Bundesliga 2005/2006, UEFA-Cup, Hauptrunde, 4. Spieltag, Donnerstag, 15.12.05 um 18:30 h in der Hamburger AOL Arena bei 4 Grad C und teilweise heftigem Regen.

Hamburger SV - Slavia Prag 2:0 (1:0)

Ein klein wenig Angst hatte ich ein paar Tage vor dem Spiel ja doch, daß es vielleicht auch nicht klappen könnte. Aber nachdem ich mir dann die Tabelle noch einmal durchgelesen und die Gruppierungskriterien durchgelesen hatte, war ich doch wieder guten Mutes. Die Wahrscheinlichkeit, daß Monaco gegen Sofia zu Hause verliert, war ja dann auch irgendwie nicht sooo hoch.

Kurz vor Spielbeginn tippte ich dann auch mal mutig auf 5:1 und schließlich nach kurzer Überlegung doch noch auf 7:1.  O.k., das ist nichts geworden, aber es hätte auch ein deutlich höherer Sieg als das 2:0, das es nun geworden ist, herausspringen können.

Jedenfalls ging das Spiel gleich richtig gut los für den HSV. Mpenza hatte 2 richtig gute Chancen. Bei der ersten lief er den Gegnern nach tollem Pass in die Tiefe davon und frei von leicht links auf den Torwart zu. Leider schoß er den Torwart an bzw. der parierte den Schuss.

Trotzdem legte er damit praktisch den Treffer vor, denn aus der nachfolgenden Ecke entwickelte sich das 1:0. Der Ball kam zur Mitte und über Atouba schließlich wieder nach links außen auf Beinlich. Der konnte den Ball, weil er so schön halbhoch bei ihm ankam, praktisch als halben Torschuss zur Mitte bringen. Jedenfalls schön hart, sodaß es für Barbarez in er Mitte m.E. fast „einfach“ war, diese Flanke per Kopf ins Tor zu lenken. Naja, natürlich muß man da auch erstmal stehen und auch genug „Technik im Kopf“ haben, aber letztendlich würde ich mich über so eine geile Flanke richtig freuen.

Das durfte ich dann ja auch – beim Torjubel.

Schon kurze Zeit später hatten wir die nächste Großchance durch Emile Mpenza. Diesmal war der Winkel allerdings noch spitzer; der Pass aber ebenso schön. Diesmal schoß Emile am langen Winkel vorbei. Da fingen einige schon an zu stöhnen. Auch wenn ich nun wirklich kein Mpenza-Fan, so war ich doch mit seiner Leistung bis dahin wirklich sehr zufrieden – um nicht zu sagen: fast begeistert. Natürlich hätte er da schon wieder gut ein Tor machen können (oder müssen), aber mir gefiel einfach, wie er diesmal spielt. Er wirkte nämlich wirklich ballsicher und sehr positiv.

Dann sorgte wiederum Mpenza auch für die vielleicht spielentscheidende Szene. Er drang von links in den Strafraum ein und spitzelte den Ball gerade noch am Torwart vorbei (allerdings fast quer vorm Tor). Der Torwart sprang ihm aber in die Beine (zumindest aus meiner Sicht). Es gab Elfmeter und der Torwart erhielt dazu die rote Karte. Konsequente Entscheidung würde ich sagen. So konsequent hätte ich mir letzten Samstag mal Herrn Merk im Spiel gegen Hertha gewünscht.

Für den fälligen Elfer legte sich Mahdavikia den Ball zurecht. Bis er ausführen konnte, dauerte es allerdings einige Minuten, da die Prager ja erst noch einen neuen Torwart für einen Feldspieler einwechseln mußten. In der Zeit kam Beinlich (lt. Aussage eines Freundes war er vorher an der Trainerbank) zuerst zu Mehdi und dann noch zu Barbarez und schließlich zu Mpenza und fragte den offensichtlich, ob er den Elfer schießen wolle. Er tat es. Und leider parierte der Torwart den Ball, obwohl er nicht einmal schlecht ins linke untere Eck geschossen war. Da hatte ich dann doch die Befürchtung, ob Emile nun einbrechen würde, aber ich schwafelte gleich vor mich hin,, daß er heute schon noch einen schießen würde.

Das tat er dann schließllich auch noch. Allerdings erst in der 2. Halbzeit. Da wurde er abermals von Barbarez durch einen tollen Direktpass frei in den Strafraumgspielt und konnte den Ball über den herauslaufenden Torwart hinwegheben. Nun war er endlich drin und der Jubel riesengroß. Hat mich richtig gefreut für ihn! Ob es für ihn dann auch so o.k. war, schon nach wenig mehr als 60 Minuten ausgewechselt zu werden, weiß ich nicht. Ich hoffe es mal. Zumindest bekam er viel Applaus, was ihn sicherlich gefreut hat.

Das Spiel verflachte nun aber zusehends. Der HSV spielte in der kompletten 2. Halbzeit das Programm recht souverän herunter, ohne hinten auch nur einmal etwas anbrennen zu lassen. Ich kann mich lediglich an einen ordentlichen Kopfball eines Pragers erinnern. Mehr war da eigentlich nicht. 

Ich würde es als gute 1. Halbzeit und souveräne 2. Halbzeit bezeichnen. Insgesamt einfach ein netter, entspannter Fußballabend mit einem Spiel, das eigentlich nie auf der Kippe stand, negativ für uns auszugehen. 

Nun treffen wir, da Monaco zeitgleich gegen Sofia gewonnen hat, als Tabellenzweiter auf einer der Mannschaften, die aus der Champions League ausgeschieden sind. Ich hoffe auf einen schönen namhaften Gegner. Wenn ich mich recht entsinne, stehen da z.B. Udinese Calcio oder Betis Sevilla zur „Auswahl“. Die Italiener hätte ich gerne. Oder auch Rosenborg Trondheim, denn wann werde ich sonst schon mal nach Trondheim kommen ?  Die Franzosen aus Lille wären fahrtechnisch sehr interessant, weil es nur so ca. 800 km sind. Da kann man gut mit dem Auto hin und mein Freund Maxime hat sein Elternhaus ganz in der Nähe. Mal schaun. Am Freitag ist Auslosung und wenn ich diesen Bericht online stelle, ist die Auslosung schon durch.

Meine Spielerwertung:

Kirschstein: Nahezu beschäftigungslos: Note 3

Atouba: konnte sich heute offensiv so gut wie nie durchsetzen: Note 4

Demel: heute mal wieder in den Innenverteidigung. Wenig gefordert. Gut: Note 3+

Van Buyten: Ebenso wie Demel nur wenig gefordert und dabei stets souverän: Note 3+

Mahdavikia: setzte sich oft schön durch auf rechts; nur sind seine Flanken noch verbesserungsfähig: Note 3+

Wicky: nach wochenlanger Verletzungspause war er direkt wieder voll im Team und sehr bissig im defensiven Mittelfeld: Note 3

Beinlich: Der eigentlich Lenker des Spiels. Zunächst etwas weiter links, aber es zog ihn immer weiter iin die Zentrale. Sehr gut: Note 2

Jarolim: war heute sehr unauffällig nach vorne. Gewann defensiv aber ordentlich Zweikämpfe: Note 3

Trochowski: ist mir wirklich viel zu sehr abgetaucht und nutzt die Chance zu wenig, während der van der Vaart-Verletzung auf sich aufmerksam zu machen: Note 3-

Barbarez: Ein Tor erzielt und eines vorbereitet. Und an den anderen Szenen auch oft beteiligt. Auf dem Weg zurück zu alter Stärke: Note 2

Mpenza: Für mich ist er der Spieler des Spiels. Eine große Wandlung zu früheren Einsätzen (die sich schon beim letzten Spiel abzeichnete). Ich freue mich total für ihn, daß er seine gute Leistung mit einem Tor krönen konnte. Das wird ihm Auftrieb geben: Note 2+

Schiri (aus Spanien): Ich hatte nicht viel zu nörgeln. Note 2

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker:  UEFA-Cup, 2005/06, 6. Spieltag 

Hamburger SV -  Slavia Prag  2:0 (1:0) 

Allgemeine Informationen
Hamburger SV:  Kirschstein - Mahdavikia, Demel, van Buyten, Atouba - Wicky - Jarolim, Beinlich - Trochowski - Barbarez, Mpenza - Trainer: Doll

Slavia Prag:  Kozacik - Krajcik, Latka, Holenak, Hrdlicka - Gedeon, Jarolim, Suchy, Svento - S. Vlcek, Fort - Trainer: Jarolim

Tore:   1:0 Barbarez (9., Kopfball, Vorarbeit Beinlich), 2:0 Mpenza (57., Rechtsschuss, Barbarez)

Eingewechselt:   60. Laas für Wicky, 64. Lauth für Mpenza, 70. Takahara für Barbarez - 30. Seliga für Fort, 80. Pesir für S. Vlcek, 86. Svec für Hrdlicka

Schiedsrichter:  Gonzalez Vazquez
Zuschauer:  46353
Rote Karten:  Kozacik (28., Notbremse)
Gelbe Karten:  Jarolim, Krajcik, Holenak
Bes. Vorkommnisse:  Seliga hält Foulelfmeter von Mpenza (31.)

Spielbericht
Im Vergleich zum 2:1-Sieg über Hertha BSC gab es beim Hamburger SV folgende Veränderungen: Der zuletzt verletzte Wicky kehrte in die Stammelf zurück, Demel rückte in die Abwehr zurück und ersetzte den gesperrten Boulahrouz. Auch der in der Liga Gelb-gesperrte Jarolim kehrte wieder zurück, HSV-Coach Thomas Doll beorderte Barbarez in die Offensive und setzte Lauth auf die Bank. Zwei Umstellungen nahm auch Slavias Trainer Karel Jarolim vor: Gegenüber dem 0:2 gegen Monaco spielten Holenak und Gedeon für Hubacek und Pitak.

Der Hamburger SV begann die Partie engagiert und offensiv. Das Doll-Team wollte sich nicht darauf verlassen, dass ein Unentschieden für die Zwischenrunde reichen würde. Eine erste große Gelegenheit zur Führung vergab Mpenza, dem nach klasse Steilpass von Jarolim alleine vor Slavias Keeper Kozacik die Nerven versagten (8.).

Aus der folgenden Ecke resultierte dann aber doch der Führungstreffer: Der erste Ball wird noch abgewehrt, doch Beinlich erhält eine zweite Chance. Die scharfe Flanke Beinlichs köpfte Barbarez wuchtig ins Netz (9.).

Nach dem 1:0 legte der HSV mehr Wert darauf, Ball und Gegner zu kontrollieren. Dennoch hatten die Hanseaten weiterhin die besseren Chancen. Allerdings wurde Mpenza zur tragischen Figur im ersten Abschnitt: Zunächst verzog der Belgier in der 16. Minute aus spitzem Winkel. In der 28. Minute lief er nach einem Wicky-Pass erneut alleine auf das Slavia-Tor zu, Kozacik holte den 27-Jährigen im Strafraum von den Beinen, Strafstoß und die Rote Karte für Kozacik waren die Folgen. Mpenza trat selbst zum Elfmeter an, scheiterte mit seinem Rechtsschuss aber am neuen Keeper Seliga, der gleich mit seiner ersten Ballberührung sein Team vor einem höheren Rückstand bewahrte (31.).

Bis zur Pause tat sich dann nicht mehr viel. Der HSV kontrollierte mit einem Mann mehr auf dem Platz das Spiel, konnte sich allerdings keine weitere Chance mehr erarbeiten.

Nach dem Seitenwechsel knüpfte der HSV dort an, wo er im ersten Durchgang aufhörte. Die Hanseaten bestimmten Tempo und Rhythmus der Partie und kamen auch wieder zu Möglichkeiten. Nachdem Barbarez mit einem Kopfball zunächst an Seliga scheiterte (54.), war es ausgerechnet Mpenza, der das 2:0 erzielte. Der Unglücksrabe aus der ersten Halbzeit lupfte den Ball aus sechs Metern überlegt über Seliga hinweg in die Maschen (57.).

Damit war die Entscheidung gefallen. Bis zum Schlusspfiff plätscherte die Partie vor sich hin, vor beiden Toren spielten sich keine nennenswerten Szenen mehr ab. Thomas Doll nutzte die Gunst der Stunde und schonte Wicky, Mpenza und Barbarez für die Partie am kommenden Sonntag bei Werder Bremen, Laas, Lauth und Takahara kamen. Slavia Prag verlegte sich nun ganz auf die Defensive, um das bessere Torverhältnis gegenüber Viking Stavanger zu verteidigen. So blieb es am Ende beim verdienten 2:0 für den Hamburger SV.

Der Hamburger SV zieht nach dem souveränen 2:0 über Slavia Prag in die Zwischenrunde des UEFA-Cups ein. Barbarez brachte die Hanseaten früh in Führung. Mpenza, der im ersten Druchgang noch dreimal aussichtsreich scheiterte, sorgte in der zweiten Halbzeit für die Entscheidung. Trotz der Niederlage steht auch Slavia Prag in der Runde der letzten 32.