Bundesliga 2005/2006, 7. Spieltag, Samstag, 24.09.05 in der Hamburger AOL Arena bei sonnigen 23 Grad C.

Hamburger SV - FC Bayern München 2:0 (1:0)

Tja, ich habe einen großen Fehler begangen. Normalerweise schreibe ich meine Spielberichte ja direkt auf der Rückfahrt vom Spiel oder zumindest am Folgetag. 

Das wäre auch gerade bei diesem Spiel viel geiler gewesen, da ich dann voller Enthusiasmus geschrieben hätte. Aber nach ein paar Tagen verfliegt sowas ja leicht.

Und trotzdem war das unglaublich. Ein Traum. Das werde ich auch so schnell nicht vergessen. 

Nun ist es aber schon Mittwoch nach dem Spiel. Irgendwie „muss“ ich ja noch was schreiben. Aber zumindest habe ich das größe Glück, dass mir ein Kumpel eine DVD mit dem Spiel gebrannt hat und ich mir das jetzt neben dem Schreiben ansehen kann. Das hat doch was und lässt zumindest noch mal die Gefühle „aufblühen“.

Insgesamt war es irgendwie ein perfekter Tag. Das fing schon mit einem wirklich wunderbaren Wetter an. Wir hatten 23 Grad C in der AOL Arena und herrlichen Sonnenschein.

Vorm Spiel gab es eine schöne Choreographie der Chosen Few zu bewundern und irgendwie hatte ich auch die Hoffnung, dass heute diesmal etwas gehen würde.

Wer meinen Spielbericht vom letzten Heimspiel gelesen hat, der weiß allerdings auch, dass ich schon wieder ganz dunkle Wolken über dem HSV aufziehen sah. 

Aber die Mannschaft tat dem Verein, sich selbst und vor allem mir ;-) ja den großen Gefallen und hat es tatsächlich geschafft, in Stuttgart zu gewinnen. Das war wirklich super-wichtig. 

Mit einer Niederlage in Stuttgart wäre ich ohne einen Schimmer Hoffnung in dieses Spiel gegangen. So konnte man aber doch mal wirklich sagen „Wenn nicht heute, wann dann ... ?“

Da ich ausnahmsweise allein mit der Bahn zum Spiel fuhr, hatte ich, wie gesagt, auch meinen Uraltlaptop nicht dabei. Aber dafür habe ich mich mit meinem Kumpel Maxime am Hauptbahnhof getroffen und bin zusammen mit ihm zum Stadion gefahren. Maxime ist nicht nur ein Azubi bei uns in der Firma, sondern auch ein echter Freund und als gebürtiger Franzose erst seit 2 Jahren fest in Deutschland lebend. Ich sagte vorm Eingang noch zu ihm, wie geil es doch für ihn sei, dass er nun schon bei seinem 2. Bayern-Spiel einen Sieg erleben sollte. Wie schön, dass mich mein Gefühl nicht im Stich lassen sollte. 

Das Spiel ging auch gleich mit einem Highlight los, denn nach 35 Sekunden setzte Atouba den ersten Tunnel gegen einen Bayern, Salihamidzic, an. Mein Kumpel Alex raufte sich gleich die Haare, aber ich finde den Mann wirklich extrem geil. Natürlich wird er irgendwann auch mal ein Gegentor verschulden bei seinem Rumgesixe, aber ich denke, dass man das hinnehmen muß für all das Vergnügen, das er einem bereitet! Und außerdem gibt es ja nun mal kein Licht ohne Schatten!

Der HSV war von Beginn an präsent auf dem Feld und hat sich nicht von Bayern einlullen lassen. Ich muß allerdings sagen, dass ich in den ersten Minuten schon das Gefühl hatte, dass man sehr viel Respekt oder sowas wie „Angst“ vor den Bayern hatte. Ich muß allerdings auch zugeben, dass das vielleicht nur mein ganz persönliches Empfinden war, weil ich eben doch Angst hatte. Ich habe auch das ganze Spiel über ordentlich Schweißflecken auf meinem Tshirt produziert, was mir sonst eigentlich sogar nur selten im Hochsommer gelingt. Man sitzt da ja schließlich nur rum ;-)

Aber nach 9 Minuten sollte das Spiel bereits seine entscheidende Wendung nehmen. Trochowski, über dessen Einsatz ich mich wirklich nicht gefreut habe, da ich ihn in seinen bisherigen Einsätzen nie überzeugend fand, spielte den Ball in die Spitze und Karimi lenkte ihn so perfekt ab, dass Ismael ganz schlecht stand und Lucio auch nicht rechtzeitig zum Ball kam. 

Lauth und van der Vaart hingegen schon. Lauth ließ den Ball für den Mann mit dem besseren laufweg (aber durchaus dem falschen Schussbein in dieser Szene) laufen und so schob van der Vaart den Ball souverän ins lange Ecke an Olli Kahn vorbei. Unglaublich! 1:0 gegen die Bayern nach nicht mal zehn Minuten. Und das auch noch durch einen Rechtsschuß von van der Vaart. Der konnte sein Glück selbst bestimmt kaum fassen, obwohl man fälschlicherweise nicht seine Tormelodie „Hit the road Jack“ sondern Benny Lauths „Let´s get loud“ spielte. 

Ich musste wirklich sehr schnell denken, dass ich diese Führung erstmal sehr beruhigend fand, denn nun wäre bei einem Gegentor nicht gleich das ganze Spiel verloren. Dieses „Elend“ kennt man ja bei Spielen gegen die Bayern. Die zeigen die ganze Zeit nichts, machen dann irgendwann das 1:0 und lassen sich das dann nicht mehr aus der Hand nehmen. 

Und dann kam nur 2 Minuten später die erste gefährliche Szene der Bayern. Sie bekamen eine Freistoß aus wunderschöner Entfernung kurz vor dem 16er. Da sagte ich nur zu Alex:“Ich möchte mich aber nicht nur 2 Minuten freuen“. Sollte ich bis dahin noch keinen Angstschweiß-Fleck produziert haben, so hatte ich nach diesen Sekunden des Wartens auf den Freistoß gewiß einen....

Den Freistoß von Ballack konnte Wächter aber gut parieren. Und das war auch das einzige Mal in der ersten Halbzeit, dass Wächter richtig zupacken musste. Es gab noch einzige richtig gefährliche Szene, als ein tiefer Pass in Richtung 16er des HSV gespielt wurde, aber da hatte Wächter gut aufgepasst und war gerade noch rechtzeitig herausgeeilt, um den Ball ganz kurz vorm Bayern nach vorne zu prügeln. 

Ansonsten konnte man mit dem HSV nur hochzufrieden sein. Wir hatten zumindest durch Lauth noch eine ganze tolle Schusschance, aber die konnte er leider nur auf den kurzen Winkel schießen, wo Olli Kahn sicher parieren konnte. Ins lange Eck wäre es ein Traumtor geworden. 

Insgesamt wusste der HSV mit zunehmender Spielzeit voll zu überzeugen. Die Abwehr stand bombenfest, wobei mir besonders die beiden Außen Demel und Atouba gefielen. 

Atouba gefällt mir seit seinem ersten Pflichtspiel für uns schon fantastisch. Und das, obwohl ich im Trainingslager noch wirklich Ängste wegen seiner scheinbaren Defensivschwäche hatte. Inzwischen finde ich ihn aber, besonders auch defensiv, bärenstark. Der hat schon so einige Bälle im Strafraum ohne Foul glänzend geklärt.

Und von Demel hätte ich mich auch gar nicht getraut, so viel zu erwarten. Er spielt ja jetzt seit einigen Spielen auf seiner Nicht-Traum-Position als rechter Verteidiger der Viererkette. Und ich war so glücklich, dass er nach seiner Verletzung den defensiv ordentlichen, aber offensiv-schwachen Klingbeil wieder ersetzen konnte. Und das hat er wieder so bestätigt. Ich finde ihn derzeit sensationell. Und so einen Mann haben wir ablösefrei geholt. Sensationell. Defensiv toll und auch offensiv immer gefährlich – und ungemein technisch stark am Ball. 

Schön, jetzt gerade ich doch ins Schwelgen.

Und promt fällt in der Wiederholung das 2:0!... ;-) Jetzt gleich. 3, 2, 1 – drin!!!!!

Was für ein geiles Ding und was für eine sensationelle Stimmung – irre!

Das Tor wird ja jeder im TV gesehen haben. Nach schönem Zusammenspiel mit Barbarez trümmerte Trochowski (fortan in der BILD nur noch „Knallkowski“ genannt) den Ball so unglaublich geil an Kahn vorbei in Richtung rechtes Eck des Tores... wow, was für ein Pfund. Und was für ein unglaublicher Jubel. 

Und spätestens ab diesem Moment haben glaube ich wirklich viele dran geglaubt, dass es heute mal klappen könnte, den Bayern nach so vielen Jahren endlich mal wieder ein Bein zu stellen. 

Das letzte Mal war ja im Winter 95/96, als Magath noch Trainer bei uns war. Aber heute war es irgendwie noch geiler (na ja, die Erinnerung ist ja auch frisch), denn wir haben das Spiel ja wirklich sehr souverän bestritten.

Auch nach dem zweiten Gegentreffer waren die Bayern aber immer noch nicht in der Lage, den Schalter richtig umzulegen. Ob sie an diesem Tag zu schlecht oder unsere Jungs einfach zu gut waren, kann man wohl kaum herausfinden. Aber der Satz „man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt“ findet sicherlich auch hier Anwendung. 

Das Spiel lief also so weiter und man musste eigentlich immer nur mal bei Standardsituationen der Bayern etwas Angst haben. In der zweiten Halbzeit hatten die Bayern einen guten Freistoß von Scholl und eine einzige Chance (die EINZIGE des Spiels) aus dem laufenden Spiel, als Lucio, der einzige Bayer, dem man den offenbaren Willen anmerkte, das Ding zu drehen, den Ball frei in aussichtsreicher Position so ca. 10 – 15 Meter vorm Tor bekam .... und den Ball Richtung Himmel beförderte. 

Der HSV hatte in der 2. Halbzeit seine besten Gelegenheiten durch Trochowski (bereits vor seinem Treffer) und durch einen schönen Linksschuß durch Benjamin Lauth, der heute wesentlich besser agierte als zuletzt. Kurz vor Schluß hatte der eingewechselte Mpenza noch eine fast 100%ige vergeben. 

Was man sicherlich auch mal erwähnen muß, ist die Stimmung bei diesem Spiel. Wer meine Berichte öfter mal liest, wird ja sicherlich wissen, dass ich normalerweise wirklich nicht so angetan bin von der Stimmung im Stadion.

Diesmal war es aber unglaublich. Mein Kumpel Rehbein meinte hinterher, dass es die beste Stimmung gewesen sei, die er überhaupt jemals in der AOL Arena erlebt habe. 

Ich denke allerdings, dass es damals gegen Juventus 2000 noch besser war. Dazu meinte dann aber mein Kumpel Kuno, dass es da ja auch eine ganz andere Dramatik gab, weil man bereits praktisch verloren hatte durch den 1:3-Zwischenstand und dann noch das Spiel herumgerissen hatte. Da hat er auch sicherlich Recht.

Wenn ich aber das Juve-Spiel also mal auslasse, dann kann ich mich auch nicht erinnern, wann ich mal so gute Stimmung bei uns erlebt hätte. Und trotzdem glaube ich, dass ich nicht der einzige war, der bis ganz wenige Minuten vor Schluß noch sehr angespannt war. Viele der eigentlich anstehenden Gesänge wie „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ oder der „schwarz-weiß-blaue Walzer“ wurden nicht oder erst super-spät angestimmt. Ich denke, da ging es doch vielen so wie mir. Gegen die Bayern hat man schon so oft die Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, dass man sich eben nicht sehr wundern würde, wenn die kurz vor Schluß das Blatt noch wenden.

Das konnte sie aber diesmal gegen den großartigen aufspielenden HSV nicht. Wichtig für den HSV war sicherlich, dass wirklich ALLE Spieler eine Top-Leistung abrufen konnte. Es war wirklich niemand auf dem Platz, der da abfiel. Alle gaben ihr bestes und besiegten die Bayern verdient. 

Und die Zuschauer hatten heute eben auch mal wirklich einen Teil durch die fantastische Stimmung dazu beigetragen. 

Interessant fand ich dabei, dass die Bayern-Fans im Stadion wirklich ganz zu Beginn des Spiels mal zu vernehmen waren. Hätten sie ein Tor geschossen, wären ja vermutlich doch wieder in allen Ecken etliche aufgesprungen, aber so wurden sie einfach mundtot gespielt durch den HSV. 

Nach dem Spiel wurde dann aber endlich gebührend gefeiert von allen Seiten. Atouba zeigte schon im Kreis der Spieler seine „typischen“ Tänzchen.

Und danach taten es ihm nach dem „UFFTA“ aber noch so einige Spieler gleich. Mir fallen da spontan Boulahrouz und Van Buyten ein, die auch den gediegenen Ringelrein tanzten. Es war wirklich wunderschön.

Nur das „UFFTA“ nach dem Spiel war nicht so ganz gelungen. In den äußeren Stehplatzblöcken schien es mir so, als wollte man noch das ganze Stadion animieren, mitzumachen und rief noch einmal „H-I-N-S-E-T-Z-E-N“. Mir sah es wirklich so aus, als habe man darauf gewartet, dass wirklich alle mitmachen. Wurde aber nichts, weil in der Mitte der Nordtribüne dann bereits aufgesprungen wurde und die Mannschaft dies dann auch – etwas zögerlich – tat.

Aber wie soll so etwas einer so unglaublichen Stimmung Abbruch tun. Es war ein Traum. Ich kann das echt nicht anders sagen. Selten war ich so glücklich und stolz als HSV-Fan. Und alle, die live im Stadion dabei waren (und HSV-Fans sind) werden dankbar sein, dass sie bei diesem Spiel dabei sein durften. Denn – es wäre mir ja auch egal gewesen, wenn wir durch einen vollkommen unverdienten Elfmeter in der Nachspielzeit gewonnen hätten, aber so war es eben nicht. Der HSV hat dieses Spiel in meinen Augen (und auch der einschlägigen Presse) vollkommen zurecht gewonnen. Und so einen schönen Feiertag haben Mannschaft und Fans auch mal nach den vielen Jahren der spielerischen Dürre verdient. 

Wie schön, dass gerade wir es waren, die den Bayern nach 15 Siegen in Folge den Ausbau Ihres Rekordes verdorben haben und dabei selbst unsere Serie der niederlagenlosen Pflichtspiele um ein weiteres ausbauen konnten. 

Ich bin dem „Fußballgott“ jedenfalls dankbar für diesen wunderbaren Nachmittag!

Meine Spielerbewertung: 

Wächter: Ohne jeden Fehler. Wurde allerdings auch nur selten geprüft: Note 2

Demel: Eine absolute Klasseleistung. Besser geht es nicht: Note 1

Boulahrouz: Die Innenverteidigung war eigentlich auch nahezu perfekt. Aber die konnten mir gar nicht so perfekt auffallen wie die Außenverteidiger, weil sie nicht mal sooo gefordert waren und dann offensiv natürlich kaum Aktionen haben: Note 2+

Van Buyten: siehe Boulahrouz. Wobei man dem ja eigentlich nur eine 1 geben darf, denn er hatte lt. Statistik den sensationellen Zweikampfwert von 100 %: Note 2+

Atouba: Defensiv bombastisch. Nur offensiv hielt er sich heute ein klein wenig zurück: Note 2+

Beinlich: er spielte zwar nicht super-auffällig, aber er ist ein ruhender Pol, der einfach immer das richtige macht: Note 2+

Trochowski: Das erste Tor hat er (wenn auch abgefälscht) vorbereitet, das zweite selbst erzielt und zwischendurch noch viele gute Szenen gehabt. Da geht nur: Note 1

Jarolim: Heute wieder auf der rechten Seite und dort auch wieder perfekt. Offensiv wertvoll und mit unglaublicher Laufarbeit offensiv wie defensiv: Note 1

Van der Vaart: Schon wieder ein Tor erzielt. Ansonsten hätte er aber noch einen Tick auffälliger spielen können, denke ich: Note 2+

Barbarez: hat das zweite Tor vorbereitet und ansonsten auch sehr konzentriert gespielt. Er hätte nur auch beinahe wieder gelb-rot für seinen nicht zu bändigenden Mund bekommen: Note 2

Lauth: Auch Lauth zeigte heute nach einigen Spielen mit Durststrecke endlich mal wieder ein sehr anspruchsvolles Spiel. Weiter so, Benny, dann klappts auch bald mit dem Tor: Note 2

Schiri Meyer: irgendwann im Spiel habe ich mir mal gesagt, dass der einfach immer pfeift, wenn einer auf dem Boden liegt. Als ich das begriffen hatte, konnte ich seine Linie nachvollziehen. Hat lt. TV aber wirklich fast immer richtig gelegen: Note 2

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 1. Bundesliga, 2005/06, 7. Spieltag 

Hamburger SV -  Bayern München  2:0 (1:0) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter (3) - Demel (3), Boulahrouz (2,5), van Buyten (2), Atouba (2,5) - Beinlich (2,5) - Jarolim (2), Trochowski (1,5) - van der Vaart (2,5) - Lauth (3,5), Barbarez (3) - Trainer: Doll

Bayern München:  Kahn (2,5) - Sagnol (3,5), Lucio (4), Ismael (4,5), Lizarazu (4) - Demichelis (4,5) - Salihamidzic (5), Zé Roberto (5) - Ballack (5), Karimi (5) - Makaay (5) - Trainer: Magath

Tore:   1:0 van der Vaart (10., Rechtsschuss, Vorarbeit Trochowski), 2:0 Trochowski (62., Rechtsschuss, Barbarez)

Eingewechselt:   68. Mpenza für Lauth, 71. B. Reinhardt für Demel, 82. Ziegler für van der Vaart - 46. Schweinsteiger (3,5) für Salihamidzic, 46. Guerrero (4) für Karimi, 61. Scholl für Lizarazu

Chancenverhältnis:  6:4
Eckenverhältnis:  2:1
Schiedsrichter:  Meyer  (Burgdorf), Note 2 - zückte schnell Gelb, zog seine Linie aber konsequent durch und leitete souverän.
Zuschauer:  55800 (ausverkauft)
Gelbe Karten:  Jarolim, Barbarez, Demel - Ballack, Makaay, Guerrero
Spielnote:  2,5

Spieler des Spiels:  Trochowski, Piotr
Trickreich und effizient. Seine Vorlage zum 1:0 wurde noch von Karimi abgefälscht, sein Tor war blitzsauber, technisch brillant.

Analyse
Beim Hamburger SV gab es nach dem jüngsten 2:1-Erfolg in Stuttgart folgende personelle Änderungen: Demel und Trochowski kamen für Klingbeil und Mahdavikia (Wadenzerrung).
Bayern Münchens Trainer Felix Magath brachte nach dem 1:0-Sieg in Frankfurt den wiedergenesenen Ballack und Zé Roberto für Deisler und Schweinsteiger.

Die Anfangsphase in der ausverkauften AOL-Arena verlief äußerst gemächlich. Die Bayern standen sehr weit zurückgezogen, griffen erst spät an und bauten einen sehr engmaschigen Gürtel um den Strafraum herum auf. Der HSV hatte viel Ballbesitz, suchte aber zunächst vergeblich nach einer Lücke. Nach Balleroberung verschleppte der FCB das Tempo, initierte keine schnellen Gegenstöße.

Ein wenig überraschend gingen die Hanseaten bereits in der 10. Minute mit der ersten Torchance in Führung: Ein weiter Diagonalpass aus dem Mittelfeld fand - abgefälscht von Karimi - den Weg zu van der Vaart, der Kahn mit einem Flachschuss aus 14 Metern halbrechter Position keine Chance ließ.

Die Münchner fanden zu keinem Spielrhythmus, auch wenn sie nun etwas engagierter agierten. Die Abwehr des HSV präsentierte sich zweikampfstark und sehr aufmerksam.

Die Partie wurde von beiden Seiten sehr intensiv geführt. Die Nerven waren stark angespannt, was sich immer wieder in hitzigen Debatten nach Schiedsrichterentscheidungen und teilweiser Rudelbildung entlud.

Die Bayern bekamen zwar mehr und mehr Spielanteile, auch weil der HSV mit der Führung im Rücken nicht alles nach vorne warf, taten sich im Spielaufbau aber äußerst schwer. Der Weg in den Strafraum war zumeist versperrt. Bei Flanken nach Freistößen hatte die von Boulahrouz und van Buyten umsichtig organisierte Abwehr der Hanseaten die Lufthoheit und die Lage im Griff. 

Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte Magath mit Schweinsteiger und Guerrero zwei neue Kräfte. Und die Münchner zeigten sich nun um einiges engagierter, druckvoller, beweglicher. Und zwar geistig wie körperlich. Die Doll-Schützlinge verteidigten mitunter mit zehn Mann am und um den eigenen Strafraum, blieben aber bei schnellen Kontern gefährlich. So traf erst Trochowski aus acht Metern das Außennetz, dann zwang Lauth mit einem harten 18-Meter-Schuss Kahn zu einer Glanzparade.

Und kurz nachdem Magath mit Scholls Einwechslung noch ein weiteres Mal die Offensive stärken wollte und Lizarazu herausnahm, übertölpelten die Hanseaten die nach vorne orientierten Bayern: Barbarez spielte mit viel Übersicht flach in die Gasse zum Ex-Münchner Trochowski, der Lucio ins Leere laufen ließ und den Ball mit rechts aus 16 Metern in den rechten Winkel drosch (62.).

Den Münchnern fiel auch in der Folge nichts Endscheidendes ein, den Hamburger Riegel knacken zu können. Die Abspiele waren häufig nicht präzise genug, so dass die Hanseaten immer wieder dazwischen gehen konnten.

Die Doll-Elf zeigte sehr hohen Einsatz, Laufbereitschaft und Zweikampfstärke, womit sie den Bayern den Schneid abkauften. Egal, was Ballack und Co. probierten, die aufmerksamen Norddeutschen wussten eine Antwort. Die Innenverteidigung beherrschte bei Flanken, die fast ausschließlich durch Standards möglich waren, den Luftraum. Die Außenseiten waren meist gut zugestellt. Durch die Mitte ließ der HSV gar nichts zu.

Erst als die Konzentration in den Schlussminuten ein wenig nachließ, unterlief auch mal ein Fehler. Lucio kam nach Hereingabe von Sagnol aus zwölf Metern völlig frei zum Schuss, der Weltmeister drosch den Ball aber hoch drüber und weit daneben.

Die Siegesserie des FC Bayern München ist nach 15 Erfolgen am Stück in Hamburg gerissen. Der HSV gewann nach einer hervorragenden Mannschaftsleistung verdient gegen den noch immer die Tabelle anführenden FCB. Taktisch klasse eingestellt, geriet der Erfolg der Hanseaten praktisch nie wirklich in Gefahr, weil dem deutschen Meister über die gesamte Spielzeit keine probaten Mittel einfallen wollten.
 

Spielereignisse im Detail
  Schlusspfiff 
 
90 Jarolim spielt im Strafraum quer zu Mpenza, der im Fallen aus neun Metern freistehend nur einen Roller herausbringt. Kahn hält. 
 
90
 Guerrero sieht nach Foul an Jarolim Gelb. 
 
88 Scholl zirkelt einen direkten Freistoß aus 20 Metern ans linke Außennetz. 
 
85 Lucio kommt nach Hereingabe von Sagnol aus zwölf Metern völlig frei zum Schuss, der Weltmeister drischt den Ball aber hoch drüber und weit daneben. 
 
84
 Makaay sieht nach Foul an Boulahrouz Gelb. 
 
82
 Der Schweizer Nationalspieler Ziegler kommt für van der Vaart. 
 
79 Zé Roberto schießt einen direkten Freistoß über die Mauer nur ganz knapp rechts vorbei. Wächter wäre chancenlos gewesen. 
 
71 Makaay flankt von der linken Grundlinie weit zu Schweinsteiger, dessen Direktabnahme aus 16 Metern aber hoch drüber geht. 
 
69 Scholl scheitert mit einem direkten Freistoß aus 22 Metern an der Mauer. 
 
68
 Doll bringt mit Mpenza für Lauth einen Stürmer für einen Stürmer, nicht etwa einen weiteren Defensivspieler. 
 
62
 Barbarez spielt mit viel Übersicht flach in die Gasse zu Trochowski, der Lucio ins Leere laufen lässt und den Ball mit rechts aus 16 Metern in den rechten Winkel drischt. 
 
61
 Magath verstärkt mit Scholls Hereinnahme und Lizarazus Auswechslung nochmal die Offensive. 
 
59 Van der Vaart schießt einen direkten Freistoß direkt in die Münchner Mauer, die aber keine neun Meter entfernt postiert war. 
 
56 Lauth schießt hart mit links vom linken Strafraumeck aufs rechte Eck, Kahn faustet den Ball zur Ecke, die aber nichts einbringt. 
 
54 Trochowski trifft nach Abschluss eines schnellen Gegenstoßes und Dribbling gegen Lucio aus acht Metern linker Position nur das Außennetz. 
 
52 Der Druck der Bayern wird immer größer, die Hanseaten verteidigen mit zehn Mann. 
 
48 Erster (!) Eckball für den FCB. Schweinsteigers Hereingabe wird per Kopf abgewehrt, Lizarazus Nachschuss landet im dritten Stock. 
 
46
 Felix Magath bringt zwei neue Kräfte. Mit Guerrero kommt ein echter zweiter Stürmer. Schweinsteiger soll mehr Druck ausüben als es Salihamidzic gelang. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
45 Der zunächst sehr tief stehende FCB agiert nach dem Rückstand etwas offensiver, findet aber keinen schlüssigen Weg gegen die klasse organisierte Defensive des HSV. Beide Teams liefern sich eine intensive Partie ohne viele Torszenen. 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
42 Lucio schießt einen direkten Freistoß aus 30 Metern hoch über Wächters Tor. 
 
38 Boulahrouz und van Buyten organisieren die Defensive des HSV bis dato vorbildlich. 
 
31 Lauth zwingt Kahn mit einem Direktschuss aus 18 Metern halbrechter Position aufs kurze Eck zu einer Glanzparade. 
 
28 Beinlich scheitert mit einem direkten Freistoß aus 18 Metern an der Mauer. 
 
25 Barbarez wird nach einer Rangelei mit Ismael das letzte Mal ermahnt. 
 
24
 Barbarez sieht Gelb wegen Meckerns. 
 
22 Der FCB, der in der Defensive sicher steht, findet zu keinem Spielfluss. Die Abwehr des HSV ist sehr aufmerksam und zweikampfstark. 
 
20
 Ballack bremst Atouba auf Höhe der Mittellinie von hinten und erhält die Gelbe Karte. 
 
16 Salihamidzic probiertt's mal mit Gewalt, zieht mit rechts aus 24 Metern ab, zielt aber zu weit rechts. 
 
13 Ballack zirkelt einen direkten Freistoß aus 25 Metern aufs rechte Eck, Wächter rettet aber nach schöner Flugeinlage zur Seite. 
 
10
 Ein weiter Diagonalpass aus dem Mittelfeld findet - abgefälscht von Karimi - den Weg zu van der Vaart, der Kahn mit einem Flachschuss aus 14 Metern halbrechter Position keine Chance lässt. 
 
8
 Jarolim sieht nach rüdem Foul an Ballack Gelb. 
 
7 Beinlich schlägt einen Freistoß fast von der Mittellinie in den Strafraum, Barbarez köpft aus 14 Metern aufs Tor, Kahn fängt aber sicher. 
 
6 Es tut sich noch nicht viel auf dem Rasen. Die tief stehenden Münchner verschleppen das Tempo. 
 
2 Der HSV hat seit zwei Minuten, also von Anpfiff weg, ununterbrochen den Ball. Die Bayern ziehen sich zurück und greifen spät an. 
 
  Anpfiff 
 
0 Auch Felix Magath setzt auf zwei Neue: Der wiedergenesene Ballack sowie Zé Roberto ersetzen Deisler und Schweinsteiger. 
 
0 Beim HSV gibt es zwei personelle Änderungen: Demel und Trochowski spielen für Klingbeil und den an der Wade verletzten Mahdavikia. 


 
sport1: HSV beendet Bayerns Rekordserie
 
Mit dem ersten Heimerfolg gegen Bayern München seit knapp zehn Jahren hat der Hamburger SV den Triumphzug des deutschen Rekordmeisters in der Bundesliga gestoppt. 
Die Hanseaten bezwangen den im Oberhaus zuvor 15-mal in Folge siegreichen Spitzenreiter mit 2:0 (1:0) und schoben sich in der Tabelle bis auf einen Zähler an die Bayern heran.
Während der HSV damit auch im 17. Pflichtspiel der Saison ohne Niederlage blieb, konnten die Münchner ihre Startbestmarke aus der Spielzeit 1995/1996 nicht einstellen. 
Damals hatte der Klub zu Rundenbeginn sieben Dreier in Serie eingefahren.

Van der Vaart und Trochowski treffen
Vor 55.800 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena brachte Spielmacher Rafael van der Vaart die Platzherren mit seinem vierten Saisontor nach zehn Minuten in Führung. 
Der Ex-Bayern-Spieler Piotr Trochowski sorgte für das 2:0 (62.).

HSV von Anfang an überlegen
Die Hamburger waren von Beginn an überlegen und versuchten, die zunächst abwartend agierenden Bayern unter Druck zu setzen. 
Nachdem die ersten Angriffsbemühungen des HSV noch wirkungslos verpufft waren, nutzte van der Vaart dann aber doch die Chance zur frühen Führung. 
Ali Karimi hatte einen Steilpass von Trochowski für die Bayern unglücklich abgefälscht, und van der Vaart nutzte den entstandenen Raum eiskalt zum 1:0.

Ballack bei Comeback blass
In der Folgezeit wurden auch die Bayern aktiver. Der wiedergenesene DFB-Kapitän Michael Ballack, der vor der Pause allerdings meist blass blieb, scheiterte mit einem Freistoß aus 24 Metern am HSV-Schlussmann Stefan Wächter (13.). 
Ansonsten bekam der Hamburger Keeper in einer kampfbetonten Partie aber ebenso wie Bayern-Torwart Oliver Kahn zunächst wenig zu tun.

Kahn rettet gegen Lauth
Beide Mannschaften suchten vor ihren Europapokal-Auftritten in der kommenden Woche zwar ihr Glück in der Offensive, neutralisierten sich jedoch über weite Strecken. Einzig Benjamin Lauth hatte in der 31. Minute noch einmal eine gute Einschussmöglichkeit. 
Der gebürtige Münchner im HSV-Trikot konnte Kahn aus halbrechter Position jedoch nicht überwinden.

Makaay einsam vorne
Nach dem Seitenwechsel brachte Bayern-Trainer Magath neben Nationalspieler Bastian Schweinsteiger auch Paolo Guerrero. Der 21-jährige sollte neben der zunächst einzigen Münchner Spitze Roy Makaay für mehr Gefahr vor dem Hamburger Tor sorgen. 
Die besseren Chancen hatten aber zunächst die Gastgeber. Lauth vergab zwar noch (55.), doch Trochowski sorgte nach herrlichem Pass von Sergej Babarez mit einem wuchtigen Schuss aus 15 Metern für die Entscheidung.

Bayern ohne echte Torchance
In der Folgezeit versuchten die Bayern, das Ruder nochmal herumzureißen, doch die HSV-Abwehr um Kapitän Daniel van Buyten ließ keine einzige Großchance der Gäste zu. 
Bei den Platzherren wussten vor allem die Torschützen van der Vaart und Trochowski zu gefallen. Im Bayern-Trikot waren der Argentinier Martin Demichelis und der bemühte Brasilianer Lucio noch die Besten.
 

Nachbericht: Jubel beim HSV - Erleichterung beim FCB

Hamburg/München - Ein Grinsen war in Oliver Kahns Gesicht zwar nicht auszumachen, doch der Keeper des FC Bayern wirkte nach der 0:2 (0:1)-Niederlage beim Hamburger SV, der ersten nach zuletzt 15 Siegen, irgendwie erleichtert. 
"Wir sind froh, dass dieses Ding mit der Serie aus dem Kopf ist", sagte Kahn. 
Es sei ein "unangenehmer Druck" von der Mannschaft gefallen und Kahn stellte beinahe entzückt fest, "dass jetzt wieder Normalität einkehrt."

"Irgendwann waren wir mal fällig"
Dass sich die Bayern nicht zu Tode siegen würden, hatte Kahn schon vorher gewusst. "Irgendwann waren wir mal fällig", meinte der 36-Jährige. 
In den letzten Wochen hatte sich ein Ende der Rekordserie bereits mehrfach angedeutet. Schon gegen Hannover (1:0) und in Frankfurt (1:0) machten die Bayern keinen übermächtigen Eindruck. 

Ballack: "Haben verdient verloren"
Dies war in der mit 55.800 Zuschauern ausverkauften AOL-Arena nicht anders. Der HSV, der den Rückstand auf Bayern durch den Erfolg bis auf einen Zähler reduzierte, war von der ersten Minuten an in allen Belängen besser, was auch Michael Ballack erkannte. 
"Wir haben viel zu passiv gespielt und verdient verloren", sagte der Nationalspieler, der in Hamburg ein mäßiges Comeback nach überstandener Verletzungspause gab.

Van der Vaart und Trochowski treffen
Auch Trainer Felix Magath sprach von einem "verdienten Niederlage" und der "schwächsten ersten Halbzeit dieser Saison. Einige hatten wohl schon das Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Brügge im Kopf", so der Coach. 
Den Knackpunkt sah Magath im frühen 0:1 durch den überragenden HSV-Spielmacher Rafael van der Vaart (10.). 
"Das Gegentor war unangenehm. Der HSV ist dadurch sehr selbtsbewusst geworden", befand Magath. 

Trochowski wie im Traum
In der Tat behielten die Gastgeber in der Folgzeit stets den Überblick und in der 62. Minute schloss Ex-Bayern-Spieler Piotr Trochowski eine sehenswerte Ballstafette über van der Vaart und Sergej Barbarez zum 2:0 ab. 
"Das ist alles ein Traum für mich", sagte Trochowski, "ich habe auf meine Chance gewartet und sie genutzt. Ich habe dieses Spiel sehr genossen."
Auch Trainer Thomas Doll ergötzte sich am "selbstbewussten Auftritt meiner Mannschaft" und an der tabellarischen "Momentaufnahme". 

HSV bleibt auf dem Teppich
Zu mehr wollte sich Doll nach dem ersten Sieg des HSV gegen Bayern seit 1996 nicht hinreißen lassen, obwohl die Hanseaten ihre erste große Bewährungsprobe der Saison mit Bravour bestanden und nunmehr seit 17 Pflichtspielen ungeschlagen sind.
"Für uns war es der nächste Schritt in die richtige Richtung. Unsere Ziele sind anders definiert als die der Bayern", sagte Doll.
Will heißen: ein Platz "unter den ersten Fünf", wie Kapitän Daniel van Buyten bestätigte. "Natürlich war es ein großer Tag für den Verein. Aber im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Da können leicht wieder Rückschläge kommen", so der Holländer weiter.

HSV-Fans träumen vom Titel
Daran verschwenden die HSV-Fans derzeit keine Gedanken. "Ich habe 260 Euro für diese Scheiß-Karte bezahlt. Ich hätte auch 1000 Euro bezahlt. Es war total geil", sprudelte es aus einem Anhänger heraus. 
Seit 22 Jahren warten die HSV-Fans darauf, dass die Meisterschale mal wieder in Hamburg Station macht. Oliver Kahn ist allerdings fest entschloseen, dass dieser Traum so schnell nicht wahr wird. 
Beim Anblick der schunkelnden HSV-Spieler nach dem Schlusspfiff sagte Kahn. "Die feiern ja, als hätten sie gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Schauen wir doch mal, wer am Ende vorne steht."
Ein leichtes Grinsen konnte sich Kahn dann doch nicht verkneifen.