Bundesliga, 10. Spieltag, Samstag, 30.10.1999, 15:30 in Hamburg bei sonnigem, aber kühlem Wetter:

Hamburger SV - BVB 09 Dortmund 1:1 (0:0)

Das Spiel stand für mich unter „seltsamen“ Vorzeichen. Eigentlich bin ich nämlich Berufspessimist und immer eher ängstlich und skeptisch. Diesmal hatte ich aber irgendwie das sichere Gefühlt, daß wir das Spiel keineswegs verlieren. Um es genau zu sagen: Ich war mir eigentlich recht sicher, daß wir gewinnen würden. Außerdem ahnte ich auch, daß Butt heute einen Elfer versenken sollte.

Das Spiel war von wenigen spielerischen Höhepunkten gezeichnet. Es war dann doch eindeutig der Kampf, der das Spiel bestimmte. Richtig herausragende Chancen gab es eigentlich kaum.

Der HSV hatte insgesamt meiner Meinung nach wesentlich mehr Drang zum Tor und war auch deutlich feldüberlegen. Die Dortmunder hatten dafür aber die klareren Chancen. 

Im ganzen Spielverlauf fallen mir so einige Hamburger Chancen ein, die aber allesamt keine hundertprozentigen waren. Die beste hatte noch Cardoso in der 2. Halbzeit als er ganz frei aber sehr seitlich von links auf´s Tor zulief und daneben schoss. Die Dortmunder hatten dafür die wesentlich klareren Chancen. Es fallen mir eigentlich nur 4 Dortmunder Chancen ein. Die hatten es aber allesamt in sich.

In der ersten Halbzeit konnte einmal Ricken sehr unbedrängt aus ca. 18 m schießen. Der Schuß ging daneben; hätte ansonsten aber vielleicht auf von Butt pariert werden können. Dann gab es aber eigentlich eine hundertprozentige für die Borussen. Addo stand halblinks ganz frei im Strafraum und wollte Butt ausspielen. Doch unsere Krake warf sich wieder einmal entschlossen auf den Ball und konnte ihn Addo abluxen. Da hätte Dortmund mehr draus machen müssen. Die 3. Dortmunder Chancen war deren Tor zum 1:1, wobei Pana leider ausnahmsweise äußerst schlecht aussah gegen Bobic. Und die vierte Chance der Borussen war wieder so ein Kracher, der eigentlich zum sicheren Tor hätten führen müssen. 2 Dortmunder leifen (ziemlich abseitsverdächtig) ganz frei auf Butt zu. Doch statt den Ball zum total freien Bobic rüberzuschieben, zog es Evanilson vor, den Ball gegen Butt zu vertändeln. Er stoppte den Ball versehentlich; lief aber selbst weiter. So war es dann doch eine leichte Beute für Butt. Bobic schien das gar nicht lustig zu finden ;-)

Der HSV war wie gesagt für mich ganz deutlich das Team, das sehr viel mehr Tordrang entwickelte und stets bemüht war, nach vorne zu spielen. Es kamen nur nicht all zu viele zwingende Chancen heraus. Er waren zwar wesentlich mehr als bei den Borussen, aber keine wo ich gesagt hätte „Der mußte aber drin sein“.

Was für mich nun aber wirklich besonders war an diesem Spiel, war die stetige Unsportlichkeit der Borussen. Nicht nur, daß sie äußerst hart spielten und sehr viel foulten. Nein, sie waren auch noch ständig am Reklamieren. Selbst wenn der Schiri schon längst für sie entschieden hatte, waren sie immer noch am Gestikulieren. Ich fand die Borussen wirklich unsportlich (obwohl ich sie sonst doch eigentlich recht gerne mag). Die Mannschaft kam diesmal sogar wesentlich unsympathischer rüber als meine „Lieblings-Feinde“ vom FC Bayern.

Und so wurde auch Oliver Kahn an diesem Spieltag gewiß in den Köpfen vieler HSV-Fans (wie auch mir) abgelöst von seiner Führung der Tabelle der unsympathischten Torhüter. Diesen Platz bekleidet jetzt ganz klar Jens Lehmann. Schon in der Woche vor dem Spiel titulierte er die HSV-Feldspieler als „Weicheier“, weil sie ihrem Torwart das Schießen der Elfer überlassen würden. Natürlich wurde Lehmann dafür von den Fans mit entsprechend wenig freundlichen Sprechchören empfangen. Ist das ein Wunder ???

Seinen drehburchreifen Höhepunkt nahm dieses Spektakel dann in der zweiten Halbzeit. Dimi Grammozis ging links die Strafraumgrenze entlang mit dem Ball und drang schließlich in den Strafraum ein. Die ganze Zeit wurde er dabei deutlich vom Dortmunder Ricken gehalten und gezogen. Schließlich fiel er dann im Strafraum hin und der Schiri gab den eindeutig berechtigten Strafstoß. Das war wirklich äußerst dämlich von Ricken, der sich aber später im TV nur darüber beschwerte, daß er dafür die gelbe Karten bekommen hatte. Das Foul ansich stritt er im Nachhinein nicht ab. Dafür aber die ganze Dortmunder Mannschaft auf dem Feld. 
Aufgrund der äußerst heftigen Aufregungen der Dortmunder Spieler nach dem Pfiff, war ich im Stadion eigentlich der Meinung, daß es wohl kein Elfer gewesen sein könne. Ich sitze nun auch so, daß es genau die entgegengelegene Strafraumecke war und ich es so im Stadion nicht sehen konnte. Nach Studium der Fernsehbilder ist es mir aber ein Rätsel, wie sich die Spieler so aufregen konnten. Da blieb dem Schiri nun wirklich nichts anderes übrig !

Und wie sie alle den Schiri bestürmten. Der „mußte“ Schritt um Schritt zurückweichen, bis er am Ende fast schon an der Mittellinie stand. Alle bestürmten Sie ihn. Die Feldspieler, Lehmann, die Ersatzspieler und auch Skibbe. Sowas unsportliches habe ich bei einer so berechtigten Entscheidung auch noch nicht gesehen. Für mich auch unverständlich warum einzig Kohler den gelben Karton sah. Der Schiri wurde so bedrängt, daß er auch einfach pauschal die gelbe Karte vier bis fünfmal hätte hochhalten können.

Und Lehmann „beschloß“ nun, sich endgültig zu meinem „Lieblings-Arschloch“ empor zu arbeiten. Butt hatte sich den Ball bereits hingelegt, als Lehmann diesen wieder aufnahm. Er hielt ihn Butt hin und zog ihn dann wieder weg. Wie man später im Sportstudio erfuhr, bot er Butt dann auch noch eine wette an, daß er 100 DM bekommen sollte, wenn er ihn halte und Butt DM 50 erhalten für einen Treffer. Alles extrem unsportlich !!! Und auch etliche Dortmunder Spieler redeten auf Butt ein. Warum greift der Schiri da nicht ein ????

Meine Sitzplatznachbarn waren teilweise doch recht nervös bei diesem Elfer. Ich aber „wußte“ ja schon vorher (siehe ganz oben), daß Butt heute einen Elfer versenken würde und war mir daher (für mich sehr ungewöhnlich) mal sehr sicher, daß das Ding reingeht. Und es ging auch rein.

Nach dem verwandelten Elfer stürmte Lehmann abermals, wie von der Tarantel gestochen, auf den Schiri los und wollte sich über irgendwas beschweren. Vielleicht meinte er, Butt hätte den Anlauf verzögert. Dies war aber wirklich nicht der Fall, auch wenn Butt sonst schon manchmal sehr am Rande des Verzögerns ist. Auch hier die Frage ? Wieso darf Lehmann den Schiri so bestürmen ? Er hatte bereits in der ersten Halbzeit gelb gesehen wg. Spielverzögerung und hätte nun eigentlich Duschen gehen müssen. Aber nichts da. Wäre er nicht schon gelbverwarnt gewesen, hätte er den gelben Karton jetzt garantiert gesehen. So war der Schiri aber leider zu feige.

Der HSV machte nach diesem Tor leider abermals den Fehler, sich zu weit zurückzuziehen. Man ließ die Dortmunder ins Spiel kommen, was vorher eigentlich sehr gut verhindert wurde. Bestraft wurden wir dafür mit dem Ausgleichstor durch Bobic. Panadic stand bei einer Flanke ganz schlecht und Bobic konnte ungestört einnicken. Schade.

Danach wieder das gleiche Bild wie vorher. Der HSV spielte wieder nach vorn und versuchte bis zur letzten Minute, das Spiel für sich zu entscheiden. Es sollte aber leider nicht sein. Die Dortmunder waren offensichtlich mit der Punkteteilung sehr zufrieden und konnten diese dann auch einfahren.

Wirklich schade. Es wäre heute mehr drin gewesen. Zumindest hat der HSV seine vorher durch Pagel angekündigte „Reifeprüfung“ bestanden. Der HSV war keineswegs schlechter als die Dortmunder Borussen, die vor dem Spieltag Tabellenführer waren. Man konnte das Spiel bestimmen. Bisher war uns in dieser Saison keine Mannschaft überlegen. Das macht durchaus berechtigte Hoffnung für die Zukunft.

Meine Bewertungen der Spieler:
Butt: Heute wieder super. Langsam wird es ja langweilig, ihn immer nur zu loben. Aber alles andere wäre halt eine Lüge. Seine Elfer sehen auch sehr sicher aus. Der gegnerische Torhüter liegt eigentlich regelmäßig in der falschen Ecke. Das läßt ja fast vermuten, daß Butt wirklich so ruhig ist, den Torwart „auszugucken“. Hinten fehlerlos, vorne ein Tor. Gegen Addo ein sehr sicheres Tor verhindert. Macht: Note 1

Hoogma: Viel mir eigentlich gar nicht auf. Nur ein einziges Mal. Da zeigte er etwas, was er schon öfter getan hat: Meint, daß es Abseits sein müßte, hebt den Arm und bleibt dann einfach stehen. Er kann ja gerne auf Abseits spielen und den Arm heben. Aber DU MUSST WEITERLAUFEN, Nico !!! Es gab dann nämlich die eben bei Butt genannte Torchance. Note 4

Hertzsch: Einfach klasse ! Hat irgendjemand etwas von Reina gesehen ??? Schaltet sich auch immer häufiger in den Angriff ein. Da weiß er dann zwar manchmal mit dem Ball nichts anzufangen, aber für seine hervorragende Abwehrleistung: Note 1

Panadic: Hatte eigentlich kaum was zu tun. In der entscheidenden Szene allerdings hatte er Bobic aus den Augen verloren. Note 4

Fischer: Die „Sexmachine“ gefiel mir heute ganz hervorragend. Er zeigt, daß er immer einsetzbar wäre. Hat hinten gut abgeräumt. Note 2

Grammozis: Auch Dimi gefiel mir heute mal wieder richtig gut. Hat sehr häufig über die linke Seite Dampf gemacht. Note 2

Groth: Hat jawohl selbst entschieden, daß er spielen könne und mußte dann nach 20 Minuten wieder raus. Dafür habe ich kein Verständnis. Für so einen falschen Ehrgeiz, der dann dafür sorgt, daß jemand kalt ins Spiel muß, gibt es von mir: Note 5.

Ernst (für Groth): Bei Fabian überwog der Schatten heute auch wieder deutlich. Längst nicht mehr in der Form der letzten Saison, obwohl er ja zuletzt regelmäßig mitgespielt hat. Meist ein ganz schlechtes Zweikampfverhalten. Eine knappe 4 –

Cardoso: Was mir an ihm in diesem Jahr besonders gefällt: Selbst wenn es mal in der ganzen Mannschaft spielerisch nicht so läuft, ist Pelu zumindest noch als großer Kämpfer zur Stelle. Note 3

Mahdavikia: Hat leider zur Zeit nicht mehr den „Lauf“ der ersten Saisonspiele. Note 4

Präger: Wirkte richtig heiß. Bei jeder Rückgabe zu Lehmann versuchte er, diesem den Ball abzugrätschen. Das wäre das I-Tüpfelchen gewesen. Gut gekämpft, wenig gespielt. Note 3

Yeboah: hatte mit Kohler einen wirklich guten Bewacher. Kam trotzdem zu einigen (leider nicht übermäßig gefährlichen) Kopfbällen. Note 3

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
DSF schreibt folgenden Bericht: Spitzenduell in Hamburg endet ohne Sieger 
Das mit Spannung erwartete Spitzenduell endete wie der Tyson-Boxkampf gegen Norris: Ohne Sieger.
Durch das 1:1 (0:0) zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund verpassten die Gastgeber den Sprung an die Tabellenspitze, die der BVB durch den Punktverlust seinerseits an den deutschen Meister Bayern München abgeben musste.
Dennoch präsentierten sich die Westfalen (im Bild rechts Giuseppe Reina gegen den Hamburger Andreas Fischer) vier Tage vor dem entscheidenden Champions-League-Spiel bei Boavista Porto in guter Form.
HSV-Torwart Jörg Butt (61.) mit seinem vierten erfolgreich verwandelten Foulelfmeter der Saison und Fredi Bobic (69.) erzielten vor 52.000 Zuschauer im erstmals bei einem Bundesliga-Spiel ausverkauften neuen Volksparkstadion die Treffer in einer Partie, die dem Attribut Spitzenspiel vor allem in taktischer und kämpferischer Hinsicht gerecht wurde.
Die Hanseaten blieben im zehnten Heimspiel in Folge ungeschlagen, während Dortmund zum ersten Mal nach drei Auswärtspartien ohne Gegentor einen Treffer hinnehmen musste.
Das Tor wird für Butt eine besondere Genugtuung gewesen sein, denn unter der Woche hatte sein Gegenüber Jens Lehmann noch gegen die Hamburger und seinen Konkurrenten im Tor der Nationalmannschaft gestichelt. Der 25-Jährige ließ Lehmann keine Chance und traf insgesamt zum elften Mal.
Die Gastgeber waren insgesamt die offensivere Mannschaft, konnten sich gegen die sehr konzentrierte Dortmunder Abwehr allerdings nur selten durchsetzen. Die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe hatte in der ersten Halbzeit sogar die klarste Torchance. Otto Addo scheiterte jedoch völlig freistehend an Butt (20.), der dem Ghanaer die Kugel vom Fuß fischte.
Die teilweise hektische Partie war von einer Vielzahl von Fouls gekennzeichnet. Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Landshut hatte Schwierigkeiten, die Gemüter der Spieler zu beruhigen.
Nach dem Rückstand hatte Lehmann Glück, dass er nach einer vorherigen Gelben Karte wegen seiner Unmutsäußerungen nicht vorzeitig mit Gelb-Rot in die Kabine geschickt wurde.
Erst nach dem Rückstand lockerten die Borussen ihre reine Kontertaktik und verstärkten ihr Angriffsspiel. Die Folge war der verdiente Ausgleich durch den Kopfball von Bobic, der eine Unaufmerksamkeit in der Hamburger Deckung ausnutzte.
Danach war der HSV wieder an der Reihe: Rodolfo Cardoso, der von Miroslav Stevic ausgezeichnet bewacht wurde, verzog in der 77. Minute freistehend. Fünf Minuten später vertändelte auf der Gegenseite der eingewechselte Evanilson ebenfalls in guter Schussposition vor Butt.
Beste Spieler beim HSV, der erstmals in dieser Saison weniger als zwei Tore in einem Heimspiel erzielte, waren Dimitrios Grammozis und der unermüdliche Anthony Yeboah. Beim BVB ragten Otto Addo und Christian Wörns heraus.

Das Spiel in Zahlen 
Hamburger SV - Borussia Dortmund 1:1 (0:0)

Hamburg: Butt - Fischer, Panadic, Hoogma, Hertzsch - Groth (24. Ernst), Cardoso, Grammozis - Mahdavikia (79. Doll), Yeboah, Präger
Dortmund: Lehmann - Reuter - Kohler, Wörns - Ricken (62. Baumann), Stevic, Nerlinger, Kapetanovic (62. Evanilson) - Addo, Bobic, Möller (36. Reina)

Tore: 1:0 Butt (61., Foulelfmeter), 1:1 Bobic (68.)
Schiedsrichter: Stark (Landshut)
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Groth, Fischer, Grammozis (2) - Nerlinger (4), Lehmann (2), Ricken (2), Kohler (2), Evanilson, Wörns, Addo


 
Sat 1 ran berichtet: 
Kampf um die Führung endet remis :
Der im Vorfeld der Partie von den Trainern geäußerte gegenseitige Respekt fand seinen Niederschlag auf dem grünen Rasen: Der Schlager zwischen den beiden Topteams der Bundesliga war von der Taktik geprägt, starke Abwehrreihen standen in einer kampfbetonten und zeitweise hektischen Partie im Vordergrund. Dem Führungstreffer durch Butt per Elfmeter (61.) folgte sieben Minuten später der Ausgleich; mit dem wiederhergestellten Gleichstand gaben sich beide Mannschaften zufrieden. 
Der Rahmen im Volksparkstadion war prächtig: Der Umbau erstmals ausverkauft, der angesagte Regen blieb aus. Zuletzt hatten die Hanseaten vor zwölf Jahren unter dem legendären Ernst Happel die Gelegenheit gehabt, den Tabellenführer zu stürzen und selbst die Spitze zu übernehmen. Die Hamburger begannen engagiert, doch die BVB-Abwehr gestattete den HSV-Stürmern keinen Fußbreit Platz im eigenen Strafraum. Die Gastgeber ihrerseits ließen sich von der Borussia nicht aus der Abwehr herauslocken, Dortmund gelangen nur wenige schnelle Konter. Dennoch hatte der BVB durch Ricken und zweimal Addo die besten Gelegenheiten im ersten Durchgang. 
Auch nach dem Wechsel bestimmten kompakte Abwehrreihen das Bild. Die Partie wurde häufig durch Fouls unterbrochen, zudem sorgte Schiedsrichter Stark mit einigen fragwürdigen Entscheidungen für viel Hektik. Zeitweilig wurde jeder Pfiff des Unparteiischen kommentiert, die Spieler widmeten ihre Aufmerksamkeit mehr den Anweisungen des Schiedsrichters als dem Spielgerät. Acht gelbe Karten waren Ausdruck einer Partie, die Herrn Stark zeitweilig zu entgleiten drohte. 
Nach der HSV-Führung durch Butts Elfmeter (61.), den Ricken mit einem überflüssigen Foul an der Strafraumgrenze verursacht hatte, hofften die HSV-Fans auf die Entscheidung. Die Dortmunder zeigten sich jedoch keineswegs geschockt und schlugen sieben Minuten später eiskalt zurück: Geburtstagskind Fredi Bobic erzielte nach einem der wenigen sehenswerten Spielzüge den Ausgleich - die alte Ausgangssituation war wiederhergestellt. In der Folgezeit schienen beide Teams mit den Kräften am Ende, Torsicherung ging vor Risiko. Das letztlich leistungsgerechte Unentschieden geriet in den Schlussminuten nicht mehr in Gefahr. 

Fakten:
Auswärts gefestigt
Mit dem einen Punkt setzt sich Dortmund wieder auf Platz Eins der Auswärtstabelle. Die Borussia hat jetzt schon mehr als doppelt so viele Auswärtspunkte geholt wie in der kompletten Hinrunde der letzten Saison. 

Heimserie
Den Sprung an die Tabellenspitze hat der HSV zwar verpasst - dafür hielt die Heimserie auch gegen die Dortmunder: Der HSV ist jetzt seit zehn Heimspielen ungeschlagen. 

Nervenstarker Butt
Auch im Duell der Nationaltorhüter behielt Hans-Jörg Butt die Nerven und verlud seinen Kontrahenten Jens Lehmann. Seine Quote erhöhte er damit auf elf verwandelte von zwölf geschossenen Elfmetern. 

Der Käptain nur kurz an Bord
Martin Groth war nach vier Spieltagen Zwangspause in die Mannschaft des Hamburger SV zurückgekehrt und übernahm die Spielführerbinde von seinem Stellvertreter Butt. Allerdings war sein Comeback nur von kurzer Dauer, nach gut zwanzig Minuten mußte er verletzungsbedingt wieder vom Platz. 
 

Schlaglichter:
Cardoso weiterhin in Topform
Auch im Spitzenspiel gegen den Tabellenführer aus Dortmund bestätigte Rodolfo Esteban Cardoso seine gute Form dieser Saison. Mit 80 Ballkontakten hatte er die meisten aller Akteure auf dem Platz, und 83% seiner Pässe kamen beim Mann an. Weiterhin war er an sieben von 18 Hamburger Torschüssen beteiligt. Er selbst schoss viermal aufs Tor und konnte dreimal zum Torschuss ablegen. 

Otto Addo stellt neuen Saisonrekord auf
Sage und schreibe 53 Zweikämpfe bestritt Otto Addo im Spiel beim Hamburger SV. Damit ging er so oft wie kein anderer Spieler auf dem Platz in den Zweikampf und stellte einen neuen Saiosonrekord an bestrittenen Zweikämpfen pro Spiel auf. Auch seine Bilanz lässt sich für einen Stürmer sehen. 47% seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen, eine gute Quote für einen Anfreifer. 

Der HSV mit eindeutiger Torschussbilanz
Auch in seinem fünften Heimspiel konnte der HSV 1:0 in Führung gehen. Mit dem 13. Torschuss auf Hamburger Seite verwandelte Jörg Butt in der 61. Minute einen Foulelfmeter sicher gegen seinen Kontrahenten um den Posten im Tor der Nationalelf, Jens Lehmann. Die Dortmunder kamen bis zu diesem Zeitpunkt lediglich dreimal zum Abschluss. Auch am Ende fiel die Bilanz mit 18 zu sieben Torschüssen eindeutig zu Gunsten der Hamburger aus. 

"Minimalist" Fredi Bobic
Sein Kopfballtreffer in der 68. Minute zum 1:1 war zugleich sein erster und einziger Torschuss im gesamten Spiel. Zuvor konnte er lediglich einmal zum Torschuss eines Mitspielers ablegen. Außerdem war es in diesee Spielzeit sein erster Treffer mit dem Kopf. Seine ersten drei Saisontore schoss er alle mit dem rechten Fuß. 

Kommentar: Markus Höhner
"Es war ein zerfahrenes, hektisches Spiel, in dem der HSV letztlich die bessere Mannschaft war. Borussia Dortmund hatte zwar wenige Chance, aber dafür sehr gute. Der Elfmeter für den HSV war trotz aller Dortmunder Proteste korrekt, und Butt gewann seine Wette gegen Lehmann - unmittelbar vor der Ausführung hatten die beiden um 50 Mark gewettet." 
Spielwertung: 2 (von 4 Bällen)

Stimmen zum Spiel: 
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV): 
"Uns war klar, dass es ein sehr enges Spiel werden würde. Beide Mannschaften haben versucht, nach vorne zu spielen. Es gab Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Die Hektik in einigen Situationen kam auch durch einige Schiedsrichter-Entscheidungen. Wir stehen zu Recht ziemlich weit oben in der Tabelle." 

Michael Skibbe (Trainer Borussia Dortmund): 
"Der Elfmeter: Beide halten, am Ende fällt einer, mal wird's gepfiffen, mal nicht. Der Schiri hat das Spiel entschieden. Ich hoffe, dass wir uns über die Saison da oben etablieren können." 

Story: Butt zockt Lehmann ab
Hans-Jörg Butt - die Ruhe selbst. BVB-Keeper Jens Lehmann machte vor dem Duell der Kronprinzen im Nationalmannschaftstor in der Presse kräftig Stimmung gegen den HSV-Keeper - und bekräftigte seinen Anspruch auf die Nummer zwei im DFB-Team hinter Oliver Kahn. HSV-Schlussmann Butt reagierte wie immer: Er hielt sich vornehm zurück und ließ Taten statt Worte sprechen. Als die Hamburger in der 61. Minute einen Strafstoß zugesprochen bekamen, schnappte er sich den Ball - und verlud Lehmann souverän. 1 C gegen 1 B - dieses Duell entschied Butt an diesem Nachmittag für sich. Und er gewann sogar noch 50 Mark: Vor der Ausführung des Strafstoßes hatte Lehmann ihm eine Wette angeboten, die Butt nach dem Spielende voller Genugtuung einlöste. Nur am Rande sei erwähnt, dass der Torhüter nach seinem vierten Saisontreffer auch die vereinsinterne Torjägerliste gemeinsam mit Roy Präger anführt - aber das kennen wir ja bereits aus der letzten Saison... 


 
dpa schreibt folgenden Spielbericht: Magerkost im Spitzenspiel: HSV und BVB 1:1 
Von Volker Gundrum, dpa 
Der Hamburger SV hat im Spitzenspiel der Fußball- Bundesliga gegen Borussia Dortmund den Sprung an die Tabellenspitze verpasst. In der nur streckenweise auf Gipfel- Niveau stehenden Partie half das 1:1 (0:0) keiner der beiden Mannschaften so richtig weiter. 
Der HSV vergab vor 52 000 Zuschauern im erstmals ausverkauften Volksparkstadion eine große Chance, der BVB musste die Tabellenführung abgeben. Torwart Hans- Jörg Butt (61.) verwandelte in souveräner Manier seinen elften Strafstoß. Wenig später machte sich Geburtstagskind Fredi Bobic (68.) das größte Geschenk mit seinem vierten Saisontreffer für den BVB selbst. Hochzufrieden durfte sich lediglich der HSV- Schatzmeister die Hände reiben: Die Rekordeinnahme von 2,5 Millionen Mark klingelte in der HSV- Kasse.
Die Dortmunder setzten ihre Magerserie fort und blieben zum vierten Mal in Folge in einem Pflichtspiel ohne Sieg. Trotzdem dürfen sie mit gewachsenem Selbstvertrauern zum abschließenden Champions- League- Vorrundenspiel am Dienstag nach Porto fliegen. Der HSV war in dem Spitzenspiel, das Trainer Frank Pagelsdorf als "Reifeprüfung" für seine junge Mannschaft eingestuft hatte, teilweise mit seinem Fußball- Latein am Ende. Die letzte Konsequenz fehlte.
Der Selbstversuch von HSV- Kapitän Martin Groth, der nach langer Verletzungspause ins Team zurückgekehrter, war nach 14 Minuten beendet. Fabian Ernst kam als Ersatz. Zunächst bestimmte der HSV das Geschehen, die größeren Torchancen erkämpfte sich allerdings die Borussia. Lars Ricken (18.) vergab, dann klärte Torwart Butt in großartiger Manier zweimal gegen Otto Addo (20./29.). "Erich Ribbeck, hast du das gesehen", sangen die Fans. Dann humpelte Andreas Möller (36.) mit einer Leistenzerrung vom Platz und Dortmunds "überreizt" wirkender Keeper Lehmann sah kurz vor dem Pausenpfiff die Gelbe Karte. Insgesamt gab es sieben Verwarnungen: Vier für Dortmund, drei für den HSV.
Das Spiel wurde auch nach der Pause nicht besser, dafür aber härter und auch spannender. Ricken "zupfte" Grammozis, Schiedsrichter Stark (Landshut) zeigte auf den Elfmeterpunkt, Butt kam aus seinem Tor gestürmt. Lehmann hielt seinem Nationalmannschaftskollegen das Leder hin, zog es wieder weg, doch der HSV- Keeper behielt die Nerven und verwandelte sicher. Es war sein vierter Saisontreffer. Doch im Übereifer lockerte der HSV die Abwehr. Evanilson sah die Lücke und Bobic hatte keine Mühe. Per Kopf erzielte er den verdienten Ausgleich. In den letzten zehn Minuten kam Publikumsliebling Doll, doch Dortmund hatte keinerlei Probleme mehr.