Bundesliga 2005/2006, Bundesliga, 11. Spieltag, Samstag, 29.10.05 an einem wunderschön sonnigen Herbsttag bei 18 Grad C in der Hamburger AOL Arena

Hamburger SV - FC Schalke 04 1:0 (1:0)

Ich glaube inzwischen irgendwie, daß ich zu anspruchsvoll geworden bin! Denn nachdem das Pokalspiel gegen Leverkusen scheinbar schon allen ganz toll gefallen hat (außer mir), fand ich auch das gestrige Spiel gegen Schalke nicht sooo berauschend. 

Aber ich glaube auch wirklich, dass ich vielleicht zu anspruchsvoll bin und unbedingt meine, schönen Fußball sehen zu müssen.

Ich denke, insbesondere nachdem ich mir auch noch mal die TV-Berichte angesehen habe, dass der HSV das Spiel vollkommen verdient gewonnen hat. 

Besonders die Anfangsphase des Spiels stand ganz im Zeichen des HSV. Da konnte mehrere gute Chancen herausgearbeitet werden. Vor allem Trochowski hatte mehrere schöne Schusschancen. Er baute allerdings mit zunehmender Spielzeit meiner Meinung nach etwas ab. Aber der braucht vielleicht auch einfach eine ganze Reihe von Einsätzen hintereinander, bis er sich richtig zurechtfindet im Team. Ist ja noch ein sehr junger Spieler.

Nach so einigen Chancen konnten wir dann durch unseren „neuen“ rechten Verteidiger Mehdi Mahdavikia auch das 1:0 erzielen. Ich fand das sehr verdient. 

Allerdings haben wir uns dann zum Ende der ersten Halbzeit hin, schon etwas fallen  und den Gegner mehr ins Spiel kommen lassen. 

Die beste Schalker Chance des ganzen Spiels bekamen sie allerdings von unserer Abwehr in Person von Van Buyten und Wächter geschenkt. Van Buyten wollte einen recht langsamen Ball bis zum Keeper durchgehen lassen, aber Wächter konnte sich nicht so recht entscheiden, so weit aus dem Tor rauszukommen. So ging Kuranyi dazwischen und konnte den Ball tatsächlich zwischen den beiden hinwegspitzeln. Allerdings glücklichweise über das Tor. 

Das ist aber auch die einzige richtig gute Chance, an die ich mich erinnern kann.

Der HSV hatte noch eine tolle Freistoßchance durch Paule Beinlich, der den Ball gegen die Latte schoß. Da wäre Rost nicht rangekommen und es wäre auch die Vorentscheidung gewesen.

So ging es also in die Kabine. Leider spielte man aber in der zweiten Halbzeit etwas zu zurückhaltend gegen wahrlich nicht starke Schalker. Es kann wirklich an meinem schlechten Erinnerungsvermögen liegen, aber mir fallen momentan gar keine guten Torchancen der Schalker in der 2. Halbzeit ein. Kann aber auch wirklich an meinem Schwachgeist liegen. 

Der HSV hatte ein paar Möglichkeiten, aber es wurden auch viele im Ansatz vergeben, weil der letzte Pass dann nicht kam. Dabei fiel mir leider einige Male Trochowski negativ auf. 

Eine richtig fette Chance hatte noch Van Buyten, der nur ein paar Meter vor dem Tor völlig frei an den Ball kam. Einzig Mitspieler Barbarez stand direkt neben ihm. Der hätte den Ball vielleicht besser selbst genommen, denn schlechter als fast senkrecht übers Tor hätte auch Barbarez nicht schießen können.

Zu erwähnen ist noch, dass Schalke den Dänen Poulsen durch gelb-rot verlor. Aus meiner Sicht gerechtfertigt, da er Atoube sehr unsinnig checkte an der Außenlinie. 

Schalke war zwar in der zweiten Hälfte sehr viel in Ballbesitz, aber sie konnten sie irgendwie überhaupt nicht freispielen. Ich hatte wirklich so gut wie gar keine Angst, dass die Schalker mal ein Tor schießen würden.

Allerdings hätten wir ihnen das in der allerletzten Sekunde des Spiels fast doch noch geschenkt. Da machte Atouba einen Einwurf weit in der eigenen Hälfte zurück in Richtung Boulahrouz. Doch der hatte überhaupt nicht zum Ball geguckt und der Ball drohte hinter ihm zu einem freistehenden Schalker zu kommen, der dann frei aufs Tor hätte zulaufen können. Im letzten Moment konnte Boulah den Ball doch noch bekommen und abwehren. Dann wurde abgepfiffen. 

Die Schalker Fans pfiffen sich dann ordentlich die Seele aus dem Hals. Stark fand ich irgendwie, dass der mir sonst total unsympathische Torhüter Rost den Mumm hatte, trotzdem bis direkt zum Zaun zu den Fans zu gehen. Obwohl offensichtlich so einige Bierbecher geworfen wurde etc., ging er gesenktem Hauptes an den Zaun. Das fand ich schon charakterstark. 

Der Sieg gegen Schalke ist natürlich super-wichtig für den HSV, da Schalke ähnliche Ziele wie der HSV hat. Und die haben wir jetzt auf 6 Punkte Abstand. Da ebenfalls die anderen Verfolger nicht gewinnen konnten, haben wir nun tatsächlich 6 Punkte Vorsprung auf den 4., 5., und 6. Platz. Das finde ich stark.  Nun wenigstens ein Punkt in Gladbach und dann einen Heimsieg gegen Duisburg. Dann ist doch alles im Lot. Und wenn man erst in Gladbach gewinnen sollte.... ;-)

Meine Spielerbewertung: 

Wächter: fast beschäftigungslos: Note 3

Van Buyten: wieder einmal mit gutem Einsatz und vermutlich 100 % gewonnener Kopfballduelle. Nur wenn er sich nach vorne einschaltet, vereitelt er da irgendwie eher Torchancen, als das er für Gefahr sorgt.... Note 3

Boulahrouz: gefiel mir abermals sehr gut. Er hat zwar immer mal wieder einen Bock dabei, aber grundsätzlich ist er einfach saustark. Er benötigt fast nie ein Foul, um in 1:1-Situationen, den Gegner vom Ball zu trennen. Ein echter Super-Verteidiger, den wir da haben. War diesmal allerdings auch nicht sehr gefordert: Note 3

Mahdavikia: Ob es eine Dauerlösung ist mit ihm als rechten Verteidiger, weiß ich nicht. Aber momentan macht er das sehr gut und bildet rechts ein gutes Tandem mit Jarolim: Note 3+

Atouba: war diesmal nicht so sehr auffällig.: Note 4

Wicky: Spielte einen sehr guten Part im Mittelfeld und rackerte sehr ordentlich: Note 2

Beinlich: spielte m.E. zusammen mit Wicky im defensiven Mittelfeld; auf jeden Fall zentral. Und da war er meiner Meinung nach fast der beste Spieler des HSV beim heutigen Spiel. Defensiv holte er sehr viele Bälle und als Ballverteiler stets mit Ruhe: Note 2

Jarolim: Zusammen mit Beinlich für mich der beste HSVer gegen Schalke. Immer wieder bewundere ich vor allem auch seine defensive Arbeit. Ich hätte nicht gedacht, dass er mal so wertvoll für den HSV wird: Note 2

Trochowski: In den ersten 20 Minuten war er top, aber dann hat er doch sehr abgebaut. Note 4

Barbarez: steht leider immer noch ziemlich neben sich und ist kaum an guten Chancen beteiligt: Note 4

Mpenza: Ich fand ihn heute zumindest mal deutlich bemühter als zuletzt. Trotzdem strahlt er eben kaum Torgefahr aus und ist schon bei der Ballannahme überfordert: Note 4

Schiri Fandel: Einige seltsame Entscheidungen hat man ja bei jedem Schiri zu beklagen. Er war aber ansonsten ganz o.k., denke ich. Note 3

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker:  1. Bundesliga, 2005/06, 11. Spieltag 
Hamburger SV -  FC Schalke 04  1:0 (1:0) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter - Mahdavikia, Boulahrouz, van Buyten, Atouba - Wicky - Jarolim, Beinlich - Trochowski - Mpenza, Barbarez - Trainer: Doll

FC Schalke 04:  F. Rost - Rafinha, Bordon, Rodriguez, Krstajic - Poulsen - Hamit Altintop, Kobiashvili - Lincoln - Larsen, Kuranyi - Trainer: Rangnick

Tore:   1:0 Mahdavikia (19., Rechtsschuss, Vorarbeit Barbarez)

Eingewechselt:   76. Lauth für Mpenza, 90. Klingbeil für Trochowski - 51. Sand für Larsen, 69. F. Ernst für Rafinha, 79. Varela für Rodriguez

Schiedsrichter:  Fandel 
Zuschauer:  55800 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karten:  Poulsen (62.)
Gelbe Karten:  Beinlich, Barbarez - Krstajic, Hamit Altintop, Kuranyi
 

Spielbericht
Dem HSV gelang durch ein 3:2 gegen Leverkusen der Einzug in die Runde der letzten 16 im DFB-Pokal. Verzichten musste Trainer Thomas Doll auf den in der Liga gesperrten van der Vaart, für den Wicky ins Team rutschte. Zudem erhielt Mpenza (für Takahara) eine neue Bewährungschance.

Für die "Königsblauen" wurde die 2. Pokalrunde zum Albtraum. Im Vergleich zur 0:6-Blamage in Frankfurt gab es drei Änderungen. Krstajic, Rodriguez und Larsen liefen für Waldoch, Bajramovic und Sand auf.

Bei optimalen äußeren Bedingungen erlebten die Zuschauer in der ausverkauften AOL-Arena einen lebhaften Beginn. Obwohl die Schalker engagiert begannen, strahlte der Gastgeber von Beginn an mehr Torgefahr aus. Gleich drei Fernschüsse von Trochowski (7., 9., 10.) belegten diesen Eindruck. Zudem musste Rafinha, nachdem Keeper Rost eine Ecke unterlaufen hatte, einen Kopfball von Atouba auf der Linie klären.

Auch in der Folgezeit blieb das Team von der Alster spielbestimmend - und münzte die zunehmende Überlegenheit auch in Zählbares um. Im Anschluss an eine Ecke brachte Barbarez das Leder scharf in den Strafraum. Die Abwehr von Bordon lud Mahdivikia, der zusammen mit Jarolim viel Druck über die rechte Seite erzeugte, geradezu zum Toreschießen ein. Aus zehn Metern erzielte der Iraner per Volleyschuss seinen dritten Saisontreffer (19.).

Die Hamburger zogen sich nach der Führung ein wenig zurück, ließen die Gäste aus Gelsenkirchen etwas kommen. Doch das Spiel der Schalker blieb weiter einfallslos. Ein "halbe" Chance hatte Larsen mit einem Schuss aus 15 Metern, der jedoch auch drei Meter über das Tor hinweg flog. Erst in den letzten zehn Minuten erarbeiteten sich die Blau-Weißen noch zwei Gelegenheiten: Eine Flanke von Altintop köpfte Kuranyi knapp neben das Tor (37.). Der deutsche Nationalspieler hatte kurz darauf auch die beste Chance für Schalke, als er nach einem Missverständnis zwischen van Buyten und Keeper Wächter den Ball knapp über das Tor lupfte.

Das war's dann aber auch mit den Schalker Aktionen. Die letzte gute Möglichkeit gehörte wieder den kreativeren und insgesamt engagierteren Hamburgern. Einen Freistoß aus 22 Metern zirkelte Beinlich an die Latte (39.). So blieb es bei der verdienten 1:0-Führung gegen den sichtbar verunsicherten Vizemeister.

Wie schon im ersten Abschnitt begannen die Norddeutschen aggressiv, zogen sich jedoch nach zehn Minuten zunehmend zurück und warteten auf Konterchancen. Eine davon hätte Jarolim fast genutzt. Sein Kopfball nach Vorarbeit von Mpenza verfehlte das Ziel nur knapp (57.).

In der 61. Minute erwies der Schalker Poulsen seinem Team einen Bärendienst. An der Außenlinie räumte der Däne mit einem Bodycheck Atouba um. Eine unnötige Aktion, die dem bereits in Hälfte eins verwarntem Mittelfeldspieler die Gelb-Rote Karte einbrachte. Von einer Taktikänderung auf Seiten der Hanseaten war aber rein gar nichts zu spüren. Immer tiefer standen die Hamburger und überließen den Gelsenkirchenern weite Teile des Spielfelds. Allein, die Schalker machten nichts aus der Passivität der Heimelf. So geschah die letzte halbe Stunde herzlich wenig in der AOL-Arena. Eine Minute vor Schluss verpasste van Buyten die Entscheidung, als er aus dem Gewühl heraus aus kurzer Distanz das Tor verfehlte. Die Schalker stemmten sich auch in den Schlussminuten nicht mehr gegen die Niederlage und ergaben sich bis zum Schlusspfiff ihrem Schicksal.

Der HSV gewinnt auch ohne Spielmacher van der Vaart gegen eine sichtlich verunsicherte Schalker Mannschaft. Nach Poulsens Ampelkarte (60.) taten die Hamburger nicht mehr als nötig und brachten der Rangnick-Elf ohne viel Mühe die erste Niederlage in dieser Bundesligasaison bei. 
 

Spielereignisse im Detail
90 Ohne große Probleme gewinnen die Hanseaten gegen eine sichtlich verunsicherte Elf aus Gelsenkirchen. Schalke muss sich in dieser Saison damit das erste Mal auch in der Bundesliga geschlagen geben, der HSV bleibt oben dran. 
 
  Schlusspfiff 
 
89 Drei gegen Eins-Situation für den HSV, doch die Heimelf macht zu wenig draus. Die Flanke von Trochowski ist viel zu weit - keine Gefahr für die Knappen. 
 
87 Aus dem Gewühl landet der Ball im Strafraum bei van Buyten. Aus kurzer Distanz braucht der Belgier nur noch einschieben, schießt aber vom eigenen Mann behindert am Tor vorbei. 
 
81 Die Hamburger haben völlig das Tempo aus dem Spiel genommen und überlassen den anrennenden Schalkern weitgehend das Feld. S04 ist aber zu planlos, kommt gegen die massive Abwehr nicht zum Zug. 
 
76
 Auch Krstajic sieht die fünfte Gelbe Karte, fehlt wie Poulsen also gegen Duisburg. 
 
72 Der HSV tut derzeit nur das Nötigste. Die Schalker sind zum größten Teil in Ballbesitz, versuchen es immer wieder mit hohen Bällen in die Mitte. Boulahrouz und van Buyten räumen aber alles ab. 
 
62
 Schalke ist nur noch zu zehnt. An der Außenlinie räumt Poulsen mit einem Bodycheck Atouba um. Eine vollkommen unnötige Aktion, die ihm die zweite Gelbe Karte einbringt. 
 
57 Guter Konter der Doll-Truppe. Mpenza sprintet links an Bordon vorbei. Seine Hereingabe erwischt Jarolim mit dem Kopf, doch der Tscheche verfehlt die kurze Ecke denkbar knapp. 
 
56 Ruhe ist eingekehrt in die AOL-Arena. Die Hanseaten warten geduldig ab - und den Gästen fällt nichts ein. 
 
51
 Ralf Rangnick hat reagiert und bringt für Larsen seinen Landsmann Sand aufs Spielfeld, der mit einer Gesichtsmaske nach dem kürzlich erlittenen Nasenbeinbruch das Feld betritt. 
 
50 Kaum Entlastung für Königsblau in dieser Phase. Der HSV rennt an, Schalke versucht verzweifelt, das Spiel in die Hälfte des Gegners zu verlagern. 
 
  Anpfiff 2. Halbzeit 
 
45 Der HSV ging in der ersten Hälfte verdient durch Mahdavikia (19.) in Führung, während die Schalker den Negativtrend im ersten Spielabschnitt bestätigten. Vor allem die rechte Seite der Hamburger bekamen die Schalker nie in den Griff. 
 
  Halbzeitpause 
 
  Abpfiff 1. Halbzeit 
 
39 Diesmal haben die Schalker Dusel!! Beinlich nimmt nach einem Freistoß aus 22 Metern Maß und das Leder klatscht an die Latte! Rost wäre an die Kugel niemals mehr herangekommen. 
 
38 Glück für den HSV. Nach einem Missverständnis zwischen van Buyten und Keeper Wächter kriegt Kuranyi seinen Fuß dazwischen, lupft das Leder knapp über den Kasten der Hamburger. 
 
37 Gute Flanke von Altintop über die rechte Seite. Kuranyi gewinnt das Kopfballduell gegen Boulahrouz, köpft knapp neben das Lattenkreuz. 
 
32 Erster Torschuss der Schalker: Lincoln bedient den mitgelaufenen Larsen. Der Däne zieht direkt ab, schießt aber aus 15 Metern drei Meter zu hoch. 
 
30 Es wirkt, als hätten die Hamburger seit der Führung einen Gang zurück geschaltet. Schalke versucht, die Lücke zu finden, ist aber bisher erfolglos. 
 
19
 Die verdiente Führung für die Hamburger! Nach einer kurzen Ecke bringt Barbarez den Ball scharf herein. Die Abwehr von Bordon landet vor den Füßen von Mahdavikia, der volley aus zehn Metern sein drittes Saisontor erzielt. 
 
18
 Nach einem Foulspiel sieht Poulsen die Gelbe Karte. Bitter für den Dänen, denn es war seine fünfte. Der Mittelfeldspieler muss gegen Duisburg zuschauen. 
 
17 Der HSV ist das druckvollere Team in dieser Anfangsphase. Zwar sind die Schalker ebenfalls engagiert, doch die besseren Torszenen haben die Hanseaten. 
 
10 Diesmal versucht es Trochowski mit links aus 20 Metern - und wieder muss Rost eingreifen. Nach der darauf folgenden Ecke segelt der Schalker Keeper allerdings am Ball vorbei. Den Kopfball von Atouba muss Rafinha auf der Linie klären. 
 
7 Nach einem Doppelpass mit Barbarez kommt van der Vaart-Vertreter Trochowski aus 18 Metern zum Abschluss. Rost hat aufgepasst und begräbt dessen Flachschuss unter sich. 
 
4 Mpenza sprintet gegen seine ehemaligen Kollegen über die linke Seite. Aus spitzem Winkel rutscht ihm das Leder über den Spann und landet weit hinter dem Schalker Tor. 
 
  Anpfiff 
 
0 Optimales Fußballwetter in Hamburg. Die AOL-Arena ist im Spiel der beiden Tabellennachbarn bis auf den letzten Platz ausverkauft. 
 
0 Der HSV muss erneut ohne van der Vaart auskommen (Rotsperre), für ihn spielt Wicky. Schalke nach der 0:6-Blamage in Frankfurt mit drei Änderungen: Krstajic, Rodriguez und Larsen laufen für Waldoch, Bajramovic und Sand auf. 


 
dpa: HSV als Lehrmeister für S04

Von Britta Körber und Christian Kunz, dpa

Hamburg (dpa) - Die Schalker Anhänger skandierten Schmähgesänge und blockierten den Mannschaftsbus, Ralf Rangnick war um Fassung bemüht und Rudi Assauer versuchte sich mehr schlecht als recht in Treueschwüren auf den «Fußball-Professor».

«Wir haben keine Trainerdiskussion, zumindest kurzfristig nicht», beteuerte der Gelsenkirchener Manager nach der ersten Saisonniederlage beim 0:1 in Hamburg. Mit 0:6 peinlich aus dem Pokal ausgeschieden, mit zehn Punkten Rückstand auf Bayern München fern von der Meisterschaft, ist das Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul in der Champions League zum Strohhalm für den anspruchsvollen und hoch verschuldeten FC Schalke 04 geworden.

Krisensitzungen unter der Woche und eine lautstarke Ansprache von Rangnick in der Kabine hatten nichts bewirkt: Elf Einzelspieler kämpften verhalten gegen eine eingeschworene HSV-Mannschaft, die ihnen in Punkto Aggressivität und Teamgeist eine Lehrstunde erteilte. Und weder Trainer noch Manager der diesmal in mausgrau spielenden «Königsblauen» scheinen ein Rezept zu haben, die Profis zu motivieren.

«Wir können nicht zaubern, ich bin doch kein Psychologe», reagierte Assauer ungehalten auf Fragen. «Der Verein wird nicht am Boden liegen, weil wir in Hamburg verloren haben. Das war doch keine Schlacht», versuchte er zu beschwichtigen. Keine beschwichtigenden Worte, sondern klare Ansagen folgten. Schon für 8.00 Uhr bestellten er und Teammanager Andreas Müller die sechs Führungsspieler Mladen Krstajic, Marcelo Bordon, Ebbe Sand, Lewan Kobiaschwili, Fabian Ernst und Christian Poulsen zum Rapport. Ab 10.00 Uhr folgte dann das nächste Krisengespräch mit dem gesamten Kader und Rangnick. «Einige Spieler hinken ihrer Form hinterher, dafür haben wir noch keine Lösung gefunden», hatte Assauer schon nach dem Spiel festgestellt.

Verständnis für die wütenden Fans hatte Frank Rost, der sich während der 90 Minuten lautstark bei seinen Vorderleuten beschwerte: «Wir haben uns nicht richtig gewehrt und können froh sein, dass wir nicht die Bude vollgekriegt haben.» Und Rangnick räumte sogar ein, dass der Hamburger SV die homogenere Mannschaft hat: «Deswegen stehen sie ja sechs Punkte vor uns.»

In Poulsens Gelb-Roter Karte nach einem unnötigen Foul (62. Minute) spiegelte sich die große Frustration des Vizemeisters wider. Der Zehn-Millionen-Sturm mit Kevin Kuranyi und Sören Larsen trifft nicht das Tor, und im Gegensatz zum HSV springen ersatzweise auch nicht die Mitspieler ein. «Das waren nicht die Schalker wie im letzten Jahr», erkannte Hamburgs Innenverteidiger Khalid Boulahrouz treffend. Nach dem Tor des Tages durch den Iraner Mehdi Mahdavikia (19.) ließen die Norddeutschen die Zügel schleifen, doch zwingende Chancen erspielten sich die Schalker nicht.

Und trotz der großen Bescheidenheit nach außen liebäugeln die Hanseaten nach einem Drittel der Saison mit höheren Zielen. «Wir haben Bayern und Schalke geschlagen und sind stärker als in unserer Champions-League-Saison 2000», befand Mahdavikia, der unbedingt wieder in der Königsklasse mitmischen will. Ein neues Kräftemessen mit den Bayern steht schon wenige Tage vor Weihnachten im DFB-Pokal auf dem Programm, dieses Mal allerdings in München.

Dass die Norddeutschen nach 24 Pflichtspielen noch nicht ausgelaugt sind, können sie im UEFA-Cup gegen Viking Stavanger beweisen. «Natürlich ist manchmal einer müde, aber dann kommt ein anderer rein. Unsere Stärke liegt in der Gruppe», betonte Kapitän Daniel van Buyten: «Wir werden unseren Weg gehen.» Und Sportchef Dietmar Beiersdorfer wollte von dem Thema gar nichts wissen: «Ich hab' nichts von Kräfteverschleiß gesehen, wir haben doch die Zweikämpfe gewonnen.»


 
sport1: Schalker Trotzreaktion bleibt aus
 
Hamburg - Nur vier Tage nach dem peinlichen 0:6 im DFB-Pokal in Frankfurt hat Schalke 04 die erste Liga-Pleite in dieser Saison kassiert und damit zunächst den Anschluss an die absolute Spitze verloren.
Beim Hamburger SV unterlag die Elf von Trainer Ralf Rangnick verdient mit 0:1 (0:1) und hat damit bereits zehn Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München.
Mehdi Mahdavikia (19.) war für den HSV erfolgreich, der sich fünf Tage vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Viking Stavanger weiterhin in glänzender Form präsentierte.

Talfahrt für Schalke geht weiter
Für Schalkes Rangnick brechen nach dem erneuten Misserfolg dagegen unruhige Zeiten an.
Vor 55.800 Zuschauern in der zum dritten Mal in Folge ausverkauften AOL-Arena übernahmen die Gastgeber von Anfang an das Kommando und ließen die in mausgrauen Trikots gekleideten Schalker überhaupt nicht zur Entfaltung kommen.
Von der angekündigten Trotzreaktion nach der Pokalpleite in Frankfurt war bei den Gästen nichts zu sehen.

Mahdavikia trifft aus acht Metern
Der HSV dagegen präsentierte sich selbstbewusst und kam bereits in der sechsten und neunten Minute durch Fernschüsse von Piotr Trochowski zu ersten Chancen.
In der zehnten Minute klärte Rafinha nach einem Kopfball von Thimothee Atouba auf der Linie. Die Führung für die Hanseaten war folgerichtig völlig verdient.
Mahdavikia, der erneut den verletzten und gesperrten Guy Demel auf der rechten Außenposition in der Viererkette vertrat, vollendete einen zu kurz abgewehrten Ball im Nachschuss aus acht Metern.

Nur eine Chance für Schalke
Die Gäste kamen erst in der 32. Minute zum ersten Torschuss. Der insgesamt blasse Sören Larsen zielte aber zu hoch.
Die größte Chance hatten die Königsblauen bezeichnenderweise nach einem Missverständnis von HSV-Torwart Stefan Wächter und Kapitän Daniel van Buyten. Kevin Kuranyi spitzelte das Leder aber neben das Tor.

Beinlich schießt an die Latte
Die mögliche vorzeitige Entscheidung verhinderte in der 38. Minute die Latte. Stefan Beinlich zielte mit einem Freistoß aus 20 Metern zu genau. Unmittelbar vor dem Seitenwechsel wehrte dann Torwart Frank Rost einen Schuss von Emile Mpenza mit einem tollen Reflex ab.
Nach dem Wechsel hatten die Schalker zwar größere Spielanteile. Zu klaren Torgelegenheiten kamen sie jedoch nicht.
Sie hatten auf der Gegenseite dagegen Glück, dass Schiedsrichter Herbert Fandel nach einem nicht ganz astreinen Zweikampf zwischen Dario Rodriguez und Raphael Wicky (49.) dem HSV einen möglichen Strafstoß verweigerte.

Poulsen fliegt vom Platz
Weitaus kompromissloser war der Unparteiische dann in der 63. Minute als er den Dänen Poulsen nach einem Schock gegen Atouba mit der zweiten Gelben Karte bestrafte und vom Platz stellte.
In der Schlussphase hatten die Gastgeber nach Kontern noch mehrmals die Möglichkeit, das Ergebnis noch auszubauen. Am Ende blieb es aber beim knappen aber verdienten 1:0.
Beim HSV boten Mahdavikia, Beinlich sowie Trochowski eine gute Partie. Bei den enttäuschenden Gästen gefiel Torwart Rost und in der ersten Halbzeit Rafinha noch am besten.
 

Nachbericht: 

Ratlose Schalker schlittern in die Krise

München/Hamburg - Beim FC Schalke 04 hatte man nach der 0:6-Pokalschlappe bei Eintracht Frankfurt auf eine deutliche Trotzreaktion gehofft.
Doch was die Königsblauen bei der 0:1 (0:1)-Niederlage beim Hamburger SV über 90 Minuten ablieferten, war ein weiterer herber Rückschlag für den S04.
Über die gesamte Spielzeit erarbeitete sich der Tabellenvierte im "Sechs-Punkte-Spiel" beim Tabellennachbarn keine klare Torchance und musste am Ende erkennen, dass man im Mittelmaß der Bundesliga angekommen ist.

Assauer: "Keine Ahnung, was in den Spielerköpfen vorgeht"
"Wir haben im Moment nicht die Power, um englische Wochen zu bestehen", sagte Schalke-Manager Rudi Assauer nach der Partie ein wenig ratlos. 
"Ich habe keine Ahnung, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Jedenfalls bleiben einige unter ihren Möglichkeiten. Wenn ich sehe, wie einige das nicht umsetzen, was in der Spielerbesprechung stattgefunden hat, dann wundert es mich nicht, dass wir ein solches Spiel 0:1 verlieren", so Assauer.

Sechs Punkte Rückstand auf den HSV
Die Niederlage in der AOL-Arena bedeutete für die "Knappen" zwar die erste Pleite in der diesjährigen Bundesligasaison. Nach sechs Remis in den zehn Spielen zuvor hat S04 nun allerdings schon sechs Punkte Rückstand auf die auf Rang drei liegenden Hanseaten.
"Der HSV hat den Sieg verdient, vor allem wenn man sieht, dass er uns in der ersten Halbzeit in einigen Punkten überlegen war", meinte Schalkes Trainer Ralf Rangnick anerkennend.

HSV liefert beste Halbzeit der Saison ab
Die Doll-Elf wirkte zuvor vor allem in der ersten Halbzeit selbstbewusster und gedanklich immer einen Schritt schneller als die "Knappen". So war die Führung durch den als Außenverteidiger aufgebotenen Iraner Mehdi Mahdavikia nach 19 Minuten bereits mehr als verdient.
"Die erste Halbzeit war die beste, die wir in dieser Saison gespielt haben", war David Jarolim überzeugt.

Beinlich hoch zufrieden
Dass Mahdavikias Volleyschuss aus zehn Metern zum einzigen Tor der Partie führte, lag zum einen an der Schalker Harmlosigkeit und zum anderen an der mangelnden Chancenverwertung der Hamburger.
So verpassten Stefan Beinlich mit seinem Freistoß an die Latte (38.) und Daniel van Buyten, der in der Schlussphase aus vier Metern über das Tor schoss, zweimal die Vorentscheidung.
Beinlich, der im Mittelfeld erneut eine starke Leistung bot, war nach der Partie dennoch zufrieden. "Es war enorm wichtig, gegen einen direkten Konkurrenten das Heimspiel zu gewinnen. Wir wollen unbedingt zu Null spielen und das ist uns gelungen", meinte der 33-Jährige.
  
"Wollen vorne bleiben"
Auch sein Trainer hatte wenig an der Leistung seiner Elf auszusetzen. "Wir haben in der ersten Halbzeit sehr hohes Tempo gespielt, viele Ballstafetten gehabt und uns gute Möglichkeiten erarbeitet. Das waren drei sehr wichtige Punkte für uns", sagte Thomas Doll.
Die Zielsetzung für die nächsten Wochen stellte David Jarolim dann noch klar: "Wenn wir schon vorne sind, dann wollen wir auch vorne bleiben. Immerhin haben wir die Großen Bayern und Schalke geschlagen", so der Tscheche.

Krisengespräch am Sonntag
Auf der Gegenseite wird es hingegen immer ungemütlicher. Torhüter Rost will ab sofort keine Ausreden mehr hören. "Es darf jetzt nicht darüber diskutiert werden, ob die Spaghettis mittags warm waren oder nicht. Das ist egal, man muss sich aufs Wesentliche konzentrieren," meinte Frank Rost unmissverständlich.
Sein Trainer wollte jedoch nicht auf die Mannschaft einschlagen, sondern richtete den Blick lieber auf die kommende Aufgabe. "Es ist immer ein bisschen ungemütlich, wenn man nicht gewinnt. Aber jetzt haben wir am Dienstag das wichtige Heimspiel gegen Fenerbahce und da wollen wir gewinnen," so der 47-Jährige.
Zuvor wollen sich die Verantwortlichen allerdings am Sonntag nochmal zusammensetzen und die "Möglichkeiten intern besprechen", so Assauer. Der Manager gibt jedoch zu Bedenken: "Wir können nicht zaubern."