Bundesliga, 4. Spieltag, Samstag, 11.09.99, Hamburger SV - Hertha BSC 5:1 (3:0)
bei wunderbarem Sonnenschein und 25 - 30 Grad.

Nun ja, ein wirklich denkwürdiges Spiel liegt hinter mir / uns.

Für mich fing es ja schon bei der Anreise denkwürdig an. Noch nie in meinem Leben wollte ich so früh zu einem HSV-Heimspiel losfahren. Bereits um 12:00 Uhr wollte ich mich aus Bad Schwartau auf den Weg machen, damit ich um ca. 13:30 zu einem Supporters-Fan-Treffen im Stadion sein würde. Dann mußte ich noch unbedingt Zettel kopieren für den SC, wodurch sich meine effektive Abfahrtzeit auf kurz vor 13:00 Uhr verzögerte. Dann habe ich mir gedacht, daß ich einfach schneller auf der Autobahn fahre und dann ja immernoch um 14:00 Uhr da sein könnte. Dies war aber ein Fehler. Nicht, daß ich einen Unfall oder sowas hatte wegen meiner Geschwindigkeit. Nein, ich nur einfach so schnell gewesen, daß ich zwischen  2 Verkehrsfunkmeldungen auf der Autobahn fuhr. Direkt als ich an Stapelfeld vorbei war, stand ich im Stau, um mir dann 1 Minute später im Radio anhören zu müssen, daß dieser Stau 20 km lang ist. Naja, ich mußte ja nur eine Abfahrt weiter. Aber für diese paar km habe ich dann ca. 1,5 Stunden gebraucht. Ich habe es dann letztendlich gerade noch zum Anpfiff bis zum meinem Platz geschafft.

Meine Verärgerung darüber sollte dann aber durch das Spiel einer großen Zufriedenheit weichen.

Der HSV legte los wie die Feuerwehr und kam bereits nach nicht mal 2 Minuten zum Führungstreffer durch Hollerbach. Und das kam so: Eine Flanke von rechts wurde zunächst per Kopf verlängert. Präger hielt drauf, doch sein Schuß wurde abgeblockt. Diesen Ball nahm Holler direkt aus ca. 18 m und „zwiebelte“ ihn an die Unterlatte. Aus meiner Sicht im Stadion kam der Ball hinter der Linie auf und es wäre da schon ein Tor gewesen. Allerdings sah ich keine Zeichen vom Schiri. Der Ball sprang dann wieder raus und Yeboah köpfte aus 3 m Kiraly an. Der Ball flog ein Stück nach rechts, von wo ihn Mahdavikia dann schließlich versenkte, obwohl Kiraly wieder dran war. Erst dann sah ich das Zeichen des Schiris. Im Nachhinein hat der Schiri aber im TV gesagt, daß der Ball bereits beim ersten Schuß hinter Linie war (womit er auch Recht hat !) und Holler daher der Torschütze sei. Im Stadion wurde jedenfalls Mahdavikia gefeiert. Scheiß drauf !!! Jedenfalls ein Super-Beginn.

Und der HSV legte weiterhin einen Brandherd nach dem anderen in der gegnerischen Hälfte. Bereits wenige Minuten später folgte das nächste Tor, doch diesmal wurde es nicht gegeben. Präger hatte sich im Strafraum toll gegen drei Herthaner durchgesetzt und schoß dann aufs Tor. Kiraly berührte den Ball und dieser eierte in Richtung Tor. Yeboah versenkte die Kugel dann schließlich aus ca. 1 m. Das hätte er aber lieber nicht tun sollen, denn er stand beim Torschuß von Präger im Abseits. Hätte er den Ball einfach laufen lassen, wäre es wohl als passiv und damit Tor ausgelegt worden. Allerdings wäre der Ball wohl auch nur ganz knapp reingegangen und da kann man es den Tony wohl nicht verdenken, daß er ihn „sicher“ machen wollte.

Präger sollte in der ersten Halbzeit der auffälligste Mann des Spieles bleiben. Zunächst hatte er nach einem Steilpaß eine hundertprozentige Torchance, doch leider legte er sich den Ball zu weit vor, sodaß Kiraly sich dem Schuß in den Weg werfen konnte. Präger lief allein auf den Keeper zu und hätte das Ding eigentlich machen müssen.

Doch Präger sollte dann doch der Schütze des 2. Hamburger Tores an diesem wunderschönen, sonnigen Nachmittag werden. Rudolfo Cardoso wurde im halblinken Mittelfeld in Strafraumnähe eigentlich recht unglücklich (weil sehr hoch) angespielt. Er nahm diesen Ball direkt mit Kopf oder Brust an und spielte ihn dann aus der Bedrängnis heraus herrlich in den 16er. Präger hatte sich perfekt von seinem Gegner gelöst, nahm den Ball super an und versenkte das Leder mit dem linken Fuß zwischen Kiraly´s „Hosenträgern“. Es ist mir immer wieder ein Rästel, wie es die Profifußballer schaffen, wenn sie völlig allein vorm TW stehen, diesen dann zu tunneln obwohl rechts und links zig mal mehr Platz ist....

Schließlich sollte Präger auch noch der umjubelte Torschütze der dritten Hamburger „Bude“ in Halbzeit eins werden. Cardoso schlug einen Super-Paß (davon hatte er heute viele !!!) in den tiefen Raum. Präger lief seinem Gegenspieler weg und stürmte in den Strafraum. Fast hätte der Berliner Verteiger Präger noch umgerissen, doch Roy ließ sich löblicherweise nicht fallen. Er zog es vor, den Ball im letzten Moment vor Kiraly zumzuspitzeln. Der Ball trudelte dann langsam und unerreichbar in´s lange Eck.

Wunderbar, eine 3:0 – Führung zur Halbzeit. Da wird der oft seelisch gequälte HSV-Fan ruhiger. Allerdings hatte ich in der Halbzeit schon noch die Befürchtung, daß ein Gegentor die Berliner nochmal ins Spiel zurück bringen könnte. Andererseits hatte die Hertha in der ersten HZ aber kaum eine gefährliche Szene.

Trotzdem wurden meine Ängste kurz nach Wiederanpfiff weiter geschürt. Schiri Dardenne sprach der Hertha nämlich einen Elfer zu. Ich war völlig fassungslos. Ich hatte zwar gesehen, daß Preetz wie von der Tarantel gestochen gefallen war, aber da war für mich nirgends ein Foul zu erkennen. ( Im Nachhinein war im TV dann aber doch ein Ellenbogenschlag von Kovac in Preetz´ Gesicht zu erkennen). Ich  und auch alle HSV-Fans sowie Spieler waren völlig außer sich. 

Preetz trat selbst zum Elfer an und unser „Butt-Nationale“ konnte den Elfer parieren. Darüber war ich dann doch sehr glücklich, weil ich ja schon öfter „die Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen hatte“. Dann besann sich die Hertha aber wieder auf Ihr Spiel der ersten Halbzeit. So heißen: Sie waren wieder total ungefährlich. Der HSV konnte immer wieder durch gekonntes, schnelles Überbrücken des Mittelfeldes gefallen. Daraus ergaben sich auch immer wieder Chancen.

2 dieser Chancen konnten wir noch zu Toren ummünzen. Unser 4:0 erzielte abermals Roy Präger. Mehdi Mahdavikia wurde rechts in den freien Raum geschickt. Im Stadion sah das ganz klar nach Abseits aus. Nach den TV-Bildern war es superknapp (ich meine, es könnte Abseits gewesen sein. Mein Freund Kuno z.B. sieht es ganz anders). Wie auch immer ! Mehdi lief dann völlig frei von rechts in den Strafraum und in der Mitte war auch Präger noch mitgelaufen. Mehdi legte den Ball auf Roy ab und der konnte mühelos ins leere Tor einschieben.

Nun war es endlich auch mir klar, daß der HSV dieses Spiel gewonnen hatte.

Hertha konnte durch ein Solo von Dardai das 1:4 erzielen. Dabei ließ er 3 – 4 Hamburger stehen und konnte durch den Strafraum marschieren. Schließlich tunnelte er noch Butt aus ganz engem Winkel. Da sah Butt nicht so gut aus, aber es war ja auch egal.

Zwischenzeitlich hatte Yeboah schon die hundertprozentige Chance zum Tor. Holler hatte sich links durchgetankt und dann in die Mitte gespielt. Ein Herthaner verpaßte den Ball und Yeboah stand somit mittig in ca. 14 m Torentfernung völlig frei vorm Tor. Kiraly stürmte heraus und Tony hob den Ball geschickt über den TW. Allerdings hob er ihn nicht nur am TW vorbei sondern auch am Tor vorbei. Das Ding hätte sitzen müssen. Ich hätte es Tony auch besonders gegönnt, da besonders für ihn ein Torerfolg wichtig wäre. Tony hatte wirklich ein ganz schlechtes Spiel. Er hat diesmal meiner Meinung nach gar nicht ins Spiel reingefunden und war auch nur selten und dann recht uneffektiv am Ball. Trotzdem habe ich mich nach dieser Szene wieder über die beiden „Schwätzer“ hinter mir aufgeregt. Die fingen sofort an „Dem müßte man das Gehalt kürzen“ und „Er soll doch voll abziehen“ und so´n blabla. Sowas kann mich ja richtig auf die Palme bringen. Tony hat zwar momentan keine gute Phase, aber er hat bisher überragende Leistungen in seiner HSV-Zeit geliefert. Und es ging ja in dieser Szene auch nicht um ein wichtiges Tor im Kampf gegen den Abstieg sondern „nur“ um den Ausbau der Führung.

Schließlich machte noch Kovac eine Super-Tor und krönte damit seine Leistung. Obwohl ich am Anfang der Saison ja nicht sehr überzeugt von ihm war und auch nicht wußte, wo er überhaupt spielen solle, hat er sich inzwischen doch mehr und mehr in mein Herz gespielt. Er ist wirklich sehr zweikampfstark und ballsicher. Außerdem kann er auch sehr gut den Ball verteilen und ist für einen defensiven Mittelfeldspieler äußerst torgefährlich.

Mahavikia schickte bei der Vorbereitung des fünften und letzten HSV-Treffers dieses Spiels Groth steil auf die Grundlinie. Groth täuschte eine Flanke an, zog es dann aber doch vor, den Herthaner in leere laufen zu lassen und lief somit frei von rechts in den 16er. Er sah dann Kovac und spielte den Ball klug auf Niko zurück. Kovac stand in ca. 15 m Torentfernung leicht rechts von der Mitte zum Tor. Obwohl 3 – 4 Herthaner umherstanden, griff ihn keine richtig an. Kova stoppte den Ball cool mit der Sohle und legte ihn dabei gleich ein paar Zentimeter vor. Dann schoß er, da er ja nicht richtig attackiert wurde, den Ball wunderbar in den linken Torwinkel. Das war für mich wirklich das Sahnehäubchen des Spiels. So ganz nach dem Motto „Wenn mich halt keiner angreifen will, verwandele ich das Ding unhaltbar“.

Ein Klasse-Tor, ein Klasse-Spiel des HSV und eine Klasse-Stimmung im Stadion.

Einzig die magere Zuschauerzahl von knapp 40761 Zuschauern enttäuscht mich. Es war ein Bombenwetter und wir waren (und sind auch weiterhin) schließlich Tabellenführer. Wenn bei so einem Spiel nicht 50.000 Zuschauer kommen, wann dann ????

Insgesamt bin ich natürlich überglücklich mit der bisher gezeigten Saisonleistung. Ich bin mir nur noch nicht so ganz sicher, ob wir so stark sind oder ob wir nur (zumindest bei den Heimspielen gegen Stuttgart und Berlin) das Glück hatten, daß der Gegner so schlecht ist. Ich kann diese Frage auch nicht beantworten. Jedenfalls hatte bei beiden Heimspielen der Gegner nicht den Hauch einer Chance. Vielleicht ist der HSV tatsächlich schon so stark, daß er einen Gegner an die Wand spielen kann. Allerdings fand ich Hertha heute wirklich miserabel. Daher fallen meine Noten für den HSV auch nicht zu überschwenglich aus. 

Wir bleiben Tabellenführer. Wenn wir jetzt in Lautern beim nächsten Spiel nicht verlieren, könnte ich tatsächlich auch langsam euphorisch werden. Denn ich hatte mir vor der Saison bei diesem schweren Auftaktprogramm durchaus einen Abstiegsplatz als realistisch ausgemalt für diese Zeit.

Aber so kann ich nun auch ganz gut damit leben ... ;-)

Hauptsache die Medien halten sich ein wenig im Zaum, was ja nicht zu erwarten ist. Aber zumindest bei uns Fans darf die Erwartungshaltung nun nicht in Unermeßliche steigen. Bemerkenswert war heute auch für mich, daß sogar Marcel Reif, den ich gar nicht mag und auch Jörg Wontorra den HSV überschwenglich loben. Wontorra spricht sogar (s.u.) vom HSV als Meisterschaftskandidaten !!! Schöne Neue Welt !!!

Die Spieler, so wie ich sie sah:

Butt: bekam fast nichts zu tun. Hielt aber einen Helfer. Toll. Schon der zweite in der Buli hintereinander. Das Gegentor durch die Hosenträger hätte aber nicht sein müssen. Und dann noch aus diesem Winkel. Trotzdem Note 2

Hoogma: souverän und unauffällig. Note 3

Hertzsch: s. Hoogma. Note 3

Fischer: Auch wenn ich damit wahrscheinlich anderer Meinung bin als viele HSV-Fans und z.B. auch Sat1 (s.u.).: Für mich hat Fischi – Sexmachine heute einen sehr guten Ersatz für den verletzten Pana geboten. Er war sehr zweikampfstark. Deshalb von mir, vielleicht auch aus Trotz: Note 2

Groth: war heute auch eher unauffällig. Note 3

Kovac: war heute für mich der beste Mann auf dem Feld zusammen mit Cardoso und Präger. Er gefiel mir aber noch einen Tick besser als die anderen. Daher Note 1

Hollerbach: war „leider“ recht gut, sodaß ich meinen „Freund“ wohl beim nächsten Spiel wieder „ertragen“ muß. Ich kann mich einfach mit seiner Art des Fußball“spielens“ nicht anfreunden. Note 3

Cardoso: hat tolle, lange, tiefe Pässe geschlagen, wie man es sich von einem echten Spielmacher vorstellt. Außerdem beackert er das Grün und den Gegner inzwischen wirklich unglaublich. Note 2

Mahdavkia: Tolle Leistung. Note 2

Präger: bekommt von mir trotz seiner 3 Tore nicht die Note 1. Ich beurteile nämlich Leute nicht ausschließlich nach Ihren Toren. Bei Präger hat mich z.B. gestört, daß er Hunterprozentige vergibt und seine Anspiele sind auch noch oft zu ungenau. Note 2

Yeboah: leider, leider war mein Liebling heute für mich eindeutig der schlechteste Mann auf dem Feld. Er hatte heute gar keine Bindung zum Spiel und konnte auch seine einzige Chance trotz bester Erfolgsaussicht nicht verwerten. Eigentlich würde ich ihm heute ausnahmweise eine 5 geben. Da die Mannschaft aber insgesamt toll gespielt hat, relativiere ich seine Note auf eine 4. Er macht mir momentan aber etwas Sorgen. Er braucht jetzt dringend ein Erfolgserlebnis !!!

Dimi und Hashemian sind kaum zu bewerten. Dembinski hat es immerhin geschafft, in einer Vietelstunden überhaupt nicht aufzufallen.....

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
DSF schreibt folgenden Bericht:
HSV Gala gegen tapsige Berliner Bären: 
Ein entfesselt aufspielender Hamburger SV unterstreicht seine momentane Spitzenstellung in der Fußball-Bundesliga eindruckvoll und überrollt die Hertha aus Berlin. 
Mit einem 5:1 (3:0) im Schlagerspiel setzten die Hanseaten am Samstag ihren Höhenflug fort und rissen die 40.761 Zuschauer im Volksparkstadion zu Begeisterungsstürmen hin. 
Aus der starken Gastgebermannschaft ragte ein Spieler besonders heraus: Roy Präger (im Bild) erledigte die Berliner mit drei Treffern in der 24., 41. und 67. Minute fast allein. 
Mit seinem ersten Punktspieltor für den HSV hatte Mehdi Mahdavikia den Torreigen bereits nach 90 Sekunden eröffnet. Nico Kovac (90.) setzte den Schlusspunkt. Sechs Minuten zuvor hatte der HSV Pal Dardei den Ehrentreffer gestattet. 
Vier Tage vor der Champions-League-Premiere bei Galatasaray Istanbul misslang den ersatzgeschwächten Berlinern mit einer desolaten Vorstellung die Generalprobe gründlich. HSV-Torwart Hans-Jörg Butt fischte sogar einen zweifelhaften Foulelfmeter von Michael Preetz (54.) aus dem Eck. 
Bundesliga-Rückkehrer Thomas Helmer, den Hertha beim FC Sunderland ausgeliehen hat, erlebte bei seinem Einstand gleich einen rabenschwarzen Tag. „Es fehlte die Abstimmung. Wir spielen viel zu pomadig", sagte Torjäger Preetz, der drei Wochen nach seinem Unterarmbruch zwar wieder mitwirken konnte, aber auf verlorenem Posten stand. „So macht Fußball einfach Spaß", freute sich dagegen HSV-Sportchef Holger Hieronymus über das Fest bei hochsommerlichen Temperaturen. 
Den Hamburgern gelang die Revanche für die 0:4- und 1:6-Schlappen gegen die Hauptstädter in der vergangenen Saison in einem Spielrausch. Während der HSV nur eines der letzten 16 Punktspiele verlor, riss für Berlin eine Serie von zuvor elf Spielen ohne Niederlage. 
Bereits nach fünf Minuten hätte die Partie entschieden sein können. In der zweiten Minute geriet die Gästeabwehr erstmals ins Schwimmen. Hollerbach traf mit einem wuchtigen Schuss die Lattenunterkante, von dort prallte der Ball bereits hinter die Linie. 
Doch nachdem Yeboah im Nachsetzen noch an Hertha-Torwart Kiraly gescheitert war, zählte erst Mahdavikias Nachschuss als Tor. In der vierten Minute fand ein Treffer von Yeboah wegen Abseits keine Anerkennung. In der fünfte Minute verpasste Präger frei vor Kiraly die nächste große Möglichkeit. 
Der frühere Wolfsburger spielte mit der umformierten Abwehr der Berliner weiter Katz und Maus. Nach glänzendem Zuspiel von Rodolfo Esteban Cardoso setzte er sich in der 24. und 41. Minute zweimal resolut gegen seinen überforderten Bewacher Sixten Veit durch und zelebrierte seine HSV-Treffer zwei und drei. 
Den vierten setzte er in der 67. Minute nach einem Zuspiel von Mahdavikia drauf. Eine Viertelstunde vor Schluss nahm ihn Trainer Frank Pagelsdorf, begleitet von Ovationen, vom Platz. 
Nach ihrer stürmischen ersten Halbzeit teilten sich die Hausherren ihre Kräfte klug ein. Doch auch gegen einen nachlassenden HSV fand Hertha bei dieser Lehrstunde nie zu einer Linie. 

Das Spiel in Zahlen: 

Hamburger SV - Hertha BSC 5:1 (3:0) 

Hamburger SV: Butt - Fischer, Hoogma, Hertzsch - Groth, Kovac,Cardoso (83. Grammozis), Hollerbach - Mahdavikia, Yeboah (79.Hashemian), Präger (74. Dembinski) 

Hertha BSC: Kiraly - Helmer - Veit, Herzog, Hartmann - Thom,Kostandinidis, Dardei, Neuendorf (63. Michalke) - Preetz, Wosz (63.Daei) 

Schiedsrichter: Dardenne (Nettersheim) 

Zuschauer: 40 761 

Tore: 1:0 Mahdavikia (2.), 2:0 Präger (24.), 3:0 Präger (41.), 4:0Präger (67.), 4:1 Dardei (84.), 5:1 Kovac (90.) 

Gelbe Karten: Präger / Kostantinidis, Thom 


 
Sat 1 ran meldet: Spaßfussball an der Elbe: 
Nach elf Spielen ohne Niederlage ging Hertha BSC im Hamburger Volksparkstadion regelrecht unter. Problem: Das 1:5 (0:3) beim HSV ist wohl die denkbar schlechteste Generalprobe für die Champions League am Mittwoch gegen Galatasaray Istanbul. Hertha-Trainer Jürgen Röber meinte nach dem Schlußpfiff: "Vielleicht kam diese Klatsche ja noch zur richtigen Zeit." Mehr als Zweckoptimismus bleibt den Berlinern derzeit aber auch nicht. Die Hertha-Abwehr konnte auch von Neuzugang Thomas Helmer nicht organisiert werden, die verletzten Defensivkräfte Sverisson, Rehmer und Rekdal fehlten an allen Ecken und Enden. Zu allem Überfluß kommt nach dem Europapokal am nächsten Wochenende mit Bayer Leverkusen auch noch eine weitere Topmannschaft ins Berliner Olympiastadion. Schwere Zeiten also für den Hauptstadtverein. 
Das war einen ordentlichen Applaus wert: Präger nach dem 2:0. 
Ganz anders die Situation beim Tabellenführer HSV. Trainer Frank Pagelsdorf sagte zwar, daß seine Mannschaft "noch in der Entwicklung steht". Aber was die Hanseaten gegen Hertha boten, war Angriffsfussball vom Allerfeinsten. 
Die Torschützen Roy Präger (24., 41. 67.), Mehdi Mahdavikia (2.), Niko Kovac (90.) und Rückkehrer Rodolfo Cardoso wirbelten die Berliner Abwehr gehörig durcheinander. Trainer Pagelsdorf: "Früher konnten sich die Gegner auf Yeboah konzentrieren, jetzt sind wir dank Mahdavikia und Präger viel schwerer auszurechnen." Keine Frage: Die Meisterschaftsfavoriten Bayern München und Bayer Leverkusen haben ernsthafte Konkurrenz bekommen - die Spaßfussballer von der Elbe. Dass die Hamburger bereits so früh in der Saison in Topform sind, liegt wohl auch daran, dass sie sich durch den UI-Cup quälen mußten. Auch wenn es am Ende nach der Niederlage gegen Montpellier nicht zur Teilnahme am UEFA-Cup gereicht hat, konnte sich die Mannschaft für die Bundesliga einspielen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber den anderen Topmannschaften. Fraglich ist nur, ob die Kräfte für die ganze Saison reichen werden... 

Daten: 
Fakten: 
Kantersieg 
Das 5:1 ist der höchste HSV-Sieg unter Trainer Frank Pagelsdorf. 

Helmer-Effekt 
Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg kassierten die Herthaner fünf Gegentore. 

Präger-Premiere 
Zum ersten Mal sind Roy Präger in einem Bundesligaspiel drei Tore gelungen. 

Schlaglichter: 
Tolle HSV-Neuzugänge 
Der HSV und seine Neuzugänge - ein Grund für das Hoch im Norden. Roy Präger nutzte seine vier Torschüsse zu drei Toren, Spielmacher Rodolfo Cardoso - immer mit dem Auge für den freien Mann - gab zwei Torvorlagen zu Präger-Treffern. Beim Argentiner kamen starke 78% seiner Zuspiele an. Der Berliner Jung' Niko Kovac wieder mit einem Tor - bereits sein drittes in der laufenden Saison. Und der Iraner Mehdi Mahdavikia bewies seine Blitzstart-Qualitäten, gewann seine ersten fünf Zweikämpfe. 

Kein Tag für Comebacks 
Sowohl Michael Preetz als auch Thomas Helmer gaben auf Berliner Seite ihr Comeback. Preetz, sichtlich gehandicapt durch die Armmanschette, war überhaupt nicht im Spiel, hatte nur 23 Ballkontakte und verschoss auch noch einen Elfmeter. 

Thomas Helmer, dessen Abwehr gleich fünf Gegentore hinnehmen musste, glänzte meist eher durch Abwesenheit vom Gegenspieler, war er dann mal am Mann, dann bot der 34-jährige nur Durchschnittliches. 
Schwächster Hamburger 

Bei einer überdurchschnittlichen Mannschaftsleistung fiel beim HSV nur einer ab. Der Ex-Kapitän Andreas Fischer war schlechtester HSVer. Der Beleg: Er war der einzige Hamburger, der mehr Fehlpässe als angekommene Pässe zu verzeichnen hatte. 

Kommentar: 
Joerg Wontorra: Wer nach dem letzten Spieltag noch dachte, der Hamburger SV sei nur zufällig Tabellenführer, wurde durch das Spiel gegen Hertha BSC eines Besseren belehrt. Die Hanseaten gehören meiner Meinung nach zu den drei bis vier Titelaspiranten. Ein Uefa-Cup-Platz dürfte für den HSV in dieser Saison nur Formsache sein. 
Spielwertung: 4 Bälle (von 5) 
FuXX des Spieles:  Roy Präger (Hamburger SV) 
Wer Hertha BSC, den Bundesliga-Dritten der vergangenen Saison, quasi im Alleingang abschießt, ist der FuXX des Spiels. Präger, der ablösefrei nach Hamburg kam, ist bislang sicher der wertvollste HSV-Spieler 

Highlight: 
Ein Wembley-Tor im Volksparkstadion: Bernd Hollerbach zieht von der Strafraumgrenze, der Ball trifft die Unterkante der Latte. Viele dachten, es sei kein Tor gewesen... 
...auch Yeboah nicht, der den Abpraller mit dem Kopf nimmt, dann aber an dem Berliner Torhüter Gabor Kiraly scheitert. Der kann den Ball jedoch auch nicht festhalten... 
...weshalb Mehdi Mahdavikia seine Chance erhält. Der Iraner versenkt das Leder endgültig im Berliner Kasten. Aber: Wie Zeitlupe bewies, war bereits der Schuss von Hollerbach im Kasten. 

Stimmen: 
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV) 
"Wir haben durch den UI-Cup einen guten Rhythmus bekommen. Momentan stimmt unsere Leistung. Sicherlich steckt unsere Mannschaft noch in der Entwicklung, so dass wir weiter arbeiten müssen." 

Jürgen Röber (Trainer Hertha BSC Berlin) 
"Der HSV hat sehr gut gespielt. Bei den Gegentoren fehlte uns die Aggressivität. Der verschossene Elfmeter passte zu unserer heutigen Vorstellung." 

Story: Gut gekauft ist halb gewonnen: 
Geld allein macht noch keine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft. Im Vergleich zu den Großeinkäufern Dortmund, Bayern oder Hertha hat der Hamburger SV vor dieser Saison "nur" bescheidene 2,75 Millionen für neue Spieler ausgegeben. Die sind allerdings glänzend angelegt. Zwei der Neuen, Roy Präger (kam ablösefrei aus Wolfsburg und Niko Kovac (ablösefrei aus Leverkusen), erzielten vier der fünf Tore gegen Hertha BSC. Effektiver als die Hanseaten hat wohl kein anderer Bundesligist eingekauft. 


 
 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Ich muß sagen, daß das Spiel für mich in den Anfangsminuten für mich in den Hintergrund geraten ist, da mein Freund quasi mit Anpfiff von einer Kassenrolle getroffen wurde und auch durch die Hitze und die Aufregung einen Kreislaufkollaps erlitt.  Das hatte mich wirklich geschockt.  Ich habe mich dann natürlich erstmal um ihn gekümmert.  Das erste Tor das Spiels habe ich zwar beobachtet, mich aber erst im Nachhinein darüber gefreut.  Zum Glück ging es 
meinen Freund nach ca. 15 Minuten besser, so daß wir uns wieder dem Spiel zuwenden konnten.  Zur Sicherheit suchten wir uns dann einen schattigen Platz oben im Block.  Das hätte auch noch böse enden können, aber zum Glück hatte er sich wieder schnell regeneriert.

Der HSV begann ja anscheinend super, es hätte tatsächlich schon schnell 3:0 stehen können.  Aber das habe ich ja nur nebenbei bemerkt.  Das erste Tor wurde ja eigentlich von Hollerbach erziehlt, obwohl im Stadion Mahdavikia als 
Torschütze gefeiert wurde.  Der HSV überollte die Hertha quasi.  Das war eines der besten HSV-Spiele, die ich je im Stadion gesehen habe.

Das 2-0 war der Auftakt zu einer Präger-Gala.  Cardoso hatte mustergültig zu Präger weitergeleitet, der Kiraly einfach tunnelte.  Das Stadion bebte und erzitterte von den Jubelorgien, die diesen Treffer folgten.

Die Herthaner brachten wirklich überhaupt nichts zu stande, der HSV dagegen zauberte.  Es gefiel mir eigentlich beinahe jeder Spieler.  Auf ein solches Spiel habe ich wirklich jahrelang gewartet. 

Das 3:0 war ja eigentlich schon spielentscheidend.  Präger wurde wiederum von einen glänzend aufgelegten Cardoso freigespielt und mein neuer "Liebling" schob den Ball cool ins Netz, der Ball trudelte ins rechte Eck. 

Mein Freund konnte dadurch seinen Zusammenbruch ganz schnell vergessen, und wir feierten mit den 40.000 anderen den fast schon sicheren Sieg.Die Stimmung war meiner Meinung nach besser als gegen Stuttgart und Montpellier, 
da diesesmal wirklich das ganze Stadion mitgegangen ist.  Das lag natürlich auch am Spiel.  Ich glaube ich habe selten eine so gute erste Halbzeit von Seiten des HSVs erlebt(auch wenn ich nur 30 Minuten wirklich mitbekommen hatte).

Die 2. Halbzeit begann dann erstmal mit einem Schock.  Denn die erste Chance der Herthaner war dann gleich ein Elfmeter.  Im Stadion habe ich da wirklich überhaupt kein Foul gesehen.  Später im Fernsehen wurde mir dann doch klar, daß Kovac Preetz am Hals umgestoßen hatte.  Aber ich glaube der hätte auch stehenbleiben können, wenn er gewollt hätte.

Beim Elfmeter selber war zwar gar nicht so schlecht geschossen, aber der heute mal wieder souveräne Butt konnte den von Preetz geschossenen Ball aus der Ecke fischen.

Damit war mir klar, daß das Spiel gewonnen war, da die Berliner ja jetzt auch einen moralischen Knacks erlitten hatten.

Und so war's dann auch.  Der HSV verlegte sich ein wenig auf's konntern, was dann auch super klappte.  Beim 4-0 wurde Mahdavikia mustergültig freigespielt.  Es war KEIN Abseits, obwohl es im Stadion schon danach roch.  Die Fernsehbilder bewiesen später jedoch das Gegenteil.  Mahdavikia lief dann unbedrängt auf's Tor zu und spielte vorbildlich und mannschaftsdienlich auf den ebenfalls mutterseelenallein stehenden Präger, der dann nur noch zum 3. Tor einnetzen mußte, was nun wirklich keine Kunst war.

Präger war für mich heute für mich der beste Mann.  Und das wirklich nicht nur wegen seiner drei Tore.  Er war stets anspielbereit, rackerte, kämpfte, lief die Abwehrspieler schwindelig.  Dieses Spiel hat für mich entschieden, mir die 22 
von Präger auf den Rücken meines Trikots zu holen.  In der Form ist er die beste Verstärkung seit Jahren. 

Zusammen mit Kovac, der heute wiederum genial spielte und hinten wie vorne seine Aufgaben mehr als ausfüllte.

Yeboah hätte mindestens ein Ding machen MÜSSEN, als er freistehend am Tor vorbeischlenzte.  Aber spielentscheiden war das ja nicht.

Präger wurde auch bei seiner Auswechslung vom gesamten Stadion mit Standing Ovations verabschiedet.  Das Gegentor 5 Minuten vor Schluß kratze mich recht wenig, auch wenn es schon etwas dämlich gefallen war, zumal Butt aus so einem spitzen Winkel getunnelt wurde.  Aber das war an sich nur ein kleiner Makel.Auch der idiotische Hertha-Fan, der das Spielfeld erstürmte und von den Ordnern abgeführt wurde trug nur zu meiner/unserer Belustigung bei.

Am Ende wurde dann auch der alte Abstand wieder hergestellt.  Jeder rechnete eigentlich mit einer Flanke von Groth aus vollem Lauf, doch er stoppte ab, und umkurvte den ihn angreifenden Hertha-Spieler und passte zu dem freistehenden Kovac.  Und dieser krönte seine Klasseleistung mit einem Super-Tor.  Er nahm den Ball mit der Sohle an, guckte sich die Ecke gemütlich aus und bucksierte den Ball genau in den rechten Winke.  Ein Super-Tor, daß die Stimmung überbrodeln ließ.

Mit Apfiff wurde dann die Mannschaft wie nach einer gewonnen Meisterschaft überschwenglich gefeiert, alles lag sich in den Armen.

In dieser Form ist die Mannschaft wirklich das, was ich mir fast 9 Jahre lang gewünscht habe:  Eine perfekte Mannschaft, in der ALLES passt.  Ich muß mich schon ab und zu zwicken, und ich weiß ja, das die Saison noch 30 Spieltage dauert und die Tabelle keine Aussagekraft hat, aber trotzdem... ;-) Mein Freund ist übrigens auch wieder vollends wohlauf.  Der Sieg hat ihm wohl auch ganz gut getan...