Bundesliga, 6. Spieltag, Freitag, 24.09.99, 20:00 Uhr, ein schöner "Endsommerabend" bei ca. 20 Grad C

Hamburger SV  - VfL Wolfsburg 2:2 (1:1)

Auch bei diesem Spiel hatt ich vorher leider kein all zu gutes Gefühl. Und dieses sollte sich dann leider während des Spiels bestätigen. Ich fand es auch eher nachteilig, daß die Wolfsburger Ihr Heimspiel zuvor mit 2:7 gegen Werder vergeigt hatten, da jetzt eine Trotzreaktion zu erwarten war.

Der HSV bot in diesem Spiel die bisher schlechteste Saisonleistung. Ich muß aber sagen, daß ich trotzdem schon noch wesentlich schlechtere Spiele des HSV gesehen habe.

Eigentlich gibt es zu diesem Spiel so wenig zu sagen, daß ich mich am Ende meines Berichtes wieder selbst wundern werde, wieviel Zeilen ich trotzdem rausgequetscht habe ;-)

Um das Spiel mal zu beschreiben in wenigen Worten: Ich fand es eigentlich über die ganze Spieldauer trotz der 4 Tore bis auf wenige Höhepunkte recht langweilig.

Der HSV konnte dieses Spiel meiner Meinung nach nicht gewinnen, weil man viel zu wenig über die Außen gespielt hat. Es ging immer wieder durch die Mitte. Das Problem war aber nicht, daß die Außen nicht eingesetzt wurden, sondern daß die Außenpositionen nicht besetzt wurden von den Spielern. Alle Spieler zogen viel zu sehr zur Mitte. Und dann war meines Erachtens auch viel zu wenig Laufbereitschaft da beim Spiel gegen die Wölfe. Der Ballführende war heute wieder oft der „Gelackmeierte“, weil sich einfach zu wenig Mitspieler freiliefen.

Und so verfiel der HSV leider wieder in das Spiel, das ich gar nicht gerne von ihm sehe: Die Bälle wurden immer wieder einfach nur weit und hoch nach vorne „gekloppt“. Was vielleicht mal gegen andere Gegner noch gut funktionieren mag, ging gegen Wolfsburg nicht, denn die Wolfsburger sind selbst mit reichlich Kopfball-Hünen gesegnet, sodaß dieses „kick and rush“ zum Scheitern verurteilt war.

Es ist daher auch nur eines der vier Tore so richtig aus dem Spiel heraus entstanden. Aber der Reihe nach:
Das 1:0 für den HSV fiel zwar nicht aus einer Standardsituation, aber es war praktisch gesehen trotzdem eine. Cardoso bekam den Ball in vielleicht 30 m Torentfernung in Nähe der rechten Auslinie zugespielt und entschied sich für eine weite Flanke in den 16er in Richtung Yeboah. Yeboah ging zusammen mit seinem Wolfsburger Widersacher zum Ball; doch beide berührten ihn wohl nicht (war zumindest weder im Stadion noch im TV zu erkennen). Der Ball setzte also direkt vor der beiden auf. TW Reitmaier rechnete natürlich damit, daß der Ball nun von Tony berührt wird. Er war stand dadurch wohl auf dem falschen Fuß und konnte den Ball somit trotz einer versuchten Parade nicht mehr erreichen. Er schlug unerreichbar ins lange Eck ein.

Die Freude währte aber nur kurz, denn der Ausgleich folgte im Handumdrehen. Yeboah bemühte sich in der Nähe des eigenen Strafraumes dem Gegner den Ball abzunehmen und schaffte das auch. Allerdings wurde der Ball dann direkt hoch in den Strafraum befördert, wo sich Akpoborie mit einem geschickten Täuschungsmannöver gegen Hertzsch durchsetzen konnte und dann auf halblinker Position ins lange Eck schob.

Das alles passierte bereits in der ersten Viertelstunde. Das Spiel plätscherte dann so der Halbzeit entgegen.

Ingo Hertzsch hatte eine sehr schlechte erste Halbzeit und wirkte gegen Akpoborie oft überfordert und wurde bei einigen schlechten Abspielen dann auch als Unsicherheitsfaktor ausgemacht. 

Bemerkenswerteste Szene der 1. Halbzeit war aber eine Parade von Hans-Jörg Butt. Abgesehen von tollen Flugeinlagen, die man von Torhütern zu sehen bekommt, war das die geilste Parade, die ich bisher gesehen habe.
Akpoborie wurde (stark abseitsverdächtig) völlig frei im 16er angespielt. Er nahm den Ball an und stand ganz allein vor Butt. Zuerst verlud er Butt schon halbwegs in die falsche Ecke, sodaß Butt schon auf seinem „Allerwertesten“ saß. Aber Butt rappelte sich sofort wieder auf und konnte Akpoborie, der unterdessen rechts an ihm vorbeizudribbeln versuchte, den Ball noch von den Füßen schlagen. Das wäre bei 99,9 % der Torhüter ein sicheres Tor geworden, zumal Butt ja schon eigentlich verladen war. Aber Butt zeigte hier einmal mehr seine Klasse und angelte sich diesen Ball. Unglaublich ! Natürlich gab es das schon obligatorsische „Buuutt, Buuutt, Buuutt, Buuutt“ und dann noch ein „Erich Ribbeck, hast Du das gesehen ?!?!“, da Sir Erich im Stadion weilte.

Die zweite Halbzeit sollte sich dann von der ersten leider nur wenig unterscheiden. Das Spiel plätscherte mehr oder weniger mit dem zum Scheitern verurteilten kick and rush dahin.

Besonders möchte ich hier noch einmal auf meinen „speziellen Freund“ Hollerbach eingehen, der mich einmal mehr wieder zur Weißglut brachte. Natürlich haben auch andere schlecht gespielt, aber seine Art des Spiels war leider besonders Beispielhaft für den HSV an diesem Spieltag. Holler war aber auch fast NIE bereit, einmal lang die Linie runterzulaufen ohne Ball. Jedesmal wenn auf links ein HSVer den Ball hatte, kam Holler diesem entgegen. Das treibt mich noch in den Wahnsinn !!! Anstatt dann mal die Linie runter zu laufen, um entweder dort angespielt werden zu können oder zumindest um Platz für den Ballführenden zu schaffen, zieht es Holler (und damit natürlich auch den Gegner) dann immer zum Ballführenden hin. Das war für mich echt unfaßbar. Die Leute haben mich nachher schon etwas seltsam angesehen, weil ich Holler immer wieder (wenn natürlich auch völlig sinnlos, weil er mich ja so und so nicht hören kann) lautstark aufforderte, doch endlich mal seinen Arsch in Bewegung zu setzen.

Irgendwann schafften wir es dann doch wieder in Führung zu gehen. Mahdavikia schoß einen Freistoß von halblinks ganz weit an den langen Pfosten. Dorthin stürmte dann Cardoso und hielt einfach den Fuß richtig in den Ball rein und wuchtete ihn damit aus kurzer Entfernung ins Tor.

Jetzt hatte ich eigentlich das Gefühl, daß wir dieses Spiel gewinnen würden, zumal es die nächsten ca. 5 Minuten wirklich besser lief. Die Stimmung war gut und der HSV hatte einige schöne Szenen. Allerdings sollte das wie gesagt nur ca. 5 Minuten dauern.

Wolfsburg kann dann zu einer Ecke, da Panadic leider einer Ball zur Ecke köpfte als dieses völlig unnötig war. Es kam nämlich eine weite Flanke herein und Pana stand schon fast auf der Grundlinie. Hinter ihm war weit und breit niemand mehr. Diesen Ball „klärte“ er dann leider per Flugkopfball ins Aus. Grundsätzlich möchte ich ihm aber daraus keine Vorwurf machen, denn jeder, der mal Fußball gespielt hat weiß, daß es dann manchmal schwierig ist zu beurteilen, ob da noch jemand hinter einem stehen könnte. In diesem Fall war nur eben so unglücklich, weil aus der folgenden Ecke das 2:2 entstand.

Der Ball wurde von einem Wolfsburger aufs kurze Eck geköpft oder geschossen (weiß ich nicht mehr genau). Dort stand Präger und wehrte diesen Ball leider ab. Leider, weil Butt schon direkt hinter ihm stand und diesen Ball hätte fangen können. Präger konnte den Ball aber nur ein kleines Stück vom Tor wegbringen. Dort stand dann, völlig alleingelassen, Akpoborie und konnte den Ball aus ca. 5 m leicht einschieben.

Nach diesem Tor lief dann auf beiden Seiten kaum noch was zusammen und das Spiel endete schiedlich, friedlich mit 2:2.

Herausragender und leider auch der einzig wirklich richtig gute Feldspieler des HSV an diesem Abend war Rodolfo Cardoso. Er kämpfte und rackerte und war überall auf dem Spielfeld zu finden. An ihm lag es sicher nicht, daß dieser Fußballabend so wenig erquickend verlief. Wenn sich aber auch kaum einer freiläuft, kann man halt auch kaum geniale Pässe in die Tiefe spielen. Mit seinen beiden Toren konnte zumindest er selbst seiner Leistung die entsprechende Würdigung verleihen.

Meine Noten für die HSV-Spieler:

Butt: wieder einmal sehr gut. Rettete unglaublich gegen Akpoborie und dann später auch noch einmal gegen den Gegner „Panadic“ der es fast geschafft hätte, den Ball an ihm entgegenkommenden Butt vorbeizulegen. Note 2

Panadic und Hoogma bekommen heute von mir eine Gemeinschaftsnote. Die HSV-Abwehr war heute wackelig wie selten in dieser Besetzung und somit ein ständiger Unruheherd für die ganze Mannschaft. Note 4 –

Hertzsch war leider noch ein bißchen schlechtes als seine Abwehrkollegen und bekommt daher: Note 5

Grammozis: spielte im rechten Mittelfeld für Groth, konnte diesen aber leider nicht ersetzen. Dimi läuft viel zu oft mit dem Ball in mehrere Gegner herein. Das ist dann natürlich immer aussichtlos: Note 4

Hollerbach: zu ihm habe ich mich ja schon oben „ausgelassen“. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen: Note 5

Kovac: zwar nicht so überragend wie zuletzt, aber zumindest mit Normalform: Note 3

Cardoso: hätte zum Matchwinner werden können. Aber leider wollten seine Kollegen nicht so recht. In der jetzigen Form aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Ich hätte ihm das nicht mehr zugetraut. Er hat wirklich Charakter bewiesen seit seiner Rückkehr zum HSV und sich wieder voll reingehängt. Andere hätten vielleicht nur Ihr Jahr hier abgesessen beim HSV (siehe Herr Spörl): Note 2+

Mahdavikia und Präger waren heute beide sehr unauffällig und konnten sich fast nie in Szene setzen. Note 4

Yeboah: Bei ihm habe ich heute wieder einen Aufwind verspührt. Nachdem er mir die letzten Wochen nicht so gefiel, war er heute wieder immer anspielbar und hat fast keinen Ball verloren. Note 3
 

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
DSF schreibt folgenden Bericht:
HSV wieder Tabellenführer 
Gegen Angstgegner VfL Wolfsburg ist die großartige Heimserie des Hamburger SV gerissen. Nach fünf Siegen im neuen Volksparkstadion in Folge mussten sich die Hanseaten im Nord-Derby mit einem 2:2 (1:1) zufrieden geben.
Die Gäste zeigten sich dabei vor rund 40.000 Zuschauern von der 2:7-Pleite gegen Werder Bremen glänzend erholt und feierten vier Tage vor dem UEFA-Cup-Rückspiel im ungarischen Debrecen eine gelungene Generalprobe.
Rodolfo Cardoso (10., 56.) konnte die Gastgeber zweimal in Führung bringen. Der Nigerianer Jonathan Akpoborie (12., 65.) glich ebenfalls mit einem Doppelpack jeweils aus. Die Wolfsburger bleiben damit nach dem fünften Vergleich das einzige Team, gegen das das Bundesliga-Gründungsmitglied in der Elite-Liga nie gewinnen konnte.
Vor den Augen vor Bundestrainer Erich Ribbeck war der Punktgewinn der Gäste völlig verdient. Trainer Wolfgang Wolf hatte an seinem 42. Geburtstag seine Mannschaft taktisch mit zwei kompakten Viererketten in Abwehr und Mittelfeld sehr gut eingestellt.
Im Angriff kamen Akpoborie und Andrzej Juskowiak immer wieder zu gefährlichen Torchancen. In der ersten Hälfte musste HSV-Torwart Hans-Jörg Butt gegen Akpoborie sein ganzes Können aufbieten, um einen Rückstand zu verhindern.
Juskowiak verzog sieben Minuten später völlig freistehend. Die Hamburger Stürmer konnten sich nur selten gefährlich in Szene setzen. Vor allem der ehemalige Wolfsburger Roy Präger wurde von seinen ehemaligen Mannschaftskameraden weitgehend abgemeldet.
Der kleine Blondschopf hatte zudem Pech, als sein Rettungsversuch auf der Torlinie gegen einen Kopfball von Zoltan Sebescen Akpoborie direkt vor die Füße sprang, der zum 2:2 abstaubte.
Auch die Hamburger Tore vielen kurios. Beim 1:0 segelte eine Flanke von Cardoso an Freund und Feind vorbei ins Tor, den zweiten Treffer erzielte der Argentinier aus kurzer Distanz nach einer Freistoßflanke von Mehdi Mahdavikia.
Für Aufregung sorgten neun Minuten vor dem Abpfiff enttäuschte HSV-Fans, die Gegenstände Richtung VfL-Keeper Reitmaier warfen. Beste Spieler beim HSV, der trotz des Unentschiedens zumindest bis Samstag wieder die Tabellenführung übernahm, waren Cardoso und Niko Kovac.
Bei den Wolfsburgern ragten aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung Akpoborie und Abwehr-Chef Claus Thomsen heraus.

Hamburger SV - VfL Wolfsburg 2:2 (1:1)
Hamburger SV: Butt - Hertzsch, Hoogma, Panadic - Grammozis, Kovac, Cardoso, Hollerbach (82. Simunic) - Mahdavikia, Yeboah, Präger
VfL Wolfsburg: Reitmaier - Greiner, ONeil, Thomsen, Kryger - Sebescen (74. Ballwanz), Maltritz, Nowak, Weiser - Juskowiak, Akpoborie

Schiedsrichter: Heynemann (Magdeburg)

Zuschauer: 42.232

Tore: 1:0 Cardoso (9.), 1:1 Akpoborie (12.), 2:1 Cardoso (56.), 2:2 Akpoborie (65.)

Gelbe Karten: Hollerbach / Thomsen, Kryger, Greiner


 
Sat 1 ran berichtet:
Bissige "Wölfe" erkämpfen Punkt 
Die 42.000 Fans im neuen Volksparkstadion sahen eine gutklassige Partie mit einem etwas glücklichen 2:2-Unentschieden für den Gastgeber. Der HSV ging durch Rodolfo Cardoso jeweils in Führung. Der VfL Wolfsburg schlug durch Jonathan Akpoborie beide Male zurück und hatte insgesamt die besseren Chancen. Die Hamburger sind trotz der Punkteteilung zumindest für einen Tag Tabellenführer. Die "Wölfe" zeigten sich von der peinlichen 2:7-Heimschlappe gegen Werder Bremen gut erholt.
Der HSV begann gewohnt druckvoll, die Wolfsburger hofften auf Konter. In der 10. Minute die Führung für die Hausherren: Tony Yeboah verpasste eine Cardoso-Flanke von der linken Seite und der Ball segelte am verdutzten Claus Reitmaier ins Tor - 1:0. Doch praktisch im Gegenzug der Ausgleich. Einen langen Ball von Weiser nahm Akpoborie auf, vernaschte Gegenspieler Hertzsch und schloss sicher ins rechte Eck ab. Ein Klasse-Tor! Bis zur Pause blieb die Pagelsdorf-Truppe feldüberlegen, doch der VfL hatte durch den überagenden Akpoborie und Juskowiak beste Einschussmöglichkeiten.
In der zweiten Halbzeit das gleiche Bild: Der HSV mit mehr Spielanteilen, aber der letzte Pass meist zu ungenau. Die Gäste durch Konter immer gefährlich. Trotzdem die erneute Führung für die Hamburger. Ein Mahdavikia-Freistoß von der rechten Seite, der Ball wurde immer länger und Cardoso musste aus drei Metern nur noch den Fuß hinhalten (56.). 
Die Antwort der "Wölfe": Einen Sebescen-Kopfball konnte der Ex-Wolfsburger Präger gerade noch auf der Linie klären. Das Leder sprang vor die Füße von Akpoborie und der Nigerianer staubte aus vier Metern zum verdienten 2:2 ab (65.). Sein erster "Doppelpack" im Wolfsburg-Dress!
Klare Torchancen waren in der Folgezeit Mangelware. Beim HSV ließen gegen Ende die Kräfte nach und auch der VfL trug seine Konter nicht mehr so konzentriert wie zu Beginn der Partie vor.

Daten: Fakten:
Wieder kein Sieg gegen den VfL Wolfsburg
Der VfL Wolfsburg bleibt ein Angstgegner für den Hamburger SV. Noch nie gelang ein Sieg in einem Bundesligaspiel. Gleichzeitig ging damit die Serie von fünf Heimsiegen in Folge für den HSV zu Ende. 

Zwei Tore von Akpoborie
In seinem sechsten Bundesligaspiel für den VfL Wolfsburg gelangen Jonathan Akpoborie bereits seine Treffer drei und vier. In der letzten Saison, damals noch im Trikot des VfB Stuttgart, gelangen ihm im Heimspiel des VfB gar drei Tore gegen den HSV. Der Ausgleichtreffer von Jonathan Akpoborie zum 1:1 war der 100. Treffer der Wolfsburger in der Eliteliga. 

Cardoso mit Doppelpack
Zum ersten Mal erzielte Rodolfo Esteban Cardoso zwei Tore in einem Bundesligaspiel für den HSV. Seinen zuvor letzten Doppelpack in der Bundesliga erzielte er noch für den SC Freiburg am 23.08.94 im Spiel beim 5:1 gegen Bayern München. 

Butt mit Binde
Torwart Hans-Jörg Butt trug in seinem 73. Bundesligaeinsatz für den HSV erstmals die Kapitänsbinde. 

Schlaglichter:
Wolfsburger Abwehr wieder gefestigt
Die Moralpredigt von Trainer Wolfgang Wolf scheint gewirkt zu haben. Gegenüber dem desolaten Spiel gegen Bremen zeigten sich die Wolfsburger besonders in der Abwehr stark verbessert. So waren in der ersten Hälfte die Verteidiger der Wölfe die zweikampfstärksten der gesamten Mannschaft. Brian O´ Neil gewann 85 %, Waldemar Kryger 78 % und Claus Thomsen 60 % der Duelle. Nach dem Wechsel relativierten sich diese Werte, am Ende konnte O´Neil zehn seiner 16, Kryger 19 seiner 25 und Thomsen die Hälfte seiner 18 Zweikämpfe für sich entscheiden. 

Akpoborie war nicht zu stoppen
Der Nigerianer Jonathan Akpoborie war einfach nicht zu bremsen. Die Hamburger Abwehrspieler Panadic und Hertzsch bekamen den schnellen Stürmer nicht in den Griff. So konnte er vier Torschüsse auf das von Hans-Jörg Butt gehütete Tor abgeben, wobei zwei davon zu den Toren der Wölfe führten. Auch konnte der HSV nicht verhindern, dass er noch drei Torschüsse der Kollegen vorbereitete. Damit war er an sieben von insgesamt 16 Torschüssen der Wolfsburger beteiligt. 

Cardoso bester Hamburger
Der Mann des HSV an diesem Abend in Hamburg war zweifelsfrei Rodolfo Esteban Cardoso. Der Spielmacher war der aktivste in den Reihen der Hamburger. Er wurde von seinen Mitspielern gesucht und forderte den Ball. Lohn dieser Arbeit waren insgesamt fünf Torschüsse und drei Assists, wobei er sogar selbst noch das Toreschiessen übernahm. Damit war er an acht der 15 Hamburger Torschüsse beteiligt. Darüber hinaus hatte er die meisten Ballkontakte von allen Spielern auf dem Platz. 

Ausgeglichene Partie
Das Spiel in Hamburg hatte keinen Sieger verdient, jedenfalls wenn man nach den Statistikdaten geht. Die Mannschaften schossen insgesamt 31mal auf das gegnerische Tor, der HSV gab dabei 15 und die Wölfe 16 Torschüsse ab. Beide Mannschaften gewannen jeweils die Hälfte ihrer Zweikämpfe, geflankt haben die Hamburger zwölf- und die VW-Städter zehnmal, das Eckenverhältnis lautet vier zu vier. Und es fielen auf beiden Seiten zwei Tore. 

Kommentar: Erich Laaser
"Die 42.000 Fans sahen ein gutes Fußballspiel, in dem das Unentschieden für den VfL Wolfsburg hochverdient war. Der HSV konnte nach der 0:2-Niederlage auf dem Betzenberg nicht an die gute Form früherer Spiele anknüpfen." 

Spielwertung: 3 (von 4 Bällen)

FuXX des Spieles:  Jonathan Akpoborie (VfL Wolfsburg)
"Der Nigerianer war sehr spiel- und einsatzfreudig und brachte die HSV-Abwehr immer wieder in Verlegenheit. Die tolle Leistung krönte der 30-Jährige mit seinem "Doppelpack". Sein bestes Spiel im Wolfsburger Dress."

Stimmen:
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV)
"In der ersten Halbzeit haben wir uns sehr schwer getan und viel zu langsam gespielt. Danach konnten wir allerdings enorm zulegen. Wolfsburg war immer ein gefährlicher Gegner, deshalb müssen wir letztlich mit einem Punkt zufrieden sein." 

Wolfgang Wolf (Trainer VfL Wolfsburg)
"Meine Mannschaft hat sich den Punktgewinn mehr als verdient. Auch nach den Rückständen sind wir nicht in Verlegenheit geraten. Heute kann ich auf meine Mannschaft wieder stolz sein." 

Story: "Festung" Volksparkstadion
Die Fans mussten diesmal zwar ganz schön zittern, aber immerhin hielt beim 2:2 gegen Wolfsburg die tolle Heimserie des HSV. Die letzte Niederlage der Hamburger im neuen "Schmuckkästchen" gab's am 22. Spieltag der letzten Saison. Am 13.03.1999 verloren die Hanseaten mit 0:2 gegen den FC Bayern München. Seitdem gab es sechs Siege und zwei Unentschieden, bei einem Torverhältnis von 20:5. Die Truppe von Trainer Frank Pagelsdorf fühlt sich in ihrem neuen ultramodernen Stadion sichtlich wohl.
 


 
 
dpa schreibt folgenden Spielbericht:
Hamburg erhält Dämpfer: 2:2 gegen Stuttgart 
Von Bernd Müller, dpa 

Trotz des überragenden Doppel- Torschützen Rodolfo Esteban Cardoso hat der Hamburger SV nun auch im Volksparkstadion eine Dämpfer hinnehmen müssen. Das 2:2 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg am Freitagabend reichte dennoch, um zumindest für eine Nacht wieder an die Tabellenspitze der Fußball- Bundesliga zurück zu kehren. 

Die Antwort der Niedersachsen auf Cardoso hieß Jonathan Akpoborie. Der Torjäger der "Wölfe" glich in der 12. und 65. Minute mit seinen Saisontreffern drei und vier die zweimalige HSV- Führung durch den glänzend aufgelegten Regisseur aus der 9. und 56. Minute aus.

Fünf Tage nach der ersten Saison- Niederlage mit dem 0:2 in Kaiserslautern konnte der HSV nur in der ersten Viertelstunde nach der Pause begeistern, ansonsten war vor 42 232 Zuschauern (Saisonrekord) viel Sand im Getriebe. Der VfL konnte sich dagegen nach dem 2:7- "Betriebsunfall" gegen Werder Bremen rehabilitieren und ließ auch im fünften Spiel gegen den HSV keinen Erfolg der Hanseaten zu.

Obwohl der HSV im dritten Heimspiel erneut eine schnelle Führung schaffte, fand das Team in der ersten Halbzeit nie seinen Rhythmus. Eigentlich war beim ersten Treffer der Schuss von Cardoso von rechts als Flanke gedacht, Anthony Yeboah verpasste jedoch mit der Fußspitze und am verdutzten Claus Reitmaier vorbei landete der Ball im langen Eck. Fast postwendend erzielte Akpoborie mit seinem dritten Saisontor den Ausgleich. Der Ghanaer setzte sich gegen Hertzsch durch und ließ Hans- Jörg Butt keine Chance.

Der HSV- Torhüter, dessen Einsatz wegen einer Lendenwirbelstauchung gefährdet war, vertrat den verletzten Kapitän Martin Groth und durfte sich unter den Augen von DFB- Teamchef Erich Ribbeck auszeichnen: Als die öfters unsichere HSV- Abwehr auf Abseits spielte, fischte Butt den frei vor ihm stehenden Akpoborie den Ball vom Fuß (25.).

Insgesamt waren die Wolfsburger sehr engagiert in den Zweikämpfen und standen kompakt gegen den "HSV- Traumangriff" mit dem Ex- Wolfsburger Roy Präger. Trainer Wolfgang Wolf setzte auf eine Viererkette mit zwei Veränderungen, denn für den verletzten Charles Akonnor und den formschwachen Dorinel Munteanu kamen Marcel Maltritz und Zoltan Sebescen, der damit seine Bundesliga- Premiere feierte.

Nach der Pause diktierte dann der HSV das Geschehen und schien nach dem zweiten Treffer von Cardoso auf der Siegerstraße. Der Argentinier hatte einen Freistoß von Mehdi Mahdavikia aus drei Metern volley ins Wolfsburger gedroschen. Doch bereits in der 65. Minute erneut die kalte Dusche: Nachdem Präger einen Kopfball von Sebescen noch auf der Linie klären konnte, verwandelte erneut Akpoborie zum verdienten 2:2- Ausgleich.
 


 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Das war für mich das schlechteste HSV-Bundesliga-Heimspiel der Saison.  Aber ich muß sagen, daß mich das Montpellier-Spiel und das Kaiserslautern-Spiel noch ein wenig mehr enttäuscht haben(naja, waren ja schließlich auch Niederlagen).  Ein wenig besser war dieses Spiel schon.  Aber nur ein wenig eben.

Zum Spiel.  Also erstmal war ich riesig positiv überrascht über das prall  gefüllte Stadion.  42.000+ Zuschauer, und darunter mindestens 40.000 Hamburger sind aller Ehren wert und hätte ich auch nicht erwartet.

Butt konnte ja glücklicherweise doch noch spielen, was sich mehr als auszahlen sollte, Groth jedoch nicht, was sich leider auch bemerkbar machte.

Bis zu der 9. Minute gab's eigentlich keine Höhepunkte.  Dann aber fiel das 1-0 für die Rothosen der natürlich einen kollektiven Jubelsturm auslöste.  Cardoso hatte von rechts aus ca. 25 Metern auf Yeboah geflankt, der den Ball jedoch ebenso verpasste, wie sein Gegenspieler, so daß der Ball am verdutzten Reitmeier(ist das richtig geschrieben???) ins Netz flog.Im Stadion dachte ich erst, es wäre Yeboah's Treffer gewesen, auf der Anzeige 
wurde Yeboah auch zum Torschützen erklärt, Uwe Bahn jedoch erklärte letztenendes Cardoso zum Torschützen.

Ich dachte nun, daß sich das HSV-Spiel beruhigen konnte und es Sicherheit verschaffen würde.  Aber Yeboah verlor nur ca. 2 Minuten später den gerade erst erkämpften Ball so daß auf einmal Akpoborie frei vorm HSV-Kasten auftauchte und der Ball vor meinen Augen ins Tor strich, ohne das Butt eine Chance gehabt hätte. 

Vielleicht war das sogar die entscheidende Szene der ersten Hälfte, denn dieser Treffer lähmte den HSV von nun an, da Wolfsburg von nun an die besseren Szenen hatte.

Dann kam die 25. Minute, die die zahlreich gekommenen Fans wieder aufweckte.  Akpoborie tauchte meiner Meinung nach seeeehr abseitsverdächtig und vollkommen frei vor Butt auf, tanzt ihn fast aus, so daß Butt sich auf die vier Buchstaben setzen muß und verwandelt...NICHT.  Da Butt ihn einfach den Ball von den Füßen pflückt, obwohl er fast verladen ist und am Boden liegt.  Das tat ja fast so gut wie ein Tor.  Eine Riesentat!!!  BUTT FÜR DEUTSCHLAND-Sprechchöre und ein   kreativer Spruch "Erich Ribbeck, hast Du das gesehen??" waren die Folge.

Juskowiak hätte nach ca. 10 Minuten auch noch verwandeln können, aber er verzog.

Und so ging es dann in die Halbzeitpause, begleitet mit einigen Pfiffen.

In Hälfte 2 gab's erstmal eine Rauchbombe aus 23 oder 24A, der natürlich mal wieder genau in meine Richtung wehte.  Das Zeugs beißt vielleicht in der Nase!  Und verhüllt natürlich auch das gesamte Spielfeld. 

Auf jeden Fall kam der HSV jetzt viel besser ins Spiel, auch wenn's noch nicht ganz das Gelbe vom Ei war.

Aber dennoch kam die 2-1 Führung verdient.Mahdavikia hatte einen Freistoß von links gaaanz lang auf den 2. Pfosten 
geschlagen, so daß Cardoso zur Stelle war und Volley abstaubte.  JAAAA!

Von da an herschte eine Super-Atmosphäre, es war Siegesstimmung angesagt. 

Aber nein, verdammt, es muß natürlich wieder was dazwischen kommen.  Nämlich eine Ecke, die gefährlich in den Strafraum kommt, ein Kopfball der von Präger auf der Linie stehend nur zu Akpoborie weitergelenkt wird, der dann keine Mühe hat, den Ball zu verwandeln. 2-2 also.

Von da an hatte Wolfsburg in Person von Juskowiak und Akpoborie, die die heute sehr unsichere und teilweise überforderte HSV-Abwehr in Person von Hoogma und v.a. Panadic und Hertzsch nicht in den Griff bekommen konnte.

Die größte HSV-Möglichkeit hatte noch Yeboah, der den Ball jedoch auch 10 Minuten vor Schluß nicht unterbringen konnte, als der Ball vorbeistrich.

Alles in allem war's ein leistungsgerechtes Unentschieden mit einem HSV, der zu unkreativ war und die Außenstürmer nicht einzusetzen vermochte, und auch die Feldüberlegenheit nicht ausnutzen konnte, und einen VFL, der sich nach der 2-7 Heimniederlage eine Woche vorher gut erholt zeigte und insgesamt die besseren Chancen hatte.

Insgesamt waren für mich Butt, Cardoso und mit Abstrichen Kovac die besten HSV-Spieler.