Bundesliga, 24. Spieltag, Samstag, 11.03.00 um 15:30 Uhr in stürmischen und regnerischem Wetter. Es gab auch mal kurze Zeit Sprühregen. 

Hamburger SV - SSV Ulm 1846  1:2 (0:1)

Das Spiel heute war irgendwie sehr ernüchtern. Der HSV hat von Anfang an nicht zu seinem Spiel gefunden. 

Es ist zwar schwachsinnig, aber trotzdem stört es mich irgendwie auch besonders, daß unsere Heimspielserie ohne Niederlage nun nicht ganz ein Jahr gehalten hat. Das letzte Spiel hatten wir am 13.03.99 gegen den FCB verloren.

Wenn ich das Spiel so rückblickend betrachte, muß ich sagen, daß Ulm taktisch wirklich hervorragend gespielt hat. Sie haben es fast über die ganze Spielzeit geschafft, alle unseren offensiven Spieler konsequent zu decken. Dazu gehörte eine äußerst hohe Laufbereitschaft und auch ein geschicktes Stellungsspiel. Neben den Stürmern wurde diesmal auch unserem Spielmacher Cardoso ein „Manndecker“ gegenübergestellt, der Cardosos Handlungsspielraum total einengte.

Das Spiel lief auch von der ersten Minute an nicht gut für uns. Zuerst gab es auch noch viele Stockfehler. Die wurden dann zwar weniger, aber ins Spiel kamen wir trotzdem nicht richtig. Im Sturm machte sich auch das Fehlen von Yeboah sehr bemerkbar. Ich fand seinen Ersatz Hashemian zwar nicht so schlecht wie viele andere, aber trotzdem merkte man heute schon, daß da die sichere Anspielstation Yeboah fehlt, der sonst wenigstens meist in der Lage ist, auch schlechte Flanken unter Kontrolle zu bringen und dann zu einem Mitspieler weiterzuleiten. Das alles gelang heute nicht und die Angriffsbemühungen wirkten das ganze Spiel über recht konfus und überhastet.

Überhaupt war die Anfangsformation etwas überraschend. Für Yeboah spielte wie gesagt Hashemian. Im Gegensatz zu meinem Sitzplatznachbar Alex, der z.B. lieber Dembinski gesehen hätte, konnte ich den Einsatz von Hashemian schon gut nachvollziehen. Wann, wenn nicht bei einer Verletzung von Yeboah, soll man Vahid denn mal eine Chance geben. Aufgrund der max. 3 einsetzbaren Nicht-Europäer hat er ja so und so kaum Chancen mal eingesetzt zu werden. 

Was mich dann aber doch eher überraschte, war unser Mittelfeld, in dem links Hollerbach, defensiv Kovac und rechts Groth nach fünfeinhalb Monaten Pause spielten. 

Kovac wäre ja auch ohne Frage für mich gesetzt gewesen, aber ich hatte doch gehofft, daß Gravesen nach abgebrummter gelb-rot Sperre wieder in´s Team rückt. Im Nachhinein hat Pagel Martin Groth auch keine Gefallen damit getan, ihn jetzt schon wieder zu bringen, nachdem er erst seit kurzer Zeit wieder im Training ist. Man merkte Groth doch in vielen Situationen seine lange Pause an. Und das Hollerbach auch nichts zwangsweise in meiner Wunschelf spielen muß, ist wohl auch hinlänglich bekannt. Wenn denn schon Groth spielt, hätte ich auf Graver in der Mitte defensiv und Kovac auf links gehofft. In der Halbzeit des trostlosen Kicks hat Pagel diesen Zustand übrigens auch hergestellt, in dem er Holler rausnahm.

Aber vor der Halbzeit gab es ja zumindest noch einige „erwähnenswerte“ Szenen. Die eine muß ich wohl zumindest erwähnen, denn es war das Tor der Ulmer Spatzen. Das Tor der Ulmer resultierte nämlich aus einer Ecke des HSV.  Diese Ecke wurde vom wirklich sehr guten Ulmer Torhüter Laux abgefangen und direkt der Konter eingeleitet. Dabei rückten auch mehrere Ulmer sehr schnell auf, was der HSV leider vermissen ließ. Die links Abwehrseite des HSV war bei diesem Konter vollkommen entblößt und schließlich wurde dort dann auch ein total freistehender Ulmer angespielt. Er konnte so ab ca. 30 Metern vor dem Tor frei von halbrechts auf Butt zulaufen und versenkte die Kugel dann schließlich auch mit einem Innenspannkick in Richtung der rechten unteren Ecke. Butt kam sogar noch mit dem Fuß an den Ball ran, aber es reichte nicht zu mehr als einem leichten Abfälschen des Balles. 

Vor und nach diesem Tor gab es sogar mal HSV-Chancen. Die größte vorm Tor hatte Hoogma (der einzige Spieler der mir heute die ganzen 90 Minuten gefallen hat). Bei einem Strafraumgewühl wurde der Ball kurz auf ihn zurückgelegt und er schoß ihn direkt aus ca. 10 Metern aus der Drehung. Dabei durften wir lernen, daß der linke wohl nicht sein besserer Fuß ist, denn der Ball flog gen Himmel.

Nach dem Ulmer Tor hatte der HSV noch eine richtig große Chance durch Roy Präger. Bei einem Konter hatte Roy zunächst den Ball verloren, bekam ihn dann aber umgehend in mittiger Position direkt vor dem Strafraum von einem der Iraner (ich weiß nicht, wer es war) wieder zugeköpft. Diesen Ball nahm er nach einmaligem Aufsetzen dann aus der Luft und fand leider seinen Meister in Torhüter Laux. Das war die größte Chance der 1. Halbzeit und hätte wohl auch ein Tor sein müssen. Aber vielleicht hat der „Fußballgott“ es auch nur nicht zugelassen, weil Roy Präger nämlich im Abseits stand, als ihm der Ball zugeköpft wurde.

So ging der HSV mit einem schönen Pfeifkonzert in die Kabine. Nach der Pause kamen dann Graver für Holler (wie schon oben erwähnt) und Bäron für Hashemian. Beide Wechsel sollten sich positiv für den HSV auszahlen, da beide Spieler m.E. besser ins Spiel fanden als Ihre Vorgänger. Allerdings sollte die Einwechslung von Bäron für mich irgendwie einen etwas faden Beigeschmack haben.

Irgendwie war es nämlich der mir sehr sympathische Karten Bäron, der dem HSV sozusagen den „Todesstoß“ versetzte. Ich will für diese Niederlage absolut nicht in Bäron den Schuldigen suchen, aber er wäre es eben gewesen, der den HSV wieder zurück in´s Spiel hätte bringen können – nein: müssen !!!

Er hatte nämlich zu Beginn der zweiten Halbzeit eine hervorragende, wohl hundertprozentige Chance. Präger hatte sich links an zwei Verteidigern vorbeigeschummelt und lief fast auf der Grundlinie mit dem Ball.  Dann paßte Präger klug auf den am 5m-Raum lauernden Bäron und dieser schaffte es dann leider nicht aus wirklich aussichtsreichster Position, das Leder im Netz unterzubringen. Obwohl er in diesem Moment keinen direkten Gegenspieler hatte, hatte Air Bäron leider nicht die nötige innere Ruhe, die Kugel zu versenken. Er schoß direkt und Laux konnte den Ball wegfausten. Ich will schon gerne zugeben, daß es sich um eine Super-Parade von Laux handelte, aber trotzdem muß ein Stürmer so eine „Kirsche“ einfach reindrücken.

In der Folge hatte der HSV auch noch mehrere Chancen, wobei Bäron auch wieder an den beiden größten beteiligt war. Zunächst hatte er einen Flanke, die er perfekt auf den Kopf bekam, noch einmal quer vorm Tor versucht auf Cardoso abzulegen, doch Cardoso kam einen Tick zu spät, sodaß sich erneut Laux den Ball angeln konnte. Vielleicht hätte Bäron diesen Ball auch direkt auf´s Tor köpfen können/sollen, aber ich denke, daß die Flanke dafür einfach zu lasch war. Es wäre ihm so wohl kaum möglich gewesen, genügend Wucht in den Kopfstoß zu bringen. Daher hat er sich wohl auch für´s Ablegen entschieden.

Und dann hatte Bäron nachher noch eine Riesenchance (kann aber auch er NACH dem 2. Ulmer Tor gewesen sein). Jedenfalls wurde ein Schuß der HSV aus der 2. Reihe abgefälscht. Der Ball sprang aber, für die Ulmer sehr unglücklich, direkt zu Karsten Bäron, der ca. 8 m vor dem Tor stand, auf die Brust. Bis Bäron den Ball aber runtergenommen und gerade zum Schuß ausgeholt hatte, war bereits ein Ulmer herangeeilt, der ihm den Ball im letzten Moment vorm Schuß wegspitzelte. Da waren scheinbar alle im Stadion sauer auf Bäron. Ich war eher nur enttäuscht, denn ich fand es schon normal, daß er den Ball ja nunmal erst runterholen mußte. Aber es sah eben recht unglücklich aus, denn als der Ball zu ihm kam, stand er nun einmal völlig frei.

Naja, es kam natürlich wie es kommen mußte. Der HSV bemühte sich erfolglos, den Ausgleich zu erreichen und die Ulmer machten bei einem Konter ihr 2. Tor. Auf der linken Seite lief ein Ulmer vollkommen frei über das halbe Feld. Die letzten Meter vor dem Strafraum wurde er dann von Panadic „eskortiert“, der ihn aber leider nicht angriff. Der Ulmer zog am Strafraum einmal zur Mitte und schoß dann durch die Beine der abzublocken versuchenden Panadic und Hertzsch ins kurze Eck zum 0:2. 

Da hatten wir nun den Salat. Jetzt war das Spiel wohl endgültig gelaufen. Der HSV versuchte zwar weiterhin ein Tor zu erzielen, doch die Versuche endeten heute zumeist recht kläglich.

Besonders elend sah dabei ein Versuch von Präger aus, der links an der Strafraumgrenze freistehend angespielt wurde. Doch statt den Ball wieder in die Mitte zu den heraneilenden HSVern zu spielen, zog er direkt ab. Naja, abziehen ist wohl nicht das richtige Wort. Es war eher nur ein Schüßchen, was allerdings auch schon zu sehen war, bevor er den Ball überhaupt berührte, denn so wie der Ball lag und wie er dazu stand, konnte es auch gar nichts werden. Aber zumindest gab das den Schönwetterfans eine weitere Gelegenheit zu pfeifen ...

Einzig der in der 2. Halbzeit eingewechselte Gravesen bereitete sich selbst in der Nachspielzeit zu seinem heutigen Geburtstag noch ein Geschenk: Einen Freitsoß, den es mittig ca. 2 m vorm 16er gab, drosch er wie einen Strich in den rechten Giebel. Direkt an der Mauer vorbei und eigentlich auch ins Torwarteck. Der Ball war aber auch wirklich ungeheuer hart geschossen.

Und so schaffte Graver das, was mir heute fast die ganze Spielzeit versagt geblieben war: Er zauberte mir ein Lächeln in´s Gesicht und ich war zumindest einen ganz kurzen Moment lang glücklich.

Im Grunde genommen hätte der HSV auch dieses Spiel trotz seiner schwachen Leistung für sich entscheiden können, denn man hatte wohl eindeutig mehr Torchancen, aber die Ulmer haben wirklich sehr konsequent am Mann gestanden und dem HSV auch kaum Spielraum gelassen.

Der Schiri hat mir heute einmal mehr nicht gefallen. Aber das ist ja eigentlich immer so. Er hätte viel mehr Karten zeigen müssen, wobei die Ulmer meiner Meinung nach mehr von diesen Karten hätten sehen müssen. Er ließ den Spielern wirklich viel zu viel durchgehen. Oft genug pfiff er auch gar nicht; und wenn, dann gab es fast nie eine gelbe Karte. Die rote Karte aber hätte z.B. für mich ganz sicher Hoogma sehen müssen, als er einem frei auf ihn zulaufenden Ulmer mit einem schönen Bodycheck zu Boden schickte direkt vor dem Strafraum. Jedenfalls war da weit und breit kein anderer Hamburger Verteidiger.

Meine ganz besondere Abscheu möchte ich all den beschissenen Pseudo-HSV-Fans gegenüber ausdrücken, die sich heute alle in meinem Umkreis zu versammeln schienen. Da hätte ich mich andauernd umdrehen können und einfach wahlweise einem in die Fresse schlagen können. Er hätte fast mit Sicherheit immer den richtigen getroffen. Was ich mir da alles für einen Blödsinn anhören mußte, ging schon auf keine Kuhhaut mehr. Roy Präger durfte sich z.B. anhören, daß er doch, den man sonst mit Emil Zatopek vergleicht, doch endlich mal laufen solle und als Butt einmal etwas über eine Rückgabe schlug, kam auch prompt der Ruf irgendsoeines Halbaffen „Geh doch bloß zu Manchester !“.

Freunde der Sonne, da fällt mir überhaupt nichts mehr ein !!! Schon nach 20 Minuten ging das Gejaule ja los: „Waaas, schon 20 Minuten gespielt und immernoch kein Tor ?“. 

Ich bin echt sauer über diese ganzen Spacken, die eigentlich nur zu kommen scheinen, um darauf zu warten, endlich mal wieder einen Grund zum Mosern zu haben. Und das, obwohl bei einem Gegner wie Ulm und diesem Schietwetter ja eigentlich schon nur noch die „richtigen“ HSV-Fans ins Stadion kommen. Aber da merkt man einfach, daß viele HSV-Anhänger einfach nicht in der Lage sind, mit dem Erfolg umzugehen.

Damit man mich auch richtig versteht: Der HSV hat eine wirklich schlechte Leistung gebracht und die ist auch durch nichts zu entschuldigen, aber trotzdem ist das kein Grund, schon wärhrend des Spieles und teilweise bereits während der ersten Halbzeit, solche Töne anzustimmen. 

Der HSV hat schlecht gespielt. Dafür verdienen unsere Mannen auch Kritik. Aber nicht so einen unreflektierten Dreck. Da kann man schon gerne einmal daran denken, wieviele schöne Stunden uns der HSV im letzten Jahr gerade zu Hause geschenkt hat. Und besonders wenn es mal nicht so läuft, braucht ein Team Support. Der einzelne Spieler spürt es doch schließlich auch, wenn bereits in der ersten Halbzeit nach einem mal nicht so gelungenen Paß gleich ein Raunen durch die Massen geht.

Wie soll das erst werden, wenn wir mal tatsächlich auf Dauer so gut spielen wie fast die ganze Saison. Dann wird der Volkspark wahrscheinlich total von Schönwetterfans geflutet, die bei der geringsten Kleinigkeit anfangen zu maulen. Zustände wie beim FC Bayern. Ich mag gar nicht darüber nachdenken ....

Meine Spielerbewertung:

Butt: Einmal hat er sehr gut reagiert, als er vor seinem Kasten gegen einen allein heranlaufenden Ulmer klärte. Ansonsten kann ich mich nicht an viele gehaltene Bälle erinnern: Note 4

Hoogma: Der Fels in der Brandung. Der einzige Spieler, der mir heute über 90 Minuten gefallen hat. Besonders in der 2. Halbzeit ist er herausragend gewesen.: Note 2

Panadic: Das war heute gar nicht sein Tag. Das zweite Tor geht auf seine Kappe, weil er es vorzog, den Gegenspieler lieber erstmal nicht so sehr zu attackieren: Note 5

Hertzsch: war heute auch nicht gut. Viele leichte Abspielfehler: Note 4-

Holler: Pagel hat seine Leistung in der ersten Halbzeit wohl ähnlich beurteilt wie ich. Durfte zur Halbzeit duschen gehen: Note 5

Kovac: In der ersten Halbzeit total abgetaucht. Mein Nachbar meinte, daß auch er manngedeckt worden sei. Das habe ich gar nicht so beobachtet. Als er in der zweiten Halbzeit für Holler ins linke Mittelfeld rückte, wurde er stärker. Note 4+

Groth: Sorry, Martin, aber Dein Einsatz kam m.E. zu früh. Viele Abspielfehler und keine Bindung zum Spiel: Note 5

Cardoso: konnte heute kaum auffallen, weil ihm wegen seines Manndeckers keine Freiräume blieben. Damit fehlten auch viele Impulse aus dem Mittelfeld: Note 4-

Gravesen: kam erst zur 2. Halbzeit und war dann auch für mich der beste Mann auf dem Feld. Konnte seine Leistung in einem tristen Spiel mit einem tollen Freitsoßtor krönen: Note 2+

Mahdavikia: auch Mehdi blieb heute sehr blaß und konnte sich nicht durchsetzen. Note 5

Hashemian: sein Pech war, daß der HSV in der ersten Halbzeit aber auch fast nie über die Flügel kam und es somit auch keine hohen Flanken in den Strafraum kamen. Im Kopfballspiel ist er aber wohl wesentlich gefährlicher als am Boden. Er erinnerte mich etwas an Dahlin (ist nicht bös gemeint), der auch immer den Ball mit dem Arsch zum Gegenspieler hin annahm und somit nie direkten Zug zum Tor hatte nach einem Anspiel: Note 4

Präger: mühte sich sehr viel, aber es kam einfach nichts dabei rum: Note 4-

Bäron: der tragische Held. Bei seinen seit seiner Genesung sehr spärlichen Einsätzen fehlt ihm wohl einfach noch die Wettkampfpraxis. Trotzdem hätte er zumindest einmal treffen müssen. Verwundert war ich darüber, daß es so viele Anspiele direkt mit „Hacke, Spitze, 1, 2, 3“ weiterspielte und die kamen auch meist beim Mitspieler an. Das hat er doch früher nicht so gemacht !?!?: Note 3-

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
 
Sport1 meldet: Freche "Spatzen" knacken Hamburger Heimserie

Hamburger SV  1 : 2 (0 : 1) SSV Ulm 1846 

ERGEBNIS   1 : 2 (0 : 1) 
DATUM   11.03.00   15:30 Uhr 
ZUSCHAUER   29,100 
SCHIEDSRICHTER   Florian Meyer 
TORE :   0:1 Rainer Scharinger (35.), 0:2 Bernd Maier (65.), 1:2 Thomas Gravesen (90.)

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Martin Groth, Andrej Panadic, Niko Kovac, Roy Präger, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian

SSV Ulm 1846: Philipp Laux, Joachim Stadler, Thomas Bodog, Rui Marques, Frank Kinkel, Oliver Otto, Leandro, Janusz Gora, Rainer Scharinger, Bernd Maier, Hans van de Haar

WECHSEL 
Hamburger SV: Karsten Bäron für Vahid Hashemian (46.), Thomas Gravesen für Bernd Hollerbach (46.), Thomas Doll für Andrej Panadic (74.)
SSV Ulm 1846: Oliver Unsöld für Oliver Otto (68.), Sascha Rösler für Hans van de Haar (73.), Dragan Trkulja für Leandro (92.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Nico Jan Hoogma (26.), Andrej Panadic (50.)
 

Ulm knackte HSV-Heimserie. Hamburger SV  1 : 2 (0 : 1) SSV Ulm 1846 
Schwache erste Halbzeit 
Die erste Hälfte kann man getrost ad acta legen. Enttäuschend vor allem die Gastgeber: Kein einziges Mal tauchten die HSV-Stürmer gefährlich vor dem Ulmer Tor auf. So etwas rächt sich in der Regel, vor allem gegen eine Kontermannschaft, wie es die Ulmer sind. Typisch die Führung der Gäste. Philipp Laux per Faustabwehr, zwei kurze Pässe, der letzte in den freien Raum und die Hamburger Abseitsfalle war geknackt, Reiner Scharinger schob die Kugel eiskalt rechts an Jörg Butt vorbei - 1:0 (35.). 

HSV jetzt besser 
Nach der Pause spielte der HSV endlich Fußball. Schönes Kurzpass-Spiel, zwei dicke Chancen von Rodolfo Cardoso (46.) und Karsten Bäron (50.) - der Ausgleich nur eine Frage der Zeit. Bis zur 65. Minute und dem 2:0 der Ulmer. Danach ging beim Tabellen-Dritten nichts mehr. Zwar spielte der HSV offensiv, aber planlos und ohne Gefahr. 
Anders der SSV Ulm: souverän in der Defensive und zeitweise dem 3:0 näher als die Gastgeber dem Anschlusstreffer. Der fiel in der 90. Minute durch einen Freistoß von Thomas Gravesen. Zu spät.

Fakten:
Serie beendet 
Fast ein Jahr lang (16 Spiele) hatte der HSV Zuhause nicht verloren - damals (am 13. März 1999) gab es ein 0:2 gegen die Bayern. Nun verlor man mit dem selben Ergebnis, allerdings gegen den SSV Ulm.

Starke Ulmer 
Mit ihrem zweiten Auswärtssieg ziehen die Ulmer an Unterhaching vorbei und sind damit bester Aufsteiger der Saison. Von den letzten zehn Spielen haben die Spatzen nur zwei verloren, aber immerhin sechs gewonnen.

Kapitän wieder an Bord 
Martin Groth stand zum ersten Mal seit der Partie vom zehnten Spieltag (1:1 gegen Dortmund) wieder in der Anfangsformation der Hamburger. Damals hatte er bereits nach 24 Minuten den Platz wieder verlassen müssen. 

Tordebüt von Bernd Maier 
Mit dem 2:0 erzielte der Ulmer Bernd Maier sein erstes Tor in der Bundesliga.

Schlaglichter:
Brotlose Kunst 
Obwohl der Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso gegen Ulm sechs Torschüsse vorbereitete und viermal selbst den Abschluss suchte, kann man ihm und seinem HSV keine gute Partie bescheinigen. Cardoso versuchte zwar immer wieder das Spiel der Hamburger anzutreiben, gegen die gut gestaffelten Ulmer aber blieben seine Bemühungen meist erfolglos. 

Kinkel mit guter Partie 
Der Ulmer Abwehrspieler Frank Kinkel war gegen den HSV einer der Aktivposten seiner Mannschaft, mit 64 Ballkontakten hatte er die meisten auf Seiten der Spatzen. Im Duell mit HSV-Stürmer Mahdavikia ging Kinkel keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, von 23 Zweikämpfen mit dem Iraner gewann er 15, insgesamt war der Verteidiger in 38 Zweikämpfe verwickelt, von denen er 66% gewann. Dass Kinkel angesichts dieser Abwehrleistung noch zu zwei Torschüssen kam, rundet seine Leistung ab.

Präger ohne Zielwasser 
Roy Präger war im Spiel seines HSV gegen den SSV Ulm aktivster Angreifer auf dem Platz. Sechsmal versuchte der ehemalige Wolfsburger einen Treffer zu erzielen, sechsmal blieben seine Bemühungen ohne Ergebnis. In den Zweikämpfen mit dem Ulmer Thomas Bodog rieb sich der HSV-Stürmer immer wieder auf, von zwölf Duellen mit dem Ungar gewann er ganze drei. 

Stadler als Turm in der Schlacht 
Joachim Stadler war einer der Väter des Erfolgs seines SSV Ulm in Hamburg. Stadler gewann großartige 79% seiner Zweikämpfe und organisierte gekonnt die Hintermannschaft des SSV. Als die Hamburger mit der Einwechslung von Karsten Bäron in der zweiten Halbzeit ihre Offensive verstärkten, nahm sich Stadler des langen HSV-Stürmers an, in sechs Zweikämpfen gegen Bäron behielt er viermal die Oberhand. 

Kommentar von Erich Laaser (Sat1):
"Der bisher beste Angriff der Liga versagte heute auf der ganzen Linie. Ein verdienter Sieg einer taktisch disziplinierten Ulmer Mannschaft." 

Spielwertung: 2(von 4 möglichen) Bällen

FuXX des Spieles:  Bernd Maier 
"Mit Überlegung schloss der Ulmer Mittelfeldspieler einen der zahlreichen Ulmer Konter erfolgreich ab." 

Stimmen:
Frank Pagelsdorf (Trainer Hamburger SV):
"Wir haben die erste Halbzeit völlig verschlafen und sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Vor allem vorne haben wir uns nicht durchsetzen können. Die zweite Halbzeit war wesentlich besser, wir hatten auch Chancen. Das 0:2 fiel dann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der Ulmer Sieg geht in Ordnung." 

Martin Andermatt (Trainer SSV Ulm):
"Nach dem Heimsieg gegen Werder Bremen konnten wir hier viel gewinnen. Die drei Punkte sind deshalb sehr wichtig. Niemand hat uns hier etwas zugetraut. Die Mannschaft hat die Aggressivität, die sie sonst zu Hause zeigt, auch mal auswärts in Szene gesetzt. Wir haben den Sieg verdient." 

Story: Hamburger Jubiläum findet nicht statt 
Insgeheim hatten die HSV-Verantwortlichen wohl schon die Sekt-Flaschen kalt gestellt. Hätte der HSV nämlich heute zumindest unentschieden gespielt, wären die Hanseaten im Volksparkstadion genau ein Jahr ungeschlagen geblieben. Ärgerlich: Ausgerechnet die Ulmer, die auswärts bisher erst zwei Mal gewinnen konnten, ließen die Hamburger Jubelfeier platzen. Und das völlig zurecht. 


 
dpa meldet: Festung gefallen: Desolater HSV von Ulm überrascht 
Von Bernd Müller, dpa 
Hamburg (dpa) - Die "Festung Volksparkstadion" ist gefallen: Mit einer überraschenden 1:2 (0:1)- Pleite bezog der Hamburger SV ausgerechnet gegen Aufsteiger SSV Ulm am Samstag die erste Heimniederlage in der Bundesliga seit einem Jahr. Vor 29 100 Zuschauern erzielten Rainer Scharinger (35.) und Bernd Maier (65.) die Treffer zum verdienten zweiten Auswärtssieg der "Spatzen". Der Anschlusstreffter von Geburtstagskind Thomas Gravesen (90.) kam zu spät. 

Die Hanseaten, die in ihrer neuen Arena in 16 Punktspielen seit dem 13. März 1999 (0:2 gegen Bayern München) unbesiegt waren, hatten sich diesen schweren Rückschlag im Kampf um die Champions- League- Teilnahme mit einer indiskutablen Leistung selbst zuzuschreiben.

Bei trister Witterung verschlief das Team von Trainer Frank Pagelsdorf vor allem die erste Halbzeit mit einer sehr laxen Einstellung total. Nach dem Wechsel intensivierte der HSV zwar seine Bemühungen, fand gegen die kompakten Gäste aber kein Rezept. Und Torwart Philipp Laux war bei den wenigen Torgelegenheiten der Hausherren auf dem Posten. Darüberhinaus sorgte das gekonnte Konterespiel des Neulings immer wieder für Gefahr.

Sehr negativ machte sich das Fehlen des verletzten Torjägers Anthony Yeboah (neun Saisontreffer) bemerkbar. Mit dem Ghanaer fehlte eine wichtige Anspielstation. Weder Vahid Hashemian vor der Pause noch Karsten Bäron nach dem Wechsel konnten den HSV- Torjäger ersetzen. Der nach fast halbjähriger Verletzungspause ins Hamburger Team zurückgekehrte Martin Groth konnte seiner Mannschaft ebenfalls keine Impulse geben. Das Flügelspiel der Hanseaten lahmte - Ulm stellte die Räume gut zu. Die Folge waren viele Fehlpässe des hohen Favoriten.

In der 35. Minute wurde das Pagelsdorf- Team zum ersten Mal klassisch ausgekontert. Torwart Laux hatte nach einem Freistoß des diesmal schwachen Rodolfo Esteban Cardoso per Faust gerade geklärt, als Janusz Gora im schnellen Gegenzug Scharinger mustergültig bediente. Dieser hatte viel Platz und ließ auch Torwart Hans- Jörg Butt keine Chance. Das 0:2 bot eine Parallele: Beim nicht sonderlichen scharfen Schuss von Maier von der Strafraumgrenze schien auch Butt indisponiert. Roy Präger (42./44.) sowie dreimal Bäron (50./62./69.) vergaben die klarsten Möglichkeiten des einfallslos agierenden HSV.

Auf der Gegenseite hatte Gora (54.) für die taktisch von Trainer Martin Andermatt hervorragend eingestellten Ulmer noch eine gute Gelegenheit. Mit dem Sieg in Hamburg hat der SSV Ulm aus den letzten zehn Spielen beachtliche 20 Punkte geholt und entfernt sich damit immer mehr aus der Abstiegsregion. Das Hamburger Publikum quittierte die desolate Vorstellung seiner Mannschaft teils mit Pfiffen und teils mit vorzeitigem Gehen.


 
 
kicker: Hamburger SV - SSV Ulm 1846 1:2 (0:1) 

1:2: Statt Punkten gab es diesmal Pfiffe! 

Die Bastion Volksparkstadion wurde am Samstag erstmals seit dem 13. März 1999 wieder gestürmt. Ausgerechnet gegen die auswärts bisher erst einmal siegreichen Ulmer unterlag der HSV vor 29100 Zuschauern mit 1:2 (0:1) und erntete erstmals in dieser Runde im eigenen Stadion keine Punkte sondern Pfiffe von den eigenen Fans.

Der Sieg der "Spatzen" war nicht unverdient. Bei den Hausherren wirkte sich das verletzungsbedingte Fehlen von Anthony Yeboah nachteilig auf das Offensivspiel aus. Das pausenlose Anrennen der Hanseaten brachte einfach zu wenige Torchancen. Anders die Ulmer: Der zweikampfstarke Aufsteiger konterte zwei Mal erfolgreich. Bei den Gegentreffern durch Scharinger (35.) und Meier (65.) sah Hamburgs Schlussmann Jörg Butt nicht gut aus. Die HSV-Spitzen Präger und Bäron scheiterten einige Male am starken Ulmer Keeper Philipp Laux, so dass es bis zur 90. Minute dauerte, ehe der eingewechselte Thomas Gravesen noch den Anschlusstreffer erzielen konnte.

Die Schwaben konnten sich durch den zweiten Auswärtserfolg etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen, während Hamburg zwar weiterhin Dritter bleibt, die beiden Spitzenteams jedoch in der Tabelle ziehen lassen musste. 

Analyse  
Personal: Weil beim HSV Fischer und Yeboah verletzungsbedingt ausfielen rückten Groth und Hashemian in die Mannschaft. Ulm begann in der selben Formation, die zuvor den 2:1-Sieg gegen Werder Bremen geschafft hatte. 

Taktik: Die Hamburger diesmal in der Abwehr mit Dreier- statt der zuletzt praktizierten Viererkette. Hertzsch rückte von der linken auf die rechte Position. Der neu herein genommene Groth sollte aus dem Mittelfeld heraus das Spiel über die Flügel beleben. Doch offensiv konnte sich der HSV kaum eindrucksvoll in Szene setzen, da die Ulmer höchst diszipliniert und konzentriert dagegenhielten. Ihre Vierer-Abwehrreihe stand zumeist sicher (Ausnahme: einige Fehler des Ungarn Bodog), das Mittelfeld spielte flexibel, erstickte durch konsequentes Pressing viele HSV-Aktionen bereits in der Entstehung. Hamburgs Mittelfeldstratege Cardoso kam gegen Otto nicht zu Entfaltung.

Spielverlauf: Von Anfang an hatten die taktisch bestens eingestellten Ulmer das Geschehen im Griff, der HSV schaffte es nicht, erfolgversprechende Angriffe aufzubauen. Erst in der 44. Minute gab es die erste Torchance der Hanseaten. Zu diesem Zeitpunkt führte der SSV bereits 1:0, weil sich das weit aufgerückte HSV-Team von einem schnellen Konter über Leandro und Scharinger überraschen ließ. Erst in der zweiten Halbzeit verstand es Hamburg, mehr Angriffsdruck zu entfachen. Verdienst von Abwehrchef Hoogma, der sich zunehmend in die Offensive einschaltete, und von Gravesen, der nach seiner Einwechslung im zentralen Mittelfeld antrat (Kovac rückte auf die linke Außenbahn). Auch die Einwechslung von Bäron trug zur Belebung bei, wenngleich der lange Mittelstürmer zwei hervorragende Torchancen ungenutzt ließ. Grundsätzlich aber gelang es den Ulmern, auch gegen einen zunehmend aggressiver spielenden HSV ihr taktisches Konzept durchzuziehen und die gegnerischen Offensiv-Kräfte schon vor der Gefahrenzone Strafraum abzublocken. So fiel auch der Anschlusstreffer in der Nachspielzeit nur durch einen direkt verwandelten Freistoß.

Fazit: Verdienter Sieg einer diszipliniert auftretenden Ulmer Mannschaft gegen einen ungewohnt schwachen HSV. 


 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Nun ist es also passiert.  16 Spiele im neuen (noch dachlosen) Volkspark ungeschlagen, die allermeisten durch begeisternden Offensivfußball gewonnen, und jetzt eine Niederlage, nur 2 Tage vor dem "Einjährigen Jubiläum".   Was bei der Niederlage so besonders schmerzt ist neben dem ungewohnten Gefühl der Name des Gegners - Ulm. 
Aber von Beginn an:  Irgendwie hatte ich schon von Anfang an ein mulmiges Gefühl, ich sagte noch zu meinen Freund, dass der HSV ja heute nur verlieren kann, selbst ein Arbeitssieg würde ja für Negativschlagzeilen sorgen.  Ich hoffte inständig auf ein frühes Tor um die Mannschaft, mich und die anderen HSV-Fans zu beruhigen.

Für den verletzten Tony Yeboah, dessen Fehlen sich in der Folgezeit wirklich bemerkbar machte, spielte Vahid Hashemian-  Überraschend für mich, denn ich hatte mir eine Chance für Jacek Dembinski ausgerechnet und auch erwünscht, da ich ihn seit seiner 97/98er Saison immer noch nicht vergessen habe.  Heute (the day after) habe ich aber erfahren, dass er sich mit Fieber abgemeldet hat.

Nun ja, das Spiel begann etwas schläfrig mit leichten HSV- Vorteilen, aber dass sich das Geschehen auch ab und an vor meinen Augen (sprich:  Dem HSV-Strafraum) abspielte, beruhigte meine Nerven nicht gerade.  Nach einer halben, höchstlangweilgen Stunde hatte sich der HSV gerade einmal eine Chance durch Hoogma nach einen Eckball herausgespielt, aber er verzog relativ freistehend.  Das HSV-Spiel war alles andere als eine Offenbarung, so konnte Cardoso im Mittelfeld einfach nicht die nötigen Impulse geben.  Groth feierte ja in diesem Spiel sein Comeback, er blieb jedoch blass, jedoch glaube ich, dass er mit etwas mehr Matchpraxis wieder zu seiner alten Form zurückkehren könnte.

Ich meinte zu meinen Nachbarn, dass wir Glück hätten, dass wir heute nicht gegen die Bayern spielen, denn die hätten wohl unser Unvermögen ausgenutzt.  So aber plätscherte das schwache Spiel vor sich hin.

Hashemian rieb sich sehr in Zweikämpfen auf, hatte aber nach vorne hin keine einzige gefährliche Situation, was auch, aber nicht nur, an seinen Mitspielern lag.  Ich verzog schon unzufrieden mein Gesicht, der Ulmer Führungstreffer kam aber dennoch aus relativ heiteren Himmel. 

Nach einen Cardoso Freistoß von rechts faustete Laux den Ball weg und leitet so einen Ulmer Konter ein, der nach einen zugegebenermaßen schönen Pass von Leandro auf den vollkommen freistehenden Scharinger  leider in dem Tor endete.

Ulm spielte entweder clever, man kann aber auch sagen, sie stellten sich mit 10 Mann auf die Linie und spielten auf Konter, denn genau dass taten sie in meinen Augen auch, und sowas kommt den HSV leider überhaupt nicht entgegen.  Aber was anderes kann man von einem Aufsteiger auswärts auch gar nicht erwarten.

Vor der HZ gab es noch eine schöne Einzelaktion von Präger, wo er sich auf links durchsetzte und den Ball dann auf Laux ballerte, eigentlich erst die 2. gefährliche HSV-Aktion, dementsprechend unzufrieden war ich dann auch mit dem Halbzeitpfiff. 
Zuvor hatte Präger nach Kopfballvorlage von Hashemian noch einmal auf Laux geballert.
 Ich hoffte aber, dass Pagel jetzt die richtigen Worte finden würde und er brachte nun Gravesen für Hollerbach und Bäron für den doch enttäuschenden Hashemian.

Gravesen übernahm dann Kovacs Position und dieser rückte dann ins linke Mittelfeld, wo er dann auch für viel mehr Power sorgen sollte.  Bester Hamburger war aber in meinen Augen Gravesen.

Aus der Kabine kommend spielte meine Mannschaft auch endlich mal wieder gut und druckvoll nach vorne und auch die zuvor laue Stimmung war endlich mal wieder diese elektrisierende Fußball- Atmosphäre, wenn ihr wisst, was ich meine. 

Bäron machte in meinen Augen keine gute, aber dennoch bessere Partie als Hashemian, jedoch war er für viele HSV-"Fans" der Versager, da er die 3 besten HSV-Chancen vergab.  Der Reihe nach:  Der Start in die 2. HZ ließ wirklich hoffen, und nach einem schönen Pass von Präger stand Air Bäron plötzlich frei vorm Tor, doch statt in die linke Ecke zu zielen, ballerte er den Ball anscheinend durch die sich bietende Chance überrascht aufs Tor, aber leider auch auf Laux.  Da war ich noch hoffnungsvoll, dass es nicht die beste HSV-Chance bleiben sollte, doch so war denn leider.  Ich dachte aber wirklich, dass der Ausgleich gegen keineswegs überragende Ulmer nun nur noch eine Frage der Zeit sein sollte.  So kam auch Bäron zu seiner 2. Chance, und nach einer Kovac (?)- Flanke kam er zu einen Kopfball.  Er entschied sich auf den heute leider schwachen Cardoso abzulegen, doch er kam zu spät, bzw. die Vorlage war zu steil.  Vielleicht hätte Bäre auch nicht so uneigennützig sein sollen, aber hinterher ist man immer schlauer.

Das 0-2 fiel dann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und wiederum nach einen Konter, wo plötzlich Maier nach einer Kopfballstaffette zum Schuss kommen konnte und dabei durch Hertzsch und v.a. Panadic viel zu halbherzig angegriffen wurde.  Butt stand etwas weit mittig, so dass er dann den Schuss nicht mehr halten konnte, aber die Hauptschuld lag wohl dennoch bei Panadic und Hertzsch.

Nun war auch mir so langsam klar, dass es wohl eine Niederlage werden könnte, da auch einfach das HSV-Spiel nicht Grund zur Hoffnung ließ.  So verließen auch schon die ersten Zuschauer das Stadion und über dem gesamten Spiel lag eine resignierende und deprimierte Atmosphäre die von uns HSV-Fans ausging und so fühlte ich mich auch. 

Präger hatte noch eine Chance, die er kläglich vergab, in dem er schwach aufs Tor schob statt auf den eingewechselten Doll zu passen, aber das passte auch einfach ins klägliche Bild.  Das  4-4 von Wob schien wirklich Spuren hinterlassen zu haben.

Unserem Mittelfeld mache ich dabei die wenigsten Vorwürfe, denn Gravesen war bester HSVer, Kovac und Groth mühten sich auch redlich, auch wenn sie nicht die entscheidenden Akzente setzen konnte.  Auch Präger habe ich nicht so schlecht gesehen wie viele andere, zumindest hat er sich mit aller Macht gegen die Niederlage gestemmt, sah aber im Abschluss höchst unglücklich aus.  Yeboah fehlte als "Turm in der Schlacht" als Anspielstation, aber auch ohne ihn sollte es der sonstigen Stammannschaft eigentlich möglich sein, ein Spiel zu gewinnen, aber Pustekuchen.

Bäron kam noch einmal nach einen Abpraller eines Kovacs-Schusses frei vorm Tor in Ballbesitz, er musste den Ball aber mit dem Kopf erst einmal runterholen, aber das dauerte zu lange und Kinkel konnte den Ball weggrätschen.  Da mache ich aber Bäron keinen Vorwurf, da der Ball halt einfach blöd aufsprang.  Er hätte natürlich auch versuchen zu köpfen können, aber die Vorlage war ja auch einfach lasch.

Nun war die Niederlage auch endgültig besiegelt und dank fast 100%-iger Chancenauswertung konnten die Ulmer dem Schlusspfiff gelassen entgegegen sehen.  Ein Tor machte der HSV aber noch nach einen satten Freistoß von Gravesen mit dem Schlusspfiff.  Das Ding war wirklich schön anzusehen und ich gönnte es Graver auch für den 24. Geburtstag und einer guten Leistung von Herzen. 

Bemerkenswert und sehr schön fande ich es aber, dass die Mannschaft nach Schlusspfiff von der Nordtribüne NICHT mit Pfiffen, sondern mit aufmunternden und fast kollektiven Beifall empfangen wurde.  Es nützt ja nichts sich mit Pfiffen gegen die Mannschaft zu wenden, dann schon viel eher sie aufzurichten, und daher freute mich das auch.  Von den Sitzplätzen der Osttribüne hörte ich aber leider doch Pfiffe...

Tja, nun ist sie wohl da, zumindest eine Mini-Krise, aber ich glaube an die Moral der Mannschaft und da unsere Verfolger sich auch nicht mit Ruhm bekleckerten, haben wir es in Sachen CL-Quali immer noch selbst in der Hand.  Die Leistung war natürlich relativ bedenklich, aber es nützt ja auch nichts jetzt die Mannschaft niederzumachen, was die ortsansässigen Medien wohl aber leider tun werden.  Jetzt gegen Freiburg muss aber wirklich wieder ein Erfolgserlebnis her, was enorm wichtig fürs Selbstvertrauen wäre.