Bundesliga, 23. Spieltag, Freitag, 03.03.00 um 20:00 Uhr in Woflsburg bei sehr kaltem und windigen Wetter (ca. 3 Grad C). Es regnete, hagelte und schneite teilweise. 

VfL Wolfsburg - Hamburger SV 4:4 (1:3)

Tja, da weiß ich diesmal schon nicht so recht, wie ich den Bericht beginnen soll. Eines kann ich zumindest sagen: Ich habe ein denkwürdiges Spiel erlebt. So etwas habe ich noch nie erlebt und werde es wahrscheinlich auch nie wieder erleben.

Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich nach diesem Spiel gar nicht so sauer – nur einfach unendlich enttäuscht. Es passiert ja auch nicht alle Tage, daß man bei einem Spiel eigentlich schon den Sack doppelt zugeschnürt hat und man am Ende dann trotzdem noch praktisch als Verlierer den Platz verläßt.

Der HSV hat bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit wie eine echte Klassemannschaft gespielt und in der zweiten dann fast schon wie ein Absteiger. Zumindest hat man erkennen müssen, daß es für den HSV schon noch ein Stück des Weges ist, bis man zu einer echten Spitzenmannschaft der Bundesliga gereift ist. Eine Mannschaft wie die Bayern hätte sich in diesem Spiel zumindest nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen.

Nun aber zum Spiel:
Der HSV hat in der ersten Halbzeit wirklich gezeigt, weshalb man momentan da oben steht. Die Wolfsburger waren zwar auch viel in Ballbesitz, aber dabei meist total ungefährlich. Beim HSV hatte jedoch alles Hand und Fuß. Besonders konnte dabei Cardoso brillieren, der in der ersten Halbzeit überragend spiele und zeigte, daß er, wenn nicht DER beste, dann zumindest einer der besten Spielmacher der Bundsliga ist. So genial wie Rodolfo gestern in den ersten 45 Minuten spielt ein Effenberg nie. Allerdings hätte der vielleicht in der zweiten Halbzeit das Spiel besser gelenkt. Das soll aber kein Einzel-Vorwurf an Cardoso sein, denn das hat die gesamte Mannschaft verbockt.

Der HSV konnte früh durch seine erste Torchance gleich die Führung erzielen. Mahdavikia war bei einem HSV-Angriff etwas in die Mitte gezogen und konnte sich von seinem Verteidiger lösen, weil der dann den ballführenden Cardoso angriff. Cardoso wiederum spielte den Ball mustergültig in die Gasse zu Mahdavikia, der frei auf den Wolfsburger Torhüter zulaufen konnte und den Ball dann schließlich mit flach an ihm vorbei ins linke Eck schieben konnte. Schon ein Supergefühl, wenn man so früh in einem Auswärtsspiel führt. Da ich öfter mal etwas pessimistisch bin, dachte ich mir, daß ich mir nun zumindest nicht beim ersten Treffer der Wölfe in die Hose zu machen bräuchte.

Doch der HSV spielte weiterhin wunderschönen Fußball. Man hatte zwar nicht übermäßig viele Chancen, aber wenn dann klingelte es meist auch gleich im Gebälg. Als nächstes sollte es allerdings nicht im Gebälg sondern im Gebein klingeln; und zwar in den Gebeinen vom ansonsten sehr blassen Ex-Wolfsburger Roy Präger. Mahdavikia war auf rechts gut mit dem Ball durchgegangen und flankte flach über das halbe Spielfeld in  den Strafraum hinein, wo Präger und sein Gegenspieler Greiner heranrauschten. Greiner rauschte auch weiter – und zwar Roy Präger in die Beine. Schon im Stadion sah es für mich wie ein ganz klarer Elfmeter aus, was sich im Fernsehen dann noch mehr als verdeutlicht hat. Das war nicht nur ein Straßstoß, das war auch noch die rote Karte für Greiner. Zumindest habe ich das so gesehen. Der Schiri jedoch nicht, denn der zog es vor, Butt nicht mit dem derzeitig führenden der Torschützenliste gleichziehen zu lassen. Ich hatte so richtig das Gefühl, daß der Schiri so sagen wollte „Ihr habt schon so viele Elfer, das kann gar nicht normal sein. Diesen hier kriegt Ihr nicht !“.

Aber es ging munter weiter für den HSV und das zweite Tor sollte nicht lange auf sich warten lassen. Hertzsch hatte sich weit in des Gegners Hälfte beim Anspiel in die Spitze zunächst einen Fehlpaß geleistet. Doch wie es sich für einen zweikampfstarken (und meinen Lieblings-) Spieler gehört, hat es das Leder sofort zurückerobert. Dann spielte er mit Cardoso einen verzögerten Doppelpaß. Und da der Ball kurz vorm grätschenden Wolfburger Verteidiger auf diesem Kartoffelacker noch einmal aufsetzte, konnte dieser den Ball nicht klären. Hinter ihm stand Cardoso sehr frei und konnte den Ball aus ca. 10 m aus der Drehung direkt am Torhüter vorbei ins rechte lange Eck befördern. Das war schon ziemlich unglaublich. Kaum 20 Minuten vorbei und nun führten wir schon mit 2:0. 

Danach war es fast soweit. Super-Hertzscher hätte fast sein erstes Bundesliga-Tor gemacht. Er spielte heute sehr offensiv (dazu später mehr) und war in der Nähe des Wolfsburger Strafraumes in Ballbesitz gekommen. Es zog ein wenig zur Mitte und da er nicht attackiert wurde, zog er einfach mal aus ca. 20 – 25 m ab. Das Leder rauschte knapp am linken Pfosten vorbei. Den Ball hätte Reitmaier allerdings wohl gehabt, wenn er auf´s Tor gekommen wäre. Trotzdem wäre ich da doppelt ausgeflippt vor Glück, wenn auch Hertzscher endlich mal ein Tor gemacht hätte. Und dann wäre es auch noch mit dem Fuß gewesen und nicht mit dem Kopf. Ein Kopfballtor würde ich ihm nämlich prinzipiell eher zutrauen. Da hat er nur das „Problem“, daß Pana und Hoogma noch kopfballstärker sind und deshalb meist diese beiden bei Ecken mit nach vorne gehen und Hertzsch dann hinten absichert.

Aber auch über diese vergebene Chance sollte ich nicht zu lange traurig sein, denn in der 41. folgte bereits das 3:0. Wieder vorbereitet vom neuen Flankengott ;-) des HSV: Ingo Hertzsch. Wieder von links bediente Hertzsch mustergültig per hoher Flanke in den Strafraum, den in der Mitte vollkommen freistehenden Mahdavikia. Der ging zum Kopfball hoch und konnte diesen noch nicht direkt verwandeln (was eigentlich schon ganz schön schlecht ist bei einer so eindeutigen Chance). Allerdings war es Reitmaier bei diesem aus nächster Nähe geköpften Ball nicht möglich, ihn festzuhalten und so konnte Mehdi den wieder zu ihm fallenden Ball locker einschieben. Jetzt war ich so fassungslos, daß ich schon gar nicht mehr richtig jubeln konnte. Was war denn nun los ???

Ich sagte zu meinen Nachbarn, daß es jetzt wohl für ein Unentschieden reichen sollte. Das ich damit am Ende recht behalten sollte, war allerdings nicht wirklich mein Wunsch. Außerdem schob ich noch gleich nach, daß es jetzt ganz wichtig sei, daß man nun vor der Halbzeit kein Gegentor mehr bekomme, aber da wurde mein Flehen leider nicht erhöht.

Noch vor der Halbzeit konnten die Wölfe den Anschlußtreffer markieren, was dann letztendlich fatale Auswirkungen haben sollte. Nach einem Freistoß von der rechten Seite, kam Sebescen vollkommen frei zum Kopfball und konnte das 1:3 erzielen. 

Hätte man doch nur das „zu Null“ gehalten zur Halbzeit. So bekamen die Wolfsburger natürlich eine Motivationshilfe zur Halbzeit von Seiten des HSV. Trotzdem hatte ich hier eigentlich noch ein gutes Gefühl.

Das sollte in der zweiten Halbzeit dann noch verstärkt werden, denn schon kurz nach Wiederbeginn auch noch das vierte Auswärtsstor in dieser Partie erzielen. Ein Freistoß von der rechten Strafraumgrenze mußte (genau wie beim Wolfsburger Anschlußtreffer) herhalten. Da aber bei diesem Freistoß es kein Spieler schaffte, dem Ball eine entscheidende Richtungsänderung zu geben, ging Cardoso´s Freistoß mehr oder weniger direkt rein ins lange Eck. Auf premiere habe ich aber nun gesehen, daß Kovac beim Jubel nach dem Tor angezeigt hat, daß er den Ball noch mit einem Haarbüschelchen berührt habe. Zu sehen, war das in der Wiederholung zwar nicht, aber soviel Gefühl wird Niko wohl im bzw. am Schädel haben, daß es so etwas bemerkt ;-)

So, jetzt sollte der Bericht am besten enden, denn nun war engültig Schluß mit lustig. Eigentlich war ich mir nun doch sicher, daß jetzt wirklich der Sach zu sein müßte, aber nach nicht einmal zwei Minuten wurde ich eines besseren belehrt. Sebescen erzielte mit einem wirklich sehenswerten Schuß aus ca. 20 m das 2:4.

Und irgendwie passierte nun etwas ganz seltsames. Mir war so, als ob jeder HSV-Fan im Block und leider auch die ganze Mannschaft nun Muffensausen hatte. Irgendwie spürte man förmlich, daß sich das Spiel nun vollends drehen würde, was es dann leider auch noch tat.

Weitere 5 Minuten später traf erneut Sebescen mit seinem dritten Treffer in diesem Spiel zum 3:4. Nach einer Ecke setzte er sich deutlich durch und wuchtete den Ball über Butt ins Netz.

Ich glaube, jetzt war irgendwie fast jedem klar, daß hier noch der Ausgleich fallen würde, zumal es leider auch immernoch 30 Minuten zu spielen waren. Natürlich kam der Ausgleich dann auch. Juskowiak wurde abseitsverdächtig völlig frei in den Strafraum hinein angespielt und stand vor Butt. Der verkürzte sehr schön den Winkel. Damit zwang er den Wolfsburger zum Dribbeln oder zum Abgeben. Leider entschied sich Juskowiak zum heranstürmenden Rische querzulegen. Fischer versuchte noch, Rische zu behindern. Das hat er irgendwie auch geschafft (puuuh, das wird jetzt fies:), denn er hat Rische, direkt nachdem dieser den Ball eingeschoben hatte so getroffen, daß er verletzt ausgewechselt werden mußte.

Tja, nun hatten wir endgültig das Malheur und immernoch war eine schier nicht enden wollende Viertelstunde zu spielen. Obwohl Wolfsburg noch weitere Chancen hatte, mußten wir uns dann am Ende des Spiels sogar glücklich schätzen, daß wir diesen einen Punkt mit nach Hause nehmen konnten.

Und so war es dann auch so, daß die Wolfsburger nach dem Abpfiff jubelten wie Sieger und der HSV betreten wie nach einer Niederlage das Spielfeld verließ. Niko Kovac, der als erster zu uns in die Kurve, war z.B. sehr deutlich die Enttäuschung anzusehen. Der junge wußte genau, daß es das eigentlich gar nicht gibt, was sich der HSV da geleistet hat.

Im Gegensatz zu manch anderen sehe ich die Schuld an diesem totalen Versagen in der 2. Halbzeit aber nicht ausschließlich in der Abwehr, sondern bei der ganzen Mannschaft. Besonders muß ich aber dem Mittelfeld einen Vorwurf machen. Nach dem 2:4 war wohl jedem klar, daß es hier noch einmal knapp werden sollte. Es ist dann aber insbesondere unserem Mittelfeld nicht gelungen, mal ein wenig Ruhe ins Spiel zu bringen und den Ball zu halten. Wenn wir den Ball mal hatten, wurde der leider sofort und überhastet in den Sturm weitergespielt, anstatt erstmal ruhig den Fuß auf den Ball zu setzen und dann lieber mal einen Rückpaß vorzuziehen.

Wir mußten daran heute deutlich den Unterschied zu „richtigen“ Spitzenmannschaften sehen, denn normalerweise läßt sich kein Team der Welt diesen Sieg nach 53 Minuten noch aus den Händen nehmen. Es nützt aber alles nichts, das ging ist nun einmal gründlich in die Hose gegangen. Pagelsdorf sagt ja Woche für Woche, daß der HSV noch keine europäische Spitzenmannschaft ist und leider hat es das gesamte Team heute einmal bewiesen.

Bemerkenswert fand ich heute allerdings noch die Taktik. Nachdem Pagel gerade am Spieltag in der BILD noch verlautbaren ließ, daß er taktisch noch viel mehr Varianten probieren wolle, zeigte er uns das auch gleich am Abend.

So wie heute ist der HSV auch noch nie angetreten. Zumindest nicht mit dieser Verteilung der Spieler auf die jeweiligen Positionen.

Hinten haben wir mit so einer Art Viererkette gespielt. Fischer war rechts nicht im Mittelfeld, sondern richtig als Mitglied der Verteidigung eingesetzt. Dafür war Hertzsch auf der linken Seite der Kette nur ein „halbes Kettenglied“, denn er war bei jedem Vorstoß ein richtiger linker Mittelfeldspieler. Dadurch kam es ja auch zu seinen Chancen und Vorlagen.

Hollerbach wiederrum, der ja normalerweise auf links spielen soll, sollte heute mal ganz offensichtlich (habe ich aber auch erst so richtig im TV erkannt), nicht im linken Mittelfeld agieren. Er nahm die zentrale defensive Mittelfeldrolle ein (was er auch wirklich gut machte) und Kovac, der sonst da spielt, ging oft ins rechte Mittelfeld. Es wurden also viele Spielpositionen gründlich durcheinandergewirbelt.

Worauf ich aber noch einmal eingehen möchte: Zumindest in der BLöD wird Hertzsch scharf angegangen, weil sein angeblicher Gegenspieler Sebescen drei Tore gemacht hat. Nun weiß ich zwar nicht, ob Pagelsdorf Hertzsch tatsächlich diesen Auftrag gegeben hat, aber ich glaube es zumindest nicht. Der HSV hat ja in einer Kette gespielt, in der so und so die Gegenspieler übergeben wurde. Wenn Sebescen über rechts kam, nahm Hertzsch ihn auch. Bei zumindest zwei der drei Gegentore war allerdings Hertzsch zumindest nicht ansatzweise in der Nähe von Sebescen, sondern bei ganz anderen Spielern. Bei diesen Toren stand jeweils Pana bei Sebescen. Bei einem Tor war allerdings auch Hertzsch scheinbar der Gegenspieler von ihm.

Es mag aber auch sein, daß ich diese starke Verteidigung für Hertzsch „auffahre“, weil ich ihn halt sehr mag und auch besonders in der Offensive überragend fand.

So bleibt mir bei nur noch (remembering Peter R. ;-) ) zu sagen: Grün, Weiß, VfL - Deine Farben leuchten Grell.

Meine Spielerbewertung: Ich muß heute mal vorwegschicken, daß eigentlich alle Spieler (bis auf Butt) in der zweiten Halbzeit eine 5 – 6 verdient hätten, aber ich versuche dann doch, die erste Halbzeit stärker mit einzubeziehen.

Butt: Er war der einzige, dem man in beiden Halbzeiten keinen Vorwurf machen konnte. Trotzdem wünschte ich mir von einem Torwart auch mal (und das sehe ich nicht nur bei Butt so), daß er auch mal die Bälle hält, die über ihm ins Tor einschlagen. Das konnte ich schon früher bei Golz nur schwer begreifen: Note 3

Hoogma: habe ich so gut wie gar nicht gesehen: Note 4

Panadic: kein guter Tag. Er stand zumindest bei zwei Gegentreffern (s.o.) direkt bei Sebescen. Falls das nicht seine Aufgabe war, ist diese Note zu hart. So aber: Note 5

Hertzsch: gefiel mir super in seiner erstmalig gespielten Rolle im linken Mittelfeld. 2 Tore vorbereitet: Note 2-

Fischer: Nach vorne keine Akzente und nach hinten wie alle. Note 4 --

Kovac: gefiel mir im Stadion wieder hervorragend, im TV habe ich ihn aber fast gar nicht gesehen: Note 3

Hollerbach: Dem gefiel seine neue Zentrale Rolle sichtbar gut. So mußte er nicht (wie sonst) immer „unerlaubt“ in die Mitte ziehen. Wenn die Mannschaft in der zweiten Halbzeit heute nicht so untergegangen wäre, hätte er heute eine richtig gute Note bekommen. So: Note 3

Cardoso: hätte es nur die zweite HZ nicht gegeben. In HZ 1 war er Weltklasse. In HZ2 hat er das Spiel leider auch nicht mehr in den Griff bekommen: Note 2

Mahdavikia: Eines seiner besten Spiele für den HSV. Der Sturm sah in der zweiten Halbzeit ja insgesamt recht schlecht aus, weil er nie vernünftig angespielt wurde. Note 2 –

Präger: Wurde, wie auch schon beim Hinspiel, wieder von Greiner komplett zugedeckt: Note 5

Yeboah: das war nun wohl das schlechteste Spiel von ihm, das ich im HSV-Trikot gesehen habe. Heute fungierte es nämlich nicht einmal, wie sonst immer, zumindest als hervorragende Anspielstation. Der tiefe Boden war absolutes Gift für ihn bei seinem Gewicht: Note 6

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
 
Sport1 meldet: VfL Wolfsburg  4 : 4 (1 : 3) Hamburger SV 

ERGEBNIS   4 : 4 (1 : 3) 
DATUM   03.03.00   20:00 Uhr 
ZUSCHAUER   21,400 
SCHIEDSRICHTER   Wolfgang Stark 
TORE   0:1 Mehdi Mahdavikia (9.), 0:2 Rodolfo E. Cardoso (21.), 0:3 Mehdi Mahdavikia (41.), 1:3 Zoltan Sebescen (43.), 1:4 Rodolfo E. Cardoso (53.), 2:4 Zoltan Sebescen (54.), 3:4 Zoltan Sebescen (59.), 4:4 Jürgen Rische (75.)

AUFSTELLUNG 
VfL Wolfsburg: Claus Reitmaier, Thomas Hengen, Frank Greiner, Patrick Weiser, Waldemar Kryger, Krzysztof Nowak, Jürgen Rische, Dorinel Munteanu, Charles Akonnor, Zoltan Sebescen,. Andrzej Juskowiak

 Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Niko Kovac, Andrej Panadic, Andreas Fischer, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Mehdi Mahdavikia, Anthony Yeboah

WECHSEL 
VfL Wolfsburg: Marcel Maltritz für Patrick Weiser (46.), Markus Feldhoff für Jürgen Rische (78.), Nico Däbritz für Charles Akonnor (92.)
Hamburger SV: Jacek Dembinski für Roy Präger (70.), Vahid Hashemian für Anthony Yeboah (82.), Fabian Ernst für Rodolfo E. Cardoso (92.)

GELBE KARTEN 
VfL Wolfsburg: Frank Greiner (22.), Dorinel Munteanu (44.), Charles Akonnor (80.)
Hamburger SV: Roy Präger (56.), Nico Jan Hoogma (84.)
 

Orgiastischer Fußball-Abend in Wolfsburg. VfL Wolfsburg  4 : 4 (1 : 3) Hamburger SV 

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen schönen Traum. Sie sitzen im Fußballstadion, sehen Torchancen en masse, packende Szenen, Kampf, Technik, acht Tore. Dann reiben Sie sich verwundert die Augen. Das war kein Traum. Sie waren Zeuge des Spieles Wolfsburg gegen Hamburg. Die Hanseaten führten nach 53 Minuten schon mit 4:1, mussten am Ende sogar noch mit einem Punkt zufrieden sein. 

Sechs HSV-Schüsse, drei Tore
90 Minuten voller Passion. Eine Partie, mit einem verrückten Szenario. Steven Spielberg würde das Drehbuch ohne zu zögern akzeptieren. Ein Journalist bräuchte Seiten, um das Drama in unzähligen Akten wiederzugeben. Mahdavikia (9.), Cardoso (21.) und wiederum Mahdavikia (41.) hatten den HSV mit 3:0 in Führung gebracht. Da hatte der HSV gerade sechs Mal auf das Wolfsburger Tor geschossen. Viel besser geht es nicht. Sebescen erzielte kurz vor dem Pausentee per Kopf den Anschlusstreffer (43.).

Verrückte zweite Hälfte

Hälfte zwei präsentierte Fußball total. Cardoso schlug einen Freistoß, alle wollten an den Ball, keiner traf ihn, und die Kugel senkte sich zur Verwunderung von Reitmaier zum 1:4 ins Netz (53.). Das war´s. 37 Minuten Auslaufen für die 22 Akteure. Oder? Wolfsburg rannte und spielte fortan den HSV nieder. Direkter Gegenzug. Sebescen, Weitschuss, 2:4. Fünf Minuten später: Ecke Munteanu, Sebescen wuchtete den Ball per Kopf in den Winkel, 3:4. 

Hamburg stehend k.o.

Hamburg stehend k.o., adieu Überlegenheit, willkommen Nervosität. Nichts lief mehr. Die "Wölfe" drängten, zauberten, kämpften. Die Zuschauer schwindelig vor Euphorie. Juskowiak bekam den Ball in Abseitsposition, das Spiel lief dennoch weiter. Pass in die Mitte, heroische Grätsche von Rische, Tor, Ausgleich, Wolfsburger Freudentaumel, kollektive Hamburger Depression. Weitere Tore waren möglich, es blieb beim 4:4.

Zu viel Fußball? Wären alle Spiele wie dieses, auf keinen Fall. Doch das ist nun wirklich nur ein Traum, aber ein schöner.

Fakten:
Es klappt nicht 
Der HSV verspielte erstmals seit 17 Jahren einen Drei-Tore-Vorsprung. Damit gelang dem HSV auch im sechsten Anlauf kein Sieg gegen Wolfsburg. So bleiben die "Wölfe" im neuen Jahrtausend weiter ohne Niederlage.

Torreichstes Remis der Saison 
Das 4:4 war das torreichste Remis der Saison, mehr Treffer fielen nur beim 7:2-Sieg der Bremer in Wolfsburg.

Großes Spiel von Sebescen 
Der Neu-Nationalspieler schoß in seinem erst zehnten Bundesligaspiel schon den fünften Treffer (drei davon per Kopf). Seine Qualitäten scheinen doch eher in der Offensive zu liegen. Zum ersten Mal traf Sebescen mehr als einmal in einem Spiel.

Hertzsch betrat Neuland 
Ingo Hertzsch entdeckt seine Offensivqualitäten: Ihm gelangen seine ersten beiden Torvorlagen im 67. Bundesligaspiel, ein Tor erzielte er noch nie. 

Schlaglichter:
Der Held hieß Sebescen 
Nach dem Nationalmannschafts-Debakel ließ der Wolfsburger Zoltan Sebescen im Stadionmagazin verkünden: "Die guten Fußballer reifen an ihren Niederlagen". Bei Sebescen schien der Reifeprozess extrem schnell vonstatten gegangen zu sein: Mit seinen drei wunderbaren Treffern war er der unumstrittene Held des Abends und wurde vom Publikum mit Sprechchören gefeiert. Da wurde es beinahe zur Nebensache, dass er sich auch sehr kampfeslustig zeigte und kein Spieler auf dem Platz mehr Zweikämpfe bestritt. 

Yeboah und Präger: Die Existenz des Nicht-Vorhandenseins 
Der Hamburger Roy Präger hatte sich für seinen Auftritt an alter Wirkungsstätte sicher viel vorgenommen, und dass Tony Yeboah eigentlich immer torgefährlich ist, weiß eh jeder. In Wolfsburg allerdings waren beide zwar körperlich zu sehen, aber so ungefährlich wie ein geworfenes Wattebäuschchen. Die Offensivleistung beider Spieler erschöpfte sich in einem abgeblockten Weitschuss Prägers. Ansonsten: Null. Dass Yeboah nur 30 Ballkontakte hatte und Präger die schlechteste Zweikampfbilanz aller Spieler auf dem Platz (nur 19% gewonnen!), passte da trefflich ins Bild. 

Wo Schatten ist, ist auch irgendwo Licht 
Wenn die eigentliche Torgefahr ausfällt, müssen halt andere in die Bresche springen: Mahdavikia, Cardoso und Hertzsch waren jeder an fünf Torschüssen der Hanseaten beteiligt. Die beiden Erstgenannten trafen je zweimal ins Wölfe-Tor (Cardoso bereitete außerdem noch einen Treffer vor), und der eigentlich eher als Defensivspezialist bekannte Ingo Hertzsch konnte zwei der vier HSV-Tore vorbereiten. Die ungewohnte Offensivkraft des Verteidigers hatte einen Grund: Auf der linken Außenbahn hatte er keinen direkten Gegenspieler, konnte so immer wieder in Richtung VfL-Strafraum stürmen und seine Mitspieler einsetzen. 

Antreiber Munteanu 
Als Zoltan Sebescen in der letzten Viertelstunde schon heftigst nach Luft schnappte, trieb sein Mitspieler Dorinel Munteanu die Wölfe immer noch unermüdlich nach vorne. Seine Bilanz über 90 kämpferische Minuten: Zwei Tore vorbereitet, die meisten Ballkontakte aller Spieler (81), an beinahe jedem zweiten Wolfsburger Torschuss direkt beteiligt (vier Torschüsse, fünf Torschussvorlagen). Damit zeigte der Rumäne einmal mehr, dass er im Team des VfL nicht zu ersetzen ist.

Kommentar von Markus Höhner: "Ein rauschendes Fußballfest zwischen Wolfsburg und Hamburg. Dem HSV fehlte nach der 4:1-Führung die nötige Cleverness, um den Sieg nach Hause zu fahren. Kompliment an die Wolfsburger, die nie aufsteckten und mit ein wenig Glück sogar noch hätten gewinnen können." 

Spielwertung: 4 (von 4 möglichen) Bällen

FuXX des Spieles:  Soltan Sebescen (VfL Wolfsburg) 
"Mit seinen drei Treffern schoss sich Soltan Sebescen seinen Ärger nach dem verpatzten Debut in der Nationalmannschaft von der Seele. Ein Tor kurz vor der Pause, das schnelle 2:4, das 3:4, und am Ausgleichstreffer beteiligt. Mehr kann ein Trainer von einem Spieler nicht erwarten." 

Story: Drei Tore gegen kollektive Schmach  :
Was musste sich Soltan Sebescen nach seinem Debut im Nationaltrikot alles anhören. Schon bei seiner Nominierung schüttelten viele mit dem Kopf. Dann verschuldete er zwei Tore gegen Holland, wurde zur Pause ausgewechselt. Kritik hagelte es später von allen Seiten.
Gegen Hamburg traf Sebescen drei Mal, am Ausgleichstreffer war er beteiligt. Respekt vor einer solchen Trotzreaktion. Im Anschluss an einen derartigen Spießrutenlauf, an eine derartige Enttäuschung so zu reagieren, sollte alle Kritiker verstummen lassen. Kompliment, Soltan Sebescen, und weiterhin viel Glück! 


 
dpa meldet: Dramatisches 4:4 des HSV in Wolfsburg 
Von Claas Hennig, dpa 
 Wolfsburg (dpa) - Der Hamburger SV kann gegen seinen "Angstgegner" VfL Wolfsburg einfach nicht gewinnen. Mit einem "Dreier- Pack" von Jung- Nationalspieler Zoltan Sebescen und dem Tor von Jürgen Rische kamen die Niedersachsen am Freitagabend in einer dramatischen Partie noch zu einem 4:4 (1:3) gegen die Hanseaten, die damit den Sprung auf Platz zwei der Fußball- Bundesliga verpassten. 

Zwei Mal konnte der HSV im mit 20 400 Zuschauern ausverkauften VfL- Stadion nach Treffern von Mehdi Mahdavikia (9./41.) und Rodolfo Cardoso (21./53.) scheinbar uneinholbar in Führung gehen. Doch der überragende Sebescen (43./54./59.) und letztlich Rische in der 74. Minute sorgten noch für das auf Grund der kämpferischen Leistung verdienten Unentschieden.

Der HSV stellt zwar mit 52 Treffern weiterhin den besten Angriff der Liga, schaffte jedoch auch im sechsten Duell gegen den VfL keinen Sieg. "Wir müssen aufpassen", hatte Andrej Panadic noch bei der 3:1- Halbzeitführung orakelt und sollte Recht behalten. Die zu Beginn vorgeführten Wolfsburger brachten angeführt vom überragenden Sebescen die HSV- Abwehr ein ums andere Mal ins Schwimmen, bei mehreren Tor- Möglichkeiten wäre sogar noch ein Erfolg für den VfL möglich gewesen.

Der HSV startete furios: Nach toller Vorarbeit von Rodolfo Cardoso setzte sich Mahdavikia im Laufduell durch und vollendete mit einem Flachschuss zur frühen Führung. Anschließend wurden die Wolfsburger im eigenen Stadion regelgerecht vorgeführt, die Hamburger lieferten vor der Pause eine ganz starke Vorstellung. Die allerdings durch die Ausfälle von Marino Biliskow (Virusinfektion) und Claus Thomsen (Wadenverletzung) geschwächte Wolfsburger Abwehr hatte Mühe gegen den hanseatischen "Zauber- Sturm", vorne boten die Gastgeber bei ihrer fünften Heim- Niederlage zunächst nur erschreckende Einfallslosigkeit.

Folgerichtig besorgte Cardoso nach Vorarbeit des vorne und hinten überragenden Ingo Hertzsch das zweite HSV- Tor nach einem Abwehrfehler von Frank Greiner. Das 3:0 erzielte erneut Mahdavikia, der nach einem Hertzsch- Freistoß frei zum Kopfball kam. Wolfsburgs Torhüter Claus Reitmaier konnte den Ball noch parieren, gegen den Nachschuss war er jedoch machtlos. Kurz vor der Pause keimte dann der Hoffnungsschimmer für Wolfsburg auf: Sebescen schaffte per Kopfball nach Munteanu- Freistoß das 1:3 und stärkte sein Selbstbewusstsein.

In der zweiten Halbzeit entwickelte dann Dramatik pur: Zunächst erhöhte Cardoso mit einem direkt verwandelten Freistoß auf 4:1 für die Hamburger, dann präsentierte Sebescen seine Gala- Vorstellung. Nur eine Minute später traf er mit einem "Traum- Schuss" in den Winkel zum 2:4, weitere fünf Minuten später drückte er im Anschluss an die vierte Wolfsburger Ecke von Munteanu den Ball mit dem Kopf zum 3:4 über die Linie. In Minute 74 war es dann erneut Sebescen, der mit schöner Vorarbeit Juskowiak in Szene setzte. Der bediente seinen Mitspieler Rische mustergültig - und der Jubel kannte keine Grenze.


 
 
kicker: VfL Wolfsburg - Hamburger SV 4:4 (1:3)    
     
VfL Wolfsburg: Reitmaier (3,5) - Hengen (3,5) - Greiner (3,5), Kryger (2,5), Weiser (5) - Nowak (4) - Sebescen (1,5), Ch. Akonnor (4) - Munteanu (2) - Juskowiak (4), Rische (3) - Trainer: Wolf
Hamburger SV: Butt (3) - Fischer (4), Hoogma (3,5), Panadic (4), Hertzsch (3) - N. Kovac (3), Hollerbach (3,5) - Cardoso (2,5) - Mahdavikia (2,5), Präger (4), Yeboah (5,5) - Trainer: Pagelsdorf
Eingewechselt:  46. Maltritz (3) für Weiser, 78. Feldhoff für Rische, 90. Däbritz für Ch. Akonnor - 70. Dembinski für Präger, 83. Hashemian für Yeboah, 90. F. Ernst für Cardoso

Tore:  0:1 Mahdavikia (9., Rechtsschuß, Vorarbeit Cardoso), 0:2 Cardoso (21., Linksschuß, Hertzsch), 0:3 Mahdavikia (40., Linksschuß, Hertzsch), 1:3 Sebescen (43., Kopfball, Munteanu), 1:4 Cardoso (53., direkter Freistoß, Linksschuß), 2:4 Sebescen (54., Rechtsschuß, Juskowiak), 3:4 Sebescen (59., Kopfball, Munteanu), 4:4 Rische (74., Rechtsschuß, Juskowiak)

Chancenverhältnis: 8:6

Eckenverhältnis: 7:3

Schiedsrichter: Stark (Landshut), Note 5,5 - insgesamt konfus und mit drei entscheidenden Fehlern: übersah ein klares Foulspiel im Strafraum von Greiner an Präger, die Abseitsstellung Juskowiaks bei Vorbereitung des 4:4, und entschied unmittelbar vor dem 3:4 zu Unrecht auf Einwurf für Wolfsburg

Zuschauer: 20400 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Ch. Akonnor, Greiner - Hoogma, Präger

Spielnote: 1,5

Spieler des Spiels: Sebescen - Mit seinen drei Toren und der Einleitung des 4:4 drehte er die Partie praktisch im Alleingang.

Analyse  :
Personal: Wolfsburg gegenüber dem 2:2 in Bremen mit Rische für Ballwanz (Handbruch). Beim HSV kam Fischer für den gelb-rot-gesperrten Gravesen.

Taktik: VfL-Trainer Wolf bot Libero Hengen als klassischen letzten Mann auf, postierte davor gegen das Hamburger Sturm-Trio eine Dreier-Abwehrkette mit Greiner (gegen Präger), Kryger (Yeboah) und Weiser (Mahdavikia). Im Mittelfeld sollte Nowak HSV-Spielmacher Cardoso bremsen. Die Gäste setzten in der Defensive auf eine Viererkette, in der Hertzsch entgegen aller Gewohnheit die linke Außenposition (gegen Sebescen) bekleidete. Rechts bekam es Fischer bei der Abwehrarbeit zumeist mit Rische zu tun, im Zentrum Panadic mit Juskowiak. Auf den Halbpositionen im Mittelfeld kümmerten sich Hollerbach (links) und Kovac wechselweise im Raum um VfL- Regisseur Munteanu.

Der daraus resultierenden Hamburger Überzahl im Mittelfeld begegnete Wolfsburg erst nach der Pause, als Hengen vor der Deckung gegen Cardoso agierte, somit Freiräume für Nowak schuf. Außerdem übernahm Maltritz (kam für Weiser) die Bewachung Yeboahs, Kryger wechselte auf Mahdavikia.

Spielverlauf: Gegen die Schachzüge von HSV-Coach Pagelsdorf zeigte sich Wolfsburg zunächst heillos überfordert. Hamburg bestach durch hervorragende Raumaufteilung. Auffallend, wie sich Fischer und vor allem Hertzsch über ihre Abwehr-Aufgaben hinaus immer wieder in die Offensive einschalteten. Das 1:4 spiegelte die Überlegenheit wider. Auf Sebescens Sonntagsschuss zum 2:4 folgte freilich die totale Umkehrung des Kräfteverhältnisses. Nach dem 4:4 war gar der VfL dem Sieg deutlich näher.

Fazit: Eine denkwürdige Partie, in der Wolfsburg erstaunliche Moral bewies - und der HSV, dass er für den Sprung nach ganz oben (noch) nicht beständig genug ist. 


 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Das sollte nun dank Püstow's Fahrkünste mein erstes Auswärtsspiel seit fast einem Jahr werden.  Und dann natürlich beim "Angstgegner" Wolfsburg, was sich in den 90 Minuten zu bestätigen schien... Aber von Anfang an: 

Wir (Püstow, Skoop + Bruder, und ich) trudelten so um circa 19.30 im putzigen Stadion in VW-Town ein und entdeckten enttäuscht, dass so ziemlich jeder Stehplatz schon voll von HSVern war.  So weit, so gut, nur dass wir uns keinen Platz mehr sichern konnten.  Wir mussten dann mit einem Stehplatz vor den Sitzplätzen (natürlich auch gefüllt mit HSVern) vorlieb nehmen, wobei wir nicht die einzigen waren.

Die Stimmung im HSV-Bereich war zunächst sensationell gut, ich kann kaum glauben, dass wir nur 2000 Hamburger gewesen sein sollten.  Die Wolfsburger wurden zumindest in Grund und Boden gebrüllt.
Zum Anpfiff wurde übrigens eines der peinlichsten Fußball-Lieder gespielt, das ich je gehört habe:

"Grüüüün-Weiß, VFL, Deine Farben leuchten grell..."

Zum Spiel:
Der HSV begann in jeglicher Hinsicht furios und hatte das Spiel von Beginn an unter Kontrolle.  Sie igelten sich in Wolfsburgs Hälfte ein und aus dieser Überlegenheit resultierte dann auch das 1:0.
Cardoso hatte einen traumhaften Pass in die Gasse zu Mahdavikia gespielt, der dann dank seiner Schnelligkeit frei vor Reitmeier (schreib' ich das richtig?) auftauchte und traumwandlerisch sicher zu seinem 3. Saisontor kam.  Der Jubel war dementsprechend groß, und ich rechnete mir schon mal aus, was denn das für die Tabelle bedeuten könnte.  Dabei lag noch so viel vor uns...
Von den Wölfen hatte ich zunächst zu keinem Zeitpunkt die Angst, dass sie evtl. ein Tor erzielen könnten und beim HSV lief alles im wahrsten Sinne des Wortes.  Sogar die Verteidiger (v.a. Hertzsch) setzten sich in der Offensive gut in Szene. 

Es kam zu einem Konter, bei dem Mahdavikia diesmal auf Präger querpasste, der dann frei vorm Tor aufgetaucht wäre, wenn ihn Greiner nicht "gelegt" hätte.  Ich hab schon im Stadion gedacht, dass das nicht nach einer Schwalbe aussah.  Ich hab' zwar bisher noch keine TV-Bilder gesehen, aber es schien ja aufgedeckt worden zu sein, dass das einen Elfer verdient hätte.

Dann das 2-0 nach nur 20 Minuten, als Hertzsch (!!) Cardoso zupasste, der den Ball dann freistehend verwandeln konnte.  YIPPIE!  Cardoso und Mahdavikia waren für mich sowieso die besten HSVer.  Hertzsch zeigte in der Offensive eine sehr gut Leistung, aber in der 2. HZ nach hinten...

Tja, und mitten im Feiern viel dann kurz vor der Halbzeit - das 3-0 durch MahdaviKIA, der eine Hertzsch(!)-Flanke(!!) zunächst aufs Tor köpfte und nach der schwachen Torwart- Abwehr einschieben konnte.  Da meinte Püstow zu mir, das wir wohl so langsam einen Punkt sicher hätten, was jetzt etwas eigenartig anmutet...

Das 1-3 vor der HZ war dann auch schon unnötig.  Wieso wurde eigentlich der Freistoß wiederholt??? Naja, Neu-Nationaler Sebescen konnte zum 1-3 verkürzen, aber ich dachte natürlich immer noch naiv an einen Sieg.  Die ganze HSV-Ecke feierte die Mannschaft.

Auch nach dem Wechsel kam der HSV gut aus der Kabine, schoss durch einen Cardoso- Freistoß (eher unbeabsichtigt...) das 4-1... und dann folgten eine der schlimmsten 37 Minuten meines Lebens(naja, fast...) 

Das 2-4 gleich im Anschluss durch einen 20-Meter-Hammer in den Winkel von Sebescen störte mich ja noch eher wenig, aber das 3-4 wenig später durch (wen wohl) Sebescen nach einen (aufgestützten) Kopfball versetzte mich dann doch in berechtigte Panik.  Der VFL machte Dauerdruck und unsere Mannschaft verstand es einfach nicht mal den Ball ruhig zu sichern und evtl. auch mal wieder nach vorne zu spielen.  Ich verstehe immer noch nicht, wie man sich nur so die Butter vom Brot hat nehmen lassen. 

Es kam wie es kommen musste und Juskowiak passte aus abseitsverdächtiger Positon zu Rische, der nur noch einschieben brauchte.  MIIIISST, verdammter!

So etwas verrücktes hab ich kaum einmal erlebt.  So langsam glaube ich, wir können spielen wie wir wollen, aber gegen Wob können wir nicht gewinnen. 

Zum Schluss konnten wir und noch bei Butt bedanken, dass es nicht noch eine Niederlage gegeben hat, das wäre ja noch schöner gewesen.  Aber schon so wirkte das Spiel wie eine Niederlage auf mich.

Das ganze Team hat sich das Ergebnis zuzuschreiben (und nicht der heimparteiische Schiri hat Schuld) und genau das fehlt uns noch zu einem wirklichen Spitzenteam.

Und am Ende kam wieder dieses Lied:  "Grüüüüün-Weiß"...

So, nach vorne gucken heißt es jetzt!