Bundesliga, 15. Spieltag, Sonntag, 12.12.88 in der Leverkusener BayArena bei starkem Regen und ca. 5 Grad C. 

Bayer 04 Leverkusen - Hamburger SV 2:2 (1:1)

Leverkusen war (wie fast immer) eine Reise wert. Und diesmal sogar ganz besonders. Das Spiel war wirklich klasse und die Stimmung im HSV-Block auch.

Wollte ich von diesem Spiel alle Chancen aufzählen, hätte ich wirklich sehr viel zu tun, denn es gab auf beiden Seiten Chancen in Hülle und Fülle, so daß sogar im TV Marcel Reif schon fast geifernd auf den Knien rutsche um sich bei den Spielern zu bedanken für das tolle Spiel.

Ich denke, daß das Unentschieden insgesamt recht verdient war. Wenn allerdings eine Mannschaft hätte gewinnen sollen/können/dürfen/müssen, wäre das wohl eher Bayer gewesen, weil sie fast über die ganze Spielzeit feldüberlegen waren. Großchancen für Tore gab es allerdings auf beiden Seiten gleichermaßen und der HSV hat sich in diesem Spiel auch nie versteckt oder gemauert.

Einen Fehler hat der HSV in der 1. Halbzeit (da konnte ich es zumindest besonders gut beobachten) gemacht: Man hat die Bayer-Spieler immer viel zu weit in die eigene Hälfte kommen lassen, ohne sie zu attackieren. Erst ab ca. 30 m wurde der Gegner angegriffen. Das hätte auch sehr leicht ins Auge gehen können.

Das Spiel ging schon mit vielen Chancen los. Die beste Doppelchance in der ersten Halbzeit hatte Beinlich. Zuerst zirkelte auf ganz spitzem Winkel einen Freistoß ins Eck, den Butt aber mit einer tollen Parade noch gegen die Latte lenken konnte und gleich danach wurde der Ball noch einmal in den 16er geschlagen und Beinlich köpfte knapp daneben. Eigentlich hätte das das erste Tor sein müssen.

Das erste Tor blieb dann aber dem HSV vorbehalten. Reeb foulte Cardoso sehr ungeschickt und ebenso deutlich, sodaß es wieder einmal zu einem Elfer für den HSV kam. Da Butt sich bei seiner Freistoßparade direkt zuvor am Oberschenkel verletzt hatte, wollte er nicht antreten und Kovac schnappte sich den Ball. Das verursachte mir zuerst leichte Magenschmerzen, denn da kamen mir die typischen Fußballgeschichten ins Gedächtnis. So à la „der ehemalige Leverkusener will es seinem ehemaligen Trainer zeigen und vergibt dann aber“. Das traf aber nicht ein. Niko verwandelte sicher zum 1:0 für den HSV. Die Freude währte allerdings nur sehr kurz, denn der Ausgleich fiel nur Minuten später nach einem wirklich kuriosen Tor: Reeb konnte einen hohen Ball unbehelligt im Strafraum annehmen und zog dann rechts zur Torauslinie. Als er ca. 1 m vor dem Toraus ankam zog er den Ball in die Mitte. Zuerst veränderte der herangrätschende Ernst die Laufrichtung des Balles. Dann versuchte sich auch noch Kovac, der den Ball aber wohl nicht mehr berührte. Dadurch rutsche der Ball nun auch noch an Butt vorbei und in der Mitte konnte Grammozis Beinlich nicht mehr richtig daran hindern, den Ball irgendwie über die Linie zu bugsieren.

Mit diesem 1:1 ging es in die Halbzeit. Nach der Halbzeit sollte es dann auch gleich wieder auf beiden Seiten mit vielen Torchancen weitergehen. Diesmal konnte Bayer das erste Tor daraus erzielen. Der für mich bei Bayer überragende Ballack legte den Ball per Kopf auf den kongenialen Beinlich ab und der Schoß den Ball dann aus kurzer Distanz volley mit dem linken Außenspann ins Tor. Aber auch diesmal sollte die Freude der führenden Mannschaft nicht all zu lange währen. Ein Ball rollte zu langsam auf den 16er der Leverkusener zu. Mahdavikia setzte nach und konnte Nowotny sogar einholen. Der Bayer-TW Matysek war aber hinausgeeilt, um den Ball wegzuschlagen. Er grätschte zum Ball und schoß ihn direkt Jens Nowotny in die Hacken. Von diesem aus trudelte der Ball ins verlassene Tor. Wir feierten im Stadion „Kia“ Mahdavikia als Torschützen. Das war er zwar nicht, wie ich inzwischen in der premiere-Aufzeichnung gesehen habe, aber ohne seinen Einsatz wäre das Tor auch niemals gefallen.

Auch nach diesem abermaligen Ausgleich gab es weiterhin reichlich Torchancen auf beiden Seiten. Bayers größte Chance vergab der eingewechselte Reichenberger, der eigentlich sehr frei stand vor Butt und dann aber doch den Ball direkt auf unseren Torwart schoß. Schon vorher konnte sich Butt wieder besondere Lorbeeren verdienen als er zwei Kopfbälle mit Super-Reflexen über die Latte lenken konnte. Damit verdiente er sich bei uns Fans ein wieder mal sehr verdientes „Hans Jörg Butt ist Deutschland´s Nummer 1“.

Aber auch dem HSV sollten sich noch hervorragende Chancen bieten. Die beste hatte eigentlich der erstmal im HSV-Trikot auflaufende Rassoul Khatibi. Direkt nach seiner Einwechslung hätte er mit seiner allerersten Ballberührung den HSV und seine stimmgewaltigen Fans in den siebten Fußballerhimmel schießen können. Der heute wieder einmal sehr starke und rackernde Tony Yeboah legte Khatibi den Ball super in den 16er vor. Rassoul stürmte heran und schoß den Ball aus halbrechter Position leider neben das Tor. Da hätte er sich mit einem Schlag in die Herzen alles HSV-Fans spielen können. Khatibi hatte auch noch später bei zwei Kontern den Ball und da merkte man ihm seine Verunsicherung doch an. Er war nämlich mehrmals recht zögerlich und vergab dadurch gute HSV-Konterchancen. Aber es war ja auch erst sein erstes Spiel in einer ganz anderen Welt.

Eine weitere Superchance des HSV hatte Cardoso, der plötzlich ganz frei stand in halblinker Position am 16er. Aber anstatt richtig einen „draufzuledern“ zog er es vor, einen Heber zu versuchen. Dieser mißlang aber und so trennte man sich letztendlich, für den HSV zufriedenstellend, mit einem 2:2.

Da ich mir das Spiel inzwischen auch noch einmal komplett auf premiere angeschaut habe, sind mir beim TV-Studium wieder einige Sachen anders aufgefallen als ich Sie im Stadion in Erinnerung hatte.

Das ist zum Einen der Schiri Bernd Heynemann, der mir im Stadion ganz und gar nicht gefallen hat. Nach den TV-Bildern muß ich allerdings sagen, daß er doch die meisten Entscheidungen korrekt getroffen hat. Bei den gelben Karten hat er aber auch nach TV-Studium die Leverkusener zu lasch „angefaßt“. Mindestens 3 Bayer-Spieler mehr hätten den gelben Karton sehen müssen. Zweimal wurde der Ball aus Wut einfach weggeschlagen, nachdem der Schiri für den HSV gepfiffen hatte. Und am Ende wurde Khatibi einmal von Nowotny gehalten. Es war zwar kein grobes Foul und es war auch noch in der Nähe der Mittellinie, aber Khatibi wäre dann eigentlich durch gewesen. Da hätte also eher nur die Frage bestanden, ob es gelb oder dunkelgelb werden müßte.

Was ich im Stadion noch ganz anders gesehen habe, war die Leistung von Nico Hoogma. Im Stadion war ich noch der Meinung, daß er nicht besonders gut war und mir gar nicht aufgefallen ist. Er im TV habe ich dann so richig gesehen, daß er seinen Gegenspieler Neuville, der körperlich und spieltechnisch bei dem nassen Boden ja eigentlich klar bevorteilt war, total unter Kontrolle hatte. Neuville hatte, im Gegensatz zu fast allen anderen Offensivspielern von Bayer, eigentlich gar keine richtige Chance. Und das muß man Hoogma hoch anrechnen.

Leider nicht besser weggekommen im TV als im Stadion ist Fabian Ernst in meiner Bewertung. Der Junge, der sich letztes Jahr noch so toll in die Mannschaft gespielt hat, ist total von der Rolle. Was er leider bei seinen bisherigen Einsätzen in dieser Saison zumeist gezeigt hat, setzte sich auch in Leverkusen fort. Er war äußerst zweikampfschwach und hat eigentlich weder in Offensive noch in der Defensive was gebracht. Defensiv konnte er kaum Zweikämpfe gewinnen und in der Offensive war es nachher schon soweit, daß ich manchmal Angst bekam, wenn er überhaupt in Ballbesitz war. Es ist wirklich schade, wie er momentan drauf ist. In seiner jetzigen Form stellt er aber auch nicht die geringste Konkurrenz für Niko Kovac da. Wenn die Personalsituation beim HSV wieder etwas entspannter ist, dürfte sich Ernst schnell auf der Bank wiederfinden. Und bei seiner Leistung gehört er da leider auch hin und sollte nicht zu viele Ansprüche stellen und lieber ganz kleine Brötchen backen. Ich denke wirklich, daß es für beide Seiten das beste wäre, wenn man ihn an einen Erst- oder Zweitligisten ausleihen würde, wo er Spielpraxis sammeln kann. Warum soll nicht auch der HSV mal seinen Spieler von anderen Vereinen aufbauen lassen und später die Lorbeeren einsacken ???

Meine Spielerbewertung:
Butt: Sah beim ersten Bayer-Tor nicht sehr gut aus und leistete sich einen fast fatalen Abschlag. Ansonsten hat er aber brilliant gehalten und etliche Bayer-Chancen zunichte gemacht. Note 2+

Gravesen: wieder ein sehr gutes Spiel. Er läuft wirklich sehr viel und ist äußerst zweikampfstark. Heute völlig ohne Leichtsinn => Super. Note 2

Hoogma: Was will man von einem Manndecker mehr verlangen. Sein Gegenspieler Neuville war wohl der einzige offensive Leverkusener, der überhaupt nicht zum Zuge kam. Note 1

Hertzsch: hat einige male gepennt, aber auf der anderen Seite auch einige brenzlige Situationen gerettet. Note 2 –

Ernst: schlechtester Hamburger auf dem Feld. Böse Pannen und Schnitzer, die teilweise fast zu Gegentoren geführt hätten. Note 5

Grammozis: wurde von fast allen Medien als sehr schlechter Hamburger ausgemacht. Das habe ich nicht so gesehen. Er war allerdings fast ausschließlich in der Defensive beschäftigt mit dem starken Ze Roberto. Note 3

Kovac: war heute sehr unauffällig. Sein terrain ist halt mehr die Mitte und nicht das linke Mittelfeld. Note 4

Cardoso: Trotz Manndeckung durch Leverkusen konnte er sich häufig gut in Szene setzen. Note 3

Mahdavikia: Kaum darf er wieder von Anfang an ran, macht er mir nicht den besten Eindruck. In der ersten Halbzeit sehr mau. Danach mit leichtem Anstieg. Note 4

Präger: Hatte überhaupt keine Szenen. Das einzige, was an ihm besser war als an Ernst, war, daß er keine so katastrophalen Ballverluste hatte. Note 5

Yeboah: Unermüdlich rackerte er gegen Nowotny und lieferte sich tolle Zweikämpfe. War immer anspielbar und konnte teilweise gut für seine Mitspieler auflegen. Note 3

Doll (eingewechselt): Konnte gar nicht ins Spiel finden. Note 4

Khatibi (eingewechselt): Hätte sich eine 1 verdienen können, ist aber an noch etwas an seiner Zögerlichkeit gescheitert. Kann ja noch werden. Note 4

Hashemian: Kam nur für eine Minute.

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1.de berichtet: Rauschende Ballnacht in der BayArena
Bayer 04 Leverkusen  2 : 2 (1 : 1) Hamburger SV 
Das Wort Spitzenspiel wird im Fußball so inflationär gebraucht wie in den letzten Monaten der Begriff Millennium. Sonntag Nachmittag, BayArena: Wieder wurde eine Spitzenbegegnung zwischen Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV angekündigt. Aber: Dieses Mal bekamen die Zuschauer das zu sehen, wofür sie bezahlt hatten. Kampf, schöne Kombinationen, Kabinettstückchen, Spannung, tolle Tore - und ein gerechtes 2:2. 
Kaum hatten sich die Besucher nach einer aufregenden Aktion gesetzt, da riss es sie schon wieder von den Plätzen. Mit glänzenden Augen und hochzufrieden verließen viele von ihnen nach 90 Minuten das Stadion. 

Eine knisternde Spannung hing bereits vor dem Anpfiff über der BayArena. Leverkusen wollte sich nach der Europapokalpleite rehabilitieren, Hamburg mit drei Punkten weiter nach oben. Daum hatte seine Lektion nach der Partie gegen Udinese gelernt und schickte alle verfügbaren Offensivkräfte aufs Feld.

Der Taktiker Pagelsdorf wollte den Sturmlauf der Hausherren mit einem kompakten Mittelfeld abwarten, um mit schnellen Kontern in deren entblößte Abwehr zu stoßen. Dementsprechend verliefen auch die ersten 45 Minuten. Bayer mit Druck, der HSV sorgte mit seinen schnellen Spielern für Gefahr. Kovac brachte die Hamburger nach einer halben Stunde per Foulelfmeter in Führung, der starke Beinlich glich postwendend aus (34.). 

Die erste Hälfte war nur eine Generalprobe. Vorhang auf zur Symphonie der zweiten Hälfte. Die Abstimmung aller 22 "Instrumente" war perfekt, und Dirigent Stefan Beinlich führte mit reichlich Esprit durch das Programm. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, das schönste Tor des Abends zu erzielen. Langer Ball von Ponte, Ballack per Kopf in den Lauf des Neu-Berliners, der volley zum 2:1 traf (49.).

Es gab auch noch Platz für Kuriositäten: Sechs Minuten später schoss Torwart Matysek Nowotny an die Hacke, und von dort trudelte der Ball zum 2:2 ins leere Tor. Die Vorführung steigerte sich von Minute zu Minute. Ballack aus 20 Metern ans Lattenkreuz, Nowotny kratzte einen Schuss von der Linie, Butt mit zwei unglaublichen Paraden. Unmöglich, alle Highlights des Spiels aufzuzählen. Schade nur, dass auch solche Vorstellungen nach 90 Minuten zu Ende sein müssen.

ERGEBNIS :   2 : 2 (1 : 1) 
DATUM :   12.12.99   17:30 Uhr 
ZUSCHAUER :   22,500 
SCHIEDSRICHTER :   Bernd Heynemann 
TORE 
0:1 Niko Kovac (32.)
1:1 Stefan Beinlich (34.)
2:1 Stefan Beinlich (49.)
2:2 Jens Nowotny (55.) Eigentor

AUFSTELLUNG 
Bayer 04 Leverkusen: Adam Matysek, Jens Nowotny, Jörg Reeb, Robson Ponte, Robert Kovac, Ze Roberto, Oliver Neuville, Michael Ballack, Stefan Beinlich. Bernd Schneider, Carsten Ramelow
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Fabian Ernst, Thomas Gravesen, Dimitrios Grammozis, Roy Präger, Niko Kovac, Mehdi Mahdavikia. Rodolfo E. Cardoso, Anthony Yeboah

WECHSEL 
Bayer 04 Leverkusen
Thomas Reichenberger für Michael Ballack (83.)
Thomas Brdaric für Robson Ponte (83.)
Hamburger SV
Thomas Doll für Mehdi Mahdavikia (77.)
Rasoul Khatibi für Roy Präger (77.)
Vahid Hashemian für Anthony Yeboah (91.)

GELBE KARTEN 
Bayer 04 Leverkusen
Stefan Beinlich (76.)
Hamburger SV
Thomas Gravesen (49.)
Rodolfo E. Cardoso (65.)

Fakten:
Unentschieden für die Bayern 
Der Sieger der Partie Leverkusen gegen den HSV hätte in der Tabelle knapp hinter dem FC Bayern gestanden. Nach dem Unentschieden steht Bayer 04 auf Rang zwei und der HSV ist Dritter, allerdings mit zwei beziehungsweise drei Punkten Rückstand. Die Bayern wird es freuen, die direkte Konkurrenz nahm sich gegenseitig Punkte ab.

Kovac treffsicher 
Die 1:0-Führung durch Nico Kovac gegen Leverkusen war der vierte Saisontreffer des Kroaten. Damit hat er bereits am 15. Spieltag seinen bisherigen Torrekord der vergangenen Saison eingestellt. Einen Elfmeter hatte der Mittelfeldmann vom HSV zuvor in der Bundesliga noch nicht geschossen, die Premiere war erfolgreich. 

Nowotny ins eigene Netz 
Der 2:2-Ausgleich für den HSV in Leverkusen ging auf die Kappe von Jens Nowotny. Es war das dritte Eigentor des Leverkusener Kapitäns in seiner Bundesligakarriere. 

Beinlich mit Doppelpack 
Zwei Treffer erzielte Leverkusens Mittelfeldmann Stefan Beinlich gegen den HSV. Es waren die Saisontreffer Nummer drei und vier für den Linksfuß und sein insgesamt vierter Doppelpack in der Liga. 

Schlaglichter:
Der Jubilar 
In seinem 50. Bundesligaspiel für den HSV zeigte der Argentinier Rudolfo Esteban Cardoso wieder eine sehr starke Partie. Die Schaltstation im Mittelfeld hatte 64 Ballkontakte, bestritt 30 Zweikämpfe - damit war er der fleißigste Zweikämpfer auf dem Platz - und war an fünf von acht Torschüssen beteiligt. Cardoso kann mit seinem Jubiläumsspiel zufrieden sein. 

Paule Beinlich Bärenstark 
Beide Tore für seine Elf erzielt, daß machte ihn heute schon so wertvoll. Stefan Beinlich war aber nicht nur durch seine Tore der auffälligste Akteur auf dem Rasen. Viele Zweikämpfe und die meisten Ballkontakte (82) von allen Spielern. Heute war er der wichtigste Bayer-Angestellte. 

Das Bruderduell! 
Das erste Aufeinandertreffen der Kovac-Brüder endete sowohl für ihre Mannschaften als auch im direkten Vergleich Unentschieden. Zwar konnte Nico mit seinem einzigen Torschuß - er verwandelte den Foulelfmeter - den HSV in Führung bringen, im Zweikampfverhalten jedoch stand er mit nur 37,5% gewonnener Duelle im Schatten seines Bruders. Die Zahlen der Brüder: Robert 45 Ballkontakte, Nico 49. Zwei Torschüsse von Robert und eine Zweikampfbilanz von 55,5%. 

Der alte Mann im Sturm 
Trotz seines Alters - Anthony Yeboah war auch in dieser Partie wieder einer der eifrigsten seiner Mannschaft. Er bestritt 28 Zweikämpfe, von denen er die Hälfte für sich entscheiden konnte. Zur Halbzeit stand seine Bilanz noch bei 69%. Anhand seiner Ballkontakte - 36 an der Zahl - erkennt man, dass der Hamburger Mittelstürmer bei fast jedem Ballkontakt in einen Zweikampf verwickelt war.

Kommentar von Steffen Simon: "Ein Fußballfest zwischen Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV. Über 90 Minuten gingen beide Teams ein hohes Tempo und erspielten sich eine Großzahl an Tormöglichkeiten. Am Ende ein gerechtes Remis. Gewinner war der Zuschauer." 

Spielwertung: 4 (von 4 möglichen) Bällen

FuXX des Spieles:  Stefan Beinlich (Bayer Leverkusen) 
"Der Neu-Berliner glänzte nicht nur durch seine beiden Treffer. Immer wieder setzte er seine Mitspieler gut in Szene und erarbeitete sich auch selbst gute Tormöglichkeiten. Seine überragende Leistung krönte er mit dem schönsten Tor des Abends zum 2:1 für Leverkusen." 

Stimmen:
Christoph Daum (Trainer Bayer Leverkusen): 
"Wir haben heute zwei Punkte verloren. Wir haben einige Situationen ganz leichtfertig vergeben, als wir frei vor dem Tor standen. Bundesliga-Fußballer ist ein brutaler Beruf, es interessieren nur Ergebnisse. Wir mussten das Ding gewinnen, wir haben es nicht gewonnen, basta." 
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV): 
"Es war ein aufregendes Spiel. Ich denke, dass das Unentschieden gerecht ist. Wir hatten gute Konterchancen. Die Schlussphase war heikel, da haben wir Leverkusen zu viele Torchancen gestattet." 

Story: Geheimnis um Butt 
32. Minute in der BayArena: Reeb fällt Cardoso im Strafraum. Schiedsrichter Heynemann zögert keine Sekunde, Elfmeter für den HSV. Alle Augen drehen sich Richtung Hamburger Tor und erwarten den Strafstoß-Schützen vom Dienst Hans-Jörg Butt. Ein kurzer Schritt nach vorne, dann bleibt er stehen. Verwunderung bei den Zuschauern. Nico Kovac schnappt sich den Ball und verwandelt zum 0:1. Was war los mit dem "HSV-Torjäger"? Wollte Butt Kovac einen Treffer im Bruderduell gönnen? Die Auflösung folgte nach dem Schlusspfiff. Den Keeper plagte eine leichte Verletzung. Trotzdem zeigte er eine Klasseleistung und rettete seinem Team einen Punkt. Heute mit Paraden, nicht mit Toren. 


 
dpa meldet: Leverkusen nur 2:2 gegen starke Hamburger 
Von Morten Ritter, dpa 
Leverkusen (dpa) - Im Verfolgerduell zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem Hamburger SV hieß der Sieger Bayern München. Der Rekordmeister kam durch das 2:2 (1:1) seiner Widersacher am Sonntagabend der Herbstmeisterschaft in der Fußball- Bundesliga einen großen Schritt näher. 

Vor 22 500 Zuschauer in der ausverkauften BayArena boten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch. Nach der Hamburger Führung durch einen Foulelfmeter von Niko Kovac (32.) brachte der überragende Stefan Beinlich die seit acht Punktspielen ungeschlagenen Gastgeber mit Treffern in der 34. und 49. Minute in Front. Ein Eigentor von Jens Nowotny in der 54. Minute bescherte dem HSV aber dann doch den glücklichen, aber verdienten Punktgewinn.

Trotz Dauerregens, tiefem Boden und großen personellen Problemen boten beide Teams ein schwungvolles und auf hohem Niveau stehendes Spiel. Die gegenüber der Udinese- Pleite auf fünf Positionen veränderten Leverkusener, bei denen die Leistungsträger Emerson und Ulf Kirsten gesperrt zuschauen mussten, präsentierten sich gut erholt von der Europacup- Pleite. Jungstar Michael Ballack und vor allem der künftige Berliner Beinlich zogen geschickt die Fäden. Als Vollstrecker aber hatte Beinlich zunächst noch wenig Glück. Seinen Freistoß in der 28. Minute aus spitzem Winkel lenkte Hans- Jörg Butt mit einem Reflex an die Latte, kurz darauf köpfte er knapp am Pfosten vorbei.

Die "ohne Zehn" angereisten Hamburger, bei denen einige Spieler trotz gesundheitlicher Probleme mitwirkten, versteckten sich nicht, traten wie gewohnt selbstbewusst und angriffslustig auf. Die Führung aber war dennoch glücklich und ging in erster Linie auf die Kappe von Leverkusens Jörg Reeb, der nach einem schnell ausgeführten Einwurf den Argentinier Rodolfo Cardoso unbeholfen von den Beinen holte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Kovac in Vertretung von Stammschütze Butt, der nach sechs verwandelten Saison- Strafstößen wegen wegen einer Oberschenkelprellung in seinem Tor blieb, überlegt zum 1:0. Nur zwei Minuten später nutzte Reeb die Gelegenheit zur Wiedergutmachung: Seine Hereingabe ließ Butt passieren - und Beinlich stocherte den Ball über die Linie.

So sehenswert wie die erste Hälfte endete, ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Beide Teams hatten gute Chancen. In der 48. Minute verhinderte Robert Kovac gegen Mahdavikia für seinen geschlagenen Keeper Adam Matysek die erneute Hamburger Führung. Eine Minute später krönte Beinlich seine Klasse- Leistung mit dem zweiten Treffer, als er eine Bilderbuch- Kombination über Ponte und Ballack vollendete.

Die Freude aber währte nicht lange. Nach einem weiten Pass waren sich der von Mahdavikia bedrängte Nowotny sowie Matysek nicht über die Zuständigkeit einig - vom Bein des Bayer- Liberos prallte der Ball ins eigene Tor. Leverkusen drängte danach mit Macht auf den Sieg, nutzte aber die Möglichkeiten nicht. Ramelow (59.) scheiterete am glänzend reagierenden Butt, Ballack traf nur die Latte (74.), und Reichneberger vergab die letzte Chance (88.).