Bundesliga, 17. Spieltag, Samstag, 18.12.99 um 15:30 Uhr in Hamburg bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Glücklicherweise regnete es aber nicht, obwohl es vor und nach dem Spiel sehr viel regnete.

Hamburger SV - MSV Duisburg 6:1 (5:1)

Das Kalenderjahr 1999 sollte mit dem letzten Heimspiel des HSV wirklich einen sehr würdigen Abschied erhalten.

Bei diesem Spiel wurden wieder richtig Erinnerungen an den Saisonstart wach, als auch so der ein oder andere Gegner vom HSV „weggefidelt“ wurde.

Ein 5:1 zur Pause ist wohl ziemlich unglaublich. Allerdings wurde nach diesem Halbzeitstand die 2. Halbzeit dann auch in etwas so wie befürchtet...

Aber der Reihe nach:

In der ersten Halbzeit gelang dem HSV wirklich so ziemlich alles. Vor dem Spiel hatte ich mir eine schnelle Führung des HSV gewünscht. Allgemein ist das natürlich immer schön, aber beim HSV führt das leider auch manchmal dazu, daß sie danach aufhören, weiter vernünftig Fußball zu spielen. Da Duisburg aber als Maurertruppe bekannt ist, dachte ich mir, daß eine frühe Führung dann vielleicht dem HSV sehr gelegen käme. Denn dann könnte Duisburg ja nicht mehr so mauern.

Mein Flehen wurde erhört und das Spiel wurde gegen meine Befürchtungen nicht so ein typisches Schrottspiel, wie es oft gegen solche Mannschaften wie Duisburg passiert.

Der HSV konnte schon sehr früh durch ein schönes Kopfballtor von Tony Yeboah an den Innenpfosten in Führung gehen. Tony stand zunächst vor dem 16er und bediente Holler auf Linksaußen. Der ging bis zur Grundlinie und zog den Ball dann schön an den 5m-Raum zurück. Da war Yeboah inzwischen hingelaufen und wuchtete den Ball per Flugkopfball ins Tor. 

Kurz darauf fiel dann auch schon das 2:0. Diesmal war es ein halbes Eigentor. Bei einem Strafraumgewühle stand plötzlich Hoogma 2 m vor dem rechten Pfosten völlig frei. Er berührte den Ball, der dann schon ins Tor gegangen wäre. Ein Duisburger Verteidiger gab dem Ball aber den Rest und drosch kurz vor der Linie noch ordentlich in die eigenen Maschen.

Dann hatte der HSV aber doch eine etwa 10-minütige Schwächephase, in der man ehrlich gesagt schon befürchten mußte, das das Spiel wieder kippt. Zunächst kam Duisburg zum 1:2 Anschlußtreffer. Nach einem längeren Gestochere vor dem 16er, brachten die Duisburger den Ball auf den rechten Flügel zu einem völlig freistehenden Mann. Der flankte dann zur Mitte in Richtung 5 m – Raum und dort durfte Beierle völlig unbedrängt einköpfen, obwohl 3 Hamburger ohne weiteren Gegner in seiner Nähe standen. Da hat die gesamte Abwehr inklusive Butt geschlafen, der zur Not auch noch hätte aus dem Kasten laufen können.

Schlimmer noch war aber, daß Duisburg dann einige Minuten wirlich am Zug war. Sie hatten danach noch eine 100%ige Chance, bei der unser Butt gepatzt hatte. Ein Duisburger lief auf Butt zu. Dieser sprang im am 16er entgegen. Doch leider sprang Butt vollkommen am Ball vorbei. Das große Glück des HSV war, daß der heute sehr starke Hoogma noch mitgelaufen war und der Duisburger sich Gott sei Dank seitlich weggedreht hatte. Als er den Ball wieder hinter Butt erfaßt hatte, konnte ihn Hoogma noch wegschlagen, bevor der Duisburger die Kugel ins leere Tor hätte schieben können. Das war mir schon Angst und Bange.

Aber dieses Hoch der Duisburger sollte nur von kurzer Dauer sein, denn der HSV kam nun wieder richtig stark auf. Die Führung konnte bis zur Pause noch auf 5:1 ausgebaut werden.

Das schönste Tor erzielte dabei erneut Tony Yeboah. Graver hatte sich im Mittelfeld einen Ball erkämpft und so konnte der HSV kontern. Mit einem herrlichen Außenristpaß schickte Gravesen Yeboah in Richtung 16er. Der ließ sich dabei einmal mehr nicht von den 2 verfolgenden Verteidigern einholen und schoß den Ball mit dem rechten Fuß wundervoll gefühlvoll über Stauce hinweg hoch ins Tor. Geil. So liebe ich „meinen“ Tony. (Ich „liebe“ ihn allerdings auch, wenn er nicht ständig trifft !!!)

Die beiden weiteren HSV-Tore steuerten ein Duisburger und Butt bei. Wenn ich schon von einem Butt-Tor schreibe, ist ja klar, daß es einen Elfer gab. Yeboah wurde im Strafraum umgerissen und der Schiri entschied auf Elfer. Das war einer der wenigen HSV-Elfer, wo ich so meine Zweifel habe, ob es wirklich einer war. Auch die TV-Aufnahmen gaben mir da keine Sicherheit. Diesmal passierte beim Elfer aber etwas, was es nur ganz selten gibt. Der Torwart lag nämlich ausnahmsweise in der richtigen Ecke und konnte Butt´s Elfer sogar noch berühren. Da hatte Stauce wirklich Pech. Von seiner Hand trudelte der Ball an den Innenpfosten und dann langsam über die Linie ins Tor.

Noch kurioser war aber das Eigentor, das Duisburg beisteuerte. Nach einer Ecke, bei der Stauce schlecht aussah, flog der Ball hoch durch den 16er. Aus ca. 5 – 10 m auf der Höhe des rechten Pfostens machte ein Duisburger dann einfach einen Rückzieher und der senkte sich perfekt neben den Pfosten. Wenn es auch noch ein Fallrückzieher gewesen wäre, hätte man von einem echten Traumtor sprechen können.

So ging der HSV mit einem sehr zufriedenstellenden 5:1 zum Halbzeittee und schaltete dabei dann, wie von mir „befürchtet“ um 2 – 3 Gänge zurück.

Die 2. Halbzeit plätscherte dann auch wirklich nur so vor sich hin. Hier und da mal eine HSV-Chance, aber das gute und druckvolle Spiel des HSV war weitestgehend dahin. Von den Duisburgern kam allerdings gar nichts mehr.

Und so interessierte alle anwesenden und frierenden Zuschauer nur noch, wann das Unglaubliche, das Phänomenale, das Sensationelle steigen sollte. Nämlich die Rückkehr von Karsten Bäron in die Mannschaft des HSV. Nach über 2-jähriger Verletzung, die schon mehrfach das Ende seiner Karriere andeutete, war Bäron heute erstmals wieder im Kader des HSV. Und es war schon vorher in der Zeitung zu lesen, daß Pagel ihn auch die letzten 15 – 20 Minuten einwechseln wollte bei entsprechendem Spielstand. Nun ja, der Spielstand konnte wohl kaum „entsprechender“ sein und so sollten wir alle das Comeback unseres Air Bärons erleben.

Pagel ließ und verdammt lange warten und erst ca. 15 Minuten vor Spielende durfte sich Bäron die Trainingsklamotten abstreifen. Schon vorher wurde Bäron von den Fans gefeiert und immer wieder seine Einwechslung gefordert. Dann hatte Pagel wie gesagt erbarmen mit uns. 

Was wirklich lustig war: Als Bäron dann endlich bereit neben dem Spielfeld stand, wollte und wollte der Ball einfach nicht ins Aus gehen. Ein weiter Schuß von Kovac in des Gegners Hälfte verhungerte auch schon vor der Auslinie. Das Spiel wurde dann von einem, lustig gemeinten, gellenden Pfeifkonzert begleitet, bis sich DER DUISBURGER Wohlert entschloß, Karsten Bäron endlich die Chance zur Einwechslung zu geben. So etwas sieht man wohl auch sehr, sehr selten im Profisport und das war wirklich eine Super-Aktion von Wohlert. Er hatte den Ball bekommen  und sah, daß Bäron auf seine Einwechslung wartete. Dann schoß er den Ball einfach völlig unbedrängt ins Aus, damit Bäron endlich wieder den heiligen Rasen betreten konnte. 

Ich kann mich nicht erinnern, daß eine Einwechslung beim HSV mal so gefeiert wurde. Es standen wirklich alle Leute auf und applaudierten Bäron. Sogar auf den Business Seats erhoben sich die Leute, um unseren Karsten einen würdigen Einstieg zu geben. Jede Ballberührung wurde frenetisch bejubelt. Ein Tor hätte dem ganzen natürlich noch die Krone aufgesetzt. Aber das wäre dem Guten dann wohl doch zuviel gewesen.

Es sollte aber trotzdem noch ein Tor fallen in der Schlußminute. Der HSV konnte noch das 6:1 erzielen. Nach einer Ecke schoß zunächst Kovac aus wenigen Metern direkt einen auf den Linie stehenden Duisburger an bevor Hoogma dann den Nachschuß mit voller Kraft ins Tor wuchtete. Hoogma konnte damit seine hervorragende Leistung dieses und auch der letzten Spiele mit einem weiteren Tor bestätigen.

So ging ein insgesamt sehr schönes und zufriedenstellendes Spiel, eine Super-Hinrunde und ein fußballerisch sehr gutes Kalenderjahr zu Ende.

Bemerkenswert fand ich heute auch noch die taktische Aufstellung, denn Gravesen durfte heute im defensiven Mittelfeld ran und Niko Kovac spielte als Manndecker in der 3-er Abwehrkette. Das hat mich doch einigermaßen verblüfft, denn ich hätte schon damit gerechnet, daß Gravesen wieder in die Abwehrkette rückt und Kovac im defensiven Mittelfeld aufläuft. 

Meine Spielerbewertung:
Butt: Einige mögen das wegen seines erneuten Elfer-Tores anders sehen, aber ich fand, daß Butt heute keinen guten Tag hatte. Bei den ganz wenigen Duisburger Chancen, sah er heute gar nicht gut aus. Beim1:2 meine ich, daß er auch hätte die Flanke abfangen können und danach hat er sich einen dicken Klops geleistet, der eigentlich zum 2:2 hätte führen müssen. Note 4---

Hoogma: war heute wieder der Libero in der 3er-Kette und hat diese Aufgabe sehr gut gelöst. Weil er da so wenig zu tun hatte, konnte er sich hervorragend ins Offensivspiel einschalten. Außerdem hat er auch das 2:2 verhindert. Note 1

Herztsch: War heute in der Abwehr total unterfordert und konnte daher auch ein bißchen sein Angriffspiel üben. Das kann er aber auch noch nicht so ganz perfekt, aber das wird schon noch. Note 3

Kovac: hat bewiesen, daß er ein wesentlich besserer Mittelfeldspieler als Verteidiger ist. Note 4

Gravesen: Wieder ein sehr schönes Spiel von ihm. Hat viele Bälle gut verteilt und Tony´s 2. Tor super aufgelegt. Note 2

Grammozis: Die Zeitungen schrieben schon bei den letzten Spielen, daß er in einer Formkrise sei. Da habe ich das noch nicht so gesehen. Heute könnte ich mich dieser Meinung nicht ganz wiedersetzen. Note 4

Hollerbach: Hat es heute tatsächlich geschafft, sich von meiner Holler-Standard-Note 5 auf eine 3 herauszuarbeiten. Eigentlich wollte ich ihm ´ne 4 geben, aber er hat heute wirklich nicht viel falsch gemacht und immerhin einige ordentliche Flanken geschlagen.

Cardoso: Seine Technik ist eine Augenweide. Ebenso seine Übersicht und seine Anspiele. Trotzdem hatte er schon noch bessere Spiele als heute. Note 2-

Präger: rackerte heute wieder viel, konnte aber leider wieder nicht spielerisch überzeugen. Und das bei einem so schwachen Gegner. Note 4

Mahdavikia: Heute gefiel mir der kleine Iraner mit dem Raketenantrieb wieder ganz gut. Note 3

Yeboah: perfektes Spiel. 2 Super-Tore, immer anspielbar und praktisch keine Ballverluste. Wenn ich mir seine heutige Leistung wieder einmal so ansehe und auch die Leistung des gesamten Jahres, weiß ich jetzt schon, was mir fehlen wird, wenn die Torboah mal seine Fußballstiefel an den Nagel hängt. Note 1

Ernst (eingewechselt): Er wirkte auch heute wieder wie ein Fremdkörper im Team. Was ist nur mit ihm los. Da Duisburg gar nicht mehr angriff, konnte er auch nicht negativ auffallen. Note –

Doll (eingewechselt): War gar nicht zu sehen. Note –

Bäron: (eingewechselt): Bei einigen Angriffen in den Schlußminuten merkte man, wie lange er nicht mehr dabei war. Man sah, daß er erst noch wieder die richtigen Laufwege finden muß. Allerdings bewies er uns auch gleich wieder, daß er noch in der Lage ist, einen Gegner auszuspielen. Note –

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1.de berichtet: Hamburg deklassiert Duisburg 
Der Hamburger SV verabschiedete sich mit einer starken Leistung gegen einen schwachen MSV Duisburg in die Winterpause. Schon nach 45 Minuten führte der HSV 5:1 und tat in der zweiten Halbzeit nur noch das Nötigste. Die Gäste aus Duisburg präsentierten sich wie ein Absteiger und überwintern völlig zu Recht auf einem Abstiegsplatz. 

Chancen im Minutentakt
Die Hamburger legten los wie die Feuerwehr und erspielten sich Chancen im Minutentakt. Schon nach elf Minuten stand es 2:0. Tony Yeboah köpfte in der achten Minute eine Hollerbach-Flanke ins Netz, drei Minuten später bugsierte der Duisburger Tomasz Hajto die Kugel ins eigene Tor. Der Anschlusstreffer für den MSV fiel wie aus heiterem Himmel. Markus Beierle köpfte nach Flanke von Thomas Hoersen zum 2:1 ein (21.). 

Zweites Eigentor des MSV
Die Gastgeber nur kurzzeitig geschockt. Tony Yeboah erholte sich am schnellsten und erzielte mit einem Schuss aus zwölf Metern in der 29. Minute das 3:1. Nach einem Foul von Duisburgs Kapitän Thorsten Wohlert an Yeboah entschied Schiedsrichter Jürgen Aust auf Elfmeter. Hans-Jörg Butt verwandelte zum 4:1 in der 41. Minute. Für den 5:1-Halbzeitstand sorgte dann wieder ein Duisburger. Dietmar Hirsch beförderte den Ball über die eigene Torlinie (43.). 

Karsten Bäron wieder dabei
Glück für die Zebras, dass die Hamburger in den zweiten 45 Minuten drei Gänge zurückschalteten. Die Gäste schlugen daraus allerdings kein Kapital. So war es erneut der HSV, der jubeln durfte. Nico Jan Hoogma kam nach einer Ecke im Fünfmeterraum an den Ball und ließ Torhüter Gintaras Stauce keine Chance. Ein weiterer Höhepunkt der zweiten Halbzeit war das Comeback von Karsten Bäron. In der 80. Minute kam der Stürmer nach 32 Monaten Verletzungspause wieder zu einem Einsatz im HSV-Trikot.

Hamburger SV  6 : 1 (5 : 1) MSV Duisburg 

ERGEBNIS :   6 : 1 (5 : 1) 
DATUM :   18.12.99   15:30 Uhr 
ZUSCHAUER :  24.000 
SCHIEDSRICHTER :  Jürgen Aust 
TORE :
1:0 Anthony Yeboah (8.)
2:0 Tomasz Hajto (11.) Eigentor
2:1 Markus Beierle (20.)
3:1 Anthony Yeboah (29.)
4:1 Hans-Jörg Butt (41.)
5:1 Dietmar Hirsch (43.) Eigentor
6:1 Nico Jan Hoogma (90.)

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Niko Kovac, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Anthony Yeboah, Roy Präger, Mehdi Mahdavikia, Nico Jan Hoogma, Dimitrios Grammozis, Thomas Gravesen, Ingo Hertzsch

MSV Duisburg: Gintaras Stauce, Michael Zeyer, Uwe Spies, Markus Beierle, Martin Schneider, Thomas Hoersen, Torsten Wohlert, Stig Töfting, Dietmar Hirsch, Markus Osthoff, Tomasz Hajto

WECHSEL 
Hamburger SV
Fabian Ernst für Thomas Gravesen (63.)
Thomas Doll für Rodolfo E. Cardoso (71.)
Karsten Bäron für Mehdi Mahdavikia (80.)

MSV Duisburg
Marijan Kovacevic für Tomasz Hajto (46.)
Andreas Voss für Michael Zeyer (46.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV

MSV Duisburg
Dietmar Hirsch (18.)
Stig Töfting (43.)
Marijan Kovacevic (76.)

Fakten:
Torfabrik im Volkspark 
Dem HSV sind in dieser Hinrunde 39 Treffer gelungen - letzte Saison hatte man zum selben Zeitpunkt nur 21 Treffer erzielt. Gegen Duisburg gelang bereits der dritte Kantersieg im Volkspark (zuvor gegen Hertha und Bielefeld 5:1 bzw. 5:0) - gleichzeitig der höchste Saisonsieg.

Bäron-Comeback 
Zu seinem ersten Einsatz seit dem 11.04.1997 (Bielefeld - Hamburg 1:1) kam Hamburgs Stürmer Karsten Bäron.

Duisburger Unglücksraben 
Zum zweiten Mal in seiner Bundesligakarriere traf Thomasz Hajto per Eigentor und brachte den HSV damit 2:0 in Führung. Sein erstes Eigentor erzielte der polnische Nationalspieler am 4.10.97 in Leverkusen bei der 1:2-Niederlage des MSV. Das Eigentor zum 5:1 für die Hamburger erzielte Dietmar Hirsch - für ihn eine Premiere im 119. Bundesligaspiel. 

Yeboah-Tore 
Gegen den MSV Duisburg erzielte Anthony Yeboah seine Saisontreffer Nummer sechs und sieben und gleichzeitig den 13. Doppelpack in seiner Bundesligakarriere. 

Schlaglichter:
Ein neues HSV-Idol 
Der ghanaische Top-Stürmer Tony Yeboah war der überragende Offensiv-Spieler auf dem Platz: zwei seiner vier Torschüsse landeten im Gehäuse von MSV-Keeper Stauce, seinen eigenen Treffer zum 1:0 leitete der bullige Angreifer sogar auch noch ein. Zusätzlich rackerte "Torboah" unermüdlich und bestritt von allen Spielern auf dem Platz mit Abstand die meisten Zweikämpfe. Yeboah erlebt mittlerweile wohl schon seinen fünften Frühling und wird mit jedem weiteren Treffer immer mehr zu einem HSV-Idol, wie es einst ein "Hodde" Hrubesch oder Manni Kaltz waren. 

Weihnachtsmann Pagelsdorf 
Der gewichtige HSV-Coach Frank Pagelsdorf hatte so kurz vor Weihnachten einen vollgestopften Sack mit Geschenken für das Hamburger Publikum parat: Der HSV spielte voll auf Angriff und jeder durfte es mal versuchen. So kam es, das außer Thomas Gravesen jeder Hamburger aus der Anfangsformation einen Torschuss abgab. Dass sogar die Duisburger mit zwei Eigentoren noch zur Bescherung des Publikums beitrugen war von "Pagel" sicherlich nicht geplant. Sein größtes Geschenk hielt der HSV-Coach allerdings bis zur 80. Minute zurück: Karsten Bäron kam nach über 2 Jahren wieder zum Einsatz und bedankte sich bei seinem Trainer mit guten spielerischen Ansätzen.

"Fliegender Holländer" 
Beim Treffer zum 2:0 stand der bärenstarke HSV-Holländer Nico Jan Hoogma einschußbereit hinter dem Eigentorschützen Tomasz Hajto. Dass ihm dieser Treffer "geklaut" wurde, muß den langen Niederländer extrem gefuchst haben. Die Folge: In der zweiten Halbzeit gab der Abwehrrecke von allen Spielern auf dem Platz die meisten Torschüsse ab. Erst in der letzten Spielminute wurde er allerdings belohnt und erzielte mit seinem vierten Torschuss den 6:1-Endstand. So ganz nebenbei gewann Hoogma noch 75% seiner Zweikämpfe - eine starke Leistung. 

Oje, Oje Herr Zeyer 
Michael Zeyer, der etatmäßige Spielmacher des MSV, war in dieser Partie so gut wie nicht auf dem Platz. Nie wurde er seiner Rolle gerecht und gab weder einen Torschuss ab, noch bereitete er einen vor. Auch im Zweikampf setzte er sich zu keiner Zeit durch und war mit nur 33% gewonnen Zweikämpfen der in den Duellen schwächste Spieler auf dem Platz. Trainer Funkel beendete diese Trauervorstellung zur Halbzeit völlig zurecht und wechselte den überforderten Zeyer aus. 

Kommentar von Jörg Dahlmann:
"Die Zuschauer sahen ein in der ersten Halbzeit eine hochklassige Bundesligapartie. Der Sieg für die Hamburger war absolut verdient, auch wenn sie es in der zweiten Halbzeit etwas ruhiger angegehen ließen. Die Duisburger präsentierten sich wie ein Absteiger - schwach im Spiel nach vorne, hinten schossen sie selbst die Tore. Höhepunkt der Partie war die Einwechslung von Karsten Bäron." 

Spielwertung: 4 (von 4 möglichen) Bällen

FuXX des Spieles:  Anthony Yeboah 
"Eine starke Leistung des Stürmers. Er bewies wieder einmal seine Vielseitigkeit im Abschluß. Bei seinem ersten Tor setzte er seine 90 Kilo Körpergewicht ein und wuchtete den Ball mit dem Kopf über die Linie. Viel Gefühl zeigte er bei seinem zweiten Treffer, als er den Ball über den Torhüter schlenzte." 

Highlight:
In der 80. Minute ist es soweit. Karsten Bäron steht an der Seitenlinie und wartet erwartungsfroh auf seine Einwechslung. Der erste Einsatz nach 32 Monaten steht kurz bevor. 
Unglaublich faire Geste des Duisburger Kapitäns Torsten Wohlert. Als er sieht, dass Karsten Bäron eingewechselt werden soll, schiesst er den Ball ins Seitenaus. Bei der folgenden Spielunterbrechung wird der Hamburger eingewechselt. 
Der Duisburger Martin Schneider beglückwünscht Karsten Bäron zu seinem Einsatz. 

Stimmen:
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV)
"In der ersten Halbzeit haben wir beeindruckenden Offensivfußball gezeigt. Es ist der Mannschaft gelungen, unsere Marschroute umzusetzen. In der zweiten Hälfte haben wir mit der Führung im Rücken souverän gespielt. Das Comeback von Bäron ist eine kleine Sensation. Ich hoffe, er kann die Vorbereitung auf die Rückrunde vollständig absolvieren." 

Trainer Friedhelm Funkel (MSV Duisburg)
"Meine Mannschaft hat die Adventszeit zu wörtlich genommen. Wir haben bei den Gegentoren Geschenke verteilt. Das waren krasse Abwehrfehler und die schlechteste Leistung, seit ich beim MSV bin. Die Vorbereitung auf die Rückrunde wird für die Spieler sehr hart." 

Story:
Karsten Bäron feiert Comeback 
Mitte der neunziger Jahre galt er als das größte deutsche Sturmtalent. Dann der Schock. Am 11.04.97 wurde er in Bielefeld mit einem schweren Knorpelschaden im Knie vom Platz getragen. Die Karriere schien beendet, es war bereits die zweite Verletzung dieser Art. Doch Bäron glaubte an seine Rückkehr. Er verbrachte die meiste Zeit in diversen Reha-Klinken. Bäron schwitzte und rackerte für sein Comeback. 
Der Verein stand ihm bei
Gegen den MSV Duisburg kam er dann zum Kurzeinsatz. Nach 32 Monaten das erste Spiel. Die Fans feierten seine Einwechslung wie ein Tor. Der Verein hat immer zu Bäron gestanden, zahlte die gesamte (Leidens-) Zeit das Gehalt weiter. Für diese im Profifußball ungewöhnliche Geste scheinen die Verantwortlichen des HSV jetzt belohnt zu werden. 
Ein gefragter Mann - Karsten Bäron 


 
dpa meldet: HSV-Spektakel: 6:1 gegen Duisburg :
Von Bernd Müller, dpa 
Hamburg (dpa) - Nach einem neuen Torfestival hat sich der Hamburger SV mit dem besten Vorrundenergebnis seit 13 Jahren in die Weihnachtsferien verabschiedet. Gegen einen desolaten MSV Duisburg bescherten die Hanseaten ihre 28 587 Zuschauer am Samstag nach einer spektakulären ersten Halbzeit mit einem 6:1 (5:1)- Schützenfest und der Rückkehr von Karsten Bäron nach 32- monatiger Verletzungspause. 

Das Team von Trainer Frank Pagelsdorf darf mit 39 Saisontoren als offensivstärkstes Bundesligateam auf Tabellenplatz drei von der Champions League träumen. Die "Zebras" dagegen müssen auf einem Abstiegsplatz überwintern. Sie sind damit so schlecht wie seit 1994 nicht mehr, als ein halbes Jahr später der Sturz in die 2. Liga folgte.

Am munteren Scheibenschießen des spielstarken HSV waren Anthony Yeboah (8./29.) und Nico Jan Hoogma (11./90.) mit jeweils zwei Treffern beteiligt. Yeboah erhöhte sein Konto auf sieben Erfolge, Hoogma auf vier. Außerdem verteilte der Abwehrtorso des MSV neben einem Eigentor von Dietmar Hirsch (43.) ein weiteres Geschenk an Torwart- Torjäger Hans- Jörg Butt (41.). Der HSV- Keeper verwandelte seinen siebten Foulelfmeter in dieser Serie, hatte dabei aber viel Glück: Duisburgs Torwart Gintaras Stauce, der einen rabenschwarzen Tag erwischte und bei drei Toren schlecht aussah, lenkte den Ball an den Innenpfosten, erst von dort ging er ins Netz. Die Strafstoßentscheidung von Schiedsrichter Jürgen Aust (Köln) nach einem angeblichen Foul von Thomas Hoersen an Yeboah war allerdings fragwürdig. Markus Beierle (20.) schaffte mit seinem fünften Saisontor den Ehrentreffer.

Sieben Wochen vor dem bereits ausverkauften Nord- Süd- Gipfel gegen Herbstmeister Bayern München zum Auftakt der Rückrunde präsentierte sich der HSV in bestechender Form. Vor allem Spielmacher Rodolfo Esteban Cardoso sowie die Angreifer Mehdi Mahdavikia, Roy Präger und Yeboah sorgten über weite Strecken für Konfusion in der Hintermannschaft des MSV. Aber auch den eigentlichen Defensivspielern der Hamburger liefen die Gäste meist nur nebenher. Nach der raschen 2:0- Führung legte die Hausherren allerdings eine kurze Kunstpause ein und hatten Glück, durch Uwe Spies (23.) bei einem kurzen Duisburger Aufbäumen nicht den Ausgleich zu kassieren.

MSV- Trainer Friedhelm Funkel hätte bei dem Debakel zur Halbzeit eigentlich die komplette Mannschaft auswechseln müssen. Mit Andreas Voss und dem Ex- Hamburger Marijan Kovacevic für den gegen Yeboah überforderten Tomasz Hajto sowie Michael Zeyer betrieb er Schadensbegrenzung und verstärkte die Deckung. Der HSV schaltete einen Gang zurück und ersparte den Gästen eine schlimmere Demütigung.

Cardoso wurde in der 71. Minute für seine grandiose erste Halbserie mit Ovationen verabschiedet und machte für Thomas Doll Platz. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk wurde auch dem wegen schwerer Knieverletzung bereits mehrfach abgeschriebenen Langzeit- Verletzten Bäron zuteil. Der von Pagelsdorf am Freitag überraschend in den Kader berufene Stürmer feierte mit seiner Einwechslung in den letzten zehn Minuten unter frenetischem Jubel sein Comeback nach 32- monatiger Pause.


 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Das letzte Spiel der Hinrunde war ein sehr denkwürdiges für mich und wohl auch für jeden anderen Besucher des Spiels.  Vor allem die 1.Halbzeit werde ich wohl für immer in Erinnerung behalten, genauso wie die sensationelle Einwechslung von Karsten Bäron in Hälfte 2.  Aber dazu später mehr.

Der HSV musste eigentlich gewinnen, um auf einen Spitzenplatz zu überwintern, da die Konkurrenten auch nicht schliefen.  Ich hatte kurz vor Anpfiff diesbezüglich ein sehr gutes Gefühl, was bei mir, als eher ängstlicher und pessimistischer Besucher schon etwas zu heißen hat.  Der Stehplatzbereich war übrigens überraschend voll, so bekam ich "nur" einen Platz in der 2.-letzten Reihe aber immerhin hat man von dortaus eine sehr gute Übersicht.

Der HSV bestätigte zugleich mein sehr gutes Gefühl und legte los wie die Feuerwehr.  Nach einer sehr schönen Flanke von dem heute bärenstarken Bernd Hollerbach setzte sich Tony Yeboah im Strafraum durch und wuchtete den Ball mit einem schönen Kopfball zunächst an den Innenpfosten, von wo aus der Ball dann den Weg hinter die Torlinie fand.  1:0!

Das 2:0 ließ dann auch nicht lange auf sich warten.  Ich weiß gar nicht mehr, wie die Situation entstand, zumindest aber kam es im 5-Meter-Raum zu einem Gewühl, aus dem dann zunächst Hoogma schoss.  Der Ball wäre wohl auch so 
reingegangen, aber Hajto kickte den Ball dann als letzter ins Netz.  Im Stadion wurde aber Hoogma als Torschütze ausgegeben, was auch zu der alles in allem sehr guten Stimmung beitrug. Sei's drum!

Leider folgte nun der Anschlusstreffer und dadurch auch die einzigste Schwächeperiode vom HSV in diesem Spiel.  Der Ball wurde auf den rechten Flügel gepasst, von wo ein Duisburger freistehend auf den in der Mitte stehenden 
Beierle flanken konnte, der dann auch ungehindert einköpfen konnte, obwohl mehrere HSV-Spieler um ihn rumstanden.  Nach dem 2:0 dachte ich ja schon, dass Spiel sei beinahe gewonnen, aber das hätte in den Folgeminuten leicht anders werden können, denn der MSV drückte auf einmal, der HSV hatte eine Art Blackout.  Und keiner wusste so recht warum.  Auf einmal tauchte Spies vor Butt auf, der neben den Ball stand, so dass Spies auf einmal vor leerem Tor stand, aber glücklicherweise konnte der Ball von Hoogma dann noch ins Aus gegrätscht werden.  Das hätte auch schlimm enden können.

Das 3:1 beendete dieses kurze Intermezzo; und das war wirklich Weltklasse.  Gravesen hatte einen Ball auf Yeboah geschlagen, der nun ca 25 Meter vor dem Tor stand.  Er nahm den Ball an, lief bis in den Strafraum hinein, ohne dass ihn ein Gegenspieler einholen konnte und lupfte denn Ball zur Krönung mit viel Gefühl über Stauce hinüber.  WELTKLASSE!

Dann gab es für den HSV Chancen im Minutentakt.  Zum Beispiel ein Pfostenschuss, der aber glaube ich von einen Duisburger abgegeben worde.  Ich kann die Szene allerdings gar nicht richtig einordnen, war das noch vor dem 3:1 oder schon danach?!?  Es passierte auch wirklich so viel in der 1.Halbzeit.  Auch Dimi Grammozis, der aber heute eher schwach spielte und dem die nun folgende Winterpause ganz gut tuen könnte scheiterte an Stauce, genauso wie Präger.

Das 4:1 brachte dann die entgültige Entscheidung.  Mahdavikia hatte von rechts eine schöne Flanke in den Strafraum geschlagen, wo Yeboah auf einmal auf dem Boden lag.  Ich kann aber wirklich nicht sagen, ob das ein Foul war oder nicht. Elferkönig Hans-Jörg Butt trat zum 7.Male in dieser Saison an und verwandelte-unsicher.  Denn Stauce konnte den Ball zunächst noch an den Pfosten lenken, bevor der Ball dann doch über die Torlinie trudelte.  Sei's drum, 4:1!
Und nur 2 Minuten später folgte dann das 5:1.  Kia schlug eine Ecke von links, Kovac konnte sich nach einem "Bock" von Stauce mit dem Kopf durchsetzen, als dann Hirsch an den Ball kam.  Der DUISBURGER trug zu einem wunderschönen Tor bei. Er erzielte es nämlich per Rückzieher.  Soviele Tore in einer Hälfte habe ich noch nie gesehen!  Kult war auch die Ansage von Uwe Bahn:  "Torschütze unser Gegner, MSV- DUISBURG" ;-).  

Die Spieler gingen dann in eine selten so wohlverdiente Pause.  Es war mir schon klar, dass die 2.Hälfte nicht annährend so gut werden konnte, aber ich glaube, wenn unsere JUngs gewollte bzw. gemusst hätten, hätten sie leicht noch gegen die desolaten Duisburger mehr Tor erzielen können.  Präger und Cardoso vergaben in Hälfte 2 die größten HSV-Chancen, aber das war egal.Denn die 2.Halbzeit wurde nur von 2 Dingen geprägt: 1.) Die gute Stimmung in der Nordtribüne.  Und vor allem 2.) Das sehnsüchtige Warten auf das Comeback des 32-Monatig-Verletzten Karsten 
Bäron.

Er wurde schon seit geraumer Zeit von uns gefordert("Wir wollen den Bäron sehen") als es dann endlich so weit war.  Reutershahn holte Karsten vom Aufwärmen zur Bank, damit er eingewechselt werden konnte.  Er hatte sich auch 
schon umgeszogen usw. nur die Spielunterbrechung wollte und wollte nicht kommen, woraus ein gellendes Pfeifkonzert resultierte.  Erst wollte Kovac den Ball ins Aus kicken, doch der rollte einfach die Linie entlang-die Duisburger waren in Ballbesitz.  Und die Szene werde ich dann wohl nie vergessen-Thorsten Wohlert kickte den Ball ins Aus und ermöglichte so die Einwechslung Bärons.  DANKE noch mal an dieser Stelle für die faire Aktion.  Dann kam die langersehnte Einwechslung.  Es gab Standing Ovations, Karsten wurde mit der Welle empfangen, als er endlich den Rasen betrat.  Eine richtige Gänsehaut bekam ich dann auch bei Uwe Bahns Ansage, die ich hier sinngemäß wiedergeben will:

" Volksparkstadion Hamburg, 17 Uhr und acht Minuten.  Einwechslung beim Hamburger-SPort-Verein.  Für die Nummer 15 Mehdi Mahdavikia(leises Klatschen) jetzt im Spiel(gespannte Stille) unsere NUMMER NEUNUNDZWANZIG KARSTEN (urschreiartig) BÄÄÄRON!!!!"

Das war echt nur geil ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut wenn ich mir das in Gedanken rufe.  Dieses Comeback stelle ich noch ungleich höher als das von Thomas Doll.  Ich hatte schon echt den Glauben verloren, er könne es noch mal schaffen, doch er hat mich eines besseren belehrt.  Danke, Karsten, und bleib gesund!

Ach ja, das 6:1 fiel auch noch, nach einer Ecke hatte zunächst Kovac einen auf der Linie stehenden Duisburger angeschossen, danach drosch dann Hoogma den Ball  in die Maschen, was mich freute, aber er hätte den Ball auch Bäron zuspielen können, oder ;-)!?!  Egal.  Das beste Jahr meine Fankarriere hatte seinen würdigen Abschluss erhalten.  6(in Worten: S E C H S) zu 1.  Wow.  Fast das gesamte Publikum blieb noch Minuten nach dem Schlusspfiff im Stadion und feierte das Team, das sich mit der Welle bei der Nordtribüne und diesmal auch bei der Westtrribüne bedankte.

DANKE HSV!