Bundesliga, 29. Spieltag, Mittwoch, 12.04.00 um 19:30 Uhr auf der Bielefelder Alm bei Sonnenschein und später auch teilweise Regen und Temperaturen so um die 5-10 Grad C. 

DSC Arminia Bielefeld - Hamburger SV 3:0 (1:0)
 
Nun ja, was soll ich zu diesem Spiel schreiben. Irgendwie kam alles, wie es wohl mal irgendwann kommen mußte. Nach wir schon wieder wochenlang von einer Welle der Euphorie getragen wurden, ist diese nun jäh beendet.

Verloren ! Höchste Saison-Niederlage ! Und das beim 99,9 %ig sicheren Absteiger (nur noch rechnerische Nicht-Abstiegs-Chancen) ! Gaaaanz bitter !

Ich machte mich zusammen mit Christian Schlepkow diesmal schon sehr zeitig auf den Weg nach Bielelfeld, sodaß schon so gegen 16:00 Uhr in Bielefeld waren. Da habe ich mich dann (gegen meinen derzeitigen Beschluss) erstmal im Supermarkt mit „Naschis“ eingedeckt. Wußte ich da etwa schon, daß ich später eine Frust-Mahlzeit nötig haben sollte ?!?! Hmmm.....

Dann wurde ich der wirklich schönen Bielefelder Alm gewahr. Das Stadion ist wirklich hübsch. Zwar ist die eine Gerade noch nicht erneuert (zur Zeit noch eine alte Stehtribüne), aber es ist auch schon so ein wirklich schmucker, kleiner Fußballtempel, in dem bestimmt eine tolle Stimmung entfacht werden kann, wenn die Arminia gute Leistungen bringt. Trotz des 3:0 war das aber heute aber nicht sooo der Fall. Erst sehr spät wurde die Alm ein weniger wacher. Aber bei der miseablen Saison habe ich mich schon gewundert, daß überhaupt so viele Zuschauer gekommen sind.

Tja, das Spiel ging erstmal wie eigentlich erwartet los. Der HSV begann druckvoll und setzte sich in des Gegners Hälfte fest. Doll hatte die erste, recht harmlose, Chance, als er eine Flanke von rechts volley abnahm und recht weit das Tor verfehlte.

Dolly war übrigens für Cardoso ins Spiel gekommen. Der mußte ja einen Tag vor dem Spiel plötzlich an der Wade operiert werden, und so bekam Doll seine Chance in der Spielmacherrolle, die er aber wenig zu nutzen wußte. Graver mußte wieder als Linksaußen ran, weil auch im Sturm durch die Verletzung von Yeboah und Bäron sowie die Länderspielreise von Mahdavikia „Not am Mann“ war. Schon vor dem Spiel fachsimpelte ich zusammen mit meinem Kumpel, daß es vielleicht auch eine sinnvolle Option wäre, lieber Dolly auf die Außenposition zu stellen und dafür Graver als Spielmacher zu bringen. In der letzten Saison hat Gravesen ja oft bewiesen, daß er die Rolle hinter den Spitzen gut ausfüllen kann. Im Nachhinein sahen wir uns mit unserer These auch bestätigt.

Das „Glück“ dauerte aber nur sieben Minuten an und dann wurde das Konzept des HSV vollends durcheinandergewirbelt. Nach einer Flanke von van der Ven köpfte Labbadia aus 5 m viel zu unbedrängt ein. Sein Bewacher Hertzsch war in diesem Moment überhaupt nicht auf dem Posten und stand zu weit weg von Labbadia. Er versuchte sogar noch, die Flanke mit der Hand abzufangen, was glücklicherweise nicht gelang. Denn eine rote Karte und ein Elfer wären zu diesem frühen Zeitpunkt ja sehr ungünstig gewesen (wenn das im Nachhinein auch egal gewesen wäre).

Nun nahm das Elend seinen Lauf. Direkt nach dem Tor hatte der HSV noch eine gute Chance durch Doll, der bei einem Konter einen Paß von Groth an die Strafraumgrenze bekam und versuchte, den Ball über den herausgelaufenen Miletic zu lupfen. Das gelang leider nicht und praktisch war das Spiel nun schon nach 10 Minuten verloren. Es mußte nämlich auch noch Groth ausgewechselt werden, da er eine Oberschenkelverletzung erlitt und es kam der in dieser Saison bisher sehr glücklose Fabian Ernst. Das sollte er auch heute bleiben. Er konnte überhaupt keine Akzente setzen, war damit allerdings auch nicht schlechter als der Rest der Mannschaft.

Verloren war das Spiel meiner Meinung nach jetzt schon, weil Bielefeld sich dank seiner Führung total einigeln konnte in seiner Hälfte und dagegen fand der HSV überhaupt kein probates Mittel. Hier wirkte sich nun wirklich fatal das Fehlen von Cardoso aus, denn der ist auch in so einer Situation in dieser Saison in der Lage gewesen, gefährliche Pässe zu spielen oder selbst für Gefahr zu sorgen. Der HSV hatte zwar auch in der ersten Halbzeit noch einige Chancen (z.B. ein Kopfball von Kovac), doch diese waren insgesamt meist nicht sehr zwingend. Es haperte besonders an den Anspielen in die Spitze. Hier fehlte letztendlich sehr oft die Passgenauigkeit, sodaß sich die Angreifer nicht entscheidend in Szene setzen konnten. Zudem war der rechte Flügel viel zu verwaist. Ernst ist nun mal kein richtiger rechter Mittelfeldspieler und auch Präger hielt die rechte Außenposition leider viel zu wenig. So kamen die meisten Flanken von der linken Seite von Holler und Graver. Aber auch bei diesen Flanken mangelte es meist an Präzision.

Bielefeld hätte sogar bei konsequenterer Chancenverwertung schon in der 1. Halbzeit das zweite Tor machen können, aber Labbadia traf bei einer weiteren Chance nur den Außenpfosten. Das wäre aber, gemessen an den Spielanteilen, dann wohl auch doch des Guten etwas zuviel gewesen. 

So gingen wir dann mit einem 0:1 in die Halbzeit. Ich muß aber zugeben, daß ich das während des Spiels natürlich noch nicht so nüchtern gesehen habe wie jetzt. Da war ich zur Halbzeit durchaus noch der Meinung, daß wir das Spiel noch umbiegen könnten.

Allerdings wurde die zweite Halbzeit dann aus HSV-Sicht noch schlechter als die erste. Das Spiel plätscherte weitestgehend einfach so dahin und es konnte niemand die entscheidenen Akzente setzen. Einzig Kovac hatte nach einer Flanke von rechts noch einmal eine Schußchance aus dem 16er. Diese konnte der eingewechselte Bielefelder Torhüter Ziegler allerdings zur Ecke klären.

Ja, und dann wurde es richtig Elend. Man schrieb die 66. Minute auf der Bielefelder Alm und das Spiel sah seinem (aus HSV-Sicht) negativen Höhepunkt. Nun muß ich aber dazusagen, daß ich das Spiel inzwischen auch bei ran gesehen habe und diese Szene deshalb etwas anders beurteile als im Stadion: Bei einem Angriff der Arminen wurde Weissenberger von Berkant Göktan schön in den freien Raum geschickt.  Weissenberger lief in den 16er und wurde dabei von Hertzsch verfolgt. Schließlich holte Weissenberger zum Schuss aus und fiel. Der Schiri entschied auf Strafstoß und zeigte Hertzsch auch noch die Rote Karte. Obwohl das Foul direkt vor unserer Tribüne passierte, vermochte ich im Stadion nicht zu urteilen, ob es denn wirklich ein Elfer war oder nicht. Geärgert habe ich mich allerdings über die Rote Karte, die es noch als kleines „Zuckerl“ oben drauf gab. Natürlich war Hertzsch der letzte Mann und wenn es ein Foul war, war es eine Notbremse, die eigentlich mit Rot geahndet werden muß. Allerdings macht das in der Bundesliga kein Schiri. Ich kann mich nicht erinnern, daß in einer ähnlichen Szene in dieser Saison einmal Rot gegeben wurde. (In einem anderen Bundesliga-Spiel heute abend ebenfalls nicht). Die rote Karte war für eine Notbremse also korrekt; nur finde ich es beschissen, daß an dieser Szene mal wieder deutlich wird, daß in der Bundsliga identische Szenen oft so uneinheitlich gepfiffen werden. Meinetwegen könnten die Schiris noch oft viel härter durchgreifen, aber dann müssen es auch ALLE tun.

Nun war also durch die Rote Karte nicht nur der HSV für dieses und vor allem auch das/die nächsten Spiele geschwächt, sondern dieses Spiel war durch das 2:0 endgültig entschieden. So riss auf der Alm also auch noch die Butt´sche 100 % - Elfer-Serie. Er hatte ja bisher alle Elfer in dieser Saison gehalten und selbst auch alle verwandelt.

Der Elfmeter und die Rote Karte waren aber nach Ansicht des ran-Berichts meiner Meinung nach eine Fehlentscheidung. Diese kann ich dem Schiri allerdings nicht wirklich vorwerfen, weil auch ich mir die Zeitlupe mehrfach ansehen mußte, um zu meinem Schluß zu kommen: Hertzsch hat Weissenberger nicht gefoult ! Es war einfach so, daß Hertzsch schneller war als Weissenberger und als Weissenberger ausholte um den Ball einzuschieben, hatte Hertzsch es geschafft, den Arminen zu überholen und setzte während des Laufens seinen Fuß direkt vor den des Arminen. Dieser trat dann von hinten auf Hertzsch´ Fuß und fiel. Für mich war das nach mehrmaliger Zeitlupen-Ansicht kein Elfer. Man kann den Verteidiger doch schlecht dafür bestrafen, daß er schneller ist als der Stürmer. Wären die beiden nämlich noch weiter gelaufen, hätte Hertzsch Weissenberger noch vollends überholt oder Butt hätte den Ball weggeflückt.

Ich denke aber trotzdem, daß wir das Spiel so und so verloren hätten, denn der HSV machte nicht den Eindruck, als könne er auf der Alm nochmal einmal ein Tor schießen. 

Nach dem 0:2 brach nun auch alles zusammen. Nun ging wirklich gar nichts mehr. Und es kam dann, was wohl kommen mußte: das 0:3. Irgendwie war das schon absehbar, denn ich hatte ehrlich das Gefühl, daß eher die Arminen noch ein Tor erzielen als der HSV den Anschlußtreffer.

Beim 0:3 verhielt sich der zuletzt ständig starke Hoogma sehr ungeschickt, indem er im entscheidenden Moment einen Schritt auf den Gegner zu machte. Entweder hat er tatsächlich gedacht, daß er so an den Ball käme oder er wollte (was ich eher glaube) den Gegner Abseits stellen. Gelungen ist jedenfalls beides nicht und so lief erneut Weissenberger völlig frei von links in den Strafraum hinein. Er legte dann quer zum ebenfalls vollkommen freien Göktan, der die Kugel einschob, wobei es Butt sogar noch gelang, den Ball zu berühren. Interessieren würde mich, ob hier vielleicht eine Abseitsstellung beim Pass von Weissenberger auf Göktan vorlag, aber das ist ja nun auch eher nebensächlich und Sat1 hatte in ran auch keine Lust, mich da aufzuklären.

So schlichen wir dann wieder traurig von dannen. Teli (ein anderer HSV-Supporter, den ich aus dem Internet kenne) warf mir noch mehrfach zu, daß ich an allem Schuld sei und irgendwie fühlte ich mich auch fast so. Ich kann aber an dieser Stelle deutlich sagen, daß ich den Spielern nicht  befohlen hatte, sich möglichst wenig Chancen herauszuarbeiten und möglichst ungenau abzuspielen....

Es sind nun noch 5 Spieltage zu spielen und damit 15 Punkte zu vergeben. Auf Rang 1 und 2 haben wir sieben Zähler Rückstand und auf Rang 5 sind es 10 Punkte Vorsprung. Damit sind wir nun wohl weit weg von Gut und Böse. Ich halte es doch für sehr unwahrscheinlich, daß wir jetzt noch eine Chance haben, uns zu verbessern. Dazu müßten wir auf jeden Fall nun gegen Bremen und in Frankfurt gewinnen. Wenn sich Leverkusen in seinen nächsten beiden Spielen einen Ausrutscher leistet und wir sie dann im Heimspiel schlagen könnten, gäbe es vielleicht noch eine minimale Chance. Hätte, Wenn und Aber sind aber doch eher unwahrscheinliche Wegbegleiter. Ich hoffe, daß wir nun nicht noch in ein Loch fallen und uns schon im nächsten Spiel gegen Werder rehabilitieren können. Wenn auch die Mannschaftsaufstellung nicht besser sein wird gegen Werder, so werden sich die Bremer aber vermutlich nicht so defensiv hinten reinstellen wie es Bielefeld tat. Und das kann für den HSV nur gut sein.

Es bleibt zu sagen, daß der HSV eben noch keine so hochkarätig besetzte Bank hat, daß man die „Massenausfälle“ von Mahdavikia, Groth, Grammozis und vor allem Yeboah und Cardoso kompensieren kann.

Meine Spielerbewertung:
Butt: hat sich nichts zu Schulden kommen lassen: Note 3

Hoogma: sah beim letzten Gegentor ganz alt aus. Sonst hatte er noch hier und da positive Aktionen: Note 4

Hertzsch: das erste Tor ging voll auf seine Kappe: Note 5

Panadic: war eigentlich der einzige Verteidiger, der Normalform hatte. Allerdings war es jeweils sein Gegenspieler, der beim 1. und beim 2. Tor die Vorlage gab: Note 4

Groth: verabschiedete sich schon nach 10 Minuten mit einer Oberschenkelzerrung. Vielleicht nicht richtig warmgemacht ??? : Note –

Ernst (kam für Groth): gut war er nicht, aber er hatte auch wenigstens mal nicht furchtbare Fehlpässe: Note 4

Kovac: einige meinten, daß das Bayern-Angebot ihn verunsichert hätte und man ihm dieses anmerkte. Das halte ich für Schwachsinn. Auch ihm hat Cardoso als kongenialer Partner gefehlt. So war er allerdings total überfordert. Trotzdem hatte er die besten HSV-Chancen. Note 4-

Hollerbach: spielte seinen Stiefel runter. Konnte zwar keine positiven Impulse geben, aber machte auch keine Fehler: Note 4+

Doll: jetzt wissen wir auch, weshalb Dolly so oft nicht von Anfang an spielen darf, obwohl alle damit rechnen. Er war zwar sehr bemüht, aber seine Abspiele waren wirklich sehr dürftig: Note 5

Khatibi (ab 63. Für Doll): das war überhaupt nix ! Er spielte viel zu ängstlich. Wenn er mal in Ballbesitz war, lief er immer nur quer über den Platz anstatt mal in die Spitze zu gehen. Und dann spielt er bei seinen Diagonalläufen auch noch mehrmals brutale Fehlpässe über den halben Platz: Note 6

Präger: nicht zu sehen: Note 5-

Gravesen: blieb heute im ganzen Spiel sehr blaß. Konnte als Linksaußen längst nicht so positiv agieren wie im letzten Spiel. Später spielte er auch im Mittelfeld mit ähnlichem Erfolg: Note 4

Uysal: liest sich jetzt zwar wahrscheinlich böse, aber heute war er nur ein Schatten seiner Leistung aus dem letzten Spiel. Ich habe ihn gar nicht wahrgenommen auf dem Platz: Note 5-

Hashemian (ab 76. für Uysal): ist mir nur einmal aufgefallen, als er ein dummes Foul machte. Wurde allerdings ins Spiel gebracht, als es schon aussichtslos war: Note -

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
 
Sport1 meldet: HSV kommt auf der Alm unter die Räder
 
Arminia Bielefeld  3 : 0 (1 : 0) Hamburger SV 
ERGEBNIS   3 : 0 (1 : 0) 
DATUM   12.04.00   19:30 Uhr 
ZUSCHAUER   20,162 
SCHIEDSRICHTER   Dr. Franz-Xaver Wack 
TORE   1:0 Bruno Labbadia (7.), 2:0 Thomas Stratos (66.), 3:0 Berkant Göktan (75.)

AUFSTELLUNG 
Arminia Bielefeld: ,Zdenko Miletic ,Thijs Waterink ,Alexander Klitzpera, Andre Hofschneider, Thomas Stratos, Jörg Böhme, Dirk van der Ven, Ronald Maul, Markus Weissenberger, Jörg Bode, Bruno Labbadia

Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Thomas Gravesen, Andrej Panadic, Martin Groth,
Roy Präger, Thomas Doll, Niko Kovac, Bernd Hollerbach, Soner Uysal

WECHSEL 
Arminia Bielefeld: Berkant Göktan für Dirk van der Ven (36.), Marc Ziegler für Zdenko Miletic (46.), Rene Rydlewicz für Jörg Böhme (81.)

Hamburger SV: Fabian Ernst für Martin Groth (9.), Rasoul Khatibi für Thomas Doll (63.), Vahid Hashemian für Soner Uysal (76.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV: Karte rot für Ingo Hertzsch (65.)

GELBE KARTEN 
Arminia Bielefeld: Markus Weissenberger (52.), Jörg Böhme (55.), Alexander Klitzpera (63.)
Hamburger SV: Roy Präger (42.), Bernd Hollerbach (77.), Vahid Hashemian (85.)
 

Mit einem überraschenden 3:0 Sieg gegen den haushoch favorisierten Hamburger SV erhielt sich Arminia Bielfeld die letzten theoretischen Chancen auf den Klassenerhalt. Die Hanseaten kamen nie richtig ins Spiel und wurden durch das Schlusslicht klassisch ausgekontert.
Frühe Führung durch Labbadia

Bereits in der siebten Minute klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Hans Jörg Butt. Nach Flanke van der Vens von halbrechts, war Bruno Labbadia aus sechs Metern mit seinem neunten Saisontreffer zur Stelle. 
Von diesem Schock und dem frühzeitigen Ausscheiden ihres Kapitäns Martin Groth (Oberschenkelzerrung) erholten sich die Hamburger in der ersten Halbzeit nicht mehr. Zwar blieben die Hanseaten auch in der Folgezeit bemüht, doch das Fehlen von Cardoso und Yeboah lähmte das Hamburger Offensivspiel. 

Rot für Hertzsch

Nach der Pause kamen die Hamburger kurzfristig besser ins Spiel. In der 54. Minute hatte Nico Kovac den Ausgleich auf dem Kopf, doch Marc Ziegler, der nach der Pause für den verletzten Miletic ins Spiel kam, parierte glänzend. Zehn Minuten später dann die Vorentscheidung: Weissenberger drang in den Hamburger Strafraum ein und ging durch einen Hackentritt von Ingo Hertzsch zu Boden. Schiedsrichter Wack erkannte auf Notbremse und zeigte dem HSV-Verteidiger die rote Karte. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Thomas Stratos sicher.
Gegen zehn Hamburger hatten die Arminen nun leichtes Spiel und erzielten durch den ersten Bundesligatreffer Berkant Göktans (75.) den verdienten Endstand. 

Fakten:
Derbe Schlappe 
Für den HSV war das 0:3 auf der Alm die höchste Saisonniederlage.

Butt nicht unüberwindbar 
Zum ersten Mal in dieser Saison wurde Hans-Jörg Butt per Strafstoß überwunden. Im bisherigen Saisonverlauf hatte Butt vier Elfmeter in Folge pariert.

Hertzsch vom Platz 
Zum ersten Mal in seiner Bundesligakarriere wurde Ingo Hertzsch mit Roter Karte des Feldes verwiesen. 

Top-Vorbereiter Weissenberger 
Gegen den HSV bereitete Markus Weissenberger wieder zwei Treffer vor. Mit mittlerweile elf Torvorbereitungen ist der Österreicher der erfolgreichte Assistent der Liga. 

Schlaglichter:
Goldköpfchen Labbadia 
Bielefelds Kapitän Bruno Labbadia war im Spiel gegen den HSV ein ständiger Gefahrenherd für die Hanseaten. Er erzielte die 1:0-Führung für die Arminia (trotz seiner eher bescheidenen Größe schon wieder ein Kopfballtor für Bruno), kurz darauf scheiterte er am Pfosten. Außerdem musste HSV-Keeper Hans-Jörg Butt zwei weitere Schüsse von ihm entschärfen. Insgesamt gab Labbadia vier der zehn Arminen-Torschüsse ab, eine sehr gute Quote.

Einer alleine kann's nicht richten 
Cardoso verletzungsbedingt nicht dabei, Doll schon nach einer halben Stunde kraftlos - ein Spielgestalter war auf Hamburger Seite nicht auszumachen. Einzig Niko Kovac versuchte, Linie in das Spiel der Hanseaten zu bringen. Er hatte die zweitmeisten Ballkontakte aller Spieler (92) und zudem die beste Zweikampfbilanz (+76%). Und wenn es für die Arminia überhaupt mal gefährlich war, dann war Kovac daran beteiligt - ohne seine gute Leistung allerdings krönen zu können.

Assistent Weissenberger 
Der kleine Österreicher Markus Weissenberger war wieder mal ganz groß. Schon die ganze Saison über zeigt er sich als starker Vorbereiter, und auch gegen Hamburg konnte er wieder zwei Bielefelder Tore vorbereiten. Zudem war er der einzige, der bei dem gepflegten 1-8-2 System der Arminia einen Hauch von spielerischer Eleganz verströmte. Hoffentlich bleibt er der Bundesliga erhalten.

In allen Belangen überlegen - aber das Wichtigste vergessen 
Wenn eine Mannschaft auswärts 57% der Zweikämpfe gewinnt und 58% der Ballkontakte hat, ist das gut. Wenn die Mannschaft zudem noch fünfzehn zu zehn Torschüsse abfeuert, ist das eigentlich noch besser und sollte ein gutes Ergebnis garantieren. Dies gilt aber nicht für den Auftritt des HSV bei Arminia Bielefeld. Denn die in diesen Zahlen ausgedrückte deutliche Überlegenheit hat einen Haken - Hamburg schoss kein Tor, Bielefeld aber drei. 

HSV-Lazarett wird immer größer 
In der Schlussphase der Bundesliga gehen HSV-Trainer Frank Pagesldorf langsam die Spieler aus. Nachdem mit Cardoso, Yeboah, Bäron und Grammozis bereits fünf Stammkräfte vor dem Spiel passen mussten, kommen nun mit Martin Groth (Oberschenkelzerrung) und Ingo Hertzsch (Rote Karte) zwei weitere hinzu. Nur gut, dass die Hanseaten sich bereits ein großes Polster auf die Verfolger verschafft haben, so dass sich für den Rest der Saison junge Leute wie Uysal und Khatibi bewähren können. 

Stimmen:
Trainer Hermann Gerland (Arminia Bielefeld): 
"Die Mannschaft hat heute Ordnung und Disziplin gezeigt und das mit einer großen Leistungsbereitschaft. Da ist jeder für den anderen gelaufen, deshalb bin ich sehr zufrieden mit dem Sieg." 

Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV):
"Wir wollten hier nach Möglichkeit drei Punkte holen. Wir sind aber durch das 1:0 der Bielefelder aus dem Konzept gekommen und haben uns wenig Tormöglichkeiten erarbeitet. Der Sieg für Bielefeld geht in Ordnung." 

Kommentar (Steffen Simon):
"Die Arminia präsentierte sich nicht wie ein Absteiger und besiegte den HSV verdient mit 3:0. Mit einer Rumpfelf konnte der HSV nur kämpferisch gegen die Arminen mithalten. Der sonst so effektiven Hamburger Angriffsmaschine fehlte durch die Ausfälle von Cardoso und Yeboah jedoch die Durchschlagskraft." 

Spielwertung: 3 (von 4 möglichen) Bällen.

FuXX des Spieles:  Bruno Labbadia (Arminia Bielefeld) 
Der Bielefelder Stürmerstar war jederzeit anspielbereit und stets torgefährlich. Gleich seine erste Torchance nutzte er für seinen achten Saisontreffer. Auch in der zweiten Hälfte riss er mit seinem Einsatz das ganze Team mit und trug maßgeblich zum überraschenden Erfolg der Arminen bei. 


 
dpa meldet: HSV in Bielefeld abgestürzt 
Von Marc Möller, dpa 
Bielefeld (dpa) - Ausgerechnet beim designierten Absteiger Arminia Bielefeld haben die kühnen Titelträume des Hamburger SV ein jähes Ende gefunden. Die 0:3- Niederlage bei den kampfstarken Westfalen lieferte dem Tabellendritten die Erkenntnis, dass ihnen ohne die verletzte Denk- und Torfabrik Rodolfo Cardoso und Anthony Yeboah die Substanz für höhere Ziele fehlt. 

Vor 20 000 Zuschauern erzielten Bruno Labbadia (7.), Thomas Stratos (66./Foulelfmeter) und Berkant Göktan (73.) die Tore für die Bielefelder, denen der fünfte Saisonsieg aber kaum neue Hoffnung auf den Klassenerhalt geben wird.

Zu allem Überfluss verlängerte sich beim HSV vor dem Nordderby am Samstag gegen Werder Bremen die Ausfallliste. Verteidiger Ingo Hertzsch sah in der 66. Minute wegen einer Notbremse an Markus Weissenberger, die zum Elfmetertor von Startos führte, die Rote Karte. Kapitän Martin Groth musste bereits nach neun Minuten mit einer Oberschenkelzerrung den Platz für Junioren- Nationalspieler Fabian Ernst räumen.

Zu diesem Zeitpunkt war die beeindruckende Hamburger Serie, die die vorangegangenen vier Spiele jeweils ohne Gegentor gewonnen hatten, mit Labbadias Treffer zum 1:0 bereits gebrochen. Der 34- Jährige köpfte eine Flanke von Dirk van der Ven unhaltbar für HSV- Keeper Jörg Butt ein.

Die vor allem kämpferisch imponierenden Bielefelder waren auch in der Folgezeit die bessere Mannschaft, die bereits zur Halbzeit die Führung vorentscheidend in die Höhe hätten schrauben können. In der 22. Minute traf Labbadia nur den Außenpfosten, zwei Minuten später verfehlte ein Schuss des starken Jörg Böhme nur ganz knapp das Ziel.

Beim HSV machte sich das Fehlen von Cardoso und Yeboah, die von Thomas Doll und Soner Uysal nie ersetzt werden konnte, an allen Ecken und Enden bemerkbar. Das Spiel der Hamburger wirkte ungeordnet, ideenlos und ohne Bindung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Dwennoch hatte Niko Kovac in der 54. Minute nach einem Hollerbach- Eckball die Chance zum Ausgleich, sein Schuss aber wurdwe von Marc Ziegler glänzend pariert. Ziegler war zur Halbzeit für Arminen- Stammkeeper Zdenko Miletic gekommen.

Nach dem 2:0 durch Stratos war die Partie entschieden. Die Bielefelder hätten auch noch höher gewinnen können, von den verbleibenden Chancen aber wusste nur Göktan Kapital zu schlagen.


 
kicker:  Arminia Bielefeld - Hamburger SV 3:0 (1:0) 
Arminia Bielefeld: Miletic (3) - Stratos (2) - Waterink (3,5), Klitzpera (2,5), Maul (2) - Hofschneider (3,5) - Bode (3,5), Böhme (2) - M. Weissenberger (3) - Labbadia (3), van der Ven (3) - Trainer: Gerland
Hamburger SV: Butt (3) - Hertzsch (5), Hoogma (3,5), Panadic (4,5) - N. Kovac (3) - Groth, Hollerbach (3), Doll (4,5) - Präger (4,5), Uysal (4), Gravesen (3,5) - Trainer: Pagelsdorf
Eingewechselt:  36. Göktan (3,5) für van der Ven, 46. Ziegler (2,5) für Miletic, 80. Rydlewicz für Böhme - 9. F. Ernst (4) für Groth, 63. Khatibi für Doll, 75. Hashemian für Uysal
Tore:  1:0 Labbadia (7., Kopfball, Vorarbeit van der Ven), 2:0 Stratos (66., Foulelfmeter, M. Weissenberger), 3:0 Göktan (76., Rechtsschuß, M. Weissenberger)
Chancenverhältnis: 8:4
Eckenverhältnis: 4:7
Schiedsrichter: Wack (Gersheim), Note 2 - umsichtig und souverän, hatte die Partie gut im Griff
Zuschauer: 20162
Rote Karten: Hertzsch (65. Notbremse)
Gelbe Karten: Böhme, Klitzpera, M. Weissenberger - Hashemian, Präger
Spielnote: 3
Spieler des Spiels: Böhme - Fleißiger Arbeiter, laufstark und überall zu finden

Analyse 
Personal: Eine Änderung bei Bielefeld: Für Straal rückte Hofschneider ins Team. Beim HSV kamen Präger und Doll für Yeboah (Adduktoren-Teilabriss) und Cardoso (Muskelfaser-Riss). 

Taktik: Den drei HSV-Spitzen begegnete Arminia-Coach Hermann Gerland mit einer Dreierkette, dahinter sicherte Stratos ab. Maul kümmerte sich um Präger, Klitzpera um Uysal und Waterink um Gravesen. Als Abfangjäger vor der Abwehr versuchte Hofschneider die Kreise von Doll einzuengen. Wenn die HSV-Stürmer Präger und Gravesen ihre Positionen tauschten, wurden sie von ihren Gegenspielern übergeben. Beim HSV schaltete sich Hollerbach auf der linken Seite oft in den Angriff ein, während es Kovac als zentraler Mann vor der Abwehr mit Weissenberger zu tun hatte. Die Dreier-Abwehrkette des HSV agierte wie gewohnt im Raum.

Spielverlauf: Nach der frühen Führung durch Labbadias Kopfball (7.), dem Hertzsch zu viel Platz gelassen hatte, zog sich Bielefeld zurück und überließ dem HSV die Initiative. Die Hanseaten versuchten, das Spiel in die Breite zu ziehen, doch ohne ihre zentrale Offensivachse Cardoso und Yeboah fehlte jegliche Durchschlagskraft. Zwar waren vor allem die Stürmer durch ihre ständigen Positionswechsel bemüht, Löcher in die Abwehr zu reißen, aber die Arminia stand sehr kompakt. Das lag vor allem daran, dass die Offensivkräfte viel nach hinten arbeiteten. Viel lief beim HSV über die linke Seite, während nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Groth über rechts wenig ging. Das Spielgeschehen spielte sich meist in der Bielefelder Hälfte ab, aber meist fehlte dem HSV die letzte Präzision, um das Tor der Arminia in Gefahr zu bringen.

Nach der Halbzeit brachte Gerland Ziegler für Keeper Miletic, der wegen einer Innenbanddehnung im Knie in der Kabine bleiben musste. Der Debütant überzeugte in seinem ersten Bundesliga-Spiel für die Arminia. Das Spiel verlief ähnlich wie in der ersten Halbzeit: der HSV war überlegen, spielte sich jedoch kaum Torchancen heraus und war mit zehn Mann gegen die entschlossen vorgetragenen Konter der Bielefelder ohne Chance.

Fazit: Hochverdienter Sieg der Arminia, die aggressiver zu Werke ging als der HSV.