2. Spieltag Fußball-Bundesliga. Samstag, 21.08.99, 15:30, Hamburg-Volksparkstadion

HSV - VfB Stuttgart 3:0 (1:0)

Ich muß schon sagen, daß es mir vor dem Spiel etwas mulmig war. In München war ich ja nicht dabei und nun sollte ich endlich mein erstes Bundesliga-Spiel der neuen Saison sehen. Dieses mulmige Gefühl nahm mir der HSV dann aber sehr schnell, daß man bereits nach fünf Minuten in Führung ging. Dabei hatte Groth eine Flanke von halbrechts nach innen gegeben und dort tummelten sich 3 HSVer und nur ein Stuttgarter. Cardoso konnte den Ball dann völlig freihstehend einschieben.

Von da an war ich natürlich viel gelöster. Der HSV hatte eine sehr gute Anfangsphase, ließ dann aber in der Mitte der ersten Halbzeit nach. Allerdings waren die Stuttgarter auch nie so brandgefährlich, daß man größere Angstausbrüche bekommen mußte. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit legte der HSV dann noch einmal kräftig zu und kam zu mehreren Chancen (und sogar einem weiteren Tor), die alle wegen mehr oder weniger klaren Abseitsstellungen beendet wurden.

In der 2. Halbzeit gefiel mir der HSV dann wieder besser. Man konnte die Stuttgarter auch mal kommen lassen und so immer wieder gefährliche Konter fahren. Die Stuttgarter blieben aber weiterhin fast völlig ungefährlich.

Letztendlich „mußte“ Butt den Endstand von 3:0 ganz alleine herstellen, weil es dem HSV, trotz mehrerer hochkarätiger Chancen,  nicht gelang, ein weiteres Feldtor zu erzielen.

Butte verwandelte jedoch 2 Elfmeter gewohnt sicher. Da ich zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Berichts noch keine Fernsehbilder gesehen habe, kommentiere ich die beiden Elfmeter so:
Beim ersten wurde Präger meiner Meinung nach gefoult. Da er zunächst versuchte weiterzulaufen und dann erst nach einigen Schritten fiel, sah die Szene etwas „unglücklich“ aus. Aber von meiner Sicht aus wurde er gefoult und man kann es einem Stürmer ja nicht vorwerfen, daß er zunächst versucht, auf den Beinen zu bleiben.
Der andere Elfmeter war von meiner Sichtwarte aus aber völlig unberechtigt. Ich konnte da wirklich kein Foul an Kovac sehen. Aber ich sitze in Höhe der Mittellinie ja auch ein Stück weit entfernt davon.

Besonders herausheben möchte ich nach diesem Spiel eigentlich gar keinen Spieler, da mir die Mannschaft insgesamt hervorragend gefallen hat. Aber Cardoso und Gravesen möchte ich doch besonders loben. Cardoso hat nun auch in der Bundesliga bewiesen, daß er sich wieder super durchsetzen kann. Ich habe es eigentlich schon nicht mehr zu hoffen gewagt. Aber in seiner jetzigen Form hat der HSV nach zig Jahren mal wieder einen echten, und dazu noch hervorragend aufgelegten, Spielmacher. Außerdem hat Gravesen seine Aufstellung absolut gerechtfertigt. Er hat für mich heute einen Klasse-Libero gespielt. Sein Nachteil gegenüber dem „etatmäßigen“ Libero ist normalerweise seine Leichtsinnigkeit. Davon habe ich heute aber nichts gesehen. Sein besonderer Vorteil gegenüber Hoogma ist aber seine spieltechnische Anlage. Er kann das Spiel auch von ganz hinten ankurbeln und verzückt mich immer wieder durch Übersicht und tolle Pässe.
Auch auf dieser Position ist nun also ein spannendes „Duell“ entbrannt.

Ferner freut es mich, daß offenbar alle (außer vielleicht ihm selbst) es stillschweigen hingenommen habe, daß Hollerbach weit weg ist von der ersten Garnitur. Dimi verhält sich zwar manchmal noch recht ungeschickt, aber er ist ein toller Kämpfer und meiner Meinung nach fußballerisch viel mehr drauf als Holler.

Und dann noch ein Wort zu Hashemian: Ich glaube an den Jungen. Er war heute zwar etwas „hibbelig“ und wirkte bei seinen Aktionen sehr oft überhastet – trotzdem kann ich Leute, wie die, die einige Reihen hinter mir saßen, nicht verstehen. Die motzten schon in der ersten Halbzeit rum, daß man den vom Feld nehmen müsse. Wann soll man denn mal junge Leute auf´s Feld lassen, wenn nicht bei einem Spiel, bei dem unserer „Standardwaffe“ Yeboah verletzt ist ? Ich finde, daß sich der Hubschrauber in seinen ersten 90 Minuten schon ganz gut gemacht hat. Er muß halt noch abgeklärter werden. Aber das geht ja auch nur, wenn er hier und da mal zum Einsatz kommt.

Unser Stadion wird bzw. ist übrigens gigantisch. Wenn dann noch mal das Dach drüber ist und der Innenausbau komplett fertig, dürfen wir wirklich dankbar sein, Fußball in einer so geilen Arena erleben zu dürfen. Da ist echt ein Traum. Trotzdem bin ich von der Zuschaueranzahl eher enttäuscht. Knapp 35.000 Zuschauer hätte ich normalerweise für dieses Spiel sehr gut gefunden. Aber durch die überragenden Leistungen im UIC und in München hätte ich schon eine Zahl jenseits der 40.000 erwartet. Nun wird die Hütte „erst“ am kommenden Dienstag beim UIC-Final-Rückspiel gegen Montpellier ausverkauft sein. Ich hoffe, daß das dann noch öfter passiert.
 

Meine Einzelbewertungen:

Butt: Fand ich heute echt super. Nicht nur wegen seiner Tore. Er hat wirklich alle Bälle super gehalten und er hat wieder einmal gezeigt, daß er auch geil mit dem Ball umgehen kann. Als er einen Gegenspieler im 16er in „Uli-Stein-Manier“ ausspielte, wurde es mir schon etwas anders. Wenn die Stuttgarter besser gewesen wären, hätte er sich öfter auszeichnen können. So hebe ich mir die 1 noch für spätere Spiele auf: Note 2+

Hertzsch: Souverän. Note 2

Panadic: gefiel mir heute wieder hervorragend. Gegner total im Griff und auch nach vorne agiert er mal. Note 1

Gravesen: So stelle ich mir den modernen Libero vor. Super in der Abwehr, klasse im Aufbauspiel. Eine überzeugende Vorstellung. Note 1

Kovac: In der Abwehrarbeit gefiel er mir viel besser als bei seinen Angriffsbemühungen. Zu viele Fehlpässe. Note 3-

Grammozis: Heute wirkte er oft unkonzentriert. Vom spielerischen her würde ich ihm heute eine 5 verpassen, aber der Junge kämpft und ackert immer und hat sich auch heute wieder richtig viele Bälle erkämpft. Für den Kampf eine 1 und insgesamt eine 3.

Groth: War heute etwas unauffällig, hat aber bei seinen Pässen immer Übersicht bewiesen. Note 3+

Cardoso: Einfach ein überragender Spielmacher heute. Hoffentlich kann er diese Leistung konservieren. Dann bekommt er von mir noch oft: Note 1.

Präger: Tolle kämperische Leistung. So wird man Publikumsliebling. Note 2

Mahdavikia: Der junge läuft einfach allen weg und ist dadurch so brandgefährlich. Allerdings sollte er nicht zu oft auf den linken Flügel rochieren, da er mit links scheinbar nicht flanken kann/will. Insgesamt aber ein großer Gefahrenherd. Note 2

Hashemian: sehr bemüht, aber oft vielleicht etwas übermotiviert. Trotzdem sag´ ich Euch: Das wird einer !!! Note 3

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sat1 ran online schreibt folgenden Bericht:
3:0 - HSV fertigt Stuttgart ab 
Der HSV schwimmt auf einer Erfolgswelle. Nach dem starken Liga-Auftakt beim Meister (2:2), jetzt die gelungene Heimpremiere. Das 3:0 gegen den VfB Stuttgart – eine beeindruckende Vorstellung. Die Tore: Rodolfo Cardoso (5.) und Jörg Butt zweimal per Elfmeter (55., 79.). Hamburg ohne Anthony Yeboah - der Ghanae musste wegen einer Muskelverhärtung passen. Für den Torjäger rückte Vahid Hashemian ins Sturrm-Zentrum. Das tat den Offensiv-Bemühungen des HSV allerdings keinen Abbruch. Die Hanseaten gingen aggressiv zu Werke, schnürten den VfB ein. Der Lohn - das tolle 1:0 durch Cardoso (5.): Kapitän Martin Groth flankte von rechts in den Strafraum, Mehdi Mahdavikia verlängerte per Kopf und Cardoso zog aus fünf Metern direkt ab. 
Der VfB Stuttgart kam erst nach einer Viertelstunde besser zum Zuge. Doch spielerische Akzente alleine reichten nicht. Am Strafraum der Hamburger war stets Endstation. Wie ein Bollwerk stand die HSV-Verteidigung, ließ nicht eine Chance der Schwaben zu. 
Anders die Rot-Hosen: Zweimal war Roy Präger zur Stelle (42., 44.). Der erste Versuch ging daneben. Beim zweiten Mal traf der Stürmer – Abseits! 
Nach der Pause – unverändertes Bild. Die Pagelsdorf-Elf einfach bissiger und zweikampfstärker als der VfB. Hamburg agierte überaus abgeklärt, schaltete immer wieder schnell von Abwehr auf Sturm um. So auch in Minute 55: Präger konnte von Kristijan Lisztes nur per Foul gehalten werden – Elfmeter. HSV-Keeper Butt schoss unten links ein – 2:0. Die 79. Minute: Nico Kovac setzte sich durch, wurde von Marcelo Jose Bordon geblockt – erneut Strafstoß. Butt wieder zur Stelle, diesmal in die Mitte – 3:0. Das Spiel war entschieden. Der HSV schaltete jetzt einen Gang zurück. Selbst das reichte gegen die harmlosen Stuttgarter. Das neue Volksparkstadion, Sonnenschein und das 3:0 – Hamburg jubelt, der HSV ist wieder in. 

Fakten: 
Stuttgart ohne Treffer 
Mit nur fünf Torschüssen ohne Ausbeute enttäuschte der VfB erneut offensiv und bleibt in der noch jungen Saison weiter ohne Torerfolg. Bereits im letzten Jahr erzielten die Schwaben 14 Mal keinen Treffer. 

Zwei Elfmeter für den HSV 
Nach 14 Elfmetern für den HSV in der abgelaufenen Saison (ewiger Rekord) wurden den Hamburgern im zweiten Saisonspiel 99/00 erneut zwei Strafstöße zugesprochen. In der letzten Saison hat der HSV-Torhüter Hans-Jörg Butt als erster Torwart in der Buli Geschichte gegen die Stuttgarter einen Doppelpack erzielt, nun wiederholte er dieses Kunststück erneut gegen die Schwaben. 

Junger HSV 
Seit dem 09.05.98 gegen Kaiserslautern spielte der HSV nicht mehr mit einer so jungen ersten Elf. Die Hamburger waren im Schnitt keine 26 Jahre alt. 

Hamburger Heimsieg-Serie 
Der 3:0-Erfolg gegen Stuttgart war der vierte Sieg in Folge im neuen Volkspark - der langsam zur uneinnehmbaren Festung wird. 

Schlaglichter: 
Bissiger Gravesen 
Auf der Libero-Position des HSV fühlt sich Thomas Gravesen, der am 1. Spieltag für den gesperrten Nico Jan Hoogma in die Mannschaft rückte, immer wohler. Mit 70 Prozent gewonnener Duelle Mann gegen Mann war der Däne zweikampfstärkster Hamburger. 

Stumpfe Schwabenpfeile 
Die Schwaben präsentierten sich an der Waterkant in der Offensive wieder nur als laues Lüftchen. Erst in der 23. Spielminute wehte der erste von insgesamt nur fünf ungefährlichen Torschüssen in Richtung Hamburger Gehäuse. HSV-Torhüter Hans-Jörg Butt war in der Offensive (zwei Elfer-Tore) mehr gefordert als im eigenen Strafraum - der 25-Jährige mußte keinen einzigen VfB-Torschuss entschärfen. 

Iranischer Wirbelwind 
Mehdi Mahdavikia, der iranische Neuzugang vom VfL Bochum, sprudelte gegen die Schwaben vor Spielwitz und war an über der Hälfte aller HSV-Torschüsse beteiligt. Der 22-Jährige bereitete nicht nur die 1:0-Führung durch Rodolfo Cardoso vor, sondern konnte zu fünf weiteren Torschüssen die Vorarbeit leisten. Nur Nico Kovac (viermal) schoss beim UI-Cup-Finalisten häufiger aufs VfB-Tor als die persische "Rakete" (dreimal). 

Berthold - bestes Kettenglied 
In der Vierer-Abwehrkette der Stuttgarter war Thomas Berthold einziger Spieler mit Normalform. Der erstmals in dieser Saison eingesetzte 34-jährige Defensiv-Routinier war mit 77 Prozent gewonnener Duelle der zweikampfstärkste Spieler auf dem Platz. 

Stimmen zum Spiel: 
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV) 
"Der Sieg war auch in der Höhe verdient. Es war wichtig, dass wir nach dem guten Spiel in München anschließend auch zu Hause eine gute Leistung zeigen. Ich bin sehr zufrieden, es ist uns gelungen, gut aus den Startlöchern zu kommen." 

Ralf Rangnick (Trainer VfB Stuttgart) 
"Der Sieg des HSV ist klar verdient. Es war ein extrem schwaches Spiel von uns. Meine Mannschaft hat in allen Bereichen zu wenig gezeigt. Nach dem frühen Rückstand konnte der HSV in Konterhaltung spielen, das hat ihnen zusätzlich in die Karten gespielt." 


 
DSF schreibt folgenden Spielbericht:
Rauschendes Fußball-Fest bei Stadion-Premiere 

 Hamburg, 21.08.99. Der Hamburger SV und 34.487 Fans feierten eine rauschende Premiere im neuen Volksparkstadion. Die Gastgeber ließen beim 3:0 (1:0)-Erfolg dem biederen Gast VfB Stuttgart keine Chance und lieferten gleichzeitig eine gelungene Generalprobe für das Rückspiel im UI-Cup-Finale gegen den SC Montepellier am Dienstag ab.
Rodolfo Cardoso (5./ im Bild links mit Nico Kovac) und zweimal Torwart Hans-Jörg Butt jeweils mit einem Foulelfmeter (55./79.) erzielten die Treffer für die Hanseaten.

Der Erfolg für den HSV hätte noch höher ausfallen können. Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) verweigerte dem ehemaligen Wolfsburger Roy Präger in der 43. Minute wegen vermeintlicher Abseitsstellung jedoch ein reguläres Tor.

Zweimal klärte Krisztian Lisztes für die Gäste auf der Linie: In der 19. Minute entschärfte er einen Kopfball von Vahid Hashemian, der für den am Oberschenkel verletzten Anthony Yeboah spielte. Unmittelbar vor der Halbzeit klärte Lisztes auch gegen Niko Kovac.

Die Stuttgarter boten vor allem in der Offensive eine schwache Leistung. Spielmacher Krassimir Balakow war bei Kovac vollkommen abgemeldet. Auf der anderen Seite zog Cardoso beim HSV gekonnt die Fäden.

Die Elf von Trainer Ralf Rangnick konnte sich nicht eine klare Torchance herausspielen. Die größte Gelegenheit hatte der VfB durch einen Querschläger des HSV-Verteidigers Andrej Panadic in der 54. Minute, den Butt im letzten Moment erreichte.

Beste Spieler beim HSV, der zuletzt am 13. März gegen Bayern München ein Heimspiel verlor, waren Cardoso und Präger. Der ehemalige Wolfsburger holte den Elfmeter zum 2:0 heraus, als er von Sreto Ristic gefoult wurde. 

In der 60. Minute vergab der Blondschopf allerdings aus fünf Metern das sichere 3:0. Beim VfB konnte lediglich Marcelo Bordon gefallen, der gegen Prägers Schuss auf der Linie rettete. 

Das Spiel in Zahlen

Hamburger SV - VfB Stuttgart 3:0 (1:0)

Hamburg: Butt - Hertzsch, Gravesen, Panadic - Groth, Kovac, Grammozis - Cardoso (87. Ernst) - Mahdavikia, Hashemian, Präger 

Stuttgart: Wohlfahrt - Thiam, Bordon, Berthold, Keller - Lisztes (63. Djordjevic), Todt, Balakow, Carnell - Kuka (70. Pereira), Ganea (46. Ristic) 

Schiedsrichter: Jansen (Essen) 

Tore: 1:0 Cardoso (5.), 2:0 Butt (55., Foulelfmeter), 3:0 Butt (79., Foulelfmeter) 

Zuschauer: 34.487 

Gelbe Karten: Kovac, Präger - Kuka, Ristic


 
 
FUXI mailte mir folgenden Spielbericht:
Der HSV hat heute eine beeindruckende Leistung geboten. Die Stuttgarter waren schwach, aber gerade der HSV tat sich in der Vergangenheit gegen Mannschaften schwer, die das Spiel nicht selbst zu machen versuchten. Sicher
half da auch das frühe 1:0 durch Cardoso. Wäre Cardoso kein Mensch, sondern eine Maschine, er wäre schon längst abgeschrieben worden. Seine Auferstehung gleicht einem Wunder, hat aber sicher mit dem geringerem Druck zu tun, der auf ihm lastet. Vor 2 Jahren sollte er der Denker und Lenker sein, und die Ansprüche waren hoch. Er hatte jetzt eigentlich keine Chance, aber er nutzte sie. Seine Klasseleistungen der letzten Wochen wurden heute gekrönt. Vor
allem hat er den Spaß am Fußball wiedergefunden, den es in einer funtionierenden Mannschaft gibt, und das ist auch das Geheimnis des HSV: das Team hat Typen und Arbeiter, aber vor allem Harmonie. Diese Harmonie reichte heute allerdings nicht zu mehr als einem Tor, weil Stuttgart zu schwach war, um abgeschossen zu werden. Es klingt paradox, aber im Abschluß wurde geschludert, weil das Toreschießen eigentlich zu einfach war. Zum Glück haben wir ja Hans-Jörg Butt - und Stuttgart zwei dämliche Verteidiger. Sowohl der erste Elfmeter nach Foul an Präger, der am Trikot gezupft wurde, als auch der zweite Elfmeter, als ein Stuttgarter Kovac sperrte, ohne selbst den Ball zu spielen - klares Foul also. Ein weiteres Problem wurde mit Präger und Mahdavikia endlich abgestellt: der HSV entdeckt das Kontern wieder. Beide Stürmer sind schnell und dribbelstark. Dazu kommt eine starke Defensive. Frank Pagelsdorf hat Wort gehalten. Innerhalb von drei Jahren hat er eine Mannschaft geformt, die international spielen kann. Mit dem neuen Stadion und den vielen "neuen" Fans findet der HSV auch wieder in der Liga Beachtung, wie auch schon Uli Hoeneß erkennen mußte. Spielt der HSV auf diese Art weiter, kann selbst die Hoffnung von Holger Hieronymus auf Platz 4 wahr werden...

 
 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Ich muß erstmal sagen, daß mir das HSV-Spiel sehr, sehr gut gefallen hat.  Es war eine Leistung, wie ich sie mir immer gewünscht habe.  Eine geschlossene, konzentrierte Mannschaftsleistung. 

Ich war am Anfang schon recht nervös.  Denn wenn das Spiel verloren gegangen wäre, wäre ja die ganze Euphorie um den HSV schlagartig verloren gegangen.  Ich stand im brandneuen Volksparkstadion in Block 25A, wo eine derart gute Stimung herrschte, daß es wirklich keine Spielminute so richtig ruhig war.  Einen derartig guten Support habe ich wirklich selten bis nie erlebt.  Das Stadion glich wirklich einem Hexenkessel.

Das lag natürlich auch am HSV-Spiel.  Der HSV began stark und gleich die erste Chance wurde von Cardoso zum 1:0 verwertet.  Dabei hatte Vahid Hashemian eine Flanke in den Strafraum geschlagen, die von Mehdi Mahdavikia per Kopf zu dem freistehenden Spielmacher verlängert wurde, der dann wenig Mühe hatte den Ball in der Kiste zu versenken. 

So richtig lange Jubeln konnte ich allerdings nicht, da quasi gleich nach dem Torjubel die Schweigeminute für die Erdbeben-Opfer in der Türkei eingelegt wurde.  Etwas eigenartig war das schon.  Es wurde anscheinend vor dem Anpfiff versäumt, die Schweigeminute einzulegen, so daß sie jetzt "nachgeholt" werden mußte.

Naja, danach ging es glücklicherweise mit Fußball weiter.  Nach ca. 15 Minuten begannen die Schwaben etwas mehr die Kontrolle zu übernehmen.  Es kam allerdings glücklicherweise keine wirklich gefährliche Chance zustande, so daß mir größeres Zittern erspart wurde.

Der HSV beschränkte sich in der Phase mehr aufs Kontern, bevor ca. 10 Minuten vor Halbzeitpfiff wieder die Kontrolle übernommen wurde.  Dabei stand Roy Präger im Mittelpunkt.  Das erstemal konnte er den Ball noch 
nicht im Tor versenken, beim 2. Mal schon.  Allerdings hatte der Linienrichter etwas dagegen und es wurde auf Abseits entschieden.  Im Stadion konnte ich nichts dazu sagen, da ich ja hinter dem anderen Tor stand.  Die Fernsehbilder 
hinterher zeigten aber ganz klar, daß Präger nicht im Abseits stand.

So ging es dann erstmal in die Halbzeit, die ich nutzte um das Stadion "anzustarren".  Es ist wirklich ein kleines Wunder, was da seit dem Sommer 98 vollbracht wurde.  Und so langsam scheint das Volksparkstadion zu einer Festung zu werden.

Ganz zu Anfang von Hälfte 2 kam der VFB zu mehr Spielanteilen, die sich aber schon bald wieder umkehrten.  Durch einen schnellen Konter kam es zu der wohl mit spielentscheidenden Situation.  Roy Präger wurde "gelegt".  Im Stadion sah das wie ein klarer Elfmeter für mich aus.  Mein Vater sagte mir aber später, daß die Fernsehbilder gezeigt hätten, daß Präger vor dem Strafraum gefoult wurde und es so Freistoß hätte geben müssen.

Nun ja, nach dem Foul kam Elfmetergott Butt mal wieder aus dem Tor gestürmt und verwandelte gegen Wohlfahrt sicher in die rechte Ecke.  Das war dann quasi die Entscheidung, da sich der VFB nun aufgab, auch der HSV schaltete ein wenig zurück, es sah aber dennoch sehr souverän aus. 

Teilweise wurden beste Tormöglichkeiten ausgelassen, die beste von Mahdavikia und Präger gemeinsam.  Bevor Butt zum 2. Elfmeter antrat hätte es auch schon leicht höher stehen können. 

Dem 2. Elfmeter ging eine Aktion gegen Kovac vorraus.  Ich denke, daß es weder eine Schwalbe noch ein Elfmeter war.  Denn als Kovac in den Strafraum stürmen wollte, wurde ihm schon ein Ellenbogen vorgehalten, gegen den er lief, so daß er ins Straucheln kam.  Ein absichtliches Foulspiel war das allerdings auch nicht, so daß der Elfmeter wohl unberechtigt war.Ich muß allerdings dazu sagen, daß ich bis jetzt lediglich das ASS zu dem Spiel gesehen habe, und dort wurde diese Aktion nicht geklärt.  Meine Meinung dazu basiert also auf meinem Eindruck im Stadion.

Die restlichen 10 Minuten glichen dann entgültig einer großen Party.  Der Sieg wurde lauthals gefeiert und die Atmosphäre war wie in den vorrangegangenen Minuten einfach unglaublich.

Ich möchte eigentlich keinen Spieler besonders hervorheben, da mir eigentlich jeder gefallen hat.  Ganz besonders aber Gravesen, Butt, Cardoso, Präger und Grammozis.  Und das ist ja schon die Hälfte der Mannschaft...

Nun ja, wie gesagt, das Spiel hat mich wirklich begeistert und mich wirklich hoffnungsfroh auf die bevorstehenden Aufgaben gemacht.  Denn nicht nur das Ergebnis stimmmte, sondern auch das "wie".  Schnelle Spielzüge, gute 
Spielanlagen, toller Einsatz.  In der Form ist der HSV wirklich die Mannschaft auf die ganz Hamburg jahrelang gewartet hat!!!