Bundesliga 2005/2006, Bundesliga, 24. Spieltag, Samstag, 04.03.06, 15:30h in der Münchener Allianz-Arena bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dauerschneefall.

FC Bayern München - Hamburger SV 1:2 (0:1)

Jetzt sind leider schon so einige Tage nach diesem unglaublichen Sieg ins Land gegangen und da fällt die Rückschau mir ja immer etwas schwerer....

Es war aber ein wirklich unglaublich schöner Tag, der für mich persönlich auch von einem überhaupt sehr schönen Wochenende umrahmt wurde.

Ich habe jetzt in der Woche nach dem Spiel komplett Urlaub und fahre – nein, fliege – Donnerstag nach Bukarest. So bin ich am Freitag vor dem Spiel länger bei der Arbeit geblieben und konnte recht beruhigt Dinge aufarbeiten, damit der Tisch bei der Rückkehr nicht so voll ist. 

Aber das tolle Wochenende fing Freitag schon mit einem schönen Mittagessen an. Abends habe ich dann bei meinem Kollegen und Freund Maxime geschlafen, mit dem ich Samstag dann auch zusammen nach München gefahren bin.

Maxime überhaupt zu fragen, ob er mitkommt zum Spiel, war natürlich „riskant“ für einen abergläubischen Menschen wie mich. Denn: Maxime war bisher erst 2 mal zu Auswärtsspielen mit. Einmal nach Wolfsburg und einmal nach Hannover. Beide Spiele wurden verloren. 

Naja, an der Serie in München konnte er ja nicht viel kaputt machen. Außerdem hatte ich ja selbst praktisch gar keine Hoffnung. Naja, vielleicht ein wenig Hoffnung, weil man die ja immer hat. Aber wirklich keinen Glauben an einen Erfolg.

Am Samstag früh sind wir dann um 4:15h aufgestanden, haben uns fertiggemacht und sind um 5:00 Uhr los in Richtung Hauptbahnhof. Da haben wir dann unsere Bahnfahrkarten in Empfang genommen und noch ein wenig auf den Zug warten müssen, der 6:05 h in Richtung München fuhr. 

Auf der Hintour hatten wir wirklich sehr schöne Plätze im Bereich der bahn.comfort-Kunden. Die sind echt deutlich angenehmer (für einen Dicken wie mich) als die normalen Plätze mit den festen Lehnen. Und mich hätte man dort ja nicht mal wegschicken können, da ich durch meine Pendelei zwischen Bad Schwartau und Hamburg ja sogar tatsächlich bahn.comfort-Kunde bin. Ein anderer HSV-Fan wäre fast weggeschickt worden, als jemand seinen Platz wollte. Aber glücklicherweise konnte da noch ein einzelner freier Platz gefunden werden. 

Auf der Hinfahrt wollten wir eigentlich beide noch pennen, denn naturgemäß waren wir bei einem Aufstehen um 4:15h noch nicht wirklich ausgeschlafen. Wir waren ja auch erst kurz vor Mitternacht ins Bett gegangen. Aber wir quasselten zuerst so lange, dass ich dann gar nicht mehr recht müde war. Maxime hat dann noch 1 – 2 Stunden vor München geschlafen und ich ein bisschen gelesen und meinen Gedanken nachgehangen.

Sehr gut gefielen mir auch die vier HSVer vor uns, die wohl offenbar aus Reinfeld und Umgebung kamen. Der eine erzählte eine nette Schote, die hier vielleicht etwas „hart“ ist, aber Fußball-Fans sind ja so und so alles Idioten und derbe Typen – dann kann ich das hier auch schreiben, denke ich:
Er sagte: Es ist ja schlimm, wenn man nach einer durchsoffenen Nacht morgens neben so einem Drachen aufwacht. Noch schlimmer sei es aber jawohl, wenn man dann aufwache und 2 blutige Knie und ein Kondom im Arsch habe ;-))))

Den Spruch fand ich lustig. Ja,ja, auch eklig.
Nicht so eklig aber wie die angeblich wahre Story, die dann sein Kumpel erzählte. Die möchte ich hier aber auch nicht so ausbreiten... ;-)

Mit ca. 30 Minuten Verspätung kamen wir schließlich in München an. Dort schneite es die ganze Zeit durchgehend. In den Stunden, in den wir in München waren (also so von 12:30h bis 19:00h) schneite es dort wirklich durchgehend. Und das nicht wenig. „Natürlich“ hatten wir keine Mützen oder sowas mit und sahen dann immer aus wie die Weihnachtsmänner.

Zuerst bin ich mit Maxime in die Innenstadt. Dort haben wir im Augustinerbräu etwas gegessen (was für eine Touri-Abfertigung!) und uns dann noch etwas in der Innenstadt und am Vitualienmarkt umgesehen. 

Dann haben wir uns auf den Weg zum Stadion gemacht. Am Marienplatz war es in der U-Bahn schon irre voll, sodaß dort auch schon Ordnungsdienste standen, die immer nur kleinere Menschenmengen zum Bahnsteig durchließen. Wir konnten das aber einigermaßen geschickt umgehen ;-)

Wir waren dann aber auch nicht zu früh am Stadion. Das Stadion, in dem wir nun allerdings auch in der letzten Reihe unsere Plätze hatten, ist wirklich sehr groß. Und ich würde sagen, dass die letzte Reihe auch deutlich weiter entfernt ist vom Platz als bei uns. Das muß allerdings wohl auch so sein, da ja auch eine ganze Menge Zuschauer in das Stadion passen. 

Ansonsten habe ich natürlich sehr die Vereinsbrille auf, aber mir gefällt die AOL Arena eindeutig besser. Worüber man wirklich nicht mal streiten kann, ist der Sitzplatz, d.h. der Platz, den man zum Sitzen hat. Die Allianz-Arena ist genauso wie die Arena auf Schalke oder das beschissene Berliner Stadion super-eng bestuhlt. 

Gott sei dank waren da oben bei uns nicht alle Plätze besetzt. Die standen wohl teilweise lieber weiter unten. Sitzen wäre da für mich fast unmöglich gewesen auf den Klappdingern. Von der Breite her sehr schwierig, was ja nun ein persönliches Problem ist. Aber ich denke, dass eine Größe von fast 2 m heute auch nicht mehr so ungewöhnlich ist. Und wo ich mit den Beinen hinsollte, war mir angesichts des Wellenbrechers vor jeder Sitzreihe, auch irgendwie unerklärlich. 

Gut war die Beschallung im Stadion. Man konnte verstehen, was gesagt wurde, was bei uns ja nicht immer der Fall ist. Allerdings fand ich die Umläufe innen im Stadion auch nicht schöner als bei uns. Das hatte, ähnlich wie bei uns, den sehr schlichten Charme einer Baustelle.

Vor dem Spiel stieg am Samstag aber irgendwie schon wieder meine Hoffnung. War vielleicht auch nur sowas wie das Pfeifen im Walde. Jedenfalls sagte ich nun, dass ich hoffe, dass wir nachher nur vor der schweren Entscheidung stünden, nicht mit der Mannschaft feiern zu können, weil wir so rechtzeitig los mussten. Der ICE fuhr nämlich schon um 18:53h wieder los und ich hatte wahre Horror-Geschichten gehört, wie lange man an der U-Bahn-Station Fröttmaning brauche, bis man mal endlich loskomme. 

Bei einem klaren Spielstand wollten wir jedenfalls ein paar Minuten früher los. Ich sagte: Wenn wir dann 3:0 führen, ist es zwar schade, aber dann können wir ja 5 Minuten vor Schluß los ;-)

Andersherum natürlich auch...

Nun aber endlich mal zum Spiel.

Da Wicky und van Buyten gesperrt waren, kamen de Jong in zentraler defensiver Position und Guy Demel als Innenverteidiger zum Einsatz. Außerdem „just in time“ wieder erstmals von Beginn an Rafael van der Vaart. 

Der Einsatz aller Drei machte sich im Verlaufe des Spiels voll bezahlt.

Zunächst einmal begannen die Bayern aber recht druckvoll. Gleich zu Beginn des Spiels kam Pizarro schon viel zu frei zum Schuß und konnte den Ball glücklicherweise nur knapp neben das Gehäuse manövieren. Da wurde mir gleich Angst und Bange. 

Aber mit jeder weiteren Minute konnte sich der HSV immer besser freischwimmen. Bayern hatte noch eine gute Chance nach Kopfballablage von Ballack auf Brazzo, der den Ball aber sehr weit über das Tor semmelte, obwohl er sehr frei stand. 

Brazzo blieb in diesem Spiel auch wirklich vollkommen wirkungslos und wurde später ausgewechselt. 

Dann legte Ballack wieder einen Ball per Kopf ab. Diesmal aber nach einem Freistoß von van der Vaart für den HSV. Und zwar lenkte er den Ball zum außen im Strafraum stehenden Guy Demel. Der hatte den Ball dann schließlich unter Kontrolle und stand vielleicht 10 m vom Tor entfernt, aber nur 1 – 2 m von der Grundlinie. Er schoß – den Ball ins Tor. 

Was für ein verwirrtes Dreinschauen bei uns da oben. Wir waren ja ganz auf der anderen Seite in der Ecke. Also sehr weit entfernt und mussten erstmal begreifen, dass der Ball tatsächlich drin war. Wir rätselten schon, wie der denn reingehen konnte, als und die Videowand aufklärte. Guy hat einfach draufgeschossen und Kahn hat so sehr mit einer Flanke gerechnet, dass er direkt unter dem Ball wegtauchte.

Ob dieser Szene und einer fabelhaften Zweikampfbilanz von ich glaube ca. 85 % wird Guy seitdem in einigen Zeitungen immer mit dem Attribut „guygantisch“ versehen. 
Er hat in mehreren Interviews beteuert, dass er absichtlich geschossen habe, da er in der Mitte nur Mahdavikia sah. Ich glaube ihm das. Echt!

Nach der Führung spielten wir weiterhin sehr gut und wurden mit der Zeit auch immer sicherer. Die Defensive stand bombensicher und ließ kaum noch eine Chance der Bayern zu. Und offensiv hatten wir auch gute Szenen. Rafael van der Vaart war es immer wieder, der seine Mitspieler gekonnt in Szene setzte.

Nachdem ich nach dem ersten Einsatz von Rafael noch befürchtete, dass es eine längere Zeit dauern wird, bis er wieder ähnlich stark wird wie vor seiner Verletzung. Da belehrte er mich nun aber glücklicherweise eines besseren. Er legte z.B. einmal nach tollem Aussteigen-lassen zweier Gegner noch schön für Taka auf, der leider ganz knapp am Tor scheiterte.

Überhaupt muß ich auch Taka mal ein riesiges Lob aussprechen. Er durfte ja anstatt Lauths spielen. Eigentlich enttäuschen sie ja beider in schöner abwechselnder Regelmäßigkeit als Stürmer. Aber gegen Bayern fand ich Taka einfach saustark. Er war irre laufstark und sicherte wirklich sehr viele Bälle da vorne. Und auch technisch ließ er die Münchener oft alt aussehen. Leider konnte er sein tolles Spiel nicht durch ein Tor krönen. Dabei wäre es auch ihm kurz vor Schluß möglich gewesen, den entscheidenen Schlusspunkt zu setzen. Aber da konnte er seinen Kopfball aus nächster Nähe leider nicht vernünftig plazieren. 

Ich war dann erstmal sehr glücklich, dass wir so gut in die Halbzeit gekommen waren. Zur zweiten Halbzeit wechselte unser Felix bei den Bayern dann gleich 2 Mal aus, was jawohl darauf hindeutet, dass er mit den gezeigten Leistungen auch so gar nicht zufrieden war.

Zunächst konnten wir noch einige Minuten gut mithalten, aber wir zogen uns leider doch immer weiter zurück. So ca. von der 55. bis zur 70./75. Minute waren wir dann doch sehr nach hinten gedrängt und mussten den Ausgleich befürchten, obwohl Bayern nun bei weitem nicht eine Superchance nach der anderen erzielte.

Gar nicht gefiel mir, dass für den verletzten Karimi dann Scholl eingewechselt wurde. Ich sagte gleich zu Maxime, dass wir nun möglichst keine Freistöße mehr verursachen dürften, denn vor Mehmet habe ich in dieser Hinsicht echt Angst. Ich glaube, es war gleich sein erster Freistoß, der – leicht abgefälscht – ganz knapp neben dem Tor landete. 

Aber so ab der 75. Minute fand ich, dass der Druck wieder ein wenig abebbte und dachte mir, dass man doch so eine beschissene Viertelstunde mal ohne Gegentor überstehen könne. Inzwischen war auch van der Vaart für Klingbeil gewechselt worden, was sich aber im Grunde genommen als positiv herausstellte.

Rafael war sicherlich auch kräftemäßig so langsam durch und durch Klingbeils Hereinnahme konnte Mehdi nun viel offensiver agieren und sorgte immer wieder für wunderbare Entlastungsangriffe.

Schließlich gelang den Bayern aber doch, was man von Ihnen kennt. Sie schossen ein spätes Tor. 83 Minute hatte es gedauert bis – natürlich – Mehmet Scholl mit einem Sonntagsschuß das 1:1 erzielen konnte. Da konnte Wächter nichts machen.

Ich hatte zwar einen Moment lang auch die Hoffnung, dass uns ja vielleicht doch noch etwas gelingen könne, aber letztendlich überwog doch deutlich mehr jetzt schon die Enttäuschung und auch die Angst, dass es Bayern-like laufe und sie jetzt auch noch den Siegtreffer erzielen. 

Das hätte ich allerdings wirklich ungerecht gefunden, denn bis auf starke 20 Minuten in der 2. Halbzeit für Bayern, habe ich den HSV in großen Teilen des Spiels eigentlich als die bessere Mannschaft erlebt. 

Vor allem war es sehr wichtig, dass unsere Abwehr sicher stand und alle, wirklich alle Spieler sehr konsequent und aggressiv auf die Gegner draufgingen. Das klappte von ganz vorne bis ganz hinten durchgehend.

In der 87. Minute sagte ich zu Maxime, dass wir vielleicht wenigstens schon mal bis zum Ausgang aus unserem Block gehen sollten, damit wir dann direkt bei Schlusspfiff in Richtung U-Bahn-Station abdampfen könnten. 

Takahara war es, der uns zuvor noch mal große Hoffnungen versetzte mit einem Kopfball aus kurzer Entfernung. Das hatte ich oben ja schon kurz beschrieben. Leider konnte er nicht einköpfen. Hätte er dem Ball nur irgendeine kleine andere Richtung gegeben, wäre Kahn chancenlos gewesen. Schade.

Als wir dann aber auf der Treppe waren und gerade heruntergingen, passierte das, was einen glauben lässt, dass es doch einen Fußball-Gott gibt. 

Nach Mahdavikia-Freistoß köpfte de Jong den Ball in der 89. Minute zum 2:1 für uns ins Tor. Unglaublich dieser Jubel. Ich wäre fast die Treppe runter, was für Maxime nicht so gut gewesen wäre, da er vor mir stand.... ;-)

Unglaublich, wie schön sich fremde Menschen in den Armen liegen können. Wir gingen also die letzten Stufen hinunter und zitterten die letzten ewig währenden Minuten. Ich kann mich da allerdings an keine richtige Bayern-Chance mehr erinnern. 

Nun einigten Maxime und ich uns aber darauf, dass wir doch noch ein wenig feiern wollten, wenn das Spiel so zu Ende ging. Wir könnten danach ja etwas schneller zur Bahn traben.

Tja, und die ewigen Minuten gingen zu Ende und wir konnten alle irre feiern. Es waren so einige da, die Tränen in den Augen hatten. Diesmal passierte mir das aber nicht. Ich war einfach nur glücklich. Ich hatte nur damals Tränen beim CL-Heimspiel gegen Juve in den Augen.

Allerdings war das hier ja auch ganz großes Kino. Es ist ja soooo geil, die Bayern so „gefickt“ zu haben. Und dann auch noch 2 Mal in einer Saison. Die haben nur 2 Niederlagen in dieser Saison auf Ihrem Konto. Und beide gegen uns.

Im Nachhinein ist das mit deren Ausgleichtstor natürlich noch viel geiler, weil sie sich so mal zwischendurch gefreut haben, um dann schließlich doch wieder den „Todesstoß“ zu bekommen. Irre geil! Soooo ein Gefühl der Freude.

Und wir waren dabei!
Ich war ja nun schon öfter mal in München. So ganz sicher weiß ich es nicht, aber ich denke, dass es so 5 – 8 Mal waren. Und immer wieder enttäuscht nach Hause. Aber jetzt endlich mal dieser Sieg.

Die erste Niederlage der Bayern in Ihrer neuen Allianz-Arena. Himmlisch! Das wird uns nie jemand nehmen können.

Und wir ca. 7500 Fans feierten ausgelassen mit der Mannschaft, die ich erstmal in die Kurve „diven“ sah. Ach, wie war das schön. Aber alle HSV-Fans, die das hier lesen, wissen ja ohnehin wie ich das meine. 

Einer lieben Freundin, die Freitag noch zu mir sagte, dass sie nicht verstehen könne, dass man nur wegen eines Spiels so weit fahre, ohne sich die Stadt überhaupt richtig ansehen zu können, schrieb ich nach dem Spiel eine SMS, dass dieser Tag heute mich für all die „vergeblichen“ Reisen nach München entschädige. Und so war das auch!

Ein irre-geiles Gefühl, dass mich jetzt (es ist Mittwoch) auch direkt noch wieder in Euphorie versetzt, wenn ich nur daran denke. 

Natürlich war die Heimreise dann auch dementsprechend geil. Maxime und ich sind nach der Uffta dann losgelaufen. Wirklich in leichtem Trab und an ganz vielen Zuschauern vorbei Richtung U-Bahn. Da alles verschneit war und wir am Rande liefen, hatten wir sofort wieder (wie auch schon vor dem Spiel) total nasse Schuhe, Füße und auch Hosenbeine. Aber das war ja nun alles egal. 

Wir erreichten die U-Bahn und kamen auch recht schnell in die nächste Bahn. Sind offenbar doch noch vor dem ganz großen Ansturm dort gewesen. Obwohl die Bayern ja nicht mehr gefeiert haben nach Schlusspfiff ;-)

In der Bahn waren auch genügend HSVer, sodaß man sich anlächeln und freuen konnte. Leider haben die Bayern gar nicht so viel gepöbelt. Das hätte ich ja doch genossen. Nur einer moserte uns auf dem Weg zur U-Bahn mal an, dass wir bloß abhauen sollten. Gerne doch!

Richtig geil war in der U-Bahn, dass es richtig heftig schneite durch die Lüftungsschlitze. Die 4 Leute, die unter denen saßen, wurden wirklich richtig weiß, denn der Schnee kam da mit ordentlich Schwung durch. Da mein Handy leider zu diesem Zeitpunkt (was wirklich scheiße war) schon leer war, konnte ich das leider nicht mehr fotografieren. Sah irre aus. IN einer geschlossenen Ubahn!

Am Bahnhof hatten wir dann tatsächlich noch fast 30 Minuten Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, die sich dann auch noch um einige Minuten verzögerte.

Wir kauften uns noch einige Fressalien und wollten auch mit irgendwas anstoßen. Ich trinke ja normalerweise nichts, in letzter Zeit auf Feiern aber schon mal etwas (wenn auch nicht viel). Und siehe da, was gab es dort auf dem Bahnhof, was ich aus Kult-Zwecken bei uns schon immer gesucht, aber nicht gefunden habe: Kurze von Dornkaat. Das ist der Lieblingskorn von meinem „Idol“ Horst Schlemmer (Hape Kerkeling). 
Da haben wir uns erstmal zwei geholt und nachher in der Bahn schon eingenommen ;-)
Bäh, schmeckt Korn eklig. Aber mir wurde schön warm.

Die Plätze auf der Rückfahrt waren nicht so schön wie auf der Hinfahrt, aber das war ja nun auch alles egal. Die Schuhe wurden ausgezogen und die Füße in die warme Jacke eingewickelt. Ich glaube aber, dass es wohl trotzdem dieser Samstag war, an dem ich mir einen aufgesackt habe, der jetzt so langsam Tag für Tag weiter rauskommt. Noch geht es aber.

Und wert war es da ohnehin. Aber ein Tag, an dem man schon mittags nasse Füße hat und dann später damit stundenlang im kalten Stadion steht, ist wohl dazu angetan, eine Erkältung zu erzeugen.

Die Rückfahrt dauerte, da ich in dem Sitz auch nicht schlafen konnte, aber mein Kumpel Maxime fast durchgehend, gefühlt recht lange. Aber das war ja nun auch alles egal. Das war ja so schön.
In unserem ICE waren ja auch viele Bayern-Fans, die nur nach Nürnberg etc. wollten. Richtig lustig fand ich zwei, die durch unseren HSVer-Waggon liefen und schon beim Reinkommen sangen:“Wir sind nur ein Punkelieferant“. Die waren richtig lustig. So sollte man eine Niederlage hinnehmen. Sie werden ja schließlich trotzdem Meister. 

Als die zurückkamen, waren sie aber schon weniger lustig. Da hatten sie sich wohl im nächsten HSV-Waggon zu viel anhören müssen. Da maulten sie doch darüber rum, was wir hier für eine Welle machen würden, wo wir doch gerade mal im Uefa-Cup spielten... ;-)

Irgendwann zwischen 1 und 2 Uhr waren wir dann wieder in Hamburg. Der Umsteige-ICE in Hannover hatte genauso viel Verspätung wie wir, sodaß wenigstens das klappte. Das wäre wohl auch nicht so lustig gewesen, um diese Uhrzeit in Hannover hängen zu bleiben. 

Ich setzte die HSV-Fahne schön auf mein Auto und fuhr zunächst Maxime und dann mich selbst nach Hause. Mensch, war das ein geiler Tag.

Und der Sonntag war mit Fußball im Schnee ebenfalls sehr schön. Ebenso wie der Montag mit der Zusage zu einem schönen Rendez-Vous am kommenden Samstag. 
Und nun freue ich mich auf Bukarest. Ja, da freue ich mich auch so richtig, denn dorthin würde ich sicherlich nicht in Urlaub fahren.

Die Leistung des HSV macht auch total euphorisch. Man konnte doch sehr bemerken, wie sehr uns Rafael van der Vaart fehlte. In der Abwehr ist es total geil, dass wir Guy Demel haben, der alle Positionen immer wieder sicher spielen kann. Das macht mich sogar hoffnungsfroh für den Fall, dass die immer mal wieder im Raume stehenden Wechsel von Boulahrouz oder Van Buyten tatsächlich einmal stattfinden sollten. 

Und wenn Taka im Sturm immer so spielen würde wie gegen Bayern, dann könnte ich auch gut damit leben, dass er nur sehr selten trifft. Denn er hat der Mannschaft am Samstag trotzdem sehr viel gebracht. 

Nun ein Sieg in Rumänien und einer beim Heimspiel danach gegen Kaiserslautern und wir können wieder auf die Euphoriewelle der Hinrunde aufspringen. Trotzdem wird der Kampf um die CL-Plätze sehr schwer, da Bremen und Schalke leider auch in großer Regelmäßigkeit gewinnen. Der UEFA-Cup-Platz ist uns allerdings ja schon bald nicht mal mehr rechnerisch zu nehmen. Ich glaube, sooo sehr können wir gar nicht mehr absacken, da wir unsere Krise jetzt ja eigentlich schon hatten. Hoffentlich ist sie auch definitiv beendet! Aber das sehen wir ja in dieser Woche bei den beiden Spielen. 

Ein vierter Platz wäre am Saisonende wohl tatsächlich eine Enttäuschung. Ganz gleich, wie sehr ich mir vorgenommen habe, darüber nicht enttäuscht zu sein. Wenn man 2/3 der Saison auf den ersten 3 Plätzen ist, würde sich die Enttäuschung wohl nicht vermeiden lassen, wenn es am Ende nicht mal zur CL-Quali reicht. Naja, schauen wir mal. Jetzt ist aber erstmal nur Freude angesagt!!!!
 

Meine Spielernoten:

Wächter: Bekam wirklich wenig zu tun. Einmal konnte er allerdings eine fantastische Parade zeigen: Note 3+

Mahdavikia: zeigte ein tolles Spiel. Setzte sich immer wieder sehr gut gegen seine Gegner durch und ließ sich ein ums andere Mal stehen. Bereite dann auch tatsächlich mal ein Tor vor, in dem er nicht mit seiner Flanke am ersten Gegenspieler hängen blieb ;-) ...: Note 1

Demel: „guygantisch“ ist wohl das richtige Attribut. Über 80 % der Zweikämpfe gewonnen und dann auch noch dieses kuriose 1:0. Besser kann man wohl nicht spielen: Note 1

Boulahrouz: Auch Boulah gefiel mir super. Die ganze Defensive stand bombensicher. Nur um einen kleinen Unterschied zu den anderen zu machen, bekommt er nur: Note 1-

Atouba: nach vorne hatte er fast überhaupt keine Szene, an die ich mich erinnern könnte, aber defensiv konnte der Gegner über seine Seite auch nichts ausrichten: Note 3

De Jong: Im Spiel ist es mir (bis zu seinem Tor) kaum aufgefallen. In diesem Fall muß man das aber als positiv bewerten, denn seine Aufgabe war die Bewachung von Ballack. Und der war nun auch wirklich absolut gar nicht im Spiel: Note 2

Jarolim: Wieder eine klasse „Zerstörer“-Leistung. Auch wenn das ja nicht seine eigentliche Aufgabe ist – er ist wirklich unglaublich viel unterwegs und unterbindet früh gegnerische Angriffe.: Note 2+

Trochowski: konnte sich diesmal nicht so in Szene setzen wie beim letzten Spiel, aber er fiel auch nicht ab: Note 3

van der Vaart: Ich hätte nicht geglaubt, dass er so schnell schon wieder eine so gute Leistung abliefert. Man konnte sofort seine ordnende Hand erkennen und wie sehr er der Mannschaft gefehlt hat. Hoffen wir, dass es seine einzige größere Verletzung beim HSV war.: Note 1

Barbarez: er war diesmal wirklich wesentlich bemühter als zuletzt, aber ihm wollte einfach nicht viel gelingen. Auch er hatte die große Chancen zum 2. Treffen für uns und ich würde sagen, dass er den in einer guten Phase auch auf jeden Fall reingemacht hätte: Note 3

Takahara: Das werden sicherlich einige anders sehen als ich, aber ich fand Taka auch „guygantisch“. Er hat vorne viele Bälle gehalten, Laufduelle gewonnen und ist stets aggressiv raufgegangen. Auch ohne Tor eine Super-Leistung. Im Stadion empfand ich ihn eigentlich als den besten HSVer. Note 1

Schiri Meyer: Er hatte nichts wesentliches zu entscheiden. Einmal hätte er Elfer für Bayern geben könne, aber das wäre in meinen Augen auch eine klare Fehlentscheidung gewesen, weil Demel sehr deutlich erst den Ball weggrätsche und dann Pizarro ummähte. Ansonsten pfiff er aber in meinen Augen tendentiell immer alles für die Bayern, wenn sich die Gelegenheit bot. Note 3

P.S. Ich hoffe, ich habe jetzt lang(atmig) genug geschrieben, Nikolaj ?!?! ;-) 

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: 1. Bundesliga, 2005/06, 24. Spieltag 

Bayern München -  Hamburger SV  1:2 (0:1) 

Allgemeine Informationen
Bayern München:  Kahn (5) - Sagnol (4,5), Lucio (3), Ismael (3), Lahm (4,5) - Demichelis (4) - Deisler (5), Salihamidzic (4) - Ballack (4,5) - Pizarro (4,5), Makaay (5) - Trainer: Magath

Hamburger SV:  Wächter (2,5) - Mahdavikia (1,5), Boulahrouz (2,5), Demel (2), Atouba (3) - de Jong (2) - Jarolim (3), Trochowski (3,5) - van der Vaart (2,5) - Takahara (3,5), Barbarez (4) - Trainer: Doll

Tore:   0:1 Demel (16., Rechtsschuss), 1:1 Scholl (83., Rechtsschuss, Vorarbeit Ballack), 1:2 de Jong (89., Kopfball, Mahdavikia)

Eingewechselt:   46. Schweinsteiger (4) für Salihamidzic, 46. Karimi für Deisler, 61. Scholl für Karimi - 67. Klingbeil für van der Vaart, 87. Fillinger für Takahara, 90. B. Reinhardt für Trochowski

Chancenverhältnis:  3:5
Eckenverhältnis:  9:5

Schiedsrichter:  Meyer  (Burgdorf), Note 3 - leistete sich keine gravierenden Fehler, war in der Spielleitung allerdings zu kleinlich

Zuschauer:  69000 (ausverkauft)

Gelbe Karten:  Pizarro, Ballack, Schweinsteiger - Takahara, Jarolim, Mahdavikia, van der Vaart, de Jong
Spielnote:  2,5

Spieler des Spiels: 
Mahdavikia, Mehdi: Der Iraner leiß defensiv nichts anbrennen, machte über seine Seite enorm viel Druck nach vorne und bereitete den Siegtreffer vor

Analyse
Im Vergleich zum 5:2 gegen Frankfurt kehrte Kahn (nach Oberschenkelproblemen) für Rensing zwischen die Pfosten zurück. Lahm begann für Lizarazu (Muskelverletzung) auf der linken Abwehrseite. Salihamidzic und Makaay standen für Schweinsteiger und Guerrero (Grippe) im Team.

Beim HSV fehlten nach der 0:2-Heimschlappe gegen Stuttgart van Buyten und Wicky mit Gelb-Rot- bzw. Gelb-Sperre. Spielmacher van der Vaart begann erstmals nach überstandenem Knöchelbruch. Demel kam neu in die Innenverteidigung, Takahara spielte für Lauth im Angriff.

Nur in der Anfangsphase zeigten die Bayern Zug zum Tor. Bezeichnenderweise hatte Pizarro bereits nach knapp 40 Sekunden mit einem Flachschuss die beste Chance in der ersten Hälfte. Nach einer guten Viertelstunde nutzten die Hanseaten Unzulänglichkeiten in der Hintermannschaft der Bayern. Ballack leitete einen Freistoß aus dem Mittelfeld unglücklich zu Demel weiter. Der Ivorer schlenzte den Ball fast von der Außenlinie ins lange Eck, Kahn verschätzte sich und ließ das Leder passieren (16.). 

Danach wirkten die Bayern geschockt, die Hamburger dagegen wurden immer selbstbewusster. Die Doll-Schützlinge standen nicht nur in der Defensive sicherer, sondern kombinierten auch zielstrebiger Richtung Tor der Münchner. Beispielhaft hierfür ein Flachschuss von Takahara nur wenige Zentimeter neben das Gehäuse kurz vor der Pause. Die Bayern-Anhänger quittierten die sich anbahnende erste Heimniederlage in der Allianz Arena mit einem gellenden Pfeifkonzert zur Pause. 

Nach Wiederbeginn besetzte Felix Magath die Außenpositionen im Mittelfeld mit Schweinsteiger (links) und Karimi (rechts) für Salihamidzic und Deisler neu. Der Iraner musste jedoch nach nur 14 Minuten wieder passen, nachdem er unglücklich umgeknickt war. Die Münchner hatten nun mehr vom Spiel, doch es fehlten weiterhin kreative Ideen, um die sichere HSV-Abwehr ernsthaft in Gefahr zu bringen. 

Mitte des zweiten Abschnitts war das Spiel zerfahren. Fünf Gelbe Karten binnen zehn Minuten zeugten von Verbissenheit und Emotionalität auf beiden Seiten. 

Spätestens nach der Hereinnahme von Klingbeil für van der Vaart wurden die Hanseaten immer passiver. Dies rächte sich: Der für Karimi gekommene Scholl vollendete eine schöne Kopfballvorlage von Ballack nach einem Einwurf von links sehenswert zum Ausgleich (83.). Danach drängten der FCB auf den Sieg, entblößte dabei jedoch die Abwehr. Takahara vergab frei vor Kahn, dann machte es de Jong besser. In der 89. Minute köpfte der Niederländer nach scharfer Freistoß-Hereingabe von der rechten Seite durch Mahdavikia ungehindert ins linke Eck - der Endstand. 

Nach knapp 24 Jahren gelingt dem HSV wieder ein Erfolg in München. Die Hanseaten sind zugleich das erste Team, dem in der Allianz Arena ein Sieg gegen den FC Bayern gelingt. Die Doll-Schützlinge waren bei starkem Schneefall auf schwierigem, tiefen Boden präsenter und zielstrebiger und gewannen verdient. Den Münchnern fehlten Ideen im Angriffsspiel, die Magath-Elf offenbarte zudem Unsicherheiten im Abwehrverbund.

Spielereignisse im Detail
Schlusspfiff 

89
 Wieder führt der HSV!! Mahdavikia tritt einen Freistoß von der rechten Seite scharf nach innen. Am Fünfmeterraum lässt Sagnol de Jong ungehindert hochsteigen und mustergültig mit dem Kopf ins linke Eck vollenden. 

88 Nun wollen die Bayern mehr und drücken auf den Siegtreffer. Doll verstärkt mit Debütant Fillinger für Takahara die Defensive weiter. 

85 Der völlig alleingelassene Takahara scheitert aus kurzer Distanz an Kahn. 

83
 Ausgleich!! Nach Einwurf von der linken Seite leitet Ballack wunderbar per Kopf zu Scholl weiter. Der zieht aus der Luft ab, trifft das Ball perfekt und netzt direkt neben den linken Pfosten sehenswert ein. 

81 Wieder kommt der HSV über rechts: Takahara passt flach von der Außenlinie in die Mitte zurück zu Barbarez, der aus guter Position deutlich verzieht. 

79 Gute Chance für die Bayern: Nach Flanke von der rechten Seite von Sagnol kommt der Ball noch abgefälscht zu Pizarro, der im Fallen abzieht. Wächter kann abwehren und ein Abwehrspieler noch vor Ballack zur Ecke klären. 

72
 De Jong lässt an der Mittellinie Ballack "über die Klinge springen" und erhält von Meyer Gelb. 

70 Jarolim dringt halbrechts in den Strafraum ein und kommt zum Abschluss. Den Flachschuss des Tschechen hat Kahn jedoch sicher. 

64 Scholl tritt den fälligen Freistoß aus ca. 23 Metern in halblinker Position. Noch abgefälscht fliegt das Leder ca. 2 Meter am rechten Pfosten vorbei. 

63
 Nach Foul von Boulahrouz an Schweinsteiger am Strafraumrand kommt es zur Rangelei zwischen van der Vaart und Pizarro. Beide sehen von Schiedsrichter Meyer zu Recht Gelb. 

61
 Nach nur 14 Minuten auf dem Spielfeld muss Karimi bereits wieder passen. Der Iraner knickte auf dem tiefen Boden unglücklich um. Scholl ist neu in der Partie. Der FCB hat damit sein Wechselkontingent schon früh ausgeschöpft. 

60 Die Münchner übernehmen immer mehr die Initiative, doch zündende Ideen um gute Torchancen zu kreieren, fehlen noch immer. 

56 Das Offensivspiel der Bayern ist noch immer nicht überzeugend. Das wichtige Champions Leauge-Rückspiel gegen den AC Mailand am Dienstag scheint die Magath-Elf bereits mental zu lähmen. 

46
 Felix Magath besetzt beide Außenpositionen in der Mittelfeldraute neu. Schweinsteiger ersetzt Salihamidzic links, der Iraner Karimi Deisler rechts. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

45 Mit einem gellenden Pfeifkonzert schickten die Bayernfans ihre Akteure in die Halbzeit. Es droht die erste Niederlage in der Allianz Arena. Die Hanseaten waren insbesondere nach dem Treffer von Demel das homogener agierende Team. 

  Halbzeitpause 

  Abpfiff 1. Halbzeit 

42 Gute Gelegenheit für die Norddeutschen: Die Bayern lassen den HSV ungestört bis zum Strafraum kombinieren. Dort kommt Takahara frei zum Schuss und verfehlt das Tor nur um wenige Zentimeter. 

37 Nach längerer Durststrecke mal wieder eine Strafraumszene. Ballack und Makaay scheitern mit Schussversuchen vom Strafraumrand an der vielbeinigen Abwehr. Dann rettet Demel gegen Pizarro, indem er dem Peruaner den Ball wegspitzelt. 

33 Die Bayern haben weiterhin Probleme gegen die gut in der Defensive stehenden und äußerst engagierten Hamburger. 

24 Die Münchner scheinen nach dem Rückstand leicht geschockt. Die bissigen Hanseaten agieren dagegen nach dem Treffer deutlich selbstbewusster Richtung Tor des FCB. 

16
 Ein Freistoß aus dem Mittelfeld kommt hoch in den Bayernstrafraum. Ballack köpft genau zum rechts frei stehenden Demel. Der Ivorer zieht aus sehr spitzem Winkel ab und überwindet den verblüfften Kahn mit einem Schuss ins lange Eck. 

15 Van der Vaart spitzelt Ballack tief in der Hälfte der Bayern den Ball weg, trifft danach aber auch den Nationalspieler, der kurze Zeit liegenbleibt. Referee Meyer belässt es bei einer Ermahnung. 

9 Ballack legt im Strafraum per Kopf zurück zu Salihamidzic. Der Schuss des Bosniers aus zentraler Position geht jedoch deutlich über das HSV-Gehäuse. 

1 Pizarro versucht es bei Schneefall auf schmierigem Untergrund nach nur 40 Sekunden mit einem Flachschuss aus ca. 17 Metern. Das rote Leder streicht nur knapp am Tor von Wächter vorbei. 

Anpfiff 

0 Beim HSV fehlen van Buyten und Wicky mit Gelb-Rot- bzw. Gelb-Sperre. Spielmacher van der Vaart beginnt erstmals nach überstandenem Knöchelbruch von Beginn an. Demel kommt neu in die Innenverteidigung, Takahara spielt für Lauth. 

0 Am 21.12.2005 gelang es dem HSV, den Münchnern auf eigenem Platz zumindest nach der regulären Spielzeit im Pokal ein Remis abzutrotzen. Am Ende stand allerdings eine 0:1-Niederlage nach Verlängerung. 

0 Kahn kehrt bei den Bayern nach Oberschenkelverletzung für Rensing ins Team zurück. Zudem spielen Lahm, Salihamidzic und Makaay für Lizarazu (Muskelprobleme), Schweinsteiger und Guerrero, der mit Grippe das Bett hüten muss. 

0 Weiterhin makellos ist die Heimbilanz der Bayern mit 11 Siegen in der Liga. Als erstes Team überhaupt gelang es dem AC Mailand in der Champions League vor eineinhalb Wochen, zumindest einen Punkt aus der Allianz Arena zu entführen. 


 
dpa: HSV-Ballett tanzt zum Doll-Jubiläum

Von Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa

München (dpa) - Das Ende der Siegesserie rief bei Bayern München keine Zweifel am Gewinn der 20. deutschen Fußball-Meisterschaft hervor, doch Kapitän Oliver Kahn ärgerte sich mächtig über das Wecksignal zum falschen Zeitpunkt. 

«So eine deutsche Meisterschaft ist ein Marathon vom ersten bis zum letzten Spieltag. Da muss ich auch mal taktisch überlegen. So ein Tor ist ein Witz», kritisierte der Bayern-Torhüter seine Vorderleute nach dem 2:1-Siegtreffer für den Hamburger SV. «Wir waren mit dem 1:1 nicht zufrieden und dann bekommen wir eben die Ohrfeige.» Die erste Niederlage in der Allianz Arena nach elf Bundesliga-Siegen durch einen Last-Minute-Treffer rüttelte die Münchner zwar wach, vier Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim AC Mailand war die Heimpleite aber denkbar schlecht für das Selbstvertrauen.

Während die Münchner mit den Gedanken längst beim Spiel in Norditalien weilten, genossen die Hamburger einfach nur den Augenblick. Erstmals seit 24 Jahren gewannen sie wieder in München, wahrten eine Mini-Chance auf den Titel und tanzten vor ihrer Fankurve eine neue Auflage des HSV-Balletts. «Wir haben gezeigt, dass wir in Spitzenspielen auch Spitzenleistungen abliefern können», sagte Trainer Thomas Doll, der mit seinem 50. Bundesliga-Spiel ein kleines Jubiläum feierte. «Wir haben die richtige Siegermentalität gehabt.»

Der Hallo-Wach-Effekt durch den HSV soll den Münchnern nun in Italien weiterhelfen. «Vielleicht macht uns diese Niederlage aggressiv und verleitet uns zu einer Reaktion, durch die wir dort ein Riesenspiel machen», sagte Kahn, der vom Weiterkommen überzeugt ist. Doch Fehler wie gegen die Hanseaten würden gegen Mailand, das nach dem 1:1 im Hinspiel und dem 3:0 bei der eigenen Generalprobe am Samstag gegen Empoli Favorit ist, das sichere Aus bedeuten: Beim 0:1 durch Guy Demel (16.) spekulierte Kahn falsch, beim 1:2 durch Nigel de Jong (89.) schlief gleich die komplette Hintermannschaft. «Kein Mensch war mehr hinten außer dem kleinen Philipp Lahm», meckerte Kahn über die Defensivarbeit in der Schlussphase. «Das sind Dinge, die wir gerade lernen müssen, wenn es international um jeden Millimeter geht.»

Auch die Angriffsbemühungen der Gastgeber waren lange nicht durchdacht. In der ruppigen Partie fehlte nach dem 1:1 durch Mehmet Scholl (83.) zudem ein Führungsspieler, der das Team auf Kurs hielt. «Nach dem Ausgleich hat uns die Coolheit gefehlt, das Ergebnis zu akzeptieren», sagte Trainer Felix Magath, der das Mailand-Spiel im Hinterkopf ebenso als Entschuldigung für zum Teil dürftige Darbietungen anführte wie die katastrophalen Platzverhältnisse. Dass es aber auch auf diesem Boden ging, bewies eben Torschütze Scholl. «Er hat gezeigt, dass man auch auf diesem Boden Fußball spielen kann», gestand Magath ein. Scholl war für den verletzten Iraner Ali Karimi eingewechselt worden, der wegen eines Syndesmosebandrisses sechs bis sieben Wochen pausieren muss.

Wie Werder Bremen hat Champions-League-Aspirant Hamburg den Rückstand auf den Rekordmeister auf acht Zähler verkürzt - doch Sorge hat dieser nicht. «Wir sind von uns selber abhängig, ob wir Meister werden oder nicht. Daran hat das Ergebnis von heute nichts geändert», sagte Bayern-Stürmer Roy Makaay nach der ersten Heimniederlage seit 19 Spielen und knapp anderthalb Jahren.

Die Hamburger konnten durch den überzeugenden Sieg, der Balsam für die jüngst kritisierten HSV-Seelen war, den FC Schalke im Kampf um einen Platz in der europäischen Königsklasse auf Distanz halten. «Am wichtigsten ist für uns die direkte Champions-League-Qualifikation», sagte Matchwinner de Jong. Trotz Siegen in Hin- und Rückspiel gegen den amtierenden Meister Bayern ist der Titelkampf für Coach Doll «kein Thema». «Ein bisschen Zurückhaltung und Demut ist manchmal nicht schlecht», sagte der 39-Jährige.


 
sport1: Starker HSV beendet Bayerns Serie

Die lange Erfolgsserie des Rekordmeisters Bayern München ist vier Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim AC Mailand gerissen.
Nach 19 Bundesliga-Heimsiegen in Folge unterlag die Mannschaft von Trainer Felix Magath im Spitzenspiel dem Hamburger SV mit 1:2 (0:1), bleibt aber mit komfortablen acht Zählern Vorsprung auf die nun punktgleichen Verfolger Werder Bremen und HSV auf Kurs zur 20. Meisterschaft.
Der HSV indes hat durch seinen ersten Erfolg bei den Bayern seit 24 Jahren im Kampf um die Champions League die Verfolger auf Distanz gehalten.

De Jong trifft kurz vor Schluss zum Sieg
Guy Demel (16.) und Nigel de Jong (89.) erzielten die Tore zum verdienten Auswärtssieg. Der eingewechselte Mehmet Scholl hatte zwischenzeitlich zum 1:1 ausgeglichen (83.).
Die Bayern, die die erste Heimniederlage seit dem 16. Oktober 2004 (0:1 gegen Schalke 04) kassierten, müssen sich am Mittwoch beim AC Mailand gewaltig steigern, wenn sie nach dem 1:1 im Hinspiel noch das Viertelfinale der Königsklasse erreichen wollen.

HSV ohne van Buyten und Beinlich
Vor 69.000 Zuschauern in der abermals ausverkauften Allianz Arena entwickelte sich zunächst trotz Schneefalls und schwer bespielbaren Bodens ein offener Schlagabtausch. Gleich nach 38 Sekunden setzte Claudio Pizarro zu einem Warnschuss aus 20 Metern an, verfehlte das Tor von Stefan Wächter aber knapp.
Doch Hamburg, das ohne die gesperrten Daniel van Buyten, Raphael Wicky und den verletzten Stefan Beinlich auskommen musste, versteckte sich keineswegs und sorgte immer wieder für Unruhe in der Bayern-Defensive.

Überraschende Führung durch Demel
Etwas überraschend fiel dann in der 16. Minute der Führungstreffer für die Gäste.
Der völlig ungedeckte Innenverteidiger Demel kam auf der rechten Seite nahe der Grundlinie an den Ball und überraschte den nach seiner Oberschenkelprellung wieder ins Team gerückte Nationalkeeper Oliver Kahn, aus spitzem Winkel mit einem aufs lange Eck gezogenen Rechtsschuss.

Van der Vaart zurück in Startelf
Von der Führung der Mannschaft von Trainer Thomas Doll sichtlich geschockt, fanden die Gastgeber überhaupt nicht mehr zu ihrem Spiel. Die Angriffsversuche wirkten ideenlos und unkoordiniert, der HSV dagegen setzte aus seiner sehr konzentrierten Hintermannschaft immer wieder zu rasch vorgetragenen Gegenstößen an.
Takahara hatte in der 42. Minute nach einem schönen Zuspiel des erstmals nach seiner langen Verletzungspause wieder in der Anfangsformation stehenden Rafael van der Vaart die Vorentscheidung auf dem Fuß, Kahn rettete jedoch mit den Fingerspitzen zur Ecke.

Karimi am Knöchel verletzt
Magath versuchte in der zweiten Halbzeit, durch die Hereinnahme von Ali Karimi und Bastian Schweinsteiger anstelle der schwachen Hasan Salihamidzic und Sebastian Deisler neuen Schwung zu entfachen. Das Spiel der Bayern lief jedoch von vielen Fehlern geprägt, wenngleich sie den Druck nun auf die Gäste erhöhten.
Nach 61 Minuten musste Ali Karimi mit einer Knöchelverletzung wieder vom Platz und wurde von Mehmet Sholl ersetzt.

Nur Lucio in Normalform
Bei den nun noch seltenen Gegenstößen des HSV hatte erneut David Jarolim in der 70. Minute die Chance zur Vorentscheidung, scheiterte jedoch an Kahn. Die Bayern setzten sich zwar in der Hälfte der Gäste immer mehr fest und kamen in der 79. Minute durch einen Fallrückzieher von Pizarro beinahe schon zum Ausgleich, doch Wächter reagierte glänzend.
Bei den Gastgebern erreichte allenfalls Lucio Normalform. Auf Seiten des insgesamt überzeugenden HSV verdienten sich Torschütze Demel und Regisseur Van der Vaart die besten Noten. 
 

Nachbericht:  In Hrubeschs großen Fußstapfen

Es war am 24. April 1982, da drückte ein gewisser Horst Hrubesch in der 89. Minute den Ball im Münchner Olympiastadion über die Torlinie und machte so den 4:3-Sieg des Hamburger SV beim FC Bayern perfekt. 
Bis zum 4. März 2006 sollte das der letzte Sieg der Hanseaten in München bleiben.

Knapp 24 Jahre später wiederholte sich nun Geschichte.
Nigel de Jong - zum Zeitpunkt des letzten HSV-Sieges noch nicht mal auf der Welt - trat in Hrubeschs Fußstapfen und beendete mit einem Paukenschlag die schwarze Serie der Hamburger in München.

Bescheidener Matchwinner
"Es ist nicht wichtig, wer das Tor schießt. Es ist wichtig, dass die Mannschaft gewinnt", gab sich der 21-Jährige nach dem Spiel bescheiden. Gegenüber Sport1.de gestand der Holländer sogar: "Ich wusste gar nicht, dass das ein historisches Tor war."
Historisch hin oder her - zumindest war es ein Treffer, der Nationaltorwart Oliver Kahn auf die Palme brachte. "Eine erfahrene Mannschaft wie wir kriegt so ein Tor normalerweise nicht", haderte der 36-Jährige nach der Partie. "Die Mannschaft muss kapieren, dass wir um die Deutsche Meisterschaft spielen und nicht um die Münchener Stadtmeisterschaft."

Kahn contra Ballack
Laut Kahn hätte man sich mit dem Unentschieden zufrieden geben müssen - das taten die Bayern aber nicht. Man habe stattdessen alles nach vorne geworfen "und dann bekommst du irgendwann die Ohrfeige. Ich hoffe, die Mannschaft lernt daraus", sagte der Keeper, der nach überstandener Oberschenkelverletzung wieder im Bayern-Tor stand.
Die Schelte seines Torwarts konnte Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack indes nicht nachvollziehen. "Es war eine Standardsituation, da stehen acht, neun Mann im Strafraum. Da kann immer mal ein Gegentor fallen, das hatte nichts damit zu tun, dass wir noch gewinnen wollten", stellte der 29-Jährige klar.

Magath nimmt Niederlage gelassen hin
Da auch Bayern-Trainer Felix Magath die zweite Saisonniederlage gegen den Hamburger SV äußerlich gelassen hinzunehmen schien, blieb Kahn mit seinem Zorn alleine. "Ich bin sowieso nicht davon ausgegangen, dass man alle Heimspiele einer Saison gewinnt. Von daher habe ich damit gerechnet, dass es irgendwann passiert", meinte der Bayern-Coach.
"Es war heute nicht unbedingt notwendig, aber jetzt ist die Niederlage endlich da", schien er fast froh um das Ende der Serie zu sein. Auch dass die Revanche gegen seinen Ex-Verein, der den Bayern mit dem 2:0 in der Hinrunde die bis dato einzige Saisonniederlage zugefügt hatte, gründlich misslang, stürzte Magath nicht in Depressionen.
Er fand daran sogar gute Aspekte: "Wir haben in der Hinrunde beim HSV verloren und uns danach abgesetzt. Wenn das jetzt in der Rückrunde wieder so ist, dann kann ich mit den zwei Niederlagen gegen den HSV gut leben", sagte der 52-Jährige. 
Beschwichtigen und beruhigen steht offenbar auf dem Programm vor dem Kracher am Mittwoch gegen Milan.

Lob für Scholl
Bemerkenswert war auch die Tatsache, dass der FC Bayern den Nord-Süd-Gipfel in den ersten Minuten klar beherrschte, die Gäste aber durch Guy Demels krummes Tor aus spitzem Winkel (16.) in Führung gingen.
Einzig Mehmet Scholl, der nach 61 Minuten für Ali Karimi (Riss des Syndesmosebandes) ins Spiel kam, schien sich gegen die Bayern-Niederlage stemmen zu wollen.

"Mehmet war eines der Highlights heute"
Mit einem sehenswerten Volleyschuss erzielte der 35-Jährige nach 83 Minuten den zwischenzeitlichen Ausgleich und heimste für seine Leistung viel Lob ein. 
"Mehmet war eines der Highlights heute. Er ist zwar schon etwas älter, aber er hat gezeigt, dass man auch auf so einem Boden toll Fußball spielen kann. Das Tor war fantastisch", fand Trainer Magath.

"Das setzt Kräfte frei"
Doch auch Scholl musste sich letztenendes den aufopferungsvoll kämpfenden Hamburgern beugen, die durch de Jongs Last-Minute-Tor alles in allem verdient zum Sieg kamen.
"Für uns war wichtig, dass wir wieder in die richtige Spur gekommen sind. Wenn man bei Bayern München gewinnt, setzt das Kräfte frei", freute sich Trainer Thomas Doll.

Ballack: "Fahren trotzdem optimistisch nach Mailand"
Schon wenige Minuten nach dem Spiel ging der Blick bei beiden Mannschaften dann schon wieder nach vorn. "Wir haben drei wichtige Punkte gegen ein Top-Team geholt. Das müssen wir jetzt in das Uefa-Cup-Spiel am Donnerstag mitnehmen", meinte Doll.
Bei den Bayern blieb hingegen die Hoffnung auf eine gehörige Leistungssteigerung am Mittwoch. "Wir fahren trotz der Niederlage optimistisch nach Mailand", meinte Michael Ballack und Felix Magath fügte hinzu: 
"Ich bin zuversichtlich, dass in Mailand schönerer Fußball geboten wird." Hoffentlich dann auch von den Bayern.