Bundesliga 2004/2005, 32. Spieltag, Sonntag, 08.05.05 in der Hamburger AOL Arena bei sonnigen 11 Grad C

Hamburger SV - VfL Borussia Mönchengladbach 0:0 (0:0)

Jetzt fange ich erst Tage später an, den Spielbericht zu schreiben, weil ich am Spieltag vergessen hatte, meinen alten Laptop mitzunehmen (was mir schon 5 Minuten nach Abfahrt auffiel...) und danach keine Zeit mehr hatte. 

Das gute daran ist, dass das negative Gefühl schon weitestgehend vergangen ist und ich doch noch ein wenig Hoffnung habe, dass es trotz der letzten beiden Scheiss-Ergebnisse noch für den UEFA-Cup reichen könnte.

Gegen Gladbach war es jedenfalls ein sehr seltsames Spiel. Es war irgendwie Einbahnstraßenfußball. Gladbach kam überhaupt nie richtig nach vorne. In der ersten Halbzeit haben sie keinen einzigen Torschuss abgegeben. Und in der zweiten Halbzeit waren es 1,5. Der eine war allerdings so gut, dass er Wächter eine Glanzparade abverlangte und durch ein Tor Wert gewesen wäre. Das wäre allerdings natürlich unglaublich gewesen, wenn man mit so einer Spielweise auch noch ein Tor schießt.

Ich will nicht sagen, dass Gladbach das spielerisch allerschlechteste war, was ich je in einem Spiel beim HSV gesehen habe, aber ich glaube nicht, dass eine Mannschaft schon mal so wenig Chancen hatte. Da schaffen ja meist sogar Landesliga-Teams in einem Freundschaftsspiel mehr Torschüsse.

Das Spiel ging gleich sehr gut los. Wir machten von Beginn an Druck und hatten schon nach wenigen Minuten die erste ganz dicke Chance durch Mpenza. Die konnte der ausgezeichnete Gladbacher Keeper Keller allerdings vereiteln – wie auch etliche Chancen hinterher.

Dazu muß ich mal erwähnen, dass ich bei einem Managerspiel, dem Bundesliga-Manager (ehemals Fuxx) von sport1, mitspiele. Da hat man eine Mannschaft aus verschiedensten Bundesligaspielern. Ich stelle immer so auf, dass keiner bei mir auf dem Feld steht, gegen dessen wir Mannschaft wir spielen. Habe ich früher gemacht und mich dann teilweise bei Gegentoren dabei erwischt, dass ich dachte „Naja, zumindest hat es xyz gemacht und ich bekomme dafür im Spiel Punkte.“ Da ich sowas nicht mehr will, stelle ich keine gegnerischen Spieler mehr auf. Nun war allerdings Keller mein einziger Torwart. Also habe ich den extra verkauft und mir stattdessen Wächter gekauft. Während des Spiels sagte mein Kumpel Kuno schon zu mir, dass ich das vielleicht besser nicht getan hätte.... Für dieses Spiel hatte er da gewiß Recht, denn der Keller hat echt eine Menge Schüsse gehalten.

Er bekam die ganze erste und natürlich auch zweite Halbzeit eine Menge Schüsse aufs Tor. Darunter auch einige Hochprozentige. Ich dachte schon so ab der 30. Minute, dass wir nun aber irgendwann auch mal das Tor treffen müssten, damit man etwas beruhigter sein könne. Naja, vielleicht denke ich das auch eher nur, damit MEINE Nerven beruhigt sind. Aber es hat ja ohnehin nicht geklappt.

In der Halbzeit ging mein anderer Sitzplatznachbar wie immer den Biervorrat ablassen und auffüllen ;-)  Als er wieder kam, erzählte er, dass er auf dem Klo mittlere bis schwere Aggressionswellen erlebt hatte. Da war er wohl mit zwei Gladbachern in Kontakt getreten und hatte denen gesagt, dass er ja noch nie so einen schlechten Gegner gesehen habe wie die Gladbacher. Und die meinten wohl, dass sie allerdings auch lange kein so schlechtes Gespiel gesehen hätten, was aber durchaus am HSV läge. Machte Alex irgendwie aggressiv, was sich nach dem Spiel auch noch nicht gelegt hatte. Hoffentlich ist er denen nicht danach noch mal über den Weg gelaufen....

Das Spiel ging in der 2. Halbzeit so weiter wie in der ersten. Bis auf die Tatsache, dass Gladbach jetzt ja seine 1,5 Torschüsse hatte. 

Aber auf jeden Fall hatte die Tatsache wieder Bestand, dass wir kein Tor geschossen haben. So weit, so schlecht. 

Alles Anlaufen half nichts. Und selbst am Ende wieder die Einwechslung von Reinhardt als Kopfballstürmer und der Wechsel von Van Buyten in die Sturmspitze verpuffte. Wobei ich das eher traurig fand. Schon seltsam, dass wir uns – wie in Wolfsburg – überhaupt keine Kopfballchancen erarbeiten konnten. Wo wir doch wirklich genug kopfballstarke Leute haben.

Das Spiel ging also 0:0 aus, nachdem die Gladbacher extrem gemauert und auf Zeit gespielt hatten und der Schiri 2 Minuten Nachspielzeit anzeigte und die nicht einmal nachspielen ließ. Aber ob wir jemals ein Tor geschossen hätten…

In dem Moment war für mich alle Hoffnung auf einen UEFA-Cup-Platz vorbei. Die ist inzwischen wieder ein wenig gewachsen. Ich halte es durchaus nicht für sooo unwahrscheinlich, dass Leverkusen in Wolfsburg verliert oder Bremen am letzten Spieltag in Kaiserslautern. Eine dieser beiden Möglichkeiten sollte schon hinhauen. Daran glaube ich wirklich. Ich habe dann allerdings eher große Befürchtungen, dass wir es nicht schaffen werden, die beiden letzten Spiele in Hannover und gegen Bochum zu gewinnen. Wobei es für beide Mannschaften um nichts mehr gehen wird. Naja, ich bete dann mal. Und das nicht nur für den UEFA-Cup, sondern auch für ein schönes Trainingslager in den Alpen ;-)

Meine Spielerbewertung:

Wächter: war absolut beschäftigungslos. Und das eine mal, wo er richtig aufpassen musste, tat er das auch hervorragend: Note 2

Benjamin: zwar auch nicht alles toll, aber wesentlich besser als in der Vorwoche Schlicke. Defensiv nicht gefordert und zumindest bemüht nach vorne: Note 3

Boulahrouz: wagte hier und da Ausflüge, weil er defensiv zu wenig gefordert war. Nach dem Spiel saß er weinend auf dem Rasen, da das Spiel nicht gewonnen werden konnte. Ihm war offensichtlich klar, welche Chance vergeben wurde…: Note 3

Van Buyten: siehe Boulahrouz. Man sieht ihm zumindest immer den Siegeswillen an: Note 3

Klingbeil: defensiv wie gewohnt sicher. Aber da defensiv nicht viel gefordert war in diesem Spiel, war eben eher die Offensivkraft gefragt – und da muß er eben noch dazulernen: Note 4

Wicky: unauffällig: Note 4+

Beinlich: erneut mit sehr vielen Ballkontakten und auch sicher. Bei der desaströsen Auswertung der Standards frage ich mich immer, ob das an den Standards liegt oder an den Abnehmern im Strafraum: Note 3

Jarolim: ich finde ihn einfach wichtig für die Mannschaft. Schon allein dadurch, wie viel Freistöße er für das Team rausholt: Note 3

Barbarez: zwar in meinen Augen wesentlich verbessert gegenüber dem Wolfsburg-Spiel, aber trotzdem noch immer nicht wieder richtig in Form: Note 4+

Mpenza: Ich finde, dass man sehen konnte, dass er brannte. Er war sehr engagiert und hatte durchaus auch Torchancen. Das schnackelt demnächst sicherlich: Note 3

Takahara: gab sich auch viel Mühe, aber blieb praktisch wieder ohne große Torchance: Note 4+

Schiri Fandel: hatte nicht viel zu entscheiden, aber sein Nicht-Unterbinden des ewigen Zeitspielens und dann das Nicht-Nachspielen-Lassen: Note 4

Tabelle des Spieltages

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 1. Bundesliga, 2004/05, 32. Spieltag
 Hamburger SV -  Bor. M'gladbach  0:0 (0:0)

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter (3) - Benjamin (4), Boulahrouz (3), van Buyten (3), Klingbeil (4) - Wicky (3,5) - Jarolim (4), Beinlich (3,5) - Barbarez (5) - Mpenza (4,5), Takahara (5) - Trainer: Doll
Bor. M'gladbach:  Keller (2,5) - Fukal (3), van Kerckhoven (3), Strasser (3), Jansen (3) - Kluge (3,5), Thijs (4) - Broich (5), Daems (5) - van Hout (5), Neuville (4,5) - Trainer: Köppel
Eingewechselt:   60. Trochowski (4,5) für Klingbeil, 78. Kucukovic für Takahara, 86. B. Reinhardt für Jarolim - 69. Korzynietz für Fukal, 85. Ulich für Broich, 89. Moore für Neuville

Chancenverhältnis:  4:1
Eckenverhältnis:  10:0
Schiedsrichter:  Fandel  (Kyllburg), Note 3 - sicherer Leiter, hätte Thijs für die Attacke gegen Wicky Gelb (5.) zeigen müssen

Zuschauer:  52648
Gelbe Karten:  Wicky, Barbarez, Benjamin - Strasser, Fukal
Spielnote:  5
Spieler des Spiels: 
Keller, Kasey
Bei den wenigen hochkarätigen Prüfungen war der Routinier souveräner Sieger im Duell mit Mpenza und Wicky.

Analyse
Thomas Doll musste gegenüber der 0:1-Niederlage beim VfL Wolfsburg auf die gesperrten Mahdavikia (Gelb-Rote Karte) und Moreira (5. Gelbe Karte) verzichten. Dafür rückten Jarolim und Takahara in die Startformation. Darüber hinaus brachte der HSV-Coach Benjamin statt Schlicke in der Viererkette.

Auf Seiten der Gladbacher nahm Trainer Horst Köppel gegenüber der Elf, die am vergangenen Samstag beim 2:0 gegen den VfB Stuttgart begann, zwei Veränderungen vor: Böhme und Sverkos wurden durch Daems und van Hout ersetzt.Der 32. Spieltag im ÜberblickDurch die Ergebnisse am Samstag stand fest, dass sich die Borussia heute durch eine Sieg in der AOL-Arena endgültig den Klassenerhalt hätte sichern können. Allerdings brauchte auch der HSV jeden Punkt im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz.

Dementsprechend legten die Doll-Schützlinge los und kamen bereits in der dritten Spielminute zu ihrer ersten hochkarätigen Einschussmöglichkeit, als Takahara Mpenza auf die Reise schickte. Keller musste sein ganzes Können aufbieten, um den 16-Meter-Flachschuss des Belgiers zur Ecke zu lenken.

Auch in der Folgezeit blieb der HSV die dominierende Mannschaft, drängte auf die Führung und schoss einige Male aus viel versprechender Position auf das Tor der Gladbacher. Die Borussia konnte sich kaum einmal befreien, blieb im Spiel nach vorne harmlos und vermochte es zunächst nicht, das Spiel vom eigenen Tor fern zu halten.

Ab Mitte der ersten Halbzeit gelang es den Köppel-Schützlingen jedoch, das Tempo aus dem Spiel der Hanseaten zu nehmen, wodurch die Partie insgesamt an Schwung einbüßte. Das Bild der Begegnung wurde durch Zweikämpfe im Mittelfeld geprägt. Aus dem Spiel heraus ergaben sich bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Herbert Fandel keine Torszenen mehr. Lediglich ein Beinlich-Freistoß, der abgefälscht wurde und von oben auf das Tornetz fiel, sorgte für ein wenig Gefahr (45.).

Wie in der ersten Halbzeit kam der HSV auch in der zweiten gut aus den Startlöchern. Erst scheiterte Wicky mit einem 16-Meter-Schuss an Keller, dann war es Mpenza, der aus sieben Metern im Gladbacher Schlussmann seinen Meister fand (47.).

Der HSV zeigte in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit, dass man nicht gewillt war, im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze weiter an Boden zu verlieren und spielte schnell nach vorne. Allerdings fehlte weiter die letzte Genauigkeit im Aufbauspiel.

Nach einer knappen Stunde dann der erste Schuss der Gladbacher auf das HSV-Tor, als Thijs mit einem Volleyschuss aus gut zwanzig Metern Wächter zu einer Glanzparade zwang (59.).

Dennoch konzentrierte sich die leidenschaftlich kämpfende Köppel-Elf weiterhin nahezu ausschließlich auf die Defensiv-Arbeit. Den Hanseaten fiel nicht allzu viel ein, um den kompakt stehenden Abwehrverbund der Borussen in Verlegenheit zu bringen, so dass es in einer insgesamt enttäuschenden Begegnung beim torlosen Unentschieden blieb, auch wenn der Hamburger SV in der hektischen Schlussphase noch zu guten Gelegenheiten kam.

Der Hamburger SV verliert mit diesem Remis - dem ersten in dieser Spielzeit auf eigenem Platz - weiter an Boden im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze. Borussia Mönchengladbach bleibt in dieser Spielzeit weiterhin ohne Auswärtssieg, kann sich aber angesichts eines Sechs-Punkte-Vorsprungs im Abstiegskampf auf Bochum und Rostock schon fast gesichert fühlen. Unter Trainer Horst Köppel bleibt die Borussia weiterhin unbesiegt.

Spielereignisse im Detail

Schlusspfiff
88

Umstrittene Szene. Van Buyten drängt in den Strafraum und reklamiert dann Handspiel. Schiedsrichter Herbert Fandel lässt aber weiterspielen.
84

Nur noch wenige Minuten zu spielen. Die Gladbacher hätten - wenn es bei diesem Ergebnis bleibt - den Klassenerhalt so gut wie sicher.
74

Wie bereits in Hälfte eins ist der HSV-Schwung vorerst verpufft. Den Hanseaten fällt nicht allzu viel ein, um den kompakt stehenden Abwehrverbund der Borussen in Verlegenheit zu bringen.
59

Jetzt der erste Schuss der Gladbacher auf das HSV-Tor. Thijs lässt Barbarez mit einem Heber aussteigen, nimmt den Ball dann aus gut 20 Metern volley und zwingt Wächter zu einer Glanzparade.
58

Der HSV zeigte nun, dass man nicht gewillt ist, im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze weiter an Boden zu verlieren und spielt schneller als zu Ende der ersten Hälfte nach vorne. Allerdings mangelt es an der letzten Genauigkeit im Aufbau.
53

Nach Beinlich-Ecke steigt Mpenza recht unbedrängt zum Kopfball, kann das Leder aber nicht auf den Kasten der Borussia platzieren.
46

Wie in der ersten Halbzeit kommt der HSV gut aus den Startlöchern. Erst scheitert Wicky mit einem 16-Meter-Schuss an Keller, dann ist es Mpenza, der aus sieben Metern im Gladbacher Schlussmann seinen Meister findet.

Anpfiff 2. Halbzeit

Halbzeitpause

Abpfiff 1. Halbzeit
45

Endlich wieder eine sehenswerte Szene. Ein Beinlich-Freistoß wird gefährlich abgefälscht, fällt von oben auf das Tornetz.
36

Anhänger des engagiert geführten Zweikampfes kommen voll auf ihre Kosten. Andere Zuschauer derzeit eher nicht.
30

Es ist still geworden in der AOL-Arena. Torraumszenen ergeben sich so gut wie gar nicht.
23

Der HSV kann sich nach schwungvoller Anfangsphase nun nicht mehr so gut in Szene setzen. Die Borussia steht derzeit recht sicher in der eigenen Defensive.
6

Temperamentvoller Auftakt in der AOL-Arena. Der HSV macht gehörig Dampf.
3

Erste gute Gelegenheit für den HSV zur Führung. Nach schönem Zusammenspiel mit Takahara ist Mpenza alleine durch. Der Belgier zieht aus etwa 15 Metern halblinker Position ab. Keller kann mit den Fingerspitzen zur Ecke klären.
1

Durch einen Sieg in der AOL-Arena können die Borussen heute endgültig den Klassenerhalt sichern. Allerdings braucht auch der HSV jeden Punkt im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz.

Anpfiff


 
 
dpa: 

 
 
sport1: Gladbach so gut wie gerettet

Die Gladbacher Spieler machten vor den mitgereisten Fans die Welle und jubelten, als hätten sie den Europapokal gewonnen.
Durch das glückliche 0:0 beim Hamburger SV ist den "Fohlen" zwei Spieltage vor Schluss der Klassenerhalt wohl nur noch rechnerisch zu nehmen.

Der Konkurrenz hilft nur ein Wunder
Sechs Punkte liegen die Gladbacher vor dem VfL Bochum, dessen Torverhältnis um zwölf Tore schlechter ist. Die punktgleichen Rostocker sind sogar 21 Tore schlechter.
"Da kann kaum noch etwas anbrennen", meinte Trainer Horst Köppel, wollte sich aber nicht zu früh freuen. "Wir werden trotzdem versuchen, nächste Woche gegen Hertha alles klarzumachen."
Doch für Jeff Strasser ist die Sache schon klar. "Es müsste schon ein Wunder passieren, damit es nicht mit dem Klassenerhalt klappt. Trotzdem müssen wir uns auf die letzten Spiele konzentrieren. Für unsere Fans, für diese wunderbaren Leute", forderte der Luxemburger.

Neururer gibt auf
Während die Gladbacher sich also noch nicht ganz sicher wähnen, gratulierte die Konkurrenz bereits. "Man muss sagen, Glückwunsch zum Klassenerhalt", erkläre Peter Neururer im DSF. 
Die Gladbacher haben mit einer kleinen Serie unter Köppel doch noch die Wende geschafft. "Das ist sensationell", freute sich Peter Pander.
"Die Mannschaft hat drei Spiele lang kein Tor zugelassen", bilanzierte der Gladbacher Manager die jüngsten drei Spiele unter dem Nachfolger von Dick Advocaat. Nimmt man das Spiel gegen Bayern dazu, ist Köppel sogar vier Spiele ohne Gegentor.

Bleibt Köppel auch nächste Saison?
Kein Wunder, dass nun alle davon ausgehen, dass der 56-Jährige auch in der nächsten Saison auf der Gladbacher Trainerbank sitzen wird.
"Wir wissen, dass wir im Moment einen sehr guten Trainer haben", lobte Strasser. Köppel selbst ließ eine gewisse Tendenz erkennen, hielt sich aber noch bedeckt.

"Habe wieder Feuer gefangen"
"Ich habe wieder Lust bekommen. Ich war ja lange weg vom großen Geschäft", bekannte der Coach. "Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft macht wirklich spaß. Ich habe wieder Feuer gefangen."
Köppel will sich nach dem Heimspiel gegen Hertha erklären - falls der Klassenerhalt dann auch rechnerisch unter Dach und Fach sein sollte.
"Es wird schnell eine Entscheidung fallen. Dem Verein bleibe ich auf jeden Fall erhalten", stellte er klar.

HSV hadert mit verpasster Chance
Und während die Gladbacher immer noch feierten, herrschte beim HSV Katzenjammer über die vielen vergebenen Chancen. 15:1 Torschüsse waren es am Ende, doch die Hamburger scheiterten immer wieder am starken Borussen-Torwart Kasey Keller und am eigenen Unvermögen.
"Damit werden wir den Uefa-Cup verspielt haben", klagte Stefan Beinlich. "Wenn das spiel 6:1 oder 7:1ausgeht, kann sich niemand beklagen. Da ist im Moment eine Menge Pech dabei."
Und auch Daniel van Buyten war niedergeschlagen. "Wir sind so nah dran. Wir wären total traurig, wenn wir nicht in den Uefa-Cup kommen", sagte der Belgier.

Doll gibt noch nicht auf
So schnell wollte Thomas Doll die Flinte aber nichts ins (UI-Cup-)Korn werfen. "Wir haben es nicht selbst in der Hand, werden aber bis zum Schluss alles dafür tun", gab der HSV-Trainer die Parole aus.
Und dachte lieber positiv. "Wir haben einen Weg von unten nach oben hinter uns. Wir können hier was aufbauen."

"Tor wie vernagelt"
Die vorher gehenden 90 Minuten fasste Doll perfekt zusammen: "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles versucht, doch das Tor war wie vernagelt. Das einzige Manko war, dass wir aus unseren vielen Möglichkeiten kein Tor gemacht haben."
Und was für den HSV zwei verschenkte Punkte waren, war für zumindest kämpferisch gute Gladbacher ein unschätzbar wertvoller Punktgewinn.

Daten:
Erstes Heimremis für Hamburg
 
Ungewohntes Remis
Der HSV teilte erstmals in dieser Saison in der AOL-Arena die Punkte. Der Punkt dürfte zu wenig sein im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz. Es droht mal wieder der UI Cup. 

Magerkost
Erstmals seit über drei Jahren bleibt ein Heimspiel des HSV ohne Tore - das letzte 0:0 in einem HSV-Heimspiel gab es am 30. März 2002 gegen die Bayern. 

Remiskönige
Gladbach spielte zum elften Mal unentschieden - kein Team häufiger. Aufgrund der guten Tordifferenz war der Punkt in Hamburg aber wohl schon der Klassenerhalt. 

Mit Köppel klappt?s 
Die Borussia bleibt unter Horst Köppel weiter ungeschlagen und ohne Gegentor - mit ihm gab es in vier Spielen zwei Siege und zwei Remis.

Einbahnstraßenfußball
Die Borussia wollte einen Punkt und bekam ihn - allerdings mit viel Glück. Der HSV rannte permanent an, hatte 61 Prozent Ballbesitz, kam auf ein Eckballverhältnis von 10:0 und lag auch bei den Torschüssen 15:1 vorne. Die Gladbacher stellten mit ihrem mickrigen Torschuss zudem einen neuen Negativrekord für diese Saison auf. Alle Zahlen werden den Borussen egal sein - praktisch ist der Klassenerhalt nun gesichert.

Advocaats Erbschaft
Der ehemalige Gladbacher Coach machte nicht wirklich viel richtig in seiner Zeit als hauptverantwortlicher Trainer, beendete aber immerhin die Problemzone im Tor. Mit dem von ihm verpflichteten Kasey Keller verfügt die Borussia endlich wieder über einen starken Rückhalt, was dieser in Hamburg eindrucksvoll bewies. Sieben Torschüsse wehrte er zum Teil auf spektakuläre Weise ab und sicherte seinem Team den wichtigen Punkt. Keller ist nun seit drei Spielen ohne Gegentor und zudem der einzige Stammkeeper in der Liga, der noch kein Gegentor durch einen schweren Patzer verschuldete - so wurde er zum Garant für den Klassenerhalt.

Chancentod Mpenza
Der Angreifer wird immer mehr zum Seuchenvogel. Schon in der letzten Woche in Wolfsburg spielte er gut, versagte aber im Abschluss. Gleiches wiederholte sich gegen Mönchengladbach: Fünf der 15 HSV-Torschüsse gab er ab, darunter zwei Großchancen, ohne zu treffen. In der kompletten Saison vergab er nun schon 14 Großchancen - mehr Hundertprozentige versemmelte kein anderer Spieler in der Liga.

Neuville überfordert
Oliver Neuville fiel in den 90 Minuten nur bei einer missglückten Freistoßvariante auf, ansonsten war von ihm nichts zu sehen. Der Angreifer war an keinem Torschuss beteiligt und mit 19 Prozent gewonnenen Duellen der zweikampfschwächste Spieler auf dem Platz.