Bundesliga, 28. Spieltag, Freitag, 07.04.00 um 20:00 Uhr im Hamburger Volkspark bei teilweise bewölktem Himmel (aber ohne Regen) und Temperaturen so um die 5 Grad C. 

Hamburger SV - FC Hansa Rostosck 1:0 (1:0)

Wenn möglich, sehe ich mir ja vor dem Schreiben meines Berichtes auch immer noch die premiere-Aufzeichnung an. Wenn mich Freunde, Bekannte und besonders meine Mutter dann auch immer glauben, ich hätte einen leichten (oder eher schweren !) Hackschuß, weil ich das doch gerade erst am Vortag live gesehen habe. Eigentlich sehe ich mir die Aufzeichnung auch nur an, weil man da halt manche strittige Szenen besser beurteilen kann. Und bei ran werden ja längst nicht alle Szenen gezeigt, die mich wirklich interessieren. Diesmal aber MUSSTE ich mir die Aufzeichnung einfach ansehen ! Es war mir nämlich auf der Rückfahrt schon klar, daß ich die vielen Chancen in meinem Kurzzeitgedächtnis nicht mehr zusammenbekommen würde. Und so setzte ich mich am Samstag-Vormittag nach dem Spiel, was ich noch NIE getan habe, sogar mit Zettel und Stift vor den Fernseher, um die wichtigsten Dinge für meinen Bericht zu notieren.

Eines noch vorweg: Es war wohl nicht das, was man langläufig als Klassespiel bezeichnet, aber mir hat es wirklich gut gefallen. Der HSV hat es nur versäumt, eine weitere seiner vielen Chancen zu verwandeln. Dann wäre der Sieg frühzeitiger gesichert gewesen und ich denke, daß die Hansa-Kogge dann auch richtig untergegangen wäre und man etwas für´s Torverhältnis hätte tun können.

Vor diesem Spiel war ich auch (ebenfalls ungewöhnlich für mich als „Berufspessimisten“) vollkommen siegessicher. Im Gegensatz z.B. zum Heimspiel gegen Ulm, bei dem ich schon vorher ein mulmiges Gefühl hatte, war mir einfach klar, daß „unsere Jungs“ heute gewinnen würden.

Nun ja, da es doch so viele Chancen gab, werde ich diese heute ausnahmsweise mal eher als Auflistung denn als wirklichen Spielbericht bringen. Dabei handelt es sich nur um wirkliche Torchancen, die als auch mit einem Abschluß versehen waren. Es gab auch noch genügend andere Szenen, die allerdings nicht mit einem Torschuß endeten:

In den ersten 5 – 7 Minuten hatten wir schon zwei klarste Chancen durch Anthony Yeboah. Zunächst wurde er durch einen schnell von Kovac ausgeführten Einfwurf auf die Reise geschickt. Tony drang von links in den Strafraum ein und ging auf den, den Winkel verkürzenden, Hansa-Trowart Pieckenhagen zu. Direkt vor ihm spitzelte Yeboah den Ball über den Torwart hinweg direkt in´s Netz neben dem Pfosten. Allerdings leider nur in´s Außennetz. Eine Klassechance.
Dann wurde Uysal, wiederrum nach einem schnellen Einwurf, auf der rechten Seite in den 16er geschickt. Er ging bis zur Grundlinie innerhalb der 5m-Raumes und gab dann kurz auf Yeboah zurück, der sofort abzog. Allerdings warfen sich ein Rostocker Verteidiger und der Torwart direkt vor den Ball und konnten diesen abblocken. In dieser Situation verletzte sich Yeboah leider erneut an den Adduktoren. Nachdem er diese Verletzung gerade erst überstanden hatte, nun erneut dieser Rückschlag, der natürlich auch das Mannschaftsgefüge schwer ins Wanken bringen sollte.

Nachdem durch die verletzen, abwesenden und gesperrten Stürmer der HSV ja erstmals nach über einem Jahr überhaupt nur mit 2 Stürmern (Yeboah, Uysal) angetreten war, sollte nun auch noch Yeboah ausfallen. Er humpelte noch einige Minuten auf dem Spielfeld herum, sodaß sich Andreas Fischer noch kurz warmmachen konnte. Fischer !?!?! Da war ich allerdings doch mehr als erstaunt und habe das anfangs überhaupt nicht begriffen. Ein Stürmer geht raus und Pagel bringt dafür einen defensiven Mittelfeldspieler/Verteidiger ??? Ich konnte das gar nicht glauben. Aber unser Pagel weiß schon genau, was er tut und „gebar“ einen neuen Wunder-Linksaußen: den fröhlich-bekloppten HSV-Dänen Thomas Gravesen.

Pagel stellte nun nämlich nicht nur Fischer auf sondern änderte die taktische Ausrichtung auf wieder auf das altbekannte 3-4-3. Dabei sollte unser Gravesen erstmal Linksaußen spielen und Groth wurde zum Rechtsaußen umfunktioniert. Und zumindest bei Gravesen muß ich sagen, daß er eine phänomenale Partie gespielt hat. Wenn der Junge am Ball ist, ist das für den „geneigten“ Fan ein echter Leckerbissen. Man hat heute wieder gesehen, daß der soviel am Ball kann, daß ich immer wieder denke, daß er als Libero auch nur verschenkt wäre. Wenn er nämlich Libero spielt und dabei auch so seine Kabinettstückchen zeigt, läuft mir jedesmal der Angstschweiß die Stirn runter. Mitten im Feld ist das ja nicht ganz so beängstigend.

14 Minute: Wibran hat die erste Hansa-Chance. Nach einer Flanke von links köpft er, ziemlich freistehend, den Ball rechts am Tor vorbei.

18 Minute: Nun sollte schon die Sternstunde unserer neu-erkorenen Außenstürmer kommen. Hoogma spielte einen Zuckerpaß aus der eigenen Hälfte auf den linken Flügel zu Gravesen. Der setzt sich im Zweikampf durch und schafft es gerade noch, den ich aus zu trudeln drohenden Ball als Flanke von der Grundlinie weg in den 16er zu ziehen. Sowohl Pieckhagen als auch Uysal und sein Bewacher kommen an die Flanke nicht ran, die dann im 5er aufsetzt. Aber da kommt ja noch unser „Rechtsaußen“ Groth angestürmt und wuchtet den schwer zu nehmenden Ball mit einem "Kopfball-Torpedo“ ins lange Eck. Keine Chance für Hansa. Groth ist wirklich wie ein Berserker in den Ball reingelaufen und schmetterte ihn ins lange Eck. Ein Flugkopfball war es eigentlich nicht, weil Groth erst anfing zu fliegen als er sah, daß er sonst Pieckenhagen nach dem Kopfball über den Haufen laufen würde. Man könnte auch sagen: „So ein Tor verleiht Flüüügel !“. Wirklich ein Klasse-Tor.

30./31.Minute. Nun sollten zwei chancenreiche Minuten folgen: Nach einem Einwurf von der rechten Seite bekommt Cardoso im 16er-Gewühl den Ball unter Kontrolle, sieht, daß er durch die ganzen Leute nicht hindurchschießen kann und legt den Ball daher zurück an die Strafraumgrenze zum heranstürmenden Hollerbach. Holler wuchtet das Ding sofort „volle Kanne“ auf´s Tor. Allerdings trifft er dabei nur die Mitte, so daß es für Pieckenhagen kein Problem ist, denn Ball zu halten. Ein Problem hat Pieckenhagen mit dem Schuß allerdings schon: Die Wumme war nämlich so hart, daß Pieckenhagen sich erst einmal vor Schmerz krümmt. Die Bild schreibt dazu heute so schön „Ein Schuß wie ein Leberhaken“. ;-)

Direkt nach seinem Schuß sah Hollerbach übrigens, daß nun auf der linken Seite ein Hansa-Spieler völlig allein und anspielbar stand und er lief zurück. Nein ! Nicht der gewöhnliche (Verzeihung: lahmarschige) Hollerbach-Rückwartstrab sondern ein echter Spurt. Ich glaube, so schnell habe ich Holler noch nie zurücklaufen sehen. Wenn er in der Rückwärtsbewegung immer so schnell sein würde, müßte ich glattweg nochmal mein Urteil über ihn revidieren ;-)

Jetzt sollte die erste richtig gute Hansa-Chance folgen: Nach einem Freistoß an der Mittelinie wird der Ball per Kopf in den Strafraum verlängert und Wibran steht aus spitzen Winkel vor Butt. Er versucht den Ball an Butt vorbeizuschlenzen, was aber nicht gelungt. Butt fängt den Ball ab.

Wieder Hansa. Yasser düpiert Hoogma und ist frei in linken Teil des 16ers auf der Grundlinie durch. Er flankt zur Mitte und Butt fälscht den Ball noch ein wenig ab. Glück für den HSV, daß da kein Hansa-Stürmer vernünftig mitgelaufen ist.

Und dann beendet der HSV diese aufregenden zwei Minuten mit einer Chance. Direkt nach der eben beschriebenen Szene der Rostocker kontert der HSV. Groth läuft frei durch die Mitte, rechts Uysal und links Graver frei. Schließlich gibt er zum Dänen auf die linke Seite. Graver steht links im 16er und versucht, auf´s lange Eck zu zielen. Aber ein Rostocker Verteidiger hat sein Bein dazwischen.

36. : Graver links frei durch, stürmt auf den Torwart zu. In letzter Sekunde kommt noch ein Verteidiger aus der Mitte dazwischen und kann zur Ecke klären.

40. : Gaaanz schlechte Szene von Butt. Er macht einen so unglücklichen Abwurf, daß der Ball direkt linksaußen beim Gegner landet. Der flankt in die Mitte. Dort steht ein Rostocker in ca. 5 m Torentfernung und schießt sofort aus sehr spitzem Winkel. Butt hält den Ball.

46. : Kovac mit einem Befreiungsschlag. Uysal kann den Ball weit in des Gegners Hälfte unter Kontrolle bringen, flankt sofort auf den rechten Flügel zu Groth, der den Ball auch wieder direkt schön in die Mitte zieht. Da steht nun schon Kovac und köpft in den Ball auf´s Tor. Pieckenhagen hält den Ball kurz vor der Linie.

Halbzeit in einem vielleicht nicht hochklassigen, aber zumindest für mich sehr interessanten Spiel.

Die zweite Halbzeit hatte nun erstmal eine wirklich schwache Anfangsviertelstunde, in der das Spiel ganz schön verflachte. Einzige Chance in dieser Zeit durch den Rostocker Lantz in der 49. Minute mit einem Schuß aus ca. 20 m. Der geht aber so ungefährlich über das Tor.

Dann wird das Spiel aber wieder richtig munter:

61. : Holler bekommt bei einer Strafraumszene den Ball an der linken Ecke des 16ers. Leider schießt er anstatt den Ball noch einmal in die Mitte zu flanken. Der Schuß geht ca. 1 m über den linken Winkel.

65. : Nun gab´s Spiel, Spaß, Spannung, Rote Karte ! Hoogma fängt einen Rostocker Angriff wieder einmal mustergültig ab und spielt den Ball perfekt hoch auf die völlig freie linke Seite vor den gegnerischen 16er. Uysal und auch Kovac eilen in den freien Raum und der Noch-Rostocker Torwart Pieckenhagen tut das auch. Dabei verschätzt er sich aber total. Der Ball springt auf und fliegt in hohem Bogen an Pieckenhagen vorbei. Uysal könnte den Ball bekommen, wenn ... ja, wenn Pieckenhagen nun nicht zu einem tollen Hechtsprung angesetzt hätte und den Ball fing. Dabei stand der gute Junge allerdings deutlich außerhalb des 16ers und da blieb dem beschissenen Schiri Albrecht (dazu später mehr) nichts anderes übrig als den roten Karton zu zücken.

68.: Nachdem es 3 Minuten !!! gedauert hat, bis ein neuer Torwart für einen Feldspieler eingewechselt wurde und der Rostocker Trainer wegen Meckerns auf die Tribüne verwiesen wurde, tritt Graver den fälligen Freistoß aus halblinker Position vor dem Strafraum. Der Ball wird leider leicht abgefälscht und streicht knapp am rechten Pfosten vorbei.

69.: Erneut ist der starke Gravesen auf links durch. Er flankt in der Strafraum, Uysal läßt den Ball nur abtropfen in die Mitte und da kommt die eingewechselte „Sexmachine“ Fischer angerannt und knallt den Ball in Richtung des linken unteren Ecks. Leider ist Bräutigam aber auf dem Posten und kann den Ball abwehren.

71.: Ecke Cardoso. Kovac köpft freistehend aus 5 m in Richtung des linken Winkels, aber ein Rostocker kann den Ball von der Linie wegköpfen.

80.: Uysal wird rechts steil in den Strafraum geschickt. Obwohl Gegenspieler und Torwart eigentlich vor ihm am Ball sein müßten, schafft er es aber noch, den Ball in Richtung Tor zu grätschen. Doch da liegt Bräutigam direkt vor ihm.

86.: Super-kämpferischer Einsatz von Uysal, der so eine Ecke erkämpft. Cardoso schießt die Ecke erneut auf Kovac, doch auch dieser Ball wird leider abgewehrt.

91.: Wieder einmal Gravesen auf links. Flankt zu Doll, der weiter quer zum Tor zu Uysal. Eigentlich ist der Ball schon rechts am Tor vorbei, doch Uysal schafft es irgendwie den Ball noch wieder vor´s Tor zu legen. Der Ball trudelt in 0,5 m Entfernung parallel zur Torlinie. Aber es ist nur ein Rostocker da.

92.: Nun sollte uns allen das Herz noch einmal stehen bleiben: In letzten Rostocker Angriff des Spiels hätte es fast noch „geschnackelt“. Der Ball wird bei einem Konter auf einen rechts völlig freistehenden Rostocker gespielt. Dieser flankt den Ball in die Mitte in Richtung der 5m-Raumes. Butt hechtet am Ball vorbei und der eingewechselte Kovac nimmt den Ball direkt (weil es nicht anders geht) mit der Brust. Nun hüpft, kullert, läuft der Ball von seiner Brust in Richtung des rechten Pfostens. Und zur Erleichterung des HSV- Fans und zur Fassungslosigkeit der Hansa-Fans direkt am leeren Tor vorbei.

Das war die letzte interessante Szene des Spiels, die den Spielverlauf meiner Meinung nach auf den Kopf gestellt hätte, denn Hansa hatte in der zweiten Halbzeit eigentlich überhaupt nur diese eine gute Torchance. Ich waage mal die Aussage, daß dieser Ball in früheren Saison drin gewesen wäre. Aber das unterscheidet den HSV 2000 einfach von früher. Zu dem guten Spiel kommt jetzt auch in wichtigen Moment das Glück des Tüchtigen hinzu !

So konnten wir dieses Spiel auch wieder zu Null gewinnen und sind jetzt langsam wirklich weniger der, von den hinter uns plazierten, Verfolgte sondern eher der Verfolger des Führungsduos Bayer/Bayern. Ich glaube mittlerweile, daß uns nicht nur der UEFA-CUP-Platz sondern auf der 3. (oder schlechtestenfalls 4.) Platz nicht mehr zu nehmen ist, der zur CL-Qualifikation berechtigen würde. Ich habe inzwischen eine echte Hoffnung, daß wir noch dir direkte CL-Quali durch den 2. Platz erreichen könnten. An die Meisterschaft mag/kann ich auch jetzt immernoch nicht glauben. Aber mal abwarten, wie Bayern und Bayer gleich spielen. Wenn beide heute nicht gewinnen (was wohl seehr unwahrscheinlich ist), ist vielleicht auch das noch drin.

Trotzdem habe ich gestern zu meinem Kumpel gesagt, daß das fast schon zu viel des Guten wäre. Nicht, daß sich das so anhört, daß ich nicht gerne möchte, daß der HSV Meister wird. Das wäre natürlich für mich die Erfüllung DES Traumes, aber irgendwie könnte ich mich da gar nicht sooo drüber freuen, wie wenn wir die gesamte Saison direkt um den Titel mitgespielt hätten. Ich hoffe, daß zumindest einige verstehen, wie ich das meine.

Nochmal zum Spiel:

Meine frenetische Begeisterung über Gravesen habe ich ja schon mehrfach oben kundgetan. Das war eine Klasse-Leistung. Hoffentlich muß er nun nicht aus taktischen Gründen wieder ausscheiden, denn im nächsten Spiel werden ja vorraussichtlich Präger und Mahdavikia (soll von der Länderspielreise direkt eingeflogen werden) wieder dabei sein. Und Uysal wird wohl wieder der zentrale Stürmer sein nach der sehr bedauerlichen erneuten Verletzung von Yeboah, die uns besonders in den schweren kommenden Spielen gegen Bremen und Leverkusen sehr zu schaffen machen könnte. Aber vielleicht ist es ja zumindest gegen Leverkusen schon wieder fit.

Da wären wir auch beim Thema: UYSAL !!! Der Mann hat meine Meinung aus dem Dortmunder Kurzeinsatz voll bestätigt. In Dortmund hat er mir letzte Woche schon in seinen 10 Minuten sehr gut gefallen; doch heute konnte er das noch toppen. Es hat eine echte Superleistung gebracht, wenn man bedenkt, daß auch er (ähnlich wie Bäron) fast 2 Jahre verletzt war. Sehr schnell und zweikampfstark und, wenn er jetzt noch mehrfach eingesetzt wird, werden wir bestimmt auch auf ein Tor nicht lange warten müssen. Ebenfalls eine echte Alternative für den Sturm. Hoffentlich kann sich Uysal nun entschließen, seinen auslaufenden Vertrag um mehrere Jahre zu verlängern. Der HSV hat zwar auch eine einseitige Option für die nächste Saison, aber ein längerfristiger Vertrag mit dem 22-jährigen scheint doch momentan sehr wünschenswert.

Nicht sooo gut wie allgemein beschrieben, fand ich Martin Groth. Er hat zwar auch ein gutes Spiel gemacht und wirkte in seinem dritten Spiel nach seiner Langzeitverletzung nun auch endlich wieder vieeeel spritziger, aber er hat mir taktisch lange Zeit nicht gut gefallen. Er hat viel zu oft den rechten Flügel verlassen und zog immer wieder in die Mitte. Daher gab es auch fast alle gefährlichen Szenen nur über die linke Seite, auf der Gravesen den linken Flügel konsequent !!! besetzte.

Und dann muß ich noch sagen, daß mir trotz der recht kühlen Außentemperaturen die ganze Zeit über schön warm war. Und das hatte ich dem Schiedsrichtergespann zu verdanken. Was die drei Herren sich da so zurechtgewunken und -gepfiffen haben, ging wirklich auf keine Kuhhaut. Ich will nicht sagen, daß er immer gegen den HSV gepfiffen hat und er hat auch keine spielentscheidenden Szenen verpfiffen, aber er traf (zusammen mit seinen Linesmen !) so viele unverständliche, kleinliche Entscheidungen, daß der Spielfluß darunter schon sehr litt. Außerdem wären für die Rostocker selbst bei nicht so großer HSV-Vereinsbrille, wie ich sie trage, wohl einige gelbe Karten mehr drin gewesen. Im Fernsehen kam mir das alles schon nicht mehr so schlimm vor, aber im Stadion habe ich mich unendlich über das Gespann aufgeregt.

Außerdem war ich diesmal wirklich von der Stimmung begeistert. In der ersten Halbzeit taten auch besonders die Hansa-Fans einiges dafür, daß es recht laut war im Volkspark. In der zweiten Halbzeit gab es jedoch von den HSV-Fans ein fast 30-minütiges Dauersingen des „Sha-la-la, la-la-la-la-la – Songs“, wie ich es sonst bestenfalls von Auswärtsfahrten kenne. Hörte sich echt klasse an !

Meine Spielerbewertung:

Butt: Hatte so gut wie gar nichts zu tun. Allerdings eröffnete er Rostock durch zwei Patzer (Abwurf in der 1. HZ und dann in der letzten Minute) zwei Großchancen. Note 4-

Hoogma: erneut klasse. Hinten mit Übersicht und dann auch immer wieder mal mit Zuckerpässen aus der Abwehr: Note 1

Panadic: Man braucht ja nur die guten Chancen unserer Gegner zu zählen, um zu wissen, wie gut unsere Abwehr heute war: Note 2

Hertzsch: ist mir heute nicht so aufgefallen. Hatte auch nicht so viele Offensivausflüge wie sonst: Note 3

Kovac: blieb heute auch eher blaß. Hatte aber mehrere gute Kopfballchancen, die bewahrheiteten, war es mal in einem Interview gesagt hat: „Ich bin ein Kopfballungeheuer.“: Note 3-

Fischer (ab 10 Minute): Fügte sich gut in die Mannschaft ein, ohne auf- oder abzufallen. Note 3

Hollerbach: recht unauffällig, aber doch mit einigen guten Szenen: Note 3

Cardoso: Auch wenn er diesmal nicht seine tödlichen Pässe spielte, war er Dreh- und Angelpunkt des HSV-Mittelfeldes. Viele, viele Bälle liefen über ihn: Note 2+

Groth: erzielte ein wunderschönes Tor. Trotzdem schien ihm die Position als Rechtsaußen nicht so zu behagen, denn er hielt sie nicht.: Note 3

Gravesen: Ich liebe diesen Jungen einfach. Der kann fast alles am Ball und macht dem Fan bei jeder Ballberührung sehr viel Spaß. Ich glaube, der verrückte Däne würde sogar als Mittelstürmer noch ein Klassepartie liefern: Note 1

Yeboah: konnte leider nur 10 Minuten spielen, in denen er allerdings zwei Riesenchancen hatte, von denen zumindest eine hätte verwertet werden „dürfen“: keine Bewertung für diese kurze Zeit.

Uysal: Aus dem Jungen kann echt „einer“ werden. Es macht sehr viel Spaß ihm zuzuschauen. Für diese Leistung nach einer so langen Bundesligaabstinenz bekommt er von mir (obwohl er bestimmt noch besser werden kann): Note 1

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
 
Peter R. mailte mir folgenden Spielbericht:
Ich bin ja ein von grundauf pessimistischer Mensch, und so hatte ich auch ein eher mulmiges Gefühl, als ich den nun schon zu einem winzigen Teil überdachten Volkspark betrat.  So taten wir uns doch gegen die sich hinten reinstellenden Ulmer sehr schwer.  Und genau das befürchtete ich, würden die Rostocker auch machen.  Außerdem hatte ich Muffensausen, weil wir ja nur mit 2 Stürmern, davon einer total unerfahren (Uysal) antraten.  Ich befürchtete, dass sich das negativ auf das auf 3-4-3 eingespielte Team auswirken könnte.  Ich sollte eines besseren belehrt werden, ein Glück.  Bei meinem Bericht sollte ich vielleicht hier anführen, dass ich bis dato (Samstag morgens) noch keine TV-Bilder gesehen habe und so vielleicht die eine oder andere Szene falsch gesehen habe; zumindest kann ich nur von meinem Eindruck im Stadion sprechen.

Die Stimmung in der Nordtribüne war auch eigentlich von Anfang an recht gut, aber auch die zahlreichen Rostocker gaben sich lautstark zu erkennen.  Naja, von der Stimmung dann später mehr. 

Meine Hoffnungen hingen also an Tony Yeboah; ich hoffte, dass er das Spiel vorne an sich reißen würde.  Für Uysal war's ja das 1. Spiel von anfang an (stimmt doch, oder?) überhaupt und er war ja zuvor auch 2,5 Jahre verletzt und war schon fast in Vergessenheit geraten.  Er gefiel mir aber gleich auf Anhieb gut, denn er riss sich den Arsch auf wie etwa Präger und kämpfte dann noch um jeden Ball.  Das ist schon unfassbar; wir sind in ganz Europa auf der Suche nach einem Yeboah-Nachfolger, aber plötzlich meldet sich da einer zurück, mit den man am wenigsten gerechnet hat.

Yeboah war es dann, der nach einen Groth-Einwurf nach vielleicht 2 Minuten plötzlich fast frei vor Pieckenhagen auftauchte, doch er konnte den Ball dann zu meinem Leidwesen nur ans Außennetz setzen.  Dann plötzlich der Schock:  Nach nur 5 Minuten prallte Tony nämlich fast auf der Torlinie mit Benken zusammen und, nachdem ich noch kurz hoffen konnte, dass es für ihn weiterging, musste er dann ausgewechselt werden.  Das empfand ich im ersten Moment fast schon als eine rote Karte.  "Wie sollen wir denn nach vorne hin Druck entfachen, wenn wir da nur einen Stürmer haben?", dachte ich. Denn für Tony kam nicht etwa Hashemian, wie ich angenommen hatte, sondern Fischer (-Sexmachine) und das verwunderte mich schon sehr.  Mal so eben mit zwei Stürmern weniger spielen passiert ja auch nicht alle Tage.  Ab und zu stießen Fischer, Kovac oder Gravesen in die Spitze vor, aber alles in allem blieb man bis zum Schlusspfiff beim 4-5-1.  Dank eines tollem Mittelfeldes machte das aber nicht viel. 

Denn schon in der 18. Minute kam dann das spielentscheidende Tor:  Nach einem Zuckerpass von Hoogma (ja, der kann das auch!) auf Gravesen powerte sich der positiv verrückte Däne auf links durch und konnte auf einmal unbedrängt aufs Tor flanken, zunächst an Freund und Feind vorbei, doch da stand noch ungedeckt Käpt'n Martin Groth, der den Ball dann mit einem Super-Flugkopfball unhaltbar ins lange Eck köpfte.   SUPER-ABSCHLUSS EINER TRAUMKOMBINATION!!! 

Da war ich auch total happy (ach was... ;-)) und der HSV kontrollierte das Spiel dann total abgezockt.  Ein Hollerbach-Schuss konnte von Pieckenhagen noch so grade eben abgebremst werden, aber ansonsten passierte bis zum Halbzeitpfiff nicht mehr soo viel.  Eine Schrecksekunde gab's aber auch noch, als Arvidsson plötzlich frei vor Butt auftauchte.  Da dieser aber aufgepasst hatte und den Ball wegfaustete ging es dann mit einem verdienten 1-0 in die Pause.  Gravesen bestach kurz zuvor noch mit einem Super-Hacken-Pass.

In der 2.HZ dann erstmal das gleiche Bild:  Der HSV kontrolliert-abgezockt ohne zu überragend, die Rostocker ohne große Akzente, aber nicht schlecht spielend.  Das Spiel trat so dann fast in den Hintergrund.  Denn auf einmal sang die gesamte Nordtribüne eine halbe Stunde lang (!) ununterbrochen von jeglichen AKtionen auf dem Spielfeld nur ein Lied, dass sich kaum zu Papier bringen lässt:  Schalalalaaaa- lalalalalalalaaa-schalalalalalaaaa, lalalalalaaaa.  Naja,ich hab's zumindest versucht ;-).  Einige meinten nachher, dass immer nur dasselbe nicht gerade toller Support wäre, ich berauschte mich aber an der Atmosphäre und auch die Mannschaft ließ sich m.E. von ihr treiben.  Meine Arme fielen dann nach den 30 Minuten vom rhytmischen Klatschen auch fast ab.   Als die halbe Stunde um war, war's dann aber noch immer nicht leise, denn mit diversen Schlachtrufen kamen wir in bisher ungeahnte Lautstärken-Sphären vor.  SO wird der Volkspark vielleicht ein echter Hexenkessel.

Ach ja, das Spiel ;-).  Also, wie gesagt, es passierte zunächst nicht viel, der HSV hatte mehrere kleine Möglichkeiten, etwa war Uysal einige Male kurz von einer großen Einschußmöglichkeit entfernt oder Konter konnten fast gut ;-) abgeschlossen werden. 

Die 65. Minute wurde dann geprägt von einer superdummen AKtion von Pieckenhagen. Weil nämlich Hoogma (!!!) schon wieder so einen wunderschönen öffnenden Pass auf Uysal (glaube ich) gespielt hatte stürmte der aus den Strafraum heraus und schnappte sich den Ball einfach so etwa 3-4 Meter ausserhalb von diesem.  Das war superdumm von ihn, denn es wäre gar nicht mal unbedingt nötig gewesen und dafür gab's natürlich auch die Quittung:  ROT !!  Zachhuber regte sich dann auch noch aus und durfte auf der Tribüne Platz nehmen.  Der folgende Freistoß von Gravesen hätte auch fast gesessen, wenn ihn nicht noch ein Rostocker berührt hätte.  Zu meiner Verwunderung gab es aber keine Ecke.  Ich bin mir aber sicher, dass dies eine Fehlentscheidung war.  Naja, durch die numerische Überzahl kam der HSV dann auch fast noch zum 2-0, doch Fischer( harter Linksschuss, Bräutigam parierte) und KOvac (Kopfball nach Ecke, Yasser rettete so grade eben noch auf der LInie) scheiterten nur knapp.  So feierten wir dann und waren uns des, wenn auch knappen Sieges sicher, denn die Rostocker Aktionen sahen eigentlich nicht so bedrohlich aus. Als schon alle auf den Schlusspfiff warteten rutschte mein Herz dann aber doch noch mal ganz tief, denn Butt hatte an einer harmlosen Flanke vorbeigegriffen so dass Kovacec dann plötzlich frei aus 5 Metern aufs freie Tor köpfen konnte.  Minimal vorbei...  Da war ich echt geschockt, denn das Ding habe ich schon drin gesehen.  Ein Glück!  So konnte die Mannschaft dann doch mit uns den m.E. verdienten Sieg feiern.  Jetzt haben wir auch schon fast das geforderte Saisonziel von 55 Punkten 6 Spiele vor Schluss erreicht und könne für Europa planen.  Und vielleicht... besteht ja doch noch eine Chacne, dass Bayer(n) nervös wird.  Nur so eine kleine Hoffnung von mir.

Ein Sonderlob an dieser Stelle noch mal an GRavesen, Groth und Uysal.. Graver sorgte richtig gut für Power, meist über links und kämpfte bis zum geht nicht mehr, dazu sehr schöne Pässe und Flanken.  Groth ist wieder da, das hat er bewiesen.  Jetzt noch die gefährlichen Flanken zurück und er hat entgültig wieder seine Topform erreicht.  Der Mann des Spiels war aber klar Uysal.  Was der in seiner ersten echten Bewährungsprobe zeigte, war sensationell gut, wie schon ganz oben kurz geschildert.  Unglaublich, seine Geschichte.  Und wieder war ein Heimspiel mehr euphorisiert beendet...


 
Sport1 meldet: HSV steuert Richtung Champions League. 

Hamburger SV  1 : 0 (1 : 0) Hansa Rostock 
ERGEBNIS   1 : 0 (1 : 0) 
DATUM   07.04.00   20:00 Uhr 
ZUSCHAUER   44,180 
SCHIEDSRICHTER   Hermann Albrecht 
TORE   1:0 Martin Groth (18.)

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Thomas Gravesen, Andrej Panadic, Martin Groth, Soner Uysal, Niko Kovac, Bernd Hollerbach, Rodolfo E. Cardoso, Anthony Yeboah

Hansa Rostock: Martin Pieckenhagen, Kai Oswald, Marco Zallmann, Mohamed Emara, Sven Benken, Hilmar Weilandt, Steffen Baumgart, Yasser, Marcus Lantz, Peter Wibran, Magnus Arvidsson

WECHSEL 
Hamburger SV: Andreas Fischer für Anthony Yeboah (10.), Thomas Doll für Martin Groth (80.), Fabian Ernst für Rodolfo E. Cardoso (89.)
Hansa Rostock: Perry Bräutigam für Magnus Arvidsson (65.), Slawomir Majak für Mohamed Emara (75.), Kreso Kovacec für Sven Benken (82.)

PLATZVERWEISE 
Hansa Rostock: Karte rot für Martin Pieckenhagen (65.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (11.), Soner Uysal (46.), Nico Jan Hoogma (72.), Andrej Panadic (73.)

Hansa Rostock: Yasser (10.), Hilmar Weilandt (89.) 
 

Hans-Jörg Butt konnte einem leid tun. 89 Minuten langweilte sich der Torhüter des Hamburger SV. Einen Elfmeter durfte er auch nicht schießen. Und dann wäre er fast zum tragischen Helden geworden. Sein Team führte 1:0, da griff Butt an einer Flanke von Marcus Lantz vorbei. Der Ball segelte zu Kreso Kovacec, doch der Rostocker Stürmer war so überrascht, dass er neben das leere Tor köpfte. So jubelten die Hamburger am Ende doch: Die Champions League rückt näher, und auch der Titel ist nicht mehr endlos entfernt.
Yeboah schied früh aus
Anthony Yeboah bestimmte die ersten Minuten der Partie: Erst vergab er zwei Chancen (4./6.), dann schied er aus - mit einer Leistenzerrung (10.). Die Kollegen trafen auch ohne ihn. Thomas Gravesen flankte, Martin Groth köpfte, 1:0 (18.). Dabei blieb es bis zur Pause - weil Bernd Hollerbach seine Möglichkeit nicht nutzte (30.) und weil die Gäste aus Rostock im Sturm harmlos blieben. Nur Magnus Arvidsson sorgte für ein wenig Gefahr (41.).

Nach der Pause leistete sich der Tabellendritte aus Hamburg eine schwächere Phase - und Rostocks Torhüter Martin Pieckenhagen leistete sich einen Aussetzer. Er stürmte aus dem Strafraum und klärte mit der Hand, Schiedsrichter Hermann Albrecht zeigte Rot (65.). Gravesen (68.), Andreas Fischer (69.) und Nico Kovac (72.) hätten das Match entscheiden können, doch sie brachten den Ball nicht im Tor unter. 

In Rostock wächst die Abstiegsgefahr
Zehn Rostocker wehrten sich nach Kräften, im Angriff aber herrschte Flaute. Bis Kovacec kam - und das Tor nicht traf. Hansa wartet weiter auf den ersten Auswärtssieg, die Abstiegsgefahr wächst. Der HSV feierte den vierten Sieg in Serie, jeweils ohne Gegentor. Ob Hamburgs Trainer Frank Pagelsdorf Mitleid mit seinem alten Kumpel Andreas Zachhuber hatte?
 

Fakten:
Hamburger Beton 
Bereits zum zehnten Mal in dieser Saison spielte der HSV zu Null - keine andere Mannschaft der Liga blieb in so vielen Spielen ohne Gegentor. 

Hamburger Serie 
Erstmals unter Trainer Pagelsdorf siegten die Hamburger viermal in Folge. Eine solche HSV-Siegesserie gab es zuvor das letzte Mal vor über elf Jahren in der Saison 88/89 unter Trainer Willi Reimann. Schon zum vierten Mal blieb der HSV in Folge ohne Gegentor. Das gab's zuletzt in der Saison 85/86. Trainer war damals der große Ernst Happel. Das war gleichzeitig auch das einzige Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass der HSV bei vier Siegen in Folge ohne Gegentor blieb.

Warten geht weiter 
Auch im 14. Anlauf blieb Hansa der erste Auswärtssieg der Saison verwehrt - bleiben nur noch drei Möglichkeiten in dieser Spielzeit...

Uysal in der ersten Elf 
Soner Uysal stand zum ersten Mal seit dem 9. August 1997, damals in Rostock (2:1 für Hansa), in der Anfangsformation des Hamburger SV. Seitdem wurde er lediglich dreimal eingewechselt, zuletzt am letzten Spieltag beim 1:0 in Dortmund.

Schlaglichter:
Uysal kein Notnagel 
Eine lange Verletzungspause, ein guter Kurzeinsatz in Dortmund und ein überzeugendes Spiel gegen Rostock. Das ist die Bilanz des Soner Uysal. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Anthony Yeboah spielte er als echter Mittelstürmer und er hätte an diesem Abend der Held werden können. Uysal hatte gute Chancen, die er leider vergab. Er war jedoch immer anspielbar, mit unheimlich viel Einsatz bestritt er die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Platz, wovon er ordentliche 45% für sich entscheiden konnte. Uysal war an sieben Torschüssen seines Teams beteiligt, drei Mal legte er für seine Mitspieler auf, vier Mal versuchte er es selbst mit einem Torschuss. 

Wertvoller Holländer 
Die Abwehr des Hamburger SV stand auch im Nordderby sehr sicher. Das war nicht zuletzt ein Verdienst von Nico Jan Hoogma. Der Holländer im Team der Hansestädter ist nahezu unüberwindlich und dazu ein wichtiger Spieler im Spielaufbau. Hoogma gewann über 73% seiner Duelle Mann gegen Mann. Das muss doch auch Frank Rijkaard einmal auffallen, dem Bondscoach der Niederländer. 

Oswald nur ein Mal unaufmerksam 
Kai Oswald, der Manndecker der Rostocker, war einer der Besseren in seiner Mannschaft. An ihm lag es nicht, könnte man meinen, denn schließlich gewann er die meisten Zweikämpfe seines Teams - insgesamt kam er auf eine sehr gute Quote von 64%. Böse Zungen würden jedoch behaupten, er wäre Schuld an der Rostocker Niederlage. Nur ein Mal stand er etwas zu weit weg von seinem Gegenspieler, dem Ersatzstürmer Martin Groth, und der traf prompt zum Siegtor. Was nützen einem da die besten Zweikampfwerte, wenn am Ende kein zählbarer Erfolg herausspringt. 

Weilandt im Mittelfeld besser 
Der direkte Kontakt zu den gegnerischen Spielern scheint ihn zu besseren Leistungen zu motivieren. Hilmar Weilandt, zu Hause gegen Bremen noch Libero hinter der Abwehr, spielte in Hamburg vor seiner Abwehr: Dort konnte er fast 60% der Zweikämpfe gewinnen. Auch seinen Mitspielern gefiel er dort wohl besser, denn er wurde von ihnen immer wieder gesucht, Weilandt hatte die meisten Ballkontakte der Rostocker (71). Letztlich nütze dies den Hansestädtern auch nicht, denn sie fahren erneut mit leeren Händen von einem Auswärtsspiel nach Hause. 

Story:
Hamburger Zahlenspiele 
Drei, zwei, drei. Die Gewinnzahlen im Samstags-Lotto? Nicht ganz. Die Zahlen zeigen die personelle Stärke des HSV-Sturms. Vor dem Spiel gegen Rostock gingen Trainer Frank Pagelsdorf die Stürmer aus, er baute das bewährte System mit drei Spitzen zum Zweier-Angriff um. Das klappte zehn Minuten gut - bis Anthony Yeboah sich verletzte. Pagelsdorf improvisierte: Thomas Gravesen machte er zum Linksaußen, Martin Groth stürmte über rechts. Die Flügelzange funktionierte, nicht nur beim Tor des Tages. Und im Zentrum wirbelte Soner Uysal, der Dritte im Bunde. Drei - das ist auch der Hamburger Tabellenplatz. Winkt bald die Zwei? 

Das verbotene Wort 
Rodolfo Cardoso war wenigstens ehrlich: "Meisterschaft ist ein verbotenes Wort bei uns." Der HSV siegt und siegt, aber alle stapeln tief. Immer noch. Trainer Pagelsdorf: "Wir planen von Spiel zu Spiel." Champions League? Kapitän Groth: "Darüber mach' ich mir noch keine Gedanken." Aushilfsstürmer Gravesen: "Der UEFA-Cup ist immer noch unser Ziel." Sagt's und grinst. Manchmal sagt die Mimik mehr als viele Worte. Übrigens: Die Hamburger haben 14 Punkte Vorsprung auf Platz fünf. 


 
dpa meldet: HSV nach 1:0 gegen Rostock weiter auf Verfolgungsjagd 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg (dpa) - Mit dem vierten Zu- Null- Sieg in Folge hat der Hamburger SV seine Verfolgungsjagd auf das Führungs- Duo Bayern München und Bayer Leverkusen fortgesetzt. Die Elf von Trainer Frank Pagelsdorf kam im Nord- Duell gegen Hansa Rostock zu einem hartumkämpften und mühsamen 1:0 (1:0)- Erfolg, den die 44 180 Zuschauer angesichts der eklatanten Stürmernot frenetisch bejubelten. 

Das Tor des Abends gelang Kapitän Martin Groth mit seinem ersten Saisontreffer in der 18. Minute. Während der HSV seine Titelhoffnungen mit dem zehnten Heimsieg nährte, bleiben die Rostocker auswärts weiter ohne Sieg und akut abstiegsgefährdet. Zu allem Überfluss sah Torhüter Martin Pieckenhagen (65.) wegen Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte.

Durch den Ausfall von Roy Präger (gesperrt), Mehdi Mahdavikia (Länderspiel- Einsatz) und Karsten Bäron (verletzt) ließ Pagelsdorf erstmals nach über einem Jahr nur zwei Stürmer antreten. Doch selbst diese Defensiv- Variante war nicht mehr aufrecht zu halten, als der Ghanaer Anthony Yeboah erst zwei Großchancen vergab und dann in der zehnten Minute mit Adduktorenproblemen vom Platz humpelte. Thomas Gravesen rückte vom defensiven Mittelfeld in die vorderste Reihe und bildete mit dem starken Soner Uysal den Verlegenheits- Angriff.

Nur acht Minuten nach seiner Umstellung zeigte Gravesen erstmals ungeahnte Fähigkeiten als Aushilfsstürmer. Der Däne nahm einen 40- Meter- Pass von Nico Hoogma gekonnt auf und flankte aus vollem Lauf mustergültig in die Mitte, wo Groth unbedrängt zur Führung einköpfte. Auch in der Folgezeit zählten Gravesen und Groth zu den Aktivposten einer Hamburger Elf, die nach der Führung jedoch nicht mehr so zielstrebig agierte wie in der schwungvollen Anfangsphase.

Die Rostocker, außer dem angeschlagenen Victor Agali in Bestbesetzung, versteckten sich keinesfalls. Allerdings fehlte den Gästen im Angriff die Durchschlagskraft und bei den wenigen Chancen die Entschlossenheit. So brachte Magnus Arvidsson in der 30. Minute den Ball nicht am HSV- Torhüter Hans- Jörg Butt vorbei, elf Minuten später scheiterte Steffen Baumgart an dem Hamburger Keeper.

Nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie zunächst zum reinen Kampfspiel mit wenigen Torraumszenen. Erst in der 65. Minute kam buchstäblich wieder Farbe ins Spiel, als sich Pieckenhagen nach einem Pass von Hoogma völlig verschätzte und den Ball außerhalb des Strafraums in die Hand nahm. Die Rote Karte war die fällige Strafe, zudem musste Trainer Andreas Zachhuber offenbar wegen Meckerns auf die Tribüne.

Die zahlenmäßige Überlegenheit nahm Hamburg zum Anlass für eine Schlussoffensive, die aber nicht zum ersehnten 2:0 führte. Die größte Chance hatte Kovac, dessen Kopfball in der 71. Minute von Yasser auf der Linie abgefangen wurde.


 
kicker:  Nach Pieckenhagens Platzverweis Hansa chancenlos Hamburger SV - Hansa Rostock 1:0 (1:0)   
Hamburger SV: Butt (4) - Panadic (3), Hoogma (2,5), Hertzsch (3) - Gravesen (2), N. Kovac (4) - Groth (3), Hollerbach (3) - Cardoso (4) - Uysal (2,5), Yeboah - Trainer: Pagelsdorf
Hansa Rostock: Pieckenhagen (4,5) - Benken (4,5), Zallmann (3,5), Oswald (4,5) - Weilandt (3) - Lantz (4), Emara (4) - Wibran (5), Yasser (3) - Baumgart (4,5), Arvidsson (5) - Trainer: Zachhuber
Eingewechselt:  10. Fischer (3,5) für Yeboah, 79. Doll für Groth, 90. F. Ernst für Cardoso - 65. Bräutigam für Arvidsson, 76. Majak für Emara, 83. Kovacec für Benken
Tore:  1:0 Groth (19., Kopfball, Vorarbeit Gravesen)
Chancenverhältnis: 9:4
Eckenverhältnis: 8:1

Schiedsrichter: Albrecht (Kaufbeuren), Note 1,5 - Verschaffte sich mit frühen Gelben Karten rechtzeitig Respekt, lag mit der Roten Karte gegen Pieckenhagen ebenso richtig wie mit dem weitaus größten Teil seiner weniger schwerwiegenden Entscheidungen.
Zuschauer: 44180
Rote Karten: Pieckenhagen (64. Handspiel)
Gelbe Karten: Hollerbach, Hoogma, Panadic, Uysal - Weilandt, Yasser
Spielnote: 4
Spieler des Spiels: Gravesen - Fand sich auf der ungewohnten Linksaußen-Position fast optimal zurecht, leitete unter anderem das 1:0 ein und überzeugte kämpferisch ebenso wie mit technischen Glanzlichtern.

Analyse  
Personal: Neben Präger (10. Gelbe) blieb beim HSV gegenüber dem 1:0 in Dortmund auch Doll zunächst draußen. Uysal stürmte von Beginn an, Hertzsch kehrte nach seiner Sperre in die Anfangs-Elf zurück. Gäste-Trainer Zachhuber brachte nach dem 1:1 gegen Bremen Zallmann und Baumgart für Brand und den verletzten Agali. 

Taktik: Hansa war ausgesprochen defensiv eingestellt, mit Weilandt als Abfangjäger gegen HSV- Spielmacher Cardoso vor einer Abwehr-Dreierkette. Hamburg vertraute auf seine bewährte Defensiv-Formation mit Hertzsch (diesmal wieder links, gegen Baumgart), Hoogma und Panadic auf einer Linie. Dagegen schien Trainer Pagelsdorf zunächst sein Angriffs-System umgestellt zu haben, mit Yeboah und Uysal begannen nur zwei Spitzen. Nach Yeboahs frühem Ausfall traten indes Gravesen (links) und Groth (rechts) als Flügelstürmer auf, der eingewechselte Fischer sicherte im Mittelfeld ab. Rostock reagierte mit gleich mehrfach wechselnden Defensiv-Varianten (siehe Story).

Spielverlauf: Hamburg erarbeitete sich von Beginn an ein Plus an Torchancen (allein zwei Mal durch Yeboah), das 1:0 ging bereits zu dem frühen Zeitpunkt in Ordnung. Auch in der Folgezeit zeigten fast ausschließlich die Hausherren Initiative, Hansa blieb im Spielaufbau weitestgehend ideenlos. Als sich Gäste- Torwart Pieckenhagen nach einem weiten Pass von Hoogma verschätzte und für sein Handspiel außerhalb des Strafraums folgerichtig die Rote Karte sah, schien die Entscheidung gefallen. Nach einem Schnitzer von HSV-Keeper Butt allerdings bot sich dem eingewechselten Kovacec in der Schlussminute noch eine hundertprozentige Ausgleichsmöglichkeit.

Fazit: Trotz der Schrecksekunde ein verdienter Erfolg für Hamburg, das die angespannte Personalsituation mit großem Einsatz ausglich. Rostock war unterm Strich viel zu selten konstruktiv.

Besonderes Vorkommnis: Rostocks Trainer Zachhuber musste wegen Meckerns auf die Tribüne (65.).
 

Die Elf von Frank Pagelsdorf greift sieben Spieltage vor Rundenende noch einmal ernsthaft ins Titelrennen ein, das bislang Bayer und Bayern vorbehalten zu sein schien. Gegen die abstiegsgefährdeten Rostocker siegte der Tabellendritte dank eines Kopfballtreffers des lange verletzten Kapitäns Martin Groth verdient mit 1:0 (1:0).

Die Hamburger starteten erstmals seit einem Jahr wieder mit zwei statt drei Angreifern ins Spiel. Da Präger (Gelb-Sperre), Mahdavikia (Länderspiel für den Iran) und Bäron (erneut am Knie verletzt) fehlten, bot Pagelsdorf nur Yeboah und Uysal im Sturm auf. Bei Hansa ersetzte Baumgart den verletzten Agali.

Bereits nach vier Minuten hatte Yeboah das 1:0 auf dem Fuß. Nach einem langen Einwurf von Groth war die gesamt Hansa-Abwehr nicht im Bilde. Der Ghanaer stürmte allein auf Pieckenhagen, sein Heber landete jedoch nur im Außennetz. Zwei Minuten später war es Uysal, der vom rechten Flügel in den Strafraum eindrang, mit seinem Rückpass Yeboah fand, der im Torraum mit Pieckenhagen zusammenprallte. Mit einer Adduktorenverletzung musste der Afrikaner kurz darauf ausgewechselt werden. Die Hamburger verdauten diesen Schock erstaunlich schnell. In der 18. Minute hieß es dann auch 1:0: Gravesen war nach einem Hoogma-Steilpass auf links entwischt und flankte von der Torauslinie in den Strafraum, wo HSV-Kapitän Martin Groth mit einem sehenswerten Flugkopfball erfolgreich war. Nach einer halben Stunde nahm die Partie wieder Fahrt auf. Binnen Sekunden hatte sowohl der HSV (Hollerbach mit einem 18-Meter-Knaller) als auch Rostock (Arvidsson scheiterte aus kurzer Distanz am herausgeeilten Butt) gute Einschussmöglichkeiten. Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel musste Butt noch einmal bei einem Flachschuss Arvidssons klären. Es blieb jedoch beim verdienten 1:0-Pausenstand.

Die zweite Hälfte brachte zunächst wenig Unterhaltsames. Der Favorit tat nicht mehr als nötig, Rostock bemühte sich erfolglos. Erst in der 65. Minute weckte Ingo Pieckenhagen die Zuschauer wieder auf. Nach einem Steilpass klärte der Keeper außerhalb des Strafraumes mit der Hand vor dem durchgelaufenen Uysal – Schiedsrichter Albrecht zeigte die Rote Karte (65.). Perry Bräutigam kam, Arvidsson musste dafür das Feld verlassen. Der neue Schlussmann zeichnete sich gleich mit einer Glanzparade bei einem 12-Meter-Schuss von Fischer aus (69.). Nun wollte der HSV die Entscheidung erzwingen. Bei einem Kovac-Kopfball musste Yasser auf der Torlinie klären (72.). Acht Minuten später warf sich wiederum Bräutigam erfolgreich dem durchgelaufenen Uysal entgegen. Als alle schon mit dem Schlusspfiff rechneten, griff HSV-Keeper Butt noch einmal an einem harmlosen Flankeball vorbei. Der eingewechselte Kovacec war jedoch zu überrascht, um aus der Situation Kapital zu schlagen. 

Stimmen zum Spiel:
Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): “Ich glaube, dass die Abwehr ein wichtiger Bestandteil des Erfolges ist. Das hat sich heute wieder gezeigt. In der 90. Minute hatten wir allerdings auch viel Glück. Zuvor hätten wir das Ergebnis allerdings schon ausbauen können.“

Andreas Zachhuber (FC Hansa Rostock): "Ich war insgesamt mit dem Engagement und der Leistung meiner Mannschaft sehr zufrieden. Wenn man im Abstiegskampf steckt, fehlt einem allerdings oft das nötige Glück, wie man in der Schlussminute gesehen hat. Wenn wir aber weiter so spielen bin ich überzeugt, dass wir die Klasse halten.“