UEFA-Cup 2005/2006, 1. Runde, Donnerstag, 15.09.05 um 20:30 Uhr in der Hamburger AOL Arena bei vielleicht ca. 15 Grad C und Dauerregen.

Ich schreibe den Spielbericht vom Kopenhagen-Spiel jetzt erst auf dem Hinweg zum Frankfurt-Spiel, da ich vorher nicht dazu gekommen bin und ich genau weiß, daß meine Eindrücke nach dem nächsten gesehenen Spiel noch weiter verwischt sein werden.

Ich muß sagen, daß ich vor dem Spiel doch schon etwas „Angst“ hatte. Natürlich nicht, weil der HSV gerade einen schlechten Lauf hätte oder so, aber es war ja nun einfach so, daß man den Gegner kaum einschätzen konnte und das es wirklich ein sehr wichtiges Spiel für den HSV war.

Das einzige, was man vorher ja in jeder Gazette lesen durfte, war die sichere Aussicht, daß die Dänen sehr defensiv spielen würden. Und das taten sie dann auch.

Von Anfang mauerten sie sich recht dicht hinten ein mit einer Viererkette und davor nochmal einer Dreierkette. Trotzdem kam der HSV in der ersten Halbzeit zu sehr vielen Torschüssen, die aber dann oft vom recht sicheren Keeper gehalten wurden oder neben dem Tor landeten.

Aber irgendwann konnten wir dann doch endlich die Führung erzielen durch ein tolles Tor von Rafael van der Vaart. Atouba hatte den Ball von links außen hart und flach hereingeschlagen und Rafael  beförderte den Ball per Hacke ins Tor. Ich war mir beim ersten Gucken gar nicht sicher, ob das Tor überhaupt von einem Hamburger erzielt wurde oder ob es gar ein Däne war, der da nur seine Füße an den Ball bekam. Aber mein Kumpel Kuno klärte mich auch und die Videowand bestätigte bei der Wiederholung seine bessere Auffassungsgabe.

Jedenfalls haben wir richtig gejubelt, denn dieses Tor war irgendwie eine Erlösung. Richtig scheiße war nur, daß wir uns leider kurz darauf durch den ersten Torschuß der Kopenhagener den Ausgleich zum 1:1 reindrücken ließen. Nach einer Ecke wurde der Ball aus der Gefahrenzone herausbefördert. Aber der Kopenhagener, der den Ball vielleicht so ca. 30 m vorm Tor bekam, umkurvte glaube ich 4 Hamburger und schoß den Ball dann auch noch perfekt ins linke untere Eck des Tores. Tolle Wurst.

So ging es dann in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit wurden früh Kucukovic und Trochowski für Klingbeil (der aufgrund einer Wicky-Verletzung ins Team gerutscht war) und den wirklich sehr blassen Takahara eingewechselt. Aber leider konnte der HSV nie mehr so richtig Fahrt aufnehmen, wie er es bis zum Führungstreffer getan hatte. In der zweiten Halbzeit gab es deutlich weniger Chancen und das Spiel war auch nicht mehr so druckvoll. Natürlich hatten sich die Dänen auch noch weiter (soweit das überhaupt geht) zurückgezogen. Aber jetzt wurde das Bollwerk zu selten geknackt. 

Letztendlich mußte man wohl sogar noch froh sein, daß es keine Niederlage gab, denn den Dänen gelang zum Ende des Spiels sogar noch ein Lattentreffer per Freistoß und ganz kurz darauf ein Pfostenschuß. Den Freistoß an die Latte hätte Wächter vielleicht pariert, aber beim Pfostenschuß wäre er machtlos gewesen.

So ging das Spiel schließlich mit 1:1 zu Ende und wir waren wohl alle ziemlich enttäuscht.

Aber mit etwas Abstand finde ich es gar nicht mehr so schlimm. Das Spiel war ja auf jeden Fall schon mal recht kurzweilig. Und das Ergebnis ist auch nicht sooo furchtbar, denn warum sollte man die Dänen nicht auch in Kopenhagen schlagen können. Sie haben ja nun alles andere als bravourösen Offensivfußball gespielt. Das sahen einige HSV-Spieler wohl genauso und äußerten sich ähnlich. Und im Rückspiel darf ja auch Barbarez mitspielen. Man kann doch durchaus noch Hoffnung haben.

Zu erwähnen ist wohl noch, daß mir Freunde sagten, daß man im TV gesehen habe, daß Wächter vorm Ausgleichstreffer ganz offensichtlich festgehalten wurde und daß es für den HSV einen Elfer hätte geben können. Das hatte ich allerdings beides im Stadion nicht so genau gesehen.

Meine Spielerbwertung:

Wächter: war bei den Kopenhagener Chancen kein Vorwurf zu machen: Note 3

Klingbeil: machte mir doch bewußt, daß ich Demel auf dieser Position wesentlich lieber sehe, weil der defensiv auch gut ist, aber auch etwas für die Offensive tut: Note 4

Reinhardt: solide: Note 3-

Van Buyten: Ihm war anzumerken, daß er wollte: Note 3

Atouba: Hat mir wieder sehr gut gefallen. In der zweiten Hälfte fand ich ihn, insbesondere defensiv, geradezu perfekt: Note 2+

Demel: ordentlich, aber insgesamt machte sich das Fehlen von Wicky doch etwas bemerkbar: Note 4+

Jarolim: war wieder extrem laufstark und machte ein gutes Spiel: Note 3

Mahdavikia: machte, besonders in der ersten Halbzeit, viel Dampf über seine rechte Seite: Note 3

van der Vaart: spielte diesmal sehr offensiv, teilweise praktisch als dritte Spitze und war dabei auch wesentlich gefährlicher als die beiden Stürmer. Tolles Tor. Note 2

Takahara: Absolut unauffällig. Das war wirklich nichts. Note 5

Lauth: zumindest etwas mehr zu sehen als Taka, aber insgesamt auch viel zu wenig: Note 4-

Trochowkski (eingewechselt): kam mir auf der linken Mittelfeldseite total unbeholfen und schlecht aufgehoben vor. Zeigte nichts: Note 4-

Kucukovic: reihte sich so einigermaßen in die Leistung Takaharas ein. Note 4

Schiri: Den fand ich im Stadion im Großen und Ganzen nicht so furchtbar, aber er hat wohl lt. den TV-Bildern vorm Gegentor einen klares Halten Wächters übersehen und hätte uns einen Elfer geben können. Naja, nach purem Sehen im Stadion war es für mich. Note 3

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: UEFA-Cup, 2005/06, 1. Spieltag 
Hamburger SV -  FC Kopenhagen  1:1 (1:1) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Wächter - Klingbeil, B. Reinhardt, van Buyten, Atouba - Demel - Mahdavikia, Jarolim - van der Vaart - Takahara, Lauth - Trainer: Doll

FC Kopenhagen:  J. Christiansen - Jacobsen, B. Svensson, Gravgaard, Bergdölmo - van Heerden, Linderoth, Silberbauer, Fredgaard - Allbäck, Alvaro - Trainer: Backe

Tore:   1:0 van der Vaart (37., Linksschuss, Vorarbeit Atouba), 1:1 van Heerden (40., Linksschuss)

Eingewechselt:   58. Kucukovic für Takahara, 58. Trochowski für Klingbeil, 88. Ziegler für Demel - 56. Röll-Larsen für Allbäck, 78. Saarinen für Fredgaard, 89. D. Thomassen für van Heerden

Schiedsrichter:  Braamhaar

Zuschauer:  43085

Gelbe Karten:  Kucukovic, Jarolim, Atouba - Bergdölmo, Silberbauer, Jacobsen, B. Svensson
 

Spielbericht
Gezwungenermaßen musste HSV-Coach Thomas Doll gegenüber dem 3:1-Bundesliga-Sieg in Mainz drei neue Akteure von Beginn an aufs Feld schicken. Boulahrouz und Barbarez verbüßten Gelb- bzw. Rot-Sperren, Wicky zog sich einen Muskelfaserriss zu. So kam Reinhadt als rechter Innenverteidiger zum Einsatz, neben ihm besetzte Klingbeil die Außenposition. Takahara stürmte neben Lauth.

Kopenhagens Trainer Hans Backe schickte für den aktuellen Tabellenführer der dänischen Liga einige alte Bekannte aus der Bundesliga ins Rennen. Links hinten verteidigte der Ex-Dortmunder Bergdölmo, im Sturm kam Allbäck (zuletzt Rostock) zum Einsatz. Eine besondere Partie war der Auftritt in der AOL-Arena auch für Lars Jacobsen, der 2003 für ein halbes Jahr zum Hamburger SV kam, sich aber nicht durchsetzen konnte.

Von Beginn an zeigten beide Mannschaften ihre Fähigkeiten im direkten Kombinationsspiel. Nicht nur der HSV suchte den Weg nach vorne, auch die Gäste zeigten in der Anfangsphase, dass sie sich in der AOL-Arena etwas vorgenommen hatten. Kopenhagen hielt dagegen, wurde aber von den Norddeutschen immer weiter zurückgedrängt. Die Hanseaten dominierten die Partie im weiteren Verlauf, verzeichneten ein großes Plus an Ballbesitz, hatten Tormöglichkeiten zunächst aber allenfalls durch Standardsituationen. Van der Vaart (4.) und Mahdavikia (27.) fanden in FC-Keeper Christiansen ihren Meister.

Nach einem Stellungsfehler von Bergdölmo vergab der ungemein aktive van der Vaart in der 35. Minute die Führung, als er frei vor Kopenhagens Schlussmann aus halbrechter Position nur das Außennetz traf. Zwei Minuten später durfte der Niederländer dann aber doch jubeln. Atouba schlug eine Flanke flach herein. Freund und Feind verpassten, aber van der Vaart war zur Stelle und lenkte das Leder mit dem linken Fuß hinter dem eigenen Standbein ins Tor (37.).

Die Führung für die Hausherren war hochverdient und überfällig, währte allerdings nur wenige Minuten. Denn als van Heerden sich auf den Weg Richtung HSV-Tor machte, griff kein Hamburger richtig an. Vom Strafraumrand schlenzte der Südafrikaner das Leder zum 1:1 ins Netz (40.).

Kurz vor dem Halbzeitpfiff bot sich Fredgaard sogar noch die Möglichkeit, die Dänen in Front zu bringen. Wächter reagierte bei seinem Schuss aus spitzem Winkel aber glänzend und rettete zumindest das Remis in die Pause (45.).

Auch im zweiten Durchgang bot sich zunächst ein ähnliches Bild wie in den ersten 45 Minuten. Die Hamburger bemühten sich, dominierten die Partie, hatten aber immer größere Probleme, sich gegen die defensiv gut aufgestellten Dänen in Tornähe durchzusetzen. Trainer Thomas Doll reagierte, brachte nach knapp einer Stunde mit Trochowski und Kucukovic zwei frische Offensivkräfte. Am Spielgeschehen änderte das aber vorerst nichts. Erst in der Schlussviertelstunde nahm die Partie noch einmal Fahrt auf, es ergaben sich Chancen auf beiden Seiten, wobei die Dänen die deutlich besseren auf ihrer Seite verbuchen konnten. In der 83. Minute hatten die Gäste zweimal schon den Torschrei auf den Lippen, doch beide Male trafen sie nur das Aluminium. Erst klatschte ein Freistoß von Bergdölmo an die Unterkante der Latte, unmittelbar im Anschluss setzte Alvaro einen Kopfball an den Pfosten.

Die Hamburger versuchten auch in der Nachspielzeit alles, um zum Siegtreffer zu kommen. Doch auch zahlreiche hohe Hereingaben auf die kopfballstarken van Buyten und Co. führten nicht zum Erfolg.

Mit dem 1:1 im heimischen Stadion geht der HSV mit einer bescheidenen Vorlage in das Rückspiel in Kopenhagen. Trotz einer starken und engagierten Vorstellung vor allem in der ersten Hälfte mussten die Hausherren in der Schlussphase sogar noch um das Remis zittern.


 
sport1: Dämpfer für den HSV

Die Uefa-Cup-Träume des Hamburger SV drohen schon in der ersten Runde zu platzen.
Die Hanseaten kamen im Hinspiel gegen den dänischen Vizemeister FC Kopenhagen nicht über ein 1:1 (1:1) hinaus und mussten im Kampf um einen Platz in der Gruppenphase einen Rückschlag hinnehmen. 
Die Hamburger blieben zwar auch im 14. Saison-Pflichtspiel ungeschlagen, verpassten aber trotz spielerischer Überlegenheit eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am 29. September.

Führung durch van der Vaart
Rafael van der Vaart schürte mit dem Führungstreffer in der 37. Minute die Hoffnung auf einen erfolgreichen Europacup-Auftakt zwei Jahre nach dem blamablen Erstrunden-Aus gegen Dnjpr Dnjpropetrowsk. Doch der Dämpfer ließ nicht lange auf sich warten. Elrio van Heerden sorgte bereits drei Minuten später für den etwas schmeichelhaften Ausgleich.
"Wir können noch zufrieden sein, dass wir nicht 2:1 verloren haben. Wir haben sehr gut angefangen und sind in Führung gegangen. In der zweiten Hälfte haben wir uns aber zu wenig Chancen herausgespielt. Aber ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass wir auch auswärts unsere Möglichkeiten kriegen", sagte HSV-Coach Thomas Doll nach der Partie.
Auch Hamburgs Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer war mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden: "Uns steht in Kopenhagen eine schwere Aufgabe bevor. Man hat gesehen, wie heiß die Dänen sind."

HSV mit Startschwierigkeiten
Vor 43.085 Zuschauern hatten die Gastgeber zunächst Mühe mit der kompakten Abwehr der Dänen. Doch Mitte der ersten Halbzeit kam der HSV besser ins Spiel und erarbeitete sich zunehmend Torchancen. 
Auffälligster Akteur war dabei van der Vaart, der mit zwei Freistößen (4. und 25.) und einem Schuss ans Außennetz (35.) für erste Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgte.

Ausgleich durch van Heerden
Beim Führungstreffer nutzte der Niederländer eine Hereingabe von Thimothee Atouba und beförderte den Ball mit der Hacke über die Torlinie. Nur drei Minuten später stand allerdings van Heerden am Hamburger Strafraum sträflich frei und ließ HSV-Keeper Stefan Wächter mit einem schönen Distanzschuss aus halbrechter Position keine Chance. 
Nach dem Seitenwechsel fehlte den Hausherren die letzte Entschlossenheit, das Spiel noch für sich zu entscheiden. In der Offensive machte sich dabei der Ausfall des gesperrten Sergej Barbarez und des verletzten Emile Mpenza deutlich bemerkbar. 
Da Naohiro Takahara und Benjamin Lauth im Angriff keine Akzente setzen konnten, rückte Van der Vaart immer mehr in die Sturmspitze auf. Doch auch ihm blieb der zweite Treffer verwehrt.

Kopenhagen trifft den Pfosten
Die beste Chance zum 2:1 vergaben die Norddeutschen in der 81. Minute, als drei Hamburger eine Hereingabe von Piotr Trochowski nicht ins leere Tor befördern konnten. Im direkten Gegenzug hatte der HSV jedoch auch Glück, als ein Kopfball von Alvaro Santos nur den Pfosten traf. 
Neben dem überragenden van der Vaart verdiente sich in der Mannschaft von HSV-Trainer Thomas Doll Mittelfeldspieler Guy Demel die beste Note. Beim dänischen Tabellenführer überzeugten vor allem Torschütze van Heerden und Mittelfeldspieler Michael Gravgaard.