Bundesliga 2005/2006, Bundesliga, 28. Spieltag, Sonntag, 02.04.06, 17:30 Uhr in der Schalker "Veltins Arena auf Schalke"

FC Schalke 04 - Hamburger SV 0:2 (0:0)

Nun sind wir wirklich einen gehörigen Schritt näher an die Champions League herangekommen. Jetzt sind es 7 Punkte Vorsprung auf Schalke und den 4. Platz. Und nächste Woche spielt Werder gegen Bayern. Da bin ich vermutlich ein größerer Bayern-Fan als viele der üblichen Bayern-„Sympathisanten“. Es wäre doch zu schön, wenn Bayern dort gewinnen (oder zumindest punkten) würde. Wenn wir dann unser Heimspiel gewinnen....
Aber das ist ja noch einen bißchen hin...

Noch können wir erstmal dieses Spiel und den super-wichtigen Auswärtssieg genießen. Wie geil. Und ich muß dazu sagen, daß ich wirklich nicht so große Hoffnungen hatte, daß wir das Ergebnis positiv gestalten. Aber da haben wir doch tatsächlich gezeigt, daß wir wirklich immer eine „Reaktion“ zeigen nach einer Niederlage, wie Thomas Doll es stets so schön ausdrückt. 

Und die Vorzeichen vor diesem Spiel waren ja tatsächlich eigentlich nicht so gut für den HSV. Schließlich hatte Schalke bis vor kurzem eine tolle Serie (die nun allerdings schon 2 Spiele unterbrochen war) und wir hatten zuletzt auch sehr wechselhaft gespielt. Naja, diese Serien heben sich dann wohl auch auf. Aber wirklich schlecht für den HSV war die Gelbsperre von Boulahrouz und die leider im Training erfolgte Langzeitverletzung von Van Buyten. Also war heute unsere komplette Standard-Innenverteidigung ausgefallen. Das bedeutete nun den Einsatz von Reinhardt, der erst seit kurzem nach langer Verletzung zurück ist im Team und Guy Demel, den ich allerdings äußerst stark finde und als einen meiner Lieblingsspieler bezeichnen würde.

Wir sind heute zu viert gefahren und konnten wieder einmal erst recht spät los, da mein Kumpel Kuno noch arbeiten mußte. Wir fuhren also so gegen 12:40 h aus Bad Schwartau los und mußten dann aber noch tanken in Reinfeld. Das wäre alles noch recht problemlos gewesen, aber leider wurden zwischen Hamburg-Öjendorf und Moorfleet 5 km Stau angesagt. Wir sind dann durch die Stadt und wollten über die Elbbrücken. Nur leider war es genau dort auch totales Stau-Gebiet. Das hat uns leider eine Stunde gekostet. Und da es hinterher auch noch ziemlich viel regnete und man so nicht so recht zügig fahren konnte (wobei das Auto ja ohnehin nicht sooo viel hergibt) waren wir schließlich erst kurz nach Anpfiff erst auf dem Parkplatz. Aber das macht mir auch nicht mehr so viel aus. Ich denke ja ohnehin inzwischen oftmals, daß es auch noch wichtigere Dinge in meinem Leben gibt als Fußball (Oh, Gott, darf ich das überhaupt schreiben....? Naja, aber wenn man doch soooo schön verknallt ist.... Keine Sorge, liebe Leserschaft: natürlich weiterhin ohne Gegenliebe, denn sonst würde es solche Auswärtsfahren vermutlich gar nicht mehr so zahlreich geben ;-) )

Jedenfalls waren wir dann so ca. 10 Minuten nach Spielbeginn im Stadioninnenraum, aber mußten erstmal noch ums halbe Stadion, sodaß wir nach 15 Spielminuten unseren Platz dann erreicht hatten. Tore haben wir nicht verpaßt, aber wir mußten uns von einem anderen HSV-Fan sagen lassen, daß wir schon eine hundertprozentige Chance durch Benny Lauth hatten, der wohl allein auf den Torwart zugelaufen war und dann nur die Latte oder drüber geschossen hatte. 

Wir sahen dann in der Folgezeit durchaus dominante Schalker, die allerdings aus dem Spiel heraus auch gar keine gefährlichen Chancen erarbeiteten. Ich fand das auch die ganzen 90 Minuten (oder für uns eben nur 75 Minuten) auffällig, daß Schalke aus dem Spiel heraus meines Erachtens überhaupt keine Chancen hatte. Allerdings hatten sie sehr viele Standards, nach denen sie einige Male zu gefährlichen Chancen kamen. Besonders in der ersten Halbzeit war unsere Innenverteidigung da (zu) oft im Luftkampf unterlegen und die Schalker hatten gute Kopfballchancen. Mindestens eine davon hatte ich auch drin gesehen. 

Was für mich außerdem besonders auffällig war, war die sehr harte Gangart der Schalker und ein wirklich elendiges und ständiges Provozieren. Allerdings ist der Schiri da nur mittelmäßig drauf reingefallen. Zumindest in puncto Karten haben die Schalker ihr Ziel nicht erreicht. 

Insbesondere unzufrieden waren sie sicher über die gewiß auch entscheidende Szene zwischen der 20. Und 30. Minute, als es nach einem (für mich nur angeblichen) Barbarez-Foul zu einer schönen Rudelbildung kam, nachdem van der Vaart am Boden lag. Da gabs dann ein schönes Handgemenge und es waren irgendwie alle Spiele und sämtliche Schiris geknäuelt. Ergebnis: Barbarez bekam gelb. Dann ging Schiri Fleischer über den halben Platz mit der gelben Karte in der Hand auf Rafinha zu, um, als er in seiner Nähe war, ihm dann schließlich die Rote Karte zu zeigen. Wie geil! Ich fand die Art einfach sehr geil, weil er die gelbe wirklich in der Hand hatte, um ihm dann doch Rot zu zeigen. Der dachte bestimmt, er käme mit Gelb davon und auch schon darüber pfiffen die Zuschauer ja reichlich, als der Schiri sich so langsam näherte. 

Ich habe das selbst gar nicht gesehen, aber mir sagen lassen, daß der Schalker van der Vaart klar eine ins Gesicht gelangt hätte. Wenn das denn so war, war es wohl berechtigt. Allerdings weiß ich ja auch immer, daß Rafael nicht so ein Engel ist, wie man es bei seinem Namen vermuten könnte....

Die Übrzahl machte sich allerdings das ganze Spiel über nicht sonderlich bemerkbar, fand ich. Die Schalker haben schon sehr gekämpft. Allerdings sehr oft auch überhart. Wie z.B. Mehdi in der 2. Halbzeit von Kuranyi umgeknüppelt wurde, der dafür nicht mal die gelbe Karte erhielt, war auch sehr heftig.

Leider war der Schiri nach dieser Roten Karte irgendwie auch für mein Gefühl, etwas eingenommen vom Schalker Publikum und entschied doch irgendwie die meisten strittigen Entscheidungen pro Schalke. Das mochten die Schalker allerdings wohl gar nicht so sehen. Ich denke, die haben sich bis zum Schluß benachteiligt gefühlt, weil ihre Spieler auch noch einige gelbe Karten bekamen. Insofern war der Schiri wohl nicht parteiisch. Aber doch insgesamt eher etwas kleinlich. 

Ich war jedenfalls trotz Überzahl ganz zufrieden, daß wir erstmal mit dem Unentschieden in die Halbzeit kamen. Allerdings hatten wir auch noch eine weitere hundertprozentige Chance in der ersten Halbzeit, als Barbarez ganz frei vorm Schalker Torwart war. Leider machte er nur den Fehler seinen Lauf zu stoppen und dann quasi aus dem Stand zu schießen. Den Schuß parierte Rost. Ich denke schon, daß Sergej auch in der Lage gewesen wäre, den Torwart zu umspielen. Hat er nur leider nicht gemacht. 

Schalke hatte in der ersten Halbzeit wie gesagt einige gute Kopfballszenen im Strafraum und auch einen Schuß an die Unterlatte, bei dem ich es aber doch sehr glücklich gefunden hätte, wenn der im Tor gelandet wäre.

Allerdings dachte man ich nun doch: Wenn ich vorher mit einem Unentschieden auch schon sehr zufrieden gewesen wäre, so würde ich jetzt, in Überzahl, nun auch wirklich nicht wenigstens ein Unentschieden erwarten.

Allerdings ließ sich die zweite Halbzeit eine ganze Zeit nicht sehr gut für den HSV an. Man überließ den Schalkern wirklich sehr viel vom Platz und versammelte sich viel zu dicht vorm eigenen Strafraum. Und trotzdem gelang uns dann nach so ca. 60 Minuten die so wichtige Führung. Wir hatten von der Aufstellung her die ganze zweite Halbzeit allerdings schon sehr viel mehr auf Offensive gesetzt. Es waren Klingbeil und Ailton für de Jong und Trochowski gekommen. Da hört sich auf den ersten Blick nicht offensiver an, aber Klingbeil war ja nur als Ersatz-rechter-Verteidiger für Mahdavikia gekommen, der nun viel offensiver agierte und Ailton war ja auch wirklich als Stürmer unterwegs.

In der 60. Minute gelang uns nun also das 1:0 durch einen Freistoß van der Vaarts. Der hatte mittig aus wohl mindestens 30 Metern den Ball hingelegt. Kuno sagte noch lächelnd, daß er den nun wohl ganz trocken versenken werde. Das tat er auch. Nur war es wirklich als Flanke gedacht. Aber Freund und Feind verpaßten den Ball und Rost konnte schließlich nur schlecht aussehen, als der Ball dann schließlich an den Innenpfosten und rein klatschte. Schön!

Nun befürchtete ich sehr lange 30 Minuten, aber eigentlich hatte ich nur sehr selten  Angst. Die kam bei mir dann meist nur bei Standardsituationen auf, aber in der zweiten Halbzeit führte Lincoln seine Freistöße wirklich sehr viel schlechter aus also noch in der ersten Halbzeit. Er brachte nicht einen Freistoß direkt gefährlich aufs Tor. Viele dann sogar direkt ins Aus bzw. schließlich auch noch in die Mauer am Ende. 

Und schließlich erlöste uns so ca. 10 Minuten vor Schluß Ailton. Lauth hatte sich gut durchgespielt, doch der schnelle Ailton schnappt sich einfach den Ball und lief von halblinks in den Strafraum. Schließlich schoß er den Ball, als er im Strafraum angekommen war, technisch perfekt mit dem linken Außenwrist um den Torwart herum ins lange Ecke. Ein sehr geiles Tor. Und ich muß noch dazu sagen, daß ich tatsächlich zuerst dachte, daß er einen schlechten Pass in die Mitte zum mitgelaufenen Barbarez gespielt hätte. Das es ein Torschuß war, habe ich wirklich aus meinem Blickwinkel erst so richtig gesehen, als der Ball ins Tor reinklatschte.

Aber das war natürlich ein sehr geiles Gefühl! Und dann auch noch so schön ins Tor auf unserer Seite und so konnte Toni und die Mannschaft dann auch wunderbar in unsere Ecke zum Feiern kommen. Herrlich.

Glücklicherweise gab sich Schalke in diesem Moment auch direkt komplett auf und stellte die echten Bemühungen ein. Wenn die noch einen gemacht hätten, hätte ich ja auch selbst bei nur noch einer Minute Spielzeit, die Hosen wieder voll gehabt ;-)

Aber so ging es alles recht ruhig zu Ende. Da hätten wir wirklich noch eher ein drittes Tor oder sogar viertes Tor erzielen können, was auch wirklich bei einigen schon fast fahrlässig vergebenen Kontern möglich gewesen wäre.

Nun ging das Spiel ganz locker zu Ende und wir konnten noch ein bißchen mit der Mannschaft feiern. Obwohl es stimmungstechnisch heute für mich bei weitem nicht so gut war, wie ich es sonst schon manchmal auswärts erlebt habe. Wir saßen allerdings auch sehr weit oben. Und mit vielen Schalkern „durchsetzt“. Ich hatte aber das Gefühl, daß die Stimmung auch unten nicht so enthusiastisch war, denn ich konnte nicht viel hören. Ich war auch selbst gar nicht so euphorisch, obwohl es ja wirklich ein Spiel war, bei dem das total das richtige Gefühl gewesen wäre.

Dieser Sieg ist ja so unglaublich wichtig für den HSV. Wie schon oben geschrieben, sind wir nun 7 Punkte vor Schalke, die auch noch direkt gegen Bremen spielen. Irgendwie sollten wir es da schon schaffen können, zumindest nicht aus den ersten 3 Plätzen rauszufallen. Wobei der zweite Platz nun natürlich deutlich das zu verteidigende Ziel ist. Nächsten Sonntag spielen wir gegen Mönchengladbach und wenn wir dann vorher am Samstag sehen, daß Bremen zumindest nicht mehr als einen Punkt gegen Bayern holt, könnten wir uns auch von den Jungs aus der „verbotenen Stadt“ schon sehr schön absetzen. Aber das lassen wir mal schön auf uns zukommen.

Meine Spielerbewertung:

Kirschstein: machte seine Sache fehlerfrei, wenngleich die Schalker ihre guten Chancen auch eher direkt neben das Gehäuse brachten: Note 3+

Mahdavikia: Konnte sich heute offensiv nicht so oft in Szene setzen und mußte nach deftigem Foul in der 2. Halbzeit schließlich ausgewechselt werden: Note 3

Demel: überzeugend, wenn auch die Innenverteidigung bei einigen Kopfballszenen nicht gut aussah: Note 3+

Reinhardt: ähnlich wie Demel. Nur einen kleinen Tick schlechter: Note 3

Atouba: War heute in der Defensive gebunden und hatte nur wenige Vorstöße. Aber er hatte seine Seite sicher im Griff: Note 3

De Jong: Fiel mir in den 30 Minuten, die ich ihn sah, überhaupt gar nicht auf und wurde dann ausgewechselt: Note 4

Trochowski: fiel schon etwas mehr auf als de Jong, aber auch nicht wesentlich positiver, weil er oft den Ball verlor. Wurde ebenfalls zur Halbzeit ausgewechselt: Note 4

Jarolim: heute konnte man wieder sehen, wie enorm wichtig er für das Team ist. Er holt sehr viele Bälle und vor allem verliert er auch kaum einen. Er schirmt ihn auch in brenzligen Situationen so ab, daß er nur durch ein Foul zu bremsen ist: Note 2

Van der Vaart: Ich kann nicht wirklich sagen, daß ich ihn sehr stark fand. Aber er hat das entscheidende 1:0 erzielt und auch viele Bälle gesichert: Note 3

Barbarez: der zeigt ja zuletzt wieder sein positives Gesicht. Auch heute wieder mit vielen guten Pässen in die Spitze: Note 2

Lauth: weiterhin auf einem positiven Weg.. Er ist so viel sicherer am Ball geworden, daß es inzwischen wieder Spaß macht, ihn auf dem Spielfeld zu sehen: Note 3

Ailton: spielte eine Halbzeit und erzielte dabei ein wunderschönes Tor. So kann er es wohl doch schaffen, sich beim HSV einen Vertrag für eine weitere Saison zu erspielen. Macht momentan Spaß, ihm zuzuschauen.

Schiri Fleischer: Ich fand ihn nach der roten Karte eher Schalke zugeneigt. Die haben es sicher anders empfunden. Dann war er vielleicht doch objektiv. Auf jeden Fall war es auch eine sehr schwierige Partie, in der die Emotionen hochschlugen: Note 3

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker:  1. Bundesliga, 2005/06, 28. Spieltag 
FC Schalke 04 -  Hamburger SV  0:2 (0:0) 

Allgemeine Informationen
FC Schalke 04:  F. Rost (2,5) - Rafinha (5), Bordon (4), Krstajic (3), Kobiashvili (4) - Poulsen (3,5), F. Ernst (2,5) - Lincoln (4) - Asamoah (3), Varela (4), Kuranyi (5) - Trainer: Slomka

Hamburger SV:  Kirschstein (2) - Mahdavikia (3,5), Demel (3), B. Reinhardt (3), Atouba (3) - de Jong (5) - Jarolim (3), Trochowski (4,5) - van der Vaart (3) - Barbarez (3), Lauth (2,5) - Trainer: Doll

Tore:   0:1 van der Vaart (57., direkter Freistoß, Linksschuss), 0:2 Ailton (80., Linksschuss, Vorarbeit Lauth)

Eingewechselt:   65. Larsen für Kuranyi, 69. Hamit Altintop für Poulsen, 81. Sand für Asamoah - 46. Ailton (3) für de Jong, 46. Klingbeil (4) für Trochowski, 71. Laas für Mahdavikia

Chancenverhältnis:  6:6

Eckenverhältnis:  5:4

Schiedsrichter:  Fleischer, Dr.  (Sigmertshausen), Note 4,5 - hatte in der hektischen, nickligen Partie einen schweren Job. Korrekt die Rote Karte gegen Rafinha, er hätte allerdings auch Atouba (Ellbogencheck gegen Ernst, 36.) vom Platz stellen müssen.

Zuschauer:  61524 (ausverkauft)

Rote Karten:  Rafinha (28., Tätlichkeit)

Gelbe Karten:  F. Ernst, Poulsen, Kobiashvili - de Jong, Barbarez, Atouba, Jarolim

Spielnote:  3,5

Spieler des Spiels: 
 

Kirschstein, Sascha
Sicherer Rückhalt seiner Elf. Vereitelte gegen Bordon, Lincoln oder Larsen große Schalker Möglichkeiten.

Analyse
Nach dem 3:1 im UEFA-Cup bei Levski Sofia stellte Schalkes Trainer Mirko Slomka die Anfangsformation auf zwei Positionen um: Rechts hinten kam wieder Rafinha zum Zug für Hamit Altintop und im Sturm musste Larsen weichen. Der Angreifer wurde durch Mittelfeldmann Varela ersetzt, der seinen Vertrag am Wochenende auf Schalke bis 2008 verlängerte.

Der Hamburger Coach Thomas Doll baute seine erste Elf nach dem 2:4 gegen Dortmund auf drei Positionen um: Besonders bitter für die Hanseaten, dass die komplette Innenverteidigung mit Boulahrouz (Sperre) und van Buyten (Bänderriss) ausfiel. Das Duo ersetzte Demel und Reinhardt, die lediglich am 1. Spieltag (3:0 gegen Nürnberg) zusammen verteidigten. Zudem ersetzte Jarolim wieder den Schweizer Wicky auf der Halbposition.

Die tabellarische Spitzenpartie des Spieltags begann so recht nach dem Geschmack der 61.524 Zuschauer in der ausverkauften Veltins-Arena. Beide Seiten suchten den Weg nach vorne, wobei schon nach drei Minuten Lauth nach einem schönen Steilpass von Barbarez an der Latte scheiterte. 

Sekunden danach meldeten sich die Schalker mit einem direkten Freistoß durch Bordon aus 28 Metern, den HSV-Keeper Kirschstein parierte. Nachdem Doll und Slomka jeweils einmal durchschnauften, erarbeitete sich Schalke ein leichtes Übergewicht und hätte durch Lincoln beinahe zweimal die Führung erzielt. Erst prüfte der Brasilianer Kirschstein mit einem schönen Volleyschuss (21.), dann hämmerte der Spielmacher der "Königsblauen" nach einer Unachtsamkeit von Atouba den Ball unter die Latte (26.). Doch auch seitens des HSV wäre die Führung drin gewesen, nachdem Bordon sich im Spielaufbau gegen Jarolim einen schlimmen Fehlpass leistete. Der tschechische Nationalspieler schickte Barbarez sofort steil, doch der Bosnier scheiterte am gut reagierenden Rost (20.).

So weit zum fußballerischen Teil von Hälfte eins. Doch nach einem Foul von Barbarez an Lincoln kochten anschließend die Emotionen hoch. Rafinha wischte van der Vaart durch das Gesicht und sah deshalb die Rote Karte (28.). Bis zum Halbzeitpfiff war nun enorm viel Gift in der Partie. Der Spielfluss ging völlig verloren, bei jedem Zweikampf musste man nun befürchten, dass die Spieler die Nerven vollends verlieren würden. In der 38. Minute war es wieder fast so weit. Foul Atouba an Poulsen, das nächste Rudel folgte und im Anschluss an eine Ringkampfeinlage zwischen dem Linksverteidiger des HSV und Ernst sahen beide Streithähne die Gelbe Karte. 

Mit Beginn der zweiten Hälfte setzte HSV-Coach Doll in Überzahl etwas mehr auf Offensive. Mahdavikia rückte vor und Klingbeil kam frisch an Stelle von de Jong für rechts hinten. Zudem wechselte Doll den Ex-Schalker Ailton für Trochowski ein.

Beide Mannschaften konzentrierten sich in den Anfangsminuten von Abschnitt zwei wieder mehr auf das Fußballspielen, wobei zunächst Kuranyi vorbeiköpfte (48.) und Ailton mit einem Linksschuss aus neun Metern knapp scheiterte (50.). Die nummerisch überlegenen Hamburger ließen es aber trotzdem relativ ruhig angehen und wollten scheinbar nicht zu früh das Risiko erhöhen. Die Rechnung ging in der 57. Minute auf, als HSV-Antreiber van der Vaart eine Freistoßflanke aus der Zentrale in den Strafraum brachte. Der Ball rauschte an Schalkern und Hamburgern vorbei und landete schließlich im langen Eck. 

Nun war Schalke gefordert und versuchte verstärkt Eckbälle und Freistöße herauszuholen, um über eine solche Standardsituation mit ihren kopfballstarken Spielern wie Bordon oder Krstajic den Ausgleich zu erzwingen. Doch die Hamburger verteidigten vielbeinig und effektiv. In der 77. Minute hatten die Schalker Fans den Torschrei dennoch auf den Lippen, doch Larsens Kopfstoß fehlte die Präzision. 

Auf der anderen Seite warteten die schnellen Spitzen Lauth und Ailton auf ihre Konterchance, die sie in der 80. Minute gemeinschaftlich zur Entscheidung nutzten. Lauth passte raus zu Ailton und der Brasilianer legte zurück zu Lauth. Der deutsche Angreifer legte sich den Ball weit vor und sprintete hinterher, doch Ailton war einen Tick schneller und behielt vor Rost die Nerven: Mit links schlenzte der Ex-Schalker im Stile eines Klasse-Torjägers den Ball mit dem Außenrist ins lange Eck. Damit war die Partie gelaufen.

In einem nur in den ersten 25 Minuten ansehnlichen Fußballspiel behielt der HSV letztlich verdient die Oberhand. Nach der Roten Karte für Rafinha (28.) warteten die Hanseaten geduldig auf ihre Chancen und nutzten diese schließlich eiskalt. Mit dem Auswärtssieg untermauert die Doll-Elf ihren Anspruch auf Platz zwei. Die Schalker indes erleiden im Dreikampf um die zwei Champions-League-Plätze gegenüber dem HSV und Werder einen Rückschlag.

Spielereignisse im Detail:
Schlusspfiff 

80
 Der Konter des HSV zum 2:0. Lauth auf Ailton und der Brasilianer zurück zu Lauth. Der Angreifer legt sich den Ball weit vor und sprintet hinterher. Ailton ist jedoch schneller und behält vor Rost die Nerven. 

77 Wieder mal eine Chance für Schalke. Der Ball kommt vom rechten Flügel in den Strafraum zu Larsen, der höher steigt als Demel. Allerdings kann der Däne den Kopfball nicht richtig platzieren und Kirschstein fängt die Kugel sicher ab. 

71
 Bei Mahdavikia geht es nach dem Tritt von Kuranyi nicht mehr. Der Iraner hat Knieprobleme und wird durch Youngster Laas ersetzt. 

68
 Kobiashvili von hinten in die Beine von Lauth. Auch der Georgier sieht Gelb und muss in Duisburg einmal aussetzen. 

65
 Larsen kommt für Kuranyi, der gut anfing, aber immer glückloser wurde. Der Nationalstürmer mähte kurz vor seiner Auswechslung noch Mahdavikia um. 

57
 Tor für den HSV. Van der Vaart bringt die Freistoßflanke aus der Zentrale in den Strafraum. Der Ball rauscht an Schalkern und Hamburgern vorbei und landet schließlich im langen Eck. 

53
 Jarolim fährt das gestreckte Bein gegen Kuranyi aus und sieht seine neunte Gelbe Karte. 

50 Ailton, auch gerade erst eingewechselt, setzt gleich ein Zeichen. Der HSV-Stürmer ist durchgebrochen, doch aus neun Metern setzt er den Ball knapp daneben. 

48 Lincoln sucht Kuranyi im Strafraum. Der gerade erst eingewechselte Klingbeil ist noch nicht richtig sortiert und springt unter Flanke durch. Doch Kuranyi köpft knapp daneben. 

  Anpfiff 2. Halbzeit 

45 Die Partie begann flott mit Chancen auf beiden Seiten, doch nach 28 Minuten kippte die Partie. Nach einem Rudel sah Rafinha die Rote Karte wegen einer Tätlichkeit. In der Folge wurde die Partie hitzig, hektisch und zerfahren. 

  Halbzeitpause 

  Abpfiff 1. Halbzeit 

38
 Nach einem Foul von Atouba gegen Poulsen, kommt es zum nächsten Rudel. Ernst liefert sich mit Atouba einen kleinen Ringkampf und wird am Kinn getroffen. Der Nationalspieler geht theatralisch zu Boden. Beiden sehen Gelb. 

29 Slomka stellt um. Varela geht aus dem Mittelfeld nach rechts hinten. Im Mittelfeld sollen es nun Poulsen, Ernst und Lincoln richten. 

28
 Los ging es mit einem Foul von Barbarez an Lincoln. Danach kochen die Gemüter hoch. Barbarez sieht wegen des Fouls Gelb und Rafinha wischt van der Vaart eine ins Gesicht. Nach dem Rudel gibt es Rot für den Brasilianer. 

26 Atouba gewinnt das Duell gegen Asamoah, doch dann lässt er dann Ball wieder aus. Lincoln reagiert blitzschnell und donnert die Kugel aus sechs Metern an die Latte. Von dort springt der Ball wieder raus - der Brasilianer pustet durch. 

21 Klasse Spielzug von Schalke. Rafinha flankt von rechts. Kuranyi legt mit der Brust ab auf Lincoln, der sofort per Volleyschuss abzieht. Kirschstein streckt sich und lenkt den Ball mit den Fingerspitzen drüber. 

20 Riesenbock von Bordon. Der Brasilianer bedient im Spielaufbau Gegenspieler Jarolim, der sofort Barbarez steil schickt. Der Bosnier versucht Rost auszugucken, doch der Keeper bleibt im Duell Eins-gegen-Eins Sieger. 

15 Jarolim kommt mit dem Ball angetrabt. Weil er nicht attackiert wird, nimmt der Tscheche Fahrt auf und wird erst am Strafraum angegriffen. Jarolim zieht zuvor ab, doch sein Rechtsschuss geht flach vorbei. 

14
 De Jong fällt Lincoln mit dem gestreckten Bein und sieht zurecht Gelb. Für den Niederländer ist es die fünfte, er fehlt damit gegen Gladbach. 

10 Nach einer Ecke von Kobiashvili kommt der Georgier nach einer zu kurzen Abwehr des HSV erneut an die Kugel und drischt diese volley Richtung langes Eck. Kirschstein macht sich lang, doch der Ball rauscht knapp vorbei. 

4 Schalke schlägt gleich mal zurück. Scharfschütze Bordon probiert es aus 28 Metern mit einem direkten Freistoß. Der Ball flattert ein wenig, doch HSV-Keeper Kirschstein faustet den Ball zur Seite weg. 

3 Riesenchance für Lauth. Der HSV-Stürmer wird von Barbarez super in Szene gesetzt. Er ist durch alleine vor Rost, doch der pfeilschnelle Stürmer setzt den Ball an die Latte. 

  Anpfiff 

0 Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw sitzen im Stadion und schauen sich die deutschen Nationalspieler an. Die da wären: Kuranyi, Asamoah und Ernst bei Schalke. Beim HSV will sich Lauth anbieten ... 

0 Die Hamburger müssen sich von der 2:4-Niederlage gegen den BVB erholen. Das Hauptproblem der Doll-Elf ist die fehlende Beständigkeit der Leistungen. Ein weiterer Rückschlag ist der wohl längerfristige Ausfall von Abwehrchef van Buyten. 

0 Schalke schwebt nach dem 3:1 in Sofia im UEFA-Cup auf Wolke sieben und schöpft für den Kampf um die Champions-League-Plätze neuen Mut. Im Duell gegen den HSV kann die Slomka-Elf auf einen Punkt an die Hanseaten ranrücken. 


 
sport1: Hamburg hält sich Schalke vom Leib

Gelsenkirchen - Der Hamburger SV hat im Rennen um einen Champions-League-Platz "Big Points" gelandet und ist seinem direkten Konkurrenten Schalke 04 um sieben Punkte enteilt.
In einem Schlüsselspiel um den Einzug in die "Königsklasse" triumphierte die Mannschaft von Trainer Thomas Doll in der Veltins-Arena auf Schalke mit 2:0 (0:0) und verkürzte den Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München auf sieben Punkte.

Ex-Schalker Ailton trifft
"Pechvogel" Mladen Krstajic verlängerte in einem hektischen und von vielen Fouls geprägten Spitzenspiel einen van-der-Vaart-Freistoß in der 57. Minute zum 0:1 ins eigene Netz, ausgerechnet der Ex-Schalker Ailton machte in der 80. Minute alles klar.
Beide HSV-Tore musste S04 in Unterzahl hinnehmen: Vor 61.524 Zuschauern in der ausverkauften Arena hatte Fifa-Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer aus Sigmertshausen den Brasilianer Rafinha wegen einer Tätlichkeit gegen Rafael van der Vaart in der 28. Minute vom Platz geschickt.

Viel Grobes im Hexenkessel
Der 42 Jahre alte Referee hatte von Beginn an alle Hände voll zu tun, zeigte insgesamt einmal Rot und sieben Mal Gelb.
Thimothee Atouba hatte bei einem Ellenbogen-Check gegen Fabian Ernst Glück, dass der Unparteiische nicht ebenfalls auf Platzverweis entschied.

Lincoln und Lauth an die Latte
In der ersten halben Stunde zeigten beide Mannschaften ein munteres Spiel und boten den Fans zahlreichen Chancen.
Schon nach drei Minuten hatte Benjamin Lauth nach einem Traumpass von Barbarez die HSV-Führung auf dem Fuß, sein Schuss touchierte aber nur die Latte.
Barbarez konnte in der 20. Minute einen Fehler von Schalkes Abwehrchef Marcelo Bordon gegen den großartig agierenden Frank Rost nicht verwerten. In der 26. Minute traf der Brasilianer Lincoln nur die Latte des HSV-Tores.

Zweikampfstarke Hamburger
Nach der Pause wechselte HSV-Coach Doll Ailton und Rene Klingbeil ein. Aber trotz numerischer Überlegenheit bekamen die Hanseaten das Spiel zunächst nicht entscheidend in den Griff.
Eine Woche nach der 2:4-Heimpleite gegen Dortmund präsentierte sich der HSV im Hexenkessel auf Schalke insgesamt dennoch gut organisiert, zweikampfstark und vor allem bei Standards gefährlich.

Drei Tage nach dem Uefa-Cup-Auftritt bei Levski Sofia (3:1) mobilisierte die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka auch in Unterzahl die letzten Kräfte und gab auch nach dem 0:1 nicht auf. Kuranyi (48.) und der eingewechselte Sören Larsen (70./77.) vergaben gute Möglichkeiten gegen HSV-Keeper Sascha Kirschstein.

Fünfte Gelbe für Ernst und Kobiashvili
Erst der Ailton-Treffer stoppte Schalkes Gegenwehr. Beste Schalker Spieler waren Bordon und Dauerläufer Gustavo Varela, dessen Vertrag vor der Partie bis 2008 verlängert wurde. 
Fabian Ernst sah wie Levan Kobiashvili die fünfte Gelbe Karte und ist am kommenden Sonntag beim Gastspiel in Duisburg gesperrt. Beim HSV war Barbarez der Ideengeber, van der Vaart erwies sich einmal mehr als Kopf des Tabellen-Zweiten.
 

Nachbericht: 
Hamburger Meilenstein auf Schalke

Gelsenkirchen/München - Nach dem Sieg im "Sechs-Punkte-Spiel" auf Schalke war die Freude auf Hamburger Seite riesengroß.
Denn mit dem 2:0-Sieg beim FC Schalke haben die Hanseaten nicht nur Platz zwei von Werder Bremen zurückerobert, sondern sich auch im direkten Duell eines weiteren Konkurrenten im Kampf um die Champions League vorerst entledigt.

Sieben Punkte Vorsprung
"Das war eine klasse Leistung und ein weiterer großer Schritt Richtung Champions League", jubelte Trainer Thomas Doll. 
Mit dem vierten Auswärtserfolg in Folge liegt der HSV nun schon sieben Punkte vor Schalke.

Ailtons grandiose Rückkehr
Ein Eigentor von Mladen Krstajic nach Rafael van der Vaarts Freistoß (57.) und ausgerechnet ein Treffer des eingewechselten Ex-Schalkers Ailton (80.) fügten den "Knappen" die erste Heimniederlage der Saison bei.
"Natürlich ist es schön, gegen meine Ex-Mannschaft hier in der Arena getroffen zu haben", zeigte sich der "Kugelblitz" nach der Partie hochzufrieden mit seinem zweiten Tor im HSV-Trikot in Folge. 
Sein Fazit fiel wie immer kurz und prägnant aus: "Geiles Spiel, wir haben gewonnen."

Gastgeber sauer auf den Schiedsrichter
Auf der Gegenseite haderte Schalke drei Tage nach dem kräftezehrenden Uefa-Cup-Spiel bei Levski Sofia (3:1) vor allem mit dem Unparteiischen Dr. Helmut Fleischer.
"Der Schiedsrichter lag in den entscheidenden Situationen falsch. So konnten wir nicht gewinnen", war Nationalspieler Fabian Ernst außer sich.
Der Grund: Fleischer hatte den Schalker Rafinha nach 28 Minuten wegen einer Tätlichkeit an van der Vaart vom Platz gestellt, dem Hamburger Timothee Atouba nach einem Ellenbogen-Check gegen Ernst (35.) aber nur Gelb gezeigt.

"Das ist im Profi-Fußball so"
"Seine Entscheidungen waren inkonsequent. Hier wäre mit Sicherheit auch eine Rote Karte gerecht gewesen", meinte S04-Trainer Mirko Slomka zur Aktion von Atouba.
Und auch für das Verhalten von van der Vaart, der sich nach Rafinhas Griff in sein Gesicht theatralisch fallen ließ, hatten die Schalker kein Verständnis.
"Das darf Rafa nicht passieren, da muss er die Hände weglassen. Aber man muss sich auch nicht fallen lassen wie ein sterbender Schwan," tadelte Teammanager Andreas Müller. Der Kommentar des Holländers: "Das ist eben im professionellen Fußball so."

Drei "Knappen" nächste Woche gesperrt
Über 60 Minuten mit zehn Mann spielen zu müssen, kostete die "Knappen" die entscheidenden Kräfte. So konnten die Hausherren nach dem unglücklichen 0:1 nicht mehr entscheidend gegenhalten.
"Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Es war ein rassiges Spiel, in dem wir auch in Unterzahl in der Defensive klasse gestanden haben", resümierte Slomka. Platz zwei sei jetzt erstmal außer Reichweite, "aber den Kampf um Platz drei geben wir nicht auf", sagte Müller.
In der nächsten Woche in Duisburg muss das Team allerdings auf die gesperrten Rafinha (Rot), Ernst und Kobiashvili (beide 5. Gelbe Karte) verzichten.

Warnung vor den "Kleinen"
Für den HSV ruft die "Königsklasse" hingegen lauter denn je, dennoch warnt Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: "Wir dürfen uns nicht zu sicher fühlen."
Zwar hat der HSV noch kein Spiel gegen die drei direkten Konkurrenten an der Tabellenspitze verloren - im Duell gegen die vermeintlich "Kleinen" ließen die Hanseaten aber Punkte liegen.
"Den zweiten Platz zu verteidigen, ist eine Riesenherausforderung," meint Doll deshalb. Und van der Vaart fügte hinzu: "Gegen die Großen haben wir alles gewonnen, aber wir müssen dran arbeiten, auch gegen die Kleinen zu gewinnen."