Bundesliga 2005/2006, Bundesliga, 9. Spieltag, Samstag, 15.10.05 an einem wunderschön sonnigen Herbsttag bei 17 Grad C in der Hamburger AOL Arena

Nach all den wunderbaren HSV-Erlebnissen gab es jetzt dann mal wieder einen Einbruch. Und obwohl es ja klar war, dass es nicht immer nur gut laufen kann, hat mir das Spiel gestern doch irgendwie „weh getan“. 

Verlieren kann man ja immer mal, aber irgendwie hatte ich für dieses Spiel ja doch ganz andere Erwartungen und Hoffnungen. Ich glaube nicht, dass ich einen von jenen bin, die nun glauben, dass der HSV nur noch gewinnen wird. Und schon gar kein von jenen, die meinen, wir spielen jetzt um die Meisterschaft mit! Das habe ich vorher nicht geglaubt und das ist jetzt natürlich nicht anders geworden. 

Aber ich hatte vor dem Spiel wirklich den Glauben, dass wir es gewinnen würden. Wolfsburg ist ja nun wirklich auch keine Übermannschaft. Und ich dachte schon, dass wir die schlagen würden. 

Dabei wäre mir das Ergebnis auf Schalke dann fast egal gewesen. Rein vom Verstand her, wäre mir ein Bayern-Sieg ohnehin am liebsten gewesen, denn ich glaube nicht, dass wir den Bayern Paroli bieten können im Meisterschaftskampf. Dann wird es schon eher eine Mannschaft wie Schalke sein, die um die gleichen Plätze (hinter Bayern) kämpft wie wir. 

Und trotzdem hätte ich es saugeil gefunden, wenn wir mal für eine Woche Tabellenführer gewesen wären. Das hätte mir schon toll gefallen. Da habe ich allerdings auch schon vorher zu einigen HSVern gesagt, dass das aber auch nur für kurze Zeit sein dürfte, weil sonst rund um den HSV alle total abdrehen. Ich meine, es drehen ja so schon genug auf dem Teller durch die letzten Erfolge. Und auch ich wusste ja schon gar nicht mehr, ob das alles wahr sein kann.

Wo ich das gerade so schreibe, muß ich denken, dass es vielleicht mal ein Rückschlag zur rechten Zeit war. Vielleicht ist es auch für die Spieler wichtig zu sehen, dass es nur zu Siegen reicht, wenn alle optimal spielen. Zumindest wenn man einen halbwegs ordentlichen Gegner hat. In Kaiserlautern wurde es uns zuletzt ja doch recht einfach gemacht. 

Nun war es aber tatsächlich Wolfsburg, die unseren Höhenflug gebrochen haben. Ich glaube, es waren 19 Spiele ohne Niederlage, die wir hinter uns gebracht haben. Da mir Wolfsburg irgendwie nicht sonderlich sympathisch ist und es dazu auch noch ein Heimspiel war, fand ich es irgendwie doch recht scheiße, gerade gegen die zu verlieren. 

Aber man muß sicherlich auch zugeben, dass diese Niederlage insgesamt verdient war. Ich finde zwar nicht, dass Wolfsburg toll gespielt hat, aber sie haben (obwohl sie nicht so gemauert haben wir zuletzt die Gegner in der AOLA) uns gut im Griff gehabt und nur ganz wenige Torchancen zugelassen. Dabei hatten sie selbst aber doch so einige Chancen und waren eigentlich einem zweiten Tor näher als wir dem ersten. 

Bei unserem HSV hat es meiner Meinung nach an allem gefehlt. Ich finde, es war auch einfach nicht die richtige Einstellung bei den Spielern zu verzeichnen. Ich kann allerdings überhaupt nicht einschätzen, inwieweit sie einfach nur kaputt sind. Zwar gab es letzte Woche kein Bundesligaspiel, aber dafür war ja der halbe Kader auf Länderspieltour und hatte somit trotzdem 2 Spiele in der Zeit. Allerdings kann ich nur beten, dass die Überbeanspruchung nicht der Grund war für die gestrige Niederlage. Dann würde mir nämlich doch Angst und Bange werden für die kommenden Wochen, denn wir haben jetzt ja bis zur Winterpause fast nur noch englische Wochen. Da sollten wir jetzt nicht schon am Ende sein. 

Vielleicht hat es aber auch einfach nur mental nicht gestimmt. Der einzige, bei dem ich persönlich fand, dass er irgendwie „un-fit“ wirkte, war Guy Demel. Der war allerdings ja auch angeschlagen und hat daher nicht mal an den Länderspielen seiner Elfenbeinküste teilgenommen. Aber der Sportskamerad Demel hat ja betrüblicherweise demnächst vielleicht die Chance, einige Wochen in der Bundesliga auszuspannen. Doch dazu später noch mehr. 

Zum Spiel gibt es eigentlich nur ganz wenig zu sagen. Der HSV wusste in diesem Spiel fast nie zu überzeugen. In der ersten Halbzeit kann ich mich mit Mühe an eine Torchance von Benny Lauth erinnern. Nee, es hätten zwei sein können. Als er einmal ein Stück weit allein aufs gegnerische Tor zulief, ließ er sich ja den Ball ablaufen, bevor es zur Chance wurde. Und dann hatte er kurz vor der Halbzeit durch Zufall einen Ball vor seinen Füßen, den er leider nichts ins Tor stochern konnte. 

Ich hatte auch nie so recht das Gefühl, dass wir das Spiel umdrehen könnten. Ich saß da auch so und dachte mir, dass ich nicht mal wüsste, ob ich nun richtig jubeln könnte, wenn wir mal ein Tor aus dem Nichts heraus schießen. Denn eigentlich war mir angesichts des Spiels nicht nach Jubeln. 

Lediglich in den letzten 20 Minuten hatte ich mal das Gefühl, dass es doch noch kippen könnte, denn da haben wir endlich Druck gemacht und hatten auch ein paar Torchancen. Die hatte Wolfsburg in Form von Kontern, die sich teils recht dümmlich vergeben haben, dann allerdings auch. 

Im Stadion meinten wir alle auch einen Elfer an Barbarez gesehen zu haben, aber die TV-Bilder konnten mir da keinen Aufschluß geben. Sehr geil fand ich aber, dass ich die Szenen zufällig im Sportstudio in der Wiederholung gestern nacht noch einmal gesehen habe. Und da sagte good old Töpperwien doch glatt, dass dieses eindeutig kein Elfer gewesen sei. Dafür hat er aber einen in der ersten Halbzeit für Wolfsburg (Demel gegen Klimowicz) ausgemacht. Supergeil fand ich daran eigentlich nur, dass in beiden Szenen im TV die Beteiligten erst so spät ins Bild kamen, dass sie da gerade jeweils schon im Fallen begriffen waren. Da konnte man meiner Meinung nach nun wirklich überhaupt nichts draus erkennen, weil die Spieler eben erst viel zu Spät im Bildausschnitt zu sehen waren. 

Das Spiel ging also mit 0:1 verloren und ich denke, dass man zugeben muß, dass das wohl o.k. war. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich Wolfsburg besser fand, aber auf jeden Fall haben wir so gespielt, dass man ohnehin keinen Sieg verdient gehabt hätte. 

Umso trefflicher war natürlich die Meldung nach Spielende, dass Schalke tatsächlich noch den Ausgleich gegen Bayern geschossen hatte. Hätten wir gewonnen, wären wir also tatsächlich Tabellenführer gewesen.....

Die nachhaltig wirkende Begebenheiten dieses Spiels passierten dann aber leider erst nach Schlusspfiff. Der nicht besonders toll aufgetretene Schiri Wolfgang Stark rückte nun total in den Mittelpunkt. 

Das war allerdings nicht seine Schuld, sondern die der Spieler. Es gab kurz nach Schlusspfiff eine schöne „Rudelbildung“ mit Schubsereien auf dem Feld. Herr Stark entschied dann, obwohl das Spiel bereits abgepfiffen war, auf Rote Karten für den Wolfsburger Franz und den Hamburger van der Vaart. Das ist seit dieser Saison möglich, so lange die Spieler den Platz noch nicht verlassen haben – auch wenn bereits abgepfiffen wurde. 

Ich habe die Szenen nun auch im TV gesehen und denke, dass es schwer zu bewerten ist. Ganz klar ist allerdings, dass lt. TV-Bildern vdV der Initator der Rangelei war. Von daher ist die Rote Karte wohl berechtigt und ich kann mir auch absolut nicht vorstellen,  dass er vom DFB-„Gericht“ freigesprochen wird bzw. nur ein Spiel Sperre erhält.

Allerdings wüsste ich zu gern, was da passiert ist, bevor Rafael ausrastete. Er wirkt auf dem Feld ja nun nicht unbedingt wie ein Heißsporn wie Sergej Barbarez, der gerne jedem Gegner mal an die Wäsche will. Was mag da gewesen sein? Vielleicht wird man es ja noch in einem Interview erfahren. Aber leider sind ihm wohl mehrere Spiele Sperre sicher. 

Die drohen auch, trotz keines Feldverweises, dem Sportsfreund Demel. Der ist in dieses Rudel nämlich offenbar mit ausgestrecktem Arm reingelaufen und hat einem Wolfsburger schön seinen hochgehaltenen Schienbeinschoner in die Fresse gedonnert (wenn ich das mal so ausdrücken darf). Da steht zu befürchten, dass der DFB-Kontrollausschuß auch gegen ihn vorgehen wird. Erschwerend kommt da vielleicht noch hinzu, dass er in dieser Saison in der Halbzeit des Bielefeld-Spiels dem Gegner Vata auf dem Weg in die Katakomben auch schon eine geschmiert hat und auch viele da schon mit einer Sperre rechneten, die es aber nicht gab. Wo mir das jetzt wieder einfällt, bin ich mir leider doch recht sicher, dass er diesmal nicht straffrei hervorgehen wird. Es sei denn, der Schiri hat das gesehen und es nicht also so schlimm bewertet. Wenn der Schiri es aber gar nicht gesehen hat, wird er jetzt wohl fällig sein.

Und diese beiden Spielerverlusten werden dem HSV dann wirklich weh tun. Van der Vaart ist mit seiner aktuellen Torgefährlichkeit ohnehin nicht zu ersetzen und Demel als rechter Verteidiger (obwohl ich ihn gegen Wolfsburg wirklich schwach fand) auch nicht so ohne weiteres. 

Nächsten Donnerstag in Sofia werden beide ja auf jeden Fall mitmischen können, aber danach in Dortmund wird es schwer – ohnehin schwer, aber ohne die beiden eben noch schwerer. Und es ist verdammt wichtig, dass wir da sofort wieder aufstehen. So wie damals nach dem schlechten Heimspiel dann in Stuttgart gleich wieder positiv aufgetreten wurde. Hoffentlich packen die Jungs das!

Zu erwähnen zum gestrigen Spiel ist noch, dass das Stadion tatsächlich erstmals gegen Wolfsburg ausverkauft war. Und das finde ich echt GIGANTISCH. Unglaublich, was für eine Euphorie der HSV momentan in Hamburg ausgelöst hat. Und trotzdem wundert es mich sehr, dass sich dann plötzlich 15 –20.000 Zuschauer mehr als sonst gegen Wolfsburg einfinden im Stadion. Aber das ist wohl so. Schade natürlich, dass die nun nicht besonders dazu ermutigt wurden, jetzt öfter zum HSV zu kommen.... Aber na ja, irgendwann sind wir „echten“ HSV-Fans ja ohnehin wieder unter uns.... ;-)

Meine Spielerbewertung. 
Wächter: war außer beim Gegentor eher beschäftigungslos, da die Wolfsburger es ja vorzogen, ihre besten Chancen neben das Tor zu setzen: Note 3

Demel: hatte wirklich keinen guten Tag. Vor allem traute er sich offensiv diesmal wirklich gar nichts zu. Und wenn er dann mal flankte, dann war das meist auch dementsprechend: Note 4-

Boulahrouz: Im Spiel dachte ich noch, dass er einer der wenigen mit Normalform gewesen sei, aber nun durfte ich im TV ja noch mal sehen, dass er maßgeblich das Gegentor verschuldet hat, weil er dem Gegner den Ball überließ... Note 4-

Van Buyten: Die Abwehr war diesmal nicht sattelfest. Und als er schließlich für eine lange Zeit vor Spielende mit nach vorne ging, sorgte er da eigentlich nur regelmäßig für Abseitspositionen...  Note 4-

Atouba: er bemühte sich zwar, war aber auch ohne jede Durchschlafskraft: Note 4

Wicky: ist mir fast gar nicht aufgefallen. Note 4

Beinlich: Bei Paule ist mir nun allerdings wirklich aufgefallen, dass er mir überhaupt nicht aufgefallen ist. Er hat in meinen Augen viel zu wenig teilgenommen am Spiel: Note 4-

Jarolim: Noch wenigstens einer der Aktivposten: Note 3

Van der Vaart: kam heute auch nichts ins Spiel. Hätte aber kurz vor Schluß fast durch einen tollen Fallrückzieher noch den Ausgleich erzielt. Der Ausraster nach dem Spiel hätte aber nicht sein dürfen. Damit schadet er dem HSV enorm: Note 4

Lauth: Am Anfang fand ich noch, dass er sich sehr gut einsetzt, aber mit zunehmender Zeit tauchte er immer mehr unter. Das war einfach nicht genug: Note 4-

Barbarez: Das war heute wirklich gar nichts. Es gelang ihm praktisch nichts. Ich kann mich an keine einzige Torszene erinnern und zudem hatte er sehr viele Abspielfehler: Note 5

Schiri Stark: es fällt mir schwer, ihn zu bewerten. Im Spiel fand ich, dass er viel zu spät anfing, den Wolfsburgern mal gelb zu zeigen. Das zudem kein Wolfsburger eine Karte für Spielverzögerung bekam, fand ich verwunderlich: Note 4

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker:  1. Bundesliga, 2005/06, 9. Spieltag 
Hamburger SV -  VfL Wolfsburg  0:1 (0:1) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter - Demel, Boulahrouz, van Buyten, Atouba - Wicky - Jarolim, Beinlich - van der Vaart - Lauth, Barbarez - Trainer: Doll

VfL Wolfsburg:  Jentzsch - Alex, Franz, Quiroga, Neziri - Thiam - Sarpei, van der Heyden - d'Alessandro - Hanke, Klimowicz - Trainer: Fach

Tore:   0:1 Klimowicz (19., Kopfball, Vorarbeit Quiroga)

Eingewechselt:   66. Mahdavikia für Demel, 66. Mpenza für Lauth, 81. Takahara für Wicky - 79. Menseguez für Alex, 90+1. Schnoor für d'Alessandro

Schiedsrichter:  Stark 
Zuschauer:  55800 (ausverkauft)
Rote Karten:  Franz (90+5., Rangelei), van der Vaart (90+5., Rangelei)
Gelbe Karten:  Lauth, Wicky, Beinlich - Klimowicz, Neziri, Alex, Sarpei

Spielbericht
Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg in Kaiserslautern am vergangenen Spieltag stellte HSV-Trainer Thomas Doll sein Team nur auf einer Position um. Für Takahara kam Lauth im Sturm zum Einsatz. Holger Fach auf Seiten des VfL Wolfsburg veränderte gegenüber der 0:2-Niederlage bei Bayern München am 8. Spieltag sein ganzes System von 4-3-3 auf 4-4-2. Dafür musste Stürmer Marlet für Thiam weichen. Desweiteren ersetzte der Wolfsburger Coach den angeschlagenen Karhan durch van der Heyden und den grippekranken Hofland durch Franz.

Der HSV tat sich in der ersten Viertelstunde schwer gegen die massiert stehende Wolfsburger Abwehr. Die Wölfe ihrerseits kamen in der Startphase nicht zu den erhofften Konterchancen, so dass das Spiel zunächst ohne Höhepunkte blieb.

In der 19. Minute führte die erste Torchance des Spiels zum Führungstreffer für den VfL Wolfsburg. HSV-Verteidiger Boulahrouz verlor den Ball im Aufbau unnötig an Quiroga. Der nahm Anlauf und schoss aus 22 Metern auf das HSV-Tor. Der Ball sprang von der Unterkante der Latte auf den Boden und prallte von dort genau zum völlig freien Klimowicz, der aus sechs Metern keine Probleme hatte einzuköpfen.

Die Hamburger zeigten sich sichtlich geschockt. Echte Torchancen konnten sich die Hanseaten nicht herausspielen. Immer wieder blieben die Angriffe des Hamburger SV im Ansatz stecken. Barbarez und Lauth hingen in der Luft.

Anders die Wolfsburger, die geduldig auf ihre Chancen warteten. Die größte vergab Hanke in der 26. Minute, als er völlig frei einen Freistoß von d’Alessandro am Tor vorbeiköpfte.

Erst in der 35. Minute konnten sich die HSV-Fans über die erste Torchance ihres Teams freuen. Demel köpfte einen Beinlich-Freistoß über das Wolfsburger Tor.

Doch die Wölfe versteckten sich beim Tabellen-Zweiten nicht. Bei einem Direkt-Schuss von Klimowicz musste HSV-Keeper Wächter sein ganzes Können aufbieten, um das 0:2 zu verhindern (41.).

Erst kurz vor der Pause kamen die Hamburger noch einmal, doch Lauth und van der Vaart scheiterten mit ihren Versuchen.

Beide Trainer vertrauten auch zu Beginn der zweiten Hälfte ihrer Startformation. Folgerichtig änderte sich am Spiel wenig. Der HSV tat sich schwer Torchancen herauszuarbeiten, während die Wölfe geschickt in der Defensive standen und auch nach vorne gefährlich konterten.

Bereits in der 47. Minute hätte Hanke per Kopf die Führung ausbauen können, doch er setzte den Ball knapp neben den Pfosten.

Geradezu verschwenderisch gingen die Wolfsburger in der Folgezeit mit ihren Chancen um. Zunächst setzte Thiam einen 21-Meter-Schuss knapp neben das Hamburger Tor (57.), dann köpfte Klimowicz eine Flanke von Hanke freistehend über die Latte (66.).

Der HSV versuchte sein Glück immer wieder über van der Vaart, doch dessen einzige Chance war ein Weitschuss, den er in der 59. Minute knapp über das Tor hämmerte.

Erst in der letzten Viertelstunde setzte Thomas Doll auf die totale Offensive. Mit Mpenza, Mahdavikia und Takahara brachte der HSV-Coach drei neue Offensivkräfte und setzte damit die Wolfsburger Abwehr immer mehr unter Druck.

Doch die Wölfe ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch als die Hamburger alles nach vorne warfen, blieb Wolfsburg Herr der Lage. Torhüter Jentzsch konnte sich in der 82. Minute bei einem Flachschuss von Jarolim und in der 90. Minute bei einem Fallrückzieher von van der Vaart auszeichnen.

Hektik kam nach dem Schlusspfiff auf. Van der Vaart begann eine Rangelei, in die viele Spieler und auch Wolfsburgs Trainer Holger Fach verwickelt waren. Nach der unübersichtlichen Situation sortierte Schiedsrichter Wolfgang Stark die Reihen neu und zeigte sowohl van der Vaart vom HSV, als auch Franz auf Seiten der Wolfsburger die Rote Karte.

Der HSV war zu nervös und zu konzeptlos, um zum avisierten Sturm an die Tabellenspitze anzusetzen, während der VfL Wolfsburg die Hamburger Nervosität ausnutzte und so drei wichtige Punkte im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze einfuhr.

Spielereignisse im Detail
90
 Nach dem Schlußpfiff kommt es noch zu einer überflüssigen Rangelei bei der sich vor allem van der Vaart und Franz hervortun. Schiedsrichter Stark zeigt beiden Akteuren die Rote Karte. 
 
  Schlusspfiff 
 
90 Van der Vaart setzt einen Fallrückzieher an der Strafraumgrenze an, doch Jentzsch reagiert glänzend. 
 
88 Wieder kommt Hanke frei zum Kopfball, legt den Ball aber weit am Tor vorbei. 
 
81
 Der HSV jetzt mit der totalen Offensive. Für Mittelfeldspieler Wicky kommt mit Takahara ein zusätzlicher Stürmer. 
 
81 Mpenza legt auf für Jarolim, der aus 15 Metern abzieht. Doch Jentzsch kann den Flachschuss des Tschechen entschärfen. 
 
75 Ein Doppelpass zwischen Boulahrouz und Mpenza bringt Gefahr für das Wolfsburger Tor. Doch der Ball wird zu lang für Mpenza. Aus spitzem Winkel bringt er den Ball nicht mehr auf das Tor. 
 
69 Ein abgewehrter Freistoß kommt zu Jarolim, der aus gut 25 Metern draufhält, doch VfL-Keeper Jentzsch kann klären. 
 
66
 Neue Kräfte für die HSV-Offensive. Mpenza und Mahdavikia sollen das Angriffsspiel der Hanseaten beleben. 
 
66 Die Wolfsburger gehen verschwenderisch mit ihren Chancen um. Nach einer Hanke-Flanke kommt Klimowicz zum Kopfball, jagt den Ball aber über das Tor. 
 
64 Atouba setzt Barbarez ein, doch dessen Schuss von der Strafraumgrenze wird von Quiroga abgeblockt. 
 
61
 D'Alessandro ist zur Zeit scheinbar nur mit Fouls zu bremsen. Nach Lauth brockt sich nun auch Wicky die Gelbe Karte nach einem Foul an dem Argentinier ein. 
 
59 Ein Distanzschuss von van der Vaart geht nur knapp über das Gehäuse von Jentzsch. 
 
57 Wicky lässt Thiam im Mittelfeld laufen. Der zieht aus 21 Metern ab, doch der Flachschuss des Wolfsburgers geht um Zentimeter am Pfosten vorbei. 
 
47 Die HSV-Abwehr ist wohl noch in der Pause. Nach einer d'Alessandro-Ecke kommt Hanke frei zum Kopfball, befördert den Ball jedoch neben den linken Torpfosten. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
45 Der HSV braucht mehr Ideen im Aufbauspiel um die gut stehende Wolfsburger Defensive in der zweiten Hälfte zu knacken. 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
44 Der HSV ist scheinbar aufgewacht. Van der Vaart lässt auf der linken Seite Alex stehen und versucht es aus spitzem Winkel, doch Wolfsburgs Torwart Jentzsch ist auf dem Posten und hält. 
 
43 Van der Vaart setzt Lauth ein, der seinen Verteidiger abschütteln kann, aus zwölf Metern den Ball jedoch knapp am Pfosten vorbei schiesst. 
 
41 Klimowicz nimmt eine Flanke von d'Alessandro direkt, doch HSV-Keeper Wächter fliegt ins bedrohte Eck und kann klären. 
 
35 Die erste kleine HSV-Chance nach 35 Minuten ! Demel köpft einen Beinlich-Freistoß über die Latte des Wolfsburger Tores. 
 
26 Der HSV scheint geschockt. Ein Freistoß von d'Alessandro findet den völlig freien Hanke, der aber seinen Kopfball neben das Tor platziert. 
 
19
 Schwerer Schnitzer von Boulahrouz. Er verliert im Aufbau den Ball an Quiroga, der aus 22 Metern abzieht. Der Ball klatscht an die Latte und springt zu Klimowicz, der unbedrängt über den verduzten Wächter hinweg einköpft. 
 
16 Der HSV tut sich auch nach einer Viertelstunde schwer gegen die massiert stehende Wolfsburger Abwehr. Die Wölfe ihrerseits kommen noch nicht zu den erhofften Konterchancen, so dass das Spiel zunächst ohne Höhepunkte bleibt. 
 
8 Der HSV beginnt geduldig gegen eine abwartende, aber in der Defensive gut stehende Wolfsburger Mannschaft. 
 
  Anpfiff 
 
0 Holger Fach hat zwar den lange verletzten van der Heyden wieder dabei, muss aber auf Abwehrchef Hofland (Grippe) verzichten. 
 
0 Erleichterung beim HSV. Der zuletzt angeschlagene van Buyten kann spielen. 


 
dpa: Wolfsburg stoppt Erfolgsserie des Hamburger SV

Von Britta Körber, dpa

Hamburg (dpa) - Ausgerechnet der seit acht Jahren in Hamburg sieglose VfL Wolfsburg hat die Erfolgsserie des Hamburger SV beendet und das Nordderby mit 1:0 (1:0) gewonnen. 

Nach 19 Pflichtspielen ohne Niederlage präsentierte sich das Team von Trainer Thomas Doll nach der Länderspiel-Pause nicht so aggressiv wie zuvor und verschenkte wichtige Punkte im Kampf um die Spitzenplätze. Die spielstarken Niedersachsen siegten am Ende verdient durch das fünfte Saisontor von Diego Klimowicz in der 19. Minute.

Nach dem Schlusspfiff kam es zu einem Handgemenge, in Folge dessen HSV-Profi Rafael van der Vaart und Wolfsburgs Mike Franz wegen Tätlichkeiten Rote Karten sahen. Referee Wolfgang Stark hatte zuvor den vierten Schiedsrichter zur Beratung hinzugezogen. «Ich habe zwei Spieler für klare Vergehen geahndet», sagte Stark nach der Partie. In dieser Saison kann der Schiedsrichter auch nach Ende der Begegnung Vorkommnisse mit Platzverweisen ahnden, zuvor gab es lediglich eine Eintragung im Spielbericht.

Zwar konnte Doll vor 55 800 Zuschauern in der ausverkauften AOL- Arena die erste Garde aufbieten, nachdem Kapitän Daniel van Buyten nach einer Leistenzerrung fit geworden war. Die kraftraubende gescheiterte WM-Qualifikation mit Bosnien-Herzegowina konnte Sergej Barbarez aber nicht so leicht wegstecken. Dem Antreiber fehlte wie einigen Mitspielern die Frische. «Die Länderspiele haben uns geschadet, wir sind sehr schwer ins Spiel gekommen. Am Ende haben wir zwar alles nach vorn geworfen, aber die zwingenden Chancen habe gefehlt», bekannte Doll.

Dagegen präsentierten sich die Gäste - auch ohne Kevin Hofland (Erkältung) und Miroslav Karhan (Leistenbeschwerden) - gut geordnet und trugen ihre Konter kombinationssicher vor. Bereits in der 12. Minute hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark nach einem Foul von Guy Demel an Klimowicz Elfmeter pfeifen können. Der formstarke Argentinier nutzte sieben Minuten später einen Lattenabpraller von Facundo Quiroga zum Führungstreffer. Voraus ging ein Schnitzer des niederländischen Nationalspielers Khalid Boulahrouz, der van Buyten in der Abwehr allein gelassen hatte.

Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff hätte Klimowicz auf 2:0 erhöhen können, doch HSV-Keeper Stefan Wächter lenkte den scharfen Seitfallzieher über sein Gehäuse. Die erste gute Einschussmöglichkeit für den HSV hatte Stürmer Benjamin Lauth (43.), der aber den Rückstand zur Pause nicht verhindern konnte.

Nach zwei Möglichkeiten von Mike Hanke (46.) und Pablo Thiam (57.) übernahmen in den zweiten 45 Minuten die Hanseaten mehr und mehr die Hoheit auf dem Platz, einzig die zwingenden Chancen fehlten. In der 58. Minute wurde Regisseur van der Vaart, der nicht seinen besten Tag hatte, erstmals vor dem Gäste-Tor gefährlich. Einen Fallrückzieher des holländischen Nationalspielers in der Nachspielzeit lenkte Wolfsburgs Torhüter Simon Jentzsch zur Ecke. «Wir haben die klareren Chancen gehabt», analysierte Wolfsburgs Coach Holger Fach. Und Manager Thomas Strunz monierte: «Wir hätten es uns auch einfacher machen können, indem wir unsere guten Möglichkeiten nutzen.»


 
sport1: HSV verliert Spiel und van der Vaart

Hamburg - Nun hat es auch den Hamburger SV erwischt: Im 20. Pflichtspiel kassierten die Norddeutschen mit dem 0:1 (0:1) gegen einen starken VfL Wolfsburg die erste Saisonniederlage und verloren damit den Anschluss an Tabellenführer Werder Bremen.
Diego Klimowicz (19.) sorgte mit einem Kopfball-Abstauber für den zweiten Auswärtssieg der "Wölfe" und gleichzeitig den ersten "Dreier" für die Niedersachsen in Hamburg seit ihrem Aufstiegsjahr 1997.

Rot für van der Vaart und Franz
Schwerer dürfte beim HSV allerdings die Vorkommnisse nach dem Schlusspfiff wiegen: Wegen Tätlichkeiten nach dem Abpfiff sahen der Hamburger Spielmacher Rafael van der Vaart und VfL-Akteur Maik Franz die Rote Karte.
Die Gäste beendeten damit fünf Tage vor dem Uefa-Cup-Spiel der Hamburger bei ZSKA Sofia vorläufig die Euphorie in der Hansestadt.
Den HSV-Fans und den 55.800 Zuschauern in der ausverkauften Arena schmeckte nach dem Schlusspfiff das Freibier schlecht, das der HSV für den Erfolg über Bayern München gestiftet bekam.
 
Klimowicz trifft zum fünften Mal
Gegen die in der Defensive konzentriert und kompakt stehenden Wolfsburger kamen die Gastgeber nur schwer ins Spiel und zeigten dabei erneut Probleme gegen in der Defensive sehr gut organisierte Mannschaften.
Die Wolfsburger Führung fiel allerdings bereits nach dem ersten Torschuss der Grün-Weißen. Der starke Facundo Quiroga hatte nach einem Ballverlust von Raphael Wicky aus 22 Metern abgezogen, dabei aber nur die Querlatte getroffen. Den Abpraller verwandelte Klimowicz mit dem Kopf zu seinem fünften Saisontor.

Wolfsburg dem zweiten Tor näher
Auch in der Folge waren die Gäste bei ihren Kontern gefährlicher als der HSV bei seinen Angriffsbemühungen. So verpassten Mike Hanke (26.) und Klimowicz (40.) vor der Pause gute Gelegenheiten zum zweiten Wolfsburger Treffer.
Die Hamburger konnten sich erst in der Schlussphase des ersten Durchganges zwei gute Chancen heraus spielen, Benjamin Lauth verpasste aber in der 40. und 43. Minute. Auch nach Wiederbeginn waren zunächst die Spieler von Trainer Holger Fach durch Hanke, Pablo Thiam sowie Klimowicz einem Tor näher.

Jentzsch pariert gegen van der Vaart
Erst als der HSV in den letzten 20 Minuten den Druck auf das Wolfsburger Tor weiter verstärkte schien den Ausgleich noch möglich. Rafael van der Vaart (57.), Sergej Barbarez (71.), Emile Mpenza (78.) sowie David Jarolim (80.) blieben aber ebenfalls erfolglos.
Zudem parierte Simon Jentzsch in der Schlussphase einen Fallrückzieher von van der Vaart. Die Wolfsburger blieben allerdings bei Kontern stets gefährlich.

Quiroga stark
Quiroga sowie der im Mittelfeld herausragende Thiam waren in der insgesamt mit sieben gelernten Defensivspielern sehr gut organisiert und stark spielenden Wolfsburger Mannschaft die herausragenden Kräfte.
Beim HSV konnte Rafael van der Vaart dagegen nur selten die Akzente setzen. Beste Hamburger waren den unermüdliche Jarolim und Kapitän Daniel van Buyten, der in der Schlussphase praktisch als Stürmer agierte. 

Nachbericht: Pleite mit bitterem Nachgeschmack

Nach der 0:1 (0:1)-Heimniederlage des Hamburger SV gegen den VfL Wolfsburg saß der Frust bei Rafael van der Vaart offenbar sehr tief.
90 Minuten lang konnte der quirlige Holländer nicht die gewünschten Akzente setzen und war deswegen wohl frustriert.
Nur so lässt es sich erklären, warum sich der HSV-Star nach dem Schlusspfiff zu einem heftigen Rempler gegen Wolfsburgs Bojan Neziri hinreißen ließ und damit tumultartige Szenen auf dem Platz auslöste.

Van der Vaart sieht Rot
Dabei hatte das Spiel zuvor wenig Nickeligkeiten oder gar Hektisches offenbart. Erst nach dem finalen Pfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark überschlugen sich die Ereignisse.
Hamburgs David Jarolim und Neziri hatten sich zu einem Wortduell im Mittelkreis eingefunden, als plötzlich van der Vaart den Wolfsburger von hinten mit der Schulter hart anrempelte. In Sekundenbruchteilen hingen 20 Spieler wie ein Kneul ineinander.
Die Hauptakteure waren dabei van der Vaart und der Wolfsburger Maik Franz, die beide im Anschluss vom umsichtigen Schiedsrichter gemäß der neuen Regel, die Platzverweise auch nach dem Schlusspfiff erlaubt, die Rote Karte erhielten.

Nachspiel für Demel und Boulahrouz?
Nicht minder engagiert zu Werke gingen aber auch die Hamburger Guy Demel, der Franz mit seinen Schienbeinschonern ins Gesicht schlug, und Khalid Boulahrouz, wie die TV-Bilder anschließend bewiesen.
Für beide Spieler könnte das noch ein Nachspiel vor dem DFB-Kontrollausschuss haben. Wolfgang Stark will über die Vorkommnisse einen Sonderbericht verfassen. "Dann werden sich die entsprechenden Organe damit befassen", so der Referee.
"Wir haben eine junge, heißblütige Mannschaft. Da ist es klar, dass schon mal Emotionen und Leidenschaft hochkochen", versuchte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer seine Spieler zu verteidigen.

"Wir sind keine Mädchen"
Bei den Tumulten war auch Wolfsburgs Trainer Holger Fach eher mittendrin, statt nur dabei. "Ich hatte die Befürchtung, dass was passieren könnte und wollte schlichten", erklärte der Trainer im Nachhinein seinen beherzten Griff in van der Vaarts Nacken.
"Ich kann nur sagen: Für einen Trainer ist das ein echt gutes Zeichen für seine Spieler, was Fair Play heißt", meinte hingegen HSV-Kapitän Daniel van Buyten, der selbst in der Szene ebenfalls "nur beruhigen" wollte.
"Wir wollen vor eigenem Publikum keine Puppen sein, wir sind keine Mädchen", verteidigte er sein Einschreiten und seinen Schubser gegen Holger Fach.

Doll: "Konnten uns nicht durchsetzten"
Das Strafmaß für van der Vaart wird sich nun wohl zwischen drei und sechs Spielen Sperre bewegen. Eine Bestrafung für Demel und Boulahrouz könnte ebenfalls folgen. So dürfte das Nachspiel der ersten Niederlage im 20. Pflichtspiel der Saison für den HSV schwerer wiegen als der Punktverlust und die verpasste Tabellenführung.
Trainer Thomas Doll wollte sich indes nicht zur Roten Karte seines Spielmachers äußern. "Ich möchte das nicht bewerten, ich habe die Szene noch nicht im Fernsehen gesehen", sprach Doll, wirkte dabei aber sichtlich zerknischt.
Der HSV-Trainer wollte lieber über das Spiel reden, in dem sich die Hamburger nicht so durchsetzen konnten, "wie wir uns das erhofft haben".

Franz geknickt
"Uns hat die gedankliche Frische gefehlt, und leider haben wir aus den Chancen, die wir ja hatten, kein Tor gemacht. Es sollte einfach nicht sein", so Doll.
Auf der Gegenseite war Fach hingegen sehr zufrieden mit der Leistung seines Teams, dass nach Diego Fernando Klimowicz' fünftem Saisontor (19.) als Sieger vom Platz ging. "Riesenkompliment an meine Mannschaft, die hier hoch verdient gewonnen hat", sagte Fach.
Einzig Wolfsburgs Rot-Sünder Maik Franz war nach seinem Feldverweis geknickt. "Na klar habe ich mitgeschubst, aber wenn das Rot war, dann müssen noch 15 andere Spieler vom Platz."