Ich habe das Spiel auf premiere bei einem Freund gesehen und muß sagen, dass ich mich wirklich absolut nicht erinnern kann, mich bei einer Niederlage mal so gefreut zu haben.

Nicht, weil wir verloren haben natürlich, sondern einfach über das Spiel unserer Jungs. Ich konnte absolut kein Sauer-Sein oder Wut, trauer o.ä. entwickeln.

Ich glaube, bisher keine HSV-Niederlage gesehen zu haben, bei dem mir das Spiel des HSV so gut gefallen hat. Ich weiß nicht, ob ich das im Stadion anders erlebt hätte, aber so konnte man einfach nur an der Gerechtigkeit im Fußball zweifeln und sich ansonsten über das großartige Spiel des HSV freuen. 

Natürlich war nicht alles toll. Die persönlichen Fehler, die zu allen VIER Gegentoren geführt haben, dürfen natürlich keinesfalls vorkommen. Aber ansonsten haben unsere Jungs einfach eine fantastische Moral bewiesen. 

Wie sie nach dem Rückstand von 0:2 und 0:3 weiter gespielt haben, fand ich schon sehr stark. Natürlich war es beschissen, dass wir den Elfer nicht verwandelt haben, denn das hätte uns früher den Anschlusstreffer beschehrt und vielleicht wäre es dann noch anders gelaufen. Ebenso bescheuert natürlich, dass uns vermutlich ein Treffer in der 1. Halbzeit nicht anerkannt wurde, weil der Schiri den Kopfball Benjamins nicht hinter der Linie sah. Ich gehe mal davon aus, dass der Ball hinter der Linie war. Auch wenn die Kameraeinstellung nicht 100%igen Aufschluß darüber gab, so liegt beim Winkel des Kamera und der Tatsache, dass man den Ball fast vollständig hinter dem Pfosten sah, die starke Vermutung nah, dass der Ball drin gewesen sein dürfte.

Beim Elfer für uns hatte ich übrigens direkt Angst. Ich sagte zu meinen beiden Leidensgenossen, dass wir nun ja den Anschlusstreffer erzielen würden, wenn Barbarez nicht wieder das Gebälg trifft. Michael meinte, er könne doch auch rüber schießen. Aber ich sagte ihm: Nee, wenn er nicht Pfosten oder Latte trifft, ist er drin. Daneben schießt er nicht. 

Dazu muß man allerdings ja auch kein Orakel befragen, sondern sich einfach mal die letzten Elfer von Barbarez ansehen. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden in der Bundesliga gibt, der so hoher Wahrscheinlichkeit mit seinen Elfern an Pfosten oder Latte scheitert.

Jedenfalls hat der HSV es immer weiter versucht und letztendlich hat Barbarez dann doch noch den Anschlusstreffer per Kopf erzielt. Nur nütze das nur wenig, weil die Herthaner dann natürlich gleich wieder nach einem individuellen Fehler das 4:1 erzielten.

Ich fand es aber trotzdem unglaublich, dass unsere Jungs dann immer noch nicht aufgegeben haben, sondern bis zur letzten Minute weiter alles versuchten. Und das eben bei drei Toren Rückstand. Da kann ich wirklich nur sagen : Chapeau!

Ganz große Klasse! Mir hat das Spiel trotz der Niederlage gut gefallen und auch eigentlich fast alle Spieler (wenn ich mir die brutalen Fehler wegdenke).

Eine Einzelbewertung will ich wie immer nicht vornehmen, wenn ich das Spiel nur auf premiere gesehen habe. Pieckenhagen war offensichtlich nicht gerade mit einem großen Tag gesegnet. Mit seinem katastrophalen Fehler hat er die Niederlage eingeleitet. Im Gegensatz zu den anderen bekam er aber kaum die Chance, seinen Fehler durch andere gute Aktionen wieder wettzumachen. 
Ansonsten fand ich eigentlich alle gut. Sie haben eine tolle Moral bewiesen. Im Grunde genommen müsste die Mannschaft trotz der Niederlage sogar noch Positives aus dem Spiel ziehen. Ich mache das zumindest.

Mich wollten nach dem Spiel schon verschiedene Leute mit der Niederlage aufziehen. Das gelingt sonst schon kaum, aber diesmal wirklich gar nicht. Ich sagte dann mehrfach, dass ich mich wünschen würde, dass der HSV immer so verliert (wenn er denn verliert).

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: Hertha BSC -  Hamburger SV  4:1 (3:0) 

Allgemeine Informationen
Hertha BSC:  Fiedler - A. Friedrich, van Burik, Simunic - N. Kovac - T. Marx, Gilberto - Bastürk - Reina, Marcelinho, Wichniarek - Trainer: Götz

Hamburger SV:  Pieckenhagen - Schlicke, Boulahrouz, van Buyten, Klingbeil - Wicky - Jarolim, Beinlich - Moreira - Barbarez, Takahara - Trainer: Doll

Tore:   1:0 Reina (4., Rechtsschuss, Vorarbeit Marcelinho), 2:0 Gilberto (16., Rechtsschuss, Marcelinho), 3:0 Marcelinho (31., Linksschuss, Bastürk), 3:1 Barbarez (78., Kopfball, Beinlich), 4:1 Gilberto (81., Rechtsschuss)

Eingewechselt:   46. Fathi für Wichniarek, 66. Dardai für Reina, 81. Madlung für T. Marx - 36. Benjamin für Wicky, 46. Lauth für Moreira, 52. Mahdavikia für Klingbeil

Schiedsrichter:  Kinhöfer 

Zuschauer:  40399

Rote Karten:  Bastürk (62., Handspiel)

Gelbe Karten:  Simunic - van Buyten, Klingbeil, Boulahrouz, Mahdavikia

Bes. Vorkommnisse:  Barbarez schießt Handelfmeter an den Pfosten (63.)

Spielbericht
Nach der 0:1-Niederlage in Stuttgart nahm Herthas Coach Falko Götz mit Fathi einen Abwehrspieler raus und brachte dafür Offensivmann Reina. Zudem kehrte Friedrich nach seiner abgesessenen Gelb-Sperre wieder zurück, Schröder hatte das Nachsehen. 

HSV-Trainer Thomas Doll sah nach dem 2:1-Erfolg gegen den FCK keinen Grund seine erfolgreiche Elf zu verändern.

Im Duell des Sechsten gegen den Siebten ging es um den Anschluss an die internationalen Plätze. Unter diesen Vorzeichen fing die Partie hektisch an: Eine Gruppenbildung in der 3. Minute beendete Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit zwei Gelben Karten und Freistoß für Berlin. Marcelinho schnappte sich die Kugel und nahm Maß. Den flachen 25-Meter-Schuss ließ Pieckenhagen abklatschen, Reina reagierte am schnellsten und staubte zum 1:0 ab (4.).

Der HSV war trotz des frühen Rückstandes nicht geschockt. Im Mittelfeld kombinierten die Hanseaten gefällig und setzten die Hertha unter Druck. Doch außer ein paar Halbchancen ergab sich gegen die beste Abwehr der Liga nichts. Die Berliner reagierten clever auf das HSV-Spiel: Sie zogen sich zwar ein Stück weit zurück, setzten aber immer wieder schnelle gefährliche Angriffe bei Ballverlust der Hamburger im Mittelfeld. So nutzten die Hausherren einen solchen zum zweiten Treffer: Marcelinho bediente nach dem Ballgewinn Gilberto, der van Buyten und Boulahrouz düpierte und aus zwölf Metern Pieckenhagen mit einem Schuss durch die Beine überwandt (17.).

Auch danach änderte sich nichts: Die Hamburger hatten weitaus mehr Feldanteile, bissen sich aber am Abwehrbeton der Gastgeber fest. Bei den Berlinern klappte an diesem verschneiten Nachmittag alles. Einen Konter verwerteten die Berliner souverän: Reina bediente Bastürk, der Klingbeil stehen ließ und schoss. Pieckenhagen wehrte kurz zu Marcelinho ab, der van Buyten "nass" machte und ins leere Tor einschob (31.).

Mit der Macht der Verzweiflung drängten die Hamburger auf den Anschlusstreffer. Der eingewechselte Benjamin war mit seinem Kopfball aus vier Metern nahe dran, Fiedler klärte noch mit den Fäusten. Strittig war, ob der Ball die Linie überquerte, doch Schiedsrichter Kinhöfer entschied auf kein Tor. So rettete die an Effizienz nicht zu übertreffende Hertha-Mannschaft den Drei-Tore-Vorsprung in die Pause.

Nach dem Wechsel kam auf beiden Seiten je eine neue Kraft. Beim HSV sollte Joker Lauth neuen Druck entfachen. Herthas Trainer Falko Götz nahm mit Wichniarek die einzige Spitze raus und brachte mit Fathi einen Verteidiger. Das zeigte die taktische Marschrute für Durchgang zwei: Keine Torchance zulassen. Dieses Konzept ging auf, den Hanseaten fehlte die zündende Idee, der letzte Pass erreichte fast nie seinen Adressaten. So plätscherte die Partie ohne große Höhepunkte vor sich hin bis zur 62. Minute: Einen Kopfball von Boulahrouz klärte Bastürk mit der Hand auf der Linie. Schiedsrichter Kinhöfer entschied folgerichtig auf Rot und Handelfmeter. Barbarez trat an und schoss gegen den Pfosten. Das Tor blieb für den HSV wie vernagelt.

Auch gegen zehn Mann ließ die Doll-Elf den Ball um den Strafraum der Hauptstädter zirkulieren, aber nur Takahara (69.) und Lauth (74.) konnten mit ihren Schüssen Akzente setzen. In der 78. Minute klappte es dann doch: Beinlich flankte von der rechten Seite maßgerecht auf den heranstürmenden Barbarez an den Fünfmeterraum. Der Bosnier war vor Fiedler am Ball und köpfte ins leere Tor ein. Die Hamburger vermiesten sich selbst die Freude über den Anschlusstreffer mit einem individuellen Fehler: Beinlich spielte einen Pass am eigenen Strafraum zu ungenau. Gilberto fing das Leder ab, lief ein paar Meter Richtung Tor und schoss. Der Ball flog vorbei an Pieckenhagen gegen den Innenpfosten und ins Tor (81.). Damit war die Vorentscheidung gefallen. Trotzdem spielte der HSV emsig bemüht weiter. Sympotmatisch war die Szene aus der 87.Minute: Benjamin köpfte gegen die Latte, den Abpraller köpfte Lauth wiederum zurück, doch Fiedler reagierte reflexartig. Damit blieb es beim 4:1.

Unterm Strich sahen die 40.399 Zuschauer ein gutes und abwechslungsreiches Fußballspiel. Kurios: Der HSV war über weite Strecken optisch überlegen und verliert trotzdem so deutlich. Es fehlte die Durchschlagskraft. Der Unterschied lag in der Chancenauswertung, denn Hertha bestrafte fast jeden Fehler mit einem Tor und siegt damit verdient, wenn auch etwas zu hoch.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
87 Unglaublich! Wieder kein Tor für den HSV. Benjamin köpft gegen die Latte, der Ball springt zurück zu Lauth, der wiederum köpft. Fiedler pariert reflexartig und faustet den Ball weg. 
 
81
 Die Vorentscheidung! Beinlich spielt einen Pass am eigenen Strafraum zu ungenau. Gilberto fängt das Leder ab, läuft ein paar Meter Richtung Tor und schießt. Das Leder fliegt vorbei an Pieckenhagen gegen den Innenpfosten und ins Tor. 
 
78
 3:1! Der Anschlusstreffer für den HSV. Beinlich flankt von der rechten Seite maßgerecht für den heranstürmenden Barbarez an den Fünfmeterraum. Der Bosnier ist vor Fiedler am Ball und köpft ins leere Tor ein. 
 
74 Jarolim passt von der linken Seite nach innen zu Lauth. Der Stürmer nimmt das Leder aus 13 Metern direkt. Fiedler reagiert klasse und hat das Leder sicher. 
 
69 Takahara bekommt den Ball in den Lauf. Der Japaner schießt direkt aus 15 Metern. Das Leder fliegt einen Meter am Tor vorbei. 
 
63
 Barbarez tritt an den Punkt und schießt. Fiedler taucht in die falsche Ecke ab, aber der Ball klatscht an den Pfosten und von da aus dem Gefahrenbereich. 
 
62
 Den anschließenden Eckball tritt Beinlich gefährlich vor das Tor. Boulahrouz köpft und Bastürk verhindert das Tor auf der Linie mit absichtlichem Handspiel. Schiedsrichter Kinhöfer entscheidet folgerichtig auf Rot und Elfmeter. 
 
61 Beinlich schießt einen Freistoß aus 20 Metern. Der Ball bleibt an der Mauer hängen und fliegt zur Ecke. 
 
47 Die erste Chance für Lauth in diesem Spiel. Der Ex-Münchner will den Ball per Drop-Kick Richtung Tor befördern, doch der Stürmer erwischt das Leder nicht richtig. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
40 Riesenchance für die Gäste. Barbarez legt für den eingewechselten Benjamin auf. Der Namibier ist vor Simunic am Ball und köpft aus vier Metern. Fiedler faustet den Ball in Rücklage auf der Linie aus dem Tor. Kinhöfer pfeift kein Tor. 
 
38 Wieder setzt der HSV ein Akzent mit einem wuchtigen Weitschuss. Diesmal ist es Schlicke der in Fiedler seinen Meister findet. Der Hertha-Keeper boxt das Leder aus dem Gefahrenbereich. 
 
31
 Der dritte Strich! Reina leitet mit dem Pass auf Bastürk den Konter ein. Der Türke lässt Schlicke stehen und schießt. Pieckenhagen lässt abklatschen, das Leder landet bei Marcelinho, der van Buyten düpiert und ins leere Tor einschiebt. 
 
29 Der HSV ist bemüht und steckt trotz des Rückstandes nicht auf. Wicky versucht es mit einem strammen Schuss aus gut 25 Metern. Fiedler ist zur Stelle und hat das Leder sicher. 
 
19 Takahara legt für Barbarez auf, der von der Strafraumgrenze schießt. Der Ball fliegt gefährlich auf die untere linke Torecke zu, Fiedler macht sich lang und klärt zur Ecke. 
 
17
 2:0! Die Berliner nutzen einen Ballverlust von Hamburg im Mittelfeld aus. Marcelinho bedient Gilberto, der van Buyten und Boulahrouz düpiert und aus zwölf Metern Pieckenhagen mit einem Schuss durch die Beine überwindet. 
 
15 Der Torschütze versuchte es aus der zweiten Reihe. Der Schuss von Reina fliegt nur knapp am rechten Pfosten vorbei. 
 
11 Der HSV mit einer schnellen Kombination im Mittelfeld. Das Leder kommt nach links zu Klingbeil, der in die Mitte flankt. Moreira nimmt den Ball direkt, doch der Winkel ist zu spitz. 
 
4
 1:0! Marcelinho nimmt sich nach dem Foul an Bastürk das Leder und tritt den Freistoß aus knapp 25 Metern. Der Ball fliegt flach knapp an der Mauer vorbei. Pieckenhagen lässt das Leder nur abklatschen, und Reina staubt ab. 
 
3 Nach einem Foul von Moreira an Bastürk bildet sich ein Rudel um Schiedsrichter Kinhöfer. Der reagiert gelassen und zeigt zwei Gelbe Karten gegen die merkernden van Buyten und Bastürk. 
 
2 Die erste Möglichkeit für den HSV. Beinlich flankt einen Freistoß gefährlich vor den Fünfmeterraum, aber Barbarez und van Buyten verpassen. 
 
Anpfiff 


 
 
dpa: Hertha-Brasilianer entzaubern Doll und den HSV

Von Jens Mende, dpa

Berlin (dpa) - Trainer Thomas Doll sprach von einem «Seuchenspiel», Sergej Barbarez von «vielen Geschenken»: Auf der Heimfahrt aus Berlin grübelten die Führungsfiguren des Hamburger SV noch immer, warum nach vier Siegen die Serie ausgerechnet bei Hertha BSC enden musste. 

25:12 Torschüsse, 26:5 Flanken, 10:1 Ecken, 60:40 Prozent Ballbesitz - die Statistik sprach klar für Hamburg, doch als deutlicher 4:1-Gewinner ging Kontrahent Hertha vom Platz. «Das war sicher eines unserer schwächsten Saisonspiele», bewertete Berlins Trainer Falko Götz das Duell und traf damit den HSV nach dem Abpfiff nochmals ins Herz. Seit über sieben Jahren konnten die Norddeutschen in der Hauptstadt nicht mehr gewinnen.

«Wir hatten einfach kein Glück», erklärte HSV-Kapitän Daniel van Buyten die insgesamt zehnte Saisonpleite seines feldüberlegenen Teams. Das war aber nur die halbe Wahrheit. Zwar verweigerte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer einem wohl regulären Treffer von Colin Benjamin die Anerkennung. Barbarez traf mit einem Handelfmeter den Pfosten. Dazu entschärfte ein überragender Torwart Christian Fiedler ein halbes Dutzend bester Hamburger Chancen. Doch zu diesem Zeitpunkt war durch Treffer von Billy Reina (4.), Gilberto (16.) und Marcelinho (31.) nach verheerenden Patzern von HSV-Schlussmann Martin Pieckenhagen, David Jarolim, van Buyten und Khalid Boulahrouz der 300. Bundesliga-Sieg der Hertha kaum mehr zu verhindern.

«Wir nehmen das 4:1 dankend an. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht», kommentierte Götz den kuriosen Spielfilm. Nachdem Berlins wiederum überzeugender Türke Yildiray Bastürk, eigentlich schon krank abgemeldet, nach Handspiel auf der eigenen Torlinien die Rote Karte sah (62.), schöpften die Gäste vor 40 399 Fans im kalten Olympiastadion nochmals Mut. Doch auf Barbarez' zehntes Saisontor (78.) folgte sofort Gilbertos zweiter Streich (81.). «Hertha hat unsere Fehler knallhart bestraft», bekannte Stefan Beinlich. «Unser Defensivverhalten war viel zu sorglos», wetterte Doll.

Hertha hat im eigenen Stadion nun sechs Mal nicht verloren und katapultierte sich in der Tabelle wieder am HSV vorbei. Gilberto freute sich besonders über seinen ersten «Doppelpack» in der Bundesliga. «Dabei war es mein erstes Spiel im Schneetreiben», berichtete der Brasilianer. Landsmann Marcelinho hatte sich nach den jüngsten Schlagzeilen um persönliche finanzielle Engpässe den Haarschopf knallrot gefärbt - und traf damit zu seinem zehnten Saisontor. «Das war ein Ausdruck der Entspannung, dass seine Probleme gelöst werden», erklärte Manager Dieter Hoeneß, der das 4:1 vor allem als «richtige Reaktion» auf die Niederlage zuvor in Stuttgart sah.

An eine neue öffentliche Zielstellung aber wollen die Berliner Verantwortlichen noch immer nicht ran. «Wenn wir sieben, acht Spiele vor Schluss noch da oben stehen, brauchen wir nicht mehr so defensiv agieren. Aber im Moment ist es noch ein weiter Weg», betonte Hoeneß. Auch der HSV will weiter ein Kontrahent im Kampf um den UEFA-Cup- Start sein, ohne es öffentlich zu äußern. Bleibenden Schaden befürchtet Doll aus der gerissenen Serie nicht. «Die Mannschaft hat hier schon in der zweiten Halbzeit bewiesen, dass sie sich von einem Spiel nicht alles kaputt machen lassen will», sagte der HSV-Trainer. Doll verordnete wie Kollege Götz seinen Profis eine zweitägige Auszeit, «um die Köpfe frei zu bekommen».


 
 
sport1: 
Hertha siegt dank starkem Marcelinho

Beim 4:1-Heimsieg von Hertha BSC gegen den Hamburger SV bekamen die Zuschauer im Olympiastadion ein äußerst turbulentes und unterhaltsames Spiel zu sehen.
Trotzdem bezeichnete HSV-Trainer Thomas Doll die Partie im Nachhinein als "Seuchenspiel" und Hertha-Coach Falko Götz sprach von "der schlechtesten Saisonleistung".
Obwohl die Hamburger über die ganze Spielzeit überlegen waren (61 Prozent Ballbesitz, 25:12 Torschüsse), war die Partie nach einer guten halben Stunde praktisch entschieden.

Hertha nutzt Fehler konsequent aus
Giuseppe Reina (4.), Gilberto (16.) und Marcelinho (31.) schossen die komfortable Führung heraus. Allen drei Treffern gingen Fehler in der Hamburger Verteidigung voraus, bei Reinas Tor ließ HSV-Keeper Martin Pieckenhagen in seinem 100. Spiel für die Hamburger den Ball abprallen.
"Wir haben großzügig Geschenke gemacht und Hertha beim 1:0 und 2:0 zum Torerfolg verholfen. Wenn man gegen die beste Abwehr der Liga zurückliegt, ist es natürlich schwer, wieder ins Spiel zu kommen", ärgerte sich Doll.

Überragender Marcelinho mit neuer Frisur
"Wir haben in den richtigen Momenten die Tore gemacht und unsere individuelle Qualität hat sich hier durchgesetzt. Unterm Strich stehen drei Punkt, damit sind wir zufrieden", freute sich sein Gegenüber Götz
Mit "individueller Qualität" dürfte er wohl in erster Linie Marcelinho gemeint haben, der an allen Toren beteiligt war und auch das 4:1 durch Gilberto (81.) vorbereitete. Gilbertos Treffer war das 600. Tor in dieser Bundesligasaison und bedeutete gleichzeitig den ersten Doppelpack für den Brasilianer.
Dabei fiel Marcelinho auch optisch auf, weil er mit seinem knallrot gefärbten Haarschopf einen echten Farbtupfer im Berliner Schmuddelwetter setzte. "Ich übenehme keine Verantwortung für die Haarfarbe", sagte Götz, der ansonsten voll und ganz mit seinem Offensivspieler zufrieden war.

Doll mit Schiedsrichterkritik
Dem entscheidenden Tor durch Gilberto waren eine ganze Reihe kurioser Szenen vorausgegangen. In der 40. Minute prüfte Collin Benjamin den starken Hertha-Schlussmann Christian Fiedler, der den Kopfball wohl erst hinter der Linie parieren konnte. 
Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer erkannte den Treffer allerdings nicht an, was Thomas Doll in Richtung des Assistenten folglich kommentierte. 
"Wenn man da nicht die Fahne hebt, dann weiß ich nicht, ob der 'ne Brille auf hatte an der Seite. Wir müssen uns in der heutigen Zeit alle etwas zurückhalten. Aber wenn ich das sehe und ich stehe da an der Seite, entweder friert dem die Fahne ein oder was weiß ich. Und dann kommst du vielleicht wieder ins Spiel zurück. Aber o.k., da muss ich mit leben."

Bastürk sieht Rot - Barbarez verschießt Elfer
In einer anderen Szene lag Kinhöfer richtig. Yildiray Bastürk wurde nach einem Handspiel auf der Torlinie mit einer glatten Roten Karte des Feldes verwiesen (62.) und wird den Berlinern in den nächsten Spielen fehlen.
Den fälligen Elfmeter setzte Sergej Barbarez an den Pfosten. "Das nötige Glück, was wir in den letzten Wochen gehabt haben, ist heute verloren gegangen", ärgerte sich der stark spielende Barbarez nach der Partie. 

"Werden eine Menge mitnehmen"
Den längst fälligen Anschlusstreffer besorgte Barbarez per Kopf (78.), was aber letztlich nur Ergebniskosmetik bedeutete
"Ich muss meine Mannschaft trotzdem in Schutz nehmen. Sie hat in der zweiten Halbzeit den Kampf angenommen, wir werden eine Menge aus dem Spiel mitnehmen und in der kommenden Woche eine neue HSV-Mannschaft sehen" zog Trainer Doll am Ende doch noch ein halbwegs positives Fazit.

Keine neuen Ziele bei der Hertha
"Zum Glück haben wir zum richtigen Zeitpunkt die Tore geschossen und nehmen das 4:1 dankend an. Das Ergebnis macht uns zufrieden", war auch Falko Götz zufrieden.
"Ich bleibe dabei: Erst wenn wir sieben Spieltage vor Saisonende immer noch oben stehen, werden wir ein neues Ziel ausgeben", antwortete Manager Dieter Hoeneß auf die Frage nach neuen Saisonzielen.
Billy Reina hingegen deutete schon an, dass man in Berlin so langsam von Europa träumen kann: "Wenn es so weiter läuft, kann man vielleicht Größeres planen."
 

Daten:  Einbahnstraßenfußball blieb unbelohnt

Stark verbessert
Hertha BSC feierte den zehnten Saisonsieg und hat damit schon jetzt einmal öfter gewonnen als in der ganzen letzten Saison. 

Jubiläumserfolg
Es war der 300. Bundesligasieg der Hertha.

Serie gerissen
Nach vier Siegen in Folge kassiert der HSV wieder eine Niederlage - ein Rückschlag auf dem Weg ins internationale Geschäft.

Viele Gegentore
Der HSV kassierte erstmals diese Saison mehr als dre Gegentore. Davor zuletzt beim 0:6 in Bremen am 1. Mai 2004.

Einbahnstraßenfußball blieb unbelohnt 
4:1 für Hertha, klingt nach einer eindeutigen Angelegenheit. Doch eigentlich war es wohl einer der glücklichsten Siege einer Mannschaft in dieser Bundesligaspielzeit. Es spielte eigentlich nur der HSV (60 Prozent Ballbesitz, 10:1 Ecken), der selbst nach dem 0:3 nicht in sich zusammenbrach. 
So kamen die Hamburger bei der besten Offensive der Liga zwar so oft zum Torschuss wie in keinem Saisonspiel zuvor (25-mal), konnten sich ein Sachen Effektivität allerdings bei Hertha einiges abschauen (vier Tore bei nur zwölf Torschüssen).

Doppelpacker Gilberto
Ob hinten links in der Viererkette oder offensiver im Mittelfeld, Neuzugang Gilberto ist bei den Berliner fast genauso unverzichtbar wie Landsmann Marcelinho, so stand er auch als einziger Herthaner in allen Spielen in der Startelf. Gegen den HSV schnürte Gilberto seinen ersten Doppelpack und gewann zudem so viele Zweikämpfe wie kein anderer Herthaner (17).

Unglücklicher Barbarez
Sergej Barbarez war alleine an fast so viele Torschüsse beteiligt (10) wie die gesamte Hertha abgab und erzielte auch sein zehntes Saisontor. Allerdings verschoss er auch einen Elfmeter und verpasste den HSV frühzeitiger wieder ins Spiel zu bringen. Vier seiner fünf Strafstöße im HSV-Dress verschoss der Bosnier - ein sicherer Elfmeterschütze wird er wohl nie mehr.
  
Topscorer Marcelinho
Wo stünde Hertha BSC diese Saison bloß ohne Marcelinho. Gegen den HSV war der neuerdings Brasilianer an drei der vier Tore beteiligt, hatte die meisten Ballkontakte (66) und gab fast die Hälfte der zwölf Hertha-Torschüsse ab (5). An 21 der 39 Berliner-Tore war Marcelinho jetzt beteiligt - kein Spieler sammelte ligaweit mehr Scorer-Punkte. 

Fehlerteufel Pieckenhagen
Bereits nach vier Minuten wurde die Vorgabe von Kapitän van Buyten zerstört, der endlich wieder mal ohne Gegentor bleiben wollte. Schuld daran war mal wieder HSV-Keeper Pieckenhagen, der einen harmlosen Marcelinho-Freistoß vor die Füße von Reina abwehrte und so bereits zum vierten Mal in dieser Saison ein Gegentor verschuldet - kein anderer Torhüter der Liga beging mehr Fehler, der HSV hat scheinbar ein Torwartproblem.