Bundesliga 2005/2006, Uefa-Intertoto-Cup-Final-Rückspiel am Dienstag, 23.08.05 im Mestalla-Stadion in Valencia.

Valencia CF - Hamburger SV 0:0 (0:0)   nach 1:0 für den HSV im Hinspiel

Obwohl ich den ganzen UI-Cup „spielberichttechnisch“ sträflich vernachlässigt habe, wollte ich zum Final-Rückspiel in Valencia doch noch unbedingt etwas schreiben. 

Es war für mich nämlich wirklich etwas ganz besonderes. Ich bin nun seit Ende der 80iger so „richtiger“ HSV-Fan, der auch ins Stadion geht usw.. Aber es hat bis zum Spiel in Valencia gedauert, dass ich erstmals miterleben durfte, dass der HSV etwas „Richtiges“ gewonnen hat. Zwar fand ich den Ligapokalsieg vor ein paar Jahren auch ganz schön, aber das hier war mal ein richtiges, internationales Finale. Und wenn es auch „nur“ der Looser-Cup war und wir uns dadurch „nur“ für den UEFA-Cup qualifiziert haben, so fand ich es doch tierisch geil.

Vor allem, weil wir auch nicht nur Nulpen-Gegner hatten. Olmütz war für uns zu Beginn meiner HSV-Fan-Zeit ja schon mal eine Nummer zu groß und der Sieg gegen Valencia ist wirklich groß. Einen besseren und namhafteren Gegner als Valencia werden wir im UEFA-Cup vermutlich nicht mal bekommen, wenn wir es bis zum Finale schaffen sollten. 

Außerdem war diese ganze Reise ohnehin etwas besonderes für mich, denn international habe ich ja nur ganz wenig Auswärtsspiele besucht. Da muß ich direkt mal drüber nachdenke. Naja, ich war bei der CL-Quali in Kopenhagen. Dann in der CL in Turin. Später im UIC in Thun und jetzt in Olmütz. Das könnte es mit den offiziellen Wettbewerbsspielen (neben den relativ vielen Freundschaftsspielen um die Trainingslager herum) aber auch schon fast gewesen sein. 

Und jetzt erstmal mit einem HSV-Flieger nach Valencia. Da habe ich mich schon vorher richtig drauf gefreut. Und mein Kumpel Kuno, dem wir zusammen zu seinem Geburtstag den Flug ebenfalls geschenkt haben, sicherlich auch. 

Außerdem fühlt man (oder zumindest ich) sich ja auch schon irgendwie geil verrückt, wenn man mal so eben einen Tag nach Valencia fliegt und am nächsten Tag dann fast ohne Schlaf direkt zur Arbeit geht. Davon aber später mehr. 

Der Tag ging ganz locker los. Um 8 Uhr sollten wir am Hamburger Flughafen sein, sodaß ich, wie sonst zur Arbeit auch, um 5 Uhr aufgestanden bin. Wir waren kurz vor 8 Uhr da und checkten dann ein. Der Flieger bot mir erfreulicherweise mehr Beinfreiheit als ich das so gewohnt bin von meinen 4 Türkei-Urlaubsflügen in den letzten 10 Jahren. Kleines Highlight am Rande war für mich, dass ich nun sogar so viel abgenommen habe, dass ich erstmals keine Verlängerungsgurt im Flugzeug benötigte, sondern der normale reichte. Das hört sich für den Normalbürger sicherlich komisch an, aber wenn man so meine Ausmaße hat, macht einen das schon glücklich.

Das einzig negative am Flieger bemerkte ich schon beim Hinflug. Es war wirklich saukalt an Bord. Ich fand die Klimaanlagenluft furchtbar und ahnte da schon, dass ich mir schön einen „aufsacken“ werde. Das hat auch gut geklappt ;-)

Der Flieger hob verspätet ab und wir waren zwischen 13 und 14 Uhr in Valencia. Dort angekommen, wurden wir direkt aus dem Flieger (ohne Zoll, Passkontrolle o.ä.) direkt in 5 Busse verfrachtet, die neben dem Rollfeld auf uns warteten. 

Die Busse brachten uns, von einem Polizeibus eskortiert, in die Innenstadt Valencias. Dort machte der Polizeiwagen dann mitten auf einer großen 6spurigen Straße eine Wende und hielt den ganzen Verkehr auf. Die Busse wendeten auch und wir konnten schließlich aussteigen. Man hätte uns vielleicht auch einfach auf der anderen Straßenseite aussteigen lassen können, ohne den ganzen Verkehr zu blockieren. Aber war natürlich eine schöne Aktion. ;-)

Zusammen mit unseren Freunden André, Sandra und Mopsel, machten sich Kuno und ich sowie natürlich der Rest der ca. 270-köpfigen HSV-Flug-Fanbesatzung auf in die Innenstadt. 

Das Finden eines Restaurants erwies sich für uns 5 erstmal etwas schwierig, da man nur schlecht so viele Plätze fand. Schließlich aßen wir etwas und danach ließen wir uns dann in 2 Taxi durch die halbe Stadt zum Strand chauffieren (der, wenn ich es richtig verstand, „Barbarossa“ hieß). Das Taxifahren war mit nicht mal ganz 8 EUR sehr viel günstiger als in Deutschland. Allerdings nahm mein Erkältungsverlauf hier an Gewissheit zu, denn wie man einen Wagen bei einer Außentemperatur von ca. 30 – 35 Grad so runterkühlen kann, ist mir schleierhaft.... Ich weiß gar nicht, was auf der vielleicht 10 – 15 minütigen Fahrt schlimmer war. Die kack-kalte Luft oder der Klassiksender, den der nette Taxifahrer direkt nach unserem Betreten einschaltete ;-)

Aber dann am Strand war es wieder sehr geil. Direkt vor uns hatten sich auch schon einige HSV-Fans flankiert (schöne Grüße nach Paderborn. Die Traumfrau in Euren Reihen ist mir auch nicht das erstem mal aufgefallen!!!). Allerdings gab es für die notgeilenden Augen (wie meine) hier wirklich viel zu sehen. Wunderschöne Frauen en masse am Strand. Und die Spanierinnen scheinen auch nicht übermäßig prüde zu sein. „Oben ohne“ war jedenfalls keine Seltenheit. Das führte mich und Kuno nach einem schönen Bad im warmen und fies salzigen Mittelmeer auch erstmal zu einem ausgedehnten Spaziergang am Strand, bei dem ich für meine Sonnenbrille, die einigermaßen verspiegelt ist, dankbar war.

Sehr geil fanden Kuno und ich auch, dass wir schön den Spruch anbringen konnten „Gestern noch Ostsee und heute im Mittelmeer. Das hat doch was.“ Ist aber auch so. Da wir Montag hier in Deutschland noch mal einen richtig schönen Tag hatten, hatten Kuno und ich die Chance genutzt und waren (vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr) in der Ostsee. Und dann am Dienstag gleich im Mittelmeer. Irgendwie schon geil. 

Nicht minder geil war natürlich auch unsere „Vollkutte“ André, der seinen noble Blässe unbedingt weiter pflegen wollte und daher keinesfalls irgendein Bekleidungsstück am Strand ablegte. Dafür suchte er sich eine Liege unter einem Sonnenschirm aus, für die er dann auch prompt 9 EUR löhnen sollte. Nach kurzen Diskussionen einigte man sich aber mit dem lokalen Strand-Matadoren auf 6 EUR, weil man ja nur eine Liege und nicht zwei nutzte. Ich fand es sehr geil, dass man den Sonnenschirm (der dort ja fest reingerammt war) auch noch extra bezahlen musste.

Jedenfalls genossen wir so ca. 2 – 3 Stunden am Strand, wo sich noch ein weiterer HSVer , Dirk, zu uns gesellte und schließlich André noch für 2 weitere Namensgebungen sorgte. Nachdem er sich den Schirm und Liege leistete, unkten die Paderborner ein wenig, was André zu dem schönen statement brachte „Ich bin schließlich der Mittelstand. Wenn wir uns sowas schon nicht mehr leisten...“  Sehr geil! Nachdem wir schon immer mal belustigend beim Olmütz-Spiel in unserer Reisegruppe von den „HSV-Party-People“ sprachen, kam nun also auch also die „HSV-Beach-Party-People  - Mittelstand“ hinzu. Wobei der Paderborner (sorry, ich weiß Deinen Namen nicht, und muß es daher immer so doof schreiben) André fortan nur noch „Iceman“ nannte, weil er so schön in vollem Ornat dort am Strand lag und gar nicht auf die Idee kam, die Jeans oder das Trikot auszuziehen. 

Nach einigen Stunden am Strand sind wir dann schließlich per Taxi (ebenso klima-gekühlt) wieder zurück in die Innenstadt. Dort suchte ich weiter kurz nach Postkarten (was nicht so schwer war) und vergeblich nach Briefmarken (ich hoffe schwer, dass der Reisemarschall Tim Quathamer meine Karten inzwischen irgendwo eingeworfen hat). Schließlich trafen wir uns noch kurz mit einigen HSVern auf einem Platz, um dann noch bei McDoof etwas zu speisen. 5,20 EUR für einen einzelnen Burger fand ich dann aber doch recht „üppig“. Aber, was nützt´s ?

Wir machten uns dann auf zum Stadion, wo wir noch eine Zeit lang warten mussten, bis man uns Einlass gewährte. 
Nachdem wir eine geschätzte Viertelstunde treppauf gelaufen waren (na ja, war wohl weniger, aber es wollte gar nicht enden – ich werde nie mehr darüber nörgeln, dass ich in der AOL Arena zu viele Treppen steigen muß!) eröffnete sich mir die steilste Tribüne, die ich jemals gesehen habe. Und es war eben nicht nur steil, sondern auch unglaublich hoch. Wir konnten auf die meisten der umliegenden Hochhäuser (und das Stadion liegt ja mitten in der Stadt) HINABgucken! Also, wenn da mal einer besoffen die Treppen runterfällt... Ich weiß nicht. Sowas habe ich echt noch nirgends gesehen.

Wir waren ja nun auch ganz weit oben alle zusammen untergebracht. Ein Dach gabs auch nicht, was einen schon befürchten ließ, dass man uns wohl überhaupt nicht hören würde im Stadion. Aufgrund des Spiels und der bei den Spaniern nicht recht aufkommen wollenden Stimmung, soll man uns aber doch ganz gut haben vernehmen können. 

Schließlich fing das Spiel an und nach 3 Word-Seiten mit nur „Vor- und Drumherum-Bericht“ kommt jetzt auch noch etwas (aber auch wirklich nur „etwas“) vom Spiel. ;-)

Die Spanier legten erstmal recht rasant los. In der ersten Viertelstunde hatten sie zwei sehr gute Chancen. Einmal einen Schuß von halblinks im Strafraum, den Stefan Wächter großartig parieren konnte und danach einen Kopfball von Patrick Kluivert, gegen den Wächter machtlos gewesen wäre. Allerdings traf der niederländische (momentan Ex-) Nationalspieler nur die Latte. Da hatten wir Glück.

Jetzt setzte sich aber immer mehr das souveräne Auftreten unserer Elf durch, die defensiv immer besser Stand. Ich wurde wirklich innerlich recht ruhig und hatte im Grunde genommen das ganze Spiel über kaum mehr Angst, dass wir einen Gegentreffer kassieren würden. 

Nachdem wir im Hinspiel noch nach tollem Spiel 1:0 gewonnen hatten, wäre ein Gegentreffer zwar noch nicht das Aus, aber man hatte ja doch zu befürchten, dass die Spanier dann richtig aufwachen. Und vielleicht auch deren Publikum, das wir nun wirklich so gut wie gar nicht wahrnahmen. Von Hexenkassel war da nix zu spüren. Bei uns im Block wars in der 1. Halbzeit auch nur mittelmäßig.

Aber in der 2. Halbzeit fand ich die Stimmung bei uns schon sehr gut und da wurde auch dauer-supportet. 

Zwar hatten die Spanier in den Anfangsminuten der 2. Halbzeit doch noch mal einige gute Szenen, aber irgendwie fühlte ich mich da schon recht sicher. 

Der HSV wurde immer sicherer, obwohl es leider kaum richtige Entlastungsangriffe gab. Aber der Ball wurde trotzdem gut in unseren Reihen gehalten.

Den Spaniern missfiel das offenbar. Da wurde teilweise auch mal heftiger zugetreten, was der Schiri aber praktisch nie ahndete. Der ließ ohnehin fast alles durchgehen, was in der Bundesliga gepfiffen würde. Allerdings auch von unserer Verteidigung, die sich, insbesondere in Person von Khalid Boulahrouz toll ins Zeug legte. 

Der negative und für mich unglaubliche Höhepunkt war der Rauswurf von Jarolim. Allerdings nicht seitens des Schiedsrichters. Jarolim hatte zuvor schon eine kurze Behandlung wegen eines Krampfes. Als der Krampf (der ganz offensichtlich NICHT simuliert war) wieder kam, setzte er sich auf den Boden. Und da rissen ihn doch tatsächlich zwei spanische Spieler hoch (am Oberkörper und den Beinen), schleppten ihn aus dem Feld und ließen ihn doch wieder fallen. Sowas habe ich nun wirklich noch nie gesehen. Ich denke, dass es da ganz klar 2 rote Karten in der Bundesliga gegeben hätte. Und ich finde, dass das auch hier berechtigt gewesen wäre. Natürlich gab es da ein schönes „Rudel“ mit Auseinandersetzungen und der Schiri zeigte schließlich nur einem Spanier gelb. Unglaublich. 2 gelbe Karten für die beiden „Träger“ wäre wohl das mindeste gewesen. Gelb bekam aber (lt. TV-Bildern) wohl nur der Spanier, der van der Vaart im Rudel dann auch noch eine Kopfnuss verpasst hatte. Wie gesagt: Unglaublich....

Aber unsere Jungs ließen sich nicht provozieren. Der wirklich überragende Arbeiter Jarolim wurde schließlich schmerzgeplagt ausgewechselt und das Spiel ging ruhig weiter gen Ende. Nervös wurde ich erst, als ich bemerkte, dass wir schon über die 80. Minute rüber waren. Grundsätzlich war ich vorm Spiel ja gar nicht so sicher, dass wir das Finale gewinnen würden, aber inzwischen hatte man doch wirklich viel Hoffnung ob des beherzten Spiels des HSV. Da es nun aber nur noch einige Minuten waren, gingen mir aber doch wieder die Gedanken durch den Kopf, wie beschissen es denn wäre, wenn man jetzt noch einen Gegentreffer bekäme. Das passierte aber trotz der über 4-minütigen Nachspielzeit nicht mehr. 

Der Rest war grenzenloser Jubel. Die angeblich ca. 800 HSV-Fans waren wohl alle überglücklich. Die Mannschaft wurde frenetisch bejubelt und feierte toll mit uns zusammen, obwohl sie ja so tief unter uns waren ;-)
Stimmungstechnisch sehr geil. Und diesmal gefiel mir das „Uffta“ auch richtig gut. Wir hatten da inzwischen ja auch einen tollen Sound im Stadion, da die Spanier schon alle weg waren. Jedenfalls ist meine Stimme auch jetzt (5 Tage nach dem Spiel) noch nicht wieder ganz o.k. . Und das liegt nicht nur an der Erkältung.

Wir wurden dann schließlich wieder direkt von Bussen am Stadion abgeholt und zum Flughafen gebracht. Diesmal aber über das normale Terminal, dessen Cafe wir einen für die Uhrzeit (ca. 1 – 3 Uhr) wohl ungewöhnlich guten Umsatz bescherten. 

Im Flieger wurde noch kurz gefeiert; allerdings mehr im hinteren Bereich, in dem bei der Einweisung durch die Stewardessinnen ein „Wir ha´m bezahlt, wir woll´n was sehn“ durch die Flieger schallte, was die Damen wohl auch dazu animierte, ein kleines Tänzchen hinzulegen. Das habe ich aber nur dem Hörensagen nach vernommen, weil ich weiter vorne saß und wir die beiden Tucken-Stewards auch lieber zu nichts animieren wollten (sorry, nicht politisch korrekt, ich weiß!) ;-)

Im ganzen Flieger, der diesmal ziemlich pünktlich um 3:15 Uhr abhob, wurde es schnell ruhig und die meisten schliefen. Mir wollte das allerdings nicht so gelingen. Naja, für eine Stunde hatte ich wohl auch die Augen zu. Ansonsten war etwas Langeweile und Frieren angesagt. Aber mit so viel innerer Befriedigung lässt sich das doch alles ertragen. Ebenso wie der nächste Arbeitstag. Ich bin eigentlich jemand, der relativ viel Schlaf benötigt, um sich gut zu fühlen. Aber an diesem Mittwoch ging das auch mit dem ca. einstündigen Schlaf recht gut. Hatte eben jede Menge Glückshormone in mir. 

War für mich eine saugeile HSV-Tour. Auch nicht nur das Spiel, sondern eben das ganze Drumherum. Mit einer Gruppe von Freunden unterwegs in einer schönen, warmen Stadt. Dann noch am und im Meer (ich LIEBE das Meer) und abends ein lauer Sommerabend mit dem größten sportlichen Erfolg meiner HSV-Geschichte (o.k., CL-Teilnahme war vielleicht größer).

Ich bin jetzt noch glücklich und muß lächeln, wenn ich darüber schreibe. Das wollte ich mir dann doch noch mal von der Seele schreiben. Tut mir leid, dass es nur so wenig „SPIEL“-Bericht ist, sondern mehr Erfahrungsbericht. Aber nach 5 Tagen ist es mit den Spielszenen nicht mehr so weit her bei mir. Da habe ich ja manchmal schon 2 Stunden nach dem Spiel so meine Probleme .... ;-)

Nur der HSV!!!!

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
kicker: UEFA Intertoto-Cup, 2005, 5. Spieltag 
FC Valencia -  Hamburger SV  0:0 (0:0) 

Allgemeine Informationen
FC Valencia:  Cañizares (3) - Raul Albiol (3), Ayala (3), Moretti (2,5), Fabio Aurelio (3) - Albelda (3), Baraja (3,5) - Rufete (4), Vicente (3,5) - Aimar (2,5) - Kluivert (5) - Trainer: Quique Flores

Hamburger SV:  Wächter (2) - Demel (3,5), Boulahrouz (1,5), van Buyten (3,5), Atouba (3) - Wicky (4) - Jarolim (2), Beinlich (3,5) - van der Vaart (4) - Mpenza (3,5), Lauth (5) - Trainer: Doll

Eingewechselt:   46. Villa (4) für Kluivert, 57. Angulo (3,5) für Rufete, 71. Di Vaio für Baraja - 46. Mahdavikia (2,5) für Beinlich, 59. B. Reinhardt (3) für Demel, 85. Trochowski für Jarolim

Chancenverhältnis:  6:2
Eckenverhältnis:  5:2
Schiedsrichter:  Duhamel (Frankreich), Note 3 - ein weitgehend guter Leiter, bei Vicentes ungestraftem Schubser gegen van der Vaart (85.) großzügig
Zuschauer:  40000
Gelbe Karten:  Aimar, Albelda - Jarolim, Boulahrouz, Lauth
Spielnote:  3
Spieler des Spiels:  
Boulahrouz, Khalid
Unerbittlich im Zweikampf, nahm Kluivert aus dem Spiel. Auch als Rechtsverteidiger brillant und mit perfektem Timing.

Analyse
Nach dem 0:1 im Hinspiel stellte Valencias Coach Enrique Quique Flores sein Team auf nicht weniger als vier Positionen um: Moretti, Albiol, Baraja und Aimar kamen für Marchena, Caneira, di Vaio und den verletzten Edu (Kreuzbandriss). Auf der anderen Seite wechselte HSV-Coach Thomas Doll zwei Mal Personal aus und brachte in der Abwehr van Buyten für Reinhardt sowie im Angriff Lauth für den Rot-gesperrten Barbarez.

Valencia versuchte im gut gefüllten Stadion "Mestalla" gleich in der Anfangsphase, mit Pressing schon in des Gegners Hälfte Druck auf die Gäste auszuüben. Der FC provozierte so zwar frühe Ballverluste der Hanseaten und störte das Aufbauspiel der Doll-Elf, ohne sich aber zunächst gefährlich vor das von Wächter gehütete Tor spielen zu können.

Das änderte sich mit der ersten sehr guten Torchance durch Rufetes Linksschuss aus elf Metern nach Sololauf von Aimar, bei der Wächter per Fußabwehr klären konnte (9.). Es folgte eine starke Drangphase der Spanier, die dann Lücken im Deckungsverbund der Doll-Elf offenlegten: Nach Vicentes Flanke von links klärte Boulahrouz in der Mitte in höchster Not (14.), und nur eine Minute später klatschte ein wuchtiger Kopfball von Kluivert nach Rufetes Hereingabe an die Querlatte des HSV-Tores.

Danach aber hatte der spanische Vertreter lange Zeit nicht mehr viel zu bieten. Mit dem Spielfluss war es nach einer guten Viertelstunde vorbei, auch weil die Norddeutschen sich nun zweikampfstärker zeigten und sich in den immer wieder von den Iberern gesuchten Eins-gegen-Eins-Situationen (Aimar) besser behaupten konnten.

Jarolim und van der Vaart gelang es nun auch, wenigstens ansatzweise Entlastung einzuleiten, auch wenn die Spitzen Mpenza und Lauth im ersten Durchgang so gut wie abgemeldet waren. Echte Torchancen hatte der HSV deshalb nicht zu verzeichnen.

Den letzten Aufreger in einem ansonsten bis dorthin wenig aufregenden Spiel produzierte nochmals die Heimelf: Aimar, noch der auffälligste im Dress des ehemaligen spanischen Meisters, versetzte rechts Beinlich und passte auf Baraja. Doch der lange verletzte Nationalspieler geriet beim Torschuss in Rücklage und zielte aus 13 Metern in den Nachthimmel (43.).

Nach der Pause wechselten beide Trainer aus: Beim HSV kam für den angeschlagenen Beinlich der Iraner Mahdavikia - bei der Heimelf musste Kluivert raus, für den Villa eine Chance erhielt. Der eingewechselte Angreifer holte die erste Ecke für Valencia raus, und nach Aimars Hereingabe wurde es brandgefährlich: Baraja erwischte einen Abpraller aus sechs Metern per Scherenschlag und verfehlte das Ziel nur um Zentimeter (50.). Valencia nahm Fahrt auf: Gegen Fabio Aurelios Volleyabnahme klärte van Buyten per Kopf (55.), Aimar zielte schlecht aus der Distanz (57.), Vicente im Strafraum in günstiger Schussposition ebenso (63.).

Die Hanseaten konnten sich kaum mehr aus der eigenen Hälfte lösen, van Buyten & Co. konnten aber ab Mitte des zweiten Durchgangs der in der Folge wieder zu einfallslosen Spielweise der Levantiner immer besser Paroli bieten. Bis auf eine Ausnahme wurde es auch in der Schlussphase nicht mehr gefährlich für die Gäste, als der FC fast nur noch mit hohen Flanken in den Strafraum sein Heil suchte - die wurden allesamt vor allem eine Beute des Hünen van Buyten. Spät besann sich Vicente einer Alternative, als er Sekunden vor Schluss einen trockenen Flachschuss aus 16 Metern abfeuerte: Der hätte fast das 1:0 - und somit den Ausgleich in beiden Partien - bedeutet, aber Wächter lenkte den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten (90.+3).

Nach einer Nullnummer in Valencia steht der Hamburger SV nach dem 1:0-Hinspielerfolg als insgesamt verdienter Gewinner des UI-Cup-Finales im UEFA-Cup. Nach ausgeglichener erster Hälfte ermauerten sich die Hanseaten in einer wenig berauschenden Partie gegen die im zweiten Durchgang zwar überlegenen, aber im Angriff zu unentschlossenen Iberer das torlose Remis.