Bundesliga, 9. Spieltag, Samstag, 23.10.1999, 15:30 im Münchener Olympiastadion:

TSV 1860 München - Hamburger SV 0:0 (0:0)

Ich habe das Spiel nur im TV gesehen und kann daher nicht soviel dazu sagen. Den TV-Bildern zufolge hatte der HSV aber eindeutig mehr gute Chancen.

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
DSF schreibt folgenden Bericht: Hamburg verpasst Sprung an die Tabellenspitze 
Es hat wieder einmal nicht sein sollen. Auch am neunten Spieltag hat der Hamburger SV den erneuten Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verpasst. Gegen 1860 München kamen die Hanseaten ohne vier Leistungsträger nicht über ein 0:0 hinaus.
Die Hamburger warten damit weiter seit dem 3. November 1979 auf den ersten Auswärts-Sieg gegen die seit nunmehr vier Spielen ungeschlagenen „Löwen".
32.300 Zuschauer im Münchener Olympia-Stadion sahen eine mäßige Bundesliga-Begegnung. Beide Mannschaften blieben über weite Strecken unter Normalform. Allerdings besaßen die Gäste, die auf Bernd Hollerbach, Harald Spörl sowie die gesperrten Niko Kovac und Rolf Präger verzichten mußten, größere Spielanteile und ein deutliches Plus an Torchancen.
Die Hamburger wurden vor allem gefährlich durch ihren emsigen Spielmacher Rodolfo Cardoso, bei dem allerdings auch Licht und Schatten wechselten. Die besten Einschuss-Möglichkeiten für die Gäste besaß der Argentinier (2., 25.). Weitere Möglichkeiten hatten Mehdi Mahdavikia mit einem Kopfball (14.) sowie Anthony Yeboah mit einem Fallrückzieher (3.).
Bei den Münchenern lief das Spiel in erster Linie über Ex-Nationalspieler Thomas Häßler, der seine Spitzen häufig geschickt in Szene setzte. Doch die Stürmer wussten meist nichts damit anzufangen.
Die größten Chancen für die „Löwen", die nur auf Marco Kurz verletzungsbedingt verzichten mussten, besaßen Bernhard Winkler (20.) und Martin Max (44., im Bild rechts, gegen Nico-Jan Hoogma,links), die beide mit Kopfbällen den ausgezeichneten Hamburger Torwart Hans-Jörg Butt in Bedrängnis brachten.
Bei 1860 überzeugten Häßler und Libero Gerald Vanenburg. Bei den Hamburgern verdienten sich Cardoso nach überstandener Sehnen-Entzündung und Butt die besten Noten.

Das Spiel in Zahlen:
1860 München - Hamburger SV 0:0 
München: Hoffmann - Zelic, Vanenburg, Paßlack, Greilich - Cerny (59. Borimirow), Tapalovic, Häßler, Cizek (46. Pürk) - Winkler, Max (70. Agostino)
Hamburg: Butt - Hertzsch, Hoogma, Panadic - Gravesen (68. Fischer), Ernst (84. Simunic), Grammozis - Cardoso - Mahdavikia, Yeboah, Dembinski (46. Doll)

Schiedsrichter: Dr. Merk (Kaiserslautern) 
Tore: Fehlanzeige 
Zuschauer: 32.300 


 
Sat 1 ran berichtet: HSV holt Punkt bei den "Löwen" :
Nur 25.000 Zuschauer wollten im Münchner Olympiastadion das Spiel 1860 gegen den Hamburger SV sehen. Und sie bekamen wenig zu sehen für ihr Geld. Betrachtet man sich die gesamten 90 Minuten, geht das 0:0 in Ordnung. Einen Sieger hatte dieses Spiel wirklich nicht verdient. Zwar begann der HSV in der ersten Halbzeit aggressiv und spielte druckvoll nach vorne, doch Tore blieben aus. HSV-Coach Frank Pagelsdorf brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Ich bin mit der Leistung zufrieden, nicht aber mit dem Ergebnis." 
Im Mittelfeld hatten die Hanseaten ein klares Übergewicht. Cardoso konnte schalten und walten wie er wollte. Der Argentinier setzte immer wieder die Spitzen Yeboah und Mahdavikia gut ein. So auch in der 14. Minute: Nachdem Yeboah einen Ball von Cardoso bekam, setzte er sich schön auf der linken Seite durch und flankte in Höhe der Eckfahne in den Strafraum. Mahdavikia köpfte den Ball wuchtig auf das Tor - traf allerdings einen Abwehrspieler. Solche Chancen vermisste man bei den Münchnern. Das lag daran, dass Häßler nie richtig ins Spiel kam.
So resultierten die einzigen gefährlichen Situationen im Spiel der "60er" aus Standardsituationen: Häßler per Freistoß aus 25 Metern, doch Butt lenkte den Ball gerade noch zur Ecke(41.). 
In der zweiten Halbzeit wendete sich das Blatt ein wenig. Hamburg agierte defensiver und lauerte auf Konter. Die Lorant-Elf hatte nun mehr Spielanteile, blieb aber meist harmlos. Glück hatten die Münchner in der 75. Minute: Dimitrios Grammozis flankte auf Andreas Fischer, der den Ball in Richtung "Löwen"-Tor stocherte. Daniel Hoffmann begrub den Ball unter sich und der HSV jubelte - zu früh. Schiedsrichter Markus Merk erkannte den angeblichen Treffer nicht an. Kurz vor Schluss fast der Siegtreffer für die Gastgeber. Butt wehrte per Reflex einen Schuss von Agostino zur Ecke ab (89.). Löwen-Trainer Werner Lorant war nach dem Spiel mit der Leistung seiner Mannschaft sichtlich unzufrieden: "Wir hätten viel aggressiver in die Zweikämpfe gehen müssen. Mehr als ein 0:0 war heute nicht möglich und wäre aus unserer Sicht auch nicht verdient gewesen." 

Fakten:
Nullnummer
Wie bereits in der letzten Saison trennen sich die Löwen Zuhause 0:0 vom HSV. 

Nullnummer - Teil II
Erstmals in dieser Saison spielt die „Torfabrik“ aus Hamburg 0:0. In der letzten Spielzeit trennte sich kein Team häufiger torlos als die Hamburger (fünfmal). 

Trostpflaster
Durch diese Nullnummer bleiben die Mini-Serien beider Mannschaften bestehen: Sowohl die Löwen als auch der HSV sind seit vier Spielen ohne Niederlage. 

Hamburger Youngster
Die Startformation des Hamburger SV bei den Löwen war mit einem Durchschnittsalter von knapp 26,5 Jahren die jüngste Hamburger Anfangself seit über einem Jahr (09.09.1999: Leverkusen - HSV 1:2). 
 

Schlaglichter:
Zu wenig Löwen-Druck
Die Münchner Löwen konnte an diesem Spieltag nicht brüllen. Nur elf Torschüsse im gesamten Spiel waren zuwenig, um gegen einen technisch versiert aufspielenden Hamburger SV mehr als ein Unentschieden zu erreichen. Zu oft versuchte es die Lorant-Truppe mit langen Bällen, doch nur 13 von 42 langen Pässen erreichten ihr Ziel. Viele Versuche durch die Mitte und ein vernachlässigtes Flügelspiel waren ausschlaggebend für die drucklosen Offensivbemühungen der Münchner. 

Max und Winkler ohne Bindung zum Spiel
Martin Max, bester Torschütze der Löwen bislang, fand zu keiner Zeit ins Spiel. Es dauerte bis zur 44. Minute, bevor Max das erste und einzige Mal in dieser Partie zum Torschuß kam. Lediglich drei von 13 Zweikämpfen konnte der Löwen-Stürmer in der ersten Hälfte für sich entscheiden. Bis zu seiner folgerichtigen Auswechslung in der 71. Minute hatte er ganze 20 Ballkontakte. Sein Partner Bernhard Winkler war ebenso wirkungslos: Zwei Torschüsse und eine Torschussvorlage brachte er in 90 Minuten zustande. 

Cardoso und Yeboah reichten nicht zum Sieg
Ein überragender Spielgestalter Rodolfo Cardoso und der sehr agile Sturmtank Anthony Yeboah reichten dem HSV nur zu einem Teilerfolg in München. Cardoso war mit zwei Torschüssen, sechs Assists und den meisten Hamburger Ballkontakten die Schaltzenztrale in der HSV-Offensive. Yeboah gab mit vier die meisten Torschüsse aller Spieler ab. Keiner führte mehr Zweikämpfe als der Ghanaer: Insgesamt 37, von denen er 15 gewinnen konnte. 

Druckvolles Spiel nach der Pause
Seine stärkste Phase hatte der Hamburger SV nach der Pause, als die Hanseaten in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte sechs Torschüsse abgaben. Cardoso hatte in der 64. Minute die wohl beste Chance zur Hamburger Führung, verzog aber. Mit neun Torschüssen nach dem Wechsel zeigte sich der HSV nicht nur spielerisch besser als die Löwen, sondern auch torgefährlicher. 

Kommentar von Matthias Stach:
"Obwohl beim HSV fast das gesamte Mittelfeld fehlte, waren sie über die 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft. Besonders in der ersten Hälfte dominierten die Norddeutschen und hatten gute Chancen. Die Münchner hingegen waren zu passiv und standen viel zu weit weg von ihren Gegenspielern. Erwähnenswert ist noch die tolle Parade von Butt kurz vor Ende der Partie."
Spielwertung: 2 (von 4 möglichen Bällen)

Stimmen zum Spiel:
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Ich glaube, dass wir zufrieden sein können. Wir wollten punkten, das haben wir gemacht. Ich hatte mir aber das ein oder andere Tor erhofft, daher bin ich nicht ganz zufrieden. Wir haben aber unsere Chancen sehr gut herausgespielt." 
Trainer Werner Lorant (1860 München):
"Wir haben überhaupt nicht gut angefangen. Am Anfang haben wir Glück gehabt. Für die zweite Halbzeit hatten wir uns dann mehr vorgenommen. Das haben wir dann aber auch nur teilweise gemacht. Ich bin unzufrieden. Wir hätten viel aggressiver spielen müssen. Vom Ergebnis her bin ich aber zufrieden." 

Story: Prinzip Hoffnung ...:
Es gibt Mannschaften, bei denen können bestimmte Teams einfach nicht gewinnen. Für den Hamburger SV sind es die Sechziger aus München. Bei den Löwen haben die Hanseaten seit zwanzig Jahren nicht mehr gewinnen können. Diese "Schwarze Serie" hat auch nach dem 0:0 am neunten Spieltag der Fußball-Bundesliga bestand. Bleibt für den HSV einzig das Prinzip Hoffnung ... 


 
dpa schreibt folgenden Spielbericht:
Rückschlag für den HSV: Nur 0:0 bei den Münchner "Löwen" 
Von Gerd Münster, dpa 
Der Hamburger SV hat auf dem Weg an die Bundesliga- Spitze einen Rückschlag erlitten. Mit dem torlosen Unentschieden verlor die stark ersatzgeschwächte "Notmannschaft" aus der Hansestadt beim seit vier Spielen ungeschlagenen TSV 1860 München zwei wertvolle Punkte bei der Jagd auf Spitzenreiter Borussia Dortmund. 
Die seit 20 Jahren zu Hause gegen den HSV unbesiegten "Löwen" verpassten mit dem zweiten Heim- Remis vor 32 300 Zuschauern im Olympiastadion die große Chance, in der Tabelle an Lokalrivale FC Bayern vorbei zu ziehen. Der HSV, der gleich fünf Stammkräfte ersetzen mußte, verpatzte in dem enttäuschenden Spitzenspiel mit der zweiten Saisonniederlage den Sprung an die Tabellenspitze.
Die Rumpfelf des HSV, der mit den gesperrten Präger und Kovac sowie den verletzten Groth, Spörl und Hollerbach gleich fünf Stammkräfte ersetzen musste, zeigte unter der Regie des glänzend aufgelegten Argentiniers das gefälligere Spiel, blieb aber im Angriff ohne entscheidende Durchschlagskraft, um erstmals seit dem 2:0 am 3. November 1979 wieder bei 1860 zu gewinnen.
Die beste Möglichkeit zum 1:0 für den HSV vergab Cardoso (65.), als er aus elf Metern den Ball knapp übers Münchner Tor schoss. Neun Minuten später klärte 1860- Torhüter Hoffmann bei einem Fischer- Schuss auf der Linie. Bei den "Löwen" bemühte sich der fleißige Häßler seine Mannschaft auf Erfolgskurs zu bringen, aber trotz überlegen geführter zweiter Halbzeit waren die besonders im Abspiel unkonzentrierten Sechziger, die in der Schlussminute durch Agostino fast das 1:0 erzielt hätten, im Spielaufbau zu langsam und im Abschluß harmlos.
Schon in den ersten Spielminuten zeigte der HSV mit offensiv ausgerichteter Taktik, dass er in München gewinnen wollte. Cardoso, dessen Einsatz wegen einer Beckenverletzung fraglich war, und Yeboah erspielten sich erste Möglichkeiten. Nach 14 Minuten wären die zweikampfstarken und überlegter spielenden Hamburger fast in Führung gegangen, aber nach einer Flanke des überragenden Cardoso rettete Greilich gegen einen Kopfball von Mahdavikia.
Die Münchner, immer wieder angetrieben von Häßler, reagierten mit fast wütenden Gegenangriffen, spielten aber zu umständlich und behäbig, um die HSV- Abwehr ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Die einzigen gefährlichen Situationen mussten die Hanseaten kurz vor der Pause überstehen. Zunächst fischte HSV- Torwart Butt einen 25- Meter- Freistoß von Häßler (41.) aus dem Winkel, dann scheiterte der bis dahin völlig abgemeldete Max (44.) mit einem Kopfball am glänzend reagierenden Butt.