Bundesliga, 22. Spieltag, Samstag, 26.02.00 um 15:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei Temperaturen 8 Grad Celsius und teilweise besorgniserregend dunkeln Regenwolken, die aber nur ein paar winzige Platscher zu Boden brachten.

Hamburger SV - 1. FC Kaiserlautern 2:1 (1:0)

Ein wirklich ganz außergewöhnliches und wirklich geiles Spiel liegt hinter allen HSV-Zuschauern. Dieses Spiel hatte wirklich alles, was man sich als Fußball-Fan so wünschen kann. Haufenweise Torchancen, Platzverweis, eine unendliche Geschichte, Super-Stimmung und vor allem auch einen Schiri, der es verstand, daß Publikum anzuheizen ;-)

Das Spiel ging schon rasant los. Es gab nicht die sonst oft üblichen Geplänkel in den ersten Minuten. Der HSV hatte schon sehr früh seine erste Chance. Aus ca. 25 – 30 Metern hatte Hertzsch freie Bahn zum Tor und schoß. Wie es sich für einen Verteidiger gehört ;-) wurde es aber weniger ein Schuß sondern eine fast schon perfekte Vorlage. Der Ball drehte sich leicht zur Mitte und Cardoso konnte noch in den Ball hereinspringen. Leider verfehlte er das Ziel aber sehr knapp. 

Doch die HSV-Fans sollten nicht lange auf das 1. Tor warten müssen. Schon wenig später bediente Hollerbach den an der rechten Strafraumgrenze freistehend lauernden Präger. Dieser nahm den Ball kurz an und zog dann direkt ab in´s lange Eck. Suuuuper ! Gerade auch für Roy Präger, der sich ja schon wachsender Kritik ausgesetzt sah. Nun hat er endlich auch wieder einmal getroffen und vor allen Dingen hat er auch wirklich ein hervorragendes Spiel gemacht.

Weiterhin gab es große Chancen in der 1. Halbzeit – allerdings auf beiden Seiten. Die Lauterer hatten durch Djorkaeff und besonders Hristov große Chancen. Hristov hatte dabei nach einer guten Szene aus ca. 5 – 10 Metern die Einschußchance. Den hätte er eigentlich auch versenken müssen, aber er schoß direkt über das Tor. Außerdem hatte Lautern noch eine dicke Chance durch Basler. Der schoß/flankte vom rechten Föügel direkt auf´s Tor. Da Butt sich aber zur Mitte orientiert hatte und eine Flanke erwartete, konnte er dieser Ball nur mit einer Superparade im Hechtsprung retten. Ich bin mir allerdings absolut nicht sicher, ob das überhaupt Absicht war von Basler. Zumindest wäre ihm das theorethisch zuzutrauen.

Der HSV hatte seinerseits allerdings auch noch hervorragende Einschußchancen. Zunächst konnte Gospodarek durch einen Reflex noch einen aus nächster Nähe (ich glaube durch Cardoso) geschossenen Ball von der Linie kratzen und dann hatte Yeboah noch eine Superszene. An der rechten Ecke des 5m-Raumes wurde Tony angespielt mit dem Rücken direkt zum Gegenspieler und in Richtung Tor. Er legte sich den Ball einmal kurz vor und schoß ihn dann im Fallen nach einer superschnellen Drehung um die eigene Achse direkt rechts neben das Tor. Das wäre ein Traumtor geworden.

Ein richtig denkwürdiges Ereignis wurde das Spiel allerdings erst nach der gelb-roten Karten von Thomas Gravesen. Der hatte mir schon bis dahin wirklich sehr schlecht gefallen. Nicht fußballerisch, sondern taktisch, denn da Kovac heute wieder zentral spielte muß es wohl Gravesens Aufgabe gewesen sein, im rechten Mittelfeld zu spielen. Im Vorwärtsgang tat er das auch, aber in der Defensive zog er immer fatal in die Mitte, sodaß die rechte Seite immer offen war wie ein Scheunentor. Naja, Graver bekam dann zunächst die gelbe Karte wegen eines lächerlichen Fouls. Die Karte hat er wohl auch nur bekommen, weil er vorher schon einige Foulszenen hatte. Und dann war der HSV wieder im Angriff. Mahdavikia wurde in der Mitte angespielt und der Schiri entschied völlig verkehrt auf Abseits. Dann ging der Schiri plötzlich schnurstraks auf Gravesen zu und zeigte ihm die zweite Gelbe und damit gelb-rote Karte. Nicht nur das man uns durch die Abseits-Fehlentscheidung eine hervorragende Torchance nahm; nein, dann wurde uns als „Zugabe“ auch noch ein Mann des Feldes verwiesen.

Da war ich schon auf 180 ! Nun habe ich allerdings inzwischen die Fernsehaufzeihnungen gesehen und muß sagen, daß der Schiri da vollkommen richtig entschieden hat. Es waren sowohl Abseits als auch die gelb-rote Karte berechtigt. Gravesen hatte nämlich nach dem Pfiff wutenbrannt den Ball über das halbe Spielfeld geschossen. Da er schon gelb hatte, blieb dem Schiri wohl nichts anderes übrig. Allerdings war es schon sehr unsportlich, daß sofort 4 – 5  Lauterer auf den Schiri zustürmten und ihn auch noch aufforderten, Gravesen gelb-rot zu zeigen.

Für Gravesen könnte diese abermalige Unkontrolliertheit allerdings fatale Folgen haben. Im nächsten Spiel wird er ja zwangsweise aussetzen müssen und es steht zu befürchten, daß Pagel ihn auch noch danach bestrafen wird dafür, daß er sich wieder einmal nicht zusammengerissen hat.

Ich sehe da gewisse Ähnlichkeiten zur Hinrunde. Da hatte sich Graver in den UIC-Spielen und im ersten BuLi-Spiel auch gerade so richtig in die Stammformation gespielt und dann spielte er im UIC-Final-Rückspiel gegen Montpellier seine bisher schlechteste Leistung im HSV-Dress (ebenfalls weil er riskant und unkontrolliert agierte). Danach war er dann erstmal raus aus dem Team. Da ich ihn sehr mag und auch fußballerisch viel von ihm halte, hoffe ich allerdings, daß Pagel ihm nach dem Abbrummen seiner Spielsperre trotzdem wieder eine Chance gibt.

Das war jedenfalls das retardierente Moment (ich glaube, das nennt man so) dieses Spiels. Nun sollte es von einem guten Bundesliga-Spiel zu einer denkwürdigen HSV-Veranstaltung werden.

Das Publikum war total aufgebracht durch die Abseits und Platzverwies-Szene und es gab ein schönes Pfeifkonzert für Schiri und Lautern.

Nach dem Platzverweis Gravesens bis zur Halbzeit war nun nur noch Lautern in Ballbesitz und ich freute mich sehr, als der Schiri zum Pausentee lud. Ich hatte allerdings kein sehr gutes Gefühl, denn es war irgendwie absehbar, daß Lautern dann irgendwann auch mal ein Tor machen würde. Ich sagte zu meinen Nachbarn, daß wir wohl mindestens „noch einen machen müßten“, um dieses Spiel gewinnen zu können. Damit sollte ich zwar letztendlich auch recht behalten, aber es war trotzdem anders als ich es befürchtet hatte.

Ich erwartete, daß wir nun ein Spiel erleben würden, daß 45 Minuten lang nur in Richtung von Super-Butt laufen würde. Die Furcht wurde noch verstärkt, weil zur zweiten Halbzeit auch noch Marschall und Reich eingewechselt wurden beim FCK. Die Zeichen standen also auf Sturm !

Aber nichts da !!! Gestürmt wurde zwar ! Aber fast ausschließlich vom HSV !!!

So etwas habe ich wirklich nur sehr selten erlebt. Anstatt nun einer Sturmlauf der Betze-Buben ansehen zu müssen, durfte ich Chance auf Chance für den HSV erleben. Ich habe das schon einmal beim Spiel HSV-St.Pauli erlebt. Da bekam Stefan Schnoor nach 30 Minuten die rote Karte und danach war der HSV drückend überlegen und konnte das Spiel gewinnen, aber St.Pauli war ja nun doch immer eher ein Abstiegskandidat und heute spielte der Bundesliga-Dritte HSV gegen den Vierten Kaiserslautern.

Naja, es gab nun wie gesagt Angriff auf Angriff, aber fast ausschließlich vom HSV. Immer wieder konnte man den Ball in der eigenen Hälfte den viel zu passiven und schlecht spielenden Lauterern abnehmen und zu gefährlichen Kontern ansetzen. Eine wunderbare Chance hatte dabei z.B. Kovac, der bei einem Konter aus ca. 30 – 40 Metern einfach abzog, weil er sah, daß Gospodarek zu weit vor seinem Tor stand. Der hart geschossene Heber verfehlte sein Ziel nur um Haaresbreite.

Es war aber nicht so, daß der HSV nur konterte. Man war nun eindeutig die bessere Mannschaft. Während das Spiel zur Halbzeit wohl durchaus ein Unentschieden verdient gehabt hätte, war nun nur der HSV am Drücker und man hatte gar nicht so recht das Gefühl, daß die Lauterer überhaupt ein Tor schießen wollen.

Dann fand eine unendliche Geschichte Ihre Fortsetzung: Dem HSV wurde ein Handelfmeter zugesprochen und Butt konnte seine 100 % ige Elfer-Verwertung beibehalten. Obwohl diesmal ausnahmsweise der TW im richtigen Eck war, hat Butt den Ball so plaziert und hoch geschossen, daß Gospodarek den Ball trotz eines „Super-Hechts“ nur mit den Fingerkuppen berühren konnte. GIGANTISCH !!! Das mußte es jetzt doch eigentlich sein.

Zu dem Elfer und einer noch später folgenden Szene muß man allerdings noch etwas sagen. Sowohl im Stadion als auch am TV habe ich es dann eigentlich so gesehen, daß der Elfer nicht hätte gegeben werden müssen. Auf der anderen Seite gab es nämlich in der 90. Minute eine ähnliche Szene. Pana drehte sich an der Strafraumgrenze in eine Flanke herein und bekam den Ball dabei ebenfalls an den Arm. Meine Entscheidung wäre wie gesagt in beiden Fällen gewesen, keinen Elfmeter zu geben. Der Schiri entschied nur beim Lauterer Hand auf Elfer.

Sonntag habe ich dann aber Herrn Krug im DSF gesehen und der hat etwas dazu gesagt. Meine Regelkenntnisse waren so, daß ich dachte, es müsse eine Absicht vorliegen, damit so ein Handspiel gepfiffen werden kann. Da würde ich in beiden Fällen eindeutig sagen, daß wohl keine Absicht vorgelegen hat. Nun habe ich aber durch Herrn Krug heute gelernt, daß das wohl nicht die einzige Maßgabe sei. Herr Krug erläuterte, daß der Spieler beim Hereingrätschen in die Flanke durch den ausgefahrenen Arm eine unnatürliche Körperhaltung annahm und somit „fahrlässig“ handelte, weil er es billigend in Kauf nahm, den Ball auch ggf. mit dem Arm abzuwehren, was er dann ja auch tat.  Das war bei Pandadic allerdings auf der anderen Seite anders. Pana drehte sich beim Lauterer Flankenversuch mit dem ganzen Körper weg vom Ball und hatte den Arm auch direkt am Körper. Er wurde allerdings trotzdem am Arm getroffen.

Nun ja, nach dieser Erläuterung kann ich die Entscheidung sogar nachvollziehen, aber vom Gefühl her hätte ich trotzdem gesagt, daß es beides keine Elfer waren.

Allerdings wäre es doch auch sehr unverdient gewesen, wenn Kaiserlautern aus dem Volkspark noch einen Punkt hätte mitnehmen dürfen, denn der HSV war wirlich das (besonders in der 2. Halbzeit) deutlich bessere Team. 

Lautern hatte nämlich leider noch den Anschlußtreffer nach einem schönen Tor von Petterson geschafft, der durch einem schönen Pass von Djorkaeff im Strafraum freigespielt wurde. Danach waren dann noch ca. 10 Minuten (mit Nachspielzeit wohl eher 15 Min.)  zu spielen, die mir wie eine Unendlichkeit vorkamen. Thomas Doll hätte noch für den HSV in den Schlußminuten ebenfalls einen Treffer erzielen MÜSSEN. Eine Nachschußmöglichkeit aus 5 - 10 Metern vergabe er kläglich, indem er den Ball über das Tor semmelte. Zwar kann ich mich jetzt nicht erinnern, daß Lautern da noch eine hochprozentige Torchance gehabt hätte, aber ich hibbelte schon wirklich sehr nervös auf meinem Sitzplatz umher und wimmerte dem Abpfiff entgegen.

Der kam dann auch von schlechten Schiri Berg und so hatte ich mal wieder eines dieser Spiele erlebt, daß einem dann wieder genau aufzeigt, warum man Fan dieses Vereines ist. Zu meinem Kumpel meinte ich, daß ich am Abend noch ein Frau bräuchte, weil es ein Tag zum „Helden zeugen“ sei. Das hat dann allerdings irgendwie nicht geklappt. Da muß sich der HSV eben ranhalten und noch oft so gut spielen, damit ich dann irgendwann mal einem Helden die Chance zur Geburt bereiten kann ;-)))

Zu ein paar Dingen muß ich dann doch allerdings noch etwas sagen:

Mario Basler: Basler legte sich einmal mehr mit dem gegnerischen Publikum an. Als ein Balljunge ihm nicht sofort den Ball gab, tat er dann so, als wolle er den Ball hart auf den Jungen zurückdreschen. Damit hat er natürlich hervorragend das Publikum gegen sich aufgebracht. Wie der Mario nun einmal so ist, konnte er es sich auch vor der Nordtribüne vor den HSV-Fans später nicht verkneifen, die Hand provozierend an die Ohren zu halten. Was mich aber sehr freute, war, daß er dann später doch sehr kleinlaut den verdienten Hohn und Spott des Stadions ertragen mußte. Denn er spielte fortan in der zweiten Halbzeit wirklich sehr, sehr schlecht. So flog z.B. ein versuchter Volley-Schuß am 16er anstatt zum Tor diagonal zum 16er im hohen Bogen in Richtung Seitenaus; oder später kullerte ihm ein ganz einfacher Ball einfach unter dem Fuß durch in´s Aus. Da konnte „Super“-Mario natürlich nicht mehr soviel sagen.
Trotzdem ist er ein verrückter Hund. Wie ich auf Sat1 sah, fand Mario bei einer Ecke an der Eckfahne ein Wurfgeschoss, das aus einem Stück einer Brezel bestand. Er nahm die Brezel auf, zerbach sie und aß dann doch tatsächlich ein Stück davon !!! Ganz normal tickt der Junge auf jeden Fall nicht !

Der Schiri bot heute auch wieder eine „wilde“ Leistung. Ich würde zwar sagen, daß die meisten seiner Foulentscheidungen grundsätzlich korrekt waren, aber es war für mich wirklich unfaßbar, wie wenig gelbe Karten er an die Lauterer verteilte. Gravesen z.B. erhielt seine erste gelbe Karte bestimmt nicht wegen der schwere des Fouls, sondern weil er schon vorher 3 – 4 Fouls gespielt hatte. Ein Jeff Strasser z.B. hat aber bestimmt so ca. 10 Fouls hingelegt, bis sich der Schiri dann endlich mal erweichen konnte, diesen unsportlichen Sack zu verwarnen (Strasser hatte auch die 2. Gelbe für Graver gefordert und außerdem den Ball bei Butts Elfer vom Elfer-Punkt verrückt). Und auch nach der gelben Karte durfte er noch kräftig weiter foulen, ohne nochmals verwarnt und damit des Feldes verwiesen zu werden.
Und da war er auch nicht der einzige. Mit den gelben Karten ist der Schiri wirklich viel zu zögerlich umgegangen. Zumindest hat er damit aber dafür gesorgt, daß der Publikum immer bei bester (schlechter) Laune blieb und die Lauterer auspfiff und den HSV nach vorne peitschte. Heute hat mir die Stimmung wirklich super gefallen. Während der zweiten Halbzeit habe ich dann schon fast gehofft, daß er vielleicht noch mal einem HSV-Spieler eine zumindest fragwürdige gelbe Karte geben würde, denn dann wäre die Stimmung übergekocht. Yeboah wäre da z.B. ein gutes „Opferlamm“ gewesen, denn die Wahrscheinlichkeit, daß Yeboah dann noch eine weitere gelbe bekommen hätte, wäre wohl gleich null gewesen. Leider ließ der Schiri die wunderbare Chance des weiteren Aufheizen des Publikums aber verstreichen ;-)

Ich bin ja nun ein wirklich großer Zweckpessimist, aber langsam fange sogar ich an, fest daran zu glaube, daß uns wohl zumindest der UEFA-Cup-Platz nun nicht mehr streitig zu machen ist. 9 Punkte Vorsprung auf den 7. Platz ist doch wirklich eine ganze Menge. 

Auf jedem Fall ist mit dem heutigen Spieltag der ABSTIEGSKAMPF beendet, denn wir haben nun über 40 Punkte und damit dürfte das Thema wohl „gegessen“ sein !!! Jetzt müssen wir uns halt neuen Zielen zuwenden ! ;-)

Meine Spielerbewertung:

Butt: wirkte hinten einige Male etwas unsicher, als er den Ball nicht beim ersten Zugreifen festhalten konnte. Trotzdem hat er seinen Kasten saubergehalten, hatte beim Gegentor keine Chance und konnte wiederrum einen Elfer verwandeln: Note 2

Hoogma: stand abermals wie ein Feld in der (heute allerdings nicht sehr starken) Brandung: Note 2

Panadic: nicht sehr auffällig, aber von Lauterns Stümern war eigentlich nichts zu sehen: Note 2

Hertzsch: war in der Abwehr unterfordert ;-)  ,so daß er sich in der zweiten Halbzeit des öfteren anschickte, einen verhinderten Rechtsaußen zu geben. Er lief oft hervorragend frei, allerdings muß er trotzdem das Flanken mal im Training üben. Wenn er das auch noch lernt, bin ich mir sicher, daß er richtig weltklasse wird: Note 2

Gravesen: Sorry, Graver, aber schon vor Deiner dusseligen Unbeherrschtheit zur weiten gelben Karten hast Du taktisch miserabel die rechte Seite immer offen gelassen: Note 5

Hollerbach: Naja, ein Streitfall, heute haben mir erstmals zwei objektive Leute gesagt, daß sie ihn gut fanden. Mir hat er wieder viel zu viele Bälle blind über das halbe Feld geschlagen. Auch das Gegentor hat er mich einem Fehlpaß im Mittelfeld eingeleitet. In der ersten Halbzeit fand ich ihn ganz schlecht, obwohl er Präger die Vorlage zum Tor gab. In der zweiten Halbzeit war er natürlich auch ein Teil des überragenden „Kollektivs“. Trotzdem kann ich mich nicht zu mehr erweichen: Note 3

Kovac: Da fehlen mir die Worte ! Warum kann dieser Junge nicht ein Deutscher sein und auch in unserer Nationalmannschaft seine überragende Leistung zeigen. Super. Er ist einer der ganz großen Köpfe in diesem Team und ist daraus (besonders in der Rolle den zentralen, defensiven Mittelfeldspielers) auch nicht wegzudenken: Note 1

Cardoso: Heute auch, wie das ganze Team, sehr gut. Schade, daß ihm nicht gleich zu Beginn des Spieles das Tor gelungen ist. Das hätte ihm bestimmt nach der Kritik der letzten Wochen zu seinem heute sehr guten Spiel noch einen weiteren positiven Schub gegeben: Note 2

Mahdavikia: konnte seine ansteigende Formkurve bestätigen und fiel natürlich besonders bei den häufigen Kontern durch seine Geschwindigkeit sehr positiv auf: Note 2

Präger: Der „Leistungs-Präger“. Heute endlich wieder einmal mit einem Tor und auch (wie immer) mit einer sehr starken kämpferischen Leistung. Genau das war heute angesagt: Note 2+

Yeboah: blieb heute eher „blaß“. Er war zwar, wie immer, eine sichere Größe als Anspielstation, jedoch hatte er heute nicht so viele gute Szenen wie sonst: Note 3+

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
 
Sport1 meldet: Hamburg sicher gegen unsichere Pfälzer

Hamburger SV  2 : 1 (1 : 0) 1.FC Kaiserslautern 

ERGEBNIS   2 : 1 (1 : 0) 
DATUM   26.02.00   15:30 Uhr 
ZUSCHAUER   45,000 
SCHIEDSRICHTER   Alfons Berg 
TORE  1:0 Roy Präger (7.), 2:0 Hans-Jörg Butt (63.), 2:1 Jörgen Pettersson (79.)

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Thomas Gravesen, Andrej Panadic, Niko Kovac, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Mehdi Mahdavikia, Anthony Yeboah

1.FC Kaiserslautern: Uwe Gospodarek, Hany Ramzy, Roger Lutz, Martin Wagner, Michael Schjönberg, Ciriaco Sforza, Youri Djorkaeff, Jeff Strasser, Mario Basler, Marian Hristov, Jörgen Pettersson

WECHSEL 
Hamburger SV: Thomas Doll für Roy Präger (84.), Christof Babatz für Rodolfo E. Cardoso (91.), Fabian Ernst für Anthony Yeboah (92.)

1.FC Kaiserslautern: Marco Reich für Martin Wagner (46.), Olaf Marschall für Roger Lutz (46.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV: Karte gelb/rot für Thomas Gravesen (33.)

GELBE KARTEN 

Hamburger SV: Thomas Gravesen (29.), Anthony Yeboah (92.)

1.FC Kaiserslautern: Marian Hristov (37.), Jeff Strasser (69.)

Die Hamburger bleiben dran. Mit 2:1 gewannen die Hanseaten gegen eine absolut enttäuschende Mannschaft aus Kaiserslautern. Die FCK-Serie mit vier Spielen ohne Niederlage ist damit beendet. Auch wenn der HSV konsequent nach vorne spielte - ein wirkliches Spitzenspiel, wie es der Name versprach, war es nicht.

Konsternierte Pfälzer
Nach dem frühen Führungstor der Hausherren - Roy Präger traf in der 7. Minute nach schönem Hollerbach-Pass - waren die Gäste geschockt. Danach dominierte der HSV das Spiel, obwohl Thomas Gravesen in der 33. Minute wegen Ballwegschlagens Gelb-Rot sah. Vom FCK sah man zu diesem Zeitpunkt nichts, die zuletzt stark spielenden Youri Djorkaeff und Jörgen Pettersson waren komplett abgemeldet.

Zehn Hamburger stürmten auch in der zweiten Hälfte munter weiter und bauten durch das neunte Elfmeter-Tor von Hans-Jörg Butt in der 63. Minute ihre Führung aus. Der FCK antwortete darauf mit einem wütenden, aber planlosen Sturmlauf - zu keinem Zeitpunkt schien die Hamburger Führung ernsthaft in Gefahr. Völlig überraschend dann der 1:2-Anschlusstreffer, der einzige Lichtblick in einem rabenschwarzen Lauterer Spiel. Danach verfielen die Pfälzer wieder in kollektive Konzeptlosigkeit. Das Spiel war entschieden. Hamburg weiter in Champions-League-Laune, Lautern rutscht nach dem Bremer Sieg auf Platz fünf ab.
 

Daten:

Fakten:
Ernsthafte Champions-League-Absichten 
In den ersten fünf Spielen ging es für den HSV gegen Bayern, Stuttgart, Schalke, Hertha und K'lautern nur gegen mehr oder weniger ernsthafte Konkurrenten um die Champions-League-Teilnahme. Drei Siege, ein Remis, eine Niederlage - bei diesem Startprogram eine gute Bilanz.

Erlösung für Präger 
Roy Präger hat seine Durststrecke überwunden. Nach neun Spielen ohne Torerfolg traf der Stürmer mal wieder. Damals (21.11.99 gegen Bielefeld, 5:0) wie heute legte ihm Bernd Hollerbach den Ball zum Torschuss auf.

Die Legende lebt 
Hans-Jörg Butt nimmt weiter Kurs auf die Torjägerkrone. Er hat jetzt neun von neun Elfmetern in dieser Saison verwandelt (insgesamt 16 von 17). 

Pettersson kommt 
Nachdem Jörgen Pettersson in seinen ersten zehn Spielen für die Roten Teufel ohne Torerfolg blieb, hat er nun den Weg in die Erfolgsspur gefunden. In drei der letzten vier Spiele erzielte der Schwede ein Tor. 

Schlaglichter:
Lautern unfair, HSV mit Platzverweis 
Die Pfälzer begingen mit 24 doppelt so viele Fouls wie der HSV und waren auch in Sachen Meckern und Nickligkeiten deutlich die unfairere Mannschaft. Den Platzverweis bekam trotzdem der HSV: Thomas Gravesen musste wegen Ballwegschlagens das Feld verlassen ab.

Die Roten Teufel ohne Chance 
Eigentlich hatte Kaiserslautern nach dem Platzverweis alle Trümpfe in der Hand, doch gelang es den Pfälzern bis zum Anschlusstreffer in der 79. Minute nicht einmal, gefährlich in den Strafraum des HSV zu dringen. Ganze fünf Torschüsse brachten die Pfälzer in Überzahl nach dem Seitenwechsel zustande, die Hamburger hingegen kamen in Spielhälfte Zwei neunmal zum Abschluss. 

Die Väter des Erfolges... 
...waren beim HSV im Mittelfeld zu finden. Besonders nach dem Platzverweis erhöhten Nico Kovac und Rodolfo Cardoso deutlich ihr Arbeitspensum, räumten hinten ab und schleppten unermüdlich Bälle nach vorne. Kovac war mit 74% gewonnenen Duellen der zweikampfstärkste Spieler auf dem Platz, Cardoso hatte die meisten Ballkontakte (82) aller Hamburger und führte die meisten Zweikämpfe (36) aller Akteure.

Djorkaeff - erst vermisst, dann bester Pfälzer 
Auf dem Aufstellungsbogen wurde er schlicht vergessen, auf dem Spielfeld war er mal wieder stärkste Offensivkraft der Lauterer. An sechs der zehn Torschüsse war Youri Djorkaeff beteiligt, zum Tor von Pettersson leistete der Weltmeister mit einem feinen Pass die Vorarbeit.

Kommentar (Jörg Dahlmann):
"Es war ein typisches Spitzenspiel - weil es keines war. Zwar spielte der HSV offensiv, aber auf spannende Zweikämpfe, packende Torraumszenen und schöne Tore wartete man vergebens. Die Gastgeber spulten souverän ihr Programm ab, und das streckenweise glanzvoll, die Pfälzer waren größtenteils überfordert und spielten ohne Pep. Deshalb geht das Ergebnis in Ordnung. Aber: Es hätte ruhig etwas mehr sein können. Wie das eben so ist bei Spitzenspielen."

Spielwertung: 2 (von 4 möglichen) Bällen
 

FuXX des Spieles:  Hans-Jörg Butt: 
"Butt, Butt, Butt - Immer wieder Butt. Zum neunten Mal trat der Hamburger Schlussmann zum Strafstoß an, und war zum neunten Mal erfolgreich. Absolut sicher, fast schon kaltblütig überwand Butt seinen Kaiserslauterer Gegenpart Uwe Gospodarek. Es schien zwar, als hätte der FCK-Keeper den Ball noch mit den Fingerspitzen berühren können, aber diesen Ball hätte wohl kein Torhüter der Welt gehalten, so plaziert war er geschossen. Kurios: Torwart Hans-Jörg Butt führt nun gemeinsam mit Stürmer Anthony Yeboah die interne Torschützenliste beim HSV an." 

Stimmen: 
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV)
"Dieser Sieg ist eine großartige Leistung der ganzen Mannschaft. Man hat gemerkt, dass die Spieler trotz Unterzahl unbedingt gewinnen wollten. Wir haben taktisch sehr gut gespielt und trotz Unterzahl immer versucht, weitere Tore zu erzielen. Ich denke, der Sieg war verdient. Die Mannschaft hat ein großes Lob verdient." 

Otto Rehhagel (Trainer 1. FC Kaiserslautern)
"Wir haben selbstbewusst begonnen und zwei große Chancen herausgespielt. Mit dem Tor im Rücken ist der HSV dann immer besser aufgekommen. Der Platzverweis für uns war schlecht, das Publikum stand danach wie eine Mauer hinter dem HSV. Die Hamburger haben sehr gut gespielt und verdient gewonnen." 

Story: Gravesen beendet Fairplay-Serie 
Schade eigentlich. Eine schöne Serie ging heute im Hamburger Volkspark-Stadion zu Ende. Der Platzverweis von Thomas Gravesen ist nämlich der erste für die Hanseaten in dieser Saison. Ärgerlich: Zum einen, weil der Däne nur den Ball weggeschlagen hatte, aber fünf Minuten zuvor wegen Foulspiels schon einmal Gelb gesehen hatte - zum anderen, weil Hamburg eigentlich die fairere Mannschaft war. Die Hanseaten begingen nur 14 Fouls, im Gegensatz zu den Gästen, bei denen 23 Fouls zu Buche stehen. Nun ist Wolfsburg die einzig verbliebene Mannschaft in der Bundesliga, bei der in der laufenden Spielzeit kein Spieler des Feldes verwiesen wurde 


 
dpa meldet: Hamburger SV schüttelt seine Verfolger ab :
Von Bernd Müller, dpa 
Hamburg (dpa) - Gleich hinter Bayern und Bayer kommt der "SV Butt" - und erst mit weitem Abstand jetzt der ganze Rest. Kult- Keeper Hans- Jörg Butt zelebrierte zum neunten Mal in dieser Saison und zum insgesamt 16. Mal in seiner noch jungen Profi- Karriere die hohe Schule des eiskalten Elfmeter- Verwandelns und bescherte dem Hamburger SV praktisch einen Alleingang zu Dritt in Richtung Champions League. 

"Das war ein Meilenstein auf dem Weg in einen internationalen Wettbewerb", jubilierte Team- Manager Bernd Wehmeyer nach dem 2:1 der Hanseaten gegen das Starensemble des 1. FC Kaiserslautern.

Weil dieser wichtige Erfolg durch den Platzverweis von Thomas Gravesen nach gut einer halben Stunde in Unterzahl herausgeholt wurde, ließ sich sogar Tiefstapler Frank Pagelsdorf zu einigen Superlativen hinreißen. "Was die Mannschaft geboten hat, war etwas Außergewöhnliches", meinte der Trainer. Er schwärmte über die Steigerung, die hohe Laufbereitschaft, den großen Siegeswillen und ein tolles taktisches Verhalten seiner Profis als Reaktion auf den Gelb- Roten Karton.

"Es kommt nicht alle Tage vor, dass man mit zehn Mann gewinnt und ansehnlich Fußball spielt. Das macht unsere Truppe aus: Wir sind konditionell stark drauf und spielerisch eine der besten der Liga", meinte Mittelfeldmotor Niko Kovac. Nach der Vorrunde trennten den Abonnements- Dritten HSV nur zwei Punkte von Platz vier, nun sind es bereits acht. "Das", sagte Pagelsdorf wiederum mit der Eintönigkeit des Morsealphabets, "sollte der Mannschaft eine gewisse Sicherheit geben." Frisch geduscht und völlig abgebrüht brachte aber erst Butt die "wahre" Bedeutung des 16. Heimspiels ohne Niederlage in Serie auf den Punkt: "41 Punkte sind die Garantie, dass wir nicht mehr absteigen können!"

Lauterns Vorsitzender Jürgen Friedrich war über die Magie des neuen Volksparkstadions, der offenbar auch Schiedsrichter Alfred Berg (Konz) nicht ganz widerstand, ziemlich verwundert. "Unmöglich, in dieser Situation Elfmeter zu pfeifen. Man kann sich doch nicht den Arm amputieren", meinte er über die fragwürdige Strafstoß- Entscheidung wegen Handspiels aus der 63. Minute. Mehdi Mahdavikia hatte Ciriaco Sforza angeschossen. Friedrich: "Eigenartig, dass der HSV so viele Elfmeter im eigenen Stadion bekommt und ein Torwart womöglich noch Torschützenkönig werden kann."

Für Trainer Otto Rehhagel bahnte sich die erste FCK- Schlappe des Jahres jedoch früher an: "Der Platzverweis war für uns ganz schlecht. Das Publikum hat wie eine Mauer hinter dem HSV gestanden. Er hat sehr gut gespielt. Wir haben es nicht verstanden, ruhiger zu spielen und uns von der Hektik nicht anstecken zu lassen." Gravesen, der vom Feld musste, weil er den Ball wegschlug, müsste für seine erneute Unbeherrschtheit zum Nutzen des HSV demzufolge ein Sonderhonorar erhalten. Tatsache ist, dass Pagelsdorf dem Dänen die Siegprämie strich und dazu eine Geldstrafe ankündigte.

Zu den großen Gewinnern der spannenden Partie gehörten Roy Präger, der nach einer Torflaute von 831 Spielminuten endlich sein sechstes Saisontor erzielte, sowie der zuletzt ebenfalls heftig kritisierte Rodolfo Cardoso. "Sie haben ein tolles Spiel gemacht. Es hat sich gelohnt, an beiden festzuhalten", lobte Pagelsdorf. Konzentrationskünstler Butt aber musste sich erneut den Mund über sein Erfolgsgeheimnis fusselig reden und ging dabei großzügig über die unsportlichen Störmanöver von Jeff Strasser hinweg: "Es gab nichts, was mich eigentlich stören würde. Wenn alles absolut fair ablaufen soll, muss man irgendwo auf 'ne Dorfwiese gehen."


 
kicker: Analyse  

Personal: HSV-Trainer Pagelsdorf nahm eine Änderung vor: Hollerbach kehrte für Ernst zurück ins Team. Auf Lauterer Seite zwei Neue in der Anfangself: Basler und Lutz begannen für Ratinho (Grippe) und Buck. 

Taktik: Hamburg im gewohnten 3-4-3, gegenüber dem Hertha-Spiel teilweise mit Umbesetzungen im Mittelfeld. Da Hollerbach seine angestammte Position links einnahm, rückte Kovac zurück in die zentrale Defensive. Von dort verschob sich Gravesen auf die rechte Seite. FCK-Coach Rehhagel krempelte taktisch komplett um: Zwei echte Angreifer mit Pettersson und Djorkaeff, dahinter der gegenüber Wagner (links) und Basler (rechts) etwas offensiver orientierte Hristov. In der neu strukturierten Defensive widmeten sich vor Libero Sforza Lutz, Schjönberg und Strasser den drei HSV-Stürmern, davor beschattete Ramzy Hamburgs Spielmacher Cardoso direkt.

Spielverlauf: Ein temperamentvoller Auftakt, bei dem zunächst die Gäste ein Chancenübergewicht erzielten. Leicht überraschend daher die Führung der Hamburger, die danach aber vor allem über Cardoso und Kovac besser ins Spiel fanden. Lautern mit dem Angriff als stärkstem Mannschaftsteil, mit deutlichen Defiziten gegenüber dem HSV im Mittelfeld, wo Baslers lange Bälle selten ihr Ziel fanden. In der Abwehr ließen sich Strasser und Lutz mehrfach von den rochierenden HSV-Stürmern düpieren. Nach der Pause ging der FCK volles Risiko, brachte mit Marschall und Reich zwei weitere Offensivkräfte, Ramzy zog sich in die Abwehr-Dreierkette zurück. Hamburg stand vor allem dank Hoogmas guten Stellungsspiels in der Deckung sicher, spielte trotz Unterzahl mutig weiter nach vorne, nutzte mit Kontern die Räume, die der aufrückende Gegner nun bot. Erst mit dem Anschlusstor ging noch einmal ein Ruck durch das Lauterer Team.

Fazit: Der HSV wurde in diesem attraktiven Spiel für das Risiko belohnt, nach dem Gravesen-Aus unbeirrt an seinem Angriffsspiel festzuhalten. Lautern ging verdient leer aus, verstand es nicht, in Überzahl die anfangs gute Linie fortzuführen. 


 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Eines der spannendsten und hochklassigsten Heimspiele der Saison mit sehr aggressiven Pfälzern liegt hinter uns.  Und das könnte schon eine kleine Vorentscheidung in Sachen internationale Plätze gewesen sein.  3. HSV 41 Punkte, 4. Kaiserslautern 33 Punkte.  Die Tabelle hat sich selten so gut gelesen...  Das könnte einer DER Schlüsselsiege der Saison gewesen sein, der meiner Meinung nach im ALTEN Volkspark wohl gar nicht zu Stande gekommen wäre (!).
Aber von Beginn an:

Ich war an diesem Tage schon relativ früh im Stadion, so dass ich einen recht günstigen Stehplatz ergattern konnte, in Bezug auf Sicht und Stimmung. 

Ich war aber irgendwie auch auf eine seltsame Art und Weise nervös und angespannt, was ich auf den schlechten Auftritt der Mannschaft in Berlin zurückführte.  Kurz:  Ich hatte ein schlechtes Gefühl.

Die Zuschauerzahl war dem Spiel angemessen, auch wenn ich etwas mehr als 45.000 nicht abgeneigt gewesen wäre.  Aber zumindest merkte man, dass jeder Zuschauer im Stadion, sobald er kein Lautern-Fan war, total hinter unserer Mannschaft stand.

Gleich von Beginn an war es ein total offener Schlagabtausch zwischen beiden Mannschaften und der heute ENDLICH wieder gut aufspielende Cardoso hatte schon quasi gleich nach Anpfiff eine gute Chance, als er in einen Hertzsch- Schuss hineingrätschte und der Ball nur knapp am Tor vorbeistrich.  Aber auch die Lauterer hielten sich nicht zurück und vor allem der Saufkopp der Nation ;-), Mario Basler, hatte mit einem raffiniert angeschnittenen Ball auf den kurzen Pfosten für einen kurzzeitigen Herzstillstand bei mir gesorgt.  Doch Butt konnte den Ball noch vor der Linie retten.

Und dann kam wohl das wichtigste Tor des Tages.  Denn ohne dieses 1-0 hätten wir das Spiel wohl verloren.  Hollerbach hatte einen schönen Ball auf Präger geschlagen, der dann an der rechten Ecke des Strafraums ca. 15 Meter von der Torlinie entfernt stand.  Er zog voll ins lange Eck ab und DRIN DAS DING.  Endlich hatte er wieder getroffen und das ganze Stadion feierte ihn in dem Moment.  Und ich war glücklich, dass er mich widerlegt hatte, denn ich hätte es gar nicht schlecht gefunden, wenn Dolli für ihn von Anfang an gespielt hätte, da er in den letzten Wochen nicht sehr überzeugend gespielt hatte.  Aber heute war endlich mal wieder ein Präger-Spiel, seine beste Saisonleistung nach dem Hertha-Spiel! 

Zurücklehnen konnten wir uns aber noch lange nicht, denn die Lauterer spielten wirklich eines CL-Kandidaten angemessen gut und kamen zu einigen Chancen, die ich aber jetzt, the day after, gar nicht so richtig vor meinen Augen hatte.  Hristov und Djorkaeff hatten zumindest teils größte Einschussgelegenheiten, die aber entweder von Butt  entschärft wurden, oder drübergingen.

Der HSV blieb aber auch gefährlich, so etwa eine Annahme von Yeboah im Strafraum, Drehung und Schuss minimal neben das Tor.  Eine klasse Aktion von unserem Torboah, leider nicht von Erfolg gekrönt.

Ich hatte aber den Eindruck, das Lautern mehr im Ballbesitz war, sich aber gegen die wieder super-sicher stehende HSV-Abwehr nicht durchsetzen konnte. 
Und dann kam die Schlüsselszene des Spiels:  Die gelb- rote Karte für Thomas Gravesen.  Und zwar die Schlüsselszene FÜR den HSV.
Warum?
Ein Großteil des Publikums bekam den Grund der roten Karte, nämlich das Ballwegschießen gar nicht richtig mit (ich auch nicht) oder fanden die Aktion nicht rotwürdig.  Folglich wurde jede Ballberührung der Lauterer durch ein gellendes Pfeifkonzert begleitet und jeden Ballgewinn für den HSV durch tosenden Applaus.   Und das SPÜRTEN die Spieler.  Die Lauterer wurden dadurch ziemlich zermürbt die HSVer wurden richtig aufgeputscht davon.  Das merkte man, und daher denke ich, dass das Spiel so im alten Volkspark nicht hätte gewonnen werden können. 
Außerdem konnten die HSV-Spieler nun schon fast befreit aufspielen, frei nach dem Motto "Wir sind nur noch zu 10, also haben wir nichts mehr zu verlieren", falls ihr versteht was ich meine (was ich hoffe), wodurch vor allem in Halbzeit 2 ein Super-Spiel zu stande kam. 
Zuvor wurde sich noch in die Pause gezittert.

Ein Wort noch zu Gravesen:  Das Ballwegschlagen aus Wut war dämlich, und ich denke seine Übermotiviertheit war auf den Besuch des dänischen Nationaltrainers zurückzuführen.  Aber der Schaden den er verursacht hat, steht in keinem Verhältnis zu den Nutzen, den er den HSV gebracht hat und noch bringen wird.  Also gebt ihn eine Chance!

Die Lauterer führten sich übrigens beim Platzverweis in höchster Weise unsportlich auf, durch mit-5-Mann-auf-den-Schiri-losstürmen-und-Reklamieren nämlich.  Das kann durchaus auch mit einer gelben Karte geahndet werden, finde ich.  Das Auftreten war ja Bayern- und Dortmund- like, was auch das Publikum spürte.

Der HSV kam dann verbessert aus der Kabine und ich fand es ziemlich unglaublich, wie wir die Konter fahren konnten und trotz der numerischen Unterzahl Überzahl produziert  haben.  Besonders Niko Kovac ragte dabei für mich herraus.  Wie er den Ball mal hielt, mal super weiterleitete war zum Teil Weltklasse.

Der HSV kam zu einigen vom Publikum euphorisch begleiteten Kontern, die allesamt gefährlich waren, aber nicht zum Erfolg führten.  Die Lauterer fand ich angesichts der Überzahl zu drucklos zum großen Glück für mich und mein Herz. 

Wir kämpften richtig schön mit Herz und wenn das ganze Stadion für den HSV aufsteht, ist es unmöglich, keine Gänsehaut zu bekommen.  Denn endlich, endlich hat Hamburg wieder eine Spitzenmannschaft die Fußball mir Herz spielt.  Ich bin mir sicher, dass das Spiel vor einem Jahr verloren gegangen wäre. 

Aber auf einer Welle der Anfeuerung kam der HSV schließlich zu einem vorentscheidenden 2-0.  Allerdings war der Elfer höchst strittig, nämlich in dem Punkt, ob Sforza von Mahdavikia angeschossen wurde, oder die Ball zum Hand ging.  Ich glaube, das war wirklich ein ganz knapper Grenzfall, denn die Hand war - im Gegensatz zum von den Lauterern später gefordeten Elfmeter durch eine ähnliche Situation- eindeutig vom Körper weggestreckt. Es war nur die Frage, ob es Absicht war oder nicht, und das kann ich wirklich nicht beurteilen.  Zumindest wurde dadurch eine große Torchance zunichte gemacht.

Total daneben fand' ich Strasser vor dem Elfmeter der den von Hansi Butt auf den Punkt gelegten Ball höhnisch berührte und dabei lachte.  Dadurch erregte er zurecht den Zorn der HSV- Spieler, so dass es zu einen kleinen Gerangel kam, was eigentlich nicht gerade gut für Butts Nerven gewesen sein konnte.  Doch er verwandelte sicher wie eh und je links halbhoch, auch wenn Gospadarek in der richtigen Ecke gewesen ist.  Aber gute Elfer erkennt man bekanntlich daran, dass sie, auch wenn der Torwart in der richtigen Ecke gewesen ist, trotzdem reingehen...

Ich war im siebten Himmel und der HSV zauberte weiterhin euphorisiert wunderbare Konter auf den Rasen.  Sie kontrollierten sogar teilweise das Spiel und kamen zu nicht all zu schlechten Chancen.  Ich sagte nicht selten "Das gib's nicht, mit 10 Mann" und "Unglaublich" und auch meinen Stehnachbarn ging es ähnlich. 

Petterson kam dann jedoch nach einen Djorkaeff-Pass zum Anschlusstreffer, der dann 12 Zitter-Minuten einleiteten.  In der Zeit stand ich unter höchster Anspannung und Kaiserslautern war auch immer sehr nah dran an dem Tor, doch wir (der HSV) konnten entweder zur Ecke klären oder Entlastungsangriffe starten, einer davon (Nachschuss von Doll) hätte sitzen müssen.  Bis dann endlich der erlösende Schlusspfiff ertönte, und ich glaube fast jeden fiel in dem Moment ein Riesen-Stein vom Herzen.  Es war wohl der am härtesten erkämpfte Sieg und von daher auch verdient.  Wir hatten durch taktisch und stellungsspieltechnisch (Unwort, jaja) kluges Spiel den Sieg errungen, und das Gefühl wurde dann auch ausgiebig ausgekostet und ich ging happy wie selten aus dem Stadion.  Wo soll diese Saison denn noch enden?