Saisonausblick 1999/2000
In meinem Saisonausblick, der insgesamt recht positiv ausfallen wird, muß ich allerdings gleich mal mit einem Thema anfangen, daß mir echt „auf die Nüsse“ geht.

Ich kann das Lamentieren von einigen Zeitungen und sogar HSV-Fans nicht mehr hören, die immer wieder fragen: Warum will kein Spieler mehr zum HSV kommen ? Warum wird nicht mehr Geld in die Mannschaft investiert ?

Zur angeblich „mangelnden Investitionsbereitschaft“: 
1. hat der HSV momentan einen riesigen Schuldenberg wegen des Stadions. Da kann man doch nicht noch sinn- und verstandlos weiter blauäugig Schulden machen. Die Kassen sind zur Zeit nun einmal recht leer. Allerdings ist das für mich keine mangelnde Investitionsbereitschaft ! Ich finde es ganz im Gegenteil sehr geil, wie günstig der HSV in diesem Jahr seine Mannschaft verstärkt hat. Und es sind ja nun auch keinesfalls nur neue Edelreservisten angeheuert worden. Besonders Präger, Mahdavikia und Kovac sind meines Erachtens substantielle Verbesserungen des Kaders. Außerdem muß man ja auch bedenken, daß Leute wie Präger und Kovac zwar ablösefrei kommen, aber leider ist es ja inzwischen Usus, daß man den ablösefreien Spielern dafür dicke Handgelder „in den A.... schieben“ muß.  Auch diese Summen, die gewiß mehrere Millionen sind, muß man ja als Investitionen für die Transfers rechnen.
2. Finde ich es lächerlich, wenn man jetzt bei jedem Spieler, der nicht zum HSV kommen will, sofort schreit: Es will keiner mehr zum HSV. 
Wir sind ja schließlich nicht der einzige Bundesligist auf dem Markt, der um Spieler buhlt. Wir haben z.B. Mahdavikia, Präger und Kovac bekommen, und die hätten andere Vereine bestimmt auch gerne verpflichtet. Wenn Leute wie z.B. Asamoah scheinbar das Geld auf Schalke (da war doch mal was mit Herrn K. ?!?!) einem Konzept mit vielen jungen Spielern vorziehen, ist das nunmal heutzutage so. Und bei einigen Absagen, habe ich das durchaus sogar als Kompliment für den HSV verstanden. So wollte z.B. Rène Schneider nicht zum HSV kommen, weil es hier (dank unserer in der letzten Saison überragenden Abwehr) keinen Stammplatz sicher hätte.

Genau diese Tatsache, läßt mich auch positiv auf die nächste Saison schauen. Der HSV hat fast jede Position mehrfach gut besetzt. Lediglich bei den Manndeckern könnte es bei Ausfällen Probleme geben. Alle anderen Positionen sind mehrfach – auch qualitativ – gut besetzt. 

So gut ich das auch finde, so sehr sehe ich da aber auch ein Problem. Ich persönlich hätte nämlich schon ein Problem, jetzt meine Wunschmannschaft aufzustellen. Durch das 3-4-3 – System, das der HSV jetzt spielt und wohl auch weiterhin spielen will, gibt es ja nur 4 Mittelfeldpositionen. Davon ist Groth bereits rechts gesetzt. Beim defensiven Part habe ich arge Probleme, denn ich finde sowohl Ernst als auch Grammozis und Kovac sehr gut auf dieser Position. Auch Graver könnte sie spielen, aber den würde ich dann doch eher im offensiven Mittelfeld einsetzen. Da stehen aber auch schon Dolly, Spörl und Dembinski zur Verfügung. Dembinski ist für mich nämlich eigentlich ein Mann, der hinter den Spitzen spielen sollte. Als Linksaußen finde ich ihn nicht so stark.

Insgesamt glaube ich also, daß der HSV eine gute Saison hinlegen kann. Leider kommt es in den ersten Saisonspielen ja knüppeldick auf den HSV zu. Ich hoffe, daß wir diese Spiele ohne Krach und Medienrummel überstehen, denn es steht anfangs durchaus ein Rang im letzten Tabellendrittel zu befürchten.  Wenn der HSV diese schweren Spiele aber gut übersteht, kann es eine gelungene Saison werden. Besonders auch das Restprogramm zum Ende der Saison läßt mich hoffen. Da könnte man dann noch einige Punkte gutmachen.

Ein UEFA-Pokal-Platz kann und muß wohl auch unser Ziel sein. Realistisch ist er schon. Allerdings darf man auch nicht verkennen, daß neben den ersten 6 der Saison 98/99 nun ja auch z.B. Schalke, Stuttgart etc. wieder in die internationalen Ränge wollen.

Vom Stadion erhoffe ich mir einen echten Stimmungsschub. Es war ja schon in der Rückrunde der Saison 98/99 teilweise eine Super-Stimmung. Wenn das Rund (oder besser Rechteck) nun geschlossen und dann auch überdacht ist, kann ich mir schon vorstellen, daß wir endlich einen kleinen Hexenkessel in Hamburg etablieren können. Aber dazu muß natürlich auch die Leistung der Mannschaft stimmen. Denn Stimmung gibt es bei uns ja leider immer nur, wenn es schon gut läuft. Aufmunterung gerade in besonders schlechten Phasen ist ja meist rar gesäht. Da sollten wir alle an uns arbeiten.

Eines noch zum Schluß: Mach´s noch einmal, Torboah !!

Alles wird gut !!!!

Mailt mir auch Euren Saisonausblick.
Ich pinne ihn dann hier unten dran und Ihr könnt noch in Jahren lesen, was Euch einstmals bewegte.


Weitere Saisonrückblicke:
Peter R. mailte mir folgenden Saisonausblick:

Mein persönlicher Ausblick:
Ich glaube, daß der HSV jetzt endlich wieder in der Saison 1999/2000 eine hervorragende Rolle in der Bundesliga spielen kann.  Ich denke, daß der HSV in die Regionen der UEFA-Cup Ränge vorstoßen kann.  Mein Optimismus stützt sich vor allem auf die Neuzugänge, die sich meiner Meinung nach hervorragend in das erfolgreiche Rückrunden-Team 99 eingliedern lassen.  Besonders von den Qualitäten von Roy Präger bin ich überzeugt.  Taktisch sind wir variabel, 
besonders das Mittelfeld ist auf fast allen Positionen gleichwertig besetzt.  Dort hat Pagelsdorf ja die Qual der Wahl:  Hollerbach, Ernst, Kovac, Gravesen, Groth, Grammozis, Doll, Spörl, evtl. auch die Stürmer Dembinski, Präger und Mahdavikia, die alle 3 für die Position im offensiven Mittelfeld in Frage kommen, stehen dort zu Verfügung.  Ich persönlich würde im Mittelfeld mit Ernst im defensiven Mittelfeld, Groth und Hollerbach auf den Außenpositionen und Gravesen im offensiven Mittelfeld agieren, aber da sind wir wie gesagt sehr variabel.  Unsere Abwehr sitzt bombensicher, evtl. könnte es Probleme bei Strafen und  Verletzungen bei unser Dreierkette Hertzsch, Hoogma, Panadic geben, dafür können aber auch Ernst und Gravesen auf der Liberoposition einspringen.  Der Sturm war der Hauptteil, indem man bei den Neuzugängen investiert hat.  Mit den Neuzugängen aus Iran, Mahdavikia und Hashemian, hat man dort große Möglichkeiten.  Vor allem bei Yeboah, aber auch mit Dembinski verfügt man über Qualität.  Bei Yeboah hoffe und glaube ich, daß er noch einmal eine geniale Saison spielt, und ungefähr eben so viele Tore schießt wie letzte 
Saison.  Das neue System mit 3 Spitzen und die neue, offensive Spielweise werden ihm dabei entgegen kommen.  Mit Präger verfügt man über einen neuen, blitzschnellen Stürmer, wobei noch nicht geklärt ist wo er spielt. Der Torwart Hans-Jörg Butt wird der Mannschaft die nötige Sicherheit verleihen,  und kann evtl. entgültig in den Kreis der Nationalmannschaft eintreten. Nicht vergessen darf man unser neues Stadion, das den HSV zu Hause zu vielen Siegen verhelfen wird.  Denn mit einen neuen Stadion bekommt die Mannschaft einen zusätzlichen Motivationsschub, außerdem werden mehr Zuschauer den HSV unterstützen.  Wenn das Präsidium den Trainer in Ruhe arbeiten lässt, und die Medien nach einer negativen Serie nicht gleich Pagelsdorfs Kopf fordern, und wenn die Fans dem Team den nötigen Rückhalt gibt, wird etwas dabei herausspringen.  Vor allem die jungen Spieler- Ernst, Hertzsch, Butt, Grammozis, Mahdavikia- werden dann eine positive Rolle abgeben.  Alles in allem vertraue ich dieser noch ausbaufähigen Mannschaft, und hoffe, das sie die in sie gesteckten Hoffnungen erfüllen kann.Bleibt mir dann nur noch zu wünschen, daß das Team von Verletzungssorgen verschont bleibt, und im Umfeld die nötige Unterstützung aufgebracht wird.

ALLE GUTE HSV, AUF DAS UNS EINE GROßE SAISON BEVORSTEHT!!!

XENON mailte mir folgenden Saisonausblick:

Dieses Jahr wird das Jahr der Entscheidung für den HSV, da dürfen wir uns nichts vormachen. Der HSV hat riesige Schulden, ein Schnitt von 31000 Zuschauern muß erreicht werden, um nicht weiter in die roten Zahlen zu rutschen. Doch auf der anderen Seite herrscht angesichts der starken Rückrunde, des neuen Stadions und der Verstärkungen eine große Euphorie im Umfeld, der Dauerkartenrekord wurde deutlich überboten und die Mitgliederzahl steigt momentan um unglaubliche 200 pro Woche. Dieses Jahr muß es gelingen, den HSV in der Stadt bei einem breiteren Publikum endlich wieder als "Event" zu etablieren, d.h. die Leute müssen so heiß auf den HSV sein, daß es ihnen nichts ausmacht, die neuen, für viele auch höheren Preise regelmäßig zu bezahlen. Und DAS wird nur gelingen, wenn der HSV erfolgreich und attraktiv spielt, da die Euphorie sonst schnell in große Enttäuschung umschlägt.

Die sportlichen Aussichten sind sehr gut. Das Team hat das 3-4-3 - System verinnerlicht und spielt konsequent über die Flügel, was angesichts der Neuverpflichtungen Maul(?), Hashemian (linker Flügel) und Mahdavikia, Präger (rechter Flügel) nun auch bei personellen Ausfällen bzw. Formschwächen einzelner Spieler durchgehalten werden kann. Das Mittelfeld ist qualitativ und quantitativ hervorragend besetzt. Die Abwehr zählt zu den besten der Liga, auch Alternativen sind vorhanden (z.B. Ernst, Gravesen) und unser Keeper ist über jeden Zweifel erhaben. Aber es gibt auch Probleme. Ein Ausfall unseres einzigen wirklichen Mittelstürmers mit "Brecher"-Figur (Yeboah) würde zu großen Problemen führen, da alle anderen Stürmer eher wendige, technisch orientierte Spieler sind, bei denen zumindest fraglich ist, ob sie Tonys Rolle ähnlich gut ausfüllen könnten. Und (ja, schlagt mich): Der Trainer muß endlich beweisen, daß er ein Großer ist. 
Schwächeperioden mit z.T. über 10 Spielen mit 1 Sieg, wie wir sie in beiden Jahren mit Pagelsdorf erlebt haben, darf es dieses Jahr nicht mehr geben. Ein wirklich guter Trainer muß Tendenzen und Stimmungen im Team erkenn können, er muß psychologisch gegensteuern und neu motivieren können, er muß ein Team mitreißen und erfolgshungrig machen. Sollte es dem Trainer gelingen, diesen Spirit im Team über die Saison aufrecht zu erhalten, dann ist dieses Jahr wirklich großes erreichbar. Ich lege mich also fest: der HSV erreicht Platz 4.

Berti Vogts schreibt in der Sportbild vom 07.07.99 unter der Überschrift "Berti Vogts Bundesliga-TÜV 2000. Hamburger SV. UEFA-CUP muß drin sein" :
Beim HSV läßt es sich leicht analysieren.  Die Hamburger haben praktisch keinen Stammspieler verloren.  Kirjakow kam erst in den letzten Spielen in Fahrt.  Dafür hat sich der HSV mit den beiden Iranern enorm verstärkt, sie sind gute Spieler.  Hashemian, vor allem aber Mahdavikia.  Der iranische Fußball, so überraschend das klingen mag, kommt dem deutschen Fußball sehr nahe.  Iraner sind meist robust, schnelle, gute Techniker.  Ihr Vorbild bleibt der deutsche Fußball.  Auch in der Trainingslehre, von der Aggressivität her.  Mahdavikia traue ich zu, daß er auf der rechten Seite spielt. 
Der gewitzte Torjäger Roy Präger wird sich durchsetzen, auch wenn er ein bißchen Anlauf braucht.  Ebenfalls Nico Kovac.  Der hat gemerkt, daß es bei Leverkusen in der Abwehr schwer wird, einen Platz zu bekommen.  Dafür wird nun Ingo Hertzsch beim HSV um seinen Platz kämpfen müssen, obwohl Trainer Pagelsdorf gerade auf diesen Jungen setzt.  Aber Kovac hat mehr Erfahrung. 
Mit diesen Verstärkungen, vor allem mit Roy Präger, muß der HSV den UEFA-Cup schaffen, noch da u jetzt im neuen Stadion. In Hamburg kann man etwas bewegen. Frank Pagelsdorf ist da auf dem richtigen Weg.  Als der HSV in Abstiegsgefahr schwebte, hat er kurzzeitig auf Manndeckung und Libero umgestellt.  Jetzt ist er wieder bei der Viererkette, die gestützt wird von dem großartigen Torwart Butt, der für mich zu Recht die Nummer drei in Deutschland ist.  Ribbeck wird ihm bald einen Einsatz geben, um ihn noch mehr zu puschen.  Vielleicht wird Butt auch noch Torschützenkönig, wenn er von Anfang an alle Elfmeter verwandelt. 
Fabian Ernst, als Libero oder Innenverteidiger, ist für mich eines der größten Talente des deutschen Fußballs.  Ich bin froh, daß er bei Pagelsdorf gelandet ist.  Denn er baut ihn sehr behutsam auf.  Wenn Ernst noch mal solch eine Saison wie zuletzt spielt, könnte ich mir durchaus vorstellen, daß sein Weg direkt über die U 21 zur EM nach Belgien bzw.  Holland führt. Vielleicht als Nummer 22. Denn der Junge besitzt große fußballerische Klasse, spielt mit 20 Jahren seine zweite Saison als Stammspieler.  Wie Ernst das Spiel liest, kann er vor oder hinter der Abwehr spielen oder auf einer Linie. 
Auch Groth hat sich im rechten Mittelfeld prächtig entwickelt.  Yeboah wird im Sturm noch ein gutes Jahr machen.  Ich mag und schätze ihn sehr.  Aber Pagelsdorf ist flexibel.  Wenn Yeboah mal wieder verletzt ist, kann man wunderbar mit den beiden schnellen Stürmern Präger und Dembinski spielen, über rechts könnte dann Mahdavikia immer wieder reinstoßen. 
Mich freut auch, daß Thomas Doll seine Seuchenjahre hinter sich gebracht hat.  Er hat wieder reingeschnuppert.  Er kann hoffentlich mit seinen kurzen Dribblings und Bewegungen noch Akzente setzen.  Ich würde ihm nach den vielen Rückschlägen privater und gesundheitlicher Natur wünschen, daß er in Zukunft ein paar Spiele rumreißt. 
Unter all diesen Voraussetzungen werden die HSV-Fans wieder einige Fußballfeste erleben.  Zumal das neue Stadion nicht mehr die Kühle des alten, ummodernen Volksparkstadions ausstrahlt.  Die Zuschauer werden die Mannschaft mehr unterstützen, und die wird das zurückgeben.  Für unseren Fußball wäre es wichtig, daß Hamburg wieder oben mitspielt.  Ich hoffe, daß der HSV Pagelsdorf die Ruhe gibt, um etwas aufzubauen.  Man kann seine Handschrift jetzt schon deutlich erkennen. 

FAZIT Wenn im Verein Ruhe einkehrt, sind die Chancen auf den UEFA-Cup groß.  Aber: Gibt's am Anfang keine Siege, könnte Unruhe ins Team kommen und den HSV um zwei Jahre zurückwerfen. 

Andreas B. mailte mir folgenden Saisonausblick:

Ich bin im Vergleich zur letzten Saison eigentlich recht zuversichtlich. In diesem Jahr ist es
wohl zum erstenmal seit langem der Fall, dass unsere Mannschaft weitgehend zusammenbleibt.
Wenn das integrieren der neuen Spieler mit den UI-Cup-Spielen gelingt, sollte auch das schwere
Startprogramm zu ueberleben sein. Ausserdem sind die Gegner ja auch noch nicht 100%ig
eingespielt und somit ist gerade gegen die hochnaesigen Bayern auf eine Ueberaschung zu hoffen.

Ganz wichtig werden die Heimspiele sein, von denen ich mir auch sehr viele Punkte verspreche.
Du hast Recht damit, dass gerade bei einem nicht so gut laufenden Spiel bzw. einem Rueckstand
mehr Unterstuetzung von noeten ist. Vielleicht sollte man, wie beim IFK Goeteborg, sogenannte
Stimmungs-Einpeitscher einsetzen, die die Aktionen der Fans in solchen Phasen koordinieren könnten. Naja, nur so eine Idee... Klappt vielleicht nicht in Deutschland...

Abschliessend liegt mir noch besonders am Herzen, dass auch die "alten" HSV-Spieler wieder
zum Zuge kommen. Ich denke hierbei an Fischer, Spoerl und vorallendingen Baeron. Das sind
Spieler die mir schon einige heftige Emotionen entlockt haben (ueberwiegend Positiv). Das Auspfeifen solcher altgedienter Spieler sollte komplett unterlassen werden. Besonders Karsten Baeron wuensche ich, dass er nochmal in dem neuen Station spielen kann.

Mein Tip fuer die neue Saison: Der HSV wird uns wieder sehr viel mehr begeistern. Es werden leider wieder mehr Spiele ungluecklich verloren gehen, in denen wir die klar bessere
Mannschaft waren. Hoffentlich gibt es wieder so ein geiles 2:1 (nach 0:1) im Heimspiel gegen Bayern oder sonstige Spiele, die noch umgedreht werden.

Nicht mehr vorkommen werden Spiele wie in der letzten Saison gegen Hertha (0:4), Frankfurt (0:1) oder Dortmund (0:0 sehr schlecht!). Fuer solche Un-Spiele ist die Mannschaft zu geschlossen und die Stimmung im Stadion zu einmalig. Der HSV kommt wieder auf Platz 7, gewinnt aber den DFB-Pokal.

Stevie mailte mir folgenden Saisonausblick:
Da der HSV erfahrungsgemäß in der Sommerpause (01.08.1998 oder 17.07.1999) eher erbärmlich spielt, bin ich dennoch der Überzeugung, daß eine direkte Qualifikation zum UEFA-Cup möglich sein könnte, nein, sie ist vorallem dringenst erforderlich, denn sonst wird es düster!!!
Wieso düster? 
- Nur wenn der HSV international vertreten ist, können Spieler wie Ernst, Butt, Hertzsch, Grammozis und Gravesen weiterhin langfristig an den Verein gebunden werden. Diese "jungen Wilden" brauchen eine gute Perspektive für ihre noch junge Karriere.
- Nur wenn der HSV international vertreten ist, ist es möglich über eine Refinanzierung des Stadions wirklich nachzudenken, denn die UFA springt erst ein, wenn der letzte Schuh versteigert wäre. Die angestrebte Zuschauerzahl in dieser Saison von 30.000 kann auch nur erreicht werden, wenn der Verein erfolgreich spielt. Die Zahl der Anpasser ist doch überproportional groß, was erschüttern mag, aber auch nicht verwundert (wieviele Bayern-Fans oder Freunde von McLaren-Mercedes gibt es denn?). Hinzu kommt, daß das Stadion durchaus mehr als 50.000 Zuschauer verträgt
und NUR diese zum erhofften "Hexenkessel" führen (meiner Ansicht nach, haben wir auch zuwenige Stehplätze).
- Nur wenn der HSV international vertreten ist, kann der Kader in Zukunft durch weitere GUTE Spieler ergänzt werden. Das soll auf keinen Fall heißen, daß dieser Kader schlecht sei - nein! Ich bin mit den Neuerwerbungen nicht unzufrieden, auch, wenn ich bei Kovac etwas ratlos über seine Verwendung bin, da ich Ernst auf dieser Postion eigentlich als gesetzt betrachte. Zu den anderen Spielern: Präger: Einsatzfreudig, frech, schnell und torgefährlich / Kia: sehr schnell, daher guter
Konterspieler, jung, mir aber etwas zu ballverliebt / Hashemian: viel habe ich leider noch nicht gesehen, sehe ihn aber auf Dembinas Position mit Drang ins Zentrum, vorallem bei Standards, verspreche mir sehr viel von ihm. / Cardoso/Yilmaz/Güsmüs: Ergänzungsspieler. Fehlen tut ein
Ersatz auf der linken Außenbahn (NICHT Babatz!) und ein Manndecker (muß unbedingt in der Saison geholt werden).

Der UEFA-Cup-Platz ist sehr gut möglich, man darf sich nur nicht zu blöde anstellen, das gilt auch und besonders für Frank Pagelsdorf und seine unorthoxen Einwechslungen und Aufstellungen (beispielsweise gehört Groth auf rechts!).

Der Rücktritt von Rolf Mares und die sicherlich noch bestehenden Spannungen im Vorstand können aber alles zerstören, vorallem wenn Pagelsdorf, Hieronymus und Hackmann mit in den Strudel geraten. Dann ist das "zarte Blütchen" NEUER HSV am Ende! Und meine Geduld auch, also: Fremad HSVer!!!

Der "kicker" (Hubert Meyer) schreibt in seinem Sonderheft zur Saison 1999/2000:
PAGELSDORF DRÄNGT ZUR SPITZE 
Eine starke Rückrunde macht Appetit auf mehr. Der Trainer jedenfalls fordert einiges in seinem dritten Jahr beim HSV 

Die Zahl 3 könnte für Frank Pagelsdorf in der kommenden Saison einen schicksalhaften Charakter erfahren. Schließlich trat der einst von Uwe Seeler für eine Million Mark Ablöse in Rostock freigekaufte Fußball-Lehrer mit einem Drei-Jahres-Plan an, innerhalb dessen er den HSV wieder europäisch salonfähig machen wollte. Nun steht er als Chefcoach vor seiner dritten Saison und natürlich im Wort. Da stellt sich die Frage: Sind aller guten Dinge wirklich drei? 

Pagelsdorf gibt sich im Vorfeld aufgeräumt und optimistisch (siehe Interview). Vor allem das letzte Drittel der abgelaufenen Saison läßt dabei den Fußball-Lehrer positiv in die Zukunft blicken. Seine System-Umstellung, an „der wir im Trainingslager auf Nordemey noch feilen werden", entpuppte sich als richtiger Schritt. Drei Spitzen - diese Angriffswaffe soll die Gegner auch in der kommenden Meisterschaftssaison in Schach halten. Wobei es einiger Experimente bedurfte, ehe Pagelsdorf den Schlüssel zum Erfolg fand. Vielleicht würde heute niemand von einem Angriffs-Trio sprechen, hätte Martin Dahlin gehalten, was sein Ruf als einstiger Bundesliga-Torjäger versprach. Hätte der (alte) Schwede Tore geschossen, würde es mit Sicherheit die Doppelspitze Yeboah/Dahlin geben. 
So gesehen ist es nicht tragisch, daß der frühere Gladbacher nicht einschlug, ließ doch Frank Pagelsdorf endlich seinen Gedanken freien Lauf und zog mutig die Angriffskarte. So werden die Zuschauer nicht nur im „Schmuckkästchen" Volksparkstadion, dessen Umbau im Herbst abgeschlossen wird, auch künftig ein 3-4-3-System bewundern dürfen. 

Die Frage ist allerdings noch, wie der Trainer mit dem respektablen Wohlstandsbäuchlein seine taktischen Pläne mit Leben füllt. Denn, dies wissen wir nicht erst seit dem großen Ernst Happel („Jedes System ist nur so gut, wie es das Personal zuläßt"), die Fußballer müssen die Visionen ihres Chefs auch umsetzen können. Pagelsdorf drehte deshalb auch diesmal wieder kräftig am Personal-Karussell. Vahid Hashemian, Nico Kovac, Roy Präger, Mehdi Mahdavikia, Özkan Gümüs, Mahmut Yilmaz und Rückkehrer Rodolfo Esteban Cardoso - es wird ein Hauen und Stechen um die Plätze geben. 

Gesetzt, dies hat Pagelsdorf bereits verlauten lassen, sind sechs Spieler. Da ist die unumstrittene Nummer l im Tor, Hans-Jörg Butt. Der Keeper, der einst von der Ersatzbank des Regionalligisten VfB Oldenburg kam und sich gegen HSV-Denkmal Richard Golz durchsetzte, hat sich inzwischen etabliert im Kreis der Nationalmannschaftsanwärter. Überdies überzeugt er durch seine Kaltschnäuzigkeit, wenn es darum geht, Elfmeter zu verwandeln. Er sorgte dafür, daß in der Bundesliga auch bei den Torhütern der Kampf Mann gegen Mann entsprechenden Raum einnahm. 

Als feste Größe sieht der Coach auch seine Abwehr. Andrej Panadic, Nico Jan Hoogma und Ingo Hertzsch harmonieren hervorragend als Dreier-Abwehr-Kette. Die zwei Routiniers aus Bosnien und Holland, dazu der U-21-Nationalspieler aus Chemnitz - kein Zweifel, mit dieser Kombination hat Pagelsdorf eines der größeren Lose gezogen. Besonders Panadic, dessen Siegwillen und Optimismus geradezu spürbar ist, glänzte in der abgelaufenen Saison sowohl in der Defensive als auch bei seinen Vorstößen oder bei Standardsituationen. Panadic prognostiziert eine überdurchschnittliche Saison. „Wenn wir die Konstanz reinbekommen, dann schaffen wir problemlos den UEFA-Cup." Gesetzt sind für Frank Pagelsdorf auch Martin Groth (rechte Außenbahn) und Anthony Yeboah (Sturmzentrum). Groth (Nummer l in der kicker-Rangliste) ist aufgrund seiner Effektivität aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Zentral läuft wohl vieles auf Fabian Ernst (vor der Abwehr) und Roy Präger (hinter den Spitzen) hinaus. Links könnte Kovac Bernd Hollerbach das angestammte Terrain streitig machen. Bleibt die Besetzung der Flügel, denn die sollen dem HSV wachsen. Der Iraner Mahdavikia gilt als Idealbesetzung für den Posten des Rechtsaußen. Lange Zeit ging Ronald Maul mit dem zweiten Iraner, Vahid Hashemian, ins Rennen als Linksaußen. Doch dann gab es Schwierigkeiten wegen einer von Bielefeld gezogenen Option und Pagelsdorf mußte den sicher geglaubten Transfer Maul doch noch streichen. So steht der Pole Dembinski in Konkurrenz mit Hashemian. 

Wichtig bei allen taktischen Planspielen wird sein, daß sich alle Spieler der Verantwortung bewußt sind, die ein so auf Angriff ausgerichtetes System mit sich bringt. Offensivfußball, wie ihn Ajax Amsterdam jahrelang sehr erfolgreich spielte (das HSV-System ist nahezu eine Kopie), birgt auch Gefahren. Die optimale Platzbesetzung funktioniert nur, wenn die Mannschaftsteile sich je nach Spielsituation vor, zurück oder zur Seite verschieben. Denkt nur ein Spieler egoistisch, wird die Sache zum Spiel mit dem Feuer. Die große Kunst des modernen Fußballs, den schon Johan Cruyff favorisierte, basiert darauf, daß der spielführende Mann immer mindestens zwei Anspielstationen hat (Cruyff: „Man muß Dreiecke bilden"). Beim HSV soll dies an der zentralen Längsachse Hoogma, Ernst, Präger, Yeboah geschehen. Wichtig dabei ist, daß diese Spieler die Abstände untereinander immer wieder einhalten. 

So weit die Theorie, die Praxis wird zeigen, wie die Profis diese Vorgaben umsetzen. Gelingt es, dann wird es im Volksparkstadion attraktiven Fußball geben. 

Dies wird auch erforderlich sein, denn immerhin drücken den HSV wegen des Stadionbaus rund 165 Millionen Mark Schulden. Dreizehn Millionen sind allein nötig, um die Folgekosten (Zinsen und Tilgung) aufzubringen. Das Geschäftsführende Vorstandsmitglied Werner Hackmann sprach deshalb bereits davon, daß ein „Risiko bleibt." Angesichts von kalkulierten 31000 Besuchern pro Spiel verständlich. Denn niemand garantiert diese Zahl. Allerdings stimmten die Verantwortlichen die Verkaufszahlen der Dauerkarten optimistisch, die schon Anfang Juli über 12 000 Stück lagen. Insgesamt faßt die neue Arena 53 000 Zuschauer. Die potentiellen Kunden werden aber auf den zweiten Spieltag (es kommt der VfB Stuttgart) warten müssen, ehe sie ihre Lieblinge im Neubau an der Sylvesterallee begrüßen können. Vorher kommt es zum Kampf der Systeme im Münchner Olympiastadion. Denn auch die Bayern greifen mit drei Spitzen an. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Hamburger ihre Schularbeiten gemacht haben. 

Kicker-Prognose: Der HSV ist personell stark genug, um das erklärte Ziel (UEFA-Cup-Platz) zu erreichen. Sollte die Integration der neuen Leute schnell gelingen, dann belegen die Hanseaten am Ende Rang 6. 
 

Und dann gibt es im kicker noch ein Interviews mit Frank Pagelsdorf:
Trainer Pagelsdorf über den Start. "Echte Prüfungen zum Saisonauftakt": 

kicker: Herr Pagelsdorf, Sie starten mit einem Auswärtsspiel beim FC Bayern in die neue Saison. Wie bewerten Sie den Auftakt? 
Frank Pagelsdorf: Man sollte die ersten fünf Spiele komplett bewerten und da muß ich sagen, das sind ganz schöne Brocken. Bayern, Stuttgart, Schalke, Hertha BSC und Lautern - kein Zweifel, es sind echte Prüfungen für die Mannschaft, die sich beweisen muß. Allerdings: In München rechnet jeder mit einer Niederlage. Da können wir noch ohne Druck aufspielen. 

kicker: Warum ist Ihre Mannschaft stärker als in der vergangenen Saison, welche Defizite 
sind noch vorhanden? 
Pagelsdorf: Sie ist stärker, weil die Spieler sich weiterentwickelt haben. Defizite hatten wir im Angriff. Ich glaube aber, daß wir das durch die drei Spitzen und die neu verpflichteten Spieler in den Griff bekommen. 

kicker: In den zwei Jahren, die Sie beim HSV arbeiten, mußten Sie in jeder Saison einen Einbruch Ihres Teams verkraften. Wie wollen Sie verhindern, daß dies wieder passiert? 
Pagelsdorf: Ich sehe es anders. Die Mannschaft hat zweimal bewiesen, daß sie schwierige Situationen meistern kann. Das zeugt von Nervenstärke. Die Probleme im ersten Jahr hatten mit dem Wechsel von Salihamidzic zu den Bayern und Kmetsch zu Schalke zu tun. 

kicker: Und wie war es im zweiten Jahr? 
Pagelsdorf: Da hofften wir. Im Angriff mit Dahlin besser zu sein. Im Nachhinein kann man sagen, daß dies ein Trugschluß war. 

kicker: Wer wird Meister, wo landet der HSV? 
Pagelsdorf: Mein Favorit heißt Bayer Leverkusen. Dem Daum-Team traue ich viel zu, weil die Mannschaft mit drei Spitzen spielt und über Topstürmer verfügt. Ze Roberto, Kirsten und Neuville, das ist eine Traumbesetzung. Der HSV wird am Ende unter den ersten sechs Plätzen zu finden sein. Davon bin ich überzeugt. 

Die Sportbild schreibt in Ihrem Sonderheft "Bundesliga 1999/2000":
Lang, lang ist es her, dass in Hamburg bereits im Vorfeld einer neuen Saison so eine Fußball-Euphorie herrschte wie vor dieser Saison.  Beim Dauerkarten-Verkauf hatte der Dinosaurier der Liga bereits Mitte Juni die alte Bestmarke von 11 561 Karten eingestellt, und Geschäftsführer Werner Hackmann jubilierte: "Hamburg ist heiß auf den HSV"

Öffnet sich in der Hansestadt endlich wieder das Tor zur großen, weiten Fußball-Welt? 
Nun ja, die Mannschaft hat endlich ein Gesicht bekommen.  Nachdem Trainer Frank Pagelsdorf eineinhalb Jahre viel herumexperimentierte, mehr als 20 Profis ein- und aussortierte, hat sich endlich ein Stamm von Spielern herausgebildet, mit dem sich die Fans wieder identifizieren können: Ob Torwart und Elfmeter-König Hans-Jörg Butt, die Manndecker Andrej Panadic und Ingo Hertzsch, Newcomer Fabian Ernst, Vorzeige-Profi Bernd Hollerbach, Mittelstürmer Tony Yeboah oder ein hoffentlich gesunder Thomas Doll - die Zuschauer haben freie Auswahl an Idolen. Und die neue Saison verspricht sogar noch mehr Sympathieträger als bisher: Mit Wolfsburgs Roy Präger haben die Hanseaten einen echten Publikumsliebling verpflichtet, der durch freches Mundwerk, flinke Dribblings und schöne Tore zu begeistern versteht.  Mit
den beiden Iranern Hashemian und Mahdavikia sind sinnvolle Sturm-Alternativen engagiert worden.  In diesem Mannschaftsteil hatte der HSV bislang noch die größten Probleme.  Und mit dem Leverkusener Niko Kovac wurde außerdem ein Allrounder eingekauft, der sich beim HSV als Bundesliga-Stammspieler etablieren könnte.

Seit Frank Pagelsdorf sein Team im 3-4-3-System der Bayern spielen lässt, wurde nur noch ein einziges Pflichtspiel (am letzten Spieltag bei Hertha) verloren.  Für die neue Saison verspricht der Trainer, "dass wir aus unserer Grundformation heraus sehr offensiv agieren werden.  Dazu gehört aber auch, den Gegner möglichst weit weg von unserem Tor zu halten.  Dafür haben wir jetzt die richtigen Spieler.  Wir haben eindeutig an Substanz zugelegt." Beste Voraussetzungen also dafür, dass die dritte Stufe seines Drei-Jahres-Plans zündet, wie es der Coach bei seinem Amtsantritt im Sommer 1997 verkündet hatte: Direkte Qualifikation für den UEFA-Cup.

Zu Hilfe könnte dem HSV dabei auch das neue Stadion kommen, das nun spätestens im November endgültig fertig gestellt sein soll.  Pagelsdorf: "Ich erhoffe mir davon einen ähnlichen Effekt wie in Dortmund oder Kaiserslautern.  Der Vorteil eines reinen Fußballstadions kann am Saisonende schon einige Punkte ausmachen." In der abgelaufenen Spielzeit fehlten am Ende nur fünf Punkte zum UEFA-CupPlatz.  Was den Hamburger Verantwortlichen um Präsident Rolf Mares so viel Hoffnung gibt, ist die blendende Perspektive vieler HSV-Spieler: In der U-21-Nationalmannschaft sind Ingo Hertzsch und Fabian Emst feste Größen; Torwart Butt und Roy Präger gehören zum Kreis der A2-Nationalmannschaft.  Der Iraner Mahdavikia, der Däne Gravesen und der Pole Dembinski sind ebenfalls Nationalspieler ihres Landes.  Mit einer solchen Truppe muss unter der Führung erfahrener Profis wie Yeboah, Hoogma oder Hollerbach sportlicher Erfolg eigentlich gut möglich sein.

Und wo lauert die Gefahr?
Der Erwartungsdruck im Umfeld ist sehr groß.  Was bei sportlichem Erfolg beflügelnd wirken dürfte, kann im Falle eines Misserfolgs zum Bumerang werden.  Das Hamburger Publikum ist das Warten leid, will endlich wieder einmal über lange Strecken guten Fußball sehen.  Da die Mannschaft ein sehr schweres Auftakt-Programm erwischt hat, könnte bei schlechten Ergebnissen sehr schnell wieder Unruhe im Verein aufkommen.

Das Verhältnis von Trainer Pagelsdorf zum Vorstand um Sportdirektor Hieronymus und Geschäftsführer Hackmann hat sich zwar oberflächlich entspannt, doch die Erinnerung an die Giftpfeile aus dem Vorstand in Richtung Trainer und dessen heftigen Flirt mit TeBe Berlin zu Beginn des Jahres ist noch frisch und schmerzt.  Sollten die Hamburger nicht rasch die erhofften Erwartungen erfüllen, könnte der Trainer abermals zur Disposition stehen.  Daran würde auch die für den Fall einer vorzeitigen Trennung inzwischen festgeschriebene Abfindung von zwei Millionen Mark nichts ändern, denn der HSV braucht den internationalen Wettbewerb dringend, um sich finanziell gesundzustoßen: Der UFA-Kredit (25 Millionen Mark) ist aufgebraucht - nun muss durch den Europacup und eine noch bessere Vermarktung Geld für den Schuldenabbau und den Kauf neuer Profis eingespielt werden.

Zudem droht dem HSV bei sportlichem Stillstand der" Liebesentzug" durch die UFA, die sich derzeit sowieso lieber auf die profitablen ChampionsLeague-Teilneluner Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund konzentriert.  Nicht umsonst hat Geschäftsführer Hackmann deshalb bereits angekündigt: "Mittelfristig wollen wir uns in der Bundesliga-Spitze etablieren.“

Ist das Oberhaupt möglich?
Fest steht: Diese Saison wird für den Verein endgültig richtungweisend, denn jedes weitere Jahr ohne Europacup, vor allem aber auch ohne Champions League, wirft die Hamburger in ihren ehrgeizigen Plänen weiter zurück.

Solange Mannschaft und Trainer in Ruhe arbeiten können, sind hochtrabende Ziele auch keine Utopie.  Aber wehe, wenn aus Hanseaten plötzlich Traumtänzer werden. 
 

Prominenten-Tip: Dagmar Berghoff (56), Chefsprecherin der ARD"Tagesschau": "Ich glaube, der HSV kann Platz 5 erreichen, es wurde gut eingekauft.  Und dann dieses tolle neue Stadion!  Meister werden wohl wieder die Bayern, obwohl auch Leverkusen und Dortmund mitreden könnten.  Zwei, die aufgestiegen sind, gehen gleich wieder runter: Ulm und Bielefeld.  Und so Leid es mir tut: Ich fürchte, dass es auch Rostock erwischt."

Sport-Bild- Prognose: Eines der schönsten Stadien der Liga und Zuschauer, die inzwischen sogar Temperament zeigen: In Hamburg hat sich viel getan.  Wenn daraus keine Selbstgefälligkeit entsteht, könnte es dieses Jahr sogar wieder mit dem Einzug in einen internationalen Wettbewerb klappen.

Der kicker schreibt in seiner Ausgabe vom 22.07.99: HSV - kicker-Test
Pagelsdorf und der große Wurf: Im dritten Jahr will der Trainer seine Elf in den UEFA-Cup führen - Gezielte Verstärkungen:

Platz neun im ersten Jahr, Platz sieben im zweiten Jahr, und nun?  Im dritten Jahr der Pagelsdorf-Ära beim Hamburger SV soll der Sprung ins internationale Geschäft gelingen.

Die Neuen:
Nur ein Quartett namhafter Neuerwerbungen kam neu in diesem Sommer, nachdem zuletzt stets ein immenser Austausch des Personals stattgefunden hatte.  Gezielte Verstärkungen holte der Coach, vor allem für die Außenpositionen.  An erster Stelle das Duo der Perser, das sich Chancen ausrechnen darf: Mahdavikia als rechter Außenmann, Hashemian als linker Außenposten.  Einen Stammplatz so gut wie sicher dürfte Niko Kovac haben: Vielseitig verwendbar.  Als offensiver Mittelfeldspieler hinter den Spitzen plant Pagelsdorf den früheren Wolfsburger Präger ein, der indes auch im dreiköpfigen Angriff spielen könnte.  Kaum Chancen werden Heimkehrer Cardoso eingeräumt, der wieder verkauft werden soll.  Gümüs und Yilmaz gelten als Talente und Wechsel auf die Zukunft.

Die Stärken:
Die Schwachpositionen sollten durch die Einkaufspolitik ausgemerzt worden sein.  Vor allem in der Offensive, wo zuletzt Dahlin enttäuschte, Grubac überhaupt nicht und Kirjakow nur in Ansätzen überzeugen konnte.  Der Sturm sollte durch Präger sowie die beiden Iraner besser besetzt sein.  Yeboah, sofern er an die Form der letzten Saison anknüpft, gilt weiterhin als Trumpfkarte,.  Als Bank darf auch die Abwehr angesehen werden: Mit Butt steht Deutschlands größtes Torwart-Talent zwischen den Pfosten.  Davor agiert eine eingespielte Dreierkette, die Stabilität aufweist, zumal mit Groth, Niko Kovac und Ernst drei Könner im defensiven Mittelfeld für die notwendige Absicherung sorgen.

Die Schwächen: 
Nicht optimal besetzt ist die Schlüsselrolle in der Offensive: die Position hinter den Spitzen.  Gravesen fehlt die Kreativität, Präger, Pagelsdorfs Favorit, scheint sich im Sturm wohler zu fühlen, hat noch Umstellungsprobleme, Doll beklagt in der Vorbereitung wieder Verletzungsprobleme, Spörl und Dembinski sind weitere Kandidaten, die jedoch ebenfalls noch nicht restlos überzeugt haben.  Fragezeichen stehen auch noch hinter der linken Außenbahn.  In der Defensive muß Hollerbach um seinen Platz bangen, den ihm Kovac streitig machen könnte.  Noch mehr Probleme scheinen sich in der Offensive zu ergeben, wo Pagelsdorfs Wunschspieler Maul nicht kam.  Ob Hashemian (durch einen Nasenbeinbruch in der Vorbereitung gehandicapt) es auf Anhieb schafft, bleibt dahingestellt.  Auch Ersatz Dembinski ist bisher über gute Ansätze nicht hinausgekommen.

Der Trainer:
Im dritten Jahr will Frank Pagelsdorf zum großen Wurf ausholen.  Bislang liegt er im Soll: Jahr für Jahr gab es eine Steigerung.  Nun gilt die Qualifikation für den UEFA-Cup als Ziel.  Nach dem Wechseltheater um seine Person (erst Dortmund, dann TeBe Berlin) hat sich der 41jährige anscheinend endgültig für den HSV entschieden.  Durch die jüngsten Erfolge sind auch die Diskussionen um seine Person weitgehend verschwunden.

Die Taktitk:
Die Grundformation bleibt so erhalten wie zuletzt: Dreierkette in der Abwehr mit der einzigen Änderung, daß Hertzsch (nun rechts) und Panadic (nun links) die Seiten wechseln.  Begründung für diese Änderung von Pagelsdorf: "Ich erhoffe mir dadurch mehr Impulse für das Spiel nach vom." Ein vierköpfiges Mittelfeld in RautenForm: ein zentral defensiver, ein zentral offensiver Mann, je ein Akteur auf den Außenbahnen.Davor eine dreiköpfige Spitze mit zwei echten Flügeln.

Das Umfeld:
Dauerkrach in der Führung: Aufsichtsrat und Vorstand sind sich nicht grün.  Vorläufiger Höhepunkt: Vorsitzender Rolf Mares trat am Montag abend zurück.  Im Aufsichtsgremium hat sich der Chef Udo Bandow verbraucht, zumal er die Seeler-Ära eher schlecht als recht aufgearbeitet hat.  Mitglieder wie der frühere Präsident und Manager Dr. Peter Krohn und Ex-Präsident Jürgen Hunke betreiben Oppositionspolitik.  Insgesamt wirkt sich der Dauerstreit der HSV-Macher negativ aus.  Dabei müßten beim "Hamburger Streit-Verein" eigentlich alle an einem Strang ziehen, zumal das Risiko der Neuverschuldung durch den nötigen Umbau des Stadions immens ist.

Die Prognose:
Der HSV wird um einen Platz im internationalen Geschäft mitspielen.  Das neue Volksparkstadion könnte den Heimvorteil ausbauen.  Sollten die Querelen in der Führiingsetage aufhören, so könnte den Hanseaten die Anknüpfung an bessere Zeiten gelingen. 

BWBM (Black-White-Blue-Magic) mailte mir folgenden Saisonausblick:
In einem früheren PIN habe bereits einmal gesagt, zwischen Platz 3 und 13 ist alles möglich.
Ich finde es nicht weiter bedenklich, wenn der HSV in den Vorbereitungsspielen verliert, und teilweise recht alt aussieht (abgesehen natürlich vom Imageschaden). 
Für mich ist es wichtig, daß Pagel seine Formation und sein System nicht erst wieder zum Rückrundenstart gefunden hat. Aufgrund der Neueinkäufe wie Präger, Kovac und den beiden Iranern hat Pagelsdorf auch bei längerandauernden Verletzungen mehr Möglichkeiten und taktisch bessere taktische Variationsmöglichkeiten. 
Aufgrund dieser Voraussetzungen müßte eigentlich locker ein Platz unter den ersten sechs zu machen sein. Auf der anderen Seite bin ich lange genung HSV-Fan, um zu wissen, daß gerade in Hamburg immer alles ein wenig anders ist. Die Unruhe im Vorstand und um den Stadionneubau färbt natürlich auch auf das gesamte Umfeld wie Mannschaft und Fans ab. Aufgrund dieser Vorgänge, denke ich, ist die noch vor einigen Tagen zu verspürende Euphorie rückläufig. Es ist wichtig, daß diese bis zm esten Heimspiel wiederkommt. 
Da Fußball bekanntlich zu 2/3 im Kopf entschieden wird, sind Anfangserfolge eminent wichtig. Diese könnten durch Unterstützung seitens der Fans  in unseren tollen neuen Areana begünstigt werden.
Überhaupt, Areana. Meines Erachtens ist diese bei den Marketingbemühungen im Zusammenhang mit dem Dauerkartenverkauf viel zu sehr in den Hintergrund getreten. Die Hamburger sind heiß auf das Stadion, es wird dort eine unglaubliche Atmosphäre herrschen, das muß rüberkommen.
Ein bißchen Ruhe von der Aufsichtsrat- und Pressefront, ein planmäßig fertig gestelltes Stadion, das immer gut gefüllt und laut ist, dann glaube ich kann ich mich für nächste Saison auf einen 5. Platz als Tip festlegen.