Bundesliga 2004/2005, 30. Spieltag, Samstag, 23.04.05 in der Hamburger AOL Arena bei sonnigen 15 Grad C.

Hamburger SV - FC Hansa Rostock 3:0 (0:0)

Wow! Da war ich „unter der Woche“ doch baff. Nichtsahnend lese ich ausnahmsweise mal die Überschriften im HSV-Forum auf www.hsv-supporters.de (was ich nur noch recht selten mache) und dann steht da doch mein Name in einem Thread-Titel auf der 1. Seite...

Scheint doch tatsächlich jemandem mein Bericht vom Schalke-Spiel gefallen zu haben... Wo ich doch normalerweise davon ausgehe, dass das ohnehin niemand liest (außer schleppi). Nun sind meine Spielberichte allerdings vermutlich oft auch nicht besonders lesenwert und ich frage mich hier und da ohnehin, warum ich das mache. Es liest kaum jemand und ob ich wirklich mal in zig Jahren Interesse daran habe, mir so etwas durchzulesen... ?

Der Bericht vom letzten Spiel auf Schalke war allerdings ja auch schon fast weniger Spielbericht als persönliches Tagebuch eines glücklichen Wochenendes ;-)

Vom Glücksgefühl kann dieses Wochenende da allerdings nicht heranreichen...

Das Spiel gestern war auch irgendwie seltsam. Da haben wir recht deutlich mit 3:0 gewonnen und trotzdem kam in mir gar nicht so recht das „übiches Siegesgefühl“ hoch. Weiß auch nicht, woran das lag. 

Vielleicht einfach, weil das Spiel ziemlich mau war. Rostock hat sich redlich bemüht und war auch wirklich sehr aggressiv und laufstark, aber glücklicherweise vorne auch ohne jedes Durchsetzungsvermögen. 

Und der HSV kam mit der aggressiven Art der Rostocker nur schwer zurecht und konnte überhaupt nicht richtig ins Spiel kommen. Ich denke mal, dass es für einen objektiven Zuschauer ein richtig beschissenes Spiel gewesen sein muß. 

Das schreibe ich jetzt und grüble dabei gerade, ob ich dann überhaupt wirklich die Leute um mich herum im Stadion so verdammen darf, wie ich es innerlich gestern getan habe. Die gingen mir ja so dermaßen auf die Glocken. Ein ständiges Rumgemaule, was dann zur Pause in Pfiffen mündete. Mann, gehen die mir auf den Keks!

Aber ich glaube, das sind wohl einfach verschiedene Sichtweisen. Ich hätte sie einfach mal fragen sollen, ob sie sich eigentlich als Fans oder als Kunden empfinden ? Ein Kunde darf darüber meckern, wenn die für das (zugegebenermaßen nicht geringe) Entgelt gebrachte Leistung nicht gut ist. Aber ein Fan sollte doch anders denken. Und da um mich herum nur Dauerkarteninhaber sitzen, denke ich einfach mal, dass das auch Fans sein müssten. 

Da muß man doch auch mal in der Lage sein, seine Jungs aufzubauen und nicht bei jedem Paß ein Raunen zwischen den Lippen herauszudrücken. Mir ist das wirklich unverständlich. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal meine Mannschaft ausgepfiffen hätte. Und ich habe wahrlich schon schlechtere Spiele bzw. durchgehend beschissene Saisons erlebt, wenn ich mich mal so düster an die 90er zurückerinnere.

Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses ständige Raunen die Spieler eher nur noch mehr verunsichert. Da wäre es ja fast schon sinniger, zur Halbzeit ein Pfeiffkonzert abzugeben, damit die Spieler wissen, was man davon hält und sich in der 2. Halbzeit dann etwas zusammenreißen. Wobei ich auch das nicht tun würde.

Aber dann muß man sich das Spiel doch auch mal ansehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich die Jungs auf dem Platz nicht bemühen, dann finde ich das auch beschissen. Das Gefühl hatte ich gestern aber keinesfalls und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es dazu Grund gab. 

Viele gehen in so ein Spiel wohl in der Erwartung, dass Rostock ja auf einem Abstiegsplatz steht und wir sie ja sogar schon in deren eigenen Stadion mit 6:0 geschlagen haben in dieser Saison. Was müsste das dann erst bei unserem Heimspiel für ein Schützenfest geben....

Dabei wird wohl geflissentlich übersehen, dass Rostock inzwischen wirklich eine gute Serie hatte und noch mal echte Chancen auf die Vermeidung des Abstieges. Dazu wäre allerdings ein Sieg bei uns sehr wichtig gewesen. 

Da kann man doch nicht davon ausgehen, dass wir die mal ganz locker wegknallen. Verstehe ich nicht. Aber sei´s  drum.

Die erste Halbzeit war wirklich sehr schlecht. Ich muß mich auch wirklich sehr bemühen, damit mir die guten Szenen wieder einfallen. Wobei das auch nicht so schwierig ist, denn es gab ja nun keine Unmenge davon... ;-)

Auf Rostocker Seite kann ich mich an eine sehr gute Chance erinnern, als der Ball irgendwie (ich glaube durch eine zu kurze Abwehr) an die Strafraumgrenze kam, von wo ein Rostocker den Ball richtig hart aufs Tor semmelte und Wächter toll parierte. War glücklicherweise auch sehr mittig geschossen. Und dann hatte Rostock noch einen Freistoß, der flach an den Pfosten ging. Den habe ich allerdings auch schon drin gesehen. 

Bei uns kann ich mich zumindest an einen Kopfball von Mpenza erinnern, den Rostocks Schober toll gehalten hat. Mehr fällt mir jetzt nicht ein. 

Zu Mpenza muß ich übrigens sagen, dass der mir in dieser Saison viel zu oft viel zu unauffälig und ohne Bindung zur Mannschaft wirkte. Sein (nicht für ihn, sondern als Eigentor anerkanntes) Tor auf Schalke scheint da aber doch etwas in ihm ausgelöst zu haben, denn gestern gefiel er mir wirklich gut. 

Da war es umso schöner, dass ausgerechnet ihm das Führungstor zum 1:0 gelang. Da waren wir allerdings schon in der zweiten Halbzeit, in der der HSV zumindest etwas besser zu Werke ging. Mehdi war auf der rechten Seite außen frei durch und verstolperte den Ball dabei erstmal. Glücklicherweise bekam er ihn aber vor dem Aus noch wieder unter Kontrolle und konnte hoch in die Mitte flanken, wo Mpenza seinen Rostocker Gegenspieler deutlich übersprang und den Ball ins Tor beförderte. Nun ist mir gestern überhaupt Mpenzas gute Sprungkraft aufgefallen, aber grundsätzlich war das schon eher schlecht vom Rostocker Verteidiger bei einer Flanke, die so lange unterwegs ist, dann so schlecht auszusehen. 

War jedenfalls sehr schön, dass wir das Führungstor gemacht hatten und dass es auch noch gerade Mpenza war, der sicherlich Selbstvertrauen besonders nötig hat.

Trotzdem sorge das Tor bei mir kurzzeitig nur dafür, dass ich erstmal die Sicherheit spürte, dass man nun eben nicht durch das erste Gegentor gleich vor der Niederlage stünde. Siegesgefühle wollten da noch nicht so recht aufkommen. Obwohl mein Kumpel Kuno ja zur Halbzeit schon orakelt hatte, dass Mpenza heute bestimmt noch eines machen würde und wir dann auch gewännen.

Jedenfalls hatte Rostock ganz kurz nach unserem Tor eine hundertprozentige Chance (die einzige im Spiel, wenn ich nicht irre). Da sah unsere Abwehr ganz schlecht aus und Litmanen stand im 16er einigermaßen frei mit dem Ball. Meines Erachtens hätte er da schießen müssen, aber er ließ einen Hamburger so halb an sich vorbeilaufen, um dann noch mal auf der rechten Seite einen Stürmer anzuspielen. Für den war der Winkel aber viel spitzer und so konnte Wächter den Ball parieren.

Das war aber auch die letzte richtig gute Chance für die Rostocker, an die ich mich erinnern kann. 

Wieder einmal eine Standardsituation war es, die den Ost-Hanseaten den „Todesstoß“ versetzte. Nach einem Freistoß von Beinlich wurde der Ball durch einen Rostocker Verteidiger per Kopf weitergeleitet zum sonst fast im Abseits stehenden Benjamin, der den Ball aus ganz kurzer Entfernung dem Rostocker Keeper glücklicherweise durch die „Hosenträger“ ins Tor schießen konnte. 

Allerdings gab es da noch eine kleine Schocksekunde, denn nachdem Schiri Merk schon zur Mittellinie gezeigt hatte, stand er nach meinem Jubel plötzlich beim Linienrichter und diskutierte mit ihm. Ich hatte keine Ahnung, was sie zu bereden hatte, aber Kuno meinte, dass es abseitsverdächtig war und dass man auf der Anzeigetafel bei der Wiederholung des Tores allerdings gerade hätte erkennen können, dass es gleiche Höhe gewesen war. Nachdem auch einige Rostocker die Diskussionen bemerkten und zum Schiri rannten, entschied Merk dann aber doch auf Tor. 

Dazu muß ich mal sagen, dass ich es total bescheuert finde, wenn man die Szenen im Stadion auf der Videowand wiederholt, ohne sie sich vorher angesehen zu haben. Man kann es da noch einmal zeigen, aber ich kann nur hoffen, dass sich da einer vorher das ganze einmal ansieht. Wie bitter (wenn auch sportlich fair) wäre es, wenn Schiri und Linienrichter beim Diskutieren nun kurz auf die Videotafel schauen und nach deren Studium dann gegen uns entscheiden würden. O.k., es wäre fair. Aber wir hätten uns damit ins eigene Fleisch geschnitten. Und ich kann mir wirklich nur schwerlich vorstellen, dass sich da jemand vorher die Zeitlupe ansieht, bevor er es auf die Videotafel wirft. 

Übrigens wäre eine Abseitsentscheidung in diesem Fall auch falsch gewesen. Kuno hatte zwar mit seiner Bemerkung „gleiche Höhe“ nicht so ganz recht – zumindest hätte ich danach eine Abseitsentscheidung auch nicht für unberechtigt gehalten, aber der Ball wurde von einem Rostocker verlängert und erst in dem Moment stellte sich überhaupt die Abseitsfrage um Benjamin, die sich dadurch eben nicht mehr stellte. 

Nun war es jedenfalls um Rostock geschehen. Es gab zwar keine Auflösungserscheinungen, aber so ein richtiges Aufbäumen wollte auch nicht aufkommen. Das Spiel plätscherte weiter so vor sich hin und der HSV hatte noch die ein oder andere Konterchance. Eine davon konnte zum 3:0 genutzt werden. Da war Mpenza frei durch auf halblinks und hat in meinen Augen ziemlich blind mit dem linken Fuß auf den Torwart geballert. Der Ball kam so aber in die Mitte zum mitgelaufenen Takahara, der den Ball schön am nun natürlich schlecht postierten Torwart und über die sich davorwerfenden Verteidiger im Tor unterbringen konnte. Taka ist eigentlich auch der zweite, dem ich ein Tor besonders gönne, weil er sich wirklich sehr in den Dienst der Mannschaft stellt und ihm zuletzt leider auch wieder jegliche Torgefahr abging. Aber er rackert zumindest immer gut und ist stets anspielbar. 

So ging das Spiel schließlich mit 3:0 zu Ende und Rostock ist dem Abstieg damit leider ein ganzes Stückchen näher gekommen. Das tut mir wirklich leid, weil ich Rostock den Klassenerhalt gönnen würde. Das sehe ich zum einen sehr egoistisch, weil man zum Auswärtsspiel nach Rostock nun erstmals (seit Fertigstellung der A20) schneller fahren könnte als nach Hamburg. Auf der anderen Seite gönne ich den „Ossis“ aber auch, dass sie zumindest einen Vertreter in der Bundesliga haben und finde es schade, dass dies nun wahrscheinlich bald nicht mehr der Fall sein wird. Ich würde mich für Rostock und für mich sehr freuen, wenn das noch klappen würde, was aber sehr eng wird.  Ich habe doch nicht umsonst zig Jahre auf die Fertigstellung der A20 gewartet, damit nun – wo sie endlich bis Rostock durchgehend fertiggestellt ist – ist sie nie benutzen kann zum Bundesligaspiel, weil Rostock jetzt absteigt... ;-)  o.k. ist nicht witzig für die Fans von Hansa, die am gestrigen Samstag mit unglaublichen 12.000 Fans anwesend gewesen sein sollen. 

Für uns weiß ich gar nicht so recht wie ich den aktuellen Spieltag bewerten soll. Erstmal war es natürlich super-wichtig, dass wir die drei Punkte zu Hause geholt haben, so unansehnlich das Spiel auch war.

Allerdings liefen die anderen Spiele fast durchweg so, wie es mir nicht gewünscht habe. Ich hätte gehofft, dass Schalke in Berlin gewinnt oder zumindest nicht verliert. Ging 4:1 für Hertha aus. Dortmund hätte auch nicht gewinnen müssen und nun führt (während ich schreibe) im Sonntagsspiel auch noch Leverkusen gegen Werder. Scheiße! Kommt natürlich aufs Ziel an. Wenn ich es schaffe, mir einzureden, dass wir auch noch 3. werden könnten, dann waren die Ergebnisse gut. Aber ich schaffe es nicht so richtig zu glauben, dass wir die – zugegebenermaßen lösbaren – Aufgaben alle so gut erledigen werden, dass wir 3 der letzten 4 Spiele oder gar alle gewinnen. Sollten wir das schaffen, wäre wohl auch Platz 3 möglich. Aber ich wäre auch mit dem 6. Platz sehr zufrieden, der seit dieser Woche (da Bayern gegen Bielefeld im DFB-Pokal-Halbfinale gewann) für die UEFA-Cup-Qualifikation ausreicht. Und dafür waren die Ergebnisse nicht so dolle. Schaun wir mal, wie wir nächsten Woche in Wolfsburg agieren. Eine Niederlage ist eigentlich aber gar nicht möglich, denn ich werde dabei sein ;-)

Allseits eine schöne Woche!

Meine Spielerbewertung:

Wächter: machte gestern als Torwart wieder ein ganz starkes Spiel, obwohl Rostock ja nur wenige Chancen hatte. Allerdings waren seine Abschläge und Befreiungsschläge (in die man ihn ständig unsinnigerweise zwingt) arg verbesserungswürdig: Note 2-

Klingbeil: mir gefällt der Junge defensiv immer besser. Da lässt er null anbrennen. Und ich hoffe, dass er sich von der schreienden Meute, die bei jedem Rückpaß rumheult, nicht verrückt machen lässt. Das wird schon, Klinge!  Note 2

Boulahrouz: Rückte für Reinhard wieder in die Abwehr und machte seine Sache defensiv sehr gut: Note 2

Van Buyten: war kaum gefordert: Note 3

Benjamin: defensiv vielleicht ganz o.k., aber er ging auch oft mit nach vorne und da hat er mich in der 1. Halbzeit wirklich Nerven gekostet: Note 4

Wicky: wirkte heute ziemlich unsicher auf mich. Er hatte so einige einfache Abspielfehler drauf: Note 4

Beinlich: Wie immer läuft sehr viel über ihn und wie immer finde ich es faszinierend wie oft er den Ball durch einfache Drehungen behauptet: Note 2-

Mahdavikia: längst nicht so gut und bissig wie im Spiel auf Schalke letzte Woche. Aber trotzdem zumindest den Führungstreffer vorbereitet: Note 3

Moreira: Er hat immer mal gute Szenen dabei, aber irgendwie werde ich mit ihm wohl nicht mehr „warm“. Ich hoffe auch, dass ich in der nächsten Saison nicht mehr die Chance dazu erhalte, denn ich denke, dass er keine echte Verstärkung ist und dafür zu teuer in Gehalt und Ablöse: Note 3-

Takahara: nicht so positiv wie in den vergangenen Wochen, aber es gelang ihm heute endlich mal wieder ein Tor. Schön!: Note 3

Mpenza: heute mit viel Einsatz und mehreren Torchancen. Ich hoffe, dass er diesen Weg weiter geht: Note 2-

Schiri Merk: unauffällig in einem einfachen Spiel: Note 2

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 1. Bundesliga, 2004/05, 30. Spieltag 
 Hamburger SV -  Hansa Rostock  3:0 (0:0) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter - Benjamin, Boulahrouz, van Buyten, Klingbeil - Wicky - Mahdavikia, Beinlich - Moreira - Mpenza, Takahara - Trainer: Doll

Hansa Rostock:  Schober - Hartmann, Möhrle, Persson, Maul - Sebastian - Lantz - Prica, Litmanen, T. Rasmussen - Allbäck - Trainer: Berger

Tore:   1:0 Mpenza (49., Kopfball, Vorarbeit Mahdavikia), 2:0 Benjamin (61., Rechtsschuss), 3:0 Takahara (64., Linksschuss, Mpenza)

Eingewechselt:   70. Jarolim für Moreira, 73. Schlicke für Benjamin, 82. Laas für Beinlich - 56. Rydlewicz für Maul, 65. di Salvo für Litmanen, 68. Meggle für Allbäck

Schiedsrichter:  Merk, Dr. 
Zuschauer:  55800 (ausverkauft)

Gelbe Karten:  Maul, Allbäck, Prica, Persson, Meggle

Spielbericht
HSV-Coach Thomas Doll stellte sein Team nach dem 2:1-Erfolg in der Arena AufSchalke nur auf einer Position um. Der nach Oberschenkelproblemen wieder genesene Boulahrouz ersetzte Bastian Reinhardt in der Innenverteidigung. 

Ebenfalls eine Änderung in der Startelf auf Seiten von Hansa Rostock im Vergleich zum 2:1-Heimsieg gegen Stuttgart: Maul agierte für Thomas Rasmussen auf der linken Abwehrseite. Der Däne rückte ins linke Mittelfeld, Vorbeck musste auf der Bank Platz nehmen.

Nur in der ersten Minute gelang es den Rostockern, die Hamburger zu überraschen. Doch trotz viel Raum dank unaufmerksamer HSV-Abwehr, konnten die Offensivkräfte zwei Flanken nicht in einen frühen Torerfolg ummünzen. In der Folge kontrollierten die Doll-Schützlinge die Partie, ohne jedoch spielerische Glanzlichter zu setzen. Takahara, Mpenza und Moreira vergaben gute Tormöglichkeiten bzw. scheiterten an Schober. Nach etwa einer halben Stunde aber verloren die Hamburger dann etwas den Faden. Die Rostocker hatten in dieser Phase ihre bis dato besten Gelegenheiten. Thomas Rasmussen scheiterte jedoch mit einem Distanzschuss an Wächter. Ebenso Prica wenig später, dessen Freistoß den Außenpfosten noch leicht touchierte. Erst fast mit dem Halbzeitpfiff dann noch einmal eine gute Chance für den HSV: Doch der gut aufgelegte Schober verhinderte per Glanzparade gegen einen Kopfball von Mpenza den Rückstand. Unter einigen Pfiffen der Hamburger Fans ging es in die Halbzeit. 

Nur wenige Minuten nach Wiederbeginn gingen die Hamburger in Führung. Nachdem Maul den Ball im Mittelfeld verlor, hatte Mahdavikia auf der rechten Seite viel Raum zum Kontern. Der Iraner flankte vor der Torauslinie hoch in den Fünfmeterraum, wo Mpenza per wuchtigem Kopfball vollendete (49.). Vielleicht hätten die Rostocker der Partie nur drei Minuten später eine Wendung geben können, doch Allbäck vergab eine große Chance nach Zuspiel von Litmanen. So kam es anders: Nach etwa einer Stunde flankte der umsichtige Beinlich einen Freistoß von der rechten Seite im Mittelfeld in den Strafraum. Sebastian verlängerte den Ball mit dem Kopf ungewollt in den Fuß von Benjamin, der - am linken Pfosten allein gelassen - einschoss (61.). Zwar zeigte der Schiedsrichter-Assistent eine fragwürdige Abseitsposition an, doch da das Leder von einem Rostocker Spieler zum Namibier kam, überstimmte FIFA-Referee Dr. Merk seinen Assistenten zu Recht. Nur 180 Sekunden später war die Partie endgültig entschieden. Mpenza lief zunächst seinen Gegenspielern davon und traf dann die eigentlich falsche Entscheidung, indem er mit schwachem Linksschuss abschloss, anstatt abzuspielen. Doch von Schober prallte der Ball zu Takahara, der zwar den Ball nicht richtig traf, aber dennoch glücklich in hohem Bogen einnetzte (64.). In der Folge gab sich die Berger-Elf auf. Torhüter Schober verhinderte mit einigen sehenswerten Paraden eine höhere Pleite. 

Zum fünften Mal im elften Gastspiel in Hamburg bleibt Rostock ohne eigenen Treffer. Die Niederlage bedeutet für Hansa einen herben Rückschlag im Abstiegskampf. Die Hamburger, die zwar nicht glanzvoll agierten, aber dennoch stets gefährlich waren, halten durch den klaren Erfolg Anschluss an die UEFA-Cup-Ränge. Die Berger-Schützlinge konnten nur in der ersten Hälfte phasenweise Druck auf HSV-Keeper Wächter erzeugen und machten im zweiten Abschnitt spielentscheidende individuelle Fehler. 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 

84 Hansa-Keeper Schober kann einen Distanzschuss von Wicky über die Latte zur Ecke lenken. 

79 Schober kann einen Freistoß von Beinlich nach Foul von Persson an Jarolim gekonnt abwehren. 

73
 Schlicke kommt bei Hamburg neu ins Team, da Torschütze Benjamin mit Armverletzung ausscheiden muss. 

69 Eben erst eingewechselt, kommt Meggle gleich im Strafraum der Hamburger zum Kopfball, doch vergibt die Gelegenheit. 

64
 Bitter für Hansa, die Doll-Elf erhöht! Mpenza läuft seinen Gegenspielern davon und schließt schwach mit links ab. Doch der Ball prallt von Schober zu Takahara, der das Leder nicht voll trifft und dennoch in hohem Bogen einnetzt. 

61
 2:0 für Hamburg!! Beinlich flankt einen Freistoß von der rechten Seite im Mittelfeld in den Strafraum. Sebastian verlängert den Ball mit dem Kopf ungewollt in den Fuß von Benjamin, der am linken Pfosten einschießen kann. 

52 Gute Ausgleichschance für Rostock: Litmanen entscheidet sich in aussichtsreicher Schussposition am Strafraumrand zum Pass auf Allbäck. Aber der Schwede scheitert in halbrechter Position am aufmerksamen Wächter. 

49
 Führung für die Hamburger! Maul verliert den Ball im Mittelfeld und der HSV kann über Mahdavikia auf der rechten Seite kontern. Der Iraner flankt vor der Torauslinie hoch in den Fünfmeterraum, wo Mpenza per Kopfball vollendet. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

  Halbzeitpause 

  Abpfiff 1. Halbzeit 

45 Wenige Sekunden vor der Pause noch einmal eine Glanzparade von Schober. Der Hansa-Torhüter kann einen Kopfball von Mpenza per Hechtsprung gerade noch abwehren. 

43 Ein Freistoß von Prica aus circa 27 Metern touchiert den rechten Außenpfosten noch leicht. Wächter wäre wohl machtlos gewesen. 

40 Erstmals seit der Anfangsminute kann Hansa die Begegnung etwas offener gestalten. Gute Torgelegenheit ergeben sich im Moment allerdings weder für die Berger-Elf, noch für die Hamburger. 

30 Thomas Rasmussen prüft den HSV-Keeper mit einem satten Schuss aus gut 20 Metern. Wächter kann den hart geschossenen, aber unplatzierten Ball per Faustabwehr parieren. 

28 Der HSV kontrolliert die Partie, doch in den letzten Minuten ergaben sich keine weiteren Tormöglichkeiten. Hansa kann sich nur selten befreien. 

20 Beinlich spielt Moreira in halblinker Position im Strafraum klug an. Der Portugiese schlenzt den Ball mit rechts nur knapp am rechten Pfosten vorbei. 

9 Weitere Chancen für den HSV: Schober kann einen abgefälschten Schuss gerade noch entschärfen und rettet auch beim Abstauberversuch von Mpenza. Nach der folgenden Ecke verzieht van Buyten nur knapp. 

6 Erste Gelegenheit für die Hamburger: Beinlich setzt Takahara im Strafraum schön in Szene. Der Japaner scheitert in halblinker Position aus spitzem Winkel am Außennetz. 

1 Gleich in der ersten Spielminute kommen die Rostocker zwei Mal gefährlich in Tornähe. Die HSV-Abwehr ist nicht aufmerksam, doch Prica&Co. können die Flanken nicht verwerten. 

1 Beide Teams mit einer Änderung in der Startformation im Vergleich zur Vorwoche: Beim HSV spielt Boulahrouz in der Innenverteidigung für B. Reinhardt. Auf Seiten von Hansa steht Maul für Vorbeck in der Anfangself. 

Anpfiff 


 
 
dpa: Hamburg siegt im UEFA-Cup-Rennen

Von Christian Kunz, dpa

Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV bleibt weiter auf UEFA-Cup-Kurs und hat Hansa Rostock dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wieder ein Stück näher gebracht. 

Dank einer Leistungssteigerung nach der Pause fuhr der HSV vor 55 800 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena einen 3:0 (0:0)-Erfolg ein und festigte den sechsten Tabellenrang. Emile Mpenza (49.), Collin Benjamin (61.) und Naohiro Takahara (64.) waren die Torschützen beim verdienten Sieg.

«Wir haben zwei krass verschiedene Halbzeiten gesehen», sagte HSV- Coach Thomas Doll nach dem Erfolg. «Wir sind ruhig geblieben und wussten, dass wir zwei, drei Gänge nach oben schalten müssen.» Binnen einer Viertelstunde entschieden die Hamburger die Partie gegen eine engagierte Hansa-Elf. «Das ist unfassbar. Wir kriegen aus einem Konter das 0:1», sagte Rostocks Trainer Jörg Berger, der keine Prognose über den Klassenverbleib seiner Mannschaft abgeben wollte. «Ich muss das auch erstmal verarbeiten.»

Rostock (26 Punkte) bleibt mit vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer Tabellenvorletzter und muss an diesem Sonntag befürchten, dass sich der Abstand nach der Partie 1. FC Nürnberg (31) gegen Borussia Mönchengladbach (30) noch vergrößert. Dagegen setzten die Hamburger (50) Verfolger Bayer Leverkusen (46) vor dessen Spiel am Sonntag gegen Werder Bremen unter Zugzwang.

Wie so oft in dieser Saison starteten die Hamburger, mit acht Gegentreffern in der Anfangsviertelstunde Liga-Spitze, unkonzentriert ins Spiel. Die durch den 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart selbstbewusst gewordenen Rostocker nutzten diese Unsicherheiten aber nicht. Die Hausherren benötigten sechs Minuten, um ins Spiel zu finden. Der Japaner Takahara traf bei seiner Chance zwar nur das Außennetz, weckte durch die Aktion aber seine Kollegen.

In einer insgesamt ausgeglichenen ersten Spielhälfte investierten die Gäste von der Ostsee mehr. Immer wieder trieb der frühere Champions-League-Gewinner Jari Litmanen die Rostocker an. Gefährlich wurde der Tabellenvorletzte besonders durch Distanzschüsse von Thomas Rasmussen (30.), der durch die Hereinnahme von Ronald Maul ins Team offensiver spielen konnte, und Rade Prica (43.).

Ähnlich wie Litmanen bei Hansa war Stefan Beinlich in der ersten Spielhälfte Aktivposten bei den Platzherren, die sich im Gegensatz zum 6:0-Hinspielsieg lange sehr schwer taten. Almami Moreira (9./20.) versuchte es erfolglos aus der Mittel- und Ferndistanz. Sekunden vor dem Pausenpfiff fand Mpenza mit einem Kopfball aus fünf Metern im gut aufgelegten Schlussmann Mathias Schober seinen Meister.

In der 49. Minute war Mpenza dann nach einer schönen Kombination über Moreira und Mehdi Mahdavikia per Kopf Sieger im Duell gegen Schober. Damit war der Bann gebrochen. Hamburg war nun bissiger und erhöhte verdient auf 3:0. Benjamin (61.) und Takahara (64.) sorgten mit einem Doppelschlag für die Entscheidung. Rostock resignierte zwar nicht, doch Erfolg versprechende Aktionen gab es keine mehr.


 
 
sport1: 
Hansa braucht ein Wunder

Hansa Rostock befindet sich auf dem besten Weg in die Zweite Liga. Da kann wohl selbst Trainer Jörg Berger nichts mehr daran ändern, obwohl er ja dafür bekannt ist, stark abstiegsbedrohte Vereine vor dem Gang in die Zweitklassigkeit zu bewahren.
"Ich habe es bisher vermieden, aber jetzt muss selbst ich von vier Endspielen sprechen", sagte der Trainer von Hansa Rostock nach der 0:3 (0:0)-Schlappe beim Nordrivalen Hamburger SV. 

"Das war es noch nicht für uns"
Ein viertelstündiger Aussetzer reichte aus, um ein bis dahin von den Gästen ordentlich und ausgeglichen geführtes Spiel derart deutlich zu verlieren, dass Kapitän Mathias Schober nur mit allergrößtem Willen eine Fassade des Optimismus mühsam aufrecht erhalten konnte: "Das war es noch nicht für uns, definitiv. Reden allerdings hilft jetzt nichts mehr, wir müssen einfach besser spielen." 
Und in erster Linie konsequenter, denn während die Gäste beste Möglichkeiten ausließen, nutzten die Hamburger die Fehler beim FC Hansa, ohne Rücksicht auf die emotionalen Bindungen ihres Trainers Thomas Doll - in Mecklenburg geboren und aufgewachsen, sechs Jahre Hansa-Spieler - zu nehmen. 
"Man spürt natürlich eine gewisse Sentimentalität, aber wenn Hansa absteigt, dann nicht wegen dieser Niederlage", meinte der Ex-Nationalspieler. 

Klasse fehlt 
Auch sein Kollege Berger weiß, dass zu viele Punkte schon in der Hinserie verspielt wurden, nun läuft die Zeit gegen die Rostocker. 
Die Chancen, die zehnjährige ununterbrochene Bundesliga-Zugehörigkeit mit dem Klassenerhalt zu feiern, sinken fast schon in den Promillebereich. 
Zu deutlich wurde vor 55.800 Zuschauern im ausverkauften HSV-Stadion am Volkspark: Der Einsatz stimmt, die Klasse fehlt. 

Doppelpack des HSV
Auch der HSV lieferte 45 Minuten lang nur verkrampften Alibi-Fußball ab, war aber in der spielentscheidenden Phase hellwach. 
Emile Mpenza in der 49., Collin Benjamin in der 61. und Naohiro Takahara in der 64. Minute dokumentierten den Unterschied zwischen Platz 6 und Platz 17. 
Und so vergaß Doll für Sekunden sein Mitleid mit Hansa Rostock und genoss mit einem bübischen Grinsen einen Blick auf die Tabelle. "50 Punkte, ein solches Ergebnis hätte ich bei einem Amtsantritt im Oktober sofort unterschrieben." 
Penible Statistiker stellten sogar fest: 16 Siege nach 30 Spielen, das hatte es beim HSV zuletzt vor 17 Jahren gegeben. 

Berger will nicht aufgeben
Alle Chancen also weiterhin für einen Platz des HSV im Uefa-Pokal, Rostock hingegen ist der zweiten Liga schon ganz nah. 
Bergers Körpersprache ließ ahnen, dass der oft schon als Retter gefeierte Coach vor der "Mission impossible" an der Ostsee insgeheim schon kapituliert hat. 
Nach außen hin allerdings verbreitete der Fußball-Lehrer tapfer seinen Durchhaltewillen: "Ich bin in ähnlichen Situationen schon dafür belohnt worden, dass ich nicht aufgegeben habe." 

Daten:  Hansa verliert zu oft

Starke Saison
Der HSV gewann über die Hälfte der Saisonspiele (16 von 30). So viele Siege nach 30 Spieltagen hatten die Hamburger zuletzt vor 17 Jahren auf ihrem Konto.

Auswärtsschwäche löst Heimschwäche ab
Rostock zeigte sich zuletzt zwar zu Hause verbessert, verlor in der Rückrunde aber sechs der sieben Auswärtsspiele. So rückt der Klassenerhalt in weite Ferne.

Zu viele Pleiten
Rostock kassierte bereits die 16. Niederlage. Selbst in der zuvor einzigen Abstiegssaison hatte Hansa zum gleichen Zeitpunkt nicht so viele Niederlagen auf dem Konto.

Debütant Laas
Alexander Laas wurde in der 82. Minute eingewechselt und bestritt sein erstes Bundesligaspiel.
         
Überlegende Hamburger
Vom Rostocker Abstiegskampf war in der AOL-Arena eigentlich wenig zu sehen, die Hamburger waren wesentlich bissiger in den direkten Duellen (56 Prozent gewonnene Zweikämpfe) und verdienten sich dank einer Leistungssteigerung nach der Pause (8:4 Torschüsse) die drei Punkte.

Mpenza beendete Torflaute
In der letzten Woche in der Arena AufSchalke wurde Mpenza noch sein viertes Saisontor verwehrt. Dies holte er dafür gegen Rostock nach. Unwiderstehlich schraubte sich der Belgier in die Lüfte und markierte per Kopf den Führungstreffer, zudem bereitete er den zweiten Treffer von Takahara vor.

Torhungriger Benjamin
Collin Benjamin und die Hansa-Kogge, dass passt diese Saison besonders gut zusammen. Wie im Hinspiel war der Namibier erfolgreich und markierte jetzt schon sein viertes Saisontor. Nie zuvor war er so torgefährlich in einer Spielzeit. Auch seine Hauptaufgabe in der Defensive erledigte Benjamin mit Bravour, gewann als Rechtsverteidiger sechs der sieben Duelle gegen den eigentlich kampfstarken Schweden Rade Prica. 

Nur der Jüngste wehrte sich
Ausgerechnet der jüngste Spieler bei Hansa war auch der Beste. Tim Sebastian lieferte sich rassige Duelle mit Emile Mpenza und behielt in neun der elf Zweikämpfe die Obenhand. Leider hieß der Gegenspieler beim Tor des Belgiers nicht Sebastian, sondern Hartmann. Insgesamt war 21-Jährige sogar zweikampfstärkster Spieler auf dem Platz (82 Prozent gewonnen).