Bundesliga, 32. Spieltag, Sonnstag, 30.04.00 um 17:30 Uhr im Hamburger Volkspark bei schwüler Wärme mit Temperaturen so um die 20 Grad C.

Hamburger SV - TSV Bayer 04 Leverkusen 0:2 (0:2)

Hmmm, ja, war jawohl wieder nix.

Schon vor dem Spiel war meine Gefühlswelt ziemlich durcheinander. Das liegt wahrscheinlich daran, daß ich wirklich ein absoluter Bayern-Hasser bin und denen die Meisterschaft auf gar keinen Fall gönne. Nun hat der HSV die CL-Quali sicher (nur noch rechnerisch können wir rausgekegelt werden, wenn Lautern 2 mal gewinnt und dabei über 20 Tore aufholt in der Tordifferenz) und Bayer könnte bei einem Sieg in Hamburg weiterhin 3 Punkte Vorsprung auf Bayern behalten.

Da ist die Sache eigentlich klar für mich: Möge der HSV ruhig verlieren. So erging es mir auch damals in Dortmund, als die in der 90ern Meister wurden und wir am letzten Spieltag bei ihnen gespielt und verloren haben.

Aber irgendwie war es diesmal dann doch anders: Entgegen meiner o.g. Vermutung wußte ich schon am Tag vor dem Spiel, daß ich nun doch ganz klar für den HSV sein würde, was eigentlich für mich selbst fast unverständlich war. Ich hoffe, daß man mich hier richtig versteht: Der HSV hat absolute Priorität, aber wenn es für uns um nichts mehr geht, freut es mich schon, wenn man den Bayern eins auswischen kann.

Naja, nun war ich eben doch für den HSV, was auch daran liegen mag, daß wir in den letzten Spielen so schlecht waren und ich nun endlich mal wieder auf Besserung hoffte.

Gemessen am heutigen Gegner, muß ich sagen, daß ich auch Besserung gesehen habe, aber es hat eben doch nicht gereicht. Bayer war dann für unseren aktuell spielfähigen Kader doch eine Klasse zu gut. 

Das Spiel war insgesamt total chancenarm, sodaß ich über die Torchancen eigentlich gar nichts schreiben kann. Der Bayer-Torwart wurde nicht zu einer einzigen wirklichen Glanzparade gezwungen, was natürlich schon für sich spricht. Bayer hatte das Glück ( bei so guten Mannschaften nennt man das wohl Cleverness), daß sie Ihre ersten beiden Chancen gleich zu Toren verwerten konnten und damit war das Spiel dann eigentlich auch schon beendet. So wurde die 2. Halbzeit dann auch bedeutend schlechter als die erste und lediglich Bayer hätte weitere Tore schießen können, wenn zumindest Zé Roberto seine 100%ige Konterchance genutzt hätte.

In der ersten Halbzeit jedoch hatte mir der HSV eigentlich noch ganz gut gefallen. Von Anfang an versuchte man, Druck zu entwickeln, was eigentlich auch recht gut gelang. Für mich war der HSV in der ersten Halbzeit bis zum 0:2 feldüberlegen. Aber leider kamen nicht drückende Chancen heraus. Wieder einmal machte sich das Fehlen vor allem von Yeboah und Cardoso bemerkbar. 

Wo ein Yeboah auch noch recht schlechte Anspiele gut unter Kontrolle bringt und dadurch für Gefahr sorgt, ist ein Uysal eben noch längst nicht so weit.

Interessant war überhaupt auch die Aufstellung. Eigentlich wurde ja vorher berichtet, daß Graver den Spielmacher „geben“ sollte, aber das tat er meiner Meinung nach nicht. Er lief eigentlich überall auf dem Platz rum. Besonders aber auch sehr viel in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld. So wunderte es mich auch nicht, daß ich im Nachhinein in der premiere-Aufzeichnung hörte, daß Cardoso bereits vor dem Spiel im Interview sagte, daß man heute ohne Spielmacher spielen wolle und hinten mit einer Viererkette, wobei Fischer sich um Zé Roberto kümmern sollte.

Das gelang ihm auch nicht sooo schlecht, wenn ich das ganze Spiel betrachte, denn ich kann mich nicht an viele Szenen erinnern, in denen Zè Roberto die HSV-Abwehr so lächerlich machte wie z.B. die Bremer Abwehr am letzten Wochenende. Aber leider hatte Fischer-Sexmachine im alles entscheidenden Moment eben doch das Nachsehen.

Nach 19 Minuten griff Leverkusen nämlich über die rechte Seite an und es wurde nach innen geflankt. Graver stand in der Mitte und fälschte den Ball unglücklich in den Rückraum ab. Da schnellte Zé Roberto heran und Fischi schlief leider gerade den „Schlaf der Gerechten“. Der Brasilianer verwandelte jedenfalls lässig hoch in die Mitte. Da Butt sich offensichtlich innerlich für eine Ecke entschieden hatte (was er auch mußte, da Zé Roberto das ganze Tor offen stand) konnte er den sehr knapp an seiner Hand vorbeistreichenden Ball leider nicht erwischen.

Damit war nun auch meine Hoffnung für den HSV schon etwas gedämpft, denn ich hatte natürlich auf eine Führung durch uns gehofft, weil Bayer dann irgendwann hätte aufmachen müssen. Leider ließ dann auch der endgültige Untergang, das 0:2, nicht lange auf sich warten. Dieses 0:2 fiel nach einer echten Klassekombination, die allerdings im Stadion übelst nach Abseits roch (was die TV-Bilder aber entkräfteten). Nowotny kam im Mittelfeld an den Ball, konnte 2 Hamburger stehen lassen und spielte dann mit Kirsten einen sehenswerten Doppelpaß, der eben im Stadion nach zweimaligem Abseits aussah. Am Ende schob Nowotny dann locker ins leere Tor ein. Kirsten hatte ihn, für einen Torjäger recht ungewöhnlich nämlich wieder angespielt, obwohl auch er selbst schon direkt vor Butt stand.

Ein ganz besonderer (von vielen) Aufregern war in der 1. Halbzeit dann noch ein glasklarer Elfer, der dem HSV verwehrt wurde. Mahdavikia lief samt Ball in den Strafraum und wurde klarst umgerissen. Ich konnte sogar aus 50 – 100 m erkennen, daß Mahdavikias Trikot in etwa 1 m vom Körper entfernt war (vielleicht etwas übertrieben ;-)). Was ich nur sagen will: Das Trikotzerren war wirklich deutlich für alle zu erkennen. Nur der Schiri versagte dem HSV den Elfer. Und wenn ich es mir im Nachhinein im TV so angesehen habe, muß ich sagen, daß er damit wahrscheinlich auch recht hatte. Es war eine knappe Entscheidung, aber die Hintertor-Kamera zeigte deutlich, daß auch Mahdavikia kräftig an Kovacs Trikot zog. Was mich dabei aber auch im Nachhinein immernoch verwundert: Das Trikotziehen von Mahdavikia kann der Schiri selbst beim besten Willen nicht gesehen haben. Das war nämlich nur von der Hintertorkamera aus zu erkennen und der Schiri lief ja hinter den Spielern her. Ich möchte es mal so sagen: der Gerechtigkeit wurde durch den Nicht-Pfiff wahrscheinlich Genüge getan, aber trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, woher der Schiri denn wohl das Wissen der gerechten Entscheidung erahnte.

Ich schreibe das vielleicht auch nur, weil der Schiri mich heute wirklich sehr aufgeregt hat. Er hat keine Mannschaft besondern bevor- oder benachteilt, aber es pfiff sehr inkonsequent. Es gab zwar schon eine Menge Karten, aber ich denke, daß es trotzdem noch nicht genug waren. Beide Mannschaften hätten noch mehr Gelbe verdient gehabt. Und dabei der HSV anteilig mehr von den nicht gegebenen als Bayer. So zog z.B. Fischer klar Zè Roberto einmal am Trikot runter als der vorbei war und Holler hätte auch schon lange vorher seine erste Gelbe sehen müssen.

Gelb-rot hat er sich auch total verdient, was ich aber auch erst im TV gesehen habe. Eigentlich war es sogar eine direkte rote Karte, denn er schlug gegen Ballack klar nach.

Der Schiri hat jedenfalls meiner Meinung nach ein sehr schlechte Leistung geboten und dabei dann doch eher den HSV benachteiligt. Auch mit der Vorteilsregel stand der Schiri auf Kriegsfuß.

Gut fand ich lediglich, daß er zumindest den Mut hatte, den Bayer-Spielern Rink und Zé Roberto für zwei Schwalben jeweils die gelbe Karte zu zeigen, wobei besonders der Zweikampf zur Schwalbe von Rink bemerkenswert war. Es hat sich meiner Meinung nach klar fallen gelassen und die Karte dafür auch verdient; allerdings habe ich im TV gesehen, daß Gravesen, der Rink bei diesem Laufduell im 16er verfolgte, mir eine ganz neue Dimension des Bundesliga-Zweikampfs zeigte. Graver schlug nämlich während er versuchte, Rink einzuholen, unentwegt mit der Faust in Rinks Rücken. Mindestens 2 – 3 Treffer konnte er landen ;-) Sogesehen wäre ein Elfer auch nicht falsch gewesen, aber Rink ließ sich trotzdem einfach fallen, denn zum Fallen hat Graver Rink damit gewiß nicht gebracht. Ist aber trotzdem immer wieder interessant, Gravers Zweikampfverhalten zu studieren. Ich liebe den bekloppten Dänen einfach.

Von der zweiten Halbzeit gibt es wirklich nicht viel zu bewerten. Der HSV bekam jetzt gar nichts mehr auf die Reihe und Leverkusen hatte einige mehr oder minder gute Konterchancen. Davon hatte Zé Roberto wie schon erwähnt, die weitaus beste Chance, als er mittig frei auf Butt zulief und dann doch nur an den rechten Außenpfosten schoss. Außerdem erwähnenswert war noch ein Butt´sches Schmankerl. Als er nämlich einmal recht schlecht von einem Verteidiger halbhoch angespielt wurde, spielte er sich selbst hoch den Ball über den Kopf, damit der heranrauschende Kirsten ihm das Leder nicht wegschnappen konnte.

Ansonsten passierte nix und wir setzen leider unsere sieglose Serie von nunmehr 4 Spielen fort. Ich hatte heute aber nicht das Gefühl, daß der HSV sich hat freiwillig „abschlachten“ lassen, um den Bayern eins auszuwischen. Das mit 10 Mann und einem 0:2-Rückstand dann nicht mehr viel ging, ist meines Erachtens nicht verwunderlich, wenn der Gegner Bayer Leverkusen heißt und man auch schon so in den letzten Spielen gesehen hat, daß beim HSV ohne Cardoso und Yeboah leider nicht viel geht.

So habe ich mich nun wirklich nicht über die Niederlage gefreut, aber in Anbetracht der Tatsache, daß es für uns von der Tabellensituation her egal ist und Bayer Leverkusen damit der Meisterschaft ein großes Stück weiter entgegengekommen ist, trage ich die Niederlage mit Fassung ;-)

Meine Spielerbewertung:

Butt: hatte eigentlich nichts zu halten. Den einzig noch gefährlichen Schuss, der auf seine Kasten kam, konnte er erst im Nachfassen bekommen: Note 4

Panadic: gewann in der Luft jedes Kopfballduell. Ansonsten kaum gesehen: Note 3

Hertzsch: habe ich gar nicht gesehen. Note 4

Hoogma: s. Hertzsch Note 4

Fischer: ging so. Beim 0:1 hat er geschlafen. Nach vorne kam auch nichts, aber Zé Roberto hat ihn auch selten vernascht: Note 4-

Kovac: in der ersten Halbzeit durchschnittlich und in der zweiten Halbzeit ganz schlecht. Da schlug er reihenweise Fehlpässen nach vorne. Ihm merkte man besonders an, daß er gegen seinen alten Verein „heiß“ war. Das artete aber in viele Fouls aus: Note 5

Graver: war für mich der beste HSVer. Immer unterwegs und unermüdlich. Konnte zwar keine Glanzlichter setzen, bekommt aber für seinen Fleiß: Note 2-

Hollerbach: Verzeihung!: Vollidiot !!! Holler bettelte von Anfang an um gelbe Karten und wurde dabei vom Schiri wirklich gnädig nicht erhört. Erst nach dem x. Foul bekam er dann gelb. Und dann meinte Herr Hollerbach eben, daß er dem Ballack ja mal gepflegt von hinten nachtreten könne, weil dieser ihn halb umgerissen hatte. Auch spielerisch war nichts von ihm zu sehen: Note 6

Mahdavikia: versuchte zwar einiges, aber erreichte nichts: Note 4

Präger: war ebenfalls, abgesehen vom gewohnten kämpferischen Einsatz, nicht zu sehen: Note 4

Uysal: kann einfach die ganzen halbhohen Anspiele nicht effizient verwerten. Allerdings wurde er heute auch vom Schiri oft zurückgepfiffen, wo ich so meine Zweifel hatte: Note 4-

 

Mailt mir auch Euren Kommentar.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.



 
Sport1 meldet: Bayer-Elf wieder obenauf

Hamburger SV  0 : 2 (0 : 2) Bayer 04 Leverkusen 

ERGEBNIS   0 : 2 (0 : 2) 
DATUM   30.04.00   17:30 Uhr 
ZUSCHAUER   53,500 
SCHIEDSRICHTER   Lutz Wagner 
TORE :   0:1 Ze Roberto (19.), 0:2 Jens Nowotny (30.)

AUFSTELLUNG 
Hamburger SV: Hans-Jörg Butt, Ingo Hertzsch, Nico Jan Hoogma, Thomas Gravesen, Andrej Panadic, Niko Kovac,
Roy Präger, Andreas Fischer, Bernd Hollerbach, Mehdi Mahdavikia, Soner Uysal

Bayer 04 Leverkusen: Adam Matysek, Jens Nowotny, Boris Zivkovic, Ze Roberto, Robert Kovac, Michael Ballack,
Oliver Neuville, Bernd Schneider, Carsten Ramelow, Ulf Kirsten, Paulo Rink

WECHSEL 
Hamburger SV: Harald Spörl für Soner Uysal (72.), Martin Groth für Ingo Hertzsch (81.), Thomas Doll für Roy Präger (86.)

Bayer 04 Leverkusen: Robson Ponte für Ulf Kirsten (72.), Torben Hoffmann für Oliver Neuville (83.), Thomas Brdaric für Paulo Rink (87.)

PLATZVERWEISE 
Hamburger SV: Karte gelb/rot für Bernd Hollerbach (54.)
Bayer 04 Leverkusen

GELBE KARTEN 
Hamburger SV: Bernd Hollerbach (52.), Niko Kovac (56.), Nico Jan Hoogma (80.)

Bayer 04 Leverkusen: Carsten Ramelow (14.), Robert Kovac (26.), Boris Zivkovic (39.), Paulo Rink (41.), 
Ze Roberto (85.), Michael Ballack (89.)
 

Bayer wieder spitze
30. Minute im Volksparkstadion. Der aufgerückte Bayer-Abwehrchef Jens Nowotny bekommt im Mittelfeld den Ball, überlegt kurz und passt dann in den freien Raum. Ulf Kirsten ist genau im richtigen Moment gestartet, übernimmt die Kugel und stürmt Richtung Hamburger Tor. Hans-Jörg Butt stellt sich Kirsten entgegen. Der schiebt den Ball nach links auf Nowotny, der nur noch einschießen muss. 2:0 für Bayer, die Vorentscheidung im Spiel und wohl auch für die Meisterschaft. 

Hochklassige erste Halbzeit
Stürmisch war der HSV in die Partie gestartet, Leverkusen abwartend. Aber nur etwa 15 Minuten. Dann spielte Ze Roberto seine ganze Klasse aus. Carsten Ramelow flankte von rechts, Gravesen fälschte ab und der Ball flog dem Brasilianer direkt vor die Füße. Mit einer unglaublichen Abgebrühtheit vollendete Ze Roberto zum 1:0. 

Nowotny überragend
Nach dem Treffer durch Nowotny war die Offensive der Hamburger beendet. Bayer kombinierte, spielte flüssig nach vorne und stand hinten souverän und sicher. 2:0 zur Pause, Hamburg musste kommen. 
Taten sie aber nicht, oder besser: Sie konnten es nicht. Bayer spielte meisterlich, ließ den Platzherren nicht den Hauch einer Chance. Jens Nowotny ordnete die Leverkusener Hintermannschaft tadellos - Hamburgs Sturm: komplett abgemeldet. Ab und zu ein Konter von Bayer, ansonsten tat sich nicht viel. 
Einziges "Highlight" der zweiten Hälfte: Nach wiederholten Foulspiel schickte der sichere Schiedsrichter Lutz Wagner Bernd Hollerbach vorzeitig zum Duschen. Danach gab sich der HSV auf. 
 

Fakten:
Nullnummern in Serie 
Zum vierten Mal in Folge blieb der HSV ohne Torerfolg und stellte damit den Vereinsrekord ein. Dem meisterlichen Lauf der Bayer-Elf hatten die Hamburger wenig entgegen zu setzen, Leverkusen ist jetzt 13 Spiele in Folge ohne Niederlage, gewann von diesen 13 Spielen zehn.

Hollerbach vom Platz 
Nach wiederholtem Foulspiel musste Bernd Hollerbach mit Gelb-Rot vom Platz. Es war der dritte Platzverweis in Hollerbachs Bundesligakarriere (zweimal Gelb-Rot, einmal Rot) und der erste im Trikot des HSV. Das zuvor letzte Mal wurde der Linksfuß am 30.09.1995 (Kaiserslautern - Köln 1:1) frühzeitig zum Duschen geschickt. 

Nowotny beendet Durststrecke 
Mit seinem ersten Saisontor erzielte Jens Nowotny die 2:0-Führung beim HSV. Zuletzt hatte der Nationalspieler am 30.10.1998 (Mönchengladbach - Leverkusen 2:8) ein Bundesligator geschossen. Für den Abwehrchef der Bayer-Elf war es der zweite Treffer im 119. Spiel für Leverkusen. 

Aussetzer 
Carsten Ramelow, Boris Zivkovic und der Torschütze Ze Roberto sahen in Hamburg jeweils ihre fünfte Gelbe Karte und müssen im nächsten Spiel der Bayer-Elf aussetzen.
 

Schlaglichter:
Leverkusen einfach cleverer 
Der HSV begann wie die Feuerwehr, doch bereits Mitte der ersten Halbzeit hatten die Mannen von Trainer Christoph Daum das Spiel voll im Griff. Sie gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe, immerhin starke 56%, und waren auch ansosten einfach abgebrühter. Aus ihren wenigen Torschüssen (zehn) machten sie zwei blitzsaubere Tore. Und immer wenn die Hamburger einmal gefährlich nach vorne spielten, wurden sie durch ein hartes, manchmal auch unfaires Tackling gestoppt. Der Lohn für diese "Cleverness" der Bayer-Spieler: sechs gelbe Karten und jeweils ein Spiel Sperre für Boris Zivkovic, Carsten Ramelow und Ze Reberto. 

Abwehras Nowotny
Unter den Augen von Teamchef Erich Ribbeck brachte der Leverkusener Abwehrchef Jens Nowotny wieder eine ganz starke Leistung. Hinten ließ er nichts anbrennen, davon zeugt eine sehr beachtliche Zweikampfbilanz von fast 88% gewonnener Duelle. Allein gegen seinen unmittelbaren Gegenspieler Soner Uysal gewann er über 90% der Zweikämpfe. Mit Nowotny in der Offensive ging die Post ab, der beste Beweis war sein Tor zum vorentscheidenden 2:0. 

EM-Kandidat Ballack 
Die bisherige Rückrunde der Leverkusener verlief für Michael Ballack hervorragend. Zum Stammspieler gereift, bot er auch heute eine gute Leistung. Fleißig, couragiert und mit Ideen nach vorn, so präsentierte er sich dem Hamburger Publikum. Er bestritt die meisten Zweikämpfe aller Akteure auf dem Platz (43) und konnte davon fast 56% für sich entscheiden. Darüber hinaus hatte er die zweitmeisten Ballkontakte der Bayer-Spieler (61), er legte zu zwei Torschüssen auf, ein eigener Torschuss war ihm jedoch nicht vergönnt. Trotzdem Herr Ribbeck, so sehen EM-Kandidaten aus !

Präger engagiert, aber erfolglos 
Der Publikumsliebling Roy Präger war erneut einer der fleißigsten Spieler der Hamburger, allein, es nützt einfach nichts. Schon in der ersten Hälfte zog er vier Mal Richtung Tor der Leverkusener ab, meistens weit vorbei. In der zweiten Hälfte ging der kleine Stürmer dann ganz unter und konnte diese Zahl nicht weiter verbessern. Auch in den Zweikämpfen zog er meist den Kürzeren, er gewann nur durchschnittliche 38% seiner Duelle. 
 

Story:
Nowotnys erster Treffer 
Herzlichen Glückwunsch, Jens Nowotny, zum ersten Treffer in dieser Saison. Ausgerechnet gegen die offensivstarken Hamburger gelang dem Abwehrspieler sein bisher zweites Tor (im 119. Spiel) für die Leverkusener. 
Mit einem tollen Pass verwies Nowotny die gesamte Hamburger Hintermannschaft auf die Plätze. Der Ball kam zu Kirsten, Pass zurück auf Nowotny und die Niederlage der Hamburger war besiegelt. Unnötig zu erwähnen: Seine eigene Abwehr dirigierte Nowotny vorbildlich, die HSV-Stürmer machten keinen Stich. 

Torflaute an der Alster 
Die Hamburger Spieler orientierten sich direkt nach dem Anstoß strikt nach vorne. Kein Wunder, galt es doch eine schwarze Serie zu beenden. Es ist ihnen auch diesmal nicht gelungen. Seit mittlerweile 430 Minuten bleibt dem HSV ein Torerfolg versagt - vielleicht klappt's ja nächste Woche. 

Stimmen zum Spiel: 
Trainer Frank Pagelsdorf (Hamburger SV)
"Insgesamt haben wir ein gutes Spiel gemacht, aber Leverkusen hatte die klar besseren Torchancen. Wir hatten vorne zu wenig Durchschlagskraft. Der Knackpunkt war die Gelb-Rote Karte. Es war verdammt schwer, mit zehn Mann ein 0:2 aufzuholen. Leverkusen ist ähnlich stark besetzt wie Bayern München." 

Trainer Christoph Daum (Bayer Leverkusen)
"Wir haben die Ausfälle von Emerson und Beinlich erfolgreich verkraften können. Nowotny war der überragende Mann auf dem Platz, einfach Weltklasse. Die Karten waren ein Witz. Wir haben zwar aus fünf, sechs hochkarätigen Chancen nur zwei Tore gemacht, aber die deutsche Meisterschaft wird nicht über das Torverhältnis entschieden." 
 

Kommentar von Werner Hansch:
"Bayer meisterlich, Hamburg chancenlos. Eine beeindruckende Vorstellung der Elf von Christoph Daum, die sich damit in Riesenschritten Richtung Deutsche Meisterschaft bewegt. Die hätten sie nach einer solchen Leistung wie heute auch redlich verdient." 

Spielwertung: 3 Bälle (von 4 möglichen)

FuXX des Spieles:  Jens Nowotny (Bayer Leverkusen) 
"Überragende Leistung des Nationalspielers. Die Bayer-Abwehr souverän geordnet und im Volksparkstadion zu Null gespielt. Bravo! Zudem blieb ihm noch Zeit, sich in die Offensive einzuschalten. Auch das mit Erfolg: Jens Nowotny schoss sein erstes Saisontor und gleichzeitig den Siegtreffer für seine Mannschaft. Glückwunsch." 


 
dpa meldet: Bayer nach 2:0 gegen Hamburg wieder Tabellenführer 
Von Volker Gundrum, dpa 
Hamburg (dpa) - Mit der zweiten Gala im hohen Norden innerhalb von zehn Tagen ist Bayer Leverkusen seinem ersten Meisterstück ein großes Stück näher gekommen. 

Der Titelaspirant verteidigte mit einem 2:0 (2:0) beim Hamburger SV die Tabellenführung in der Fußball- Bundesliga und behauptete zwei Spieltage vor Saisonschluss seinen Drei- Punkte- Vorsprung auf den FC Bayern München (67). Vor 53 500 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion bot Leverkusen wie schon zuletzt beim 3:1 in Bremen eine imposante Vorstellung und kam durch Tore von Ze Roberto (19.) und Jens Nowotny (30.) zum bereits achten Auswärtssieg. Die in allen Belangen unterlegenen Hausherren verloren neben dem Spiel auch noch Mittelfeldspieler Bernd Hollerbach, der in der 54. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb- Rote Karte sah.

Die Personalnot der so gut wie sicher für die Champions- League- Ausscheidung qualifizierten Hamburger wird sich in der kommenden Woche weiter verschärfen, denn gegen die SpVgg Unterhaching wird auch der von Bayern München heftig umworbene Niko Kovac nach der fünften gelben Karte fehlen. Aber auch Leverkusen muss gegen Eintracht Frankfurt mehrere Ausfälle kompensieren. Mit Carsten Ramelow, Boris Zivkovic und Ze Roberto holten sich gleich drei Akteure ihre fünfte Gelbe Karte ab.

Dennoch kann Trainer Christoph Daum den letzten beiden Saisonspielen gelassen entgegen sehen, denn auch in Hamburg funktionierte sein Team fast perfekt. Nach einer kurzen Drangphase des HSV in den ersten zehn Minuten übernahm Bayer das Kommando auf dem Platz und erspielte sich vor allem im Mittelfeld ein klares Übergewicht. Insbesondere über den auf der linken Seite erneut bärenstark agierenden Ze Roberto wurden gefährliche Angriffe inszeniert, die auch schnell zum Erfolg führten.

Der Führung durch den kleinen Brasilianer ging eine unglückliche Kopfballabwehr von Thomas Gravesen voraus, die direkt vor den Füßen von Ze Roberto landete. Beim 2:0 wurde die komplette HSV- Deckung ausgespielt, als sich der in seinem 222. Bundesligaspiel überragend aufspielende Nowotny und Torjäger Ulf Kirsten zum mustergültigen Doppelpass fanden.

Auch im zweiten Durchgang dominierten die Gäste und hätten das Ergebnis weiter in die Höhe schrauben können. Die besten Gelegenheiten boten sich Ze Roberto und dem eingewechselten Robson Ponte. Die Hamburger mussten weiter auf Regisseur Rodolfo Cardoso und Torjäger Anthony Yeboah verzichten und waren gegen die abgeklärt wirkenden Gäste teilweise überfordert und insgesamt chancenlos. "Wir sind nicht in der Lage, Leistungsträger über einen längeren Zeitpunkt zu ersetzen", hatte HSV- Vorsitzender Werner Hackmann schon vor der Partie erklärt und wurde in seinem Urteil bestätigt.


 
kicker: Hamburger SV - Bayer Leverkusen 0:2 (0:2)   
Hamburger SV: Butt (3) - Hoogma (3), Panadic (3), Hertzsch (3,5) - Fischer (4) - Gravesen (3,5), N. Kovac (3), Hollerbach (4,5) - Mahdavikia (4,5), Uysal (5), Präger (4) - Trainer: Pagelsdorf
Bayer Leverkusen: Matysek (3,5) - Zivkovic (3,5), Nowotny (1), R. Kovac (4) - Ramelow (3) - Ballack (2), B. Schneider (3,5) - Neuville (4), Zé Roberto (2,5), Kirsten (3), Rink (3,5) - Trainer: Daum
Eingewechselt:  72. Spörl für Uysal, 80. Groth für Hertzsch, 86. Doll für Präger - 72. Ponte für Kirsten, 83. Hoffmann für Neuville, 88. Brdaric für Rink
Tore:  0:1 Zé Roberto (19., Linksschuß), 0:2 Nowotny (30., Rechtsschuß, Vorarbeit Kirsten)
Chancenverhältnis: 2:6
Eckenverhältnis: 5:2
Schiedsrichter: Wagner (Hofheim), Note 4,5 - Keine Linie, erst Leverkusen, dann Hamburg benachteiligt, unterstützte die Hektik, überspielte mangelnde Souveränität durch Theatralik, viele falsche Pfiffe, zum Glück keine spielentscheidenden.
Zuschauer: 52800 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karten: Hollerbach (54.)
Gelbe Karten: Hoogma, N. Kovac - Ballack, R. Kovac, Ramelow, Rink, Zé Roberto, Zivkovic
Spielnote: 4

Spieler des Spiels: Nowotny - Überragender Mann auf dem Platz. Abwehrchef bei Bayer, stark im Kopfball und Zweikampf, mit Übersicht und Umsicht, dazu ein tolles Tor nach Doppelpass mit Kirsten.
     
Analyse  
Personal: Beim HSV, weiter ohne die Leistungsträger Yeboah und Cardoso, rückte Hoogma wieder in die Abwehr und Hollerbach ins linke Mittelfeld. Dafür mussten Yilmaz und Babatz weichen. Leverkusen, weiter ohne Emerson, ersetzte den gesperrten Beinlich durch Schneider.

Taktik: Pagelsdorf stellte um. Gegen die vier Spitzen des Gegners agierte eine Viererkette: Fischer komplettierte die übliche Dreier- Formation. Noch wesentlicher war die Umstellung im Mittelfeld: Gravesen, Niko Kovac und Hollerbach spielten auf einer Höhe, wobei Gravesen, als Gegenspieler von Schneider vorgesehen, oftmals sogar als Absicherung hinter oder in der Abwehr agierte. Dieser Verzicht auf einen offensiven Mittelfeldspieler wirkte sich fatal auf das HSV-Angriffsspiel aus. Auch Daum korrigierte verständlicherweise die übliche Ordnung: Zivkovic, sonst Auffangjäger im Mittelfeld, rückte zu Nowotny und Robert Kovac in den Abwehrblock als rechter Außenmann gegen die HSV-Dreierspitze. Links operierte das Duo Schneider und Zé Roberto, wobei der Brasilianer defensiver spielte als an der Seite von Beinlich.

Spielverlauf: Guter Beginn der Hausherren, dann jedoch übernahm Leverkusen die Kontrolle. Zé Robertos Treffer nach einer Schrecksekunde im HSV-Abwehrzentrum nach Ramelow- Flanke verlieh dem Meisterschaftsfavoriten mehr Sicherheit. Mit Nowotnys Tor war die Partie schon gelaufen, zumal die Bayer- Abwehr um Nowotny sicher stand, Ballack die Herrschaft im Mittelfeld übernahm und die Angreifer um Zé Roberto gefährlicher wirkten als die blassen Spitzen auf der Gegenseite. Beim HSV ergab sich ein Manko an Spielwitz und Kreativität durch das Fehlen eines Spielmachers. Hollerbachs Feldverweis besiegelte die zweite Heimniederlage.

Fazit: Leverkusen nicht so meisterlich wie in Bremen, jedoch jederzeit Herr der Lage. Im Schongang brachten die Gäste die mäßige Partie über die Zeit. Der HSV hatte nie die Spur einer Chance. 
 

Jens Nowotny: Dirigent und Vollstrecker 

Bayer Leverkusen bleibt auch ohne den Gelb-gesperrten Beinlich und den verletzten Emerson weiter auf Titelkurs. Nachdem Bayern München am Samstag mit 4:1 gegen Hansa Rostock vorgelegt hatte, zogen die Leverkusener am Sonntag in Hamburg mit einem nie gefährdeten 2:0-Auswärtserfolg nach und sind wieder Spitzenreiter. 

Die Mannschaft von Trainer Christoph Daum bestimmte von Beginn das Geschehen. In den Zweikämpfen mit mehr Biss und spielerisch eine Augenweide - besonders in den ersten 45 Minuten. Nach 19 Minuten erzielte Ze Roberto mit seinem siebten Saisontor die 1:0-Führung, nach 30 Minuten schloss Abwehrchef Nowotny eine Ballstaffette mit Kirsten zum vorentscheidenden 2:0 ab.

Im zweiten durchgang wurde die Partie zerfahrener und härter, was besonders auf die Spieler des Hamburger SV zutrifft - Höhepunkt in dieser Hinsicht war die Ampelkarte für Hollerbach wegen wiederholten Foulspiels innerhalb von zwei Minuten (54.).

Zwar kamen die Hamburger zu zehnt etwas besser ins Spiel, doch fehlten ihnen ohne Groth, Cardoso und Yeboah die Kreativkräfte, um die sichere Bayer-Hintermannschaft um den überragenden Nowotny auszuhebeln.

Einziger Wermutstropfe für Bayer: Zivkovic, Ze Roberto und Ramlow holten sich an der Elbe ihre fünfte Gelbe Karte ab und sind am 33. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt gesperrt.