Bundesliga 2005/2006, UEFA-Cup, 1. Runde, Rückspiel, Donnerstag, 29.09.05, im Kopenhagener "Parken"-Stadion bei trockenen ca. 15 Grad C 

FC Kopenhagen -  Hamburger SV  0:1 (0:0) 

Also, eine Sache mache ich diesmal klüger als nach dem grandiosen Bayern-Spiel am letzten Samstag! Diesmal schreibe ich meinen Spielbericht nicht erst Tage danach, sondern fange zumindest mal direkt nach Heimfahrt und 5 Stunden Schlaf damit an. 

Ich bin um  4 Uhr ins Bett gegangen und dann vorhin gegen 8:30 Uhr wieder aufgewacht. Ich wollte  mich umdrehen und bis 10:30 Uhr weiterschlafen (muß 13 Uhr bei der Arbeit sein), aber das ging nicht....
Ich hatte nämlich einfach zu viele Glücksgefühle in mir. Ich musste sofort an das Spiel denken und anfangen vor mich hinzusummen. Wie geil! Wie undendlich geil!!!! Wie schweinegeil ist es doch momentan, HSV-Fan zu sein!!!

Ich weiß ja, dass man nicht zu dick auftragen sollte, weil man ja auch immer wieder einen Bremser bekommt. Aber ich bzw. wir haben ja schon so viel Scheiße mit dem HSV erlebt, dass ich es auch wirklich einfach mal „gerecht“ finde, dass wir mal eine sooo endgeile Phase erleben dürfen.

Man bzw. ich schließt mit sich selbst ja auch Kompromisse ab ;-)
Schon vor dem Spiel habe ich gesagt, dass ich jetzt nur noch ein einziges Mal gewinnen möchte; danach wäre es mir auch egal, wenn wir dann mal in der Bundesliga demnächst auf den Sack kriegen. 

Und das Gefühl habe ich jetzt auch noch. Ich würde zwar liebend gern das Spiel in Lautern gewinnen oder einen Punkt holen (wäre mir fast genauso lieb!), aber es wäre mir momentan auch total schnurz, wenn wir da verlieren.

O.k. ich werde wohl nicht dabei sein, denn ein Leihwagen ist mir doch zu teuer und auf Zug habe ich keinen Bock, aber selbst wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich glaube ich mit allem leben können. 

Das war gestern wieder ein Traum. Besser kann ich es nicht sagen. Was in dieser Saison bisher abgeht, ist unglaublich. Und auch wenn sich das so angebermäßig anhört, so finde ich es umso geiler, wo ich jetzt schon überall dabei war. Wobei ich in der Bundesliga ja glaube ich noch gar kein Auswärtsspiel gesehen habe, oder ? Bin durcheinander ;-)

Aber ich war im Trainingslager, in Olmütz, Valencia und jetzt Kopenhagen. Wie geil ist das bitte. Und dieses Jahr ist es mir auch egal, was es kostet. Es ist nicht so wichtig, dass das das Minus auf meinem Konto noch erhöht; ich möchte nur einfach auch zu den nächsten beiden Auswärtsspielen in der Rundenphase – wenn mir der Gegner denn wenigstens einigermaßen zusagt. 

Mann, Mann, Mann, ich schreibe nur über all das, was jetzt nach dem Spiel geil ist, aber diesmal sind die Emotionen eben noch sehr frisch und der Spielverlauf ist dafür ja gar nicht mehr so wichtig. Wobei ja auch gerade der genial war!

Wir sind kurz vor 14 Uhr Richtung Kopenhagen losgefahren mit einem VW-Bus 7-Sitzer. Die Hinfahrt war schon sehr schön, nur dass Käptn André ob der suboptimalen Anweisungen des Co-Piloten Mopsel als wir in Kopenhagen waren doch kurzzeitig vor einem Ausraster stand. Naja, sagen wir es mal salomonisch: Klare Anweisungen sind Mopsels Sache nicht! ;-)

Aber schließlich haben wir das wirklich geile Stadion „Parken“ ja gefunden. So ein wenig hat mich das an Dortmund erinnert mit den hoch aufgeschossenen Rängen und den nicht ausgebauten Ecken (wobei das ja inzwischen in Doofmund anders sein dürfte).

Wir sind einmal ganz rum ums Stadion, was dort wirklich viel leichter fällt als z.B. bei uns. Als wir uns dann schließlich so ca. 1 h vor Spielbeginn an die riesige Schlange anstellten, nahm erstmal ein kleines Drama seinen Lauf. 

Man kann wohl nur hoffen, dass da niemandem etwas passiert ist. Das wäre allerdings fast ein Wunder. Der Einlaß dort war wirklich unglaublich unorganisiert und in der angedachten Form wohl einfach nicht durchführbar.

Es sollen ja knapp 5000 Hamburger dagewesen sein. Und die mussten dann fast alle zu unserer „Haupttribüne“ durch ein Nadelöhr von vielleicht 10 m Breite. 

Dazu hat man dort mit losen Bauzäunen etwas abgesperrt und einige einzelne halbhohe Wellenbrecher-Zäune noch in die Menge gestellt. 

Während wir da nun so standen von zwei Seiten aus und es wirklich deftig voll war, drohte durch das Gedrängel auch mal einer der ca. 2 m hohen Zäune zu kippen. Da das aber diese Zäune waren, die man nur lose in Betonfüße steckt, kam schließlich jemand LEIDER auf den Gedanken, dass man das Ding ja auch rausziehen könne. So wurde also das erste Zaunteil plötzlich nach oben rausgerissen und wanderte über die Köpfe aller hinweg ans Ende der Schlange. 

Wenn man kleinen Kindern und Dusselköppen idiotische Dinge zeigt, neigen diese ja gern dazu, sowas auch nachzumachen. Also dauerte es nicht lange bis schließlich fast alle Zäune und Wellenbrecher rausgenommen waren aus den Halterungen und über die Köpfe hinwegwanderten. 

Ich muß klar sagen, dass es auch beschissen geplant war von Seiten der Kopenhagener. Da hätte wirklich sicherlich einiges besser gemacht werden MÜSSEN. Vor allem auch viel mehr Ordner und Polizeikräfte. Aber auch viele HSVer haben dann schließlich zu einer Eskalation beigetragen. Da wurde auch so heftig gedrängelt, dass ich schon verstehen kann, dass da einige Leute auch Panik bekommen. Ich bin nun 1,99 m groß und wiege noch immer so ca. 160 kg. MICH schiebt man da nicht ganz so leicht weg wie andere. Aber wenn ich kleiner und leichter wäre, hätte mich da vielleicht auch die Panik gepackt. 

Die Polizei hat auch wirklich lange gewartet, bis sie da mal mit ein paar Leuten hineingegangen sind. Wobei sie dann ja auch nur verhindert haben, dass sich alles in den Eingang quetscht und dann nicht mal mehr kontrolliert werden kann. Vorm Eingang war es ja sicherlich trotzdem noch genauso chaotisch. 

Ich finde aber trotzdem, dass die meisten Polizisten noch recht freundlich waren. Sie wurden da teilweise sehr heftig angepöbelt von einigen HSVern. Natürlich war die Organisation scheiße – auch die der Polzei. Aber da kann die arme Polizisten-Wurst, die mir dort gegenübersteht, ja nun nichts für. 

Aber nach einer seltsamen Einlasskontrolle von 2 Personen für 3 Tore (es liefen also bis ein dritter Ordner kam an einem Tor ständig jemand durch, ohne die Karte abgerissen zu bekommen, waren wir dann ja endlich drin und haben es auch geschafft, uns 7 wieder zusammenzufinden, um eine der schönsten HSV-Partys der letzten Jahre zu feiern. 

Die erste Halbzeit des Spiels war wirklich sehr bescheiden. Da lief das Spiel so, wie man es wohl erwarten musste. Die Dänen waren total defensiv. Obwohl immerhin die beiden offensivsten uns diesmal bereits ein paar Meter in unserer Hälfte angriffen (was mir beim Hinspiel nicht so vorkam) spielten sie hinten total kompakt mit 2 Viererketten. Da war nur ganz selten ein Durchkommen. 

Die beiden besten Möglichkeiten der ersten Halbzeit hatten zum einen die Dänen nach einer Ecke, als der Ball schließlich vor einem nicht mal 5 m vom Tor entfernten Dänen liegen blieb und der ihn aber glückicherweise nicht richtig traf. Der Ball konnte geklärt werden. Hätte er ihn aber nur irgendwie voller getroffen, wäre ein Gegentor da sehr wahrscheinlich gewesen. Und für unsere hatte Sergej Barbarez die beste Chance. Ebenfalls eigentlich eine hundertprozentige, denn auch er bekam ganz nah vorm Tor den Ball vor die Füße und donnerte diesen aber volley über das lange Eck hinweg. 

Die Stimmung war in der ersten Halbzeit auch nicht so prall. Wie zumindest André und ich ohnehin fanden, macht es manchmal einfach mehr Spaß, wenn da nicht so eine Unmenge an Fans ist und ein konzentrierterer Mob dann gemeinsam Stimmung macht. Wobei ich es trotzdem auch saugeil finde, dass sich da so um die 5000 HSVer auf den Weg machen. Man kann sich aber (obwohl ich ja nicht mal Vielfahrer bin) dann auch hier und da den (neidischen?) Gedanken nicht verkneifen, wieviele davon wohl noch nie vorher ein Auswärtsspiel des HSV gesehen haben. Aber das ist ja auch wurscht. Denn von den 5000 dürfte NUN wirklich JEDER mit dem Auswärtsfahrten-Virus infiziert sein. So gewinnt man Fans!

Ein bisschen war es mit der Stimmung wie bei Heimspielen. Es dauert einfach, bis mal außen im Block überhaupt mitbekommt, was in der Mitte gesungen wird und dann ist das oft schwierig mit dem synchronen Singen. 

Die zweite Halbzeit hatte dann aber alles, was ein richtig super-genial-knalliges Fußballspiel ausmacht. Elfer, Platzverweise (auch für Trainer) und ein Spiel, das in allerletzter Sekunde gedreht wurde. 

So ganz genau bekomme ich den zeitlichen Fahrplan der 2. Halbzeit nicht mehr auf die Reihe. Als erste gute Chance fällt mir ein Schuß von Mpenza ein, den der Torwarte parierte. Dann hatte Atouba noch einen prächtigen Schuß, den der Torwart nur mit sehr viel Glück halten konnte.

Ich glaube, da hatten wir aber schon unseren ersten Elfmeter vorweg bekommen. Nach einem Handspiel hatte der Schiri auf den Punkt gezeigt. Ich habe noch nichts im TV gesehen! Ich habe zwar auch sofort Hand geschrien, aber direkt nach dem Pfiff habe ich auch zu meinen Kumpeln gesagt, dass man sowas doch nicht geben kann. Aus meiner Sicht hat irgendein HSV einem Dänen den Ball aus kurzer Entfernung an die Hand geschossen. Für mich war der Ball an der Hand, aber da würde ich dem Dänen keine Absicht unterstellen. 

Sportlich fair hat Barbarez den Ball dann verschossen! ;-)

o.k., wenn wir es nicht doch noch geschafft hätten, hätte ich das jetzt vermutlich nicht so lustig gefunden.

Er schoß halbhoch ins linke Eck und der Torwart hielt den Ball. Da waren die Dänen natürlich obenauf. 

Doch die Hamburger schreckte das nur kurz. Es wurde weiter gespielt und es wurde ein richtig gutes Fußballspiel. Und zwar jetzt von beiden Seiten, denn die Dänen gaben ihre totale Defensive auch auf. So gab es Chancen auf beiden Seiten. 

Ich dachte auch kurz vor dem Schlusspfiff, dass ich sogar irgendwie damit leben könne, wenn wir nun verlieren, denn wir hatten es ja selbst in der Hand gehabt und vor allem habe ich wenigstens noch ein echtes Fußballspiel gesehen und nicht ein einseitiges Gemauere über 90 Minuten. So wären es in jedem Fall auch 45 Minuten Fußball gewesen.

Und ich hätte die Chance gehabt, mich total als vom Schiri beschissen zu fühlen. Denn war der gute englische Messias (tolles Wortspiel, ne? Har har har) da gepfiffen hat, war unglaublich!

Man merkte ihm ja an, dass er, sehr britisch, viele harte Zweikämpfe durchgehen ließ. Aber irgendwie immer nur, wenn es gegen uns ging. Den Kopenhagenern gab es viele, schöne Freistöße und uns viele gelbe Karten.

Und wenn er uns auch zunächst einen zweifelhaften Elfer gab, so habe ich da aus meiner Sicht dann aber noch mindestens 2 – 3 weitere Elfer gesehen, die man hätte geben können oder müssen. Da wurde z.B. meiner Ansicht nach Barbarez gefoult (ganz klar gestoßen) und dann gab es noch ein Handspiel, das ich total klar fand (weil er da den Ball wirklich mitgenommen hat mit dem Arm), das ebenfalls nicht geahndet wurde.

Jedenfalls haben wir uns unglaublich aufgeregt über den Schiri. Dann gab er schließlich auch noch Boulahrouz die gelb-rote Karte und schickte unseren Trainer auf die Tribüne. Ich habe das mit Boula nicht richtig gesehen,  aber der Schiri war zumindest tendentiell nicht für uns, sodaß man sich aufregte und von Dolly kann ich mir auch kaum vorstellen, dass er da gepöbelt hat. 

Aber schließlich sollte nach Ablauf der regulären Spielzeit ja noch das unglaubliche passieren. Hinterher im Auto sagte ich aus Spaß, dass der nur vorher die ganze Zeit mit Absicht gegen uns gepfiffen hat, um dann ganz am Ende doch noch mal die Dänen zu „ficken“. ;-)

Denn jetzt bekamen wir unseren zweiten Elfer. Und der war nach meiner Ansicht im Stadion auch wieder eher unberechtigt. Wieder bekam ein Däne den Ball an den Arm. Aber wieder ohne dass ich ihm da irgendeine Absicht unterstellen könnte. 

Als wieder den Elfer bekamen, war mir irgendwie total seltsam zumute. Ich weiß gar nicht recht, was das war. Jedenfalls hatte ich fast Tränen in den Augen wie das einzige Mal vorher beim Juve-Spiel 2000. Aber jetzt hatten wir ja noch gar kein Tor geschossen. 

Aber das kam ja nun. Gott sei Dank trat nicht wieder Barbarez an. Ich hätte ihm das ja zugetraut – also sowohl das er trifft, aber auch, dass es überhaupt den Mut, da noch mal anzutreten. Aber das blieb uns nun erspart und diesmal war es van der Vaart. Er verwandelte den Ball sicher und dann war alles nur noch grenzenloser Jubel. 

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich beim HSV mal so glücklich gewesen wäre. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich noch glücklicher bin als nach dem UI-Finalsieg in Valencia. Und das, obwohl ich das vom Wert her für mich viel wichtiger finde. Aber das jetzt war unglaublich. 

Achso, zum Spiel ist noch zu sagen, dass noch zwei Kopenhagener nach dem Tor durch van der Vaart das Spielfeld verlassen mussten. Einer bekam gelb-rot, der andere nach Foul an Lauth direkt rot.

Jedenfalls war es eine unglaubliche Freude. Wir haben uns alle die Seele aus dem Hals geschrien und gesungen und ich denke, der Mannschaft hat es auch ganz anständig gefallen. Das war irre, einmalig, ein Traum. Jeder, der da war, wird ja wissen, was ich meine. Unbeschreibliche Glücksgefühle. Ich könnte die ganze Zeit so die Glücksmomente versuchen in Worte zu fassen und es würde ohnehin nicht gelingen.

Jedenfalls wurde nach Apfiff extrem geil mit der Mannschaft gefeiert. Als Vortänzer stellten sich mal wieder Atouba, Boulahrouz und Van Buyten heraus, aber es gingen alle richtig mit. 

Der Trainer ließ lange auf sich warten, aber der musste dem DSF noch erst ein Interview geben, bevor auch er sich seine Lobhuldigungen abholen durfte. 

Sehr geil fand ich auch, dass Reinhardt da noch weiter rumtanzte, während die Mannschaft sich auslief – wohlgemerkt mit dem Handy am Ohr und dann damit uns alle filmend. Das ist offenbar auch ein saugeiler Typ, der das alles richtig zu genießen weiß – auch wenn er nicht zur Stammelf gehört. Mit so einer Einstellung stärkt man das Team natürlich ungemein. Aber auch bei den anderen scheint alles im Lot zu sein. Schon geil, dass auch die Verletzten Mahdavikia, Benjamin und noch irgendeiner, dessen Name mir jetzt nicht einfällt, auch mit zum Spiel gefahren sind, um das Team zu unterstützen. Beim HSV stimmt momentan einfach alles. 

Da fällt es mir auch schon schwer, die Bälle flach zu halten. Aber vielen, die heute mit mir über das Spiel gesprochen haben (ich habe das Schreiben heute Vormittag beendet, bin dann zur Arbeit gefahren und schreibe jetzt abends weiter) sagte ich dann auch, dass es momentan unglaublich geil ist als HSV-Fan. ABER wir haben ja auch schon genug scheiße durchgemacht und es mir und hoffentlich auch uns allen klar, dass das nicht immer so weitergehen wird. Aber umso mehr sollten wir das jetzt genießen. Carpe diem!

Ich weiß gar nicht, wie lange wir nach Abpfiff noch alle im Stadion waren, aber es kam mir schon sehr lange vor. Irgendwann sind wir dann aber doch mal alle feiernd raus. Aber wir 7 und ein paar wenige anderen, sind als einzige hinter der Haupttribüne um das Stadion herumgelaufen. Der Weg führte uns dann noch direkt hinter der FCK-Kneipe lang, vor der auch einige Fans standen, die offensichtlich nicht ganz glücklich waren, uns dort zu sehen. Jedenfalls maulten sie uns ordentlich an, aber wir sind da einfach nur vorbeigegangen. Stützt wieder meine These, dass man nicht in Schlägereien geraten muß, wenn man nicht will. Naja, es kann natürlich trotzdem passieren. Und gefreut hätte ich mich sicher auch nicht, wenn mich der halbgefüllte Bierbecher am Kopf getroffen hätte, der uns hinterherflog und eben direkt an meinem Kopf vorbeigesegelt ist. Aber ich glaube, in mir war so viel Freude, dass ich darüber nicht mal richtig sauer geworden wäre.

Wo wir beim Bier sind, fällt mir noch eine wirklich bemerkenswert schöne Geschichte ein. Ein Ordner lief zu Anfang des Spiels 2 Reihen vor uns durch die HSVer und zur Halbzeit kam er dann plötzlich wieder. Mit einem Bier in der Hand für einen HSVer. Dem hatte er das vermutlich wohl aus der Hand gerempelt oder so. Fand ich jedenfalls spitze, dass er da mit einem neuen Bier ankam und der HSVer war auch sichtlich überrascht. So kann es eben auch gehen. 

Nach den uns nachpöbelnden Kopenhagen-Fans kam als nächstes auch einer total freundlich lächelnd auf mich zu. Gibt eben überall solche und solche und man sollte nie alle über einen Kamm scheren. 

Haben auf dem Rückweg zum Auto dann auch noch einen HSV-Schal in einer Pfütze gefunden. Der wird wohl jemandem abgenommen worden sein, aber ich habe ihn natürlich heldenhaft gerettet; d.h. aufgesammelt, ausgewrungen und schließlich mitgenommen. Kommt als Andenken zu den vielen anderen HSV-Schals, die ich habe.

Nicht vergessen darf ich auch Andrés Jacken-Geschichte. André stand das ganze Spiel neben mir. Mir war es ja wieder zu negativ, denn ich fand, er hatte zu wenig Geduld. In der zweiten Halbzeit waren wir aber beide glaube ich zufrieden. Naja, ihn nahm der verschossene Elfer offenbar doch mehr mit als mich. Jedenfalls saß er dann ganz kurz vor Schluß resigniert auf seinem Stuhl (ansonsten standen ja alle). Aber er sagte mir, dass er direkt vorm Elfer sich überlegt hatte, dass er vielleicht mal seine Jacke wieder anziehen würde und dass dann ja vielleicht noch was gehen könnte. Die vielen Fussi-Fans, die wie ich ziemlich abergläubisch sind, werden verstehen, wie das gemeint ist. Jedenfalls sagte er mir hinterher, dass er kaum die Jacke angezogen hatte, als uns der Elfer gegeben wurde. Alles geil an diesem Abend. 

Was ich auch wirklich unglaublich fand, ist die Tatsache, dass offenbar irgendwie alle den Glauben hatten, dass hier noch was gehen könnte. Ich will nun nicht sagen, dass ich noch fest mit dem Siegtreffer gerechnet hätte, aber irgendwie haben wir alle zumindest die Hoffnung nicht aufgegeben. Normalerweise ist man dann zum Ende der Spielzeit ja doch irgendwie bedient. Aber gestern habe wohl alle noch an die Chance geglaubt. Übrigens sogar der DSF-Reporter, was ich bemerkenswert fand. Sogar der hat in der 90. Minute (wie ich eben im TV gesehen habe) noch gesagt, dass das Spiel ja noch nicht vorbei sei. Zu der Zeit haben die meisten Reporter schon ihr Fazit gezogen und ersehnen nur noch den Feierabend-Abpfiff. 

Und ich freue mich auch irgendwie wirklich, dass ich heute morgen dann gleich in der BILD lesen durfte, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag, dass die beiden Elfmeter zwar sehr zweifelhaft waren, aber dass es dafür wirklich auch zwei klare andere Elfer hätte geben müssen, die uns verweigert wurden. Da muß man also nicht mal ein schlechtes Gewissen entwickeln, dass man nur durch den Schiri weitergekommen wäre. 

Nach dem Spiel sind wir dann wie gesagt zum Auto und haben die Rückfahrt angetreten. Diesmal durfte ich den Party-Bus steuern. Aber das macht mir ja nichts, weil ich ohnehin nicht trinke. Lediglich mit der Müdigkeit habe ich dann zu kämpfen. 

André zeigte sich dann auch irgendwie sichtlich begeistert, nur weil ich vorm Auffahren auf die Fähre eine gute Position „erarbeitet“ habe und als die Schlange sich dann auf die Fähre in Bewegung setzte, ein ganz klein wenig auf die günstigere Spur gezogen bin.... War eben alles optimal an diesem Abend. 

Die Rückfahrt auf dem Schiff mit den vielen HSVern war dann doch ruhiger als ich erwartet hätte. Aber da waren doch wohl alle zu kaputt. Um halb vier war ich dann schließlich wieder zu Hause und die anderen mussten noch weiter nach Hamburg. 

Eine wirklich geile Tour, die ich nie vergessen werde. Heute ging dann gleich das Stöbern los, auf wen wir nun wohl so treffen könnten. Wenn die Info, die da einige im HSV-Forum posteten korrekt sind, ist es leider unmöglich, dass mein Traumlos, auswärts in Moskau zu spielen, erfüllt wird. Aber es sind trotzdem ein paar schöne Reisen drin. Und mindestens eins der beiden Auswärtsspiele möchte ich mir auch wirklich gern ansehen. 

So, nun endet mein Bericht des gestrigen Tages so langsam. Es war wirklich, ich kann mich nur wiederholen, unglaublich. Ich kann mich übrigens auch nicht erinnern, dass ich mal am Tag nach einem Fußballspiel so dermaßen glücklich war wie heute. Ich habe fast den ganzen Tag gestrahlt und hatte nur gute Laune. Ständig musste ich lächeln. Fantastisch. Danke, HSV!

Meine Spielerbewertung:

Wächter: hatte fast gar nichts zu tun; war bei dem einen Schuß, an den ich mich erinnern kann, aber gut auf dem Posten: Note 3

Demel: erneut gut: Note 3

Boulahrouz: war defensiv sehr gut und aufmerksam, aber müsste natürlich etwas aufpassen, sich nicht so viele unnötige Karten zu holen: Note 3

Van Buyten: hat auch wieder ein gutes Spiel gemacht. Ist am Ende lange mit nach vorn gegangen und hat auch dort etliche Kopfballduelle gewonnen: Note 2

Atouba: Diesmal hatte er nicht so viele glanzvolle Situationen wie zuletzt: Note 3-

Wicky: wirkte noch ein bisschen wie ein Fremdkörper im Spiel, finde ich. Und er hatte auf seiner Position sehr viele Ballkontakte, aus denen er nur wenig zu machen wusste: Note 4

Jarolim: blieb diesmal auch ungewöhnlich blass: Note 4

Beinlich: wirkte wieder ein mal souverän und bringt Ruhe ins Spiel: Note 3

Van der Vaart: War der große Matchwinner. Im Spiel allerdings nicht allzu auffällig: Note 3

Barbarez: hätte der ganz große Depp des Abends werden können, aber das bliebt ihm und uns allen ja glücklicherweise erspart. Ich denke, er sollte es jetzt wirklich anderen überlassen, die Elfer zu schießen. Ansonsten war bemüht, aber die Spitzen hingen auch oft in der Luft: Note 3-

Mpenza: war ebenfalls bemüht, aber lief sehr oft ins Leere: Note 4

Schiri Messias: Nun war der Name ja doch noch fast Programm... Man muß aber sagen, dass der Schiri das Spiel sehr maßgeblich beeinflusst hat mit merkwürdigen Entscheidungen. Durch den Sieg ist da einiges bei mir verwischt, aber insgesamt habe ich mich sicher selten mehr aufgeregt. Das die beiden Elfer eher nicht berechtigt waren, aber es dafür hätte andere geben müssen, habe ja sogar ich gesehen. Und ich war auch nicht näher dran als er. Zudem ein wildes Umherstreuen von gelben Karten – vornehmlich für uns. Fand ich ganz schlecht! Und auch objektiv kann es schlechter wohl nicht gehen: Note 6

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: UEFA-Cup, 2005/06, 1. Spieltag 
FC Kopenhagen -  Hamburger SV  0:1 (0:0) 

Allgemeine Informationen
FC Kopenhagen:  J. Christiansen - Jacobsen, B. Svensson, Gravgaard, Bergdölmo - van Heerden, Linderoth, Silberbauer, Fredgaard - Möller, Alvaro - Trainer: Backe

Hamburger SV:  Wächter - Demel, Boulahrouz, van Buyten, Atouba - Wicky - Jarolim, Beinlich - van der Vaart - Mpenza, Barbarez - Trainer: Doll

Tore:   0:1 van der Vaart (90+2., Handelfmeter, Linksschuss)

Eingewechselt:   83. D. Thomassen für B. Svensson, 87. Röll-Larsen für van Heerden - 61. Trochowski für Wicky, 72. Takahara für Jarolim, 83. Lauth für Mpenza

Schiedsrichter:  Messias
Zuschauer:  34446
Rote Karten:  Silberbauer (90+5., grobes Foulspiel)
Gelb-Rote Karten:  Boulahrouz (84.), Möller (90+4.)
Gelbe Karten:  D. Thomassen, Jacobsen, Gravgaard - Lauth, van der Vaart, Demel, van Buyten, Jarolim, Beinlich
Bes. Vorkommnisse:  Christiansen hält Handelfmeter von Barbarez (57.)

Spielbericht
Kopenhagens Trainer Hans Backe stellte seine Mannschaft nach dem 1:1 im Hinspiel nur im Angriff um, für Allbäck kam Möller.

Zwei Veränderungen gab es beim HSV im Vergleich zum 2:0-Erfolg über die Bayern. Für Trochowski stellte Trainer Thomas Doll Wicky auf und für Lauth durfte Mpenza von Beginn an ran.

Der HSV begann in Kopenhagen selbstbewusst und hatte auch gleich zu Beginn eine Möglichkeit. Mpenza bediente mit einem Pass in den Rücken der Abwehr Beinlich, der aus 16 Metern nicht zögerte und gleich abzog, aber über das Tor schoss (8.). Kopenhagen wartete zunächst ab und ließ die Doll-Elf das Spiel machen. Erst nach einer Ecke kamen die Gastgeber zu ihrer ersten Möglichkeit. Alvaro Santos hatte die Einschusschance, traf den Ball jedoch nicht richtig und Wicky konnte die Situation klären (19.). Hamburg hatte es schwer sich entscheidend durchzusetzen, spielte sich die Bälle im Mittelfeld zu, fand in der Spitze aber keine Anspielstationen, weil Kopenhagen sehr dicht gestaffelt hinter der Mittellinie die Angriffe erwartete.

Mit einer Einzelaktion versuchte van der Vaart den Riegel aufzubrechen, indem er sich gegen zwei Spieler durchsetzte und aus 18 Metern abzog. Der Schuss des Niederländers war zu schwach und Torhüter Christiansen hatte keine Probleme zu klären (30.). Eine Standardsituation brachte den HSV fast ans Ziel, aber Barbarez scheiterte nach einem missglückten Abwehrversuch von Fredgaard völlig freistehend. Aus vier Metern gelang es dem Bosnier, übers Tor zu schießen (35.). Auf der anderen Seite bekam Fredgaard nach einem Flankenwechsel den Ball und zielte volley aufs Tor, wo Torhüter Wächter aufgepasst hatte und den Schuss in die kurze Ecke parieren konnte (40.).

Auch die zweite Spielhälfte begann ähnlich, Boulahrouz und van Buyten spielten sich die Bälle zu und fanden keine Anspielstationen. Als es dann doch mal schnell ging, rissen in die dänische Abwehr gleich Lücken. Barbarez spielte den an der linken Strafraumgrenze stehenden Beinlich an, der mustergültig für Mpenza auflegte. Der Belgier scheiterte mit seinem schwachen Linksschuss an Christiansen (52.). Wenig später die erneute Chance zur Führung, als Wicky Fredgaard den Ball an die Hand schoss, Schiedsrichter Matthew Messias entschied auf Handelfmeter. Barabarez wollte das Geschenk nicht annehmen, platzierte den Elfmeter nicht gut genug und Christiansen konnte ihn aus der rechten Ecke holen (57.). Danach wurde das Spiel sowohl hektischer als auch offener geführt. So stand Alvaro nach einem langen Ball aus dem Mittelfeld plötzlich völlig frei am Fünfmeterraum, den Schuss in die kurze Ecke konnte Wächter gerade noch abwehren (73.). Die Hamburger dezimierten sich in der Schlussphase selbst, als Boulahrouz für ein Foul an der Mittelfeldlinie seine zweite Gelbe Karte erhielt (84.). Am Ende hatte Silberbauer für Kopenhagen dann die Chance zum Führungstor, der Fuß eines Abwehrspielers lenkte den Ball aber zur Ecke (88.).

In der turbulenten Schlussphase pfiff der Schiedsrichter erneut einen Handelfmeter gegen Kopenhagen. Diesmal trat van der Vaart an und verwandelte sicher (90.+2). Kurz darauf wurden Möller mit Gelb-Rot (90.+4) und Silberbauer, der den Elfmeter verursacht hat, noch mit Rot vom Feld geschickt (90+5).

Kopenhagen machte sich in der ersten Hälfte die Ausgangsposition zu nutze und überließ dem HSV weitgehend das Spiel. Die Hamburger konnten sich kaum gegen die defensiv eingestellten Dänen durchsetzen. Die beste Chance in der zweiten Hälfte vergab Barbarez, der einen Handelfmeter nicht verwandeln konnte. Ein weiterer umstrittener Handelfmeter den van der Vaart verwandelte, brachte die Entscheidung in letzter Sekunde für den HSV.


 
sport1: Van der Vaart schießt HSV weiter
 
Kopenhagen - Rafael van der Vaart hat den Hamburger SV in die Gruppenphase des Uefa-Cups geschossen. 
Der niederländische Nationalspieler nutzte beim 1:0 (0:0)-Sieg der Hanseaten beim FC Kopenhagen in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein Elfmeter-Geschenk von Schiedsrichter Matthew Messias zum "goldenen Tor". 
Zuvor war Sergej Barbarez mit einem ebenfalls umstrittenen Handelfmeter an Kopenhagens Keeper Jesper Christansen gescheitert. 
Van der Vaart eröffnete dem norddeutschen Traditionsklub jedoch erstmals seit fünf Jahren wieder die Chance auf Europacup-Millionen. 

Turbulente Schlussphase 
In der zweiten Halbzeit sahen die 34.446 Zuschauer im Parken-Stadion eine hektische zweite Halbzeit. Nach dem verschossenen Strafstoß von Barbarez musste HSV-Coach Thomas Doll wegen Meckerns auf die Tribüne. 
Sechs Minuten vor dem Ende sah HSV-Manndecker Khalid Boulahrouz wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot. Nach dem 0:1 wurden dann noch zwei Kopenhagener des Feldes verwiesen. Zunächst sah Peter Möller wegen Meckerns Gelb-Rot (90.+4), dann Michael Silberbauer wegen groben Foulspiels (90.+5).

Kompakte Abwehr
Von Beginn an bemühten sich die Hamburger zwar um ein offensives Spiel, fanden aber gegen die kompakten Abwehrreihen des dänischen Vizemeisters erneut kaum ein Mittel. 
Schon im ersten Durchgang deutete sich an, dass es die Mannschaft von Trainer Thomas Doll erneut nicht leicht haben würde, zum gegnerischen Tor durchzukommen. 
In der 35. Minute tauchte Barbarez zumindest einmal im FCK-Strafraum auf, schoss den Ball jedoch bei spitzem Winkel aus sechs Metern drüber. Weitere Schüsse von Stefan Beinlich (25.) und Rafael van der Vaart (28.) waren eine leichte Beute für Christansen. 

Kaum Kopenhagener Chancen
Auf der anderen Seite hätten die Gastgeber sogar in Führung gehen können. In der 20. Minute landete ein verunglückter Schuss von Michael Gravgaard beim verdutzten Alvaro Santos, der freistehend am Fünf-Meter-Raum kläglich vergab. 
Ansonsten vernachlässigten die Dänen zu keinem Zeitpunkt die Defensive.

Barbarez verschießt Elfmeter
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste den Druck und erspielten sich mehr gefährliche Strafraumszenen. Belohnt wurde das Anrennen der Hamburger durch den Elfmeterpfiff des englichen Schiedsrichters Messias, der nach einem vermeindlichen Handspiel auf Kopenhagener Seite auf den Punkt zeigte. 
Den zu schwach geschossenen Strafstoß von Barbarez konnte Christiansen jedoch zum Entsetzen der rund 8000 mitgereisten HSV-Fans parieren. 

Etliche Chancen
Zuvor war schon Emile Mpenza am Kopenhagener Keeper gescheitert (53.), nachdem er bei einer Vorlage von Beinlich aus 15 Metern frei zum Schuss kam. Auch einen Distanzschuss von Thimothee Atouba (56.) konnte der gut aufgelegte Keeper parieren. 
Auch HSV-Torwart Stefan Wächter konnte sich ein ums andere Mal auszeichnen - besonders in der 72. Minute, als er einen Schuss von Santos aus dem Torwinkel fischte. 
Auf beiden Seiten waren die Torhüter beste Akteure ihrer Mannschaft. Bei den Platzherren gefiel zudem Abwehrchef Gravgaard. Bei den Hamburgern verdiente sich der unermüdliche Kapitän Daniel van Buyten ebenfalls die Bestnote.