Bundesliga, 30. Spieltag, Samstag, 15.04.00 um 15:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei ca. 10 Grad C und Dauernieselregen.

Hamburger SV - SV Werder Bremen 0:0 (0:0)

Letztendlich bin ich doch enttäuscht nach diesem Spiel. Eigentlich liegt das aber gar nicht mal so unbedingt an der Leistung des HSV, sondern an der wieder einmal verpaßten Chance, Punkte zu den beiden führenden Teams Bayer und Bayern gutzumachen. Da Bayern heute verloren hat (Bayer hat zum Zeitpunkt dieses Berichtes noch nicht gespielt), wären wir mit einem Sieg wieder auf 4 Punkte am 2. Platz dran gewesen. So sind es 6 Punkte und trotzdem bin ich weiterhin der Meinung, daß die Tür zum 2. Platz noch nicht ganz zugeschlagen ist. Wir müssen dann allerdings die verbleibenden 4 Spiele wohl alle gewinnen. Schaun mer mal....

Mit der Leistung des HSV war ich heute wie gesagt gar nicht mal unzufrieden. Zwar war es alles andere als eine Spitzenspiel, aber der HSV hat sich für die Ausfälle ganz gut geschlagen. Von den insgesamt 8 Ausfällen waren, wie auch schon beim letzten Spiel in Bielefeld, Cardosos und Yeboahs Fehlen am deutlichsten zu bemerken. Uysal war als Yeboahs Vertreter leider gar nicht zu sehen während des ganzen Spiels und Dolly hatte auch einen wirklich schlechten Tag. Er könnte Cardoso zwar so und so nicht ersetzen, weil er einfach ein ganz anderer Typ ist, aber Dolly sah heute bei vielen Aktionen schon recht unglücklich aus. Erst wenn solche Leute fehlen, bemerkt man wie dringend man sie eigentlich braucht. Ich hoffe auch, daß das insbesondere die Kritiker von Cardoso und Yeboah zur Kenntnis genommen haben, denn es muß eigentlich jeder gesehen haben, daß dieser HSV spielerisch und in der Torgefahr ein ganzes Stück weit entfernt war vom HSV mit Yeboah und Cardoso.

Zum Spiel selbst weiß ich gar nicht so viel zu sagen, weil es wohl für den neutralen Zuschauer eher eine Zumutung gewesen sein muß. Es gab insgesamt doch recht wenig hochprozentige Torchancen bei denen man das Gefühl hatte, daß es nun gleich „klingeln“ könne.

Werder Bremen hatte einen sehr guten Start in die Partie und agierte von Beginn an sehr souverän. So hatten sie auch in der Anfangsphase Ihre einzigen guten Torchancen (die beste durch einen Pfostenschuß von herzog aus kurzem Winkel). Bremen fing sogar so gut an, daß ich mir schon Sorgen machte, wie der HSV in diesem Spiel wohl eine Siegchance haben sollte. Aber nach der ersten Drangphase kam von Werder so gut wie gar nichts mehr. Der HSV bekam das Spiel mehr und mehr in den Griff; allerdings ohne dabei zwingenden Torchancen zu erarbeiten. Die beste Torchance des HSV im gesamten Spiel (die dann auch wirklich eine Chance wurde; das andere wurde leider nur ein „Rohrkrepierer“ von Kovac) hatte Roy Präger. Nach einer HSV-Ecke in der ersten Halbzeit wurde der Ball an den Rang des 16er abgewehrt. Dort lauerte Präger und zog sofort ab. Leider konnte es Rost noch irgendwie schaffen, die Hände an diesen Kracher zu bringen. Er wehrte den Ball an die Latte ab und verhinderte damit das ansonsten sichere Präger-Tor. 

In der zweiten Hälfte war von Werder nun wirklich gar nichts beängstigendes zu sehen. Sie fingen zwar in den ersten Minuten wieder ganz gut, aber konnten sich diesmal keine Torchancen herausspielen. Der HSV war feldüberlegen, konnte aber leider weiterhin nur sehr wenige gute Torchancen erarbeiten. Dolly mußte dann in der 56. Minute raus, nachdem er scheinbar eine Oberschenkelverletzung hatte. Nun hätte ich eigentlich auf „mein“ Modell gehofft. Ich hätte es am liebsten gesehen, wenn Pagel jetzt Ernst als Libero gebracht hätte und dafür Gravesen, der heute einen perfekten Libero spielte, hinter die Spitzen gestellt hätte. Das wäre ja auch von Anfang an meine Wunschaufstellung gewesen. Da Dolly nun ja scheinbar auch noch verletzt ist, hoffe ich, daß wir „wenigstens“ beim nächsten Spiel in Frankfurt mal so beginnen, denn ich denke, daß Graver die Position hinter den Spitzen gut ausfüllen könnte. Naja, Pagel tat mir diesen Gefallen wie gesagt leider nicht und überraschte mich umso mehr. Für Doll kam nun Mahmut Yilmaz, der die Position des Rechtsaußen einnahm. Dafür rückte Mahdavikia hinter die Spitzen. Dieser Schachzug brachte uns allerdings spielerisch keine Vorteile und das Spiel wurde zusehends schlechter. Hashemian ersetzte dann auch noch den wirklich äußerst unauffälligen Uysal und schließlich kam es erstmals (wenn ich mich nicht irre) dazu, daß unsere 3 Iraner alle zusammen auf dem Platz stehen in einem Pflichtspiel als auch noch Khatibi für Präger eingewechselt wurde in der 79. Minute. So lange war auch eigentlich nichts beeindruckendes passiert (außer das wir ja vom Bayern-Rückstand im Lokalderby gegen 1860 wußten).

In den letzten 10 Minuten konnte der HSV dann aber doch noch einmal Chancen für sich erarbeiten. Zunächst hatte Hoogma nach einer Hollerbach-Ecke eine Kopfball-Chance. Er kam am langen Eck des 5m-Raumes völlig frei zum Kopfball, der auf der Linie von einem Bremer abgewehrt wurde. 

Und dann folgte noch oben besagter Rohrkrepierer: Eigentlich war das die beste Chance des ganzen Spiels. Kovac hat diese Superchance aber so dermaßen kläglich vergeben, daß man letztendlich schon fast nicht mehr von einer guten Chance sprechen. Nachdem der HSV im gegnerischen 16er war, wollten die Werderaner klären. Hollerbach konnte den Ball am 16er zurückerkämpfen und Mahdavikia (glaube ich zumindest) versuchte zu schießen. 
(Anmerkung nachträglich: Das war ein Irrtum. Das mit Holler war eine andere Szene. Hashemian hatte diesen Abwehrversuch zurück in den Strafraum geschossen!) Dieser Schußversuch war aber recht elend und wäre links weit am Tor vorbeigegangen. Da stand aber noch in ca. 10 m Torentfernung Niko Kovac und war nicht einmal abseits, weil die Bremer in der Mitte nicht schnell genug herauskamen.  Nun stand er also leicht links vom Tor in ca. 10 m Entfernung und hatte den Ball auch sofort gestoppt. Mit Verlaub: Wenn ICH Fussball spiele, ist das meine absolute Lieblingsposition für einen Torschuß. Da kann man hervorragend den Ball mit dem rechten Fuss in die lange Ecke schieben und da hat der Keeper, wenn man es einigermaßen ordentlich macht, überhaupt keine Chance. Tja, wenn man es einigermaßen ordentlich macht ....  Kovac machte nämlich nun das denkbar schlechteste. Anstatt einen Torschuß anzubringen, ging er mit dem Ball auf den Torwart zu. Das dauerte natürlich viel zu lange und so konnte er letztendlich erst schießen, als der Torwart schon praktisch auf dem Ball lag. Mensch, Niko, da hättest Du das Tor zum 2. Platz wieder sehr weit aufstoßen können ! Shit happens !

Das wars dann aber auch. Der HSV konnte leider nichts mehr zusetzen. Das war auch das einzige, was mich ein wenig enttäuschte. Ich hätte gehofft, daß man in der Schlußviertelstunde noch einmal bedingungslos alles nach vorne schmeißt, wo doch auch an der Anzeigentafel der Rückstand der Bayern doumentiert wurde. Aber leider hatte das Team dazu wohl nicht mehr die nötige Kraft oder man wollte nicht „Alles oder Nichts“ spielen.

Im Nachhinein kann ich mich jedenfalls ganz schön ärgern über die verpaßte Chance in dieser Woche. Hätten wir am Mittwoch in Bielefeld gewonnen und heute gegen Bremen, wären wir jetzt nur noch 1 Punkt hinter Bayern. Aber trotzdem werde ich auf keinen Fall unzufrieden sein mit dem, was wir in dieser Saison erreicht haben. Mittwoch gegen Bielefeld waren wir vielleicht auch einfach zu schlecht für einen Sieg, aber heute hätte das schon klappen können und wäre dann wohl auch nicht unverdient gewesen.

Die Mannschaftsaufstellung für das nächste Spiel gegen Frankfurt sieht aber natürlich auch nicht vielversprechender als heute aus. Nun ist evtl. auch noch Dolly verletzt und auf jeden Fall wird Hoogma dank seiner 5. Gelben Karten ausfallen. Ich hoffe trotzdem, daß Graver beim nächsten Krimi in Frankfurt hinter den Spitzen auflaufen wird. Dann müßte Ernst Libero spielen und Fischer als 2. Manndecker auflaufen. Und wer spielt dann im rechten Mittelfeld ? Fragen über Fragen, aber da haben wir ja noch eine knappe Woche Zeit und schauen uns dann mal den aktuellen Verletztenstand an.

Meine Spielerbewertung:

Butt: Hatte fast nichts zu tun. Sah aber bei den wenigen Chancen sicher aus. Bis auf ganz am Ende, als er mal wieder an einem hohen Ball vorbeiflog.: Note 3

Gravesen: Alle Verteidiger haben sich heute gute Noten verdient, denn vom eigentlich sehr gefährlichen Werder-Sturm mit Ailton, Pizarro und Bode war wirklich nichts zu sehen. Ich fange aber mal mit Graver an, weil der mir heute wirklich perfekt gefallen hat. Er war wirklich immer an der richtigen Stelle und mich heute auch nicht durch Leichtsinnigkeiten das Fürchten gelehrt: Note 1

Panadic: s. Gravesen. Vom Werder-Sturm war gar nix zu sehen. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten. Note 2

Hoogma: war einen Tick besser als Pana, weil er sich auch immer wieder in Angriffe einschaltete und auch öfter mal kluge Pässe nach vorne spielt: Note 1

Kovac: war bemüht, aber man merkt schon deutlich, daß ihm Cardoso fehlt: Note 3

Fischer: ich finde es wirklich toll, daß er trotz seines Alters immer einsetzbar ist, wenn Not am Mann ist. Es gab zwar auch ein paar schlechte Abspiele, aber trotzdem war er nach hinten sehr zweikampfstark und an vielen guten offensiven Aktionen beteiligt: Note 2

Hollerbach: fiel heute hauptsächlich bei den vielen Standardsituationen auf, denn er schoß die meisten Freistöße und Ecken und das machte er auch ganz gut: Note 3

Doll: Das Klonschaf Dolly kann einen Cardoso eben doch nicht kopieren. Sorry, aber die Leistung war doch eher schlecht als recht: Note 4--

Yilmaz (für Doll): spielte auf der rechten Seite ganz gut und konnte durch mehrere gewonnen Dribblings gefallen: Note 3

Mahdavikia: seine Reisestrapazen habe ich ihm eigentlich nicht anmerken können. Er war auf jeden Fall eine Belebung auf der rechten Seite. Als er allerdings in die Mitte rücken mußte, merkte man, daß das nicht so seine Position ist: Note 3

Präger: wie immer emsig. Hatte eine schöne Torchance. Ansonsten war er wenig zu sehen: Note 4

Khatibi (für Präger): ist mir in den 10 Minuten weder auf- noch abgefallen: Note –

Uysal: hatte nach Bielefeld seinen nächsten schwarzen Tag. Ich habe ihn wirklich das ganze Spiel über in keinen einzigen guten Aktion gesehen. Da er aber so und so erst wieder sehr kurz dabei ist, gerade noch: Note 5

Hashemian (für Uysal): der fiel nun zumindest etwas mehr auf als sein Vorgänger Uysal. Allerdings sowohl in mal guten Aktionen als auch in zumindest einem haarsträubendem Ballverlust im Mittelfeld. Wäre nicht eine schöne Yilmaz-Flanke gerade noch von einem Bremer abgefangen worden, hätte Vahid dahinter frei gestanden und das Ding vermutlich reingeköpft. Dann wäre er endlich mal in positive Schlagzeilen gerückt: Note 4

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
 
Peter R.mailte mir folgenden Spielbericht:
Tja, ich muss sagen, dass ich mich jetzt nicht so recht entscheiden kann, ob ich mich freuen soll über eine gute Leistung angesichts der verletzten Schlüsselspieler und den 55. Punkt (Saisonziel erreicht!) oder ärgern über die verpasste Chance noch mal oben ranzukommen (Bayern hatte ja das Derby verloren) und das Spiel, dass wir hätten gewinnen können/müssen. Ich übte mich ja vor dem Spiel in Zweckpessimismus.  Ohne Cardoso und Yeboah hatten wir uns ja schon in Bielefeld sehr schwer getan, und nun fehlten ja noch Groth und Hertzsch.

Die Anfangsphase im eigentlich nicht ausverkauften Volksparkstadion (Der Regen, oder die mangelnde Reiselust der Bremer hatten Teile der Südtribüne leer bleiben lassen) bestätigte mich in meinem Pessimismus.  Werder begann nämlich recht überlegen, und Herzog hatte eine gute Chance, als er aufs kurze Eck abzog.  IM Stadion dachte ich auch erst (wie Püstow), es wäre ein Pfostenschuss gewesen, es waren jedoch Butts Hände die den Ball vor der Linie abwehrten.

Dann kam noch ein Kopfball von Pizarro (knapp daneben), aber- oh Wunder - damit waren alle Offensivbemühungen der Bremer für's gesamte Spiel aufgezählt.  Denn ab so etwa der 25. Minute spielten eigentlich nur noch wir.  Es begann mit einem Hollerbach-Steilpass auf Präger, der den Ball dann auf den trotz Jet-Lag agilen agierenden Mahdavikia passte, doch dessen Schuss wurde im letzten Moment abgeblockt.  Dann kam Dolly auch auf links durch und stand mit dem Ball vollkommen frei vor Rost, der allerdings schnell rauslief und den Ball dann noch parieren konnte.  So ein Mist.  Aber der HSV war jetzt wirklich so richtig am Drücker, eine abgewehrte Ecke kam kurze Zeit später zu Präger, der zog mit einen Gewaltsschuss ab, und - wir alle hatten den Torschrei auf den Lippen- der Ball prallte gegen Rosts Hände und dann an die Oberkante der Latte.  Mann-oh-Mann.  Dann war Halbzeit (mit 'nem lustigen Elfmeterschießen- nur leider hat ein Bremer da Alex Bade verladen :-() und wir hätten die Führung locker verdient gehabt. 

In der 2. HZ fand' ich den HSV dann nicht mehr ganz so druckvoll, das Spiel wurde eigentlich mit fortlaufender Spielzeit immer schwächer.  Es kamen dann noch Leute wie Hashemian, Khatibi und Yilmaz zum Einsatz, die hätten ja sonst eigentlich keine Chance gehabt aufzulaufen.  Von denen hat mir Yilmaz am besten gefallen (manchmal ein Dribbling zu viel), aber auch Hashemian und Khatibi spielten besser "als sonst".

Dennoch war ich eher unzufrieden, denn gegen die schwachen Bremer war ein Sieg eindeutig nicht unmöglich.  Zum Schluss hin wurde es dann noch mal torgefährlich.  Hoogmas Kopfball wurde auf der Linie stehend abgewehrt, bevor dann Kovac eine Riesenchance hatte:  Einen verunglückten Khatibi-Weitschuss nahm er freistehend im Strafraum an.  Doch er zögerte und überlegte wohl zu lange, und als er dann schoss, war der herrausgestürmte Rost schon da und blockte den Ball ab- SHIT!  Tja, die letzten Minuten plätscherten dann nur noch vor sich hin, obwohl ja die Bremer eigentlich die 3 Punkte viel nötiger hatten als wir, doch von denen kam gar nichts.  Unsere Abwehr, organisiert von Thomas Gravesen, stand aber auch bombensicher. 

Und mit dem Schlusspfiff kamen vereinzelte Pfiffe von den Rängen, was ich überhaupt nicht verstehen konnte, aber als dann die Mannschaft noch mal vor die Nordtribüne kam, gab's noch mal verdienten Applaus und die "Welle".  Und ich wusste wie gesagt nicht, ob ich nun damit zufrieden sein durfte, oder nicht. 


 
Sport1 meldet: Keine Tore im Nordderby. 

Hamburger SV  0 : 0 Werder Bremen 
ERGEBNIS   0 : 0 
DATUM   15.04.00   15:30 Uhr 
ZUSCHAUER   52,800 
SCHIEDSRICHTER   Hartmut Strampe 

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Niko Kovac, Bernd Hollerbach, Andreas Fischer, Thomas Doll, Roy Präger, Mehdi Mahdavikia, Nico Jan Hoogma, Andrej Panadic, Soner Uysal, Thomas Gravesen

Werder Bremen: Frank Rost, Marco Bode, Andree Wiedener, Andreas Herzog, Dieter Eilts, Bernhard Trares, Claudio Pizarro, Frank Baumann, Mike Barten, Torsten Frings, Ailton

WECHSEL 
Hamburger SV: Mahmut Yilmaz für Thomas Doll (56.), Vahid Hashemian für Soner Uysal (61.), Rasoul Khatibi für Roy Präger (79.)

Werder Bremen: Jurij Maximov für Marco Bode (68.), Christoph Dabrowski für Bernhard Trares (73.), Rade Bogdanovic für Ailton (85.)

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Nico Jan Hoogma (16.)

Werder Bremen: Andree Wiedener (37.), Ailton (83.), Claudio Pizarro (86.)

Die 55.000 Zuschauer sahen im Volksparkstadion eine mäßige Bundesligapartie, in der das Salz in der Suppe fehlte - das Nordderby endete torlos. Während die Spielanteile im ersten Durchgang verteilt waren, hätten die Platzherren die Begegnung nach dem Wechsel für sich entscheiden können. 

Starker Rost verhindert Rückstand
Den besseren Start erwischten die Gäste von der Weser, nennenswerte Chancen waren allerdings nicht zu verzeichnen. Nach etwa 25 Minuten übernahm der HSV die Initiative, mehrere hochkarätige Gelegenheiten waren die Folge: Thomas Doll scheiterte allein vor Werder-Keeper Frank Rost (30.), kurz darauf lenkte der Mann zwischen den Bremer Pfosten einen strammen Schuss von Roy Präger an die Latte (36.). 

Allerdings fehlte auch den stark ersatzgeschwächten Hamburgern die große spielerische Linie, besonders die verletzten Anthony Yeboah und Rodolfo Cardoso wurden schmerzlich vermisst. 

Werder nicht mehr zu sehen
In Durchgang zwei bestimmte der HSV - trotz einiger Verschnaufpausen - die Partie und hatte weiterhin die besseren Chancen. Allerdings wurden auch beste Möglichkeiten nicht genutzt. So zögerte Nico Kovac allein vor Keeper Rost zu lange, sein Schuss aus wenigen Metern wurde noch abgeblockt. 

Mangelnde Hamburger Cleverness vor dem Tor und ein gut aufgelegter Torwart Rost retteten den Werderanern einen glücklichen Zähler - erst der zweite Auswärtspunkt überhaupt in der Rückrunde. 

Fakten:
Einmaliger Aussetzer 
Nach der höchsten Saisonniederlage in Bielefeld hat sich die HSV-Abwehr heute wieder von ihrer guten Seite gezeigt: Zum elften Mal blieben die Hamburger ohne Gegentor (Saisonrekord). 

Das Warten geht weiter 
Auch im siebten Anlauf im neuen Jahrtausend gelang den Werderanern kein Auswärtssieg.

"Dauerbrenner" Doll 
Erst zum zweiten Mal nach seiner Rückkehr zum HSV stand Thomas Doll zwei Spiele in Folge in der ersten Elf. Das erste Mal war Doll in der Vorrunde zweimal hintereinander von Beginn an aufgelaufen - wie jetzt hießen die Gegner Bielefeld und Bremen.

Yilmaz im Spiel 
Mahmut Yilmaz bestritt gegen Bremen sein zweites Bundesligaspiel. Sein Debüt feierte er am 16.3.99 bei der Partie Bochum - HSV (19. Spieltag - Nachholspiel, 2:0). Zuvor hatte der U21-Nationalspieler diese Saison nur zweimal auf der Bank gesessen. 

Schlaglichter:
Allzweckwaffe Gravesen 
Thomas Gravesen ist der Allrounder der Hamburger. In den letzten zwei Partien spielte der Däne Linksaußen. Gegen Bremen musste er wieder als Libero ran. Gravesen hatte seine Abwehr im Griff und war mit 77% gewonnener Duelle der zweikampfstärkste Spieler auf dem Platz.

Bremen zum Schluss harmlos 
Der SV Werder Bremen startete stark in die Partie. Nach 30 Minuten hatte Bremen klar die Oberhand. Zu diesem Zeitpunkt hatte Werder 60% der Zweikämpfe gewonnen. Danach konnte sich der HSV befreien und seinerseits Druck ausüben. In der zweiten Halbzeit glich die Bremer Leistung dann einer Arbeitsverweigerung. In der 49. Minute gab Marco Bode den einzigen Torschuss seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte ab. Danach folgten 41 Minuten ohne einen einzigen Versuch der Grünen. Der HSV kam seinerseits auf immerhin neun Torschüsse im zweiten Spielabschnitt. 

Hollerbach glänzte als Vorbereiter 
Bernd Hollerbach zeigte gegen Bremen eine gute Leistung. Er konnte sehr gute sieben Torschüsse vorbereiten und gab selbst auch einen ab. Damit war der Mittelfeldspieler an mehr als der Hälfte der 15 Hamburger Torschüsse direkt beteiligt. Obendrein hatte er gute 72 Ballkontakte und eine ausgeglichene Zweikampfbilanz.

Dynamisches Duo 
Frank Baumann und Mike Barten räumten in der Bremer Innenverteidigung richtig ab. Die beiden waren hauptverantwortlich für das "zu Null" beim Tabellendritten in Hamburg. Baumann gewann zwölf seiner 18 Zweikämpfe - insbesondere in der zweiten Hälfte ragte er mit acht zu zwei Duellen im Abwehrverband der Bremer heraus. Insgesamt war aber Mike Barten der stärkste Bremer Zweikämpfer. Aus 71% seiner 21 Zweikämpfe ging er als Sieger hervor. 

Story: 55 Punkte - Saisonziel erreicht 
Wochenlang war das Thema Champions League beim HSV tabu. Zunächst galt es, die ausgegebene Marke von 55 Punkten zu erspielen. Mit dem Zähler gegen Werder ist dieses Ziel erreicht, die UEFA-Cup-Teilnahme ist den Hanseaten praktisch nicht mehr zu nehmen. Bei acht Punkten Vorsprung vor dem Tabellenvierten und vier noch ausstehenden Spielen sollte auch die Berechtigung zur Champions League-Qualifikation (mindestens Platz vier) nur noch Formsache sein. Angesichts der permanenten Punktverluste der Titelanwärter Bayer Leverkusen und Bayern München wäre sogar noch mehr drin gewesen. Mit nur einem Unentschieden aus den Partien in Bielefeld und gegen Bremen dürfte der Meisterschaftstraum jedoch endgültig ausgeträumt sein. 

Stimmen:
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV): 
"In der ersten Halbzeit war unser Spiel zu zerfahren, danach haben wir viel Druck entwickelt und hätten den Sieg verdient gehabt. Gemessen an unserer aktuellen personellen Lage war die Leistung meiner Mannschaft gut. Der Kräfteverschleiß der vergangenen Wochen war allerdings nicht zu übersehen." 

Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): 
"Dieses Spiel war ein typisches Derby. Mit der ersten halben Stunde war ich zufrieden, danach hat uns die Ruhe gefehlt, unsere Aktionen planvoll abzuschließen. Insgesamt halte ich das Unentschieden für ein gerechtes Resultat." 

Kommentar von Markus Höhner (Sat1):
"Ein eher schwaches Bundesligaspiel - vor allem aufgrund der Passivität der Gäste. Der HSV bemühte sich, allerdings fehlte die große spielerische Linie und die nötige Konsequenz bei der Chancenverwertung." 

Spielwertung: 2 Bälle von 4 möglichen

FuXX des Spieles:  Frank Rost (Werder Bremen) 
"Erst zum zweiten Mal in dieser Saison erzielte der HSV vor heimischem Publikum kein Tor - vor allem ein Verdienst von Frank Rost, der fünf Torschüsse abwehrte, darunter hochkarätige Chancen von Doll, Präger und Kovac." 


 
dpa meldet: Nullnummer im Nordderby 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg (dpa) - Mit einer Nullnummer im Nordderby gegen Werder Bremen hat der Hamburger SV sein selbstgestecktes Saisonziel erreicht. Durch das 0:0 im mit 52 800 Zuschauern fast bis auf den letzten Platz gefüllten Volksparkstadion buchte die "Notelf" von Trainer Frank Pagelsdorf den 55. Punkt. Werder dagegen wartet weiter auf den ersten Auswärtssieg in diesem Jahr. 

Die Bremer verloren im Rennen um die beiden Qualifikationsplätze für die Champions League weiter an Boden. Der bereits ohne sieben Stammspieler angetretene HSV bezahlte den Punktgewinn allerdings teuer: Ersatz- Spielmacher Thomas Doll (56.) humpelte mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz und auch Abwehrchef Nico Jan Hoogma wird beim Auswärtsspiel am Gründonnerstag bei Eintracht Frankfurt nach der fünften Gelben Karte fehlen. "Momentan gehen wir auf dem Zahnfleisch", klagte Bernd Hollerbach.

Die Bremer begannen gegen den ersatzgeschwächten HSV stürmisch. Die Hamburger, die auf die verletzten oder gesperrten Rodolfo Esteban Cardoso, Anthony Yeboah, Ingo Hertzsch, Dimitrios Grammozis, Kapitän Martin Groth, Harald Spörl und Karsten Bäron verzichten mussten, fanden in der Anfangsphase kein Rezept gegen die offensiv agierenden Gäste. Nach zehn Minuten vergab Spielmacher Andreas Herzog die erste Werder- Chance. Wenig später war Ailton Concalves da Silva im Pech. Erst nach einer halben Stunde gewann der Angriff der bis dahin enttäuschenden Gastgeber etwas an Durchschlagskraft. Thomas Doll (30.), Mehdi Mahdavikia (34.) vergaben knapp, ehe Roy Präger (36.) sogar die Latte traf.

Nach dieser Großchance gehörte auch die Schlussphase der ersten Halbzeit den Hausherrn. Der nach der Auswärtspleite in Bielefeld neu ins Team gekommene Andreas Fischer flankte, Torwart Frank Rost und seine Abwehrspieler lagen mit dem Ball vor dem Tor. Die Zuschauer forderten einen Strafstoß, doch Schiedsrichter Hartmut Strampe (Handorf) ließ weiterspielen.

Nach der Pause spielte der HSV weiter schwungvoll auf. Mahdavikia, der erst am Freitag von seiner Länderspielreise aus dem Iran zurückgekommen war, vergab kläglich. Danach hatten die Bremer erneut Glück, als Torsten Frings einen Hoogma- Kopfball von der Linie pflückte. In der turbulenten Schlussphase hatte Niko Kovac (83.) den Siegtreffer auf dem Fuß. Das 28. Unentschieden im 72. Bundesliga- Nordderby bescherte dem HSV zwar das Erreichen der von Trainer Pagelsdorf vor der Saison ausgegebenen 55 Punkte- Ziel. Doch einmal mehr zeigte sich, dass dem HSV zu einer echten Spitzenmannschaft noch einiges fehlt.

Auch das neue Volksparkstadion präsentierte sich im Hamburger Schmuddelwetter ohne Regencape: Nachdem in den vergangenen Wochen Teile des 29 Millionen Mark teuren Dachs eingedeckt worden waren, wurde die Konstruktion in den Tagen vor dem Spiel vom Winde zerstört. Die Kunststoffplane von 800 Quadratmetern, die bereits aufgezogen waren, wurde aufgerissen und musste wieder entfernt werden. Es entstand ein Sachschaden von 200 000 Mark.


 
kicker:  Hamburger SV - Werder Bremen 0:0    
     
Hamburger SV: Butt (3) - Gravesen (2) - Hoogma (4), Panadic (3,5) - N. Kovac (3) - Fischer (3), Hollerbach (3,5) - Doll (4) - Mahdavikia (4,5), Präger (5), Uysal (5,5) - Trainer: Pagelsdorf

Werder Bremen: F. Rost (2,5) - Frings (4), Barten (3), F. Baumann (3), Wiedener (3,5) - Eilts (4), Trares (3,5) - Herzog (5), Bode (4,5) - Pizarro (5), Ailton (5) - Trainer: Schaaf

Eingewechselt:  57. Yilmaz (3,5) für Doll, 61. Hashemian für Uysal, 78. Khatibi für Präger - 68. Maximow für Bode, 73. Dabrowski für Trares, 86. Bogdanovic für Ailton

Tore: 
Chancenverhältnis: 7:3
Eckenverhältnis: 10:2
Schiedsrichter: Strampe (Handorf), Note 3 - wurde in der fairen Partie nicht sonderlich hart auf die Probe gestellt, lag allerdings bei Abseits-Entscheidungen zwei Mal daneben
Zuschauer: 52800
Gelbe Karten: Fischer, Hoogma - Ailton, Pizarro, Wiedener
Spielnote: 4,5
Spieler des Spiels: Gravesen - Der Däne unterstrich seinen Ruf als Allrounder, überzeugte nach seinen jüngsten Vorstellungen im Sturm diesmal als Libero alter Schule.
     
Analyse  
Personal: Nach dem 0:3 in Bielefeld musste HSV-Trainer Pagelsdorf erneut seine Anfangsformation umstellen: Fischer und Länderspiel-Rückkehrer Mahdavikia kamen für den verletzten Groth und den rot-gesperrten Hertzsch ins Team. Auf Seiten der Gäste blieb der beim 0:1 in Frankfurt enttäuschende Tjikuzu draußen, Wiedener war dafür wieder von Anfang an dabei.

Taktik: Werder setzte wie gewohnt auf seine Vierer-Abwehrkette, in der diesmal Wiedener (links) und Frings die Außenpositionen besetzten. Marco Bode, zuletzt ebenfalls im Defensiv- Verband eingesetzt, stieß diesmal aus dem linken Mittelfeld phasenweise sogar als dritte Spitze mit nach vorn. Wegen des Ausfalls von Manndecker Hertzsch spielte der HSV ausnahmsweise mit klassischem Libero (Gravesen) hinter den Innenverteidigern Hoogma und Panadic, die ihre Gegenspieler Ailton und Pizarro übergaben. Bei Bodes Vorstößen agierte Fischer als dritter Manndecker. Im dreiköpfigen Angriff der Hamburger rochierten die Flügelstürmer Mahdavikia und Präger mehrfach. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Thomas Doll in der 57. Minute übernahm Mahdavikia dessen Position im zentralen Mittelfeld, Yilmaz kam als Rechtsaußen.

Spielverlauf: Dem SV Werder gehörten die ersten 20 Minuten des insgesamt enttäuschenden Nord- Derbys, danach übernahm der HSV zusehends die Initiative. Die wirklich klaren Chancen (Doll, Präger, Uysal) boten sich zudem schon vor der Pause ausschließlich den Hausherren. Der starke Torhüter Frank Rost verhinderte hier einen Bremer Rückstand. In der zweiten Hälfte verflachte das Geschehen vollends zum "Gekicke und Gegurke beider Mannschaften" (O-Ton Niko Kovac). Sieben Minuten vor Schluss hielt Rost das 0:0 fest, als Kovac in stark abseitsverdächtiger Position frei vor dem Werder-Gehäuse aufgetaucht war.

Fazit: Unterm Strich ein schmeichelhaftes Unentschieden für die Bremer, die schließlich in Bestbesetzung gegen eine Hamburger Rumpf-Elf angetreten waren. Namentlich das Offensiv-Trio mit Herzog/Ailton/Pizarro genügt in der am Samstag präsentierten Verfassung keinesfalls internationalen Ansprüchen. Thomas Gravesen Der Däne unterstrich seinen Ruf als Allrounder, überzeugte nach seinen jüngsten Vorstellungen im Sturm diesmal als Libero alter Schule. 
 

Hamburger "Notelf" erreicht Saisonziel - den 55. Zähler 

55 Punkte - das war das Saisonziel des HSV. Mit dem torlosen Remis im Nordderby gegen den SV Werder Bremen hat die Mannschaft von Trainer Frank Pagelsdorf den 55. Zähler auf der Habenseite verbucht. 

Gegen die Hamburger Notelf (ohne Yeboah, Cardoso, Hertzsch, Grammozis, Groth, Spörl und Bäron) begannen die Bremer stürmisch und drängten die Gastgeber minutenlang in die Defensive. Allein es wollte dem SV Werder kein Tor gelingen. Herzog und Ailton vergaben Großchancen. 

Der HSV befreite sich erst nach etwa 30 Minuten und hatte bei Prägers Lattenschuss (36.) Pech. Doch von da an bestimmten die Hamburger das Geschehen im ausverkauften Volkspark-Stadion. Frings rettete auf der Linie bei einem Kopfball von Hoogma und in der Schlussphase vergab Kovac die möglichen drei Punkte.

Trotz des Punktgewinns für die Werderaner haben sie im Kampf um die UEFA-Cupplätze an Boden verloren und rutschten auf den siebten Rang zurück.